Schreiben aus der Sicht von Nicht-Menschen

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    • Schreiben aus der Sicht von Nicht-Menschen

      Hey Leute,

      ich habe eine Frage zu eurer Schreibmethodik. Wie schreibt ihr persönlich Geschichten oder Texte, die aus der Sicht eines Nicht-Menschen geschrieben sind? Ich finde dies sehr schwer, und es hält mich momentan davon ab Mitglieder anderer Völker als Menschen als Hauptcharaktere zu wählen.
      Einige von euch mögen sich jetzt fragen, wo an der ganzen Sache mein Problem ist. Ich denke, ich kann es am besten mit einem Beispiel erklären:

      Nehmen wir, um es einfach zu halten, zwei klassische Fantasyvölker: Elfen und Zwerge. Den Angehörigen dieser Völker werden in den meisten Büchern klischeehafte Eigenschaften zugeschrieben. So sind Elfen zum Beispiel stolz, vielleicht arrogant und weise. Zwerge sind im Vergleich dazu meistens stur, grimmig und eher frei heraus.

      Wie kann man es nun schaffen, ein Kapitel in dem ein Elf/Zwerg der Protagonist ist glaubwürdig zu schreiben. Wie erreicht man, dass der Charakter als Elf wahrgenommen wird und nicht als stolzer, arroganter, langlebiger Mensch? Was unterscheidet den Klischee-Zwerg charakterlich von einem sturen, grimmigen Menschen? Ich hoffe ihr versteht was ich meine.
      Ist es überhaupt möglich Angehörige irgendeiner anderen Spezies glaubhaft darzustellen? Bzw. wenn man es schaft den Charakter soweit zu "entmenschlichen" wie es nötig ist um ihn glaubhaft als Mitglied eines anderen Volks darzustellen, sind seine Handlungen für den Leser dann überhaupt noch nachvollziehbar? Dies gilt sowohl für klassische Fantasyvölker, als auch für alle anderen Nicht-Menschen in euren Geschichten, oder anderer Literatur.

      Stecke ich zu viele Gedanken in dieses Problem, oder seht ihr es ähnlich wie ich?
      Diskutiert und helft mir bitte ;)
    • Makeldion schrieb:

      Wie erreicht man, dass der Charakter als Elf wahrgenommen wird und nicht als stolzer, arroganter, langlebiger Mensch? Was unterscheidet den Klischee-Zwerg charakterlich von einem sturen, grimmigen Menschen?
      Nix? Beziehungsweise meistens nix. Und vor allem solange nix, wie es sich um ein Pickerl "Elf" oder "Zwerg" auf der Stirn eines spitzohrigen oder kleinen und bärtigen Menschen handelt.

      Wenn du jetzt allerdings ein wirklich anderes Wesen hast, das definitiv nicht Mensch mit Pickerl drauf ist, dann ist es auch nicht mehr gar so schwer, seine Sicht nichtmenschlich zu machen. Voraussetzung dafür ist allerdings eben, dass dieses Wesen eine nichtmenschliche Sicht hat - und das ist meiner Meinung nach das Problem dran, nicht, diese Sicht dann in einen Text zu stecken.
      Don't diagnose and drive.

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    • Die Leute, die es verstehen müssen, also Deine Leser sind allesamt Menschen. Also muss jede Erzählweise schon mal innerhalb des menschlich denkbaren sein. Da wirst Du auch selbst sehr schwer raus kommen. (Ich nehme mal an, dass Du ein Mensch bist.)

      Innerhalb dieses Rahmens gibt es allerdings kaum eine Verhaltensweise, die bei Menschen nicht tatsächlich vorkäme. Die erste Frage ist da, was macht Deine Elfen zu Elfen, Zwerge zu Zwerge? Sind es die spitzen Ohren und der Vollbart? Dann brauchst Du Dir stilistisch gar keine Gedanken machen.
      Wenn es allerdings Charactereigenschaften sind, hilft es, vergleichbare Menschen zu finden und diese zu beobachten. Das dann überspitzen und schon hast Du die gewünschten Figuren.

      Schaffst Du es allerdings, eine Figur gleichzeitig arrogant und weise zu machen, so hat sie tatsächlich etwas übermenschliches.
    • Ich wollte mich jetzt nicht auf Elfen und Zwerge beschränken, es ging mir nur darum ein Beispiel zu finden, dass jeder kennt.
      Im Prinzip sagt ihr also, dass jedes Verhalten dass ich als Mensch mir vorstellen kann menschlich ist, selbst wenn Menschen so nicht handeln würden. Ist ein logischer Ansatz, aber meiner Meinung nach schwerer umzusetzen als man denkt oder? Habt ihr vielleicht ein Beispiel aus euren Welten?
    • Andere Völker haben eine andere Sicht der Welt als Menschen, sie haben andere Mythen und Legenden, Aberglauben, andere Götter, andere Metaphern und Vergleiche, andere Redensarten, eine andere Lebenseinstellung, andere Körpersprache, andere Moralvorstellungen... Dazu muss ein Volk nicht einmal nichtmenschlich sein. Schon hier auf der Erde haben Völker unterschiedlicher Kulturkreise komplett andere Weltanschauungen. Ich denke dass es jedem Europäer schwer fallen muss, beispielsweise einen Roman aus der Sicht eines Inders oder Chinesen zu schreiben. Das kann man vielleicht so darstellen, dass andere Europäer es einem abnehmen, aber so in die Kultur einzutauchen, dass Inder oder Chinesen einem den Text abkaufen, das ist furchtbar schwer und vielleicht auch gar nicht möglich.

      Es ist nicht einfach sie zu schreiben, weil man zugleich darauf achten muss, sie exotisch und trotzdem für den menschlichen Leser verständlich zu halten. Sonst kommt der Text nicht an.
      Mir hilft es da immer, ein gewisses Hintergrundwissen üebr das Volk zu haben: Sachtexte über ihre Geschichte, ihr Alltagsleben... einfach alles was einem so einfällt. Dann ergibt sich der Rest beim Schreiben. Man muss einen Mittelweg finden zwischen anderer Sicht auf die Welt und deren Vermittlung an den Leser.

      Ich kann zum Beispiel in einem Text nicht voraussetzen, dass der Lesende weiß, was ein Czíarvr ist. Also muss ich "Riesenlauerkröte" schreiben, obwohl mein Protagonist natürlich das Fachwort kennt. Oder bei der Körpersprache muss ich "mit vor Fröhlichkeit bebenden Flügeln" schreiben, weil dem Leser nicht bekannt ist, was bebende Flügel zu bedeuten haben. Es kommt auch immer darauf an für wen so ein Text gedacht ist. Beim durchschnittlichen Fantasyfan kannst du darauf gehen, dass er eine Vorstellung von Elfen und Zwergen im Kopf hat, auf die du bauen kannst. Beim durchschnittlichen Weltenbastler ist die Bereitschaft höher, am Anfang eines Textes erstmal nicht alles zu verstehen, ein paar zunächst unerklärte Weltenbegriffe erstmal hinzunehmen, und dann im Laufe des Textes langsam in die Welt reinzurutschen.


      Wie bei so vielen Details des Schreibens fallen mir hier 2 Tipps ein:

      - such dir Beispiele, wie andere es machen und schau dir genau an wie, versuch das in deinen Texten umzusetzen
      - übe, übe, übe solche Texte selbst zu schreiben und hole dir Feedback von den Lesern

      :)
    • Hallo Makeldion,

      Wie schreibt ihr persönlich Geschichten oder Texte, die aus der Sicht eines Nicht-Menschen geschrieben sind?

      Alles, was ich ab hier schreibe, ist mit absoluter Vorsicht zu geniessen, denn ich habe noch keine Geschichten/Texte aus der Sicht von Nicht-Menschen geschrieben. ;)

      Wenn du für ein bestehendes Franchise Charaktere schreibst wäre es wohl glücklicher, die Kontinuität zum Kanon zu wahren, auch bei eigenen Charakteren.

      Aber du fragst wahrscheinlich wegen deiner eigenen Welt nach.
      Dein Beispiel waren ja die stolzen, vielleicht arroganten und weisen Elfen und meist sturen, grimmigen und direkten Zwerge. Du merkst also selbst, dass es keinen Zwang gibt (selbst bei richtig klischeebeladenen Völkern) diese Charaktereigenschaften bei jedem Individuum einzuhalten.
      Wenn du z.B. einen Wirt in einem Gasthaus beschreibst, dann kann das ein Elf sein... und schon musst du dir Gedanken über seine Hintergrundgeschichte machen: Wie kommt er in ein Gasthaus? Stehen Elfen von seinem Stand oft hinter der Theke? Kann er Bier herbeizaubern? Wie wird so eine spindeldürre Gestalt mit Raufereien in der Bar fertig? Ist sein Leben stressig... oder liegt sie im Auenland und unter Halblingen ist Bier servieren ganz gechillt.
      Sogar wenn es eine unwichtige Randfigur ist, wird "der Wirt" dadurch weniger klischeehaft -- nicht wegen den spitzen Ohren, sondern wegen seiner geschilderten Erfahrung und vielleicht wegen einem Konflikt (der Rauferei in der Bar) in die sich der Wirt irgendwie einmischt.

      Du willst, dass der Charakter als Elf wahrgenommen wird, aber dein Publikum muss überhaupt erst wissen, was Elfen auf deiner Welt sind: Wo wohnen sie? Wissen die Halblinge, wo die ihnen nächste Elfensiedlung ist? Ist dieser Elf von weit hergekommen oder befindet sich die "Bar Beutelsend" direkt in den Baumhäusern Lothloriens und Biuniel ist die Kneipenbesitzerin und schmückt ihre Bar (in der dieser Charakter arbeitet) mit "authentischem" Tand aus Bree und anderen Gebieten, die "grob" in Richtung Auenland liegen.

      Dein Elf, dein Zwerg, sind zwar keine Menschen, aber sie haben Persönlichkeiten. Sie entwickeln also Beziehungen zu anderen Figuren (und haben aufgrund z.B. ihrer Langlebigkeit oder Sinnesorgane oder Selbstverliebtheit eine Vielfalt anderer Beziehungen als Menschen... mit einer Vielfalt anderer Probleme, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Freundschaften und Liebschaften länger dauern, aber das man z.B. in einer langlebigen Kultur mit serieller Monogamie evtl. nicht "bis der Tod euch scheidet" heiratet und eine Menge alter/ehemaliger Freund- und Liebschaften hat...wie gesagt nur ein Beispiel, es gibt Tausende Möglichkeiten für sowas).

      Wie erreicht man, dass der Charakter als Elf wahrgenommen wird und nicht als stolzer, arroganter, langlebiger Mensch? Was unterscheidet den Klischee-Zwerg charakterlich von einem sturen, grimmigen Menschen? Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

      Je nachdem, wo die Handlung der Geschichte angesidelt ist, wirst du entweder die Stereotypen auf der Basis von Individuen geschickt umgehen oder vertiefen müssen (um mit dem Klischee zu brechen bzw. seine Existenz zu rechtfertigen) oder aber dich wirklich mit der "Innensicht" der Elfen und Zwerge auseinandersetzen (aber wenn du z.B. einen Zwerg in seiner Heimat beschreibst, wirst du diverse Tricks anwenden müssen, damit dein Publikum noch die unhinterfragten Realitäten des Alltags mitbekommt, die dein Charakter gar nicht ungewöhnlich findet und über die dein Charakter deshalb auch nur nachdenkt, wenn irgendwas los ist... z.B. wenn die Jugend "heutzutage", zu der dein Zwerg gehören kann oder eben nicht, gegen bestimmte Sitten rebelliert...oder wenn Pferde mit zwei Köpfen als Reittiere supernormal sind, musst du vielleicht ein Pferd beschreiben, wo einer der zwei Köpfe *überraschenderweise* gar kein Horn hat! Dieses Pferd sollte dann aber auch gefälligst die Kutsche vom Erzschurken ziehen (dem Mann der Oberbürgermeisterin, mit fies geflochtenem Bart und ohne gewissen) ... oder anders gesagt: deine Beschreibungen sollten die Handlung möglichst vorantreiben. Das "aufsehenerregende Merkmal" hat im Optimalfall eine Funktion innerhalb deiner Geschichte, die über das blosse Beschreiben von "Andersartigkeit" hinausgeht.

      Entmenschlichte Charaktere sind nichts per se Schlechtes, aber ihre unmenschlichen Eigenschaften bleiben den Lesenden oft rätselhaft. Wenn du das unmenschliche erklärst, versetzt du die Figuren wieder in den Personen-Status.
      Das hat dann auf 0815-Otto-Normalleserin den Effekt, dass sie deinen Text entgeistert anglotzt und dann einfach die unmenschlichen Aspekte hinnimmt. Solange du weißt, wo bei deinem Zwerg oder Elf die Menschlichkeit anfängt oder aufhört, kannst du diese Menschlichkeit aufrechterhalten.

      Du steckst ganz sicher nicht zuviele Gedanken in das Problem. Aber es ist mit Sicherheit möglich, aus der Perspektive nichtmenschlicher Charaktere zu schreiben. Aber es ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, wie du da, um glaubhaft zu bleiben, im besten Fall rangehen kannst. Eine Geschichte in der Elfenhauptstadt Klee-rasil wird einfach aus elfischer Perspektive ganz anders aussehen, als die Memoiren eines Badoc-Elfen ( ;)), der in die hobbitliche, menschliche oder zwergische Kultur assimiliert wurde und nun, trotz seiner Langlebigkeit und seiner in der Kindheit erlernten "Weisheit", eine überwiegend hobbithafte/menschenhafte/zwergenhafte Sichtweise auf die Welt hat. Einschließlich Beunruhigung gegenüber Abenteuern oder einem Hang zum menschenhaften Flirt ( :lol: ) oder eine grimmige Weltsicht, die geprägt ist davon, dass der Badoc-Elf im Stollen lebt, der trotz genialer zwergischer Baukunst theoretisch einstürzen könnte, eine Furcht, die sich die Zwerge angewöhnt haben, um immer auf der Hut zu sein ... und die der Badoc-Elf einfach übernommen hat, weil das ihm sinnvoll schien.

      Hoffentlich hilft das ein wenig? Oder verfehle ich die Frage?
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Also um erst mal bei den Beispielen zu bleiben würde ich sagen, dass die typischen Elfen und Zwerge noch relativ menschlich sind. Von daher ist es normal, dass sie in vielen Punkten durchaus als außergewöhnliche Menschen durchgehen können.
      Um das zu vermeiden, braucht man irgendwelche Alleinstellungsmerkmale, die aber als normal für die Rasse/Spezies angesehen werden. Bei Elfen wäre es z.B. die Langlebigkeit, die zudem bei ihnen als völlig natürlich empfunden wird, während besonders langlebige Menschen eher für aufsehen sorgen. Bei einem Zwerg würde ich z.B. bezüglich der Körpergröße nicht schreiben, dass er kleiner als ein normaler Mensch ist, sondern dass Menschen für ihn z.B. zu groß sind, um problemlos in seine Tunnel zu passen.
      Besonders einfach wird es bei anatomischen Besonderheiten: Spätestens wenn von Gefieder und einem Schnabel die Rede ist, liegt doch näher, dass es um ein Vogelwesen geht als um einen Menschen.
      Aber auch viele kleine Besonderheiten helfen, eine Figur als Nicht-Menschen zu charakterisieren, auch wenn sie allein nicht ausreichen. Was hier noch nicht direkt genannt wurde, ist die Sprache: Bei meinen Mondnymphen ist sie eher simpel, freizügig und drückt komplexere Dinge eher metaphorisch aus, was sich auch in der deutschen "Übersetzung" umsetzen lässt. Zwerge schreiben eher trocken, strukturiert und müssen sich zusammennehmen, unschöne Wahrheiten Angehörigen anderer Rassen/Spezies nicht zu direkt "an den Kopf zu knallen". Außerdem vermeiden sie Begriffe, die eigentlich Gefühle ausdrücken, als reine Höflichkeitsfloskeln zu benutzen.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"
    • Makeldion schrieb:

      Wie kann man es nun schaffen, ein Kapitel in dem ein Elf/Zwerg der Protagonist ist glaubwürdig zu schreiben. Wie erreicht man, dass der Charakter als Elf wahrgenommen wird und nicht als stolzer, arroganter, langlebiger Mensch? Was unterscheidet den Klischee-Zwerg charakterlich von einem sturen, grimmigen Menschen? Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

      Wie du schon sagst: nicht viel, wenn es sich tatsächlich um einen einfallslosen Klischee-Elfen/Zwerg handelt. Dann IST er nämlich nichts anderes als ein groß/kleingewachsener Mensch mit bestimmten Eigenschaften.

      Wobei ich gerade diese Eigenschaften zwiespältig betrachte. Nehmen wir den Menschen. Auch hier gibt es stolze, arrogante, großgewachsene Exemplare, genauso wie gedrungene, sture Kerle, die stets grimmig dreinschauen. Ich finde, man macht es sich viel zu einfach, wenn man einer anderen Spezies eine solche Bandbreite der Emotionalität zuzugestehen.

      Wobei eine solche "Gleichschaltung" einer Spezies tatsächlich mal etwas wäre, was sie von Menschen unterscheidet: das Fehlen von unterschiedlichen Wesenszügen. ;)

      Ansonsten würde ich mal drüber nachzudenken, ob deine Zwerge und Elfen (bleiben wir bei dem Beispiel, ich glaube nämlich auch, dass es einfacher ist, als Schreiber in eine fremde Haut zu schlüpfen, wenn sie tatsächlich FREMD ist und nicht quasi-menschlich) nicht doch etwas anderes sind als klein/großgewachsene Menschen. Es steht dir frei, ihnen zusätzliche Wesenzüge, körperliche Merkmale, Verhaltensweisen anzudichten, die sich deutlich von den Menschen unterscheidet, die dein Leser-Zielpublikum bilden.
      Das kann dann sogar heißen, dass man sich gern auch bei Menschenvölkern bedienen kann, die für den Europäer exotisch und ungewöhnlich erscheinen. So manche Verhaltensweisen aus dem Fernen Osten, dem tiefsten Afrika, dem Outback Australiens eignet sich durchaus, eigenen Spezies etwas "Nicht-Menschliches" einzuhauen - und das obwohl es in Wahrheit gar nicht nicht-menschlich ist! Das Zielpublikum erkennt lediglich, dass sich diese Spezies irgendwie grundsätzlich anders verhält, als man es gewohnt ist.

      Des weiteren glaube ich auch, dass es hilfreich ist, sich mal Geschichten von Autoren durchzulesen, die sich genau diesem Thema gewidmet haben.

      C. J. Cherryh fällt mir da ein. Sie beschreibt grandiose exotische Völker. Z.B. in der Trilogie "Die sterbenden Sonnen" (Auch als "Duncan-Trilogie" genannt, mit den Einzelbänden Kesrith, Shon'jir, Kutath. Die Autorin schreibt abwechselnd aus der Sicht von Menschen und zwar weiteren Spezies, die sich erheblich in ihrer Physiologie, Psychologie und Weltanschauung unterscheiden).

      Cherryh beschreibt ihren typischen Schreibstil als „sehr eingeschränkte Erzählung in der dritten Person“. In diesem Stil wird die Geschichte aus der Perspektive der momentanen Figur erzählt – und es wird nur erzählt, was dieser Figur auffällt oder woran sie denkt. Wenn beispielsweise ein Raumschiffkapitän an einer Raumstation ankommt, wird die Erzählung nichts darüber erwähnen, wie die Station aussieht oder wie sie funktioniert, auch wenn es den Leser interessieren würde, denn diese Details sind dem Kapitän bereits so gut bekannt, dass er sie nicht bemerkt oder er nicht darüber nachdenkt. Dieser Schreibstil ist manchmal wie das direkte Lesen der Gedanken der betrachteten Figur.


      Oder als zweites Beispiel: Somtow Sucharitkul (ein abgefahrener thailändischer SF/Horror-Autor, hier fallen mir die "Inquestor"-Romane ein, er schreibt hier zwar nicht aus der Sicht einer anderen Spezies, aber trotzdem aus der völlig fremdartigen Sichtweise eines Volkes, das ihres Gehör- und Sehsinnes beraubt wurde.
      Æýansmottír-Blog - Mysterion-Blog - Deviant - Mysterion - Æýansmottír (provisorisch) - Bloubbuji

      Jedes Tier sollte stolz sein, wie Grillgut auszusehen. Besser als wenn man hinschaut und sagt: "Nette Suppeneinlage." (Mara)
      The limit of the Willing Suspension Of Disbelief for a given element is directly proportional to its degree of coolness.
    • @Gomeck
      Wobei eine solche "Gleichschaltung" einer Spezies tatsächlich mal etwas wäre, was sie von Menschen unterscheidet: das Fehlen von unterschiedlichen Wesenszügen.

      Absichtlich gleichgeschaltete Elfen...wären sie von Klischee-Elfen zu unterscheiden?
      Sowas lässt sich meiner Meinung nach nur durchziehen, wenn vorher andere, nichtmenschliche Intelligenzen vorgestellt wurden, die eine Vielfalt an Charakteristika haben... oder wenn das Setting die "Elfen" als Schurken braucht.
      Fringe-Spoiler
      (siehe Observers).


      Das kann dann sogar heißen, dass man sich gern auch bei Menschenvölkern bedienen kann, die für den Europäer exotisch und ungewöhnlich erscheinen. So manche Verhaltensweisen aus dem Fernen Osten, dem tiefsten Afrika, dem Outback Australiens eignet sich durchaus, eigenen Spezies etwas "Nicht-Menschliches" einzuhauen - und das obwohl es in Wahrheit gar nicht nicht-menschlich ist! Das Zielpublikum erkennt lediglich, dass sich diese Spezies irgendwie grundsätzlich anders verhält, als man es gewohnt ist.

      Dazu habe ich mehrere Einwände.
      Erstens haben die meisten WBs wenig Ahnung von so entfernten Menschenvölkern. Wenn der Bastler selbst nicht weiß, wie sich die anderen Völker verhalten, projeziert er also nur sein Bild der Fremden auf die nichtmenschliche Spezies. Da der Wissenschatz, der über "die Fremden" vermittelt wird, erstaunlich gering ist, produziert ein WB, der sich an diese Maxime hält, Ergebnisse, die den bisherigen Weltbewohnern frappierend ähneln. Nein, woher kommt das bloss? ;)
      Zweitens sind die Unterschiede zwischen "uns" und "denen" überwiegend kulturell. Das heißt wir reden, zumindest zu einem gewissen Grad, von "Fantasy Counterpart Cultures" oder von der Übersetzung unserer kulturellen Stereotype in eine biologisch andere Spezies. Da wir aber (siehe Erstens) quasi null Ahnung vom Feeeernen Osten und vom Tiiiefsten Afrika haben, werden wir auch denselben beschränkten Wissenschatz in unseren Welten umsetzen. Afrika südlich der Sahara hat z.B. nahezu keine prä-koloniale Aufzeichnungen...und die "Geschichte" Afrikas ist dermaßen lückenhaft (und von kolonialer Propaganda und gut gemeintem Halbwissen durchsetzt), dass die WBs fast zwangsläufig dieselben Ideen für ihre Völker übernehmen.
      Drittens spielt hier auch "Rasse" eine Rolle. Hier im Forum wird oft und gern der Begriff des "Kulturkreises" aufgegriffen. Der ist in Deutschland sehr verbreitet, die entsprechenden Ideen sind hier in DL kurz nach Ende der deutschen Kolonien entstanden, in den 1920ern. Der "Kulturkreis" ist aber völliger Nonsens und dient u.a. heutzutage dazu, Nationen zu gruppieren, in denen Menschen mit derselben "Rasse" leben. Der fernöstliche Kulturkreis, der orientale Kulturkreis, der schwarzafrikanische Kulturkreis, et cetera. Um über Rasse zu sprechen, ohne Rasse zu sagen, dienen selbstverständlich auch die Kontinente (Europa statt Eurasien) und Hautfarben (Ebony and Ivory) (und viele andere Dinge) aber wir wollen mal nicht um den heißen Brei rumreden: das Problem, dass ich "Drittens" nenne, hat mit europäischem Ethnozentrismus zu tun.

      Man haucht der eigenen Spezies "etwas Nicht-Menschliches" ein, obwohl es nicht nicht-menschlich ist. Tja, ist ja brilliant! Ich nehme ein Volk von Insektenmenschen und gebe ihnen die Klicksprache der San! Das haben sicher vor mir noch keine 3.000 andere WBs getan! Das ist sicherlich eine super-klasse Idee, durch die ich mein Volk auch viel besser verstehe, weil ich ja andere Menschen verstehe, ich Mensch! *vöö-llig unironisch auf eigene Schulter klopf*
      Was sehe ich denn da? Die Azteken opferten der Schlangengottheit Quetzalcoatl? Na dann mach ich Schlangenmenschen aus denen! "indisches Kastenwesen", komisch ich habe "indisches Katzenwesen" gelesen. Hach, was bin ich innovativ, wenn ich meine Katzenmenschen Rarrj nenne und ihnen eine Kasten-Kultur verpasse!

      In letzter Konsequenz basteln die WBs also mit 0 Ahnung von einer fremden Kultur diejenigen Elemente, die sie finden konnten (und von denen sie "inspiriert" wurden) in den Kontext einer nichtmenschlichen Spezies ein, wo aus Kultur gerne Mal Biologie wird. Oh...und nebenbei übernehmen sie die Teile der "Kultur" eines "Kulturkreises" oder "Kontinents" (oder Elemente die sie von meheren dieser Kulturkreise/Kontinente kennen). Euch ist schon klar, dass Japan und China sich unterscheiden wie Irland und Italien, ja? Ich habe nicht gegen Legionäre im Kilt, ganz und gar nicht, aber die Anzahl der "Chinapan" Länder in Welten ist eben deutlich höher als die "Irlitaliens" und das liegt daran, dass die Leute (im Schnitt) weniger Erfahrung mit den ersten beiden Ländern haben und sie deshalb absichtlich (oder aus Unwissen versehentlich) zusammentun, damit (womit) eine Art Doppel-Wopper aus der spärlichen Info entsteht.

      Wir können uns nicht besser in die Sicht kulturell fremder Menschen versetzen, als in die Sicht biologisch fremder Lebensformen.
      Die Freiheit, dem eigenen Volk irgendwas anzudichten, besteht natürlich, die sei jedem gelassen. Aber die Glaubwürdigkeit wird vermindert, nicht erhöht, weil das Übernehmen von kulturellen Eigenarten ein Risiko und keine Chance ist. Was würde unseren Klischee-Zwerg denn von einem sturen, grimmigen Menschen unterscheiden. Kultur? Sicher... auf die Beschreibung einer solche Innensicht ist bereits mehrfach eingegangen worden... das geht. Allerdings halte ich es da für deutlich sinnvoller, sich nicht im Ausland zu "bedienen", sondern sich konkret darüber Gedanken zu machen, wie die Leute leben--- wenn die Zwerge eine Kultur haben, die nicht darauf ausgerichtet ist, in einem Berg zu überleben, dann weiß ich auch nicht.

      Oder als zweites Beispiel: Somtow Sucharitkul (ein abgefahrener thailändischer SF/Horror-Autor, hier fallen mir die "Inquestor"-Romane ein, er schreibt hier zwar nicht aus der Sicht einer anderen Spezies, aber trotzdem aus der völlig fremdartigen Sichtweise eines Volkes, das ihres Gehör- und Sehsinnes beraubt wurde.

      Ooh...shiny. ;D
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Wie PollyMatrix bereits anriss - je gravierender die körperlichen Unterschiede sind, desto einfacher kommen einem Ideen diese Spezies andersartig darzustellen. Um solche Wesen aber glaubhaft rüberzubringen, bedarf es dann doch wieder vieler Überlegungen und "Hineinfühlens", denn es beeinflusst dann nicht nur die Kultur sondern ergibt ebenfalls starke entwicklungspsychologische Einflüsse. Ständig unterschätzen die Leute so etwas Allgemeines, wie Langlebigkeit bei (Klischee-)Elfen. Wie verändert sich ihre Einstellung zu Partnerschaften? Was vergessen sie womöglich im Laufe von Jahrhunderten? Was machen sie dagegen, dass ihr Leben fad wird? Wechseln sie ihre Berufe deswegen? Halten sie traditionelle "Tage der Rückbesinnung", um in ihren alten Tagebüchern zu lesen, und ihre verblassenden Erinnerungen wiederbeleben? Was geschieht mit ihnen, wenn sie doch ihre frühen Jahre vergessen? Verlieren sie dann womöglich ihre Identität? Werden sie dann evtl. tatsächlich uniform "geleichgeschaltet", weil von der Kultur o.ä. gelenkt + geprägt, als Ersatz für ihre verlorene Vergangenheit? ...
      Wie ergeht es dann erst Spezies, die im Tageslicht nicht sehen können oder nur über einen Manipulator (Arm oder Entsprechendes) verfügen? Da eröffnen sich dermaßen mannigfaltige Möglichkeiten, dass man alleine darüber Bücher verfassen könnte. :fluecht:
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Ich habe mich mal an einer Kurzgeschichte über meine Äonar versucht, kenne also das Problem.
      Als sehr ergiebigen Faktor empfand ich die andere Wahrnehmung über Echolotortung und die starke Affinität der Spezies zu Sprache und Lauten allgemein.
      Richtig schwierig wurde es allerdings bei Metaphern, die ich sowieso als sehr wichtiges Mittel zur Charakterisierung empfinde, nicht nur bei Spezies, sondern auch bei Individuen. Dumm nur, dass die Äonar von der Welt der Menschen fast gar keine Ahnung haben, wodurch praktisch alle bekannten Metaphern wegfallen.

      Was ich noch gemacht habe war die Wortwahl der Äonar an ihre sanfte, Walgesags-Sprache anzupassen. Keine harten Laute also, keine zu kurzen Sätze und trotzdem möglichst wohlklingend! (Verdammt anstrengend zu schreiben!)

      Das hab ich natürlich noch abgestuft angewendet. Je älter und feinsinniger der Charakter, desto gründlicher hielt er sich an diese Regeln.



      Wirklich schwierig finde ich es - um mal wieder halbwegs zurück zu kehren - wirklich eine andere Denkweise zu übernehmen. Es ist leicht der Spezies eine wirklich unmenschliche Denkweise anzudichten, aber wenn man es dann schreibt/liest, dann wirkt es trotzdem seltsam unwirklich.
      SEESTERN LIEBT DICH!
    • @Merlin: Dein letzter Post enthält so einiges, worüber man sich mal beim Basteln fremder Völker, Rassen, etc. Gedanken machen sollte, aber irgendwie ist nicht ganz klar, was eigentlich dein Problem damit ist, (leider oft sehr lückenhaftes oder sogar falsches) Wissen über reale menschliche Völker in die Entwicklung nichtmenschlicher Fantasievölker, -rassen, etc. einzubauen.

      Ich sehe es als weniger problematisch, Stereotypen auf eindeutige Fantasievölker zu projizieren, als auf die realen. Zu letzterem gehören letztlich auch Aussagen wie "(Fantasy-Volk X) sind da wie die Chinesen", obwohl man praktisch gesehen diverses Halbwissen über verschiedene ostasiatische Völker zusammengewürfelt hat. Das wird gerne übersehen, ist aber für mich ein anderer Kritikpunkt.
      Wo soll das Problem sein, wenn man sich klar macht, dass das eigene Wissen über reale fremde Völker meist eher lückenhaft und oft stereotypenbehaftet ist? Dann sehe ich da momentan höchstens das Risiko, dass man seine eigene Originalität überschätzt. Das ist für mich aber eher ein Vorbehalt, das zu hinterfragen, als ein absolutes Gegenargument. Wenn das so gemeint war, okay...

      Die Aussage "Wir können uns nicht besser in die Sicht kulturell fremder Menschen versetzen, als in die Sicht biologisch fremder Lebensformen." finde ich auch etwas übertrieben. Dass man durch den Ethnozentrismus die Fähigkeit überschätzt, sich in andere Völker hineinzuversetzen, weil man vieles seiner eigenen Kultur auf sie projiziert, klingt mir schon einleuchtend, der oben genannte Satz aber nicht.
      Für mich wäre das so, als würde man andersherum sagen: "Ich versuche gar nicht erst gar nicht, fremde Kulturen zu verstehen, denn letztlich versteh' ich sie auch nicht besser als siliziumbasierte Schleimpilze von einem anderen Stern." Das kann ja auch nicht in deinem Sinne sein.

      Dass das man aufpassen muss, dass die "zusammengewürfelten" Kulturelemente auch zusammen passen, ist auch ein guter Vorbehalt, aber kein Gegenargument. Ich finde man kann sich auch hier durchaus durch fremde Kulturen oder entsprechende Stereotypen inspirieren lassen, so lange man das nicht als Vorwand nimmt, sich vor Gedanken über die Lebensumstände zu drücken.
      Was wären da die Alternativen: Konsequent zu Ende gedacht gibt man entweder das Weltenbasteln auf, weil man letzlich nur über moderne Mitteleuropäer schreibt, oder man schreibt (überspitzt gesagt) irgendwann nur noch über Silikon-Schleimpilze auf einem Planeten bei Beta Centauri.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"
    • irgendwie ist nicht ganz klar, was eigentlich dein Problem damit ist, (leider oft sehr lückenhaftes oder sogar falsches) Wissen über reale menschliche Völker in die Entwicklung nichtmenschlicher Fantasievölker, -rassen, etc. einzubauen.

      Die Probleme sind -- je nach Grad der Übernahme -- sehr unterschiedlich. Pi mal Daumen würde ich sagen: je kleiner die verwendeten Elemente sind, desto weniger Probleme gibt es damit.

      Ich sehe es als weniger problematisch, Stereotypen auf eindeutige Fantasievölker zu projizieren, als auf die realen.

      Oh, Einsicht! Oh, Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum! In Fantasy Völker zu misshandeln ist nicht so schlimm wie IRL Völker zu misshandeln. Wer hätte das gedacht? ;D

      Wobei sich mir die Frage stellt, welche projizierten Stereotype du nun meinst, wenn du "eindeutige Fantasievölker" sagst. Meinst du damit die Stereotype über Elfen und Zwerge? Oder eher die realen Stereotype, die auf Fantasievölker übertragen werden?
      Anders ausgedrückt: meinst du den "grimmigen Zwerg" in einer 0815-Fantasywelt oder den "gierigen Zwerg mit "Jarlmuke" und krummer Nase", bei dem sich gewisse Ähnlichkeiten zu anti-semitischen Stereotypen aufdrängen? Oder beides?

      Zu letzterem gehören letztlich auch Aussagen wie "(Fantasy-Volk X) sind da wie die Chinesen", obwohl man praktisch gesehen diverses Halbwissen über verschiedene ostasiatische Völker zusammengewürfelt hat. Das wird gerne übersehen, ist aber für mich ein anderer Kritikpunkt.

      Ich hab das halt in meiner frühen Bastelphase gemacht...jeden meiner Kontinente einem Kontinent IRL gleichgesetzt. Ich erinnere mich noch gut daran, als Mara sich darüber äußerte, dass sie diffuses Unwohlsein beim Lesen der Weltentexte meines Kontinents "Xuanpu" empfand, obwohl ich exakt so vorging wie bei meinem "europäischen" Inselkontinent Atlantis.
      Der Unterschied ist simpel: wenn ich "die Edda in den Mixer stecke" arbeite ich mit längst toten Mythen, von denen ich die meisten noch erhaltenen Versionen kenne. Xuanpu kann ich nicht mal aussprechen, ich kann kein Wort Chinesisch. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, wo ich Xuanpu bebastelt habe, weder was Umschriften sind, noch irgendetwas sinnvolles über chinesische Geschichte.

      Wo soll das Problem sein, wenn man sich klar macht, dass das eigene Wissen über reale fremde Völker meist eher lückenhaft und oft stereotypenbehaftet ist?

      Wenn dein Wissen über "reale fremde Völker meist eher lückenhaft und oft stereotypenbehaftet ist" dann hast du weder "Wissen" noch "Wissen über reale Völker".
      Tut mir Leid, so ist das einfach.
      Ein blosser Mangel an Originalität wäre ja durch mühevolles Basteln in anderen Gebieten ausgleichbar. Das Problem ist Stereotyp-Recycling, wo also die Leute entweder Angst haben, mal so gründlich zu recherchieren, wie sie es sonst für ihre Welt tun. Aber auch wo das Stereotyp zu unhinterfragtem Halbwissen geworden ist, sehe ich Probleme. Wenn die Leute sich nicht dafür interessieren, ihre Welt umzubasteln, weil es ja nicht "echt" ist...obwohl sie in 100 anderen Ecken und Enden ihrer Welt riesigen Aufwand betreiben, um "Realismus" zu erzeugen. Oder umgekehrt: wenn Leute kein Interesse daran haben, ihre Welt nachträglich zu verbessern, obwohl ihre Welt einen Haufen Magie und ISSO hat und es somit ein leichtes wäre, Teilen des Publikums einen Gefallen zu tun.
      Dann sehe ich da momentan höchstens das Risiko, dass man seine eigene Originalität überschätzt. Das ist für mich aber eher ein Vorbehalt, das zu hinterfragen, als ein absolutes Gegenargument. Wenn das so gemeint war, okay...

      Ich weiß nicht, was für dich absolute Gegenargumente sind. Für mich ist die Würde des Menschen unantastbar. Das ist für mich ein starkes Argument, gewisse Dinge aus meiner Welt zu entfernen, wenn ich sie finde.
      Absolute Gegenargumente gibt es glaub ich nicht. Mich kann z.B. niemand überzeugen, dass meine Welt aus "Atomen" zusammengesetzt ist. Und auch nicht, dass sie "objektive Gottheiten" hat. Magie wird auf Mtali niemals eine "Energieform" sein. Da sind höhere Prinzipien im Spiel, Regeln, die ich nur brechen würde, wenn alle Alternativen z.B. die Würde des Menschen antasten oder durch Klischeehaftigkeit die Integrität der Welt verletzen.
      Aber für andere WBs ist die Würde des Menschen (auf der eigenen Welt) nicht unantastbar, bzw. sie arbeiten hinter den Kulissen mit anderen Vorlieben und Ideen. Trotzdem halte ich es für legitim, solchen Leuten gegenüber Kritik zu äussern.
      Genervt werde ich vor allem, wenn Neulingen das Märchen von der "bastlerischen Freiheit" erzählt werden soll, weil es letztendlich dazu führt, dass die Neulinge idR mit der Sensibilität eines Dickhäuters im Porzellanladen gerade an das Thema "Völker" herangehen.
      Meine Argumente werben gewissermaßen für einen bestimmten Bastelstil, der bei den wenigsten WBs eine erfolgreiche Verwendung findet. Und ich denke schon, dass sich davon auch die WBs, die ihn nicht praktizieren, eine Scheibe abschneiden können. Und nicht immer ergebnislos "hinterfragen", sondern tatsächlich auch in diesen Bereich die Arbeit investieren, die sie bei anderen nicht-Lieblinsthemen (Magie? Sternenhimmel? Alles mögliche?) auch an den Tag legen.

      -offend the audience
      -look bad in hindsight
      -show that you didn't do the research
      -look odd to anyone with even an inkling of knowledge
      -

      Die Aussage "Wir können uns nicht besser in die Sicht kulturell fremder Menschen versetzen, als in die Sicht biologisch fremder Lebensformen." finde ich auch etwas übertrieben. Dass man durch den Ethnozentrismus die Fähigkeit überschätzt, sich in andere Völker hineinzuversetzen, weil man vieles seiner eigenen Kultur auf sie projiziert, klingt mir schon einleuchtend, der oben genannte Satz aber nicht.

      Da habe ich mich schlecht ausgedrückt, das hineinversetzen habe ich nicht prozentual gemeint. Ich habe keine Ahnung, wie Tintenfische denken, da sind andere Menschen definitiv einfacher. Was ich aber mit "nicht besser" zum Ausdruck bringen will, ist der Grad an Projektion. Wir projizieren ähnlich viel Nonsens auf Eisbären und Indios im Amazonas. Und oft erfordert die Annahme "Wir sind alle Menschen" implizit unser eigenes Menschenbild, das per Definition auf uns und unseren Umkreis gerichtet ist (also ethnozentrisch).

      Für mich wäre das so, als würde man andersherum sagen: "Ich versuche gar nicht erst gar nicht, fremde Kulturen zu verstehen, denn letztlich versteh' ich sie auch nicht besser als siliziumbasierte Schleimpilze von einem anderen Stern." Das kann ja auch nicht in deinem Sinne sein.

      Ja nein, das habe ich nicht damit sagen wollen. ;) Aber coole Idee...siliziumbasierte Schleimpilze. ;D

      Dass das man aufpassen muss, dass die "zusammengewürfelten" Kulturelemente auch zusammen passen, ist auch ein guter Vorbehalt, aber kein Gegenargument.

      Das Gegenargument lautet allerdings "ich habe sehr viele Vorbehalte, ich habe hunderte diesbezüglich verkorkste Welten gesehen und dein Enthusiasmus, einem Neuling zu empfehlen, er solle sich kulturell irgendwo "bedienen" ist sehr sehr kurz gedacht, weil selbst alte Hasen sich die Vorbehalte nicht gründlich durch den Kopf gehen lassen und gerne mal die ein oder andere Recherche unterschlagen".

      Ich finde man kann sich auch hier durchaus durch fremde Kulturen oder entsprechende Stereotypen inspirieren lassen, so lange man das nicht als Vorwand nimmt, sich vor Gedanken über die Lebensumstände zu drücken.

      Meine Einwände sind "gegen" das Verwenden von Stereotypen als "Inspiration". Wenn eure Welt nicht zufällig das Innenleben eines fremdenfeindlichen Menschen widerspiegelt sehe ich keinen guten Grund, Stereotype als Vorlage zu nehmen.
      Meine Einwände sind auch gegen die Idee, dass Bestandteile anderer Kulturen die Käsetheke im Rewe sind, an der sich jemand unerfahrenes einfach Mal "bedienen" kann.
      Gegen verantwortlichen, gut recherchierten und respektvollen Umgang mit fremden Kulturen habe ich gar nichts. Selbst wenn da in der Umsetzung ein paar Fehler auftauchen, habe ich echt keine Einwände, solange die entsprechenden WBs nicht vor meiner kritischen Interpretation zurückweichen als wären gewisse Implikationen und Vorbilder nicht unbewusst oder bewusst in den Text eingebaut worden.

      Was wären da die Alternativen: Konsequent zu Ende gedacht gibt man entweder das Weltenbasteln auf, weil man letzlich nur über moderne Mitteleuropäer schreibt, oder man schreibt (überspitzt gesagt) irgendwann nur noch über Silikon-Schleimpilze auf einem Planeten bei Beta Centauri.

      Das habe ich nie behauptet und das wäre die feigeste Entgegnung meiner Kritik.
      Kritisieren würde ich die Idee kleiner halbnackter Wildlinge im Lendenschurz, mit dicken Lippen, deren Haut grün ist und deren Hobbies aus Menschenfresserei und Überfällen bestehen... oder muskelstarrende raubtierzähnige Grünhäute, die an aggressive Neanderthaler erinnern und faul, dumm, wütend und primitiv sind.
      Umgekehrt hätte ich kein Problem mit Goblins und Orks, wenn sie entweder tatsächlich das Böse verkörpern (sie sind Schöpfungen der "Fäulnis" und verkörpern deren erfindungsreichen kalten Hass auf die Menschheit, die Schöpfung ihres Geschwisters) oder wenn ihre Lebensumstände ihr Verhalten erklären (In der Eiseskälte erstarben den Goblins die letzten Maultiere und sie gingen notgedrungen in die Territorien der Zwerge, um Nahrung zu finden. Die Zwerge jedoch verstanden ihre Sprache nicht, kannten ihre Gebärden nicht und wiesen sie vor den Stadttoren Brikkets ab. So waren die Goblins zu Überfällen auf arglose Reisende gezwungen, die in der kalten Jahreszeit die Handelswege nach Brikket benutzten).
      Es geht mir nicht ausschließlich ums Darstellen des Bösen und Guten, aber die meisten Stereotype über andere Völker haben halt mit irgendwelchen "Fähigkeiten" oder "Schwächen" zu tun, die angeblich dieses Volk ausmachen. Die Fähigkeiten sind ein guter Anfang für das Basteln von Nichtmenschen, die nicht jedes Stereotyp seit Beginn der Sklaverei recyceln.
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Wie schreibt ihr persönlich Geschichten oder Texte, die aus der Sicht eines Nicht-Menschen geschrieben sind?

      Ich habe mir einmal überlegt, einen Roman aus Sicht eines meiner nichtmenschlichen Wesen zu schreiben, und es dann doch gelassen. Khemosabi bereut es bis heute. :'( Mir ist es eigentlich ziemlich leicht gefallen, weil ich mir zuvor viele Gedanken über die Unterschiede zwischen dieser Rasse und den Menschen der jeweiligen Region gemacht habe. Ich finde, so etwas kann man durch gezielt eingestreute Sätze wie folgende (Beispiele aus besagtem Roman) ganz gut veranschaulichen:

      Jadestadt?, hatte er gefragt und seine Stimme dabei angehoben, wie die Menschen es immer taten, wenn sie etwas wissen wollten.

      Und erst ihre farbigen Haare! Gelb, rot oder braun wuchsen sie auf ihren Häuptern und bei einigen von ihnen auch im Gesicht, fast wie bei Tieren.


      Und ansonsten bin ich z. B. noch darauf eingegangen, dass er sich mit der Mimik und Gestik bzw. Körpersprache der Menschen generell schwer getan, aber im Laufe der Geschichte dazugelernt hat. Hinzu kommen Dinge wie Rituale/Gepflogenheiten (Begrüßung, Abschied, Essen, Nahrungsbeschaffung, ...), die Mentalität, ... Ich habe beschrieben, was ihm an Menschen seltsam vorkam und ihm an ihnen aufgefallen ist, wie er selbst unangenehm aufgefallen ist usw.

      Komplizierter wird es wohl, wenn das nichtmenschliche Wesen schon länger unter den Menschen lebt und an solche Dinge gewöhnt ist. Dann könnte man bedenken: Hat es sich seine Andersartigkeit in Denken und Handeln bewahrt (und wie äußerst es sich)? Gibt es Dinge, die es immer noch an Menschen stören? Hat es Angewohnheiten von den Menschen übernommen und stößt damit bei seinem eigenen Volk auf? Wie wird es von den Menschen behandelt, auch wenn es schon länger unter ihnen lebt?
      Das ist, was Khemosabi darüber spontan gerade einfällt. Jetzt habe ich Lust, mich noch einmal in einer Geschichte daran zu betätigen, aber die "Müssen dringend geschrieben werden"-Sachen beschäftigen mich noch bis Ende des Jahres. Mindestens.

      PolliMatrix schrieb:


      Die Aussage "Wir können uns nicht besser in die Sicht kulturell fremder Menschen versetzen, als in die Sicht biologisch fremder Lebensformen." finde ich auch etwas übertrieben. Dass man durch den Ethnozentrismus die Fähigkeit überschätzt, sich in andere Völker hineinzuversetzen, weil man vieles seiner eigenen Kultur auf sie projiziert, klingt mir schon einleuchtend, der oben genannte Satz aber nicht.
      Für mich wäre das so, als würde man andersherum sagen: "Ich versuche gar nicht erst gar nicht, fremde Kulturen zu verstehen, denn letztlich versteh' ich sie auch nicht besser als siliziumbasierte Schleimpilze von einem anderen Stern." Das kann ja auch nicht in deinem Sinne sein.

      Khemosabi versucht das mal, aus Schreiblingssicht zu sehen: Was ich mir denke, ist, dass es einem - Khemosabi zumindest - deutlich leichter fällt, sich in eine erfundene Spezies einzudenken, die man eben erfunden hat, als zu versuchen, aus der Sicht eines Menschen aus einer anderen Kultur zu schreiben. Momentan arbeite ich unter anderem an einem historischen Roman, der zur Zeit der Kreuzzüge aus der Sicht einer Ayyubidin geschrieben ist - verdammt heißes Pflaster. Das realistisch rüberzubringen, fällt mir sehr schwer, einfach weil mir so viel Hintergrundwissen über die Gepflogenheiten, Mentalität und Umgangsformen dieses Kulturkreises fehlt. Das Wissen, um so etwas authentisch schreiben zu können, bekomme ich nur oberflächlich aus Büchern - ich müsste jahrelang zwischen den Ayyubiden gelebt haben (oder besser noch: selbst einer sein) um das wirklich zu können. Während wenn ich mir selbst eine Spezies ausdenke, kann ich mir alles einfach ausdenken. Und das allerbeste daran: Ich trete niemandem auf den Schlips, wenn ich mich verhaue.
    • Khemosabi schrieb:

      Wie schreibt ihr persönlich Geschichten oder Texte, die aus der Sicht eines Nicht-Menschen geschrieben sind?

      Ich habe mir einmal überlegt, einen Roman aus Sicht eines meiner nichtmenschlichen Wesen zu schreiben, und es dann doch gelassen. Khemosabi bereut es bis heute. :'( Mir ist es eigentlich ziemlich leicht gefallen, weil ich mir zuvor viele Gedanken über die Unterschiede zwischen dieser Rasse und den Menschen der jeweiligen Region gemacht habe. Ich finde, so etwas kann man durch gezielt eingestreute Sätze wie folgende (Beispiele aus besagtem Roman) ganz gut veranschaulichen:

      Jadestadt?, hatte er gefragt und seine Stimme dabei angehoben, wie die Menschen es immer taten, wenn sie etwas wissen wollten.

      Und erst ihre farbigen Haare! Gelb, rot oder braun wuchsen sie auf ihren Häuptern und bei einigen von ihnen auch im Gesicht, fast wie bei Tieren.


      Und ansonsten bin ich z. B. noch darauf eingegangen, dass er sich mit der Mimik und Gestik bzw. Körpersprache der Menschen generell schwer getan, aber im Laufe der Geschichte dazugelernt hat. Hinzu kommen Dinge wie Rituale/Gepflogenheiten (Begrüßung, Abschied, Essen, Nahrungsbeschaffung, ...), die Mentalität, ... Ich habe beschrieben, was ihm an Menschen seltsam vorkam und ihm an ihnen aufgefallen ist, wie er selbst unangenehm aufgefallen ist usw.

      Komplizierter wird es wohl, wenn das nichtmenschliche Wesen schon länger unter den Menschen lebt und an solche Dinge gewöhnt ist. Dann könnte man bedenken: Hat es sich seine Andersartigkeit in Denken und Handeln bewahrt (und wie äußerst es sich)? Gibt es Dinge, die es immer noch an Menschen stören? Hat es Angewohnheiten von den Menschen übernommen und stößt damit bei seinem eigenen Volk auf? Wie wird es von den Menschen behandelt, auch wenn es schon länger unter ihnen lebt?
      Das ist, was Khemosabi darüber spontan gerade einfällt. Jetzt habe ich Lust, mich noch einmal in einer Geschichte daran zu betätigen, aber die "Müssen dringend geschrieben werden"-Sachen beschäftigen mich noch bis Ende des Jahres. Mindestens.

      PolliMatrix schrieb:


      Die Aussage "Wir können uns nicht besser in die Sicht kulturell fremder Menschen versetzen, als in die Sicht biologisch fremder Lebensformen." finde ich auch etwas übertrieben. Dass man durch den Ethnozentrismus die Fähigkeit überschätzt, sich in andere Völker hineinzuversetzen, weil man vieles seiner eigenen Kultur auf sie projiziert, klingt mir schon einleuchtend, der oben genannte Satz aber nicht.
      Für mich wäre das so, als würde man andersherum sagen: "Ich versuche gar nicht erst gar nicht, fremde Kulturen zu verstehen, denn letztlich versteh' ich sie auch nicht besser als siliziumbasierte Schleimpilze von einem anderen Stern." Das kann ja auch nicht in deinem Sinne sein.

      Khemosabi versucht das mal, aus Schreiblingssicht zu sehen: Was ich mir denke, ist, dass es einem - Khemosabi zumindest - deutlich leichter fällt, sich in eine erfundene Spezies einzudenken, die man eben erfunden hat, als zu versuchen, aus der Sicht eines Menschen aus einer anderen Kultur zu schreiben. Momentan arbeite ich unter anderem an einem historischen Roman, der zur Zeit der Kreuzzüge aus der Sicht einer Ayyubidin geschrieben ist - verdammt heißes Pflaster. Das realistisch rüberzubringen, fällt mir sehr schwer, einfach weil mir so viel Hintergrundwissen über die Gepflogenheiten, Mentalität und Umgangsformen dieses Kulturkreises fehlt. Das Wissen, um so etwas authentisch schreiben zu können, bekomme ich nur oberflächlich aus Büchern - ich müsste jahrelang zwischen den Ayyubiden gelebt haben (oder besser noch: selbst einer sein) um das wirklich zu können. Während wenn ich mir selbst eine Spezies ausdenke, kann ich mir alles einfach ausdenken. Und das allerbeste daran: Ich trete niemandem auf den Schlips, wenn ich mich verhaue.


      bleib eben bei einer Erzählform - wenigstens im Absatz. Das mit der dritten Person mag ganz witzig sein, aber dann halte das auch durch oder schreib eben nur in der ersten. Ansonsten kann ich mich deinen Ansichten weitestgehend anschließen.
    • Ich kämpfe in meinem aktuellen Romanprojekt auch mit diesem Problem.
      Ein Teil meiner Protas besteht aus einer menschlichen Spezies, die mittlerweile von Britannien nach Faerie umgesiedelt ist und sich im Lauf von Jahrtausenden mit uns Homo Sapiens vermischt hat. Schon aus Sicht dieser Mischlinge zu schreiben fällt mir schwer, da sie sehr anders ticken als Menschen heutzutage. Die haben eine völlig andere Kultur und sehen Dinge anders, auch wenn sie sich durch die lange Vermischung in vielen Dingen recht menschlich verhalten.
      Richtig Kopfzerbrechen machen mir aber die eigentlichen "Feen". Eine Freundin hat sie zu Recht als "magische Aliens" bezeichnet. Das Aussehen ist eine Sache, das Verhalten ist das größere Problem. Sie reden nicht viel, sondern kommunizieren viel telepathisch. Sie haben einen ganzen Berg von speziesbezogenen Problemen auf ihren Rücken. Und sie sterben nicht an Alter, solange sie sich regelmäßig in Faerie aufhalten. Daher kommen sie zum einen in Flashbacks ins Neolithikum vor, spuken andererseits aber auch bereits durch eine Szene von 1935.
      Ihr Gegenpol sind keine Fantasyleute, die irgendwie an sowas gewohnt sind, sondern wir. Unsere Vorfahren quasi, naja, zumindest für alle, die britische Vorfahren haben. Die Haupthandlung spielt 1993 und hat zwei äußerst normalmenschliche Protagonistinnen. Die treffen (vermutlich) nur die Misch-Feen, aber auch das finde ich schon schwierig.

      Ich habe ja schon alle möglichen Wesen in Geschichten auftauchen lassen. In meiner Welt ist das nie ein Problem - da weiß man ja, was es alles so gibt. Bei den Harzzwergen war es schon ein klein wenig schwieriger, aber das war immerhin gängige Folklore und außerdem vom Thema her eher leicht, ein klassisches Kinderbuchabenteuer.
      Bei den Feen bin ich schreiberisch extrem unsicher, was ich wie schreiben kann oder soll. Die Frage ist weniger, was ich Lesern (die ich eh nicht hab ;) ) zumuten kann, sondern was ich glaubhaft erzählen kann. Wie kommt man in die Perspektive eines telepathischen Wesens mit Wettermagie, dessen Volk von Homo Sapiens vom eigenen Land vertrieben wurde? Wie denken die über die Mischkinder? Denken die überhaupt so, wie wir uns das vorstellen können? Sind sie nicht zwangsläufig eine Art Kollektiv, da telepathisch - können sie sich überhaupt als Individuen so voneinander abgrenzen, wie es für uns völlig normal ist?

      Keine Sorge, ich erwarte keine Antworten auf die Fragen. Ich habe nur beim Blättern das Thema gefunden und wollte mal etwas Senf dazugeben. :)