[Weltencharakterinterview] Goran Kamauk

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    • [Weltencharakterinterview] Goran Kamauk

      Wir befinden uns in Agan, in der "Stadt aus Eisen" wie sie oft genannt wird, auf dem gleichnamigen Eiland. Hier besitzt Goran Kamauk am östlichen Rand der Stadt ein kleines Apartment in einem Seitengebäude des Regierungskomplexes. Obwohl Kamauk nur sehr selten die Zeit hat es sich hier bequem zu machen ist die Wohnung stilvoll und elegant eingerichtet. Den kleinen Tisch in der Mitte des Wohnraums ziehrt ein Teeservice aus bestem Kristallglas und eine dazu passende, große Schale mit einer Auswahl an Keksen. Gegenüber des Tisches sitzt Kamauk in einem massiven Sessel aus schwarzem Leder. Ein relativ kleiner, leicht übergewichtiger Mann in einer hellen Marineuniform. Seine auffallend großen, glasigen Augen starren gespannt in den Raum, während er genüsslich seine Zigarre zu Ende pafft. Einen kurzen Moment noch und das Interview kann beginnen.

      "Nun bin ich gespannt darauf, welche Fragen Sie mir vorzubringen haben!"


      Hintergründe:
      Goran Kamauk ist ein sehr außergewöhnlicher Mann. Er gehört zu den Entstellten, hat es aber in der Welt der "Normalen" weit gebracht. Er ist Kommandant der Stadtwache von Agan, Kriegsminister der IFA, oberster General der OML und er gehört zu den Wenigen mit denen der Eisenkönig höchstselbst persöhnlichen Kontakt pflegt. Das liegt auch daran, dass er sich für einen Entstellten sehr offen und selbstbewusst präsentiert. Er trägt keine Maske in der Öffentlichkeit und hat auch sonst fast gänzlich mit der Kultur der Entstellten abgeschlossen. Dass er ein Entstellter ist fällt jedoch sofort auf: Der ungewöhnlich breite Schädel, die großen Augen, der breite Mund, die markannten Wangen und seine Hautfarbe, ein leichtes Grau mit einem Blaustich, veraten es.
      Einen Namen gemacht hat er sich in den Föderationskriegen zwischen Agan bzw. der IFA und der Handelsunion in denen er auf Seite der IFA große Siege erringen konnte. Mittlerweile hat sich dieser Konflikt jedoch zu einer Art Kaltem-Krieg entwickelt hat. Belibt machte er sich unter Anderem dadurch, dass ihm das Leben seiner Männer wichtiger ist als der Sieg in der Schlacht. Dafür musste er sich oft vor dem Generalstab der OML rechtvertigen.
      "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war." - Heinrich von Kleist
    • Danke das sie Zeit für uns gefunden haben, Herr Kamauk. Doch darf ich so frei sein zu fragen, wer ihr Begleiter dort drüben im Sessel ist? Wir wurden uns bislang leider nicht vorgestellt.

      Wie dürfen wir sie überhaupt ansprechen bei den vielen Titeln / Posten die sie in Personalunion bekleiden? Sie sind Kommandant der Stadtwache dieser Stadt, zudem Kriegsminister der IFA, und dann auch noch oberster General der OML. Wie vermögen sie all diesen Pflichten gerecht zu werden?
      Ich entsinne mich zwar der aggressiven expansionistischen Bestrebungen der Handelsunion, doch könnt ihr mir noch mal auf die Sprünge helfen, wofür die IFA und OML standen?

      *Schaut gelegentlich zu den Keksen.*
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Fragen an Herrn Kamauk

      Herr Kamauk,

      vielen Dank, daß sie mich empfangen haben. Zunächst ist es mir eine große Freude und Ehre bei einer so angesehenen und hochgestellten Persönlichkeit wie Ihnen empfangen zu werden.

      Meine Frage ist, wie schwer es für sie war mit ihrer alten Kultur zu brechen und in einen völlig neuen Kulturkreis überzuwechseln. Haben sie sich dadurch nicht Feinde in beiden Kulturen gemacht?

      Gruß Felicitas
      Ein Keks, der unter einem Baum liegt, ist auch ein schattiges Plätzchen. :dozier:
    • Kamauk setzt ein breites grinsen auf und reicht Nemedon die Schale mit den Keksen. "In offiziellen Kreisen werde ich mit 'Ehrenwerter Herr Minister General Kamauk' angesprochen; in Militärkreisen genügt 'Herr General Kamauk'.Ich persöhnlich halte allerdings nicht viel von solchen Förmlichkeiten. Was tut man nicht alles, um die Etikette zu wahren? Herr Kamauk ist hier und heute vollkommen in Ordnung!"

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      "Ja, die Ämter... Eigentlich ist es gar nicht so schwierig sie alle unter einen Hut zu bekommen. Kriegsminister und oberster General der OML ist praktisch das gleiche. Meine Aufgabe ist zum einen als General dafür zu sorgen, dass an der Front alle Pläne der OML, also des Stabs der Marine der IFA umgesetzt werden. Die Planungen übernehme ich meist nicht selber, da sehe ich mich eher als eine Art Berater mit Veto. Als Minister habe ich zudem die Aufgaben das Militär nach außen hin zu repräsentieren und den Stab der OML zu organisieren, Personalangelegenheiten... das Übliche.
      Kommandant der Stadtwache von Agan... nun... .
      " Kamauk verzieht das Gesicht. "Ich will es einmal so formulieren: Wenn in Agan nicht gerade der Notstand ausgerufen wird, überlasse ich das ... Anderen.
      Im Momment habe zum Glück wieder etwas mehr Zeit. Der Krieg hat sein Pulver vorerst verschossen. Jetzt rücken diese Repräsentativangelegenheiten in den Vordergrund.
      Während der Hochzeit des Krieges war ich permanent zur Stippvisite an der Front; Befehle erteilen, Schlachtpläne durchsprechen und umsetzen, Truppen motivieren. Um ehrlich zu sein vermisse ich ein bischen das Donnern der Kanonen. Aber was rede ich da... wir haben in diesem Krieg zu viele gute Männer verloren. So wie es jetzt ist ist es gut, auch wenn es einen echten Frieden ohne Sieger wohl nie geben wird. Ich bin nun mal ein Kind des Krieges!
      " Kamauk lacht.

      -

      "IFA und OML? Ich gebe zu für Ausenstehende können diese Abkürzungen durchaus verwirrend sein. IFA steht für 'Industrielle Föderation autonomer Eilande'; das ist der offizielle Name unserer Föderation, dessen Gründer und gewähltes Oberhaupt seine Majestät der ehrenwährte König von Agan und Kanzler der IFA Alexei Constantion von Wrom ist.
      OML ist die Abkürzung für 'Oberste Marineleitung der Föderation'. Ihr steht der Kanzler der Föderation vor. Sinn und Zweck der OML ist die koordinierte Planung und Auswertung aller kriegerischer Handlungen, die in Verbindung mit der IFA stehen.
      "

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      "Hmmm... die Sache mit der Kultur." Kamauk wirkt nachdenklich."Ich glaube hier muss ich ein bischen weiter ausholen. Ich stamme ursprünglich aus einer Familie von Con. Meine Großeltern haben noch die großen Entstelltenverfolgungen und die damit verbundene Flucht vieler Entstellter aus ihrer Heimat miterlebt. Sie selbst blieben mit einigen anderen Familien zurück und brachen jeden Kontakt zu Menschen soweit es eben ging ab. Die Erziehung meiner Eltern war lange geprägt von dem Misstrauen gegenüber Menschen und auch ich bekam in meiner Kindheit immer wieder die alten Geschichten und Lehren meiner Großeltern zu hören.
      Allerdings schreckte mich das nie ab, im Gegenteil, ich begann mich für die Menschen zu interessieren. Ich suchte den Kontakt und fand schnell Freunde, aber auch Feinde unter ihnen.
      Natürlich war das meinen Eltern mehr als nur Unrecht! Es kam zum Streit, Zwietracht machte sich breit in unserer Familie. Irgendwann konnte ich es dann nicht mehr ertragen und ging.
      Die folgenden Jahre waren geprägt von Vorurteilen, Misstrauen und Abneigung. Es war eine harte Zeit für mich. Schnell musste ich erfahren, dass nicht jeder bereit war einen Entstellten unter Menschen zu akzeptieren. Ich habe mich jedoch in meinem Leben niemals unterkriegen lassen und immer für meine Werte und Ansichten gekämpft! Am Ende doch etwas ganz Anständiges aus mir geworden, meinen sie nicht?
      " Kamauk lacht. "Es hat sich in meinem Leben viel verändert im Denken der Entstellten genauso, wie im Denken der Menschen. Viele sind meinem Beispiel gefolgt und haben die Brücke zwischen unseren Kulturen überwunden. Auch wenn es noch ein langer Weg ist, Annäherung und Akzeptanz sind heute präsenter denn je. Darauf bin ich stolz. Mehr als auf alles andere!" Kamauk lächelt zufrieden und gießt sich eine Tasse Tee ein.
      "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war." - Heinrich von Kleist
    • Ich hoffe, Herr Kamauk, daß ich Ihnen damit nicht zu nahe trete, aber ich wollte Fragen, wieso es die Entstellten gibt? Wenn ich Entstellter höre, dann denke ich zunächst, daß es einmal Menschen waren, die durch einen unglaublich schrecklichen Unfall oder etwas anderes zu den Entstellten wurden.

      Gruß Felicitas
      Ein Keks, der unter einem Baum liegt, ist auch ein schattiges Plätzchen. :dozier:
    • *Langt erleichtert zu bei den dargebotenen Keksen* "Vielen Dank, Herr Kamauk."

      "Die Abkürzungen ihrer Institutionen sind sicherlich nicht auf eurem, ... ähm, ... erfanden vermutlich andere ehrenwerte Führungspersönlichkeiten. Doch, verzeiht mir das ich stutze, IFA für "Industrielle Föderation autonomer Eilande" wirkt etwas ... seltsam. Wären IFE oder IFAE nicht logischer?
      Und OML als Abkürzung für 'Oberste Marineleitung der Föderation' genau so. Mag zwar etwas seltsam klingen, doch OMF", hierbei muss Nemedon selber schmunzeln, "läge doch vermutlich näher. Wissen sie vielleicht, wie diese ungewöhnlichen Abkürzungen entstanden? Vielleicht existiert sogar eine Anekdote dazu."

      Nach einem Schluck Tee fährt er fort. "Seine Majestät Alexei Constantion von Wrom regiert hier, wie ihr gerade berichtetet. Doch Stadt wie Eiland selbst werden Agan genannt. Wie kam euer gewähltes Oberhaupt zu dieser Gunst, wo dies hier doch augenscheinlich nicht seine ursprüngliche Heimat ist?"
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

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      Rollenspiel-Anekdoten
    • Herr Kaumauk, wie haben sie den Aufstieg in diese hohe Position geschafft?
      Gab es große Widerstände oder Diskriminierung aufgrund dessen das sie ein Entstellter sind?
      Sind sie jetzt ein Vorbild für andere Entstellte oder haben geholfen das sich ihre Lage bessert?
    • Kaumauk blickt etwas verdutzt zu Felicitas. "Wie meinen Sie das? Enstellte gibt es, sowie es Menschen gibt! Mir ist nicht bekannt, dass es jemals anders gewesen sein soll, zumidest nicht in der Zeit nach dem Terrakaust. Und was davor war, das wissen nur die Ruinen!" Kamauk Blick wird ernster. "Mit einem haben Sie allerdings Recht, den Namen 'Entstellte' gaben uns die Menschen, um sich von uns abzugrenzen. Im ersten Moment mag das vielleicht beleidigent wirken, aber im Laufe der Jahrhunderte haben wir uns mit diesem Namen abgefunden und bezeichnen uns nun auch gegenseitig so."

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      Kaumauk fixiert nun wieder Nemedon, sein Blick wird ernst, fast bösartig. Plötzlich beginnt er laut zu lachen. "Mein Lieber, Sie sind mir vielleicht Jemand. Wenn sie so mit seiner Majestät reden würden, ich würde Ihnen glatt einen Orden verleihen!
      Aber zurrück zum Thema. Ich weis was sie meinen, doch ich muss Sie wohl enttäuschen. Dahinter steckt leider keine Anekdote. IFA ist die Abkürzung der wörtlichen Übersetzung in ihre Sprache. Eigentlich bedeutet es 'Industrielle Föderation der Autonomen'. Unter Autonomen versteht man bei uns Eilande, die sich selbst verwalten. Da ich hier nicht unnötig für überflüssigen Fragebedarf sorgen wollte, änderte ich die wörtliche Bedeutung einfach in die sinngemäße. Das ist mir allem Anschein nach aber gehörig missglückt. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Abkürzung OML. Diese steht wörtlich eigentlich nur für 'Oberste Marineleitung'. Dies kann allerdings bei Außenstehenden für Verwirrung sorgen, da sich auch Institutionen anderer Staaten so bezeichnen bzw. so bezeichnet haben. Falls ich an dieser Stelle für Verwirrung gesorgt haben sollte, bitte ich darum, mir dies zu verzeihen!
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      "Seine Majestät von Wrom war in jungen Jahren Generalgouverneur des Eilands Wrom im Cap-Atoll. Als die Stadt damals von den Truppen der ersten Handelsgilde angegriffen wurde, flüchteten viele unter der Leitung von Wroms nach Kayserburg und auf das benachbarte Con-Atoll. Während dieser Zeit war ich bei der Marine von Kayserburg als General beschäftigt. In Folge dieser ersten Kriese von Kayserburg und der Gründung der Stadt Agan kam ich mit einer Schutzgarnison auf das Eiland. Daher rühr auch noch mein Titel als Kommandant der Stadtwache von Agan. Die zweite Kriese von Kayserburg führte schließlich zur politischen Autonomie Agans und zur Wahl von Wroms zum König von Agan. Seinen Namen hat er als Erinnerung an seine Herkunft bis Heute behalten."

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      "Wie ich zuvor schon angedeutet habe waren die ersten Jahre nach dem Verlassen meiner Familie eine sehr harte Zeit. Es zog mich schnell in die Hauptstadt des Con-Atolls Aghash. Dort erschienen mir die Chancen Arbeit zu finden und ein eigenes Leben aufzubauen am Größten. Ich hielt mich am Anfang mit Gelegenheitsarbeiten einigermaßen über Wasser. Es waren einfache, aber körperlich meist sehr anstrengende Arbeiten, die zudem alle samt sehr schlecht bezahlt waren. Ständig sah ich mich nach Besserem um, aber für einen Entstellten blieb meist nur die niederste Arbeit. Das ging eine ganze Weile lang so, bis ich mich vor lauter Verzweifelung als Söldner bei der Marine von Aghash meldete. Die Bezahlung dort war deutlich besser, doch schon in meiner ersten Schlacht lernte ich den Schrecken des Krieges kennen. Ich erwieß mich als fähiger und standhafter Krieger, doch von meiner Enheit blieben am Ende nur zwei Männer übrig. In Folge meiner guten Leistungen als Soldat wurde ich von der Kayserburger Marine abgeworben und befördert. Ich durchlief dann den typischen Aufstieg bis zum General.
      Als ich während der ersten Kriese von Kayserburg von Wrom kennen lernte und mich entschied in Agan zu bleiben, bekam ich die Chance, die neue Marine von Agan mit aufzubauen. Das hat mir meine Stellung dort gesichert. Die folgenden Föderationskriege und die Gründung der IFA, die mit ihnen einher ging, taten ihr Übriges um diese Stellung für mich endgültig zu untermauern.
      Zur Diskriminierung: Das weit verbreitete Söldnertum hat seine ganz eigenen Regeln. Hier zählt nur die Leistung jedes einzelnen. Herkunft, Status oder Aussehen spielen dabei keine Rolle!
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      Kamauk denkt eine Weile lang nach. "Ob ich ein Vorbild für andere Entstellte bin weis ich nicht. Es würde mich sehr freuen, wenn ich eines wäre. Ich glaube aber die ständigen Kriege und Konflikte der letzten Jahre haben viel dazu beigetragen, dass sich Menschen und Entstellte einander wieder näher gekommen sind. Es klingt makaber, aber in Zeiten der Not besinnen sich viele auf ihre Gemeinsamkeiten und verbrüdern sich gegen ihren gemeinsamen Feind. Der Zusammenhalt wächst; auch über die Grenzen der Kulturen hinaus."
      "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war." - Heinrich von Kleist