Fanfiction vs. veröffentlichte Romane - und ihr Lehrpotential für angehende Schreiberlinge

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    • Scanea schrieb:


      Gibt's noch weitere Beispiele für bekannte Roman-Autoren, die mit Fanfictions angefangen habe? Mir fällt grad keiner mehr ein. (Okay, Shades of Grey wurden genannt)

      Man könnte den Herrn der Ringe als Fanfiction der Edda bezeichnen. :lol:
      Ein kleiner Scherz!

      Im Ernst, leider habe ich nur wenig Kontakt mit Fanfictions, daher kann ich wenig über deren generelle oder spezielle Qualität sagen, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass das Schreiben von Fanfiction durchaus sinnvoll für angehende Autoren sein kann - schließlich haben sie da die Möglichkeit, auf existierende Settings und Charaktere zurückzugreifen, und können sich ganz auf das Erzählen der Geschichte konzentrieren, ohne sich erst noch Gedanken über die Hintergründe machen zu müssen. Zugegebenermaßen ein Problem, das ich selbst habe, da mich das Konzipieren der Hintergründe (man könnte es auch als "Weltenbasteln" bezeichnen %-) ) seit Langem davon abhält meine eigenen literarischen Pläne ernsthafter anzugehen .nun, ja, es gibt noch mehr Gründe dafür, aber das ist auf jeden Fall einer, und ich weiß auch, dass einfach drauf los schreiben manchmal besser ist als sich zu viele Gedanken um das wie und wo zu machen. Aber gut, das ist ein anderes Thema.
      Rechtschreibung ist natürlich so eine Sache. Manchen liegt sie einfach (mir zum Beispiel), andere haben gewaltige Probleme damit und lernen es vielleicht nie richtig. Natürlich ist es ein Nachteil für jemanden, der gerne Geschichten schreibt, eine schlechte Rechtschreibung zu haben. Ich selbst würde mir auch keine Geschichte oder gar einen ganzen Roman durchlesen, der vor Rechtschreibfehlern strotzt. Und ja, da bin ich der selben Meinung wie andere: Nur das Lesen von richtigen, veröffentlichten Büchern (auch wenn ich den Eindruck habe, da hat die Sprachqualität in den letzten Jahren auch nachgelassen, jedenfalls bei Übersetzungen) hilft, sich da zu verbessern, Fanfiction und andere unredigierte Texte sind nun mal sehr Fehleranfällig, das merke ich selbst oft auch bei mir, wenn ich mir nach einiger Zeit wieder etwas von mir Geschriebenes durchlese und mich frage, was ich da bloß geschrieben habe. Eigene Fehler kann man aber auch mit zeitlichem Abstand nur erkennen, wenn man weiß, wie es richtig geht, insbesondere bei Rechtschreibung. Und ja, die beste Geschichte wird einem bei einem echten Verlag wohl kaum etwas nützen, wenn das Geschriebene voller Fehler ist.
      Es ist dann auch immer schwer, jemandem, der viele Fehler macht, Feedback zu geben, insbesondere, wenn es so schlimm ist, dass man vor lauter Fehlern den Inhalt gar nicht mehr sehen kann. Ich kann darüber nur mutmaßen, aber ich stelle es mir ziemlich hart vor, etwas geschrieben zu haben, worauf ich sehr stolz bin und wenn ich es Leuten zeige kommen nur Kommentare darüber, wie viele Rechtschreibfehler es hat. Und das ist vielleicht das Problem... wenn ich nicht rechnen kann, werde ich kein Buchhalter, aber was ist wenn man Schreiben möchte, da man Geschichten erzählen will, aber kein oder zu wenig Gespür für Rechtschreibung und Sprache hat? Viel lesen und üben hilft da sicher, aber ob das beim Einzelnen wirklich reicht zur literarischen Klasse ist die Frage...



      Kurzer Tipp vom Moderator:
      Die hier entstandene Diskussion über Legasthenie und das Schreiben bekam ihren eigenen Thread spendiert, ihr findet ihn HIER.
      Sturmfaenger
    • Da City of Bones (jetzt wohl im anderen Thread xD) genannt wurde: die Autorin hat mit HP-FFs begonnen, von denen ich leider nur einen kleinen Teil gefunden habe und fand die Stellen mittelmäßig, auch wenn ich mich gefreut habe, dass es um Draco ging, auch wenn es sich anfangs imo weniger nach Draco "anhörte".

      Die Bücher selbst aber an sich haben sogesehen einige Fehler. Dazu muss man sagen: weniger Lovestory und weniger Drama, ist einfach mehr. ^^" Aber mir gefällt vor allem der Schreibstil: sehr frisch und unverbraucht, hat keine Angst davor mal etwas leger anzukommen, an den Stellen humorvoll, an denen er es sein soll, an anderen, passenden Stellen ernster.
      Während die Hauptcharaktere eher mau sind, mit Clary kann ich wenig anfangen, Jace will ich ja mögen, aber er wird fast nur durch Lovestory und Vergangenheit definiert, arbeitet die Autorin in dem Folgebänden die Nebencharaktere sehr schön und immer mehr aus und Isabelle, Alec, Magnus und Simon sind wirklich zum "ins Herz schließen". ^^ und andere.

      Jedenfalls denke ich, dass Cassandra Clare eben durch das Schreiben von FFs bereits einen gewissen Grad an Beliebt- und Bekanntheit erhalten hat. Und eine Menge Übung erhält man dadurch auch. ^^

      [mod-edit]
      Dieser Thread hat's echt in sich, so viele Ableger... *G* Die hier entstandene Diskussion über die Beliebtheit von Vampirromanen und ihre möglichen Gründe wurde hierher in einen eigenen Thread umgesiedelt.
      Sturmfaenger
      [/mod-edit]
    • Wenn man mal aus Langeweile in alten Threads rumstöbert ... hier zum Charakter Isabella aus 'Bis(s) zum Morgengrauen':

      Bastet schrieb:

      Das mag Geschmackssache sein, aber ich habe noch nie bei einem öffentlichen Werk einen so furchtbar schwachen, unselbstständigen, devoten (sie wird schon praktisch fast gestalkt und findet das irgendwie toll? ôo Und gibt Schule und Familie für den Typen auf?), antisozialen (sie kommt an eine neue Schule und mault mal imo nur über ihre Kameraden), oberflächlichen und hormongesteuerten (oh, Edward, du siehst TOLL aus - what's love!?) und perspektiv- und willenlosen Charakter wie Bella gesehen. ^^

      Solche und ähnliche Charaktertypen existieren im RL tatsächlich - bei jungen Borderlinern oder unterschwelligen Borderline-Persönlichkeiten. Letztere fallen oft nicht auf und werden erst recht nicht diagnostiziert, weil die Untersuchungsschemata nur nach der Menge der Symptome fahnden, nicht aber nach den zugrunde liegenden Mustern. (Ersteres geht natürlich weitaus schneller. %-) ) Wenn man also durch familiäre Umstände nicht das Rüstzeug mitbekommen hat, um ein angemessenes Selbstbewusstsein zu entwickeln, wirken gerade die stilleren introvertierten Betroffenen "schwach, unselbständig und devot". Verlieben sie sich, machen diese Menschen mehr für ihren Partner, als es vernünftig erscheint. Wenn sie über andere "maulen", dann sogar weit krasser als Bella, da sie ein ausgeprägteres Freund-Feind-System (Schwarz/Weiß-Denken) verinnerlichten. Der Eindruck von "Hormongesteuert" vermag durchaus bei Außenstehenden entstehen, da Betroffene (vor allem die Diagnostizierten) von einer kurzlebigen Beziehung zur Nächsten wechseln. Denn alleine zu sein ist für diese Menschen dermaßen unerträglich, dass sie es wie einen verzehrenden körperlichen Schmerz beschreiben. (Betroffene die z.B. durch ihren Intellekt Beziehungen meiden, oder in einer Lebensgemeinschaft festhängen durch gegenseitige Abhängigkeit, werden weitaus seltener als Borderliner diagnostiziert.)
      "Perspektiv- und willenlos"? Wieder wie zuvor: Für Außenstehende ohne jegliches Hintergrundwissen könnte ihr Verhalten so wirken. Doch Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl, deren Emotionen im ständigen Widerstreit zwischen einer Liebes-Sucht und ihrem hoch konditionierten Alarmsystem (Schwarz/Weiß-Denken) zerrissen sind, besitzen in aller Regel nicht den Kopf dafür, ihre Lebensumstände langfristig zu planen. Der innere Kampf nimmt gerade bei Jüngeren deren gesamte Aufmerksamkeit und seelische Kraft in Anspruch.

      Mich ärgert, dass diesen Menschen bis heute nur unzureichend geholfen wird. Seit 130 Jahren existiert der Begriff Borderline, doch bis heute streiten sich die verschiedenen psychologische Fachrichtungen und Ärzte über die Definition und die Ursprünge. Alleine das Standardwerk "Handbuch zur B." zu dieser seelischen Problematik zeigt dieses akademische :pruegel: eindrucksvoll mit seinen knapp tausend Seiten. :kopfwand:

      Doch back to :topic: . Da die Autorin dieses innere Gefühlsleben erstaunlich gut beschreibt, könnte man fast versucht sein, über das Leben von Stephenie Meyers anstatt über die Protagonistin zu spekulieren. ;)
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Jetzt hast du mich durch die Reanimation des Threads dazu gebracht, meinen alten Fanfiktion.de-Account rauszukramen... was für hochtrabende Pläne ich damals hatte (*hust* ein Austauschprogramm für Crimeseriencharaktere *hust* von denen drei "Folgen" geplant waren und nur eine Geschichte geschrieben wurde) und wie seltsam-bescheuert manches inzwischen wirkt...

      Ich gebe hier auch mal meinen Senf dazu, auch wenn vieles bereits gesagt wurde.
      Ich habe damals in der Grundschule mit eigenen Ideen angefangen, die meist aber dennoch nur mehrere Serien nochmal aufgewärmt waren... mit anderen Worten: Klopapier.
      Fanfiktions haben mir damals geholfen, denn eines meiner größten Probleme war der Bau von (nachvollziehbaren) Protas, die keine Wunsch-Selfinserts oder Mary Sues waren, und es hat meinen Schreibstil immens verbessert, also werden FFs für immer einen Stein bei mir im Brett haben.
      Meiner Erfahrung nach gibt es überall versteckte Goldschätze, aber je größer(/mainstreamiger) das Fandom ist und desto jünger/weiblicher die Fanfiktionschreiber, desto mehr typische/klischeehafte Geschichten gibt es.
      Empfehlen kann ich an dieser Stelle als Gegen/Positivbeispiel die Fanfiktions "Dychweliad-Rückkehr", es ist schon länger her, dass ich sie las, sie ist mir aber als gut in Erinnerung geblieben, ebenso "Universal Constants" (auf englisch) und "Flirt-and-Hurt"(ebenfalls englisch), das leider anscheinend trotz Potential abgebrochen wurde.

      Und zum Thema Rechtschreibung: Ich bin auch immer wieder schockiert, wie grauenhaft teilweise die Rechtschreibung meiner (Ex)Mitschüler oder auch von (Print)Medien ist. Ich könnte schreien, wenn ich im Klamottenladen "Dessins" lesen muss oder in Werbeanzeigen die Groß- und Kleinschreibung verrückt spielt.

      So, (hoffentlich nicht nervender) Schreibschwall beendet, ich fühle mich jetzt mal weiter schlecht, dass zwei meiner FFs seit mehreren Jahren auf die Vollendung warten... :pfeif:
      Hüterin der Schrecken, Licht des Nordens, Akolythin des Herrn der Zeit (Zitat Merlin)

      Man kann WBs nicht in Fäkalien aufwiegen (Zitat Alkone)

      Hast du grade einen akustischen Kotz-Smiley gemacht? (Zitat Jundurg)