Neuer(ganz seltsamer) Ansatz zur Plotentwicklung

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    • Neuer(ganz seltsamer) Ansatz zur Plotentwicklung

      Wie manche von euch vielleicht wissen, habe ich so meine Probleme damit, mir Plots und Handlungsstränge für Geschichten und andere erzählende Texte in meiner Welt auszudenken. Heute kam mir dafür eine ziemlich seltsame Idee, von der ich zwar nicht sicher bin, ob sie zu irgendwas führt, deren Ergebnis bis jetzt sich aber trotzdem richtig anfühlt:

      Für die Idee braucht man eines oder auch mehrere Bücher, die einem gefallen und die idealerweise in Kapitel unterteilt sind. Man sollte ungefähr wissen, was in jedem Kapitel ungefähr ist. Dann wählt man, ganz subjektiv, die Kapitel aus, die man am liebsten mochte. Ich habe sämtliche Bände der Eis-und-Feuer Reihe verwendet (hatte den Vorteil, dass das wegen der vielen Handlungsstränge vollkommen ausgereicht hat) und habe so lange weitergemacht, bis ich auf 20 Kapitel kam. Dann habe ich zu jedem Kapitel Schlagwörter gesucht, immer so fünf, sechs, sieben Stück, die in abstrakten Begriffen das beschreiben, was ich an dem Kapitel so mochte.

      Beispiel:
      Angebot, innerer Konflikt, Möglichkeit der Erfüllung alter Wünsche, Pflichtgefühl, neuer Rolle noch nicht gewachsen

      Jetzt habe ich versucht, die Schlagworte für die 20 Kapitel so in eine Reihenfolge zu bringen, dass sich daraus ein konsistener Plot ergibt. Das funktionierte besser, als ich dachte und nach ein bisschen Herumprobieren und Herumtauschen gefällt mir das ganze irgendwie besser als alles, was ich bisher in die Richtung unternommen habe. Natürlich ist nichts konkretisiert auf irgendwas in meiner Welt, aber ich habe immerhin das Gefühl, dass ich mich an was festhalten kann. (Es ist seltsam; Je strenger die Vorgaben sind, desto eher bin ich imstande, schreibmäßig etwas zusammenzubringen :kopfkratz: :gaga: )

      Jetzt frage ich natürlich: Wie hört sich das Konzept für euch an? Kennt ihr etwas Ähnliches? Könntet ihr euch vorstellen, so vorzugehen? Glaubt ihr, da kann was bei rauskommen?
      Ich bin gespannt :)
      Genrekonstruktivist, Weltformeltheoretiker und professioneller Es-sich-selbst-kompliziert-Macher

      Fragen stellen ist wichtiger als Antworten geben. Meistens...
    • Das ist überhaupt nicht seltsam und erinnert ein wenig daran, wie andere Autoren z.B. Tarotkarten ziehen, von denen dann jede für ein bestimmtes Plotelement steht. Und abseits von der "offiziellen" Bedeutung der Tarotkarte kann man natürlich auch auf die Illustrationen der Karten achten und bestimmte Details mit einer Bedeutung aufladen.
    • Macht ehrlich gesagt einen hilfreichen Eindruck. :)

      Ich wollte erst vorschlagen, dass du Szenen statt Kapitel zusammenfasst (da Szenen den Plot vorantreiben) aber letztlich ist das relativ egal, weil du dich ja an die grobe Abfolge der Konflikte und ihrer Auswirkungen auf die Charaktere erinnern wirst.
      Das strenge Vorgaben hilfreich sind, wundert mich nicht. Ich war beim Basteln immer am kreativsten, als ich absurde Ansprüche an meine Welt gestellt habe.

      Dieses Konzept erinnert mich an einige Schreibempfehlungen, laut denen eine gute Szene eine Szene ist, in denen die Handlung einer Geschichte vorangetrieben wird. Ein zweiter Konflikt wird eingeführt, ein Konflikt erfordert eine Entscheidung, Charakterentwicklung findet statt,... es gibt viele Möglichkeiten.

      Und ja, ich könnte mir vorstellen, sowas für mein eigenes Geschreibsel anzuwenden. :thumbup:
      Willkommen im Kreis der willfährig leichtgläubigen und begeistert abseitigen Phantasten. --- Entropie
    • Für erzählende Texte einer Welt: Okay.
      Für Geschichten: Naja. Ich vertrete eher den Standpunkt, dass Geschichten mit den Figuren stehen oder fallen. Es bringt nichts, tolle Plotpunkte auszuarbeiten und dann einen Protagonisten zu erfinden, der die Stufen durchläuft. Hat man einen guten Protagonisten, ergibt sich die Handlung aus diesem heraus. Er bringt seine eigenen Ziele, Sorgen, Wünsche, Ängste und Erfahrungen mit.
      Sonst läuft man Gefahr, die Figur in die Geschichte zu pressen, statt die Geschichte aus der Figur heraus zu entwickeln. Das Ergebnis finde ich persönlich dann weitaus weniger lesbar als eine eher schlichte Geschichte, die glaubhaft von spannenden Figuren getragen wird.
    • Mich erinnert das eher an so manche Konzepte von Erzählspielen, wo mit Hilfe von Schlagwörtern festgelegt wird, wie die Charaktere zu einander stehen bzw. welche Elemente und Wendungen in der Geschichte vorkommen.

      Diesbezüglich empfehle ich - auch geeignet für Scheiber - das Spiel Fiasko, wo zu unterschiedlichen Settings unterschiedliche Schlagwörter nach gewissen Kategorien aufgeführt sind und wo mit Würfelwurf Verknüpfungen zwischen den Spielern hergestellt werden. Auf der englischen Originalseite gibt es auch tonnenweise neue Settings mit neuen Elementen.
      Der einzige Nachteil ist die grundlegende Thematik von Fiasko, dass in seiner Kernsubstanz stark in die Richtung von Filmen wie "Fargo" oder "Reservoir Dogs" geht und die meistens Geschichten für die Charaktere recht blutig enden.

      Was sich damit aber sagen will: Ich finde solche Hilfsmittel zum grundlegenden Aufbau einer Geschichte sehr gut. Zum wirklichen Ausbau hingegen reichen sie nicht aus. Sollen sie auch eigentlich nicht. Besonders dann mag ich sie, wenn sie sehr allgemein gehalten sind und somit für jedes Genre eine Anwendung finden können.

      @Alpha: Mich würde diesbezüglich mal deine Schlagwortliste brennend interessieren.
      "Barbarism is the true nature of mankind. Civilisation is unnatural!" - Conan
      "Das ist KEIN Müll! Das ist MEINE WELT!" - Rilli
      Gaia | Cimorra | Brainfarts
      Deviant Art | Logan's Fantastische Welten

    • Ich vertrete eher den Standpunkt, dass Geschichten mit den Figuren stehen oder fallen. Es bringt nichts, tolle Plotpunkte auszuarbeiten und dann einen Protagonisten zu erfinden, der die Stufen durchläuft. Hat man einen guten Protagonisten, ergibt sich die Handlung aus diesem heraus.

      Ich denke, das ist eine Art Henne-Ei-Problem. Einerseits macht der Charakter den Plot, andererseits auch der Plot den Charakter, denn dessen Lebensgeschichte macht ihn zu der Person, die er ist.

      Und ich hab eine Menge Charaktere, die einfach eher nix erleben, da ergibt sich nicht wirklich Plot daraus. ;)

      Szenen, die einen besonders ansprechen, aus Werken herauszusuchen, ist auf jeden Fall ein guter Ansatz. Dahinter steht natürlich die Absicht, herauszufinden, was denn nun das ist, was einen anspricht - wenn man das heraushat, kann man eventuell eine Abkürzung nehmen, schätze ich.

      Ich hab nicht herausgefunden, woran es liegt, dass mir keine Plots einfallen. Hab eine zeitlang sogar extra nur Plots gemacht, ohne genaue Ausarbeitung, aber irgendwie kommt sogut wie nie was raus, das mich reizt, in einer längeren Geschichte auszuarbeiten. Wenn ich was längeres schreibe, dann eher aufgrund einer einzelnen bildhaften Szenenidee, zu der ich hinschreibe.

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Ich finde die Idee auf jeden Fall interessant und werde sie vielleicht mal ausprobieren. ;)
      Mal gucken, was dann dabei rauskommt.
      Gerade bei "großrahmigeren" Fantasyprojekten habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht reicht, nur die Charaktere zu haben und ihnen zu folgen, aber das kommt natürlich auch auf die Geschichte an.
    • @Amanita: Ich meinte auch nicht, dass man blind dem folgen soll, was Figuren (keine Charaktere - ich schreibe kein Rollenspiel ;) ) tun.
      Sondern, dass sich die Details der Handlung aus den Figuren ergeben. Natürlich hat man einen groben Überblick, worum es in der Geschichte gehen soll. Aber damit Geschichten authentisch ablaufen, ergeben sich viele Details aus den Eigenschaften der Figuren. Sie sind es, durch die man als Leser die Geschichte erlebt. Geschichten, die Figuren nur als Vehikel für Plotpunkte benutzen, laufen Gefahr, dass man dies merkt. Spannung wird in der Regel nicht durch umwerfende Plots erzeugt, sondern durch Nähe zu den Figuren, die die Handlung erleben. Man fiebert nicht mit Plots mit, sondern mit Figuren. Beleg hierfür: Die unendlich vielen ähnlichen Aufgüsse der selben Geschichten, die durch unterschiedliche Figuren immer wieder anders wirken. Und in dem hier beschriebenen Ansatz werden Figuren völlig ausgeblendet, das halte ich für falsch.

      @Jundurg: Natürlich ist es eine Art Henne-Ei-Problem. Was ist zuerst da? Mal so, mal so, mal beides. Aber ich halte es für kurzsichtig, Plotentwicklung immer als Ausarbeiten der Abfolge einzelner Handlungselemente zu verstehen. Charakterisierung und -entwicklung ist untrennbar mit der Plotentwicklung verbunden. Einfach irgendwelche Plotpunkte aneinanderfügen greift in meinen Augen zu kurz, solange nicht gleichzeitig auch mit einbezogen wird, was für ein Typ Mensch (bzw. sonstiges Wesen) diese Sachen erlebt.
      Und ich hab eine Menge Charaktere, die einfach eher nix erleben, da ergibt sich nicht wirklich Plot daraus. ;)

      Jo, dann sind das eben wirklich Charaktere, aber keine Figuren für Geschichten. Da bleiben meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten:
      1. Suche dir neue Figuren, denen Dinge passieren, die du aufschreiben kannst.
      2. Entwickle die Charaktere zu Figuren, indem du sie besser kennenlernst und erkennst, was für eine Geschichte sie erzählen können.
      :)
    • Na ja, was die "Charaktere" betrifft, bin ich wahrscheinlich durch die Diskussionen auf Englisch geprägt, hast aber recht, dass "Figuren" auf Deutsch das korrekte Wort ist. ;)
      Ich glaube, im Grundsatz sind wir uns gar nicht so uneinig und was die Bedeutung guter Figuren für eine gute Geschichte betrifft, hast du sicher recht. Ich würde auch nicht versuchen, die blind in irgendein Schema zu pressen, sondern dann auch noch weiter modifizieren. In die Welt muss es ja auch noch passen. Für mich sind das die drei wichtigen Bestandteile einer guten Fantasygeschichte: Figuren, Handlung und Welt. Eine grundsätzliche Gewichtung würde ich da gar nicht unbedingt vornehmen.
      Es gibt durchaus auch den Ansatz, mit der Handlung anzufangen und dann Welt und/oder Figuren nur "passend" im Nachhinein zu gestalten, da halte ich für mich nichts von, was aber nicht heißt, dass es bei anderen nicht funktionieren kann.
    • Danke für die Antworten! :thumbup:

      Nur um es klarzustellen (ich habe gemerkt, dass ich es nicht so klar formuliert hatte): Ich habe die Schlagwörter nicht komplett frei umgeordnet, sondern die 20 Schlagwortgruppen für jedes Kapitel auch zusammengelassen, dass sich das Endprodukt letztendlich jetzt aus 20 Bausteinen zusammensetzt.

      Dorte schrieb:

      @Amanita: Ich meinte auch nicht, dass man blind dem folgen soll, was Figuren (keine Charaktere - ich schreibe kein Rollenspiel ;) ) tun.

      Sondern, dass sich die Details der Handlung aus den Figuren ergeben. Natürlich hat man einen groben Überblick, worum es in der Geschichte gehen soll. Aber damit Geschichten authentisch ablaufen, ergeben sich viele Details aus den Eigenschaften der Figuren. Sie sind es, durch die man als Leser die Geschichte erlebt. Geschichten, die Figuren nur als Vehikel für Plotpunkte benutzen, laufen Gefahr, dass man dies merkt. Spannung wird in der Regel nicht durch umwerfende Plots erzeugt, sondern durch Nähe zu den Figuren, die die Handlung erleben. Man fiebert nicht mit Plots mit, sondern mit Figuren. Beleg hierfür: Die unendlich vielen ähnlichen Aufgüsse der selben Geschichten, die durch unterschiedliche Figuren immer wieder anders wirken. Und in dem hier beschriebenen Ansatz werden Figuren völlig ausgeblendet, das halte ich für falsch.


      Nun, die meisten der Schlagwörter sind nicht einfach nur Plotpunkte wie "Gefahr", "Kampf" oder ähnliches, sondern direkt auf die Entwicklung der Hauptfigur bezogen (die ich tatsächlich auch schon seit längerer Zeit im Kopf habe), wie "Wachsen aus Notwendigkeit", "Hinterfragen alter Einstellungen" oder "Vergangenheitsbewältingung". In jedem Fall ist mir bei allen Schlagwortgruppen klar, was den Baustein in Sachen Figurenentwicklung ausmacht. Eine gaaaanz grobe Idee für den Plot hatte ich schon vorher, aber für die Strukturierung hat das Ganze für mich schon Sinn ergeben. Ich werde an dem Modell ganz sicher nicht aus Prinzip festhalten, wenn die logische Entwicklung für die Figur etwas anderes sagt.

      Logan schrieb:

      @Alpha: Mich würde diesbezüglich mal deine Schlagwortliste brennend interessieren.
      Ein Beispiel habe ich im ersten Post ja schon gegeben.
      Spoiler anzeigen
      Wer das Kapitel dafür errät, kriegt nen Keks
      Ich habe extra eins rausgesucht, wo die Schlagwörter, möglichst alle auch verständlich sind. Oft war es nämlich so, dass ich das, was ich ausdrücken wollte, schwer in Worte fassen konnte, und mein Endergebnis jetzt so aussieht, dass wohl nur ich verstehe, was jetzt genau gemeint ist.
      Genrekonstruktivist, Weltformeltheoretiker und professioneller Es-sich-selbst-kompliziert-Macher

      Fragen stellen ist wichtiger als Antworten geben. Meistens...
    • @Amanita: Ich meinte auch nicht, dass man blind dem folgen soll, was Figuren (keine Charaktere - ich schreibe kein Rollenspiel ;) ) tun.
      Sondern, dass sich die Details der Handlung aus den Figuren ergeben. Natürlich hat man einen groben Überblick, worum es in der Geschichte gehen soll. Aber damit Geschichten authentisch ablaufen, ergeben sich viele Details aus den Eigenschaften der Figuren. Sie sind es, durch die man als Leser die Geschichte erlebt. Geschichten, die Figuren nur als Vehikel für Plotpunkte benutzen, laufen Gefahr, dass man dies merkt. Spannung wird in der Regel nicht durch umwerfende Plots erzeugt, sondern durch Nähe zu den Figuren, die die Handlung erleben. Man fiebert nicht mit Plots mit, sondern mit Figuren. Beleg hierfür: Die unendlich vielen ähnlichen Aufgüsse der selben Geschichten, die durch unterschiedliche Figuren immer wieder anders wirken. Und in dem hier beschriebenen Ansatz werden Figuren völlig ausgeblendet, das halte ich für falsch.

      Ich bin vollkommen deiner Meinung. :)
      Es kommt aber immer darauf an, was der Einzelne unter Spannung versteht. Für den einen Leser gibt es nichts Spannenderes als seinen Lieblingscharakter und dessen Beziehung zu seiner großen Liebe zu erforschen, für den anderen Leser besteht Spannung wirklich aus epischen Schlachten, Actionszenen und Schwertkampf.
      Ich persönlich schau meinen Lieblingscharakteren viel lieber beim Frühstücken oder anderen, für die Geschichten unwichtigen Aktivitäten zu - äh, was ich ohnehin gerne tue haha ^^- als eine epische Schlacht mit Charakteren zu lesen, die mich nichts angehen. Wichtige Plotwendungen und Kämpfe mit Charakteren, die ich liebgewonnen habe, sind etwas Anderes und sie sind eindrucksvoll, weil man als Leser natürlich darauf hinfiebert, ob sein Liebling stirbt... oder nicht.
      Andererseits ist klar, dass IRGENDWAS passieren muss, kaum jemand hält 400-800 Seiten durch, in denen absolut nichts geschieht.

      Zum System: ich finde das echt klasse. ^^ Vll. würde ich es mich nicht trauen, es selbst auszuprobieren, aber an sich finde ich die Idee interessant. Außerdem sind Geschichten oft nach einem ähnlichen System aufgebaut. Ich will es nicht nach Akten aufteilen, wie man es früher bei Theaterstücken gewesen ist, aber trotzdem folgen viele Handlungen einen immer wiederkehrenden Schema, daher denke ich mir schon, dass dieser Ansatz sehr hilfreich sein kann.