Die Popularität 'erotischer' Vampirromane und ihre möglichen Ursachen

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    • :topic:

      Alles andere habe ich in diesen Thread hier ausgekoppelt (wenn mir jemand einen passenden Thread-Titel - PN bitte - nennt, können wir den gerne auch noch wieder ändern).
      Wenn zwischendurch noch Beiträge sind, die hierher verschoben werden sollen, nennt mir bitte die Beitragsnummer - ich bin nicht bereit diesen Sumpf an Thread durchzulesen, um die richtigen Posts zu finden.

      Und jetzt führe den Thread wieder ans Licht Neyasha! :D
      [20-02-2007] Update auf Anra'sari: die Geschichtsschreibungen der Perelemen und der Tel'sahr sind online
      [26-04-2009] Inspirationsweltchen: die Blattfeen
    • Halleluja! ;D

      Nun denn ... ein Teil der 50 Shades of Grey-Problematik, auf die ich mich hauptsächlich beziehe, wurde erst mittendrin in den Beiträgen, die nun ausgelagert sind, angesprochen. Ich hoffe also, dass mein Beitrag jetzt nicht zu sehr im luftleeren Raum steht.

      Vorweg: Ich habe die ersten beiden Bände von 50 Shades of Grey eher quergelesen, weil ich mir eine eigene Meinung dazu bilden wollte, den Schreibstil aber schlicht unerträglich fand. Ich kann daher nicht mit Belegen aus einzelnen Szenen dienen (zumal ich die Bücher nur ausgeliehen hatte).

      Es wurde mehrmals die Frage aufgeworfen, ob denn die Darstellung von (konsensueller) sexueller Gewalt tatsächlich so ein Problem wäre. Und da würde ich mal sagen, dass die sexuelle Gewalt überhaupt nicht das Problem mit den Büchern ist - oder zumindest nicht das Hauptproblem.

      Natürlich - die Sexszenen sind sehr fragwürdig und das liegt nicht am BDSM-Anteil an sich. Wir haben eine sehr naive, komplett unerfahrene Protagonistin, die Gewalt/Gewaltfantasien nicht erotisch findet (das ändert sich, soweit ich weiß, am Ende der Trilogie teilweise, aber dazu kann ich nichts mehr sagen). Und wir haben einen erfahrenen Mann, der diese Unerfahrenheit von ihr ausnutzt, sie teilweise völlig überfordert und ihr dann aber dafür noch selbst die Schuld gibt ("Hättest du halt das safe word verwendet" etc.). Hallo? Ana hat keine Ahnung von nichts und lässt sich überhaupt nur ihm zuliebe zu Praktiken überreden, die ihr nichts geben. Da sollte er es wenigstens für seine Verantwortung halten, darauf zu achten, wie es ihr damit geht und sie eben nicht nur überfordern.

      Aber trotzdem liegen meiner Meinung nach die Probleme in diesen Büchern eher außerhalb des Schlafzimmers. Christian Grey will Ana von ihren Freunden fernhalten, er verbietet ihr, dass sie mit ihren Freunden über ihn spricht, er ignoriert mehrfach ihre ausdrücklichen Wünsche, will ihren gesamten Alltag (auch Berufsalltag) bestimmen und wird wütend, wenn sie einmal nicht sofort erreichbar ist/nicht sofort eine Mail beantwortet. Es gibt immer wieder Szenen, in denen Ana Angst vor ihm bzw. seinen Reaktionen hat. Und er wiederum gibt ihr die Schuld, wenn er ihr gegenüber wütend wird - "Du hast mich dazu gebracht, weil du dieses und jenes getan hast!" Und tatsächlich ist dann meistens noch Ana diejenige, die sich entschuldigt oder sich zumindest schlecht fühlt. Und natürlich ist Christians Verhalten nur ein Beweis dafür, wie sehr er sie liebt (wie auch die Autorin und Fans der Bücher nicht müde werden, immer wieder zu betonen). Da werden dann
      Und das erinnert doch frappant an die Mechanismen, die oft hinter häuslicher Gewalt/missbräuchlichen Beziehungen stecken und auch an die "Entschuldigungen", die Opfer davon sich vom Partner anhören müssen und auch sich selbst gegenüber einzureden versuchen.
      Und das ist meiner Ansicht nach genau das Problem mit den Büchern und die Gefahr, die darin liegt: dass darin eine solche Art von Beziehung romantisiert und nicht ein einziges Mal kritisch hinterfragt wird.
    • Ich würde meinem schlimmsten Erzfeind nicht zumuten, sich durch den Thread zu quälen, um meine relevanten Posts zu kopieren - und schon garnicht jemandem hier im Forum... :lol:

      Drum hab ich mal versucht, das selbst zu machen. Hoffe, das ist in Ordnung so.

      PBard schrieb:

      Wobei ich ganz bei Nemedon bin - so sehr mich die Botschaften von Twilight (und 50 Shades) anwidern, ich mach mir da keinerlei Sorgen um die jungen Leser. Ich behaupte, jeder einzelne von uns hat in seiner Jugend Dinge getan, die wir als Erwachsene jetzt für absolut idiotisch halten. Und gerade sexuelle Phantasien dürfen, gerade in dem Alter, schon mal auf Abwege gehen, solange man das Ganze dann nicht tatsächlich auslebt.


      PBard schrieb:

      Die Tendenz zu nicht mehr ganz einvernehmlicher Gewalt, körperlich, wie auch psychisch, ist da - wenn wir von 30% (gerne auch der Hälfte) ausgehen sogar recht stark für eine bloße Tendenz. Ein paar der genannten Gründe dafür klingen logisch - jugendliches Austesten (das mit Twilight eher akzeptiert wird, als wenn sich die 15jährige 50 Shades ins Regal stellt), ein Identifizieren mit dem dargestellten Helferkomplex (die Zähmung des Biestes), der Reiz von etwas das man selbst nicht tun würde (das Argument ist auch während der kurzzeitig aufgeflammenten 50 Shades Debatte in den Medien oft genannt worden).

      [cut: Kiki wirft an der Stelle nochmal den Unterschied zwischen Phantasien und Realität ein.]


      Drum auch hier nochmal die Klarstellung, daß ich mit dem Absatz oben die Tendenz zu solchen Themen in rein fiktiven Büchern meine, nicht eine allgemeine Tendenz zum Ausleben dieser Gewalt. Letzteres wäre IMHO verheerend, erstes hingegen halte ich wie gesagt für nicht sonderlich bedenklich.

      PBard schrieb:

      [cut: Der folgende Absatz gehört zwar noch zum ausgelagerten Thema, ist aber für das "jene Frauen" im Absatz danach wichtig]

      Aber es gibt auch Frauen, die gerne einen anderen Beruf gewählt hätten, die rein durch die Umstände (Zwang oder zumindest fehlende Unterstützung durch die Familie, ungeplante Schwangerschaft, Druck durch die Gesellschaft) zu einem Leben als Hausfrau gezwungen werden.

      Ich bin nicht sicher, ob jene Frauen viel Gefallen an psychischer und physischer Gewalt ala Twilight und 50 Shades finden - einerseits könnten sie in der dargestellten Romantisierung Trost finden ("Wenn ich so einen Mann hätte, könnte ich trotzdem glücklich sein!"), andererseits könnte das noch ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht sein. Kann ich nicht sagen, da fehlen mir einfach die Erfahrungen mit solchen Frauen.

      Auf der anderen Seite gibt es sicher auch gleichberechtigte Frauen, die mit den Büchern etwas anfangen können, weil sie beim Lesen in einer Phantasie schwelgen, die nichts mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Nicht, weil sie sich ein solches Leben wünschen, sondern vielleicht genau weil es so herrlich weit von der Realität entfernt ist. Wie gesagt, ich lese ja auch mit Vorliebe Bücher über Diebe, Spione und Betrüger - während ich solchen im realten Leben die Faust in die Magengrube rammen würde.


      PBard schrieb:

      Pherim schrieb:

      Außerdem: In Unreal Tournament & Co. geht es darum, mit futuristischen Waffen auf Monster und ähnliches zu schießen - dass das nichts mit dem realen Leben zu tun hat, sollte den allermeisten Menschen, egal welchen Alters, klar sein (in Kinderhände gehört es natürlich trotzdem nicht). In den angesprochenen Büchern geht es aber um Liebe, Beziehungen, Sex (wenn auch in manchen Fällen mit Vampiren) - Dinge die viel näher an der Realität liegen, ganz besonders in diesem Lebensabschnitt.

      Würde ich nicht so getrennt sehen, es gibt ja auch genügend Computerspiele, in denen man "realitätsnah" als US-Soldat auf andere Menschen schießt. Am Besten noch beim Nachspielen geschichtlicher Begebenheiten.

      Ich denke, der Unterschied liegt da mehr in der Erziehung. Ob nun in der Schule oder von den Eltern, den meisten Kindern in unseren Breiten wird doch schon recht früh beigebracht, daß Gewalt etwas Schlechtes ist. Das Porno/Disney Wunschdenken hingegen wird vermutlich seltener angesprochen (ich zumindest hatte recht liberale Eltern, was Sexualität angeht, aber das Thema gesunde Beziehung ist eigentlich erst im Erwachsenenalter bei uns aufgekommen).

      Trotzdem glaub ich auch da, daß in einem jungen Gehirn schon einiges anderes schiefgelaufen sein muß, wenn es sich durch ein Buch dermaßen in eine solche ungesunde Denkweise schieben läßt.

      [cut: Pherim wirft ein, daß aber Gewalt zumindest bei uns (hoffentlich) nichts Alltägliches ist, was diese eben doch von Liebe und Beziehungen unterscheidet, egal wie realitätsnah Gewaltdarstellungen auch sein mögen.]


      An der Stelle würd ich gerne erwähnen, daß wieder genau das eben den Unterschied zwischen Vampirromanzen/50 Shades und anderen Büchern des Genres ausmacht. "Normale" Liebesromane sind manchen Lesern vielleicht zu nah an der Realität, Vampire und (von realem BDSM meilenweit entfernte) Sado-Typen hingegen haben wieder dieses Fremde, Unbekannte, vollkommen vom eigenen Leben Abweichende dabei.
      Bring me your soul, bring me your hate
      In my name you will create
      Bring me your fear, bring me your pain
      You will destroy in my name

      - Les Friction, Dark Matter
    • Neyasha schrieb:

      Halleluja! ;D

      Wie schlank und übersichtlich der Thread plötzlich ist! :lol:

      Neyasha schrieb:

      Und das ist meiner Ansicht nach genau das Problem mit den Büchern und die Gefahr, die darin liegt: dass darin eine solche Art von Beziehung romantisiert und nicht ein einziges Mal kritisch hinterfragt wird.

      Ich glaub wie gesagt garnicht, daß sich die potenziellen Opfer von einem Buch dazu "erziehen" lassen, wenn nicht im Vorfeld in der Erziehung schon ein Mangel an Selbstbewußtsein ausgelöst wurde. Damit wären die Bücher dann nicht die Auslöser, sondern nur eine der vielen Rechtfertigungen, um sich nicht aus einer solchen destruktiven Beziehung zu befreien. Wie von Pherim angesprochen, da wäre es dann analog zu Killerspielen verantwortungslos, die "Schuld" bei den Büchern zu suchen, statt zu hinterfragen, was im Vorfeld passiert ist.

      Aber beim Lesen deines Textes hab ich mich grad gefragt, wie es auf der anderen Seite aussieht. Könnte sich jemand beim Lesen solcher Bücher als potenzieller Täter bestärkt fühlen, weil ja "insgeheim die Frauen eh sowas wollen"? Aber auch da, wäre es nicht ungerecht, das Buch zu verurteilen statt zu erkunden, warum jemand überhaupt auf solche Gedanken kommt?
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      - Les Friction, Dark Matter
    • ich meinte damit auch gar nicht, dass man den Büchern irgendeine Schuld zuschieben soll (wobei ich schon denke, dass sie eben solche Rechtfertigungen unterstützen). Aber was für mich schon noch ein Unterschied etwa zu Killerspielen ist: Gehen bei diesen Spielen die Macher und Fans her und sagen, dass die Spiele gute Konfliktlösungsstrategien demonstrieren? Wohl eher nicht, oder?
      Gehen viele Leser der Bücher und auch E.L. James her und sagen, dass die Bücher keine Spur von Missbrauch zeigen und es in Ordnung ist, wie Christian Grey sich verhält, weil er ja so seine Liebe zeigt? Ja, tun sie. Und das finde ich doch sehr bedenklich.
    • Neyasha schrieb:

      Gehen viele Leser der Bücher und auch E.L. James her und sagen, dass die Bücher keine Spur von Missbrauch zeigen und es in Ordnung ist, wie Christian Grey sich verhält, weil er ja so seine Liebe zeigt? Ja, tun sie. Und das finde ich doch sehr bedenklich.

      :o

      Das hab ich bei den damals aufgeflammten Diskussionen garnicht mitbekommen. Wenn das als Vorbild für die Realität hingestellt wird, dann bin ich ganz bei dir - DAS find ich dann auch bedenklich.
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      - Les Friction, Dark Matter