[VOID] - Verkappter Wunderland-Verschnitt und Ideen-Fragmente

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    • [VOID] - Verkappter Wunderland-Verschnitt und Ideen-Fragmente

      Guten Abend allerseits!

      Ein kurzes Vergnügen - ein kurzer Text, weil ich weiß, dass lange Texte selten gelesen und kommentiert werden. Ist ja auch irgendwie demontivierend, wenn man mit einer 'Textwand' konfrontiert wird... :lol:

      Dementsprechend hoffe ich auf konstruktive Kritik was das Geschreibse angeht und die inhaltliche Darbietung... ich habe immer das Gefühl, dass meine 'erzählenden' Texte holprig sind. Was meint ihr? Danke schonmal für jegliche Rückmeldungen! :) Bei Fragen natürlich sofort fragen!


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      Der Endetag

      Das Grauen kam aus der Ferne und sein Schatten huschte über den kargen Grund von Ylu-Jash. Die Felsenwüste lag im Schein eines gewaltigen Mondes, der so rot war, wie Blut. Bedrohlich schwebte er schwer über der weiten Senke und tauchte die dunklen Reiter von Jenland in ein feuriges Glimmen.Der Reiter an der Spitze des Pulks war einst ein Freund gewesen, ein Verbündeter. Nun lugten graue, seelenlose Augen unter den roten Strähnen hervor – Augen, die vom Verfall zeugten.

      Das Donnern der Reittiere durchfuhr unsere Körper, zwang unsere Herzen, im gleichen Takt zu schlagen, brachte das Blut in unseren Adern zum Kochen. Es mussten über 100 Reiter sein, wir waren 33, und der furchtbare Gestank ihrer Gefährten eilte ihnen voraus. Riesige aasfressende Ratten,die hässlichen Crawler, halbtotes Gesindel mit fauligen Reißzähnen und gelben Augen, das gezäumt und gesattelt durch den tosenden Staub herannahte. Und ja, sie waren hungrig. Hungrig und gnadenlos, genauso, wie Moony Louche es war.

      Der Nebelkönig von Jenland trug sein Kinn recht weit oben und eine unübersehbare Arroganz überzog die Züge in seinem blassen Gesicht. An seiner linken Seite ritt der ebenso blasshäutige Nebelprinz, Soma, mit süffisantem Grinsen und kleinen schwarzen Augen hinter den knochenweißen langen Strähnen, die sein spitzes Gesicht umrahmten. Der Sohn des Königs wirkte kränklich und ausgezehrt, sein noch knabenhafter Körperbau glich lediglich in seiner schlanken und langgliedrigen Statur dem des Vaters.

      Eine weitere Gestalt schob sich derweil zwischen die Blutsverwandten. Der junge Reiter trug einen grausigen Säbel in seiner Linken, der im Ritt elegant an seiner Schulter lehnte. Der junge Mann ritt, anders als die anderen Reiter, einen gewaltigen weißen Chaser, der bereits aufmerksam seine fleischig wirkenden Löffel ausrichtete. Die blutroten Augen des Chasers wirkten fokussiert und verbargen wohlmöglich ungeahnten Scharfsinn. Die kräftigen Hinterbeine trugen das makaber wirkende Tier rasch vorwärts, während es von Samza weiter angetrieben wurde. Samza Spade war Diener und Schutzpatron von Soma Louche und begleitete diesen auf Schritt und Tritt. Beinahe beschützend lenkte er seinen Chaser seitlich vor den Crawler des jugendlichen Prinzen und positionierte seinen Säbel, dessen Klinge im Schein des Mondes rot aufblitzte.

      Die gesamte Szenerie wirkte unwirklicher denn je und unmöglicher als alles, was ich bisher zu Gesicht bekommen hatte. Die Erinnerungen der vergangenen Jahre gruben sich einen Weg an die Oberfläche meiner Gedanken. Die Bilder, die Worte, das Gesetz. Ja, ich kannte es und trotzdem machte es mir auf einmal Angst. Die Dinge hatten sich verändert, die VOID hatte sich verändert, ich hatte mich verändert. Ich wusste, dass dieser Moment irgendwann gekommen sein würde, ich wusste, dass Louche versuchen würde, die Oberhand zu behalten. Trotzdem wollte ich nicht verstehen, wie etwas künstlich Erschaffenes und sorgfältig Konstruiertes wie die VOID, derart fürchterlich mutierte Geschöpfe und verzogene Burschen hervorbringen konnte. Es konnte sich wohl kaum um einen schlechten Scherz handeln, weshalb ich mich bereit machte. Es war die Chance, die eine, die erste, die letzte. Moony Louche musste zur Strecke gebracht werden, die VOID musste zerstört werden, wir alle, wir Schatten, mussten fallen. Wir mussten verschwinden, für alle Zeit. Einen anderen Weg wird es nicht geben, es hatte ihn niemals gegeben.

      Der Kampfschrei überfiel mich spontan; ich trieb meinen hellgrauen Chaser weiter an, die anderen Reiter fielen mit ein. Heute würden wir es zu Ende bringen – heute, hier und jetzt. Mein Ziel im Fokus, spannte ich meinen Körper an. Louche, deine Zeit ist gekommen, säuselten meine Lippen, tick – tack, tick – tack – tock – ins Herz dir einen fiesen Pflock!
      Beyond Vega, Pollon Is.
      Betrachte die Bruchstücke.
    • Also...
      holprig sind sie meiner Meinung nun nicht (ich bin überhaupt kein Experte oder sonst wie groß erfahren). Wäre dies ein Teil eines Buches (ist es einer?) wäre mein Interesse geweckt :) . Den 2.Satz finde ich nur nicht so schön formuliert.
      Beispiel:

      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Die Felsenwüste lag im Schein eines gewaltigen Mondes, der so rot war, wie Blut.
      ...Nach dem 1.Komma könnte man es schöner formulieren, Beispiel: Die Felsenwüste lag im Schein des/eines gewaltigen blutroten Mondes.
      Mehr kann ich nicht bemängeln :) . Wäre es ein bisschen mehr Text, (jaja Testwände sind nicht schön) könnte ich mehr konstruktive Kritik geben. Jedenfalls schwirren in meinen Kopf doch schon einige Fragen zu bestimmten Begriffen wie Ylu-Jash usw.
    • Hallo biwaka, danke erstmal für deine Rückmeldung! :)

      DerText könnte theoretisch Teil einer größeren Geschichte sein. Ich habe versucht, verschiedenste Ideen, die ich seit längerem habe, zusammenzuführen, weil sie nicht in meine andere Welt hineinpassen. Dass dein Interesse geweckt ist, ist natürlich die Hauptsache, denn ein Text will ja Interesse wecken und Lust auf mehr machen :)

      Das mit dem 2. Satz finde ich interessant, da dies ein Satz ist, an dem ich stärker gefeilt habe. Ich finde, dass es eine andere Wirkung hat, wenn das beschreibende Adjektiv erst am Ende genannt wird. Also erst liest man von dem Mond und erfährt dann erst, dass er rot ist. Aber das ist natürlich auch zu einem großen Teil eine Geschmacksfrage.

      Mir ist nur wichtig, dass es alles nicht allzu verwirrend wirkt und gleichzeitg offen ist, sodass Interesse geweckt werden kann (!). Mal schauen, ob noch andere Rückmeldungen kommen. Ansonsten kann ich gerne noch weitere Text-Fragmente mal hier veröffentlichen :)

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Beyond Vega, Pollon Is.
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    • Moin moin, Blaps.

      Ich finde deinen Text stimmungsvoll. Gerade zu Anfang beschreibst du sehr gut die Landschaft, so dass man schnell in die Geschichte abtaucht. Vielleicht ein paar Adjektive zu viel. :kopfkratz: Streich versuchsweise mal ein paar davon und schaue, ob etwas weniger doch mehr sein könnte. Direkt gestört hat mich allenfalls im dritten Satz ein "schwer schwebender Mond". :hmm:


      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Trotzdem wollte ich nicht verstehen, wie etwas künstlich Erschaffenes und sorgfältig Konstruiertes wie die VOID, derart fürchterlich mutierte Geschöpfe und verzogene Burschen hervorbringen konnte. ...
      Moony Louche musste zur Strecke gebracht werden, die VOID musste zerstört werden, wir alle, wir Schatten, mussten fallen.
      Das weckt bei mir Fantasien von einer künstlichen Kuppel oder virtuellen Welt. Doch ob ich damit richtig liege ... :weissnicht:


      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Der junge Reiter trug einen grausigen Säbel in seiner Linken, der im Ritt elegant an seiner Schulter lehnte.
      Ein Säbel besitzt ein relativ breite Klinge. Hält er die gebogene Waffe in der Faust, so dürfte die Schneide eine echte Gefahr für sein Ohr werden im Galopp. :fluecht:


      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Der Kampfschrei überfiel mich spontan; ...
      Louche, deine Zeit ist gekommen, säuselten meine Lippen, tick – tack, tick – tack – tock – ins Herz dir einen fiesen Pflock!
      Der letzte Satz mit seinem unerwarteten Reim ließ mich schmunzeln. Er ist durchaus schön. Der Pflock erweckt Assoziationen zu Vampirpfählungen. Irritiert hat mich aber, dass der namenlose Protagonist seinen Kampfschrei säuselt. :o


      Kleinkram:
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      Rattenartige "Crawler" und hasenartige (?) "Chaser" als Reittiere. Benutzt du durchweg englische Bezeichnungen?

      Du beschreibst sehr detailliert die drei Antagonisten (Nebenkönig, Nebelprinz und Samza Spade). Über den Protagonisten erfährt man allerdings fast nichts, was dem Leser eine Identifikation ein wenig erschwert.


      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Samza Spade war Diener und Schutzpatron von Soma Louche und begleitete diesen auf Schritt und Tritt.
      Patrone oder Schutzpatrone stehen eigentlich in der Hierarchie über ihrem Schützling.


      Mrs. Mortisaga schrieb:

      Es mussten über 100 Reiter sein, wir waren 33, ...
      Die Zahlenangaben in Worten ausgeschrieben sähen in einer Geschichte schöner aus. ;)
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

      Damokles-Sternenring - meine kleine Galaxie
      Rollenspiel-Anekdoten
    • Hallo Nemedon, danke sehr für deine Rückmeldung! :)

      Ja,...das mit den Adjektiven ist so ein Tick bei mir, weil ich immer Bilder im Kopf habe und unbedingt sicher gehen will, dass ich das, was ich sehe möglichst genau beschreiben kann, damit andere ein ähnliches Bild im Kopf haben. Was stört dich an 'schwer schwebender Mond'? Einfach der Klang oder die Paradoxie? Falls dich die Paradoxie stört, die ist gewollt eigentlich.

      Künstliche Kuppel trifft es eher nicht. Ich weiß selbst noch nicht genau, was die VOID ist. Ich weiß nur, dass sie nicht wirklich begrenzt aber auch nicht unbegrenzt ist. Wahrscheinlich ist es etwas 'Traumgleiches', das möglicherweise nur im Kopf der Protagonistin existiert. Bisher existiert ein Arbeitstitel 'VOID - Intersecting Branches'. Vielleicht bringt das deine Fantasie noch mehr in Wallung :D

      Der Säbel ist eher schmal, ähnlich einem Katana oder einem Dao (Tai Chi). Ob man ihn tatsächlich so tragen kann, das fragte ich mich auch ... Der 'gesäuselte' Kampfschrei ist wieder eine Paradoxie. Ich hatte vor Augen, dass dieser Reim eher ein wenig psychotisch und psychopathisch 'gesäuselt' wird, aber vielleicht kann ich dann das Wort 'Kampfschrei' streichen :D

      Zu den englischen Bezeichnungen, da weiß ich auch noch nicht, ob ich es so beibehalte. Einerseits passt es allein wegen dem Arbeitstitel und andererseits klingt es m. E. besser als die deutsche Schreibweise. Die Bezeichnungen sind irgendwie aus einem Fotoprojekt erwachsen, das ich gemacht hatte und da waren es auch immer englische Bezeichnungen.

      Hm... Diener, Schutzpatron... was auch immer - ich weiß schon, wieso ich nie über irgendwelche Herrschaftsstrukturen schreibe, da habe ich nämlich null Ahnung von und auch noch nicht wirklich recherchiert.

      Hier mal ein Zitat und ein paar selbst geschriebene Zeilen, die mich irgendwie zur VOID inspiriert haben:

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      "In der ersten Lebenshälfte entsteht als Folge der durch die Umwelt gebotenen einseitigen Entwicklung des Bewußtseins auch der Schatten als die im Ichaufbau vernachlässigte, abgelehnte Summe gleichgeschlechtlicher Eigenschaften. Der Schatten wächst parallel mit dem Ich, gleichsam als dessen ,Spiegelbild', und setzt sich zusammen aus den teils verdrängten, teils wenig oder gar nicht gelebten psychischen Zügen des Menschen, die von Anfang an aus
      moralischen, sozialen, erzieherischen oder sonstigen Gründen weitgehend vom Mitleben ausgeschlossen wurden und darum der Verdrängung bzw. Abspaltung anheimfielen. Dementsprechend kann der Schatten durch positive oder negative Qualitäten charakterisiert sein." (Jacobi)

      Was passiert mit einem Schatten, der sich entfalten darf? Verschwindet er oder wird er böse? Wird er zutraulich oder ist er verschüchtert? Verändert er seinen Träger in ein Monster oder ist er ihm wohlgesinnt? Schwebt er hinfort in die Unendlichkeit des Universums oder wird er explodieren; zersplittern in tausend kleinere Schatten? Oder erwächst er zu etwas Größerem?
      Beyond Vega, Pollon Is.
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    • Ja, es waren die vermeintlichen Unvereinbarkeinten des "gesäuselten Kampfschreis" und eines "schwer schwebenden Mondes" die mich irritierten. Wenn das gewollte Paradoxien sind, wäre es vermutlich praktisch, wenn der Leser einen Ansatz zum Verständniss erhielte. ;) Es muss ja keine konkreten Erklärungen sein, doch dezente Hinweise wären imho doch schön. So wirkt es schlicht widersprüchlich, ohne dass man nach Erklärungen sucht.

      Das von dir Zitierte über einen Schatten erinnert mich eher an Überlegungen zu den dunklen Seiten der menschlichen Psyche. Aspekte die meist gesellschaftlich geächtete Begierden u.ä. betrifft, weshalb diese verdrängt werden.
      Doch spannend welche poetische Seite du dem Text abgewinnst. Welche(r) Jacobi schrieb das übrigens?
      Nur weil du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht doch hinter dir her sind! (Frei nach Terry Pratchett)

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    • Da frage ich mich, wie diese 'dezenten Hinweise' aussehen könnten :D Kann immer schlecht einschätzen, wieviel ich sagen kann ohne eine Interpretation zu liefern...

      Das mit dem Schatten ist auch auf die Psyche bezogen. Mir schweben schon länger Ideen bzw. Fetzen zu einer Art Welt im Kopf, die (noch) nicht ganz in meine schon bestehende Welt hineinpassen wollen, weil mir noch entscheidende Informationen fehlen. Da muss ich wohl noch weiter basteln :D


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      Übrigens stammt das Zitat unter anderem aus diesem interessanten Text hier.
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