WB-Adventskalender 2016

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      Das einundzwanzigste Türchen ist gut bewacht und führt zu einer großen Halle. Ein in rot gekleideter Geschichtenerzähler wird durch den Gang geleitet und durch die Tür geführt, inmitten der kamingewärmten Halle kniet er auf den Boden, inmitten langer Tische, an denen edel gekleidete Leute sitzen. Am Ende der Halle sitzt ein alter Mann mit grauem Haar auf dem eine Krone aus Silber und Holz sitzt. Der Erzähler beginnt, mit lauter Stimme eine Ballade vorzutragen, eine Ballade von Arikóns größtem Helden. Bald sind nur mehr das Knistern in den Feuerstellen und die klare Stimme des Erzählers zu hören.



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      Lagdras letzte Tat

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      Was fliegt so hoch, oben im Himmel?
      Es ist ein Drache und kein Schimmel.
      Er hat blaue Schuppen, wie die Nacht
      Dort oben hält er seine eisige Wacht.

      Über hohe Berge er fliegt,
      und in jedem Kampf er siegt.
      Jeder hat vor ihm Respekt,
      doch Menschenfleisch, ihm gar nicht schmeckt.

      Doch 100 Jahr, nach guter Tat,
      Kommt ein Elf, mit gutem Rat.
      Er hilft ihm viel, er hilft ihm Gut
      Und bringt ihm neuen Mut.

      Und als der Elf will gehen.
      „Hier ein Schwert um dich zu wehren“
      „Oh vielen Dank, du mächt´ger Drache,
      willst du mich begleiten, in guter Sache?“

      Sie reisen nach Norden,
      gegen Wildlings Horden,
      mit Schwert und Feuer,
      gegen Schattenungeheuer.

      Mit aller Kraft von Arikón
      Das Kriegshorn schallt mit lauten Ton.
      Mit Akandras Kraft und Schwert,
      Verliert ein Pfeil seinen Wert.

      So gewannen sie Schlacht um Schlacht
      Und die Schatten verloren an Macht.
      Doch dann, trag den Drachen ein Pfeil,
      am Halse, wie ein Henkersbeil.

      Das Übel war von böser Hand,
      Doch der Fall begann.
      Der große Drache Lagdras starb,
      aber Menarolad bestehend ward.


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      Das zweiundzwanzigste Türchen steht in einer Stadt aus weiß verputzten Mauern und Ziegeldächern und führt in ein zweistöckiges Herrenhaus. Im Moment ist dort die Hölle los - jedenfalls für Mutter und Tochter des Hauses.



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      Wünsch dir was Teil 1

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      „Was du forderst, ist der blanke Unfug, Aloséra!“
      „Du übertreibst, Mutter – wie immer“, entgegnete die Angesprochene und warf genervt die Arme in die Höhe. Sie starrte auf den Rücken ihrer Mutter, die beharrlich zum Fenster hinaussah.
      Ihrer beider Stimmen waren erhoben, jedoch weit von Anschreien entfernt. Noch. Séra – wie sie viel lieber genannt werden wollte als bei ihrem vollen Namen – wusste, dass es nicht lange so bleiben würde; es war nicht ihr erster Streit.
      „Ich habe nur einen Wunsch geäußert, und du machst daraus sofort eine angebliche Forderung. Und alles, was du nicht gleich akzeptieren kannst oder nicht verstehst, wird zu Unfug erklärt.“
      „Selbstverständlich verstehe ich; sehr gut sogar. Sobald wir einem deiner absurden Wünsche nachgeben, folgen weitere Wünsche, und schnell werden daraus Forderungen, rein aus Gewohnheit. Von mir ist nichts übertrieben. Und wer weiß schon, welche Dummheiten du dir als Nächstes ausdenkst.“
      Séra stöhnte und verdrehte die Augen. „Was du behauptest, ist doch hier der Unfug. Als ob du und Vater mir schon sooo viele Wünsche erfüllt hättet, um das sagen zu können …“
      „Aloséra, wir kennen dich, du bis mei… unsere Tochter.“
      „Davon merke ich nicht viel. Du behandelst mich wie eine beliebige Dienerin.“
      „Wie kannst du nur so undankbar sein, Kind!“ Sie schüttelte den Kopf, weiterhin ohne Séra anzusehen. „Allein die Kleidung, die wir dir ständig schneidern lassen. Und dein Status. Ist das alles nichts?“
      Séra schnaubte vor Wut. „Was habe ich von einem Status, wenn ich nicht machen darf, was ich möchte? Und ich würde liebend gerne auf einige der Stofffetzen verzichten und dafür wenigstens einen wirklichen Wunsch erfüllt bekommen.“
      „Auf Ideen kommst du wieder! Willst du stets in denselben Fetzen, wie du es nennst, herumlaufen? Was sollen die Leute denken!“
      „Die Gedanken der Leute interessieren mich nicht, wahrscheinlich bemerken die das gar n…“
      „Und genau deshalb entscheiden besser wir, was gut für dich ist. Der Unsinn, den du dir ständig einfallen lässt, ist nicht standesgemäß. Und unnütz noch dazu; manches sogar gefährlich.“
      „Mutter, was soll daran unnütz sein?“, regte Séra sich auf und stampfte rasch durch das Zimmer, bis sie neben ihrer Mutter stand. Doch die sah nach wie vor ungerührt zum Fenster hinaus; dort war lediglich der leere Hof zu sehen. „Nur weil du es dafür hältst? Und du weißt, dass du falsch liegst, sonst würdest du's mir wenigstens ins Gesicht sagen, feige, wie du bist.“
      Inzwischen waren beide deutlich lauter geworden, jetzt jedoch senkte Séras Mutter die Stimme.
      „Aloséra, halte dich zurück“, warnte diese und blickte Séra endlich an, eindringlich.
      „Nein“, brauste Séra weiter auf, „du hast nur Augen und Ohren dafür, was andere sagen und dass du dadurch schlecht dastehen könntest. Wenn du sagst, zu entscheiden, was gut für mich ist, meinst du tatsächlich, was gut für dich ist. Du lügst dich selbst an – und mich.“
      „Aloséra!“, schrie Séras Mutter. In ihren Augen schien etwas gefährlich aufzublitzen, als sie sich endgültig vom Fenster abwandte, mit der rechten flachen Hand ausholte und zuschlug.
      Sie teilte nur die Luft vor sich und verlor dabei nahezu das Gleichgewicht, so dass sie sich am Fensterrahmen festhalten musste.
      Séra hatte sich schnell geduckt, wich nun zwei Schritte zurück und grinste für einen Augenblick. „Zu langsam. – Habe ich etwa die Wahrheit getroffen?“
      Ihre Mutter strich sich die Tunika glatt, vermutlich eher, um sich zu beruhigen und sich keine noch größere Blöße zu geben. „Sicherlich nicht. Du bist nicht einmal vierzehn Jahre alt, da kannst du nicht wissen, was für dich das Beste ist.“
      „Weil du verhinderst, dass ich es wissen könnte. Es gibt keinen anderen Grund, meinen Wunsch zu ignorieren. Sonst verlierst du deinen Einfluss auf mich.“
      Ihre Mutter starrte sie lediglich mit verständnislosem Blick an.
      Séras Erkenntnis, dass sie anscheinend richtig lag, verstärkte ihre Wut zusehends. Ihr Gesicht lief rot an und sie rief: „Willst du nicht verstehen, dass ich etwas für mich tun will? Ich möchte nicht am Ende meiner Tage zurückblicken und feststellen müssen, dass ich mein Leben lang hilflos geblieben bin und dumm – so wie du.“ Erschrocken über ihre letzten Worte sog sie die Luft ein; es war zu spät.
      „Aloséra, genug! Das muss ich mir nicht bieten lassen. Und es wird Folgen haben.“ Ihre Mutter wies mit ausgestrecktem Arm zur Tür. „Hinaus! – Warte nur, bis dein Vater zu Hause ist.“
      Séra lachte leicht gequält auf. „Ich sag's doch: Nun muss Vater richten, wozu du nicht fähig bist.“ Ohne die Entgegnung ihrer Mutter abzuwarten, zu der diese bereits angesetzt hatte, lief Séra zur Tür, betrat den Flur und zog die Tür hinter sich so heftig zu, wie es ihr möglich war.
      Der Knall musste im ganzen Haus zu hören gewesen sein. Mutters Wutschrei dagegen ging beinahe unter.

      Am Abend schlich Séra durch das Haus. Darauf bedacht, von keinem der Bediensteten beobachtet zu werden, linste sie an jeder Treppe und Flurecke nach links und rechts, während sie sich Schritt für Schritt ihrem Ziel näherte.
      Schließlich glitt sie durch einen Türspalt und betrat ein kleines Zimmer mit Tischchen, gepolstertem Stuhl, Truhe, Bett und winzigem Fenster, das gelegentlich einem Gast zur Verfügung gestellt, sonst aber kaum genutzt wurde. Vor etlichen Jahren war das Zimmer Teil eines viel zu großen Raumes gewesen, von dem es durch eine Holzwand abgetrennt worden war.
      Genau zu dieser Holzwand ging Séra, setzte sich auf die Truhe, die dort stand, und presste ihr rechtes Ohr gegen das Holz. Anders als bei einer massiven Steinwand, waren auf diese Weise Gespräche aus dem größeren Raum jenseits der relativ dünnen Wand zwar gedämpft, aber gut zu hören. So auch jetzt.
      Séras Vater war soeben nach Hause gekommen und augenblicklich von ihrer Mutter in Beschlag genommen worden. Allzu viel schien Séra nicht verpasst zu haben.
      „… kaum zu glauben, was unsere Tochter sich heute wieder geleistet hat“, ‚berichtete‘ ihre Mutter gerade.
      Ihr Vater brummte unverständlich, bevor er mit durchdringender Stimme, aber hörbar gelangweilt fragte: „Wieder eine ihrer Ideen?“
      „Du kennst sie ja, Ecrados; mit ihrem Unfug gibt sie nie Ruhe. Wie üblich wurde sie laut, aber dabei blieb es nicht.“
      „Du wurdest genauso laut; das hast du natürlich vergessen“, flüsterte Séra und lauschte weiter.
      Ihr Vater hatte nur gebrummt, daher fuhr ihre Mutter fort, wobei ihre Lautstärke mit jedem Satz ein wenig zunahm: „Sie hat sich erdreistet, mich eine Lügnerin zu nennen. Eine Lügnerin! Womit habe ich das verdient? Und feige hat sie mich genannt. Aber das Beste: dumm.“ Sie machte eine Pause, vielleicht um Vaters Reaktion abzuwarten, die offenbar nicht kam. „Wieso nennt sie mich dumm? Woher nimmt sie diese Frechheit?“
      „Das sind ganz neue Töne“, meinte ihr Vater, „die sie sich sofort wieder abgewöhnen muss.“
      „Ganz meine Meinung. Derartige Beleidigungen mir gegenüber sind nicht tolerierbar. Und nicht auszudenken, wenn sie sich irgendwann außerhalb unseres Hauses so gibt. Denk nur an das Gerede! Und deinen Ruf.“
      „Du hast recht, Efriya, das können wir nicht zulassen. Ich werde sie zurechtweisen.“
      „Und sag ihr dabei auch, dass sie endlich von ihren unstandesgemäßen Ideen ablassen soll. Was sie sich immer in den Kopf setzt, wird ihr nie etwas nützen. Was soll ihr zuküftiger Ehemann mit einer Frau mit solchem Unfug im Kopf anfangen? Die verstößt er noch vor der Hochzeit.“
      „Na, hoffentlich tut er das“, murmelte Séra, „so einen Schnösel will ich nie im Leben.“
      „Als brave Mutter von zwei, drei Kindern und Ehefrau eines Adligen braucht sie ohnehin nichts von dem, was sie immerzu fordert. Wozu, wenn ihr Mann für sie sorgt?“ Ihre Mutter sprach nun leiser, dennoch konnte Séra sie verstehen: „Ich habe da bereits jemandes Sohn ins Auge gefasst, sie würde im Status deutlich aufsteigen …“
      Vor Schreck über das Gehörte wich Séra mit ihrem Kopf von der Wand zurück und verlor den Halt. Im letzten Augenblick krallte sie sich an der Truhe fest, sonst wäre sie auf den Boden gepoltert und irgendwer hätte sie sicherlich gehört.
      Sie atmete mehrmals kräftig durch, um sich zu beruhigen, schüttelte leicht den Kopf über die Ansichten ihrer Mutter und drückte ihr Ohr erneut gegen die Wand. Mittlerweile beschwerte sich ihre Mutter darüber, dass Séra ihre Kleidung als Fetzen bezeichnet habe, was Séra seufzen ließ.
      „Hier versteckst du dich also.“
      Die Stimme schräg hinter ihr ließ Séra aufschrecken, wobei diese mit dem Ohr an der Holzwand entlangschrubbte, sich beim Herumwirbeln ein Bein am Verschluss der Truhe stieß und schließlich kreidebleich und mit aufgerissenen Augen zur Tür starrte.
      „Oma Fenéa“, keuchte sie und sank in sich zusammen. Nach einigen Atemzügen richtete sie den Blick auf ihre Oma, die sie schweigend beobachtet und die Tür hinter sich geschlossen hatte. „Du hast mich zu Tode erschreckt“, flüsterte sie. „Und bitte sprich leiser.“
      Ihre Oma – Mitte sechzig mit dunkelgrauen Haaren – nickte und entgegnete mit gedämpfter Stimme: „So schlimm kann es nicht gewesen sein, du lebst offensichtlich noch.“ Sie lächelte.
      „Bitte mach das trotzdem nie wieder.“ Auch Séra musste lächeln. Dann rieb sie vorsichtig ihre gerötete Ohrmuschel, hielt sich die Hand vor Augen und war sichtlich erleichtert, dass sie nicht mit Blut verschmiert war. „Warum bist du hier?“
      „Vielleicht, um dir den einen oder anderen Ratschlag zu geben?“ Sie ging um das Bett herum einige Schritte auf ihre Enkelin zu. „Zuallererst solltest du die Tür hinter dir schließen, statt sie nur anzulehnen, wenn du deine Eltern belauschst. – Als Zweites brauchst du nicht so überrascht tun. Was sonst sollst du hier machen, mit dem Ohr an der Wand?“
      Séra sah betreten zu Boden und seufzte. „Na gut, du hast mich erwischt. Und jetzt?“
      „Jetzt erzählst du mir erst mal, was heute los war. Euer Streit war ja kaum zu überhören, aber bei all dem Geschrei war nicht viel davon wirklich verständlich.“ Sie setzte sich auf das Bett und unterstrich ihre Aufforderung mit einer Handbewegung.
      Séra erzählte im Flüsterton kurzgefasst, was sich ereignet hatte. Lediglich ihre Beleidigungen benannte sie nicht allzu genau. „… Na ja, dabei sind mir ein paar Worte rausgerutscht, die ich mir lieber hätte verkneifen sollen. Dass ich die Tür zugeknallt hab, kam wahrscheinlich auch nicht so gut an. Aber ich war sooo wütend, und du hättest Mutter erleben müssen; die ist so was von stur und blö…“ Sie schlug sich beide Hände auf den Mund und unterbrach damit ihren Redefluss und ihre erneut aufkeimende Wut.
      „Mir scheint, meine Tochter ist nicht die einzige Sture in diesem Haus, denkst du nicht auch?“
      „Hm … mnjaa … vielleicht …“ Ihre Verunsicherung legte sie so rasch ab, wie sie gekommen war. „Aber das alles nur, weil ich Lesen lernen will? Dann könnte ich wenigstens Bücher lesen über Dinge, die mich interessieren. Der dumme Lehrer, der dreimal die Woche kommt, bringt mir ja nichts Brauchbares bei; wahrscheinlich verhindert Mutter das ganz bewusst. Wie geht man mit Bediensteten um und ‚überwacht‘ sie; Geschichte und Bedeutung der Adelshäuser; wie benimmt man sich in feiner Gesellschaft, zu der unsere Familie ohnehin gar nicht richtig gehört … Das geht mir doch alles am Heck vorbei!“
      „Uups, Séra, deine Ausdrucksweise ist wieder herzallerliebst.“
      „Glaub mir, ich könnte das noch ganz anders sagen, aber dir zuliebe lasse ich das.“
      „Wie nett.“ Ihre Oma wechselte schnell das Thema. „Ich bin mir sicher, deine Mutter macht das nicht aus boshafter Absicht. Sie glaubt vielmehr, dass du dieselben Ziele oder Bedürfnisse hast wie sie, und kann sich schlicht gar nichts anderes vorstellen.“
      „Ach ja? Ich habe ihr und Vater oft genug gesagt, was ich möchte. Aber egal, um was es geht, es interessiert sie nicht. Wenigstens ein Lehrer, der mir noch anderes beibringt als bloß den Adelskäse: unnütz und zu teuer; regelmäßig ins Theater zu Vorstellungen, bei denen ich etwas über die Welt erfahren kann: nicht standesgemäß und Zeitverschwendung; vor zwei Wochen Reiten lernen: zu gefährlich; heute Lesen lernen: unnütz. Und grundsätzlich ist alles dazu auch Unfug. Das und ‚nicht standesgemäß‘ regt mich am meisten auf, als sei sie die Frau des Erhabenen Regenten selbst – wie eingebildet ist das denn?“ Sie schüttelte den Kopf.
      Ihre Oma nahm einen gequälten Gesichtsausdruck an, als könne sie sich zwischen Lachen und Wehmut nicht entscheiden. „Meine Tochter hat etwas den Blick für die realen Verhältnisse zwischen den Adelshäusern verloren. Nur dem Posten deines Vaters ist es zu verdanken, dass ihre Bekannten, mit denen sie sich so gerne zeigt, sie nicht auslachen.“ Nun lächelte sie doch. „Sie könnte etwas Nachhilfe durch deinen Lehrer gut gebrauchen.“
      „Werde ich ihr nächsts Mal vorschlagen.“ Séra kicherte und zwinkerte ihrer Oma zu. Dann schmollte sie für einen Moment. „Ich hab keine Ahnung, wie ich meinen Eltern beibringen soll, dass ich gerne Fechten lernen würde. Da kommen ja alle Gegenargumente zugleich zusammen und bestimmt fällt Mutter noch etwas Neues ein.“
      „Fechten? Du hängst also noch immer deinem … eigenartigen Wunschtraum nach?“
      „Natürlich, den werde ich auch nie aufgeben; und der ist nicht eigenartig. Ich will nicht in zwanzig Jahren an Langeweile verenden.“
      „Es gibt viele andere Möglichkeiten – weniger gefährliche –, um der Langeweile aus dem Weg zu gehen; das ist dir sicher bewusst?“
      Séra zögerte und nickte dann. „Weiß ich, aber ich glaube, nichts anderes könnte so abenteuerlich sein – egal, was du versuchst, mir schmackhaft zu machen.“ Sie grinste.
      „Dennoch werde ich es weiterhin zumindest versuchen. Und ich fürchte, du stellst dir das zu romantisch vor.“
      Séra zuckte mit den Schultern. „Mag sein, aber mein Brüderchen wird den Weg bestimmt einschlagen, bei ihm hat niemand Einwände. Ihm werden sowieso alle Wünsche von den Augen abgelesen. Es ärgert mich, dass er immer so verhätschelt wird und mir wird alles verwehrt, was Mutter nicht in den Kram passt oder auch nur nicht versteht. Wenn er nicht noch zu jung wäre, würde er längst Reiten und Fechten lernen.“
      „Möchtst du denn wie Ifau verhätschelt werden? Dann wird es aber schwierig. Mehr Aufmerksamkeit erhalten und weiter große Geheimnisse vor deinen Eltern bewahren – das wird nicht zusammenpassen.“
      Séra seufzte. „Wahrscheinlich hast du recht, trotzdem finde ich's nicht gerecht–– oh, das Beste weißt du ja noch gar nicht!“ Sie wedelte wild mit den Händen vor sich in der Luft herum, als wolle sie eine Horde herumtollender Kleinkinder auf sich aufmerksam machen. „Deine Tochter will mich verkuppeln! Hat sie vorhin Vater gesagt. Bestimmt mit irgendeinem Adelsschnösel-Söhnchen oder so, den ich wahrscheinlich nicht mal kenne. Und gefragt werde ich schon gar nicht.“
      „Jetzt schon?“
      „Zumindest hat sie jemanden ‚ins Auge gefasst‘, hat sie gesagt. Aber … sehr überrascht wirkst du nicht; wusstest du davon?“ Kritisch beäugte sie ihre Oma.
      „Nein, sie hat nur schon häufiger von ihrem Wunsch gesprochen, dich möglichst gut zu verheiraten; und gut heißt bei ihr natürlich, so hoch im Adel wie möglich – aus deiner Sicht wohl eher so schnöselig wie möglich.“
      Séra verzog angewidert das Gesicht. „Zum Glück hat der Erhabene Regent keinen Sohn im passenden Alter, sonst würde Mutter glatt versuchen, mich an ihn zu verschachern.“
      Ihre Oma lachte auf. „Da brauchst du dir sicher keine Sorgen machen.“ Sie beugte sich verschwörerisch näher zu Séra vor. „Aber ich habe gehört, dass er einen noch unversprochenen Neffen hat, der passen könnte und auch recht hübsch sein soll …“
      „Oma!“, protestierte Séra erschrocken. „Fang du nicht auch noch an! Das ist nicht lustig.“ Einen Atemzug später prustete sie mit der Hand vor dem Mund los.
      „Aloséra, zum Appell!“, brüllte da ihr Vater laut genug, dass es im ganzen Haus zu hören war.
      Séra rollte mit den Augen und erhob sich widerwillig von der Truhe.
      „Sofort!“, fügte ihr Vater noch eine Spur lauter hinzu.
      „Kommt nicht überraschend, aber ich muss dann mal …“, sagte sie leise und halb entschuldigend zu ihrer Oma.
      Die lächelte ihr aufmunternd zu. „Wird schon nicht so schlimm werden, Séra.“
      Dann verließ Séra das Zimmer, um sich Vaters Donnerwetter abzuholen.



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      Das dreiundzwanzigste Türchen steht ebenfalls in einer Stadt aus weiß verputzten Mauern und Ziegeldächern, aber es führt auf eine breite Straße voller Leute. Die meisten hier transportieren irgendetwas, aber ein nobel gekleidetes Mädchen stapft in Gedanken verloren durch das Türchen und die Menge.



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      Wünsch dir was Teil 2

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      Séra folgte der gepflasterten Hauptstraße, auf der es von Menschen, Lasttieren und Karren geradezu wimmelte, und bog vor dem Marktplatz nach rechts in eine schmalere und vergleichweise ruhige Straße ab. Sie würde bald ihr Ziel erreicht haben; eilig jedoch hatte sie es nicht und so verlangsamte sie ihre Schritte wie selbstverständlich.
      Immer diese dummen Höflichkeitsbesuche! „Weil es sich so gehört, Kind“, äffte Séra in Gedanken ihre Mutter nach, „sie sind gute Bekannte und sie nicht zu besuchen kommt einer Beleidigung gleich.“ Sie seufzte. Wenn es wenigstens meine Freunde wären … Aber nein, es sind Mutters Bekannte. Warum besucht sie die dann nicht einfach häufiger, sondern schickt mich alle paar Wochen hin? Sie ist sowieso schon ständig dort, auf das eine Mal mehr im Monat kommt's doch dann auch nicht an.
      Ohne zu zögern folgte sie der nächsten Abzweigung. Und dann deren belangloses, überhebliches Geplapper. Die ist verliebt, der ist krank oder gestorben, jene hat sich blamiert, wurde angepöbelt, hat beim Festmahl gehust… gekotzt! – wen juckt das?! Kein Wunder, verblödet Mutter immer mehr – und merkt es nicht mal.
      Ihr wurde gewahr, wie sie unwillkürlich den Kopf schüttelte, und sie zwang sich zur Ruhe. … bevor jemand sie für verrückt halten konnte. Aber wenigstens hat das ein Gutes: Dafür musste mein Zimmerarrest vorzeitig beendet werden. Fünf Tage war eh viel zu lang, nur weil ich mich mit Mutter gestritten und die Tür zugeknallt hab. „Disziplinarische Maßnahme“ – als ob ich einer von Vaters Männern wäre, die er ständig herumscheucht, pah.
      Trotzdem wird mich das nicht davon abhalten, meine Wünsche zu äußern. Wenn die nur endlich mehr Verständnis für mich aufbringen könnten, ohne dass es immer gleich zum Streit kommt, als sei ich eine freche Bedienstete, die als Monatslohn plötzlich ein Säckchen Silberkronen fordert …
      Sie blieb stehen und sah sich verwundert um. „Dreck“, fluchte sie halblaut. Jetzt bin ich auch noch zu weit gelaufen und kann den Weg wieder zurückmarschieren. Und das nur, weil ich mich über Mutter aufgeregt hab. Sie stellte fest, dass sie in einem Straßenabschnitt angekommen war, den sie normalerweise mied, da hier noch hochnäsigere Adlige wohnten als jene, die sie heute besuchen sollte.
      Sie wandte sich gerade um, als sie aggressive Stimmen hörte. In einer abzweigenden Straße redeten drei, nein vier junge Männer auf eine weitere Person ein – eher noch ein halbes Kind, vielleicht etwa in ihrem eigenen Alter. Dieser Jüngste trug einfache, leicht schäbige Kleidung in schlichten bräunlichen Farben. Vielleicht ein Handwerkersohn, dachte Séra.
      Die vier Älteren trugen eindeutig bessere und gepflegte Kleidung offenbar aus vergleichsweise teuren Stoffen und bildeten einen Halbkreis um den Jüngeren, während sie im Wechsel auf ihn einredeten.
      Die Gruppe war zu weit entfernt, als dass Séra vom Gesagten viel verstehen konnte, aber die Lautstärke lag eindeutig über dem des allgemeinen Geredes und Gewusels auf der Straße. Nur einzelne Wortfetzen trug der leichte Wind bis an ihre Ohren: „… Abschaum … unwert … Wurm … Bauerntrampel … wie alle Halsabschneider … dreckig … was bildest du dir ein …“ Ob der Jüngere etwas sagte, konnte sie nicht erkennen, er war meist durch einen der vier verdeckt; und wenn, war es leise und er wurde vermutlich sofort von den anderen unterbrochen.
      Inzwischen hatte einer der vier begonnen, den Jüngeren ab und zu mit der flachen Hand nach hinten zu schubsen, während sie weiter auf ihn einredeten, dabei wiederholten sich die Anschuldigungen und offensichtlichen Beleidigungen, soweit Séra sie verstehen konnte, zunehmend. Nicht nur äußerst ‚mutig‘, zu viert und ein paar Jahre älter auf einen Einzelnen loszugehen, dachte Séra, sondern auch noch einfallslos wie Suppenhühner.
      Der Unterlegene stieß mit dem Rücken gegen eine Hauswand, gegen die er sich hatte drängen lassen. Nun kam mehr Bewegung in die Szenerie; offenbar von Panik erfüllt rief er: „Lasst mich los!“, und versuchte mehrmals zwischen den Umstehenden hindurchzuschlüpfen, wurde aber stets zurückgehalten. Der bisherige ‚Schubser‘ drückte ihn schließlich mit ausgestrecktem Arm gegen die Wand, bis er Ruhe gab. Einer der anderen redete nun auf den Jüngeren mit erhobenem Ziegefinger leise ein.
      Das soll wohl bedrohlich wirken?, überlegte Séra und stellte zugleich fest, dass sie offenbar die Einzige war, die sich für das Geschehen interessierte. Alle anderen Leute, die durch die Straße gingen, beachteten die Gruppe nicht oder taten zumindest so, als ob sie es nicht bemerkten. Auch sie selbst schien niemand wirklich wahrzunehmen.
      Überraschend traten zwei der Älteren einen Schritt zur Seite und öffneten so eine Lücke im Halbkreis.
      „Verschwinde!“, befahl jener mit dem nach wie vor erhobenen Zeigefinger.
      Der Bedrängte zögerte kurz und quetschte sich zwischen den beiden hindurch, die ihm Platz gemacht hatten.
      Ein Fuß zuckte. Der Jüngere stolperte und konnte nur mit Mühe und wild rudernden Armen verhindern, auf das Straßenpflaster aufzuschlagen. Umgehend folgte das gehässige Lachen aller vier.
      „Mach unsere Straße nicht dreckig – und lass dich hier nicht mehr sehen!“, rief ihm einer der vier nach.
      „Das ist unser Revier, merk dir das.“ Der Schubser von zuvor tat so, als wolle er dem Jüngeren aggressiv folgen, blieb aber nach einem Schritt stehen und lachte erneut, als jener fortzurennen begann.
      Séra zuckte leicht zusammen, als sie den ‚Schubser‘ erkannte. Bis gerade eben hatte er ihr stets den Rücken zugewandt. Oha, Lubero? Aber wieso wundert mich das? Dieser Kanalaal kommt mir schon seit Jahren arrogant vor wie Wót persönlich …
      Der vormals Bedrängte lief auf der anderen Straßenseite an ihr vorbei; er schien verängstigt und wütend, zumindest jedoch körperlich nicht verletzt zu sein. Die vier anderen gingen in die entgegengesetzte Richtung und entfernten sich somit von Séra. Sie beschloss sofort, ihnen in sicherem Abstand zu folgen.
      Als Séra kurz darauf eine Kreuzung erreichte, an der die vier abgebogen waren, schienen sie verschwunden zu sein. Dreck! War ja klar … Ich denke nicht, dass sie fliegen können, also müssen sie irgenwo sein. Aber wo …? Sie folgte langsam der Straße und sah sich um, da entdeckte sie zwischen zwei Herrenhäusern eine schmale Gasse. Im Gegensatz zu den meisten Gassen der Stadt wirkte diese recht sauber; offenbar wurden in der vornehmen Gegend sogar die unbedeutendsten Gassen regelmäßig gefegt.
      Sogleich ging sie hinein und folgte ihr. Schon nach wenigen Schritten hörte Séra Stimmen und schlich sich an die nächste Hausecke heran. Vorsichtig lugte sie um die Ecke.
      Vor ihr erstreckte sich ein kleiner, verwinkelter Platz, der durch mehrere sich gegeneinander versetzt kreuzende Gassen gebildet wurde. Zu einer Haustür – vielleicht einem Bediensteteneingang – führten zwei Sandsteinstufen hinauf. Auf der obersten standen drei junge Männer und sahen auf etwa zehn weitere hinab, die vor den dreien einen Pulk bildeten und ihnen offenbar zuhörten. Mitten im Pulk befanden sich auch Lubero und die drei anderen, denen Séra gefolgt war.
      Die drei auf den Stufen schätzte Séra als die Ältesten der gesamten Gruppe ein, vermutlich waren sie die Anführer. Als einzige hatten sie schmale lange Stoffstreifen um die Schultern gelegt, vielleicht so etwas wie Rangabzeichen. Zwei trugen dunkelblaue Bänder, der in der Mitte dagegen ein dunkelrotes. Ob sie damit die Purpur-Abzeichen der höheren Adligen und Beamte nachahmen wollen?, überlegte Séra. Wie anmaßend. Wenn das rauskommt … Deshalb wohl auch nur die losen Bänder; kann man schnell verschwinden lassen, wenn Stadtwachen oder echte Beamte vorbeikommen.
      Sie presste sich dichter an die Hauswand, zog ihren Umhang, der ebenso schwarz war wie ihre Haare, enger um sich und hoffte, so im Schatten der Gasse weiterhin nicht bemerkt zu werden. Erst jetzt begann sie, auf das Gerede zu achten.
      „… war schon ganz gut“, sagte der Rote, wie Séra den Anführer mit dem roten Schulterband insgeheim nannte, gerade zu demjenigen, der dem Bedrängten das Bein gestellt hatte. Dann wandte er sich an Lubero. „Das gilt auch für dich, Luro, nicht schlecht für den ersten Einsatz. Aber besser fass das Gesindel nicht mehr an. Oder willst du dir jedes Mal die Hände waschen müssen?“ Er lachte hämisch, die anderen stimmten mit ein.
      Einsatz?, dachte Séra stirnrunzelnd. Die planen so etwas doch nicht etwa? Zumindest hat der Rote – oder alle? – die vier beobachtet. War das so etwas wie eine Prüfung?
      „Außerdem“, fuhr der Rote fort, „kann er dann hinterher nicht behaupten, er sei geschlagen worden. Außer er lügt; aber das wird er nicht wagen, wenn ihr nur dominant genug auftretet. Also: einschüchern, in die Enge treiben, aber Finger weg von denen, solange es nicht unbedingt notwendig ist.“
      Lubero – oder kurz Luro – hatte seinem Anführer bei nahezu jedem Satz ernst zugenickt. „Ich werde ab jetzt darauf achten.“
      Der Rote starrte Lubero an und legte seinen Kopf leicht schief. „Was?“
      Lubero blickte verstohlen um sich und schien verunsichert zu überlegen, was los war, dann sah er dem Roten ins Gesicht. „Ich werde ab jetzt darauf achten, Herr. Bitte verzeiht, Herr.“
      Der Anführer kniff leicht die Augen zusammen. „Ich werde für jetzt Gnade für Gesetz ergehen lassen. Noch einmal, und die übliche Strafe wird fällig, Luro.“
      „Ja, Herr, danke, Herr.“ Lubero nahm eine Haltung ein, die wohl so etwas wie strammstehen sein sollte, oder was er dafür hielt.
      Was für Idioten. Séra schüttelte entsetzt den Kopf. Sie erniedrigen die Schwachen und merken nicht, wie sie von ihrem Anführer erniedrigt werden. Aber sie wollen es offenbar so.
      „Wenn das geklärt ist“ – der Rote ließ seinen Blick über die gesamte Gruppe schweifen – „treffen wir uns morgen zur gleichen Stunde. Dann weist ihr beide einem weiteren Wurm seinen Platz zu. Diesmal werdet ihr nur zu dritt sein und eine zusätzliche Aufgabe erhalten, die ihr morgen erfahrt.“ Offensichtlich waren Lubero und der Beinsteller gemeint, die er nun mehrfach im Wechsel ansah. „Wenn wir mit eurer Leistung zufrieden sind, könnt ihr stolz darauf sein, unsere neuesten Mitglieder zu sein und unser Viertel vom Abschaum zu befreien.“ Erneut ließ er seinen Blick über die Anwesenden gleiten und nickte. „Wegtreten!“
      Was für ein stinkender Kanalaal!
      Der Rote ging mit den beiden Blaugebänderten in Richtung der breitesten Gasse. Während sie leise miteinander redeten und wichtig taten, nahm jeder beiläufig sein Band von der Schulter und ließ es in seiner Kleidung verschwinden. Die übrigen Anwesenden teilten sich in mehrere Grüppchen auf und verließen ebenfalls den Platz in verschiedene Richtungen. Sie schienen darauf zu achten, einen gebührenden Abstand zu ihren Anführern einzuhalten – zumindest kam es Séra so vor.
      Nur Lubero und der andere Neuling gingen in ihre Richtung. Schnell zog sich Séra zurück und eilte zur Straße. Besonders langsam ging sie nun zur Kreuzung, an der sie die vier zuvor aus den Augen verloren hatte. Als sie Schritte hinter sich hörte, sah sie sich kurz verstohlen um. Die beiden waren gerade aus der Gasse herausgetreten und verabschiedeten sich per Handschlag. Nur Lubero ging nun ebenfalls in Richtung Kreuzung.
      Er schien Séra nicht zu erkennen und auch nicht weiter zu beachten, als er sie eiligen Schrittes überholte.
      Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen. „Bist du schon so tief gesunken, dass du Schwächere herumschubsen musst, Lu?



      Mini-Glossar:
      Kanalaal: „Nettere“ umangssprachliche Umschreibung für Ratte (sowohl das Tier selbst als auch als Beleidigung).
      Wót: Ein niederer Gott, dem vor allem Arroganz, Gehässigkeit und Verachtung zugeschrieben wird.



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      Feedback zu den Adventskalendertexten könnt ihr HIER geben. Die Texte sind wie jedes Jahr zunächst anonym, damit ihr - wenn ihr wollt - Autoren raten könnt. Wenige Tage nach Weihnachten wird aufgelöst, welcher Text von wem stammt, dann können die Autoren dort im Thread gesammelt auf das Feedback antworten.


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      Auch das vierundzwanzigste Türchen steht in einer Stadt aus weiß verputzten Mauern und Ziegeldächern, es führt auch wieder auf eine vielbenutzte Straße. Ein Ruf erschallt und ein Jugendlicher dreht sich zum Türchen um.



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      Wünsch dir was Teil 3

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      Wie von einem Ziegelstein im Rücken getroffen hielt Lubero inne. „Séra, verdammt!“ Er wirbelte herum und starrte sie finster an. „Nenn mich nicht so! – Und was ich mache, ist nicht verboten. Ich … wir halten unsere Gegend nur vom niederen Gesindel sauber. Bevor die unsere Straßen überfüllen oder wir noch ständig über deren Unrat stolpern.“
      „Das hat dir dein Anführer gesagt?“ Sie näherte sich gemächlich Lubero bis auf Armeslänge und blieb stehen. „Merkst du nicht, dass das absolut lächerlich ist?“
      „Blödsinn. Wenn wir nicht einschreiten würden, wäre es längst zu spät.“
      „Wir?“ Séra konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Du hast daran vor heute ja nicht mitgewirkt, aber jetzt wird sicher alles besser, nicht?“
      Lubero stutzte, dann schien er zu begreifen und kniff die Augen zusammen. „Du hast uns belauscht?“
      „Dein Herr war kaum zu überhören.“ Sie zuckte mit den Schultern, als sei damit alles Wesentliche gesagt.
      Sichtlich verunsichert fuhr er sich mit der Hand durchs Haar und schnaubte durch die Nase. „Du weißt nicht, wie gefährlich das ist. Lass es besser bleiben.“
      „Beißt er denn kleine Mädchen? Nein, ich will's lieber nicht wissen. Keine Sorge, ich habe nicht vor, deinem Herrn noch häufiger zuzuhören. Einmal reicht mir.“
      „Was machst du hier überhaupt?“
      Erneut zuckte sie mit den Schultern. „Hier stehen und dumme Fragen beantworten?“
      „Nein, warum bist du in dieser Gegend? Sicher nicht, um uns zu belauschen, oder?“ Lubero schien ihren Witz nicht zu verstehen.
      „Natürlich hab ich nichts Besseres zu tun als das. – Nein, aber ich glaube, dass es dich nichts angeht.“
      Lubero sah ihr eindringlich in die Augen, nickte dann. „Gut, dann geht es dich auch nichts an, was ich hier mache.“
      „Im Prinzip hast du damit sogar recht, aber … ich frage mich gerade, was wohl deine Eltern von deinen … Freundschaften halten.“ Dies war der Moment, auf den Séra gewartet hatte; in Luberos für einen halben Atemzug geweiteten Augen erkannte sie einen leichten Anflug von Panik.
      „O-oh“, flötete sie gespielt überrascht, „sie wissen davon noch gar nichts? Dann wird es Zeit, dass sie jemand aufklärt, findest du nicht?“
      „Was soll das werden? Komm mir nicht mit einer Erpressung!“ Er drohte ihr mit einer Faust, die er sogleich sinken ließ, wohl, um keine vorbeieilende Leute auf ihn aufmerksam zu machen.
      „Was denkst du denn von mir?!“ Sie hoffte, dass ihre entrüstete Miene überzeugend war. „Ich erpresse doch niemanden. Ich bin nur so freundlich, deine Eltern über wichtige Dinge zu informieren, sonst nichts. Du bist ja zu beschäftigt mit deinen neuen Freunden, um es selbst zu tun.“
      War es wirklich so einfach? Irgendeiner der Götter musste von ihren Sorgen wissen und schien sie jetzt zu unterstützen. Es war nur noch eine Frage der Zeit … Doch das siegessichere Grinsen, das sich nun in Luberos Gesicht zeigte, verunsicherte sie. Damit hatte sie nicht gerechnet. Was heckte er aus?
      „Tu, was du nicht lassen kannst. Sie werden dir ohnehin nicht glauben.“
      Sie wartete einen Augenblick, ob da noch mehr kam … Das war es schon? Mehr fällt dem Idiot nicht ein?, dachte Séra und atmete erleichtert auf. „An deiner Stelle wär' ich mir nicht so sicher, Lu. Von ihrer kleinen, süßen Lieblingsnichte sind sie schon immer viel mehr angetan als von ihrem eigenen Sohn. Erst neulich bei meinem letzten Besuch haben sie das angedeutet.“
      „Du lügst doch!“ Wie um sich selbst zu bestätigen, schlug Lubero mit der Faust auf die Hauswand neben ihnen und starrte Séra wütend an.
      „Siehst du, genau das mögen sie an dir nicht: Du schlägst unschuldige Wände, sobald dir die Argumente ausgehen. Ich dagegen bin die Liebenswürdigkeit und Nettigkeit in Person.“
      „Ein ausgekochtes, hinterhältiges Biest bist du, sonst nichts.“
      „Wenn du es so nennen willst, bitte.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Deine Eltern kennen mich besser – oder zumindest meine bessere Seite. Von dir können sie die nicht kennen, weil du keine hast. Und jetzt rate mal, weshalb sie dich weniger mögen als mich – und wem sie mehr glauben werden.“
      „Miststück“, murmelte Lubero und sah sie durch zu Schlitzen verengten Augen an.
      Séra lachte. „Ach komm, das ‚Biest‘ reicht schon, gefällt mir auch besser.“ Groygams Pfeil!, dachte sie. Der muss zuhause wirklich genauso ein Holzklotz sein, dass er mir das alles glaubt.
      Dann hellte sich Luberos Miene auf, ihm schien ein Gedanke zu kommen. „Wieso glaubst du eigentlich, dass es meine Eltern interessiert, was ich mache?“
      Zu spät, Lu, gegen dich ist selbst Fobb ein kluges Kerlchen. „Es interessiert sie bestimmt, wie herausragend du deine Familie repräsentierst, wenn du wehrlose Kinder grundlos schikanierst, so wie deine Eltern auf ihren guten Ruf auch unter den ‚einfachen Leuten‘ acht…“
      „Sei still!“, unterbrach er Séra und verdrehte die Augen. „Deren großmütiges Getue kenne ich zur Genüge. Aber eines stimmt: Meine Faust ist schnell und schmerzhaft. Du solltest es dir also zweimal überlegen, bevor du mich anschwärzt.“
      Betont unbeeindruckt besah sich Séra die Faust ihres Cousins, die er ihr erneut entgegenstreckte. „Wie soll ich etwas anschwärzen, das schon schwarz ist? – Ach, vergiss es, verstehst du eh nicht. Aber du müsstest derjenige sein, der zweimal nachdenken sollte, Lubero.“ Tadelnd schüttelte sie langsam den Kopf und sah ihm in die Augen. „Wenn du die kleine, stets freundliche Tochter des Hauptmanns der Stadtwachen schlägst, was glaubst du, wird dieser Hauptmann machen, wenn er dich in die Finger bekommt? Na? Du darfst auch dreimal raten.“
      Sichtlich frustriert schüttelte er den Kopf und sah für eine Weile nachdenklich in die Ferne, bevor er sich erneut Séra zuwandte. „Ich geb's ungern zu, aber du hast gewonnen. Was willst du also, damit du meinen Eltern nichts sagst?“
      Zufrieden nickte sie und stemmte ihre Arme in die Hüften. „Bring mir das Fechten bei.“
      Es dauerte einige Zeit, bis er das Gesagte verarbeitet hatte; die Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Unvermittelt begann er laut zu lachen. „Nicht schlecht“, sagte er schließlich, „du überraschst mich nicht nur mit deiner Kaltschnäuzigkeit, sondern auch mit Humor. Der Witz ist dir gelungen. Also, was willst du wirklich?“
      „Bring mir das Fechten bei.“
      Wieder brauchte Lubero einige Atemzüge, während denen er offenbar in Séras Gesicht zu lesen versuchte, bis er begriff. „Du meinst das tatsächlich so?“
      Noch während Séra ernst nickte, sprach er weiter:
      „Das ist doch bekloppt! Wie stellst du dir das vor? Frauen – und in deinem Fall erst recht Mädchen – werden in so etwas nicht unterrichtet. Wie sieht das denn aus, wenn Mädchen mit Degen oder Schwertern wild rumfuchteln? Wenn du dich wehren können willst, was ich verstehen kann, dann reicht auch ein Dolch. Das kann ich dir aber nicht beibringen.“
      „Dolche sind Kinderkram.“
      „Nicht mein Problem. Also, was willst du stattdessen für dein Schweigen? Geld? Du weißt, dass ich dank meiner fürsorglichen Eltern nur begrenzt darüber verfüge; das dürfte nicht viel anders sein als bei dir.“
      „Bring–mir–das–Fechten–bei!“, wiederholte sie gedehnt. „Oder ich muss ein ernstes Wort mit deinen Eltern sprechen.“ Erst danach fiel ihr auf, dass sie mit ihrem Cousin wie mit einem unartigen Kleinkind sprach, und schmunzelte kurz, bevor sie zur ernsten Miene zurückkehrte. Sie ließ – so hoffte sie – in ihren Augen erkennen, dass ihre Geduld bald zu Ende sein würde. „Oder bezahl mir einen Fechtlehrer – einen verschwiegenen.“
      Lubero hob die Augenbrauen und grinste. „Oh, bei dir gibt es also auch etwas, das deine Eltern nicht wissen dürfen?“
      „Träum weiter. Falls es rauskommt, wird es sicher Streit und Gemecker geben, aber das geht vorbei. Wenn der Ruf deiner Eltern auf dem Spiel steht, gibt's sicher nicht nur Gemecker. Versuch es gar nicht erst. Ich bin darin besser.“
      „Sieht so aus, ja.“ Widerwillig schüttelte Lubero den Kopf. „Fechtlehrer sind teuer, so einen kann ich dir nicht bezahlen.“
      „Dachte ich mir schon. Deshalb: Bring mir das F…“
      „Jajaja, ich habe verstanden.“ Resigniert ließ er Kopf und Schultern sinken, kaute auf der Unterlippe herum und schwieg.
      Sieh an, er scheint nachzudenken. Die Frage ist nur, ob er nach neuen Ausflüchten sucht oder nach Möglichkeiten, meiner ‚Bitte‘ nachzukommen. „Und? Was sagt der Kriegsrat in deinem Kopf?“
      „Der sagt, dass es nach wie vor eine bekloppte Idee ist. Wenn uns jemand gemeinsam üben sieht, machen wir uns lächerlich – oder vor allem ich.“
      „Deshalb ja verschwiegen. Du wirst sicher einen Ort kennen, wo wir ungestört üben können. Bei mir zuhause geht es verständlicherweise nicht.“
      „Aber es dauert viele Monate, das Fechten auch nur ansatzweise zu lernen. Und ich lerne es ja auch noch nicht so lange.“
      Also doch Ausflüchte. „Das ist mir bewusst. Für den Anfang wird es reichen. Und bis du mir die Grundlagen beigebracht hast, hast du selbst wiederum mehr dazugelernt – und kannst mir dann das beibringen. Hör auf, dich rausreden zu wollen.“
      Lubero seufzte angespannt. „Ist ja gut. Ich überlege mir, wo und wann wir das machen können. Gib mir ein paar Tage Zeit.“
      Séra versuchte, in seinen Augen zu lesen, ob er es ernst meinte, konnte jedoch nichts erkennen, das ihr weiterhalf. „In Ordnung.“ Sie hob eine Hand und drückte ihren Zeigefinger gegen seine Brust. „Aber wenn du mich nur hinhalten willst und glaubst, du könntest die Sache im Sande verlaufen lassen oder dir neue Ausreden ausdenken, dann …“
      „… rennst du zu meinen Eltern wie ein beleidigtes Kind, ist mir klar.“
      „Worauf du wetten kannst.“ Drohend kniff sie die Augen leicht zusammen. „Und wenn du weiter frech bleibst, werde ich vorher dafür sorgen, dass du von Svîf getreten wirst.“ Zur Bekräftigung stieß sie ihn mit dem Finger auf seiner Brust – was ihn offensichtlich überraschte – einen halben Schritt zurück, bevor sie ihre Hand sinken ließ.
      Mit großen Augen sah er Séra an. „Und wie willst du das erreichen?“
      „Willst du's wirklich wissen?“ Sie grinste diebisch. „Dann musst du's einfach nur drauf ankommen lassen. Ich freu mich jetzt schon.“
      „Langsam machst du mir Angst.“
      „Ich weiß.“ Dass Séra nicht die geringste Idee hatte, wie sie Lubero ‚von Svîf treten lassen‘ könnte, verschwieg sie natürlich; aber ihr gefiel es, wie leicht sie ihren Cousin einschüchtern konnte. Dann kam sie auf's eigentliche Thema zurück. „Dann sag mir also bald, wo und wann wir uns für die erste Übungsstunde treffen können; lass mich nicht zu lange warten“ – Lubero nickte – „und ich besorge mir in der Waffenkammer eines gewissen Hauptmanns einen Degen.“
      „Hm, nein, ich werde zwei Übungswaffen mitbringen; zuhause sind genug.“
      Für einen Moment war Séra enttäuscht. „Hoffentlich nicht aus … Holz?“
      „Nein, aber sie sind stumpf und man kann sich mit ihnen nicht so leicht und vor allem nicht schwer verletzen. Höchstens blaue Flecken.“
      „Ah, damit ich keinen Grund habe, wegen einer Verletzung meinen Vater auf dich zu hetzen?“
      Lubero musste lachen. „Das auch. Ich dachte dabei aber vielmehr an meine eigene Unversehrtheit beim Üben.“
      Séra nickte und wandte sich langsam zum Gehen. „Du bis nicht so dumm, wie ich dachte“, sagte sie, ohne ihn anzusehen. „Wenn ich dich bald im Zweikampf besiege, wirst du froh sein über den stumpfen Degen in meiner Hand.“
      Erneut lachte Lubero, diesmal eine Spur herablassend. „Das schaffst du nicht. Ich habe fast zwei Jahre Vorsprung beim Fechten.“
      Nun sah sie ihn doch an. „Natürlich nicht in den ersten paar Stunden, aber ich werde schnell lernen. Der Tag, an dem ich dich schlage, wird früher kommen, als dir lieb ist, Lu.“
      „Lass gefälligst das dumme ‚Lu‘!“ Leichte Zornesröte stieg ihm ins Gesicht und abermals drohte er ihr mit der Faust. „Das ist kein Name und völlig toccisch. Vielleicht rutscht mir deshalb beim Üben doch noch der Degen aus, also nimm dich in Acht.“
      Bewusst übertrieben schnalzte sie tadelnd mit der Zunge und schüttelte den Kopf. „Hat dir dein Fechtlehrer nicht beigebracht, dass du beim Fechten deine Gefühle beherrschen sollst? Sonst beherrschen sie dich und bringen dich um?“ Irgendwann hat sie das mal ihren Vater sagen gehört, als er sich über unerfahrene Neulinge in seiner Truppe aufgeregt hatte. „Das beweist nur, dass ich hierbei schon einen Schritt weiter bin als du. Mein Sieg über dich rückt jetzt schon näher.“ Damit wandte sie sich endgültig um und ging ihres Weges, jedoch nicht ohne noch ein lautes „Lu“ hinterherzuschicken.
      Gerne hätte sie ‚Lu‘ dabei beobachtet, wie er sich schwarzärgerte, aber die Genugtuung, zu ihm zurückzusehen und ihm so eine Erwiderung oder abfällige Geste zu ermöglichen, gönnte sie ihm nicht.
      Danke, danke, dachte sie nach einigen Schritten, welcher von euch Göttern mir auch immer so gut geholfen hat. Ob Lubero noch weitere dunkle Geheimnisse hat, die sich herauszufinden lohnen? Ich hätte ja noch ein paar Wünsche übrig, die sich so vielleicht erfüllen lassen …



      Mini-Glossar:
      Groygams Pfeil: Groygam ist der Gott der Jagd (u.a.) und gilt als unfehlbarer Meisterschütze. Das bedeutet also soviel wie „ins Schwarze treffen/goldener Schuss“.
      Fobb: Ein gnomähnliches (Fabel-)Wesen, das für seine herausragende Einfältigkeit und Dummheit bekannt ist.
      von Svîf getreten werden/treten lassen: Svíf ist der Gott des Feuers; die Redewendung bedeutet etwa soviel wie „mit dem Feuer spielen“ oder – wie hier bei einer Drohung – „durch die Hölle schicken/jagen“.
      toccisch: Tocc ist ein koboldartiges (Fabel-)Wesen, das vor allem für alberne Scherze und „witzlose Witze“ bekannt ist.



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