[Ngiana] Bbolglr und Tulfulwl - eine Mislirni-Sage

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    • [Ngiana] Bbolglr und Tulfulwl - eine Mislirni-Sage

      Anmerkung: Ich habs zuerst in generischem Maskulinum geschrieben, aber jetzt nochmal mit generischem Femininum, ich denke das passt besser. Mislirni sind weitgehend eingeschlechtlich.

      "bb" wird als stimmhafter bilabialer Vibrant ausgesprochen. Ansonsten bin ich noch nicht so festgelegt. Ich weiß ja generell noch fast nix über die Mislirni, aber diese Idee war vorhin eben da.^^

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      Bbolglr und Tulfulwl

      Einst herrschte über die Länder von Harz und Fuchsfett eine Königin namens Bbolglr. Die Legendenbäume waren vollgeritzt von den Großtaten der Bbolglr, und überall in den Wäldern wurde ihr Name in den höchsten Stimmen gerufen. Doch die Götter hatten ihre Linie schmal gemacht, und Bbolglr hatte keinen Erben. So lag sie des Nachts wach in Wehklagen, und ihr Gefolgsmislir hörte sie:
      - Königin, o Königin, was weinst du?
      - Soll ich denn nicht weinen, wenn die Götter meine Linie so geschmälert haben? Meine Geschwister und ich, allesamt sind wir kinderlos geblieben.
      - Weine nicht länger und koste den Pilz der Altehrwürdigen!
      - Deine Worte trösten nicht, o Tulfulwl. Tausendmal habe ich den Pilz gekostet, und immer noch wächst keine Frucht in mir heran.

      Doch Tulfulwl ließ die Sorge ihrer Königin nicht an sich heran:
      - Königin von Harz, Königin von Fuchsfett, ich weiß es: Der Pilz aus den Niederungen ist kostbar nicht genug für deine Linie! Es ist kein Wunder, dass die Götter deine Linie schmal gehalten haben, sie ließen dich warten aus gutem Grund.
      - Was sagst du, o Tulfulwl? Aus den Niederungen soll ich mich fortmachen, während doch die Schlangen schon auf meinen Thron warten? Nein, ich kann hier nicht fort.
      - Dann will ich aufbrechen, o Königin, und dir aus den Bergen einen Pilz holen, der deiner würdig ist!

      So geschah es. Tulfulwl ließ Bbolglr zurück und zog über viele Berge und Täler in Richtung der untergehenden Sonne. Am Fuß des Gnebbogl ließ sie sich nieder, um zu rasten. So wie sie sich schlafen gelegt hatte, hörte sie die Stimmen der Geister sprechen:

      - Da liegt Tulfulwl, gekommen, um den Pilz der Kkdalr zu holen! Sollen wir sie gewähren lassen? - fragte der Geist der Schweine.
      - Niemalss lassssen wir ssie gewähren! - sprach der Schlangengeist – ich will sie verwirren und meinen eigenen Pilzss anstelle von Kkdalrss legen!
      - Dann will auch ich sie prüfen – sprach der Geist der Schweine – ich werde einen meiner Keiler schicken, dass er sie zerfleische!
      - Ssehr gut – sprach die Schlange – ess ssollen nur die größßten Heldinnen vom Pilzs der Kkdalr kossten! Du prüfsst ihre Kraft, und ich ihren Versstand.

      Doch Tulfulwl hatte die Geister belauscht. Am nächsten Morgen ergriff sie ihren besten Jagdspeer und stieg den Berg hinauf. Wirklich dauerte es nicht lange, und ein wilder Keiler stellte sich ihr in den Weg, doch Tulfulwl hatte bereits darauf gewartet und warf zielsicher ihren Speer. Doch der Keiler war noch nicht besiegt, und rammte der Heldin in die Seite, dass die Knochen krachten. Ein zweiter Speer versank im Keilerfleisch, noch immer war es nicht genug. Der dritte jedoch brachte dessen Kampfgeist zum erliegen; eine Blutspur nach sich ziehend, lief der Keiler von ihr fort, doch Tulfulwl folgte ihm. Dies war zu ihrem Glück, denn der Keiler lief geradewegs in die Höhle, in der die Schlange den Pilz der Kkdalr versteckt hatte. Dort tropfte das letzte Keilerblut auf den Pilz und mischte sich mit dessen Aroma.

      Tulfulwl sagte sich:
      - Nun habe ich mit dem Keiler gekämpft, und mein Blut gelassen! Es ist nicht recht, dass meine Königin von diesem Schatz kosten soll, ohne ihr Leben riskiert zu haben. Ich will sie täuschen: Sie wird den Pilz bekommen, den die Schlange bereitet hat, mich zu täuschen. Ich aber werde mich an Kkdalrs Pilzsaft laben!

      So verarztete Tulfulwl ihre Wunden und labte sich sodann an dem herrlichsten Pilze. Es war ein Duft wie von Honigblüten und Fruchtmus, getränkt noch mit süßem Keilerblut. Als sie sich so gelabt hatte, packte sie den Pilz der Schlange in eine Flasche für ihre Königin ein und zog heimwärts.

      So geschah es, dass Bbolglr und Tulfulwl bald beide schwanger waren; doch Bbolglr trug unwissentlich das Kind der Schlange aus, während Tulfulwls Kind von Kkdalrs Linie und mit dem mächtigen Blut des Keilers gesegnet war. Beide Kinder wurden tapfere Heldinnen, über die viele Geschichten geritzt wurden, doch über sie und ihren Streit darum, wer den Thron der Bbolglr erben sollte, muss ein andermal erzählt werden.

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      Ich kann mir vorstellen, dass Tulfulwl in anderen Legenden auch ein bisschen als Trickster agiert und ihre Königin manipuliert. Übrigens ist das "ein Schlangenkind" nicht so gemeint, dass da tatsächlich eine Schlange herausgekrochen kommt, es ist schon immer noch humanoid und mislirnoid, aber eventuell charakterlich wie eine Schlange (also hinterlistig). Oder vielleicht sogar mit der Fähigkeit, sich in eine Schlange zu verwandeln? Besonders biologisch genau nimmt sich die Sage nicht. ;)

      Möglicherweise ist Tulfulwls Tochter also zwar die große starke Heldin, aber wird von dem Schlangenkind erst recht wieder ausgetrickst. Sozusagen die Rache eine Generation später.^^

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Hmmm, Pilzsaft mit Keilerblut! Nomnom! :lol:

      Du bist einfach unvergleichlich, Jundurg *ggg*

      Ich hab jetzt nicht alle deine Threads gelesen - die Mislirni sind eingeschlechtlich und werden von Pilzen "bestaeubt" oder wie?
      Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
      The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
      A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
      She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."
    • Freut mich, dass es gefällt. :)

      Ja, genau, die werden vom Pilz bestäubt bzw. befruchtet. Was zusätzliche Ingredienzien gibt, so gibt es da allerlei Aberglauben; es macht ja für ein Steinzeitvolk irgendwie Sinn, dass dazugemischtes Keilerblut wohl dazu führt, dass eine starke Heldin geboren wird.

      Ahja, und Mislirni können den Pilz tatsächlich schmecken, weil sie Geschmacksnerven an mehreren Körperöffnungen haben. Ähem. :fluecht:

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    • Mir gefällt es, dass diese Sage einerseits etwas fremdartiges und geheimnisvolles hat und man sie andererseits trotzdem versteht, ohne Einzelheiten über die Kultur der Mislirni zu kennen. Besonders als ich sie das erste mal gelesen habe, war mir nach der Szene mit dem Keiler danach, selbst eine alte Sage über eine Jägerin oder ähnliches zu schreiben.
      "Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
      - Douglas Adams, "Das Restaurant am Ende des Universums"
    • Alyandra schrieb:

      Ich finde die Sage auch sehr schön, jedoch finde ich die plötzliche Sinneswandlung von Tulfulwl von ergebene Dienerin zur "Betrügerin" etwas komisch... Oder war sie vorher auch so?
      Darüber gibt die Sage ja eigentlich überhaupt keine Auskunft.

      Ich würde sagen, das ist eher typisch für so Mythen; wir erfahren nur sehr wenig über Motivationen; Gesinnungswandel oder so etwas werden nicht vorbereitet. Der Held ist zu Anfang rein und glücklich und bei der ersten Versuchung wird er sündig.^^ Mythen sind halt einfach keine Romane, so wie wir sie heute gewohnt sind. ;)

      Tatsächlich könnte Tulfulwl ja auch so eine Art Loki-Charakter sein, einerseits treu ergeben, andererseits immer auch auf den eigenen Vorteil bedacht.

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