[ẗ] Das Leben greift nach dem Tod

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    • [ẗ] Das Leben greift nach dem Tod

      Juhu! Endlich habe ich mal wieder was geschrieben und sogar etwas weltinternes. Ich darf vorstellen eine mythologische Geschichte der Nehlen (ein Menschenvolk):

      Das Leben greift nach dem Tod
      Der Turm des Todes steht ewig und unverändert in der Welt. Doch daneben wuchs ein Baum, mächtig und hoch. Über Äonen versuchte dieser den Turm zu übertrumpfen und wuchs immer dichter an jenen heran. Der Tod sah, dass das Leben nach ihr trachtete, der Baum griff langsam durch ihr steinernes Fenster. Doch der Zweig starb in der Dunkelheit des Turms und verlor seine Blätter. Der Tod lächelte. Aber der Zweig wuchs zum Ast und schob sich weiter in den Raum. Der Tod amüsierte sich über diese Torheit, bis sie bemerkte, dass die Dunkelheit nicht alles Leben tötete.
      Ameisen krabbelten über den Ast dem Tod entgegen. Erschreckt vernichtete sie die Ameisen mit lodernden Flammen, ihrem Instrument der Zerstörung. Sie glaubte sich sicher, dass kein Leben über den brennenden Ast gelangen konnte.
      Umso mehr fürchtete sie sich, als ein Urcheen, vollkommen unverletzt, durch das Fenster kletterte. Dieses Wesen hatte ihre zerstörerischste Waffe überlebt. Da dachte der Tod weise: Was Feuer überlebt, kann nur Feuer sein, denn Verbranntes ist tot. So versuche sie den Urcheen mit tückischem Wasser zu löschen. Dies gelang mit einem leisen Zischen und zurück blieb nur ein nasser, rutschiger Ast. Doch der Tod war sich nun nicht mehr sicher und beäugte das Fenster von da an genau.
      Ihre Sorgen sollten bewahrheiten, als zwei Skolex sich durch ihr Fenster hangelten. Der Tod sah sie grimmig an. Sie hatte ihre Mittel vorher durchsucht und eine Lösung gefunden. So starben die Skolex ineinander verschlungen, als die lähmende Kälte des Todes das Wasser gefrieren ließ. Der Tod freute sich nicht über den erwarteten Erfolg, denn sie wusste nicht was sie als nächstes tun sollte. Ihre Mittel waren erschöpft und so blickte sie aus dem Fenster.
      Die Menschen, durch das Wasser zum Leben erweckt und erpicht darauf den dunkeln Turm mit dem Feuer auszuleuchten, konnten die Kälte nicht durchqueren. Doch nun sahen sie den Tod und lernten von ihr. Die Menschen jagten die Tiere und töteten sie. Sie nahmen die Pelze, fertigten Kleidung daraus und erklommen den Baum.
      Der Tod war verdutzt. Das Leben nutzte sie, den Tod, gegen Seinesgleichen. Sie schmunzelte und schmiedete einen heimtückischen Plan.
      Als die Menschen mit und durch die Waffen des Todes in das Fenster sprangen, stand ihnen der Tod mit all ihrer Größe gegenüber. Sie sprach: „Ihr Menschen habt meine Mittel genutzt zum Leben, aber ihr wollten den Tod nutzen, um den Tod zu bezwingen? Ihr kennt nur das Verenden der Tiere, doch nun sollt ihr selbst sterben. In den Kadavern eurer Tiere habe ich einen Pakt mit etwas Leben geschlossen. So werde ich nun das Leben gegen euch verwenden.“
      Also pustete der Tod und so wurden die Krankheiten auf die Menschen losgelassen. Die Menschen verendeten elendig unter großen Qualen. Schon bald verbreitete sich diese letzte Waffe des Todes in der Welt und der große Baum wurde krank und starb, ohne den Turm des Todes zu übertrumpfen. Das Holz verfaulte und das Fenster war frei von Leben.
      Doch was der Tod dem Leben für die Krankheiten versprach weiß niemand.

      Anmerkungen:
      Ich hatte Jundurgs Speedbastelbeitrag zum Thema Weltuntergangsszenarien im Kopf, als ich einen Zweig, der fast durch mein schwarzes Fenster reichte, sah. So entstand die Idee. Als dann fast eine Art Elementarsystem dazukam, musste ich an Amanitas Beitrag zum Thema denken und so bin ich aufs Ende gekommen.
      Hm, wird es in der Nehlen Mythologie nun ein Elementarsystem (Dunkelheit, Feuer, Wasser, Kälte, Krankheit) geben?
    • Das gefällt mir gut vom Aufbau und den mythologischen Andeutungen her. Gerade dass es ein Wechselspiel zwischen Leben und Tod ist, nicht nur Kampf sondern auch Austausch und Pakt.

      Was ich nicht verstehe, wenn ich letzteres genauer bedenke: Ist das Leben auch personifiziert, so wie der Tod? Dann könnten die Versuche, durchs Fenster zu dringen, "Abgesandte" des Lebens sein oder irgendwelche Vorstoßtruppen - mit wenn hat Tod dann wegen der Krankheiten gehandelt? :kopfkratz:

      Und noch eine kleine Anmerkung. Der Tod scheint weiblich zu sein, ich würde jetzt nicht soweit gehen, sie deshalb "die Tod" zu nennen, aber vielleicht liest es sich geschmeidiger, wenn kein Artikel davorsteht? Zum Beispiel:

      Tod sah, dass das Leben nach ihr trachtete, der Baum griff langsam durch ihr steinernes Fenster. Doch der Zweig starb in der Dunkelheit des Turms und verlor seine Blätter. Tod lächelte.
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!
    • Danke für die Antwort. :D Meine Kurzgeschichten sind kaum überarbeitet und meist sehr frisch, sonst würde ich sie nicht zeigen.

      Ich glaube das Leben ist nicht personifiziert. Jetzt im Nachhinein würde ich sagen es ergibt Sinn, dass es einen Tod gibt, aber eine Diversität des Lebens. Außerdem kann ich das Konzept von Leben schwer personifizieren. Wobei das könnte interessant sein, ein sich selbst erneuerndes, Konsumwesen. Nur Fortpflanzung ist schwierig, wenn wir ein einzelnes Individuum haben, das bricht das Konzept von einem personifizierten Leben in meinen Augen.

      Der Gedanke mit dem Pakt und den Krankheiten kam ad hoc und ich fand, dass die Idee super war, um die Geschichte zu beenden. Es hatte diesen cleveren Twist den gute Märchen manchmal haben. Also brauchte ich einen Weg wie der Tod mit "etwas Leben" (nicht dem Leben) interagieren kann. Die toten Tiere kamen mir als Lösung in den Sinn. Der Tod war vorher nur im Turm, wie kommt sie raus? Lösung: Menschen töten, also existiert nun der Tod auch außerhalb des Turms, und zwar in den Kadavern. Und was findet man in Kadavern? Haufenweise Bakterien. Dieses "etwas Leben" machte sich der Tod zu Nutze. Danach ist mir aufgefallen, dass ich zwar erklärt habe wie der Tod auf ihrer Idee kommt, aber nicht wie die Menschen darauf gekommen sind vom Tod zu lernen, deshalb habe ich kurzerhand den Tod aus dem Fenster gucken lassen, das habe ich als allerletztes hinzugefügt und es steht nichtmal in der handgeschriebenen Originalversion.
      [...] aber vielleicht liest es sich geschmeidiger, wenn kein Artikel davorsteht?
      Uh, interessante Idee. Daran habe ich nicht gedacht. Warum ich sie/ihr verwendet habe liegt wohl hauptsächlich an meiner feministischen Sicht, aber "die Tod" oder "die Todin" klingt furchtbar. (Ich werde zukünftig mal die artikellose Variante ausprobieren.)
      Mit der aktuellen Vermischung bin ich sehr zufrieden, denn es erinnert mich an Dormin aus "Shadow of the Colossus", welcher anfangs mit Doppelstimme (eine männlich, eine weiblich) spricht. Ich hoffe es ist nicht zu bescheuert zum Lesen, ich werde es vermutlich weiterhin nutzen.
      Danke fürs Feedback. :festknuddel:
    • Ich glaube das Leben ist nicht personifiziert. Jetzt im Nachhinein würde ich sagen es ergibt Sinn, dass es einen Tod gibt, aber eine Diversität des Lebens.


      Klingt nachvollziehbar. Und da passt auch, dass sowohl die Menschen sich was von Tod abschauen und diese mit dem Leben handelt. Der letzte Satz ist sehr schön mit einer vagen Ahnung von Bedrohlichkeit. :)

      Man muss bei Mythologie ja auch nicht alles erklären können :)
      Mir hatten doch nüscht! Damals, kurz nach dem Krieg!
    • Daß die Menschen sich nur etwas von Tod abkucken konnten, weil sie am Fenster stand, ist bei mir erst bei der letzten Antwort so angekommen - vielleicht ein wenig stärker herausheben mit "aus dem Fenster lehnen", oder den Satz weiter unten erweitern auf "Doch nun sahen sie Tod, als sie durch das Fenster blickte"?

      Das ist aber Meckern auf höchstem Niveau, find die Geschichte insgesamt sehr schnieke! :dafuer:
      Bring me your soul, bring me your hate
      In my name you will create
      Bring me your fear, bring me your pain
      You will destroy in my name

      - Les Friction, Dark Matter