[Bhrin Maethairh] Tod, Bestattungen und Jenseits

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    • [Bhrin Maethairh] Tod, Bestattungen und Jenseits

      Weil der Tod nunmal zum Leben dazugehört, ich mich mit den dazugehörigen Riten und Bräuchen aber bisher nur sehr einseitig (Gobbos!) auseinandergesetzt hab. %-)

      Tod: Glaube und Riten der...

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      Bring me your soul, bring me your hate
      In my name you will create
      Bring me your fear, bring me your pain
      You will destroy in my name

      - Les Friction, Dark Matter
    • Die Verehrung der Vorfahren bei den Goblins

      Du sagst es wäre barbarisch, wie wir mit den Gebeinen unserer Toten verfahren. Ich sage es wäre barbarisch, sie in kalter Erde zu verscharren und damit auf ewig in die Dunkelheit zu verbannen.
      - Erleuchteter Mibmaali


      Das Konzept der Ahnenverehrung und der damit verbundenen grundlegenden Bräuche ist jetzt schon etwas älter. Tatsächlich sind die Goblins bisher das einzige Volk, bei dem es überhaupt Infos darüber gibt, was man bezüglich dem Verbleib von Verstorbenen glaubt und wie man diese entsprechend verabschiedet.

      Im Laufe der Zeit werden zu dem Thema sicherlich noch einige Bräuche dazukommen, aber bisher soll mal das hier ausreichend sein:

      Meine hochehrwürdige und keineswegs nervtötende Herrin hat mir aufgetragen, einen Aufsatz in der Sprache des Nordens zu verfassen, um nicht nur mein Sprachverständnis zu demonstrieren, sondern auch mein Gespür für kulturelle Unterschiede unter Beweis zu stellen.

      Im Folgenden also eine Abhandlung über das Jenseits - für Menschen geschrieben, nicht etwa um meine Brüder und Schwestern daran zu erinnern, wo wir herkommen und daß wir verflucht nochmal noch immer Goblins sind und uns auch wie solche verhalten sollten.


      Über das Jenseits und die Ahnen

      Egal ob in den frostigen Gebieten des ewigen Eises, in den harschen Steppen im Zentrum des Landes oder unter der unerbittlichen Hitze der Sonne im Süden - der Tod ist stets eng mit dem Leben verbunden, ebenso wie die Toten stets eng mit den Lebenden verbunden sind.

      Der Tod ist nicht das Ende, denn wäre es nicht Verschwendung, wenn nach dem Vergehen der sterblichen Hülle auch der Goblin an sich aufhören würde zu existieren - all die Erfahrung, all die Persönlichkeit für immer verschwunden wären?

      Mutter Natur aber ist nicht unbedingt bekannt dafür, daß sie verschwenderisch wäre, und so wie ein toter Baum Nährboden für andere Pflanzen ist, so bieten unsere Vorfahren uns Schutz und spirituelle Nahrung auf unserem beschwerlichen Weg. Und irgendwann, wenn wir alles gelernt haben, was sie zu lehren haben, werden sie in den Kreislauf zurückkehren und als Welpe wiedergeboren, um wiederum von den anderen Vorfahren zu lernen.

      Unsere Ahnen verlassen also niemals unsere Welt, das Jenseits ist demnach kein Ort, sondern einfach nur ein Zustand, in den ein Goblin übergeht, nachdem er seinen Körper verlassen hat. Der Geist schweb frei und ungebunden, und nur über seine eigenen Knochen kann er die Welt noch aus den Augen der Lebenden erfahren - oder aber über die Gebeine seiner Familie.

      Denn letztendlich ist jeder Welpe ein Teil des Körpers seiner Eltern und wir damit durch unsere Knochen untereinander und mit unseren Ahnen verbunden. Darum führen wir stets einen Teil ihrer Überreste mit uns, um ihre Weisheit zu erfahren und die Verbindung zu ihnen stark zu halten.

      Etwas, an das Skiibli das nächste Mal denken sollte, wenn er wieder meinen Knochenohrring zu stehlen versucht.

      - Naabicri Garukh-Parkiin


      Der Schädelbrauch der Goblins

      Immer wieder wagen sich "mutige Recken" in den Westen, um dort "heldenhaften Taten" nachzugehen, wie etwa dem sinnlosen Abschlachten Unschuldiger und dem Plündern der wenigen Habseligkeiten, welche diese zurücklassen. Diese achso tapferen Helden kehren oft zurück mit allerlei Schauermärchen über die barbarischen Bräuche der westlichen Völker.

      Eines davon, welches vermutlich den meisten Lesern bekannt sein dürfte, ist der schaurig-primitive Brauch der Goblins, die Gebeine ihrer Opfer am Rande ihrer Dörfer zu verteilen, um Angreifer damit in Angst und Schrecken zu versetzen. Welch ein gewaltiger Haufen Bockmist!

      Einmal davon abgesehen, daß ein durch und durch friedliches Volk wie das der Goblins keine "Opfer" hat, deren Gebeine sie nutzen könnten, sind es tatsächlich die Schädel und teils auch Knochen ihrer eigenen Vorfahren, welche über das gesamte Dorf verteilt vorzufinden sind. Einige davon vorsichtig auf Speeren aufgespießt, andere von Zeltstützen, kleinen Holzverschlägen oder in der Erde befestigten Stäben baumelnd, manche auch schlicht zu kleinen Pyramiden auf dem Boden gestapelt.

      Zweck des Ganzen ist auch keineswegs die Abschreckung. Trotz der alles andere als positiven Erfahrungen mit anderen Völkern scheinen die meisten Goblinstämme sogar recht gastfreundlich zu sein und Fremde stets mit offenen Armen zu empfangen. Ich selbst saß bereits an einem gemütlichen Lagerfeuer mit einer Schüssel würzigem Eintopf in der Hand, noch ehe ich überhaupt die Gelegenheit hatte, den Grund meines Hierseins zu nennen.

      Vielmehr sind die allgegenwärtigen Schädel innerhalb der Grenzen eines Dorfes ein liebevoller Ausdruck der Ahnenverehrung, welche bei den Goblins vom Stellenwert noch weit über dem Glauben an die Stammesgötter steht. Die Schädel bieten den Vorfahren einen Ankerpunkt in unserer Welt, die leeren Augenhöhlen gewähren einen Blick aus dem Jenseits heraus und die Knochen erlauben es ihnen, subtil auf die Umgebung ihrer Nachkommen einzuwirken.

      Schädel, deren Blick nach außen gerichtet ist, sollen also den Geistern der Verstorbenen die Möglichkeit geben, den Stamm vor Gefahren von außen zu warnen, während eine Schädelpyramide an einem der Lagerfeuer eine Einladung an die Ahnen ist, mit den Lebenden zu feiern, ihnen beim Geschichtenerzählen zu lauschen oder einfach an gemeinsamen Mahlzeiten teilzuhaben.

      Dabei ist dem Glauben der Goblins nach kein Ahn an seine eigenen Gebeine gebunden, sondern findet über die Knochen seiner Vor- und Nachfahren ebenso Zugang zu unserer Welt. Da innerhalb eines Stammes jede Familie mit den anderen verwandt ist, dürfte wohl die Verbindung der Vorfahren zu allen Schädeln eines Stammes gegeben sein. Damit bieten die Vorfahren in ihrer Gesamtheit an jedem Ort innerhalb des Dorfes Schutz und Gesellschaft an.

      Wer also mit ehrlichen Absichten eines der Stammesgebiete betritt, braucht keine Furcht vor den stummen Gebeinen empfinden - und wer gar einen guten ersten Eindruck hinterlassen möchte, der ist angehalten, sich beim Betreten des Dorfes vor einem der Schädel zu verneigen und den Vorfahren für die Gastfreundschaft ihrer Kinder und Kindeskinder zu danken.

      - Ilserun Cobblers Reisetagebuch


      Schmuck und knöcherne Glücksbringer der Goblins

      In einem früheren Eintrag bin ich auf den Brauch der Goblins eingegangen, die Schädel ihrer Toten als Fokus für deren Geister im Dorf zu verteilen.

      Diese Nähe zu den Vorfahren mithilfe der Gebeine verstorbener Familienmitglieder geht allerdings über diesen einen Brauch weit hinaus. So finden die Knochen vielerlei Verwendung innerhalb ihrer Kultur, stets mit dem Hintergedanken, die Ahnen auch am alltäglichen Leben teilhaben zu lassen.

      Zuerst aber ein paar Worte zur "Gewinnung" der später verarbeiteten Knochen.

      Verstirbt ein Goblin, so wird sein Leichnam - sofern möglich, natürlich - am Rande des Dorfes auf einem Scheiterhaufen aufgebart. Eine herkömmliche Trauerfeier, wie man sie in den nördlichen Reichen gewohnt ist, findet allerdings nicht statt. Die sterblichen Überreste werden schlicht verbrannt und man sitzt wie jeden Abend, wenn auch hier oftmals in etwas größerem Rahmen, zusammen am Feuer und läßt den Tag wie gewohnt mit Geschichten und einer schlichten, aber nahrhaften Mahlzeit ausklingen.

      Dem Körper werden zwei Tage gelassen, um bis auf die Knochen zu verbrennen und diese wieder auskühlen zu lassen, ehe sich die Stammesheilerin daran macht, die Gebeine zu reinigen. Danach nutzt sie eine mir unbekannte Tinktur, welche einerseit die Stabilität der Knochen erhöht, diese andererseits aber offenbar auch von sämtlichen Keimen befreit.

      Die so präparierten Schädel werden wie berichtet im Dorf verteilt, während die restlichen Gebeine zur Weiterverarbeitung an die Familie des Verstorbenen übergeben werden.

      Arme und Beine finden zumeist bei der Herstellung von Glücksbringern Verwendung, die am Eingang eines Zeltes aufgehängt werden. Es heißt, diese wären besonders dafür geeignet, die Ahnen auf unsere Welt einwirken zu lassen.

      Die Fingerknochen werden in einer eigenen Urne verstaut, die mit einigen persönlichen Gegenständen des Verstorbenen verziert wird. Bisher konnte ich nicht herausfinden, wozu diese Knochen genutzt werden, löst doch eine entsprechende Frage bei den Frauen des Stammes zumeist nur fröhliches Gekicher aus, während die Männer recht verlegen den Blick abwenden. Vielleicht wird mich ein Gespräch mit der Weisen Frau ja näher an die Wahrheit heranbringen.

      Was danach übrigbleibt wird schließlich zu allerlei Schmuck und Teilen von Kleidungsstücken verarbeitet, wie etwa Knöpfen und Perlen. So befremdlich dies auch für uns wirken mag, für einen Goblin wiederum ist es unvorstellbar, nicht über die Gebeine mindestens eines Vorfahrens beständig mit dem spirituellen Jenseits verbunden zu sein.

      Knochen, die nicht sofort genutzt werden, werden offenbar in einer Familienkiste gesammelt, die somit als Rohstofflager für spätere Nutzung dient. Nur ein Teil der übriggebliebenen Gebeine wird jedoch so zwischengelagert. Besteht momentan kein Bedarf, das Material zu nutzen, geht dieses wohl zumeist wieder an die Stammesheilerin zurück, welche daraus Knochenmehl gewinnt.

      Zusätzlich weiten viele Goblins diese Bräuche auch auf Haustiere der Familie aus, deren Schädel gerne als Amulette um den Hals getragen werden. Ähnlich wie bei den Schädeln der Ahnen soll ihnen so ermöglicht werden, die Welt aus der Sicht des Goblins weiter zu erfahren und an dessen Leben auch nach ihrem Tod teilzunehmen.

      Besondere Beachtung erfahren hierbei die Gebeine eines Tieres, welches dem Tiergeist eines Stammes entspricht. Knochen und vor allem Schädel eines solchen Tieres werden für gewöhnlich direkt dem Schamanen übergeben, welcher diese zu einzigartigen Amuletten verarbeitet, die besonders potent wirken sollen.

      Der Stab eines Schamanen, welchen er immer mit sich führt, wir ausnahmslos von einem Schädel eines solchen Tieres geziert. Es heißt, so könne der Tiergeist stets ein Auge auf die Vorgänge innerhalb des Stammes werfen und den Schamanen entsprechend in seiner Tätigkeit als Sprachrohr der Geister anleiten.

      - Ilserun Cobblers Reisetagebuch


      Ahnenbeutel

      Äh... nein, da sind keine Vorräte drin. Das ist ein Ahnenbeutel, da... also, das ist wie ein...

      Das ist bei uns ein Geschenk, das eine Frau einem Mann macht, um ihm zu beweisen, daß sie ihn zum Teil ihrer Familie machen will. Ein Verlobungsgeschenk, könnte man sagen. Wenn er es annimmt, dann zeigt er damit seinen Willen, den Rest seines Lebens mit ihr zu verbringen und mit ihr Welpen großzuziehen. Äh... Kinder.

      Warum es "Ahnenbeutel" heißt? Also... um Teil einer Familie zu werden, muß man auch mit den Ahnen dieser Familie verbunden sein, ja? In dem Beutel sind die Fingerknochen einiger Vorfahren. Meist der Eltern der Mutter, aber es können auch andere Vorfahren sein. Vor allem natürlich, wenn die Eltern der Mutter noch leben...!

      Jedenfalls, den Beutel trägt der Mann dann möglichst nah am Herzen, damit... die Vorfahren quasi ihre Finger nach seinem Herzen ausstrecken können. Das klingt jetzt eher seltsam, oder? Ist aber... ach, stell dir einfach vor, du betrittst ein Zelt und man legt dir die Hand aufs Herz, um dich liebevoll in den Kreis der Familie aufzunehmen. Nur mit dem Unterschied, daß du eben von Familienmitgliedern empfangen wirst, die nicht mehr körperlich unter uns sind.

      - Gelkriin Garukh-Parkiin
      Bring me your soul, bring me your hate
      In my name you will create
      Bring me your fear, bring me your pain
      You will destroy in my name

      - Les Friction, Dark Matter