[2017-11][Issoy] Strömungen im 1. Jhdt n.I. (Ästhetik der Mächtigen)

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    • [2017-11][Issoy] Strömungen im 1. Jhdt n.I. (Ästhetik der Mächtigen)

      Ich mach mal einen Startpost, mit ein paar Skizzen, was ich mir für November vornehme:

      - Damit ich an das Oktoberthema anschließen kann, hab ich einen Zeitraum gewählt, der nur so 50-100 Jahre später liegt. Es gibt sehr viele Punkte, wo ich eh direkt darauf bezugzunehmen vorhabe, da alle wichtigen Entwicklungen des 1.Jhdts natürlich in der Zeit davor ihren Ursprung haben.

      - Der geographische Fokus rückt nach Westen, auf den Kontinent Antiton (oder später "Zentralissoy" genannt). Dieses Land gabs vor Null noch nicht. Das Neuaufbauen von Land ist natürlich genau etwas, bei dem Ästhetik und Politik eh schon zusammenstoßen... passt also im Wesentlichen.

      - Die Hauptphilosophien Sinduktismus und Hukismus ausarbeiten, außerdem diverse verschiedene sinduktistische Strömungen in den einzelnen Ländern genauer anschauen.

      - Diesmal schaffe ich es vielleicht, mehr auf die Stichworte Bezug zu nehmen?

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • So, irgendwie habe ich bis jetzt keinen guten Start gefunden. Ich fange also erstmal an, den Faden dort aufzunehmen, wo er im Oktober war...

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      Die beiden Grundrichtungen der Ära davor, die ich "Erste Schule" und "Zweite Schule" genannt habe, unterscheiden sich vor allem massiv in ihrem Blick auf die Zeit. In der ersten Schule gibt es keinen Fortschrittsgedanken, außer innerhalb des Lebens eines Individuums. Dieser statische Blick auf die Geschichte muss natürlich in einer Zeit massiver Veränderungen zusammenbrechen.

      Von welchen Veränderungen spreche ich aber?

      Leben am Rand der Roten Zone

      Die "roten Zonen" markieren auf issoyanischen Landkarten diejenigen Gebiete, in denen es keine stabile Geographie gibt, in denen sich alles ständig verändert. Wer eine rote Zone betritt, setzt sich gewissen Gefahren aus - etwa, von seinen eigenen Alpträumen gejagt zu werden, die sich darin aus seinen Gedanken heraus manifestieren können - aber erlangt auch Freiheiten.

      In der roten Zone sind die Regeln der physikalischen Körper weitgehend aufgehoben. Menschliche Körper werden verformbar. Und so gibt es über Jahrhunderte einige Kulturen, die sich bewusst in den Randgebieten angesiedelt haben, um diese Freiheit für sich zu beanspruchen. Meist wird diese Gruppe als "die Gestaltwandler" bezeichnet, da diese bestimmte Freiheit, ihren eigenen Körper nach Belieben zu verwandeln, besonders auffällig war. Verwandlung wird aber wohl nicht die einzige Kulturtechnik sein, die sich in den Randgebieten entwickelt hat.

      Die Mythologie ist voll von Geschichten von Menschen, die nach Macht gesucht haben, und diese in den roten Zonen erlangt haben; Pakte mit fremdartigen Wesen (im Deutschen auch "Dämonen"). Es gibt sogar Historiker*innen, die den Ursprung aller Magie auf das uralte Wechselspiel zwischen Festland und Roter Zone legen. (Das ist aber eine etwas schwammige Position, da es bis wenige Jahrzehnte vor Null überhaupt keinen feststehenden Begriff "Magie" gab - und dieser Begriff über die folgende Zeit auch immer wieder Veränderungen unterworfen war.)

      Was sich jedoch sagen lässt, ist, dass die Randzonen für Menschen, die nach außergewöhnlichen Erfahrungen suchten, einen unwiderstehlichen Reiz ausübte.

      Eckstädte

      Im ersten Jahrhundert vor Issoy war der Großteil des Paraboloids mit ausgedehnten roten Zonen bedeckt. Das gesamte Gebiet, wo sich später der Kontinent Antiton befinden würde, war eine einzige ausgedehnte rote Zone, besprenkelt mit einigen wenigen Inseln von stabilem Land, die aber von außen praktisch unerreichbar waren, da es kaum jemand lebend dorthin schaffte.

      Einige Zungen von stabilem Land erstreckten sich weit hinein in rote Zonen. In den letzten Ausläufern solcher Landzungen entstanden die Ansiedlungen der Experimentierfreudigen, der Abenteurer*innen und Gestaltwandler*innen, manchmal genannt "Eckstädte".

      Vom Königreich Te-Merlo ausgehend, konnte man über schmale Landstreifen entlang des Mittelmeeres sehr weit nach Westen reisen - der westlichste Punkt, der auf diesem Wege aber zu erreichen war, war die Stadt Itonozay, geographisch bereits am späteren Kontinent Antiton. (zu findem am Netzplan an der Linie 1 rechts unten. *Kompendium verlink*) Um Itonozay ranken sich zahlreiche Mythen, die Stadt hat den Beinamen "die unewige Stadt", seit es sie gibt, gibt es die Befürchtung, dass sie eines Tages von der sie fast rundum umgebenden roten Zone verschluckt würde. Man kann sich auch vorstellen, dass es der Psyche der Bewohner einiges abfordert, in einer Gegend zu leben, wo man egal in welcher Richtung immer auf eine stetige wandelnde Wüstenlandschaft blickt, in der sich die Gedanken der Bewohner manifestieren und für alle sichtbar umherlaufen.

      Landgewinnung

      Im Zuge der wissenschaftlichen Erforschung der Metaphysik - Magietheorie - entwickeln sich im 1.Jhdt vor Null aber Techniken, die es möglich machen, den roten Zonen langsam etwas Land zu entreißen.

      Zunächst ist dieser Vorgang noch langsam und gefährlich. In vielen Gegenden werden neue Landzungen in die rote Zone hineingebohrt, es entstehen neue Eckstädte, welche die alten ersetzen. Westlich von Itonozay wird auf diese Weise die neue Eckstadt Silraw gegründet (von Flüchtlingen aus Deshni, aber das ist ne komplett andere Geschichte).

      Diese Prozesse vollziehen sich im Verlauf der Ära vor Null noch langsam, aber es gibt stetige Fortschritte, es wird immer schneller. Kurz vor 0 gibt es dann den Durchbruch - eine Möglichkeit, durch das Verlegen von Ankern (später Pflanzen von Wäldern, die diese Aufgabe übernehmen) riesige Gebiete zu stabilisieren, für Menschen bewohnbar zu machen.

      Nach dem großen politischen Chaos der Gründerkriege - über die ich selbst noch wenig weiß - sind am Ende einige Adelsfamilien übrig, die jetzt im großen Stil nach Westen drängen: Der Kontinent Antiton wird erschaffen, wird aus der roten Zone herausgehoben. Es kommt zu einer gewaltigen Völkerwanderung; Menschen aus mehreren verschiedenen nahegelegenen Welten, hauptsächlich aber aus Soalūn, wandern über die Mittelmeer-Landbrücke nach Westen.

      Itonozay und Silraw, einstmals düstere Städte buchstäblich am Ende der Welt, werden zu Toren in die Neue Welt. Allen ist klar, dass eine neue Ära eingeleitet wurde. Die bis heute gültige Zeitrechnung beginnt in jedem Jahr Null, in dem ein Großteil des Kontinents Antiton aus der Taufe gehoben wurde.

      Das erste Jahrhundert nach Issoy ist also jenes nach der Neugründung der Welt, die in ihrer Form und Größe sich sehr deutlich von ihrer Vergangenheit abhebt. Die Bezeichnung "Issoy" meint zunächst nur das neugewonnene Land im Westen, wird aber allmählich auf die ganze Welt ausgedehnt.

      ( Es gibt auch ein Geschichtsmodell aus jener Zeit, das davon ausgeht, dass einstmals das gesamte Paraboloid mit einer einzigen roten Zone bedeckt war - und dass erst die Ankunft der ersten Menschen irgendwann in grauer Vorzeit zum Entstehen von stabilen Landmassen geführt hat. Daher ist nicht nur das neugewonnene Land, sondern die ganze Welt letztendlich eine Schöpfung, eine Gründung oder Kreation der Menschen - eben eine Issoy (in den soalūnischen Sprachen). )

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      Das sind also die massiven Veränderungen, die den Hintergrund bilden für die Geschichte jener Zeit. Die Dichotomie der beiden Schulen verschwindet, es entstehen neue Denkrichtungen, die dem Zeitgeist des Aufbruchs in eine neue Welt entsprechen.

      Eine sehr große Rolle spielen die Adelsfamilien, die zusammen die Landgewinnung im Westen vorgenommen haben. Es ist ein loser Bund, in dem sehr unterschiedliche Stile aufeinanderprallen. Jedes Haus verfolgt im Grunde seine eigenen Ziele - aber da es soviel neues Land zu besiedeln gibt, verläuft es recht konfliktfrei. Es gibt ja genügend Platz, um nebeneinander unterschiedliche Ansätze zu verfolgen.

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      Ich glaube, auf die gröbere Weltpolitik werde ich erst mal nur ganz wenig eingehen, da ich schlicht fast nichts über die Gründerkriege weiß - ich kenne nicht mal die Konfliktparteien so richtig. (Ich hatte da schonmal konkretere Vorstellungen, aber ich möchte das eigentlich offen lassen, um es noch mal komplett umbasteln zu können.) Lieber würde ich mich konkreten Personen zuwenden, die das erste Jahrhundert geprägt haben, insbesondere in Hinblick auf Philosophie und Kunst. So der Plan für den Rest des Monats. :)

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    • Neu

      Hm, ich hab mich länger davor gedrückt, in die Haupt-Denkrichtungen des 1.Jhdts. einzusteigen - wohl einfach auch deshalb, weil diese ziemlich konfus sind, und ich selber manchmal nicht so genau weiß, worum es da eigentlich geht. :-/ Die Skizzen, die ich gerade mal wieder durchgesehen habe, helfen nicht wirklich weiter, da bin ich genauso verwirrt. Ich versuche einfach mal ein paar Grundbegriffe in den Raum zu schmeißen - es sind genau diese, an denen sich der ästhetische Diskurs in Issoy entlanghantelt, wenn ich also das Monatsthema irgendwie noch aufgreifen will, komme ich daran absolut nicht vorbei.

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      Sindūktismus, Sindūk

      Ein Begriff, den ich ursprünglich beim Basteln von Thiios einfach so erfunden hatte, um eine der beiden Hauptströmungen zu beschreiben - damals mehr oder weniger ohne Intention, überhaupt zu erklären, worum es da geht. Als ich dann mit Issoy anfing, bekam das Wort allmählich eine Bedeutung, aber es blieb vage, und ist es bis heute.

      Das Problem ist, es handelt sich um eine bestimmte Betrachtungsweise, und es ist gar nicht so wesentlich, was dabei betrachtet wird. Sindūk als "Weltseele" zu übersetzen, wie ich das früher manchmal gemacht habe, wäre daher eigentlich falsch.
      Vielleicht könnte man den Begriff umschreiben als "Das Ganze in seiner Vielfalt".

      Das einzige, was die (vielen!) Richtungen des Sindūktismus gemeinsam haben, ist, dass sie sich auf ein solches Ganzes beziehen, und in Bezug darauf eine bestimmte Haltung von Menschen einfordern. D.h. Ethik oder Ästhetik wird daran ausgerichtet oder darüber erklärt.

      Mit dem "Ganzen" kann ein abstrakter Begriff gemeint sein, oder die Welt Issoy als Ganze, oder das Multiversum als Ganzes, oft aber auch einfach der menschliche Geist in seiner Gänze. Es ist wohl ein grundlegender Gedanke des Sindūktismus, dass Multiversum, Welt und einzelner Mensch sich im Wesentlichen ganz ähnlich sind, und daher für alle die gleichen Grundsätze gelten können. Genauso wichtig ist aber das Ausrichten am Ganzen, die Idee, dass es für dieses Ganze einen gewissen Idealzustand oder ein erreichbares Ziel gibt, zu dem eine Entwicklung hin wünschenswert wäre.

      Also nochmal in übersichtlich, die beiden Grundgedanken des Sindūktismus:

      - Kosmos, Welt und menschlicher Geist sind sich fundamental ähnlich. Was für eines davon gilt, gilt für die anderen auch.

      - Kosmos, Welt und menschlicher Geist sollen zu einem Ziel streben oder in eine bestimmte Richtung eine Veränderung durchlaufen.

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      Jetzt gibt es verschiedene Arten, sindūktistisches Denken weiter zu unterteilen - viele dieser Unterteilungen können miteinander weiter kombiniert werden, wodurch es schnell unübersichtlich wird.

      1. Unterteilung - in "Grundrechnungsarten"

      (die Bezeichnung ist nicht in-world, ich muss dafür mal bessere Namen finden) - im Wesentlichen zwei Hauptrichtungen:
      - das Ganze als Summe und
      - das Ganze als teilbare Menge

      Das Ganze als Summe, "Summationismus"

      Diese Sicht auf die Welt bedeutet, dass es zwar ein Ganzes gibt, aber dieses nicht alles enthält, was prinzipiell möglich wäre. Das heißt, es gibt neue Ideen, neue Elemente, die stetig dazugefügt werden, und das Ganze durch Erweiterung verändern. - Wenn etwas hinzugefügt werden kann, kann natürlich auch etwas weggenommen werden.
      Daraus folgt: Wer eine Veränderung will, nimmt das Schlechte weg und fügt Gutes hinzu.

      Es bedeutet auch, dass Geschichte sich nicht unbedingt alles "merkt": Ideen gehen verloren, und sind womöglich auch unwiederbringlich weg. Geschichtsschreibung kann aber sogar explizit selektiv betrieben werden: Unangenehme Details der Vergangenheit lässt man einfach weg. (Geschichtsfälschung ist überhaupt ein Hobby der issoyanischen Politik des 1.Jhdts. ...)

      Bezogen auf den menschlichen Geist heißt das: Es wird Neues gelernt. (Das widerspricht z.B. auch der alten Sicht des vorigen Jahrhunderts, wonach Wissen nur erinnert werden muss, es aber keine wirklich neue Erkenntnis gibt) Und es heißt zuweilen auch, dass man ungeliebte Anteile seiner Persönlichkeit nicht nur entfernen kann, sondern sogar entfernen soll.

      Dass man das Ganze verbessern kann, indem man Dinge wegnimmt, ist aber innerhalb des Summationismus nur eine der möglichen Positionen, es gibt auch die Idee, dass nur das Hinzufügen richtig ist. Auch damit können seltsame ethische Positionen vertreten werden: Etwa die Idee, dass es für die Welt als Ganze gut ist, wenn sie nicht nur Mörder und Morde enthält, sondern sogar möglichst viele verschiedene davon - sonst würde ja etwas fehlen.

      Aber ehe ich mich in die fringe-corner dieser Richtung verliere, stelle ich doch mal die andere Hauptrichtung vor:

      Das Ganze als teilbare Menge, "Quotientismus"

      Das Gegenstück zum "Hinzufügen und Wegnehmen" ist die Idee, dass es eigentlich nur ein statisches Ganzes gibt, das letztlich alles enthält. (Diese Sicht wird vor allem dann auch in der Magietheorie in Bezug auf das Multiversum vertreten)

      Es gibt keine neuen Ideen - alles war schon vor Anbeginn der Zeit da. Was sich ändert, ist die Anordnung der Ideen bzw. Dinge untereinander. Die pessimistische Sicht ist: Alles ist total durcheinander, es gilt daher, es richtig anzuordnen, und dabei die perfekte Harmonie der Dinge zu erzeugen, in der alles zueinander passt. Die optimistische Sicht ist: Es geht nicht um Harmonie, sondern um immer weitere Ausdifferenzierung. Der Fortschritt verläuft also in die Richtung, das schon Bestehende immer weiter auszuarbeiten, besser zu verstehen, mit mehr Dingen in Bezug zu setzen. Es gibt aber eben keine neuen Ideen - nur ein immer feiner werdendes Verständnis der Welt oder des menschlichen Geistes.

      Man kann sich das vielleicht so vorstellen, als ob man auf einer Karte immer näher heranzoomt und dabei immer wieder neue Details entdeckt - diese waren aber natürlich vorher auch schon da, man hat sie nur auf der oberen Zoomstufe nicht gesehen.
      Das Ziel der gesamten Welt und Menschheit aus dieser Sicht ist, immer weiter hineinzuzoomen.^^

      2. Unterteilung: tradionalistisch oder reformatorisch

      Eine andere Unterteilung bezieht sich auf dem Umgang mit der Vergangenheit. Die Begriffe sind eigentlich selbsterklärend, allerdings gibt es innerhalb dieser auch noch verschiedene Ausprägungen.

      Traditionalismus

      Die Idee, dass das Bestehende gut ist, verschwindet nicht mit Beginn des 1.Jhdts. Sie wird nur neu konzeptionalisiert und um einen Geschichtsbegriff erweitert. Plötzlich beginnt der Trend, sich Stammbäume zuzulegen und diese pedantisch zu dokumentieren.

      Der "religiöse Sindūktismus" ist in seiner typischen Ausprägung traditionalistisch: Für das Individuum ist es plötzlich enorm wichtig, sich in der Geschichte an einen bestimmten Platz einzuordnen... dafür wird die Familie hergenommen. Es entsteht eine familieneigene Geschichtsschreibung, jede Eigenart, jede Macke und jede Vorliebe der eigenen Ahnen wird genau dokumentiert, und hinzugefügt zu der Familientradition. Die gegenwärtige Generation bemüht sich, genau diese Macken nachzuahmen und weiter auszubauen.

      (Das ist kompatibel sowohl mit summationistischem als auch mit quotientistischem theoretischen Überbau. Besonders anbieten tut sich aber der Quotientismus des "Hineinzoomens" - denn hier geht es dann wirklich darum, die Eigenarten seiner Familie nicht nur weiterzutradieren, sondern mit jeder Generation noch extremer auszuprägen.)

      Es mag vielleicht seltsam scheinen, dass sich ausgerechnet in einer Zeit der ständigen neuen Erfindungen und der "Industrialisierung" (magischer Art, in Ermangelung eines besseren Wortes) als vorherrschende Sicht ein solch extremer Traditionalismus ausbreitet. Vielleicht ist es aber gerade auch eine Reaktion auf die schnellen Veränderungen, sich an etwas zu klammern, was Kontinuität und Sicherheit bietet...
      Jedenfalls ist der religiöse Sindūktismus vor allem im Norden (d.h. im deutschsprachigen Raum Issoys) im 1. Jhdt. sehr dominant und durchzieht Politik und Gesellschaft, insbesondere der Oberschicht.


      Reformatorische Ideen

      Es gibt jedoch auch jene, welchen der technologische Fortschritt sogar noch zu langsam ist.

      - Reform der Welt als Ganzes
      Darunter lassen sich wohl am ehesten politische Bewegungen zusammenfassen... die ich im Detail noch nicht gebastelt habe.^^

      - Reform des menschlichen Geistes
      Hier gibt es einige radikal transhumanistische Strömungen zu nennen. Einige fordern sogar die "Überwindung alles Menschlichen", um zu einer völlig anderen, unvorstellbar fremdartigen neuen Wirklichkeit zu gelangen. Andere streben Veränderungen eher auf körperlicher Ebene an, oder versuchen neue Ästhetiken zu entwickeln, die aber eben nicht als bloße Hinzufügung, sondern als Ersatz der alten Gedanken gedacht werden.

      Auf der ästhetischen Ebene gibt es parallel zum Transhumanismus ein Streben nach möglichst großer Abstraktion, und einer Komplexität, die den menschlichen Geist an seine Grenzen bringt. (Oder am besten gleich über diese Grenzen...)

      Auf das Ästhetische will ich aber später eingehen, wenn ich den Rahmen fertig aufgespannt habe.


      Es gibt natürlich auch viele Mischformen, und viele Richtungen lassen sich nicht strikt in "traditionalistisch" vs. "reformatorisch" einteilen.

      Ein Beispiel: Das "chalanische" Ideal der größtmöglichen Vielfalt, das von der Familie Gemle-Gartly im Familienwappen getragen wird, könnte als reformatorisch gesehen werden - weil es Veränderungen positiv gegenüber steht, stets etwas möglichst Neues will - aber es hat auch den traditionalistischen Gedanken in sich, dass es viele der neuen Ideen auch möglichst lange bewahren will, denn auch hierdurch wird Vielfalt gemehrt...

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      So, damit ist schonmal der Sindūktismus großflächig abgedeckt. Die Gegenrichtung, der Hukismus, muss ich noch skizzieren, dann würde ich gerne eine Menge einzelner Personen basteln, weil ich mir die abstrakten Ideen so schlecht merke, wenn ich sie nicht mit Namen in Verbindung bringe.

      Und dann: Ästhetik. Bis zum Ende des Monats komme ich da noch hin! Hoffe ich. ;D

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    • Neu

      Hab grad meinen (Computer-)Weltenordner zu issoyanischer Philosophie und so durchgesehen. Du liebe Güte, das Zeug ist veraltet! :schreck: Praktisch nichts davon stimmt mehr. Na dann. Kann ich wohl ohne Rücksicht auf Verluste weiter drauflosbasteln, ist eh schon wurscht, um Konsistenz mit altem Material brauche ich mir jedenfalls wenig Sorgen machen.

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      Prägende Persönlichkeiten des 1.Jhdts. n.I.

      Ich werde nicht unbedingt chronologisch vorgehen, eher mal mit denen anfangen, die ich besser kenne, hin zu neuem Gebastel (hoffentlich).

      Tuhus Marevesel Jaoto Pepet Isidor Quentap (kurz: Tuhus Marevesel Quentap)
      gegen die Ritualisierung

      Die Familie Quentap ist die politisch einflussreichste Macht im neuen Kontinent Antiton. Über deren Hintergründe könnte ich ausschweifen, wichtig ist hier aber nur mal, dass die Quentap in dieser Zeit quasi als der Inbegriff des traditionalistischen Sindūktismus gesehen werden können. Tuhus Marevesel wird ungefähr um das Jahr Null herum geboren - die vielen Vornamen deuten auch auf die traditionelle Ausrichtung, typisch für diese Zeit. Praktisch jeder der Vornamen stammt (ganz ursprünglich) aus einem anderem Sprachgebiet:

      Tuhus - nordissoyanisch
      Marevesel - visinnisch (ebenso wie der Name "Quentap")
      Jaoto - süd-/mittelissoyanisch
      Pepet - jenkinnisch (vermutlich)
      Isidor - deutsch

      Es wird also bewusst versucht, an möglichst viele Linien aus der Vergangenheit gleichzeitig anzuknüpfen, diese alle weiterzuführen. Soviel zum Namen. *abgeschweift ist*

      Während Tuhus M. Quentaps Lebenszeit vollzieht sich in der Magietheorie ein Paradigmenwechsel; die Ritualmagie, die eine der vorherrschenden Schulen gewesen war, und während der Gründerkriege eine große Rolle gespielt hatte, wird allmählich in den Hintergrund zurückgedrängt und verschwindet gegen Ende des Jahrhunderts beinahe.

      Tuhus M. Quentap genoß selbst eine ritualmagische Ausbildung, und war - wie es von Adeligen dieser Zeit erwartet wurde - ein passabler Kampfmagier. Obwohl er einer der führenden Ritualmagier seiner Zeit war, wandte er sich im Laufe seines Lebens immer stärker davon ab. Er vertrat schließlich die Auffassung, dass Ritualmagie auf die Menschen der "neuen" Welt Issoy einen schädlichen Einfluss habe, den es zu beseitigen gälte. Als Politiker setzte er seinen beträchtlichen Einfluss dafür ein, dass an den Universitäten das Fach Ritualmagie durch das historisch ausgerichtete Fach "Alte Magie" ersetzt wurde, in dem keine praktische Anwendung gelehrt, sondern lediglich die Magieformen früherer Zeiten theoretisch studiert werden sollte.

      So ganz genau weiß ich gerade nicht mehr, was Ritualmagie als solche eigentlich ausmacht. Es steckt wohl irgendwie dahinter, sein eigenes Handeln an ritualisierte Abläufe zu binden, und das Problem dürfte sein, dass Menschen mit der Zeit abhängig von diesen Ritualen werden. Sprich: Obwohl es eigentlich auch ohne geht, funktioniert Magie aus Gewohnheit dann nur noch mit allen möglichen unnötigen Ritualen.
      Darunter fallen solche Sachen wie "Zaubersprüche" oder Mantras, Gegenstände (Zauberstäbe?), besondere Kleidung, usw. - all dies wurde in vergangenen Jahrhunderten durchaus verwendet, aber nicht zuletzt auch deshalb, weil die zugrundeliegenden Mechanismen der Magietheorie wenig erforscht waren. Man tat einfach, was immer schon funktioniert hatte.

      Das war jetzt eher der magietheoretische Aspekt (der biographisch wohl der wichtigste Punkt ist bei Tuhus M. Quentap) - es lässt sich aber auch etwas allgemeiner sagen, dass T.M. Quentap sich gegen jegliche Form von Ritualisierung gestellt hat. Das betrifft durchaus auch ästhetische Fragen, etwa eine kritische Haltung gegenüber stark performativer Kunst (Theater, festgeschriebene Musik, einstudierte Vorführungen). Aber auch eine generelle Ablehnung gegenüber allem, was die Freiheit des menschlichen Geistes in Gefahr bringen könnte - also bis zu einem gewissen Grad auch gegen die Dogmen seiner eigenen Familie.

      Mit Tuhus M. Quentaps Amtszeit als Familienoberhaupt (gegen Ende des 1.Jhdts.) und damit de-facto-Herrscher von Visinnur macht somit auch die Politik eine Wendung weg vom religiösen Sindūktismus zu einem sekulären, antidogmatischen. Die Fortführung von Traditionen bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil der Kultur, aber es geht mehr darum, den Sinn einer Tradition zu begreifen und weiterzuführen, als die Tradition selbst (die ja z.B. in ritualisierten Handlungen bestehen könnte, die freiheitseinschränkend gesehen würden). Außerdem nimmt der Stellenwert der Familie ab; zwar immer noch ziemlich wichtig, aber nicht mehr alles-dominierend, wie es Mitte des Jahrhunderts im religiösen Sindūktismus durchaus vorkommen konnte.

      Atin Gohem Huk

      "Hukismus" wurde nach seinem Tod zu einem Synonym für alles, das sich kritisch dem Sindūktismus gegenüberstellte. Atin Gohem Huk hätte dieser Begriff zutiefst missfallen - er wollte gerade eben keine Bewegung gründen, sah in der Tendenz von Menschen, sich zu Gruppen mit gemeinsamen Ziel zusammenzuschließen, ein Grundproblem, das Menschen davon abhielte, sich selbst richtig zu entfalten.

      Atin Gohem Huk stammte aus einer deutschissoyanischen Familie der visinnischen Oberschicht, und war in seiner Jugend eng mit Tuhus Marevesel Quentap befreundet. In der Ablehnung des allzu extrem traditionalistischen Sindūktismus waren sie sich einig; während T.M. Quentap sich jedoch von der Ritualmagie abwandte, begann Huk sich gerade für diese besonders zu interessieren.

      Er begann, Reisen zu unternehmen, weit in den Süden, um die dortigen Kulturen und deren Magie zu studieren. Im Zuge dieser Reisen wandte er sich schließlich von allen großen Entwürfen des Sindūktismus ab, und begann, auf polemische Weise dagegen anzuschreiben.

      Wesentliche Punkte hukscher Philosophie:

      - Es gibt kein (gemeinsames) Ziel. Menschen streben in unterschiedliche Richtungen.

      - Es gibt kein gemeinsames Ganzes, über das sich sinnvoll sprechen ließe.

      - "Nirgendwo ist der Mensch lebendiger als im Widerspruch zu sich selbst." : Menschliche Ideale heben sich letztlich alle gegenseitig auf, sodass es keinen Sinn macht, einem einzelnen Ideal nachzulaufen.

      - "Schönheit entsteht in der Ziellosigkeit." - wer versucht, ästhetischen Regeln zu folgen, steht sich selbst im Wege.

      - Auf verschiedenen Ebenen gelten unterschiedliche Gesetze, es gibt keine Gleichheit zwischen dem großen Ganzen und kleineren Einheiten.

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      Uff. Genug für heute. Irgendwie komme ich ständig offtopic, es fällt mir außerdem schwer, die verschiedenen Ansichten ordentlich voneinander abzugrenzen. :faint: Auch, weil ich viel zu wenig über Ritualmagie weiß, und man Huk im Grunde zusammenfassen kann als "gegen Sindūktismus", was ihm aber auch Unrecht tun würde... Gerade die Ästhetik der Ziellosigkeit ist eine Idee, die ich unbedingt mehr verbasteln wollte.

      Anstatt also noch kilometerweise Philosoph*innen, Politiker*innen und Magietheoretiker*innen zu beschreiben, sollte ich mir vielleicht ein paar Künstler*innen und Kunstrichtungen des 1.Jhdts ausdenken oder hervorkramen. :-[

      Naja, November geht ja noch eine Weile. ;)

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