[2017-11][Jé Mokhtwa] Der Buchstabe F und anderer Unsinn

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    • [2017-11][Jé Mokhtwa] Der Buchstabe F und anderer Unsinn

      Nachdem ich letzte Nacht tatsächlich etwas geträumt habe, was auf meiner sowieso-aus-einem-Traum-entstandenen-Welt Jé Mokhtwa spielte hab ich jetzt einfach beschlossen, die Welt mal etwas weiter zu erforschen. Bisher besteht sie nämlich fast nur aus besagtem Traum plus ein paar Grundkonzepten.

      Kurz als Erläuterung: Jé Mokhtwa ist eine post-postapokalyptische erdähnliche Welt in der Nanotechnik und AI zu weit getrieben wurden, was zu vielen lustigen Effekten aber auch zu einem Krieg geführt hat. Der Krieg ist lange, lange schon vorbei, aber was bleibt ist eine ehemals hochentwickelte menschliche Restzivilisation in abgeschotteteten Enklaven und darum herum eine völlig wild gewordene Jungelwelt in der völlig irrwitzige Alltagsgegenstände (wie zB Schals) mit Bewusstsein durch die Gegend latschen, zusammen mit wilden Tieren und allerlei Gesocks.

      Das Thema "Ästhetik der Mächtigen" gibt mir einen unerwartet guten Background um die menschliche Zivilisation auf dieser Welt mal genauer in Augenschein zu nehmen. Die Enklaven unterscheiden sich größtenteils durch ihre mehr oder minder (eher mehr) bewusst gewählten Kulturen. Falls jemand Neal Stephensons Diamond Age gelesen hat: Das Konzept ist dem seiner 'Phyles' nicht ganz unähnlich, aber auch nicht ganz das gleiche.

      Was mir heute morgen in den Kopf kam: In einer dieser Enklaven wurde der Buchstabe F von der Oberschicht als unerwünscht (weil nicht elegant genug) erklärt und dementsprechend aus sehr vielen Worten schlicht und ergreifend weggelassen. Deswegen heißt ein Elefant dort jetzt zB nur noch Elant. Viel eleganter. Und ich glaube, sie sprechen tatsächlich eine auf Deutsch basierende Sprache.

      Ich habe keine Ahnung wie erfolgreich dieser Monat wird und ob das Ganze irgendwo hin führt, aber mal gucken was sich noch ergibt. Jé Mokhtwa fehlt es noch an so vielen Grundlagen, dass es sowohl leicht als auch schwierig sein könnte in diesem Rahmen daran zu basteln.
      I would have followed you, my brother. My captain. My king.


      Diese Bastlerin verpflichtet sich freiwillig dazu, ihren freiwilligen Verpflichtungen nur noch auf freiwilliger Basis nachzukommen. Die Freiwilligkeit dieser Tatsache ist freiwillig.
    • Lyrillies schrieb:

      in der völlig irrwitzige Alltagsgegenstände (wie zB Schals) mit Bewusstsein durch die Gegend latschen, zusammen mit wilden Tieren und allerlei Gesocks.
      Hehe, "Gesocks".

      Lyrillies schrieb:

      Falls jemand Neal Stephensons Diamond Age gelesen hat: Das Konzept ist dem seiner 'Phyles' nicht ganz unähnlich, aber auch nicht ganz das gleiche.
      Ich habs nicht gelesen, wie kann ich mir das vorstellen? So, wie ich es jetzt lese, klingt das hauptsächlich nach einer Art kulturellen Diktatur.
      Weltraumschlangen! :fluecht:
    • Weltraumschlange schrieb:

      Hehe, "Gesocks".
      :rofl: :lol: Ist mir gar nicht aufgefallen!

      Eine kulturelle Diktatur würde ich es nicht nennen. Es ist eher eine gewisse Form von Gesellschaftsvertrag. Die Mitglieder können relativ frei in andere Enklaven wechseln, wenn ihnen ihre aktuelle Kultur nicht zusagt, aber das wird selten getan. Wobei es da sicher auch Unterschiede gibt.
      Wie genau das funktioniert will ich diesen Monat noch untersuchen - denn das gesellschaftliche/kulturelle System hat nur bedingt etwas mit dem politischen System der Enklaven zu tun. Bzw, ich weiß nicht ob es ein von der Kultur unterscheidbares politisches System gibt, aber dazu muss ich mir noch genauere Gedanken machen. Es ist alles noch etwas unklar und vor allem überhaupt nicht in Worte gefasst. Bisher habe ich habe fast nur Bilder im Kopf.

      Edit:

      Wenn ich von Gesellschaftsvertrag rede beziehe ich mich auf Hobbes' Variante aus dem Leviathan.
      Spoiler anzeigen
      "Dadurch bietet der Leviathan Sicherheit und Schutz und ermöglicht eine Verfolgung der eigenen Leidenschaften innerhalb des durch die Gesetze gegebenen Rahmens. Durch einen Gesellschaftsvertrag verzichten daher alle künftigen Bürger unwiderruflich und freiwillig auf „alle Macht“, ihre Freiheit und insbesondere ihr Selbstbestimmungsrecht zugunsten „eine Einzigen […] oder aber einer Versammlung, in der durch Abstimmung der Wille aller zu einem gemeinsamen Willen vereinigt wird.“"



      Ein paar Notizen - disclaimer: alles was ich hier schreibe gilt für irgendwas zwischen zwei und "die Mehrheit" der Enklaven auf Jé Mokhtwa. Sicherlich nicht für alle, aber mindestens für die, die zunächst mal den Hauptfokus der Welt bilden sollen.
      • Die Gesellschaft ist vermutlich tatsächlich das Grundelement für alle wirtschaftlichen, politischen und sonstigen Strukturen. Soll heißen, die Menschen haben sich dort sozial so weiterentwickelt, dass ihnen klar geworden ist, dass die Gesellschaft, Kultur und Sozialstruktur DER entscheidende Punkt für ein erfolgreiches, friedliches, hierpositivesadjektiveinsetzen Zusammenleben ist. Wo auf der Erde "Wachstum" das Ziel ist, ist es dort "Identifikation" oder "Zusammenhalt", oder etwas in der Richtung. Sozialer Kitt.
      • Das heißt natürlich nicht, dass es keine Hierarchien oder Intrigen gibt, es ist nicht gleich alles Friede Freude Eierkuchen, nur weil "das System" (bitte beliebigen rebellischen Teenie nach einer Definition fragen) auf einen anderen Fokus ausgerichtet ist. Trotzdem ist deswegen einiges anders als bei uns.
      • Eine Auswirkung davon ist, dass es als selbstverständlich angesehen wird, allen Bewohnern einer Enklave ein gewisses Grundlevel and Lebenssicherheit zu gewährleisten. Eine wirklich arme, ausgegrenzte Gesellschaftsschicht gibt es so gesehen nicht - und alles was es in der Richtung mal gab hat die Nanokatastrophe nicht überlebt. Praktisch für die, die übrig geblieben sind. Das hat den Wiederaufbau der Welt damals deutlich erleichtert und sicherlich dazu beigetragen, dass heutzutage alles so reibungslos läuft in den Enklaven.
      • Geistigen Tätigkeiten wird mehr Bedeutung zugemessen als Körperlichen. Der neue "Gesellschaftsvertrag" der den Enklaven zugrunde liegt sieht damit auch eine entsprechende Machtverteilung vor. Es gibt einen oder maximal eine kleine Anzahl von Leuten ganz an der Spitze, die ohne formelle Kontrollinstanzen Entscheidungen treffen können. Die Kontrolle erfolgt konstant über das soziale System, und die Verantwortung ist natürlich immens. Das System ist also von der Idee her gar nicht so weit weg von einer konstituionellen Monarchie, bloß dass es eben kein von der Gesellschaft getrenntes politisches System mehr gibt - und damit keinen Staat, keine politischen Titel, keine Ämter, extrem wenig formelle, personenunabhängige Strukturen.
      • Insgesamt gibt es weder Staaten noch Nationalstaaten. Das Konzept wird als altmodisch und überholt angesehen.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Lyrillies ()

    • Lyrillies schrieb:

      in der völlig irrwitzige Alltagsgegenstände (wie zB Schals) mit Bewusstsein durch die Gegend latschen
      Was machen diese Schals, wenn ihnen mal kalt wird (falls das überhaupt geht)? Einen Menschen umbinden?

      Wie sieht es dann mit Krieg zwischen den Enklaven aus? Bei völlig gegensätzlichen Kulturen oder Gesellschaften sind Reibereien ja durchaus denkbar.
      "Archäologie ist die Suche nach Fakten. Nich nach der Wahrheit. Wenn Sie an der Wahrheit interessiert sind, Dr. Tyries Philosophiekurs ist am Ende des Ganges. Also vergessen Sie diese Geschichten von verborgenen Städten und die Welt umzugraben. Wir folgen keinen alten Karten, entdecken keine vermissten Schätze und noch nie hat ein X irgendwann irgendwo einen bedeutenden Punkt markiert."

      - Prof. Dr. Henry Jones Jr.
    • Hm... also kleinen Moment.

      Lyrillies schrieb:

      Geistigen Tätigkeiten wird mehr Bedeutung zugemessen als Körperlichen.
      Das war nur kurz angesprochen, wie äußerst sich das denn? Ich kann mir vorstellen, das dementsprechend dann auch entlohnt/gewürdigt wird... schließlich gibt es ja auch immer Drecksarbeit die kaum jemand mag und daher - mit Zitierten - wahrscheinlich doch Armut hervorbringen könnte?
      Da wäre ja für mich auch noch die Frage zu klären, wie das mit eingeschränkten Bewohnern ist (Sprichwort Behinderung). Wie geht man mit denen um?

      Lyrillies schrieb:

      Wo auf der Erde "Wachstum" das Ziel ist, ist es dort "Identifikation" oder "Zusammenhalt", oder etwas in der Richtung. Sozialer Kitt.
      Dazu würd' ich gern mehr lesen xD
      "Sel'ana... Wir werden bestehen." - Arinai Shuir del'Julinya
    • Zum titelgebenden "Buchstaben F": Ich dachte erst, es ist nur der große Anfangsbuchstabe gemeint, da das kleine f vielleicht freundlich-geschwungener geschrieben werden kann. Aber wie ist das dann generell, betrifft das sowohl Sprache als auch Schrift, oder nur die Schrift?
      Denn - falls vorhanden - könnten sie stattdessen ja auch ein v sprechen oder schreiben, oder zur Not ein w. Oder gibt es diese Buchstaben nicht? Oder ist das f dann sowas wie ein stiller Buchstabe, der zwar geschrieben, aber nicht gesprochen wird - oder zwar gesprochen, aber nicht geschrieben wird?

      Was passiert, wenn jemand das trotzdem spricht/schreibt?
      Und du schreibst "aus vielen Worten gestrichen": Also nicht aus allen, in denen es vorkam? Wenn nein, was sind die Ausnahmen?
      Wo kommt die Idee inworld überhaupt her, dass dieser Buchstabe nicht ästhetisch sei - wer entscheidet sowas? Gibt es einen Hintergedanken dabei, das für unästhetisch zu erklären - zum Beispiel weil der politische Gegner ein F im Familiennamen trägt? ;)

      Und ist das sowas wie eine Mode, also kann es zum Beispiel zwei Jahre vorher einen Herrscher gegeben haben, der stattdessen das a gestrichen hatte, sodass sich deshalb die Sprache (und Schreibweise/Schrift) immer wieder ändert?

      Ein cooler Bastelansatz auf jeden Fall, da muss man erstmal drauf kommen. :)
      nobody.
    • Akira schrieb:

      Das war nur kurz angesprochen, wie äußerst sich das denn? Ich kann mir vorstellen, das dementsprechend dann auch entlohnt/gewürdigt wird... schließlich gibt es ja auch immer Drecksarbeit die kaum jemand mag und daher - mit Zitierten - wahrscheinlich doch Armut hervorbringen könnte?
      Da wäre ja für mich auch noch die Frage zu klären, wie das mit eingeschränkten Bewohnern ist (Sprichwort Behinderung). Wie geht man mit denen um?
      Könnte, ja :) aber du lässt dabei außer Acht, dass ein funktionierendes soziales System der zentrale Fokus ist - also ist auch die auf "geistig vs körperlich" basierende Hierarchie dem Ziel untergeordnet, das alle Mitglieder der Gesellschaft ein gewisses zufriedenstellendes Mindestmaß an Respekt und Grundsicherung erhalten. Nur deswegen funktioniert der freiwillige Gesellschaftsvertrag. Das hängt auch damit zusammen, dass es keine Staaten und keine Nationalstaaten mehr gibt. Du gehörst nicht einfach zwangsweise irgendwo dazu, egal ob es dir gefällt oder nicht. Dazu kommt aber auch noch mehr, sobald ich mehr weiß... xD wie gesagt, es existiert bisher sehr wenig zu der Welt.
      Oder um es mal anders zu beschreiben: Der klassische Gentleman hat einer Frau damals auch einen gewissen Respekt und eine Würdigung zukommen lassen. Frauen waren trotzdem nur Accessoires und hatten letztlich nichts zu sagen, egal wie zuvorkommend man sie behandelt hat.

      Wo in diesem System in irgendeiner Form eingeschränkte Personen stehen weiß ich noch nicht, ist aber eine sehr gute Frage, vielen Dank! Ich denke mal körperliche Behinderung wird nicht als Makel angesehen, sondern könnte in der Oberschicht im Gegenteil sogar ein positives Merkmal sein. Aber dazu muss ich mir definitiv noch Gedanken machen.

      @aeyol Oooh, sehr schöner Gedanke! :D In der Schriftsprache kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das kleine f akzeptiert ist, während das große F gemieden wird. Die F-Mode soll auf jeden Fall beides betreffen, Schrift und Sprache. In der Schrift wird es dann vielleicht häufiger mal durch ein v oder w ersetzt, in der Sprache wird man wohl eher die Worte ummodeln, denke ich.

      Insgesamt soll das auf jeden Fall eine Mode sein, die wie andere Moden einfach kommt und wieder verschwindet. Wie Jugendsprache, bloß in der Oberschicht. Dass das F unästhetisch ist, hat also niemand direkt entschieden - theoretisch kann der a-verachtende Herrscher also existiert haben, aber... Und ich denke dass hinter der Entstehung der Mode eher keine politische Intrige steckt, aber es wird sicherlich ausgenutzt um Familien mit F im Namen entsprechend zu degradieren.
      Wenn man ein F in einem Wort spricht, das im allgemeinen Sprachgebrauch verändert wurde um den buchstaben zu vermeiden wird man vermutlich verspottet und verliert an Ansehen. Wer will schon wie ein *hier bitte Aquivalent zu "ungehobelter Bauer" einsetzen* klingen? ;)

      Achso und nein, ich denke es wird nicht aus jedem Wort gestrichen. Da es nur eine Mode ist, ist es sicherlich schwer, jedes Wort plötzlich dahingehend zu verändern und trotzdem verständlich zu bleiben, aber es gibt garantiert einige sehr weit verbreitete Änderungen die jeder aus der Oberschicht tunlichst kennen und anwenden sollte, und einige die einfach nicht häufig genug genutzt werden als dass es dafür abgewandelte Formen gäbe - aber die kann man bestimmt umschreiben :)
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    • Lyrillies schrieb:

      Dazu kommt aber auch noch mehr, sobald ich mehr weiß... xD wie gesagt, es existiert bisher sehr wenig zu der Welt.
      Ich finde diesen Aspekt äußerst interessant, weil man selbst ja in dieser menschlichen Box denkt, wo Selbstzentriertheit ziemlich stark ausgeprägt ist - da kommen zweifelsohne immer diese Gedanken auf wie das Ganze eigentlich zuverlässig funktionieren könnte. Deswegen verfolge ich das ganz gespannt.

      Denke schon, dass ich mir halb vorstellen kann, wie dieses Gefühl des "Das Wohlbefinden vieler steht über dem Interesse des Einzelnen" entstanden ist. Aber ich vergesse nicht, dass es immer Ausreißer gibt. :) - wie man wohl mit denen umgeht? Falls man es denn erkennt, egozentrisches Verhalten ist ja nicht direkt immer offensichtlich, wenn man nicht direkt einen schadet. Vor allem, wenn die Bevölkerung eher am Wohlbefinden aller interessiert ist, kann das ja noch einfacher untertauchen.

      Lyrillies schrieb:

      Wenn man ein F in einem Wort spricht, das im allgemeinen Sprachgebrauch verändert wurde um den buchstaben zu vermeiden wird man vermutlich verspottet und verliert an Ansehen. Wer will schon wie ein *hier bitte Aquivalent zu "ungehobelter Bauer" einsetzen* klingen?
      Das macht die Sprache sicher auch bunt. Denn selbst wenn das F wieder seinen Weg in den Sprachgebrauch findet, bleiben Überbleibsel sicherlich noch haften ^^
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