Konflikte

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    • Hejo!


      Vor einigen Wochen kam im IRC-Chat mal das Thema Konflikte auf. Ein Wunsch bei der Gestaltung solcher Konflikte ist nun etwa mit Vorbild Witcher oft alle Konfliktparteien ausreichend zu erklären und zu legitimieren, dass einem Konsumenten/Leser die Parteiergreifung nicht allzu leicht fällt. So geht es beim Modellieren spannender Konflikte eben selten darum in der Tradition alter Werke eine unbegründet böse Partei zu haben, weil das ja per Definition schon ein weniger spannender da recht einseitiger Konflikt ist.

      Spannend ist hier auch ein Kommentar von TaleFoundry (youtube) zu GoT/High Fantasy, laut dem ein Fantasysetting Problemstellungen zu denen Konsumenten bereits eine gefestigte Meinung haben verschleiert, um die Konsumenten so in der Meinungsbildung zu bereichern. Wenn man sich irgendwo in einer radikalen Position festgebissen hat, wird man so vielleicht durch die neue Perspektive nochmal in die Diskussion gezogen ohne es zu merken.

      Nun hat Wikipedia schon Formen des Konfliktes kategorisiert: de.wikipedia.org/wiki/Konflikt#Konfliktformen
      Informationskonflikte sind hier für mich etwas eher fades, also viele Serien die sich darum drehen werden von mir nicht mehr geschaut, etwa Sons of Anarchy. Interessen- und vor allem Wertekonflikte gibt es aber z.B. in Positionen von Republikanern gegen Demokraten, oder aber auch im politischen Geschehen Deutschlands. Hier ist eben spannend auch die Logik/Utopie/Heile Welt der Gegenpartei zu verstehen, anstatt nur in Filterblase/Echokammern die eigene zu bekräftigen, was unter Umständen auch schwierig sein kann, da manchmal respektvolle Diskussionskultur auch eher rar ist und die Leute auch viel selbst voraussetzen ohne es anderen zu erklären.. x_X

      Zum Abschluss noch ein Spezialfall - der Krieg um Rohstoffe - um den es hier im Forum schonmal ging.



      Was ich nun in der eigenen Welt vor allem habe, ist eine Positon von Traditionalisten gegenüber neueren sozialen Entwicklungen. Dann noch einige Loyalitätsgebundene Konfliktparteien um Territorialmacht oder ähnliches, Ressourcenkonflikte und Autoritätslegitimation und -durchsetzung. Ich weiß gar nicht, ob ich so viel mehr hab bislang.

      Jedenfalls ist das auch ein spannendes Thema: Wie gestaltet ihr interessante Konflikte?
      Und zu konfuseren Fragen: Und kommen die mit der Wahl von Setting und Themen zum Teil vielleicht auch schon mit? Also, mit welchen Konflikten befasst sich die stereotype Mittelalterwelt, mit welchen die Postapokalypse oder das SciFi-Setting? Weiter wohl, welche Konflikte werden durch die Völkerauswahl gesetzt? Was setzt noch Konflikte und welche darf man dann (wie) selbst setzen? <_<
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.
    • Ich wollte gerade nur so nebenbei eine ganz fantastische Webseite zum Thema Konflikttheorie, -kategorisierung, -lösung und alles drum herum erwähnen und musste jetzt schockiert feststellen, dass die Seite nicht mehr existiert :'( Die war fantastisch!

      Na gut, dann muss ich mir eben die Zeit nehmen die Tage mal meine Unterlagen aus dem Studium zu dem Thema wieder raus zu kramen. Gibt jedenfalls einiges sehr nützliches.


      edit: ok, scheinbar existiert nur irgendeine alte google Weiterleitung nicht mehr oder sowas. Die Webseite und die Inhalte sind zum Glück noch da! :D
      Das hier ist die Übersichtsseite die zu der sehr, sehr großen datenbank an Konfliktinfos führt: beyondintractability.org/e-knowledgebase-landing
      Ein etwas einfacherer Einstieg ist allerdings vermutlich das Essay-Verzeichnis: beyondintractability.org/library/essay-browse-tree

      Kann ich wirklich nur empfehlen, das dahinterstehende Institut ist auch recht bekannt und macht gute Arbeit. Und die Autoren und Wissenschaftler die sie zitieren, zusammenfassen und sonstwie erwähnen sind im Normalfall respektierte Größen im Feld der Konfliktforschung.
      I would have followed you, my brother. My captain. My king.


      Diese Bastlerin verpflichtet sich freiwillig dazu, ihren freiwilligen Verpflichtungen nur noch auf freiwilliger Basis nachzukommen. Die Freiwilligkeit dieser Tatsache ist freiwillig.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lyrillies ()

    • Eru schrieb:

      Jedenfalls ist das auch ein spannendes Thema: Wie gestaltet ihr interessante Konflikte?
      Ich versuche eigentlich immer nur, die Parteien möglichst realistisch zu basteln und sie so handeln zu lassen, wie es sich aus den verschiedensten Umständen ergibt, was dann wiederum zu Konflikten mit anderen Gruppen führen kann. Meine Charaktere sind keine platten Statisten ohne eigenen Antrieb, die gut sind, weil sie gut sein sollen, oder böse, weil sie böse sein sollen. Die Beweggründe sollen nachvollziehbar sein: Das heißt nicht, dass Leser mit ihnen übereinstimmen müssen. Am schönsten finde ich es, wenn es tatsächlich Outworld Streit darüber gibt, welche Partei Inworld denn nun im Recht ist. ;D


      Eru schrieb:

      Und zu konfuseren Fragen: Und kommen die mit der Wahl von Setting und Themen zum Teil vielleicht auch schon mit? Also, mit welchen Konflikten befasst sich die stereotype Mittelalterwelt, mit welchen die Postapokalypse oder das SciFi-Setting? Weiter wohl, welche Konflikte werden durch die Völkerauswahl gesetzt?
      Ich denke schon, dass Settings und Themen auch in der Regel einige Konflikte mit sich bringen, auf die der Bastler bzw. Autor dann zurückgreifen kann. In Sci-Fi könnten das beispielsweise Konflikte sein, die von Missverständnissen beim Aufeinandertreffen zweier völlig fremder Völker herrühren. Bei einer stereotypen Mittelalterwelt dann vielleicht Erbfolgekonflikte oder Spannungen zwischen den Ständen. Eine postapokalyptische Welt bietet dann wiederum die Möglichkeit von Streitigkeiten zwischen verschiedenen (Menschen-)Gruppen, die unterschiedlicher Meinung sein könnten, wie die Zivilisation neu aufgebaut werden sollte. Natürlich können auch all diese Beispiele in andere Settings gepackt werden; und grade das kann dann vielleicht zu sehr interessanten neuen Szenarien führen.

      Und dass Konflikte auch durch die Völkerauswahl gesetzt werden, nehme ich stark an.
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    • Eru schrieb:

      Jedenfalls ist das auch ein spannendes Thema: Wie gestaltet ihr interessante Konflikte?
      Wenn ich Konflikte für meine Welt bastle, dann meist, weil diesen Konflikte mehr oder weniger stark in Berührung mit meinen RPG-Spielern kommen. Da ich mit meinen Altvorderen eine Fraktion habe, die per Definition "böse" ist, versuche ich Konflikte zwischen anderen Gruppierungen immer so zu gestalten, dass dort eher "grau" gegen "grau" kämpft, oder um es anders auszudrücken, keine meiner Fraktionen würde sich selbst als "böse" betrachten, sie sehen sich als "DIE Guten (tm)" und unterscheiden sich vor allem in der Wahl ihrer Mittel, ihrer Einstellung gegenüber bestimmten Praktiken, Gruppen oder Individuen. In einer RPG-Kampagne, in der die per Definition "bösen" Altvorderen eine wichtige Rolle gespielt haben, habe ich den Informationsfluss sogar so gestaltet, dass meine Spieler einen Eindruck davon bekamen, warum die so böse und etwas gegen die Menschheit haben. In der aktuellen Kampagne habe ich eine Reihe von Gruppierungen, die teilweise sehr ähnliche Ziele verfolgen, aber mit sehr unterschiedlichen Mitteln und aus unterschiedlichen Gründen. Ich mag es irgendwie, wenn die Spieler sich irgendwann im Lauf der Kampagne fragen, ob sie sich der "richtigen" Seite angeschlossen haben - oder wenn sie keine Seite beziehen trotzdem überlegen, ob "in Wahrheit" sie die "bösen" in der Geschichte sind. Um das zu erreichen, konfrontiere ich meine Spieler gerne mit Vorurteilen (das sind "Monster", "wilde unzvilisierte Barbaren", "blutrünstige Mörder", "dunkle Kultisten", "perverse Ketzer") und führe sie auch gerne subtil in Situationen, in denen diese Vorurteile zunächst bestätigt werden; wenn sie sich dann aber im Verlauf der Kampagne genauer mit diesen Fraktionen beschäftigen, und sei es nur ein Informationsschnitzel nachdem "der finstre Kult des Bösen ausgerottet" wurde, erhalten sie einen Einblick in die Motivationen dieser Fraktion und können selbst entscheiden, wie "böse" die nun wirklich sind (oder waren).
      Langer rede kurzer Sinn: Für mich sind Konflikte immer dann spannend, wenn die moralische Bewertung der Teilnehmer fraglich oder diskussionswürdig ist; vielleicht auch der Grund warum meine "bösen (tm)" Altvorderen trotzdem irgendwie aus nachvollziehbaren Gründen handeln ;)


      Eru schrieb:

      Und zu konfuseren Fragen: Und kommen die mit der Wahl von Setting und Themen zum Teil vielleicht auch schon mit? Also, mit welchen Konflikten befasst sich die stereotype Mittelalterwelt, mit welchen die Postapokalypse oder das SciFi-Setting? Weiter wohl, welche Konflikte werden durch die Völkerauswahl gesetzt? Was setzt noch Konflikte und welche darf man dann (wie) selbst setzen? <_<
      Einerseits würde ich behaupten, dass in diesen Faktoren erstmal nur "Farbe" oder "Deko" steckt und alles überall möglich ist; anderseits stimmt es schon, dass bestimmte Settings und Themen Konflikte bereits mit sich bringen oder bestimmte Konflikte ausschließen. "Die stereotype Mittelalterwelt", worunter ich eben nicht so etwas wie GoT einordnen würde, ist meiner Meinung nach so romantisierend geprägt, dass hier immer märchenhaft gut gegen märchenhaft böse kämpft, der strahlende Held gegen den bösen Drachen halt; daher sehe ich hier Konflikte nicht wie @Elatan primär im Poltischen, sondern tatsächlich eher in dieser Gut/Böse-Dichotomie und ob diese dann als Held vs Drache, Wahrer Glaube vs Böse Religion ("Heiliger Krieg"), oder armer um sein Erbe betrogener Prinz vs böser Usurpator realisiert wird als "Farbe".
      In der stereotypen Postapokalypse geht es meist irgendwie ums Überleben und die verschiedenen Ideologien, die eine neue Gesellschaft ermöglichen soll; das ist aber letztlich auch oft eine Art "Gonzo Faktor" drin, der die postapokalyptischen "Gesellschaften" weird zeichnet (Mad Max, Fallout, Mutant Year Zero), so dass Überlebenskonflikte und Ideologiekonflikte irgendwie oft in den Hintergrund treten und von der "weird Coolness" überlagert sind.
      Die Völkerauswahl bringt glaube ich keine Konflikte mit sich, sofern man von Klischees absieht; denn ob man nun Menschen und Orks oder Europäer und Indianer oder Menschen und Klingonen hat, bringt selten Konflikt mit sich, denn rein menschliche Gruppen nicht auch schon hätten. Was man mit der Völkerauswahl jedoch machen kann, ist bestimmte Aspekte in bestimmten Völkern konzentrieren und so Konflikte hervorheben oder die moralische Implikation gewisser "Konflikte" reduzieren oder aufheben ("Orks umbringen ist völlig okay!" ist etwas völlig anderes als "Dieses andere Menschenvolk umbringen ist völlig okay!").

      Edit-Nachtrag: Ich würde diese "konfuse Frage" kurz so beantworten: Die Wahl von Setting, Themen, Völkern etc. bringt nicht zwangsläufig Konflikte mit sich, sondern zeigt eher, welche Konflikte man nicht haben möchte. Diese Wahl dient also eher ein Eingrenzung des Konflikpotentials.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nharun ()

    • Eru schrieb:

      Wie gestaltet ihr interessante Konflikte?
      Ich stelle bei mir zwei Vorgehen fest:
      1. Wenn ich offen und ohne festes Ziel an der Welt selbst bastle, entstehen Konflikte von alleine. So habe ich in meinem hohen Norden einen gewöhnlichen Interessenskonflikt zweier Völker, der sich über die Inworld-Geschichte eine rassistisch motivierte Schale bekommen hat und in der Wahrnehmung der Völker zu dominieren begann. Auslöser war, dass ich vom schwedischen Genozid an den Sami gelesen habe. Wahrscheinlich weil meine Familie mit ähnlichen Problemen im Kommunismus konfrontiert war.
      2. Manchmal will ich Wertesysteme gegeneinander antreten lassen. Dann suche ich mir Personen oder Gruppierungen aus und frage mich, wie eine Person oder eine Gruppe mit entsprechenden Werten sein würde. Dabei versuche ich die Werte voll zu entfalten. Dann platziere ich Konfliktparteien nebeneinander und gucke, was passiert.

      Eru schrieb:

      Und kommen die mit der Wahl von Setting und Themen zum Teil vielleicht auch schon mit? Also, mit welchen Konflikten befasst sich die stereotype Mittelalterwelt, mit welchen die Postapokalypse oder das SciFi-Setting? Weiter wohl, welche Konflikte werden durch die Völkerauswahl gesetzt? Was setzt noch Konflikte und welche darf man dann (wie) selbst setzen?
      Ich würde sagen, dass das Setting eine Art Knotenpunkt (oder Punkte) schafft. In der Postapokalypse sind Ressourcenkonflikte wahrscheinlich, weil es eben wenig davon gibt. Ein klassisches Gut-Böse-Fantasy-Setting erzwingt förmlich den Gut-Böse-Konflikt, weil beide einen offenen Interessenkonflikt austragen. Usw. In einer (materiellen) Utopie gibt es logischerweise kaum einen Ressourcenkonflikt.

      Ich würde sogar soweit gehen und behaupten: Das Setting und die Art der Konflikte sind zwei Seiten einer Medaille.
    • Nharun schrieb:

      daher sehe ich hier Konflikte nicht wie @Elatan primär im Poltischen, sondern tatsächlich eher in dieser Gut/Böse-Dichotomie und ob diese dann als Held vs Drache, Wahrer Glaube vs Böse Religion ("Heiliger Krieg"), oder armer um sein Erbe betrogener Prinz vs böser Usurpator realisiert wird als "Farbe".
      Ich bin mir nicht sicher, ob du mich da missverstanden hast; bei mir gibt es ja durchaus auch sowas wie die Konflikte, die du ansprichst. Allerdings ist eine "böse" Religion bei mir nicht direkt böse, denn es gibt halt durchaus Gründe, warum sie so ist, wie sie ist. Diese Gründe müssen keineswegs gut sein, aber halt auch nicht einfach platt böse um der Bösartigkeit willen. Obwohl ich grade darüber nachdenke, dass sowas eigentlich auch mal ganz nett ist, wenn man einen Charakter hat, der wirklich einfach nur andere leiden lassen will - allerdings hätte der bei mir sicherlich auch Gründe dafür, ohne es selbst zu wissen. ;D
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    • Ja, das scheint mir ein Missverständnis zu sein. Mein Kommentar ist keine Kritik an deinem bastlerichen Umgang mit Konflikten, sondern bezieht sich auf deine Beantwortung der "konfusen Frage":

      Elatan schrieb:

      Bei einer stereotypen Mittelalterwelt dann vielleicht Erbfolgekonflikte oder Spannungen zwischen den Ständen.
      Das sind zwar irgendwie stereotype "Mittelalter"-Elemente, aber eher aus der historisch-realistischen Ecke; die "stereotype Mittelalterwelt" ist meiner Meinung nach eher das romantisierende "Fäntelalter" und darauf bezogen sich meine Aussagen zum gut/böse-Klischee.
    • Als Kritik habe ich das gar nicht aufgefasst. :) Aber stimmt, bei einer stereotypen Mittelalterfantasywelt sind solche Konflikte, wie du sie nennst, schon eher anzufinden.
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