[AEMUN RHÕ] Die gefaltete Welt

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    Vom 9.-12. März findet das Weltenbastler Frühjahrstreffen im Landgut Breibach im Bergischen Land statt. Zur verbindlichen Anmeldung geht es hier lang.

    • [AEMUN RHÕ] Die gefaltete Welt

      Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod. (Konfuzius)

      Struktur der
      psychosomatischen Manifestation

      AEMUN RHÕ


      Aemun Rhö beschreibt ein psychosomatisch manifestiertes Weltenszenario, das sich aus fünf verschiedenen Versionen von ein und derselben „inneren Welt“ zusammensetzt. Die verschiedenen Versionen unterscheiden sich voneinander und verkörpern in ihrer Manifestation unterschiedliche psychologische Aspekte. Sie sind integrativ zu verstehen; einzelne Aspekte spiegeln sich daher in allen fünf Versionen wider und bilden intersektionäre Verbindungen untereinander. Sämtliche Versionen der Innenwelt entstehen aus einem Faltungs- und Wechselwirkungsprozess zwischen Innen und Außen sowie durch Spiegelung und Projektion desselben. Wir sprechen daher nicht nur von einer psychosomatisch manifestierten, sondern ebenso von einer „gefalteten“ Welt.



      Version 1: Die Ufer von Pollon – Klanglose Welt – Impuls & Aufbruch
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      „Es war völlig gleich, wie weit wir an der stürmischen und im Grau weilenden Küste entlang liefen, immer wieder kehrten wir zu dem Kreis aus kleinen, weißen Kieseln zurück, der von anderen, die vermutlich vor uns hier waren, in den Sand gelegt wurde. Mit den Dünen und verlassenen Holzhütten im Rücken, blickten wir auf die raue Oberfläche der See. Zeichen schrieben wir in den Sand, aber das Meer trug sie alsbald fort. Pollons Ufer bereicherten und verunsicherten uns mit ihrer unheimlichen Stille, sodass gewiss war, dass dies keine andere als die klanglose Welt sein konnte. Unsicher darüber, was kommen würde, entschieden wir uns dazu, von hier aufzubrechen.“



      Version 2: Die Gärten aus Glas – Glühende Welt – Dynamik & Bewegung
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      „Es war nicht nur die Hitze, die uns zunehmend zu schaffen machte, sondern ebenso der Mangel an Wasser. Der hart gebackene Felsgrund umschloss das Erdreich und ließ kein Leben fruchten. Der Himmel glühte und zu keinem Zeitpunkt war ersichtlich, wo wir uns tatsächlich befanden. Glasartige Splitterformationen dominierten diesen feurigen Ort; sie spiegelten das Licht der Sonne und erzeugten kleine Schwelbrände. Wie uns geschehen würde, war uns noch unklar, als die glühende Welt begann, auch uns allmählich verbrennen zu lassen: Mit seinen staubigen, rotierenden Windsäulen aus radioaktiver Substanz begann dieser Ort uns im innersten Kern zu vernichten.“



      Version 3: Die Wege in das Untere – Pulsierende Welt – Wandel & Metamorphose
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      „Wir registrierten ganz allmählich, dass die Flure und Gänge, in denen wir irrten, nicht vertrauenswürdig waren. Wege und Durchgänge, denen wir soeben den Rücken gekehrt hatten, verschwanden oder veränderten sich in jenem Moment, da wir nicht hinsahen. Wir verharrten beide in Erstaunen und Entsetzen, als wir den Wirkmechanismus einige Male heraufbeschwörten, um unsere Vermutung zu bestätigen: Was statisch und unverändert sein sollte, veränderte sich ohne Ausnahme, ohne jedoch einem nachvollziehbarem Muster zu folgen. Unser Hinsehen allein, machte es für diesen kurzen Moment manifest. Nicht direkt von uns wahr-genommen, veränderte das zuvor Gesehene seine Gestalt oder verschwand völlig in den unsichtbaren Hohlräumen dieser pulsierenden Welt, die uns zu verspeisen drohte.“



      Version 4: Der Grund der Alten – Keimende Welt – Kontraktion & Reifung
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      „Wir konnten nicht verstehen, wie Leben hier unten möglich war. Ein fauliger Geruch wurde von den dunklen, dickflüssigen Wassern nach oben getrieben, aber wir waren im Begriff, tiefer zu sinken. Der Grund offenbarte Leere und im schwachen Schein lumineszierender Kreaturen, gebaren die Strukturen dieser unterseeischen und allmählich keimenden Welt merkwürdige, blasshäutige und uteral anmutende Gebilde. Wir erlagen einem Quell ehrfürchtigen Schreckens, als wir den gigantischen, weißlichen, metallisch schimmernden und aalhaft sich windenden Körper aus der Ferne herangleiten sahen.“



      Version 5: Der Schwarm der Namenlosen – Zeitlose Welt – Gewahrsein & Ruhe
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      „Dieser Ort glich keinem der anderen. Diese Welt, die ohne Zeit war, offenbarte uns ihre ganze, gottgleiche Anmut. In kosmischer Schwärze glitt der gigantische Schwarm dahin – wir waren Teil von ihm. Zu diesem Zeitpunkt wurde uns klar, dass das hier mehr ist als wir wahrnehmen. Ob Traum oder Tatsache, das eindringliche Wissen, das dieser Ort uns zu verabreichen schien, war echt. Ob Wahn oder Wahrheit, das hier war Energie in ihrer ursprünglichsten Form. Wir finden keine anderen oder treffenderen Worte für das, was wir erlebt haben. Nur solche unter euch, die es selbst gesehen haben, werden es verstehen können.“



      _ Das sagt sicherlich nicht viel aus.
      _ Manchmal sind Fragen bedeutsamer als Antworten.

      Also, nur zu.


      Auch bleibt dieser Schacht
      nicht immer gleich tief
    • Ich mag die Idee, alles aus Wir-Perspektive zu schreiben. :)

      Der Begriff psychosomatisch wirft die Frage auf, um wessen Psyche es geht. Um die der Leser*innen, oder sogar noch allgemeiner? Oder begrenzter?

      Alberne Frage: In welcher der 5 Subwelten würdest du am ehesten Zeit verbringen wollen?^^

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Ho,

      ich mag die stille Küste, den glühenden Garten, den speisenden Puls, auch die Ehrfurcht vor dem metallischen Aal und kosmischem Schwarm! :)

      Ich fürchte viel fragen kann ich grad nicht, aber vielleicht einige Eindrücke teilen. Einmal impliziert die Wortwahl von Radioaktivität und Metall moderne Protagonisten, unklar ob es zwangsläufig der moderne Mensch sein muss, aber doch von neuzeitlichem Hintergrund.
      Dann ist 'speisen' auch spannend hinsichtlich des pulsierenden. Entweder sind wiederum die Protagonisten derart gesittet oder haben eine entsprechende Erwartungshaltung, dass sie nicht vom schlingenden Nichts ausgehen, oder aber verheimlichen uns etwas über das Wesen des Unteren. Die Personifikation mit "speisend" zu beschreiben macht aus dieser Urgewalt jedenfalls keine wilde, rohe, sondern suggeriert eine Art von Kultivierung. :) Ich kam bei der Vorstellung ein bisschen auf einen mit Leere gefüllten Anzug am Restaurant-Tisch mit Gabel in der Hand. Zusammen mit den Kieselkreisen der vorangegangenen sind das für mich die spannendsten Eindrücke, wenn auch die anderen schön sind.

      Vom psychologischen her fürcht ich das nicht so gut beurteilen zu können, die Folge Aufbruch-Wandel-Ruhe aber erinnert entfernt an die Heldenreise, oder vielleicht auch allgemein an einen Prozess ins Erwachsenwerden oder ähnliches. Die fünfte Welt hat hier aber ein bisschen ein Heilsversprechen, das mir nicht ganz geheuer ist.
      > Möchte in Fantasy-Ausrichtung an den Erfolg von Scientology anknüpfen.
    • Ich vermute, man muss diese Erfahrungen wirklich selbst gemacht haben, aber mir haben sich in jedem Szenario mehr oder minder starke negative Gefühle oder Assoziationen aufgedrängt.
      Ich weiß nicht inwiefern diese beabsichtigt waren, aber sie spiegeln sich für mich nicht oder kaum in den Erzählungen wider...

      Pollon: Hier steht für mich das Im-Kreis-gehen im Widerspruch zum Aufbruch. Die ganze Umgebung wirkt beklemmend, nasskalt, grau und stürmisch, aber klanglos, dazu ein wenig klaustrophobisch. :zitter:

      Gärten: Für mich wieder ein Widerspruch zwischen dem Gefühl des Nicht-Vorankommens und Resignierens in der endlosen Wüste und dem Aspekt der Bewegung.

      Wege ins Untere: Das klassische Labyrinth-Gefühl, entweder zu bleiben und nichts zu erreichen, aber seine unmittelbare Umgebung zu kennen, oder ins Ungewisse vorzudringen, ohne eine Gewissheit, irgendwo anzukommen. Dazu überkommt mich das Gefühl vom Verdaut-werden. :aah:

      Grund: Die für mich an wenigsten surreal-bedrohlich wirkende Umgebung, aber trotzdem irgendwie :schreck: . Die (Wieder)Geburt aus dem fauligen, toten Material erzeugt das Gefühl in Magen und Brutkammer gleichzeitig zu sein und ich stelle mir die Welt sehr gespenstisch vor.

      Schwarm: Hier habe ich Assoziationen mit Szenen aus Büchern und Filmen, in denen ebenfalls etwas "Allumfassendes" oder "Göttliches" dargestellt werden soll, und die in mir das Gefühl eines Jenseits mit unbegrenztem, aber leerem, eben zeitlosem Wissen ohne Bedeutung erwecken. :freak:

      Soweit meine einzelnen Assoziationen. Im ganzen habe ich überall das Gefühl nicht voranzukommen, aber nicht im ruhigen, mit der Welt zufriedenem Sinne, sondern eben beklemmend.
      Nichtsdestotrotz finde ich die Texte genial geschrieben, dass sie in mir so starke Gefühle ausgelöst haben! Respekt! :thumbup:
    • Jundurg schrieb:

      Ich mag die Idee, alles aus Wir-Perspektive zu schreiben. :)

      Der Begriff psychosomatisch wirft die Frage auf, um wessen Psyche es geht. Um die der Leser*innen, oder sogar noch allgemeiner? Oder begrenzter?

      Alberne Frage: In welcher der 5 Subwelten würdest du am ehesten Zeit verbringen wollen?^^
      Wir sind ich. Aber ich bin viele.
      Psychosomatisch manifestiert ist all jenes, das wahr-genommen wird. Ich nehme wahr, du nimmst, wahr, wir nehmen wahr.

      Die letzte Frage muss ich aus der Metaperspektive beantworten. Hierzu ist es wichtig, zu verstehen, dass ich es vorerst aufgegeben habe, eine Welt zu erschaffen, in welcher all das einen Platz findet, was in meinem Geist schwirrt. Ich habe es andersherum gemacht: Aus all dem, was in meinem Geist schwirrt, habe ich eine "Welt" rekonstruiert. Da ich die Versionen dieser Welt aus Meditationen, Träumen und Gedanken bereits sehr gut kenne, müsste ich also sagen, dass ich in allen Subwelten Zeit verbracht habe und Zeit verbringe. Aber es geht ja darum, wo ich am ehesten Zeit verbringen wollen würde. Grundsätzlich an Pollons Ufern - dieses Szenario entspannt mich ungemein - der Blick geht raus in die Ferne, es ist still, nur ein seichtes Rauschen der Wellen ist zu vernehmen. Alles ist ohne "Klang" (will heißen, ohne Bewertung. Vielleicht.)... alles ruht und hat einen Hauch von Zeitlosigkeit. Das Szenario der ersten Version ist während einer Meditation entstanden, in welcher ich meinem "wahren Selbst" begegnet bin. Ich kehre gerne dorthin zurück. Letztendlich gibt es für mich in allen Szenarien viel zu entdecken und zu lernen.

      Eru schrieb:

      Ho,

      ich mag die stille Küste, den glühenden Garten, den speisenden Puls, auch die Ehrfurcht vor dem metallischen Aal und kosmischem Schwarm! :)

      Ich fürchte viel fragen kann ich grad nicht, aber vielleicht einige Eindrücke teilen. Einmal impliziert die Wortwahl von Radioaktivität und Metall moderne Protagonisten, unklar ob es zwangsläufig der moderne Mensch sein muss, aber doch von neuzeitlichem Hintergrund.
      Dann ist 'speisen' auch spannend hinsichtlich des pulsierenden. Entweder sind wiederum die Protagonisten derart gesittet oder haben eine entsprechende Erwartungshaltung, dass sie nicht vom schlingenden Nichts ausgehen, oder aber verheimlichen uns etwas über das Wesen des Unteren. Die Personifikation mit "speisend" zu beschreiben macht aus dieser Urgewalt jedenfalls keine wilde, rohe, sondern suggeriert eine Art von Kultivierung. :) Ich kam bei der Vorstellung ein bisschen auf einen mit Leere gefüllten Anzug am Restaurant-Tisch mit Gabel in der Hand. Zusammen mit den Kieselkreisen der vorangegangenen sind das für mich die spannendsten Eindrücke, wenn auch die anderen schön sind.

      Vom psychologischen her fürcht ich das nicht so gut beurteilen zu können, die Folge Aufbruch-Wandel-Ruhe aber erinnert entfernt an die Heldenreise, oder vielleicht auch allgemein an einen Prozess ins Erwachsenwerden oder ähnliches. Die fünfte Welt hat hier aber ein bisschen ein Heilsversprechen, das mir nicht ganz geheuer ist.
      Deine Eindrücke sind faszinierend, vor allem die Beobachtung der kultivierten Verspeisung. Und ja, es ist bestialisch, aber dabei trotzdem schematisch, einem Muster (vielleicht sogar einer Sitte, einem Brauch) folgend.

      Der eine nimmt eine Heldenreise wahr, der andere einen anderen Prozess der (Ver-)Wandlung. Vielleicht erhoffen wir alle Heilung, aber letztendlich muss wohl offenbart werden, dass es bei einer Hoffnung bleiben muss. Vielleicht auch nicht. Wer dem Schwarm folgt, muss alles zurücklassen. Ob das heilsam ist oder ob es sich heilsam anfühlt... ich weiß es nicht.


      Nikedah schrieb:

      Ich vermute, man muss diese Erfahrungen wirklich selbst gemacht haben, aber mir haben sich in jedem Szenario mehr oder minder starke negative Gefühle oder Assoziationen aufgedrängt.
      Ich weiß nicht inwiefern diese beabsichtigt waren, aber sie spiegeln sich für mich nicht oder kaum in den Erzählungen wider...

      Pollon: Hier steht für mich das Im-Kreis-gehen im Widerspruch zum Aufbruch. Die ganze Umgebung wirkt beklemmend, nasskalt, grau und stürmisch, aber klanglos, dazu ein wenig klaustrophobisch. :zitter:

      Gärten: Für mich wieder ein Widerspruch zwischen dem Gefühl des Nicht-Vorankommens und Resignierens in der endlosen Wüste und dem Aspekt der Bewegung.

      Wege ins Untere: Das klassische Labyrinth-Gefühl, entweder zu bleiben und nichts zu erreichen, aber seine unmittelbare Umgebung zu kennen, oder ins Ungewisse vorzudringen, ohne eine Gewissheit, irgendwo anzukommen. Dazu überkommt mich das Gefühl vom Verdaut-werden. :aah:

      Grund: Die für mich an wenigsten surreal-bedrohlich wirkende Umgebung, aber trotzdem irgendwie :schreck: . Die (Wieder)Geburt aus dem fauligen, toten Material erzeugt das Gefühl in Magen und Brutkammer gleichzeitig zu sein und ich stelle mir die Welt sehr gespenstisch vor.

      Schwarm: Hier habe ich Assoziationen mit Szenen aus Büchern und Filmen, in denen ebenfalls etwas "Allumfassendes" oder "Göttliches" dargestellt werden soll, und die in mir das Gefühl eines Jenseits mit unbegrenztem, aber leerem, eben zeitlosem Wissen ohne Bedeutung erwecken. :freak:

      Soweit meine einzelnen Assoziationen. Im ganzen habe ich überall das Gefühl nicht voranzukommen, aber nicht im ruhigen, mit der Welt zufriedenem Sinne, sondern eben beklemmend.
      Nichtsdestotrotz finde ich die Texte genial geschrieben, dass sie in mir so starke Gefühle ausgelöst haben! Respekt! :thumbup:

      Was widergespiegelt wird, ist nicht gleichzusetzen mit dem Gespiegelten. Sehr interessante Beobachtung... das habe ich selbst so noch nicht wahr-nehmen können in meinen Texten, mir gefällt aber der Widerspruch. Er spiegelt ganz instinktiv das innere Dilemma, das in jedem von uns wohnen mag. Du erfasst genau das, was ich zu beschreiben versuche. Es ist schwierig auszudrücken... wir suchen Wege, manchmal nur Auswege, aber woher wissen wir, ob wir die ganze Zeit nur geirrt sind. Alle Wege, die gegangen werden, offenbaren sich möglicherweise als Irrwege. Aber vielleicht sind es auch Auswege. Das ist nicht bekannt, nicht bewusst, nicht antizipierbar. Es verbleibt im unbewussten Hohlraum, im Klangraum, im Resonanzkörper, den wir selbst darstellen...


      Vielen Dank für eure Eindrücke, sie haben mir wieder neue Erkenntnisse gegeben. Es ist faszinierend zu sehen, was andere wahr-nehmen, wenn sie das hier lesen... :)


      Auch bleibt dieser Schacht
      nicht immer gleich tief