Gedächtnispalast und Weltenbasteln

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    • Gedächtnispalast und Weltenbasteln

      Hier ist nun der versprochene Thread. Das Thema leidet an seinem Umfang. Daher werde ich im ersten Post zunächst anführen, welche Verbindungen ich zwischen dem Weltenbasteln und dem Gedächtnispalast sehe.

      Dann wäre eigentlich auch noch zu sagen, was ein Gedächtnispalast ist. Schon hier liegt ein Problem. Dies ist etwas, was erfahren werden muss, wie man lernen muss sich in einem Anzug zu bewegen. Zudem sind wir alle anders, haben unterschiedliche Assoziationen, unterschiedliche Denkweisen und Mentalitäten. Was bei mir gut funktioniert, funktioniert bei anderen evt. gar nicht. Mit den Geschichten, die Ulrich Voigt in seinen Bücher erzählt, kann ich mnemotechnisch nichts anfangen. Ich muss sie verändern, oder mir eigene ausdenken, um seine Techniken, bzw. Beschreibungen nachzuvollziehen. Dies heißt auch, dass dies praktisch und durch Übung zu lernen ist. Allerdings ist die Lernkurve nicht sehr steil und man gewöhnt sich schnell ein. Denn schließlich geht es um die eigenen Gedanken, die eigene Philosophie und die eigenen Gefühle.

      Somit muss ich auch Übungen vorstellen, mit denen man die Fähigkeit gewinnt, einen Gedächtnispalast zu errichten. Ich werde es nicht ganz einfach halten, aber doch auch nicht schwerer als man es Schülern zumutet, so es denn in der Schule -in NRW steht es meines Wissens immer noch im Lehrplan, zumindest als Option- noch gelehrt wird. Die letzten Schritte muss man aber selbst tun.

      Wenn jemand das einüben will, ist dabei aber eine Kommunikation darüber hilfreich. Ob nun hier im Thread oder im Chat, sei erst mal offengelassen. Ich denke, falls jemand da Interesse hat, kriegen wir das spontan hin.

      Nun aber zu den Verbindungen der Themen. Damit es nicht zu lang wird, gebe ich eine Liste mit meinen Hauptgedanken (und Erfahrungen) dazu:

      • Zunächst ist natürlich ein Gedächtnispalast eine eigene Welt und muss entworfen oder gebastelt werden. Dabei gibt es -wiederum natürlich- besondere Regeln zu beachten. Da viele Weltenbastler zumindest einen Teil ihrer Welten im Kopf haben, ist da Einiges vorhanden, was genutzt werden kann. Und wir sind natürlich dabei geübter als Andere.
      • Dann ist da natürlich die Funktion eines Gedächtnispalastes, das Merken. Statt auf Papier oder als Spannungszustände auf der Festplatte kann eine Welt als Gedächtnispalast abgespeichert sein. Eine Entwicklungshistorie oder das Bewahren von Zwischenschritten ist dabei natürlich schwieriger. Und man muss wissen, wie man so eine Konstruktion nachträglich umbaut, was möglich ist, aber nicht allen gleich gut und bei allem gelingt.
      • Ebenso lassen sich die -ich nenne es mal- weltenbastlerischen Aspekte so zugriffsbereit halten. Nicht nur wichtige Zusammenhänge, die zu berücksichtigen sind, auch die Aspekte selbst, als Checkliste.
      • Wichtig für mich ist, dass jeder und jede, der oder die einen Gedächtnispalast hat, jederzeit darin abtauchen kann. Und da bieten unsere Welten wieder besondere Möglichkeiten. Wir könnten zur Entspannung im Geiste durch eine Welt wandeln oder an einem geeigneten Ort oder durch die Betrachtung bestimmter Orte, Bilder oder Geschichten sogar meditieren.
      • Angeregt wurde es aber durch die Vorstellung der Nutzung einer Kartei als Kreativitätsmaschine. Und so kann der Gedächtnispalast ebenso als Kreativitätshilfe dienen. Er hält Assoziationen bereit, vervielfältigt Verbindungen und hilft, diese bewusst aufzusuchen. Und es sind von uns selbst konstruierte Verbindungen, die es ermöglichen sollen, immer an die gesuchte Informationen zu gelangen. Gerade bei einer Kreativitätsblockade, wenn schon die Kombination von Begriffen schwerfällt, um dadurch etwas Neues zu schaffen, ist das hilfreich. Es entstehen aber oft auch Verbindungen ganz ohne unser Zutun. Archimedes, der uns sonst in einer Halle die Hintergründe der einfachen Maschinen zu verstehen hilft, trifft im Park auf Caesar, der uns mit der Römischen Armee hilft. Wer davon gehört hat, dass Caesar sich für Maschinen interessierte, wird das ganz natürlich finden und so geschieht es wie von selbst, dass Archimedes ihn besucht. Ein Vitruv, der über das technische Können der Armee ein Augustus gewidmetes Buch verfasste, wird nicht auftauchen, wenn er nicht auch Bestandteil des Gedächtnispalastes ist. Es sei denn wir suchen bewusst nach Anknüpfungspunkten. Dazu erleichtert es das Auffinden von Assoziationen und somit kreative Tätigkeiten, weil eine größere Anzahl ungewöhnlicher Assoziationen durch den Gedächtnispalast bereitgehalten wird.

      Ein Beispiel: Umgangsformen waren das Thema des letzten Speedbastelns. Nun wird kaum jemand Umgangsformen in einem Gedächtnispalast abspeichern. Stellen wir aber ein Wortfeld auf, in dem die Begriffe Begegnung von Kulturen, Begrüßung, Gast und Esskultur vorkommen, mag da durchaus einiges zu finden sein. Als Wissen, aber auch als eine der Eselsbrücken, die unseren Palast bilden. Wie einige andere hatte ich erst Probleme mit dem Thema. Dann suchte ich nach zufälligen Begriffen. Ich kam auf die 7 Zwerge, dazu kam das Wetter aufgrund eines Wortspiels im Weltenbastlerchat. Bei Zwergen ist die Begegnung von Kulturen, bzw. Spezies naheliegend und das Wetter hatte ich auch. Die Zwerge sind nun in meiner Welt vergleichsweise gesellig und der Umgang mit den anderen Bewohnern recht 'normal'. Und damit war ich bei der Suche nach unnormalen Zwergen. Tatsächlich fand ich solche in meinem Gedächtnispalast, an die ich lange nicht gedacht hatte, Zwerge, die sehr weit unter der Erde leben und selten an die Oberfläche kommen. Wie bringe ich die aber mit Wetter zusammen, dass sie eigentlich nicht kennen. Klar, offensichtlich, sie kennen sich damit nicht aus, was ein Ansatz für eine Geschichte sei kann. Wen könnten sie im Gebirge treffen? Was könnte die Zwerge beim Wetter besonders ängstigen? Und wie kann eine Begegnung Umgangsformen beeinflussen? Und wie wird ein Tabu verteidigt? Apropos Tabu: Es gibt ja auch vollkommen sinnlos erscheinende Tabus. Was könnte das bei Blitz und Donner sein? Alles gut abgelegt. Ich will es nicht fortsetzen, nur darauf hinweisen, dass mir bei einem Teil der Fragen gleich die entsprechenden Verbindungen in den Sinn kam. Handtuch, Nasca-Bilder, Ziegenhirten stammen z.B. von künstlichen Verbindungen. Natürlich ist ein Teil der Assoziationen von selbst gekommen, aber auch hier kamen bei einigen gleich Bilder und Geschichten der von mir genutzten Mnemotechnik zumindest kurz in den Sinn. Ein möglichst umfangreicher Palast erleichtert das sehr, eine gewisse Größe ist unabdingbar, denn sonst sind zu viele Löcher in der Brücke, um sie so zu beschreiten. Und auch das gehört zu den Bedingungen eines Gedächtnispalast: Erst ab einer gewissen Größe erhält er seine volle Effizienz. (Was auf jedes Wissensgebiet zutrifft. Wer sich genug mit einem Thema beschäftigt hat, dem fällt es wesentlich leichter sein diesbezügliches Wissen zu erweitern, wenn es auch aufgrund der vielen Feinheiten subjektiv oft anders wirkt.)

      Nun ist es sehr spät geworden und dies soll für heute reichen. Im nächsten Post werde ich einen kurzen Überblick zur Geschichte der Mnemotechnik geben, soweit das hier relevant ist und in dem Zusammenhang die ersten Grundlagen vorstellen. In einem weitern Post kommen dann weitere Techniken zur Abrundung hinzu. Dazu müssen dann Beispiele und Konstruktionshinweise kommen, sowie zu den Grenzen von Mnemotechnik und Gedächtnispalast kommen, bevor ich versuchen werde ein (kleines) Beispiel zu entwerfen, um damit ein mögliches Zusammenspiel vorzuführen.

      Für diejenigen, die sich nicht nur theoretisch damit befassen wollen, werde ich mich bemühen, Übungen vorzuschlagen. Nachfragen werden vielleicht nicht sofort beantwortet, eben so, wie ich Zeit habe, aber es ist dennoch sinnvoll, über Lösungen und Probleme zu posten, um Missverständnisse und Ungenauigkeiten herauszufiltern. wie gesagt, falls sich jemand auch praktisch damit befassen möchte.
    • Ja, ich werde weitermachen. Einige Widrigkeiten hielten mich davon ab, aber ich war nicht untätig. Ich habe mir einige Aufgaben ausgedacht und den Geschichtsabschnitt des Wikipedia-Artikel Mnemotechnik um einen Absatz zu Quintilian und zur Frühen Neuzeit ergänzt. Denn mir wurde näher gebracht, dass ich mich hier nicht zu sehr mit der Geschichte aufhalten soll und lieber Beispiele bringen. Das führt auch dazu, mein Konzept zu verändern. Und dabei kann ich dann auf Wikipedia verweisen. Abgesehen von einer Lücke im Mittelalter, die dem Laien nicht auffallen wird und ich hier mit kurzen Worten erläutern kann, ergibt sich dort jetzt das Bild einer Entwicklung statt das Bild von einzelnen beleuchteten Zeitabschnitten. Was ich dort noch ergänzen will, spielt für unsere Zwecke -bis auf die erwähnte Aussage- keine Rolle.

      So, kommen wir zum Thema. Es geht zunächst darum, die Daten oder Informationen, die man sich merken will, so aufzubereiten, dass man sie leicht im Gedächtnis behält. Der Zusammenhang mit dem Weltenbau wird teils sicher schon auf diesem Wegabschnitt deutlich, teils aber hiernach erläutert werden müssen.

      Nun habe ich mir das nicht zum größten Teil selbst ausgedacht, sondern einen guten Teil in der Schule und aus Büchern gelernt. Im Einzelnen kann ich das nach so langer Beschäftigung mit dem Thema nicht nachhalten. Daher nenne ich hier Literatur, aus der das meiste hervorgehen sollte und berücksichtige dabei auch solche Dinge wie Zugänglichkeit und Zeit. Wer das uninteressant findet, fahre mit meinem nächsten Post fort, den ich noch heute schreiben werde.

      Mnemotechnik hat ihre Grenzen und der Vorschlag einen Gedächtnispalast für den Weltenbau zu verwenden stammt aus einem Thread mit Vorschlägen zu einem Zettelkasten-System. Um das zu würdigen, empfehle ich für den allgemeinen Lernhintergrund:

      Sebastian Leitner, So lernt man lernen, dass in zahlreichen Auflagen erschienen ist und ursprünglich den Titel "Lernen lernen" trug. Die bekannten Bildchen finden sich in den Ausgaben des Nikol-Verlags. Es hat den Vorteil, dass es günstig zu bekommen, gut verständlich und angenehm zu lesen ist. Darin findet sich nichts geringes als die Erfindung der Lernkartei. In dem verlinkten Artikel zum Buch finden sich auch aktuellere Darstellungen angegeben, die die in der Zwischenzeit gesammelten Erkenntnisse berücksichtigen, bzw. einbauen. Diese sind teils sehr günstig und dünn, so dass sich die Lektüre des Originals gefolgt von so einem Werk empfiehlt.

      (Nicht erschrecken: Leitner schildert auch den heutigen Erkenntnissen zugrundeliegenden Tierversuche. Ein Weltenbastler muss so etwas ertragen und es hat den Vorteil, dass es Gefühle hervorruft, die das Merken der Erkenntnisse erleichtern.)

      Zur Mnemotechnik hatte ich im anderen Thread drei Werke empfohlen, die ich auch hier nennen muss. Sie haben unterschiedliches Niveau. Ulrich Voigt schreibt wissenschaftlich, Ulrich Bien ist ein Gedächtnistrainer, der Kurse anbietet und Gunther Karsten schreibt als Gedächtnissportler. Alle drei haben aber akademischen Hintergrund. So hoffe ich jedem ein passendes Buch zu nennen. Aber gleichzeitig ergänzen sich die Bücher auch. Denn das Problem auf diesem Gebiet ist, dass es kein Werk gibt, dass als erschöpfende Einleitung zu empfehlen ist:

      • Ulrich Bien: Einfach. Alles. Merken.. humboldt, 2. Auflage, Hannover 2012, ISBN 978-3-86910-482-9. (Sein Trainiere. Dein. Gedächtnis.. humboldt, Hannover 2011 ist ein Übungsbuch. Viele Anfänger haben Probleme die passenden Bilder zu finden. Hier werden Lösungen vorgeführt und es gibt haufenweise Übungen dazu und zu den anderen in Einfach.Alles.Merken. erwähnten Themen. Der Nachteil ist, dass Bien einiges nicht richtig verstanden hat, insbesondere zum Gedächtnispalast. Für ihn ist ein Gedächtnispalast im Prinzip nur eine fiktiv ausgedachte Loci-Route. Wer das im Hinterkopf behält, wird davon profitieren.)
      • Gunther Karsten: Erfolgsgedächtnis: Wie Sie sich Zahlen, Namen, Fakten, Vokabeln einfach besser merken. Goldmann, München 2002. ISBN 978-3-442-39035-9. (Nachdem er Gedächtnisweltmeister wurde, wurde der Titel geändert. Lernen wie ein Weltmeister oder so. Unter dem älteren Titel ist es günstiger zu bekommen. Er beschränkt sich weitgehend auf die Disziplinen des Gedächtnissports, bietet aber einen sehr einfachen Einstieg mit flacher Lernkurve.)
      • Ulrich Voigt: Esels Welt. Mnemotechnik zwischen Simonides und Harry Lorayne. Likanas Verlag, Hamburg 2001. ISBN 978-3-935498-00-5. (Es handelt sich eigentlich um eine Vorarbeit zu seinem Das Jahr im Kopf. Kalender und Mnemotechnik, Hamburg 2003. [Das handelt von Kalenderrechnung, nicht von Terminkalendern.] Das Buch führt aber dahin, dass er den Entwurf eines Gedächtnispalasts zum Merken vieler Stellen der Zahl Pi vorführt. Allerdings ist es streckenweise schwer zu lesen, ist mitunter sehr mathematisch und entwickelt eine eigene Terminologie. Letzteres ist für den Autor durch das Problem der bisherigen unklaren und uneinheitlichen Terminologie notwendig geworden. Zwar hätte ich es behutsamer geändert, aber im Grunde ist ihm zuzustimmen. Dennoch halte ich es für das derzeit beste Werk zum Thema, wenn man sich für die Hintergründe interessiert. Fremdsprachige Zitate werden in der Regel nicht übersetzt. Er geht von einer humanistischen Vorbildung der Leser aus.)
      Das klingt jetzt ein wenig nach Shopping-Kanal, aber ich will nicht einfach nur die Titel nennen, ohne dem Leser weitere Hinweise zu geben, wenn ich schon Literatur angeben muss. Es gibt mehr Gedächtnistrainer und mehr Gedächtnissportler, aber nicht mehr wissenschaftliche Darstellungen vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaften aus wie bei Voigt. Die ersteren kann ich nicht alle nennen. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Pädagogik wieder mit dem Thema, aber eine umfassende Darstellung ist mir noch nicht vor die Augen gekommen und Einzeluntersuchungen interessieren uns hier nicht.

      Die heute gängige (und nicht zu schwer zugängliche) Darstellung der Geschichte der Mnemotechnik ist

      Frances A. Yates: Gedächtnis und Erinnern. Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare. 3. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1994. ISBN 978-3-05-002617-6. (Eher Kulturgeschichtlich angelegt. Die Abkehr von der Nutzung zu mystischer Erkenntnis wird als Niedergang verstanden.)

      Zur Literatur sei abschließend ein Werk angegeben, dass näher am Thema liegt und lange Jahre allein dastand:

      Jonathan Spence: The Memory Palace of Matteo Ricci. Penguin Books UK, London 1985.

      Durch den Gedächtnissport und der Mnemotechnik-Welle in den Medien vor einigen Jahren gibt es mittlerweile mehr. Ich gebe die letzten zwei Bücher an, um mir nicht den Vorwurf zuzuziehen, nichts zu Geschichte und Gedächtnispalast zu nennen.

      Ich nehme mir die Freiheit nochmals festzustellen, dass es zu diesem Thema das richtige Buch nicht gibt. Dazu sind zum einen die Autoren zu individuell und selbst bei Mnemotechnikern sind zum Gedächtnispalast oft Vorurteile und Halbwissen zu finden.

      Für alle, die sich an die Fernsehshows der 80er Jahre erinnern und sich fragen, wie die unterhaltsamen Gedächtniskünstler damals hießen, verlinke ich hier noch Wikipedia-Artikel zu den zwei bekanntesten:
      • Harry Lorayne (In englischsprachigen Ländern dürfte sein Memory-Book weit verbreitet sein.)
      • Gregor Staub (Auch bei Youtube zu finden. Allerdings ist sein System zwar in einer Show den Zuhörern leicht näher zubringen, hat aber auch große Nachteile gegenüber dem gängigen System. Man muss auf einen Großteil der Funktionalität verzichten, wie man über ein Computerprogramm sagen würde.)
      Ein Bemerkung zu Wikipedia. Die Artikel zur Mnemotechnik sind ziemlich durchwachsen. Es gibt gute und schlechte Stellen. Vor längerem habe ich -mit längeren Pausen- begonnen, den Artikel 'Mnemotechnik' zu bearbeiten und habe auch schon den 'Geschichtlichen Hintergrund' im Artikel Major-System überarbeitet. Das erklärt meine Verweise auf Wikipedia-Artikel, obwohl ich sie als durchwachsen bezeichne. Ich habe dort gestern und heute einiges ergänzt, auf dass ich gleich noch verweisen werde. Da ich Links an den entsprechenden Stellen setzen werde, lasse ich es hier.

      Jetzt muss ich noch etwas gestehen, bevor ich mit dem Thema beginne: Natürlich kann ich in diesem Rahmen nicht auf alle Themen und Techniken eingehen. Aber mit diesen Hinweisen dürfte den an Weiterem Interessierten genug zum Weiterlesen an die Hand gegeben sein. Ich werde genug erklären, dass etwas damit anzufangen ist und wer weiß, wohin Nachfragen führen mag. Doch, wenn ich es auch zunächst etwas beiseite lassen muss, ist das Thema die Nützlichkeit für das Basteln.

      Jetzt mache ich eine Pause und schreibe gleich weiter, um endlich in dem Sinne zum Thema zu kommen, wie es von mir erwartet wird.

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    • So, nun muss ich den Leser bitten, den Absatz zur Mnemotechnik in der Antike bei Wikipedia zu lesen. (Ich bin da natürlich nicht der einzige Autor, z.B. hat dafür auch schon mal der im Vorpost erwähnte Ulrich Voigt zur Tastatur gegriffen.)

      Ich gehe im weiteren davon aus, dass der Abschnitt zur Kenntnis genommen wurde.

      Sicher hat der aufmerksame Leser erkannt, dass die wichtigste Mnemotechnik der Antike die Loci-Methode war. 'Loci' ist das lateinische Wort für 'Orte', in der deutschen mnemonischen Literatur nach alter Unterscheidung bis heute auch oft als 'Örter' wiedergegeben. Durch die Anekdote über die Erfindung der Mnemotechnik durch Simonides von Keos ist klar worum es geht:

      An Orte, an denen wir waren, können wir uns gut erinnern. Wir vergessen sie nur sehr schlecht. Wenn wir mitunter an sie denken bleiben sie im Gedächtnis. Das ist toll, denn so haben wir ein zuverlässiges Gerüst. Nun wurde viel darüber diskutiert, ob Orte aus der Fantasie genauso gut geeignet sind. Auch wenn der Weltenbastler dazu neigen wird, dass zu bejahen, muss ich darauf hinweisen, dass es zum einen vom Individuum abhängt. Dazu, dass wir alle anders sind, habe ich schon im Eingangspost geschrieben. Zum Anderen kommt es aber auch darauf an, wie intensiv wir uns einen Ort vorstellen. Haben wir ihn nur grob beschrieben, oder sind wir vor unserem geistigen Auge dort gewandelt. In Zeiten von Computerspielen sind hier natürlich auch die hierfür erzeugten künstlichen Welten zu nennen. Jeder, der beim Spielen am Computer durch solche Welten läuft, wird sich an solche digitalen Orte erinnern.

      Nun ist das noch nicht alles. Wir müssen die Lerninhalte aufbereiten. Dazu ist es zunächst am einfachsten sie im Kopf in Bilder oder gar bewegte Bilder oder kleine Geschichten zu verwandeln. Es gibt andere Methoden, wie im Absatz Mittel der Mnemotechnik im Artikel Mnemotechnik dargestellt. Aber das lassen wir mal außen vor, um es nicht auf die Spitze zu treiben, beschränken wir uns auf die einfach zu erlernenden Methoden. Weiteres mag später nachgefragt oder in der im Vorpost angegebenen Literatur nachgelesen werden. Häufig sind Lerninhalte Zahlen, die sich der Mensch besonders schwer merken kann. Dazu gibt es verschiedene Methoden, wie für andere Arten von Informationen auch. Häufig beginnen Mnemotechnik-Bücher mit einer einfachen Methode dazu.

      Aber auch das ist noch nicht alles, was für die Loci-Methode notwendig ist. Wir müssen dann noch die Bilder mit den Orten verbinden, sie dort Ablegen, oder wie Mäntel an Haken aufhängen. Daher wird vor der Loci-Methode oft die Kettenmethode erklärt. Wer regelmäßig Schlag-den-Raab gesehen hat, kennt das schon: Wir denken uns Geschichten oder abstruse, ekelige oder sonst leicht zu merkende Bilder aus, die die Gegenstände verbinden, deren Reihenfolge wir uns merken wollen. So kann man natürlich auch die Bilder des letzten Absatz untereinander oder mit den Orten des Absatz davor verbinden.

      Um die Mnemotechnik sinnvoll anzuwenden muss man diese drei Dinge einüben und verbinden können. Damit kommt man schon sehr weit und kann später andere Techniken einbinden. Gleichzeitig sind es die wichtigsten Grundlagen zur Schaffung eines Gedächtnispalastes. Ich werde im nächsten Post mehr dazu erklären. In welcher Reihenfolge das gelernt werden sollte, hängt auch von der jeweiligen Person ab, daher werde ich versuchen das offen zu lassen und in drei getrennten Posts abzuhandeln.

      Bevor ich nun aber näher darauf eingehe, sollte der Abschnitt zu den Mnemotechnischen Mentalfaktoren gelesen werden. (Das "im Wikipedia-Artikel Mnemotechnik" lasse ich ab jetzt weg.) Diese sind auch für das normale Lernen wichtig und so mancher wird sie in der Schule haben lernen müssen. Ich setze sie im Folgenden als bekannt voraus. Ihre Berücksichtigung erleichtert und ermöglicht vieles.

      Zum Abschluss der Lektion wird es von Nutzen sein, den noch nicht bekannten Teil des Abschnitts Grundlagen der Mnemotechnik zu lesen.

      Eine Option, die ich dem Leser aber dringend ans Herz lege, ist, sich die 3 Stellen über die Mnemotechnik bei dem Auctor ad Herennium, Cicero und Quintilian durchzulesen. Es sind trotz der Bedeutung (und trotz der Bezeichnung Kapitel) jeweils nur wenige Seiten. Leider finde ich die im Netz nicht alle auf Deutsch. Hier also Englische Übersetzungen, wer will, kann sie natürlich auch auf Latein lesen:



      Wem das zuviel auf einmal ist, der sollte sich in kleineren Häppchen damit beschäftigen, denn der Versuch sich zu viel auf einmal zu merken ist meist zum Scheitern verurteilt. Und wer Fragen hat, der oder die frage.

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    • So, nach dem ganzen theoretischen Krams kommen wir nun zur Praxis. Den theroretischen Kram habe ich massiert an den Anfang gesetzt, um ihn jetzt beiseite zu lassen.

      Womit ich von den genannten Themen anfange, sagt mir gleich der Würfel.

      Das Ergebnis lautet: Die Kettenmethode.

      Stellen wir uns vor, wir Spielen das Kofferpackspiel "Ich packe meinen Koffer und nehme mit...". Ich gehe davon aus, dass ich das hier nicht näher erklären muss. Wenn es doch jemand nicht kennt, bitte fragen.

      Wir alle wissen, dass wir uns viel zu schnell nicht mehr korrekt an die mitgenommenen Gegenstände oder ihre Reihenfolge erinnern können. Hier können wir nun statt des einfachen Merkens die Kettenmethode einsetzen.

      Sagen wir CD, Zigarre, Butter, Buch, Zucker, Ketchup.

      Nun können wir das miteinander verbinden. Die moderne Variante besteht darin, sich eine Geschichte auszudenken, in der die Gegenstände in der richtigen Reihenfolge auftreten und Geschichten sind in der Tat einprägsamer als verkettete Bilder.

      "Neulich habe ich versucht eine CD vom Boden aufzunehmen, da ist mir doch die brennende Zigarre darauf gefallen und ich hatte nur die Butter (für den Tee) um sie zu ersticken, aber durch meine Ungeschicklichkeit landete auch der Zucker(für den Tee) darauf und ich war so gefrustet, dass ich aus Versehen vom Ketchup (statt vom Tee) trank."

      Hier ist natürlich wichtig, dass nichts in die Geschichte gerät, was stören könnte. Darum steht der Tee in Klammern. Er ist hier recht ungefährlich, da er öfter und recht stereotyp vorkommt. Was da machbar ist, ist für jeden unterschiedlich.

      Das ursprünglichere Verfahren wäre Bilder zu verwenden und sie zu verketten. Möglichst lebendige Bilder, vielleicht ein wenig bewegt wie die Bilder im Treppenhaus von Hogwarts bei Harry Potter. (Wer es hinbekommt kann sich auch Filmchen vorstellen.)

      Wir merken uns, mit einer CD beginnen zu müssen. Dann stellen wir uns eine CD vor, in der eine Zigarre steckt, hineingepropft, weil das Loch zu eng war, das Deckblatt entsprechend beschädigt und Tabakkrümel rieseln herab. Die brennende Zigarre ist mit Butter eingeschmiert, die natürlich ausgerechnet auf ein Buch herabtropft und auch die Tabakkrümel wie auch Zucker fallen darauf hinab. Letzterer, nunmehr durchmischt mit Tabakkrümeln und der Butter von der Zigarre, verdeckt immer mehr vom Buch, (wenn wir es uns als Film vorstellen). Da das noch nicht lecker genug ist, liegt auf dem Butter-Zuckerhügel noch ein guter Klecks Ketchup.

      Das kann man sich gut vor seinem Inneren Auge vorstellen. Sowohl Geschichten wie auch die Verknüpfung von Bildern erfordern Übung.

      Nun können wir nicht alle bei Fernsehshows teilnehmen, um Gegenstände in Regalen oder auf einem Fließband präsentiert zu bekommen. Und es findet sich auch nicht immer jemand für das Kofferpackspiel. Wir können z.B. ein Buch nehmen, es zufällig aufschlagen, mit geschlossenen Augen einen Finger auf eine zufällige Stelle fallen lassen und den nächsten Gegenstand nehmen, um damit zu üben.

      Die gute Nachricht ist, dass man schnell hineinkommt, wenn man keine unterdurchschnittliche Fantasie hat.

      Wer mein Bild betrachtet hat, wird feststellen, dass es eigentlich zwei Bilder sind:
      1- oben: CD, Zigarre, Butter
      2- unten: Butter, Buch, Zucker, Ketchup

      Damit das Bild nicht zu voll wird, muss man aufteilen. Auch Paare sind möglich:

      Eine CD, in die eine Zigarre gestopft wird, eine Zigarre auf der Butter schmilzt, ...

      Das hängt von Übung und individueller Fähigkeit ab. Für die Kettenmethode ist es aber wichtig, dass die Bilder verbunden bleiben.

      Eine einprägsame Geschichte ist einfacher, aber die Bilder sind eine gute Übung für andere Zwecke. Daher sollte der geneigte Leser beides üben.

      Durch die Bilder schaffen wir künstliche Assoziationen, die wie eine Kette zusammenhängen. Daher sprechen wir von Kettenmethode oder Assoziationskette.

      Nun muss ich noch darauf hinweisen, dass hier zwei Verbindungen auftreten. Die Verknüpfungen in den Bildern und die Verknüpfung von Bild zu Bild. Es ist durchaus wichtig, sich dies klar zu machen, wenn ich hier auch nicht wieder zu theoretisch werden will.

      Wäre es nicht toll, wenn wir und die Verknüpfung der Bilder untereinander sparen könnten und da schon etwas vorbereitet hätten? Ihr seid nicht so dumm, dass ihr es nicht schon erraten hättet: Da kommen die Loci-Routen ins Spiel. Aber zuvor muss ich noch im nächsten Post die Bebilderung thematisieren.

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    • Die Kettenmethode ist nichts bahnbrechendes und viele werden sie schon kennen. Bahnbrechendes kommt auch jetzt nicht, doch muss es thematisiert werden. Denn es ist schon etwas kniffliger.

      Die Aufbereitung der Erinnerungsinhalte.

      Der entsprechende Abschnitt bei Wikipedia ist noch sehr dünn. Da kann ich mich also nicht einfach zurücklehnen.

      Es geht darum, dass wir zwar nicht groß nachdenken müssen, wie eine CD, eine Zigarre oder Butter aussehen, wie wir sie uns vorstellen können. Namen, Gesichter, Vokabeln und Zahlen sind da schon schwieriger zu merken. Ich nenne diese Gruppen, weil viele an diesen Themen Interesse haben.

      • Namen und Gesichter können wir uns unter Ausnutzung von Besonderheiten merken. Herr Sauer beißt in eine Zitrone. Vielleicht sieht er auch so aus. Es ist süß, mit welchem Mut Frau Süssmuth die unbändigen Parlamentarier zu bändigen versuchte. Zudem ist gerade hier einfacher uns kleine Portionen vorzunehmen. Das haben die meisten von uns schon in der Schule gelernt.
      • Bei Vokabeln suchen wir nach klanglichen oder sogar etymologischen Ähnlichkeiten. Ein ähnliches Wort wird zum Schlüsselwort. Auch hier haben uns die Lehrer schon einiges erklärt und wir brauchen uns es in der Regel nur ins Gedächtnis zu rufen.
      • Zahlen sind nun schwerer zu behandeln und viele wissen nicht wie. Die Mnemotechnik bietet uns da u.a. die Zahl-Symbol-Methode und den Zahlencode nach Aimé Paris, auch Major-System genannt. Diese werde ich noch erklären.
      Aber andere Dinge scheinen uns ebenso schwierig umzusetzen, nur dass uns keine Lösungsvorschläge geboten werden. Die Anordnung von Ländern, das Aussehen von Flaggen und Schriftzeichen seien genannt. Zum einen Helfen Erfahrung und Übung, zum anderen muss man sich eine Art der Kodierung einfallen lassen. Ein Raster, mit dessen Feldern wir mit der Kettenmethode der Reihe nach die Ländernamen verbinden, die in dem Feld liegen. Vieles, aber lange nicht alles ist da vorgedacht. Und jedem fallen unterschiedliche Themenfelder schwer oder leicht. Es würde hier zu weit führen, eine Reihe an Lösungen aufzuzählen.

      Zu den Tipps gehört, sich anhand der Mnemotechnischen Mentalfaktoren zu überlegen, was funktionieren könnte oder wie bei Namen und Gesichtern Besonderheiten zu suchen. Im Grunde hilft aber nur, ein Thema in Angriff zu nehmen. Einfach mal versuchen, die genannten Themen in eine geeignete Kodierung oder ein geeignetes Bild zu bringen. Zunächst vielleicht an einfachen Themen üben: Die Anordnung der Bundesländer auf einer Karte oder ganz frühe sumerische Schriftzeichen, die noch möglichst naturalistisch sind.

      An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass viele gut funktionierende Bilder sehr persönlich sind und Vorsicht geboten ist, welche mitgeteilt werden. Zur Diskussion sollte man harmlosere Bilder nehmen.

      Eine besondere Funktion haben mnemonische Behandlungen von Ziffern und Alphabet. Zum einen können sie zum Merken von Zahlen, Abkürzungen und Ähnlichem genutzt werden, aber sie haben wegen ihrer feststehenden Reihenfolge auch eine Ordnungsfunktion, wodurch sie besonders nützlich sind. Dadurch sind sie von besonderer Wichtigkeit für uns. Ich werde also zwei Methoden zum Zahlenmerken vorstellen.

      Für das Alphabet zeige ich nur zur Auflockerung eine Abbildung des mnemonischen Alphabet des Robert Fludd von 1619:

      [IMG:https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2d/Fotothek_df_tg_0006517_Theosophie_%5E_Philosophie_%5E_Judentum_%5E_Kabbala_%5E_Mnemotechnik_%5E_Alphabet.jpg]

      Zunächst das Zahl-Symbol-System:

      Die Methode ist unter dem gezeigten mnemonischen Alphabet abgebildet: Es wird für jede Ziffer von 0 bis 9 ein Symbol gesucht, dass von der Form her an die Zahl erinnert. Sucht man sich für jede Zahl ein kleines, ein mittleres und ein großes Symbol hat man eine Reihe von 30 Symbolen. Die kleinen Symbole mögen die Einer darstellen, die mittleren Zehner, die großen Hunderter. Oder sie symbolisieren die Zahlen von 0 bis 29. Oder sie stehen einfach nebeneinander, um Auswahl zu haben, wenn einmal kein Einfall für eine Verknüpfung kommt. Die Symbole selbst zu suchen, macht es einfacher sie sich zu merken. Und auch die Verwendung mag von der Persönlichkeit abhängen.

      Zumindest eine Reihe sollte sich jeder zulegen, drei Reihen, eine von kleinen, eine von mittleren und eine von großen Symbolen sind zwar nützlich, aber nicht notwendig, da es das wesentlich mächtigere Major-System gibt.

      Wer zeichnen kann, ist hier klar im Vorteil, denn er wird sich die Symbole so zeichnen, dass sie aus den Zahlen hervorzugehen scheinen und es sich so leichter merken können. Andere werden sich die gewählten Symbole zumindest notieren, um Irrtümer korrigieren zu können. Irrtümer in dem Sinne, dass ein Symbol, dass man sich nicht gut merken kann, ein falsches Symbol für diesen Zweck ist und ersetzt werden sollte. Zudem gilt auch für die Mnemotechnik, dass nur die Wiederholung zum Erfolg führt. Allerdings ist der Erfolg hier leichter zu erreichen.

      Da díe fleissigen Leser nun hoffentlich eigene Symbole suchen, werde ich das Major-System im nächsten Post erläutern.

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    • Und nun zum Zifferncode nach Aimé Paris oder Major-System, heute der wichtigsten Mnemotechnik:

      Zahlencodes gab es schon länger, Aimé Paris nahm allerdings die entscheidenden Veränderungen vor, weshalb man in Kontinentaleuropa von dem Zifferncode nach Aimé Paris spricht oder sprach. Denn seit den 80er Jahren schwappt aus England die Bezeichnung Major-System zu uns herüber, die dort verwendet wird, weil ein polnischer Major Beniowski, der einen Kurs bei Aimé Paris besucht hatte, den Code dort verbreitete. Von einigen Unwissenden wurde das Major als lateinischer Ausdruck für Überlegenheit missverstanden und als Master-System falsch rückübersetzt. Diese Ausdrücke bezeichnen also ein und dasselbe. Es scheint mittlerweile Erfolge dabei zu geben, den falschen Ausdruck Master-System zu bekämpfen, er sollte also weniger oft auftauchen.

      Hinter dem Zifferncode steckt die Überlegung, dass es doch gut wäre Zahlen in Buchstaben umzuwandeln, um sie in Wörtern verpackt leichter merken zu können. Dabei wäre es zu begrüßen, wenn die Verwandlung in beide Richtungen eindeutig funktioniert. Schließlich wäre es eine willkommen Erleichterung, wenn wir die Rechtschreibung außen vor lassen und staatliche Regelungen ignorieren könnten. Also Laute statt Buchstaben. Eine solche Anlegung des Codes hat noch mehr Vorteile, die zu erklären hier zu weit führte. Jedenfalls wurde der Zahlencode bis heute nicht mehr entscheidend verändert und nur bei eng umrissenen Spezialgebieten ersetzt, wobei sich oft fragt, ob dies überhaupt wirklich sinnvoll ist.

      Wie sieht der Code nun aus?
      ZifferLautMerkhilfe
      0s, z, ss, ß, tzenglisch: zero
      1t, dhaben einen Strich nach unten.
      2nhat zwei Striche nach unten.
      3mhat drei Striche nach unten.
      4rVier endet auf r.
      5lL ist das römische Zeichen für 50.
      6ch, j, sch, g (weich; dj)j handgeschrieben sieht einer 6 ähnlich.
      7k, g (hart), c (hart)Beim k lehnt sich eine gespiegelte 7 gegen eine Mauer.
      8f, v, w, phV8-Motor
      9p, bp und b sind eine gespiegelte, bzw. gedrehte 9.

      Es ist immer zu bedenken, dass Laute und nicht Buchstaben gemeint sind. Das H und die Vokale werden einfach ignoriert.

      Dadurch werden Wörter zu Zahlen: Weltenbastler = 851290154. Diese Zahl zu merken käme uns sauer an, das Wort wäre wesentlich einfacher und könnte gut in eine Geschichte oder ein Bild eingebaut werden. Weil es nicht um Buchstaben geht, wäre Affe = 8 und man sollte wissen, ob für einen selbst Stein = 612 oder Stein = 012. Aimé Paris hat den Zahlencode 1825 vorgelegt. Das könnte geschehen sein, um einem 'tauben Leu' zu helfen.

      Für die Zwecke diesen Threads reicht dies hierzu im Grunde aus. Doch aufgrund der hohen Nützlichkeit sei noch etwas mehr erklärt:

      1- Es hat sich für die folgenden Zwecke als nützlich erwiesen, sich auf die ersten beiden Konsonanten eines Substantivs zu beschränken. Bastler also nur = 90.
      2- Es hat sich als nützlich erwiesen, sich hundert Begriffe für die Zahlen von 0 bis 100 vorzubereiten und zu lernen.
      3- Dies kann auch als Ordnungsinstrument genutzt werden, indem mit jedem dieser Begriffe Lerninhalte verknüpft werden, die dann geordnet vorliegen. Sie hängen gleichsam an den Haken einer Garderobe, weshalb man so eine Liste auch 100-Garderobe nennt.
      4- Es gibt Leute, die gleich Richtung 1000-Garderobe gehen, dann aber natürlich 3 Konsonanten in jedem Substantiv brauchen.
      5- Besser ist es drei 100-Garderoben zu lernen. Damit kommt man mit 1/3 Aufwand bis 999.999. Um mit 1000-Garderoben dahinzukommen, benötigt man 2 und somit den 6fachen Aufwand.
      6- Hat man eine Garderobe mit Personen, eine mit Objekten und eine mit Tätigkeiten, dann kann das schöne Bild, wie Merkel eine Straße entlang hüpft zu 342181 werden. Dabei sollte man eine bestimmte Wortstellung zugrunde legen. Beim englischen Subjekt, Prädikat, Objekt, käme die Zahl 348121 heraus. Bei den Verben sollte man wegen geben, gab, gegeben und ähnlichen Möglichkeiten besser immer den Infinitiv betrachten.
      7- Es ist besser auch bei einstelligen Zahlen zweistellig zu bleiben: Sofa statt Ufo für 8 und Sissi statt See für 0.

      Und immer bedenken: Es geht um die Laute: Ski ist 6, nicht 07!
      Ein -nicht allzu elaboriertes- Beispiel für eine 100er Garderobe findet sich im Wikipedia-Artikel Major-System. Besser ist es, selbst eine Garderobe zu entwerfen. Das erleichtert das Lernen, für dass man selbstverständlich die Loci-Methode mit Geschichten benutzen kann, die immer Zehn Begriffe zusammenfassen.

      Aber vor einer solchen Steigerung sollte das ausgedachte Zahl-Symbol-System sicher sitzen und auch der Zahlencode gelernt sein und nicht zuletzt die Loci-Methode und Römische Räume anwendbar sein. Übertreiben braucht man nicht, die Anwendung wird durch die Anwendung selbst mit der Zeit flüssig. Um schon mal mit Garderoben zu üben bietet sich eine einstellige Zehnergarderobe an, z.B.:

      0- See
      1- Tee
      2- Noah
      3- Mao
      4- Reh
      5- Leu
      6- Ski
      7- Kuh
      8- Fee
      9- Boa

      (Eine andere einstellige Zehnergarderobe könnte den Konsonanten in der Mitte haben: Oma statt Mao, Affe statt Fee.)

      WARNUNG: Wie das Weltenbasteln soll auch das Entwerfen von 100er Garderoben zur Sucht werden können.

      Zur Bedeutung dürfte interessant sein, die Abschnitte 1804 - Neubeginn der Mnemotechnik und Zeitalter des Nationalismus - Zahlen, Ideen, Geschichten im Wikipedia-Artikel Mnemotechnik sowie den Geschichtlichen Hintergrund im Artikel zum Major-System zu lesen.

      Da es schon spät ist und das bisher Geschriebene die, die es bisher noch nicht kannten, einige Tage beschäftigen wird, kommen die Erläuterung zur Routenwahl und zur Anwendung des Erläuterten in der Loci-Methode erst später.

      Es wäre nett, zu erfahren, ob ich unverständlich oder etwa zu leicht schreibe.

      EDIT: Ich habe gerade festgestellt, dass ich mal wieder Zahlencode statt Zifferncode geschrieben habe. Diesen Fehler werde ich seit der Schulzeit nicht los.

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    • Jetzt ist es zwar nicht später, sondern früher, aber weiter geht's.

      Bei der Loci-Methode verknüpft man die Repräsentationen der Lerninhalte, also etwa Bilder, Geschichten oder Zifferncode mit Orten auf einer Route. Dazu fehlt uns noch die Route.

      Um an Routen zu kommen, gibt es verschiedene Ansätze, die sich auch kombinieren lassen und nach individueller Vorliebe zu wählen sind. Da bringen nach meiner Erfahrung Diskussionen, welches die beste Route ist, nichts. Einem erfahrenen Autor oder Weltenbastler wird eine fiktive Route näher liegen, ein Architekt hingegen wird reale Häuser, Plätze, Städte bevorzugen.

      Was können wir also als Route nehmen?

      • Ich hatte dazu aufgefordert, sich eine, zwei oder drei Reihen an Zahlsymbolen auszudenken. Das sind, da durch Zahlen geordnet schon eine oder mehrere Routen.
      • Auch Garderoben können als Routen und nicht nur als Reservoir, um schneller Bilder für Zahlen zu finden, genutzt werden.
      • Klassisch ist aber sich eine Route in der Realität zu suchen:
        • Simonides ursprüngliche Route war nur ein Saal, in dem die Gäste eines Festes auf Liegen lagen. Die Anordnung dieser Liegen folgte festen Regeln, so dass, was für uns eintönig und schwer zu unterscheiden ist, für einen Griechen oder Römer wesentlich leichter war. Jeder kennt einen Raum und kann sich darin markante Punkte suchen, die er im Geist immer in der gleichen Reihenfolge abgeht. Beispiel: Wir betreten einen Raum durch die Tür, die gleich der erste Punkt sein kann, aber auch nur Informationen über den Raum bereithalten kann. Sagen wir, es ist eine Jagdhütte. Links steht neben der Tür in der Ecke ein Kohleofen aus den 50er Jahren, der zweite Ort. Dann kommen ein gedeckter (oder freier) Kaffee- oder Essenstisch, Ein Waffenschrank, ein Schreibtisch mit einem Fenster darüber, die aber dann zusammen einen Punkt bilden sollten oder von denen nur ein Gegenstand genommen wird, Jagdtrophäen und ein Sofa. Ich denke, das Prinzip ist klar.
        • Statt nur eines Raumes kann natürlich auch der Weg durch ein Haus genommen werden.
        • Auch Gärten, Parks und Plätze eignen sich.
        • Viele beginnen mit dem Weg zur Arbeit oder der Strecke des Sonntagsspaziergangs.
        • Schließlich kann man sich ganze Paläste, Dörfer und Städte als umfangreiche Routen vorstellen.
      • Das kann natürlich auch alles fiktiv vor dem geistigen Auge entworfen werden.
      • Und wir können die Fiktion anderer Nutzen: Die Stationen eines Films oder eines Romans, solange wir es uns vor dem geistigen Auge vorstellen können. Der Hobbit oder Der Herr der Ringe oder Karl May eignen sich da gut, weil Orte durch Reisestrecken voneinander getrennt und durch die Handlung in der Reihenfolge festgelegt sind.
      • Computerspiele habe ich schon in einem der Vorposts erwähnt. Wer in dem ursprünglichen Spiel Drakensang 100 mal durch Avestreu oder Ferdok gelaufen ist, der sollte schon eine Route vorrätig haben.
      • Unseren Welten spendiere ich mal einen Extra-Punkt. Als Route sollte aber -erstmal- nicht einfach die ganze Welt dienen, sondern diese Routen sollten ausgewählt werden. Ruhig mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass man das später anders gestalten will und sie sich erst einmal aus abgelegeneren Ecken der Welt sucht.
      • Dann kennen wir alle natürlich schon Routen, die mit bekannten Gegenständen zu tun haben. Hände, Kopf und so weiter eignen sich für eine Körperroute. Ein Gemälde, dass wir gut kennen, muss auch nicht verschmäht werden. Ich bin sicher, jedem fällt mehr hierzu ein.


      Dabei sind aber ein paar Punkte zu beachten:
      • Die Orte sollten gut unterschieden werden können. Ab und an liest man Tipps, sie sollten 3 Fuß, 3 Meter oder gar 30 Meter auseinander liegen. Das ist Quatsch, denn es kommt auf die Route an, darauf wie einprägsam die Orte sind und wieder einmal auf die individuelle Wahrnehmung. Es kommt darauf an, dass die Orte im Geist nicht miteinander verschmelzen, sondern einfach zu unterscheiden sind.
      • Man sollte sich Routen bestimmter Längen vorbereiten. Schon eine Route mit 10 Orten kann nützlich sein, wird wohl aber nicht gewählt, um sich etwas dauerhaft zu merken. 20 Orte reichen für die meisten Einkaufszettel, da man Orte auch mehrfach belegen kann, wenn man erst mal etwas geübt ist. Die Fähigkeit dazu ist aber individuell verschieden. 50 oder 100 Orte auf einer Route sind dann schon umfangreicher. Für welche Größenordnungen man sich entscheidet, kann individuell sein, aber für den Alltag sollte man bei 3 oder 4 unterschiedlichen Größen bleiben. Für besondere Zwecke, wenn Routen langfristig belegt werden sollen, kann natürlich abgewichen werden. Wenn man neben ein paar 10er Routen kleinere, mittlere und große Routen hat, hilft das, auf die Dauer die Übersicht zu behalten. Das dürfte allerdings ein Tipp sein, mit dem Anfänger zunächst nicht viel anfangen können.
      • Die Routen sind vorzubereiten. Es sind nur die Orte zu beachten, an denen die Lerninhalte abgelegt werden sollen. Schleicht sich ein Ort immer wieder ein, obwohl wir ihn nicht wollen, sollten wir vor ihm kapitulieren und froh sein, dass er so gut verankert ist. Und natürlich sollte die Reihenfolge feststehen.
      Kommen wir zur Aufgabe dieser Lektion. Wie zu erwarten, sollte sich jeder Routen zulegen. Mit der Zeit kann das zu einer Sucht werden und ist die Vorstufe dazu, dass man von dem Erstellen von 100-Garderoben nicht mehr loskommt.

      Zusätzlich zu den Zahlensymbolen (und evt. einer Garderobe) empfehle ich mit einer 10er-Route zu beginnen, aber dann vielleicht schon eine 20er-Route zu entwerfen. Das ist ganz leicht. Versprochen. Man muss sie nur im Geiste wiederholt abgehen, um sie im Gedächtnis zu behalten. Wenn Ihr Euch gut bekannte Orte vornehmt, müsst ihr Euch nur die Reihenfolge merken.

      Wie bei dem Zahlen-Symbol-System und den Garderoben ist es, besonders am Anfang, hilfreich, eine Route aufzuschreiben. Das hilft, Fehler zu entdecken.


      Und wenn eine Route vorliegt, können wir sie benutzen, indem wir die Lerninhalte mit den einzelnen Orten verknüpfen. Das ist dann die Loci-Methode. Diese Kombination der bisher erklärten Techniken sollte jetzt recht einfach sein. Ich empfehle ab jetzt den Einkaufszettel so zu merken, um Übung zu bekommen. Wenn man weiß, dass man Informationen nicht mehr braucht, werden die Orte oder Haken nach einigen Tagen wieder frei. Das muss nicht für Dinge gelten, die dort lange aufbewahrt waren. Und das ist individuell unterschiedlich. Wer es noch nicht schafft, Haken mehrfach zu belegen, der sollte dann einfach zwei oder drei Routen für Einkaufszettel haben.

      Es gibt zum Vergessen auch aktive Methoden: Man zerstört einen solchen Inhalt vor seinem geistigen Auge. Dabei sollte der Haken/Ort heil bleiben. Oder man verändert den Inhalt einfach, lässt ihn eine Metamorphose durchlaufen und nutzt ihn für den neuen Inhalt. Da kann ich wenig Tipps geben, bei mir ist das in der Regel kein Problem.

      Das ist alles nicht schwer und braucht nur etwas Übung. Meist wird empfohlen, sich jeden Tag 10 Minuten Zeit zu nehmen, um mit Mnemotechniken umzugehen, bis man es gelernt hat. Wer sagt, er habe diese Zeit nicht, soll es sein lassen, denn so jemand landet sowieso über kurz oder lang im Sanatorium und ich möchte das nicht beschleunigen. Scherz beiseite: Schon nach einer Woche sollte damit Zeit gespart werden. Keine Einkaufszettel mehr schreiben, statt Notizblock eine Route nutzen, weniger nachlesen, etc. pp.

      Nun ging es in dem Thread nicht um Routen, sondern um die Verbindung von Gedächtnispalast zum Weltenbau. Bevor ich erkläre, was ein Gedächtnispalast ist, muss ich noch eine Technik erklären: Römische Räume. Und dann werde ich noch schauen, ob ich einen Post mit ein paar Übungen einschieben kann.

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    • So, bevor ich zu den Römischen Räumen komme noch eine Bemerkung. Ich nutze hier traditionelle Begriffe und schildere es nicht ganz so wie es modern wäre. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass ich nicht zu kompliziert werden möchte. Es hat auch damit zu tun, dass dann ganz einfach sehr viel mehr zu erklären wäre. Jemand, der sich im Thema auskennt, mag sich z.B. darüber wundern, dass ich Geschichten bei der Kettenmethode erwähnt habe, aber die ähnliche Funktion und die Entwicklungsgeschichte lässt es gerechtfertigt erscheinen. Zudem ist das keine umfassende Einführung in die Mnemotechnik, sondern zielt auf die Erklärung des Gedächtnispalastes ab. Es muss aber auch niemand fürchten, etwas zu verpassen oder etwas erklärt zu bekommen, was heute unnütz ist. Es gibt für alles eine Nische und oft geht es nur um Terminologie und theoretische Erklärungen. (Wer es genauer wissen will, kann hierfür zu dem oben genannten Ulrich Voigt, Esels Welt greifen.)

      Römische Räume:

      Blicken wir noch einmal auf Simonides von Keos. Er steht im Festsaal und um ihn sind die Liegen angeordnet. Es ist natürlich schön diese Örter in einer Reihenfolge zu haben, aber nicht immer notwendig und mitunter kommt man besser ohne Reihenfolge zurecht. In der Regel wissen wir, was für uns zu einem Raum gehört. Bad: Badewanne, Dusche, Waschbecken, Klo, Hängeschränkchen, Fenster. Das müssen wir nicht nummerieren. Also können wir mit diesen Dingen unsere Bilder verbinden. Da man Haken mehrfach belegen kann, kann man am Eingang eine Zahl postieren, ihn uns als Tunnel vorstellen, um auf die Zahl 12 zu verweisen etwa. Das eignet sich z.B. gut, um sich Personen zu merken. Die Gefährten aus dem Herrn der Ringe, die Zwerge aus dem Hobbit, die 7 Zwerge von Schneewittchen, Könige, Bundeskanzler, Bandmitglieder ...

      Wenn nun die Personen sicher vorhanden sind, kann man sie auch als Haken nutzen. An die Kanzler die Regierungszeiten und andere Daten hängen. Dafür eignen sich Geschichten oder die Kettenmethode. Wenn es nur Zwergennamen sind, zu denen wir uns keine weiteren Informationen merken wollen, dann können wir sie für andere Informationen nutzen. Und wenn wir Personen schon 'drauf' haben, können wir ihnen einfach einen Aufenthaltsraum schaffen. Den Wachraum der Französischen Musketiergarde. Die 4 Musketier, Herr von Tréville und vielleicht Constance machte schon 6. Nicht viel, aber 6 Personen, die uns keine Mühe kosten. Wer das Buch gelesen und nicht nur den Film gelesen hat, sollte die Gefährten aus dem Herrn der Ringe kennen. Lassen wir sie im Gastraum vom Tänzelnden Pony in Bree mit dem Wirt Butterblume -wo sie zusammen gar nicht hingekommen sind-, haben wir schon 10 Haken.

      Diese beiden Sachen muss jeder nur mal ausprobieren, um sie zu lernen. Wie schon gesagt, hilft am Anfang oft das Aufschreiben bei solchen Konstruktionen.

      Markierung von Aspekten:

      Und wir können hier eine freiere Ordnung hinzufügen, als nur die Reihenfolge oder eine Nummerierung. Eine Farbe oder ein Hut könnte eine Bedeutung haben, auf das Geschlecht einer Vokabel hinweisen etwa. Natürlich kann so etwas auch bei einer Route eingebaut werden. Jeder 5. Ort könnte eine Laterne, eine Lampe, ein Licht bekommen. Oder eine Person könnte mehrere Routenpunkte betreuen. Zu Letzterem ist natürlich eine einsichtige Gruppierung notwendig. Eine Route kann durch mehrere Räume führen, im Flur steht Rambo, im Wohnzimmer Marilyn Monroe, im Arbeitszimmer Edmund Stoiber. Personen können viel mehr Informationen mitbringen als nur einen Aspekt. Schaut euch mal die Farbcodierung von elektrischen Widerständen an. Auch damit lassen sich Zahlen hineinbringen.

      Räume selbst können eine bestimmte Beschaffenheit haben, etwa ein besonderes Merkmal der Decke. Oder eine besondere Person. Archimedes könnte helfen, die einfachen Maschinen zu erklären.

      Damit lässt sich eine Menge anstellen und Römische Räume sowie Routen werden wesentlich nützlicher.

      Ich erkläre es an dieser Stelle, wo es hineinpasst. Wann jemand so weit ist, so etwas einfach mal auszuprobieren, wird jeder anders beurteilen.

      Da wir schon beim Thema sind, will ich auch gleich noch zum möglichen Ausbau von Routen etwas sagen:

      Ausbau von Routen:

      Natürlich kann in einer Route eine Tür sein, hinter der sich ein Römischer Raum oder eine weitere Route verbirgt. Auch Abzweigungen sind so möglich. Wenn man es gut genug beherrscht natürlich auch Abkürzungen und alternative Routen. Also nicht wie alternative Fakten, sondern nur eine Parallele Route, auf der man anderes findet und die wieder auf der Hauptroute endet.

      Doch bevor man damit beginnt, sollte man die Route auch rückwärts bereisen. Kennt man sie gut genug, kann man auch freier damit umgehen und sich schließlich freier Bewegen, wie in einer realen Stadt. Nicht für alle Routen wird das gehen, in Sackgassen, vielen Räumen und wenig besuchten Teilen muss man sich an die Reihenfolge halten. Und wie alles Wissen, sollte man die Routenpunkte ab und an in der richtigen Reihenfolge besuchen. Wer sich nun schon in einem Gedächtnispalast wähnt, den muss ich leider enttäuschen, da fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, aber nicht viel. Hier liegt fiel davon begründet, dass ich behaupte, dass man einen Gedächtnispalast nicht erklären, sondern nur erfahren kann. Denn bei jedem funktioniert es etwas anders und in jedem Fall kommt man nur im Laufe der Zeit durch den Ausbau und das regelmäßige Beschreiten der Gedächtnisarchitektur soweit. Da aber das Merken das Ziel ist und diese Tätigkeiten dafür notwendig, bedeutet es bis hierhin keinen zusätzlichen Aufwand. Man kann es beschleunigen, indem man sich intensiver damit beschäftigt, oder geduldig warten bis es so weit ist.

      Dazu gehört auch eine gewisse Komplexität, denn so umfangreicher unser Wissen auf einem bestimmten Gebiet ist, um so einfacher fällt uns das Merken und auch das Erinnern. (Hier sei kurz angemerkt, dass es verschiedene Formen der Erinnerung gibt und auch Tipps, wie man Erinnerungen findet, die man nicht vorfindet. Aber das führte hier zu weit.)

      Ein aktiver Weltenbauer hat es leichter, weil er schon viel, was er nutzen kann, fertig hat. Funktioniert es dann, hilft es auch beim Basteln.

      Doch dazu in einem kommenden Post.

      Zunächst hatte ich Übungen versprochen und danach muss ich endlich benennen, was für mich einen Gedächtnispalast ausmacht. Hieraus ergeben sich dann schon Synergieeffekte jenseits des Merkens durch die Mnemotechnik und dem zu Verfügungstellen von Routen und Räumen durch das Weltenbasteln.

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    • Ich bin beeindruckt, wieviel Energie du da gerade reinsteckst, Riothamus. :thumbup:

      Wann immer ich in den letzten Jahren von Gedächtnispalästen gehört habe, hatte ich das Gefühl, das sei für mich ein völlig unerreichbar fernes Ziel; außerdem weiß ich nicht so recht, was ich speichern wollen würde. Ich hab ein bisschen drüber nachgedacht, während ich deine Erläuterungen gelesen habe:

      - Ich glaube, es fällt mir extrem schwer, eine rein geistige Übung zu machen, d.h. z.B. im Kopf Räume und Örter durchzugehen. Da würde ich sofort abgelenkt. (Hab vermutlich ADHS...)
      - Was aber gehen würde, ist alles, wo ich schreiben kann. D.h. ich würde einfach meine komplette Übung immer schriftlich machen. Also auch die repetitiven Sachen - mehrmals schreiben. Hast du dazu irgendeine Idee, rätst du mir ab?
      - Was ich speichern würde, ist mir nicht so wirklich klar. Die Dinge, wo ich mich am meisten drüber ärgere, dass ich sie vergesse, sind komplexe Zusammenhänge... oder theoretische Gebilde.

      - Ich hab eine tiefe Abneigung gegenüber "Eselsbrücken"... die kommt daher, dass mir die meistens nicht gefallen, und mir viel zu oft andere Leute ihre Eselsbrücken aufdrängen wollten. Ich möchte mir Dinge eigentlich immer gerne möglichst abstrakt merken, vllt räumlich, aber eben nicht mit albernen Assoziationen... Sprich, ich weiß nicht so recht, wie ich mir z.B. Namen oder Begriffe merken wollen würde. (Den Netzplan der Wiener Linien konnte ich mal auswendig, aber es war nicht dauerhaft gelernt, ich habs schon wieder vergessen. Ebenso die Hauptstädte aller afrikanischen Staaten - kein bleibendes Wissen leider.) Halt eher abstrakter, aber auch nicht Buchstabe-für-Buchstabe, das wäre wohl ineffizient.

      Naja, ich bin jedenfalls mal gespannt, was noch kommt. Keep up the good work. ;)

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • Danke, aber ich habe mir ja genug Zeit gelassen, Anlauf zu nehmen. Und ich erkläre es nicht zum ersten Mal.

      Deine Probleme zeigen es wieder mal: Jeder ist in dieser Hinsicht anders. Ich werde dazu noch etwas ausführlicher schreiben, aber da muss ich mir erst etwas Praktikables ausdenken.

      Allerdings kann ohne Assoziationen auch unabhängig von der Mnemotechnik nicht gelernt werden. Denn die Assoziationen sind es, die uns das Wissen wieder hervorholen lassen. Womit Du nichts anfangen kannst, dürften künstliche Assoziationen sein. Das ist eine gute Nachricht, denn dass heißt, dass Du nur herausfinden musst, was bei Dir funktioniert. Und das ist auch der Trick an der Mnemotechnik: Jeder muss herausfinden, wie es bei ihm funktioniert. Wer nicht davor zurückschreckt, ist in der Regel auch erfolgreich.

      Das mit dem Schreiben sollte eigentlich funktionieren. Nur musst Du das natürlich auch mal ohne Schreiben kontrollieren, damit Du auch ohne Schreiben auf die Informationen zurückgreifen kannst. Denn es kann natürlich sein, dass das Schreiben dann mit zum Reiz, zur Assoziation gehört, die das gewünschte Wissen hervorbringt. Wenn Dich das nicht stört, hört es sich für mich, wie gesagt, absolut praktikabel an. Ich weiß von einigen, die sich ihre Bilder und Routen immer notieren und dann sogar mit den Notizen überprüfen, ob sie alles richtig behalten haben. Vom Schreiben bei der Wiederholung habe ich noch nichts gehört. Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran.

      Und was man in ein Modell fassen kann, kann man auch mnemotechnisch bearbeiten. Doch gilt es nur als effektiv bei Faktenwissen, während Verstehenswissen natürlich besser durch Verstehen zu merken ist. Ein wissenschaftliches Modell, so sehr es nach Verstehenswissen aussehen mag, ist aber eigentlich schon Mnemotechnik.

      Wie gesagt, ich muss noch darüber nachdenken, um konkreter zu werden.

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    • So, die angekündigten und schon vor Wochen geforderten Übungen. In den bisherigen Posts sind ja schon Aufgaben gestellt worden. Ein Teil der folgenden Übungen ist daher kniffliger.

      Kettenmethode und Verbildern:
      Wie Jundurg richtig festgestellt hat, sind theoretische Begriffe schwer zu verbildern. Es dürfte also klug sein, dass zu üben. Bei den Beitrittsverhandlungen zur EU ist regelmäßig von Kapiteln die Rede. Das sind Themen, die festgelegt sind und immer gleich bleiben. Und Wikipedia listet sie uns netterweise hier auf. Die einzelnen Kapiteltitel sollen verbildert werden und die Bilder miteinander verkettet. Wenn ich mehr als eine Übung mit den Themen vorhätte, würde ich sie anders behandeln, aber das ist schon eine schwierige Übung, denn an das Finden der richtigen Bilder oder Codes müssen wir uns erst gewöhnen und bei unterschiedlichen Dingen unterschiedliche Methoden finden.

      Geschichten:
      Gewohnter dürfte es schon sein, die Bilder in eine Geschichte einzufügen. Statt der Beitrittskapitel bietet sich hier vielleicht eine der Listen an, in denen die Themen genannt werden, die der Bastler bebasteln soll, um seine Welt möglichst vollständig zu beschreiben. Auch solche Begriffe sollten ähnlich schwer zu verbildern sein. Eine so wichtige und öfter benutzte Geschichte muss dann nicht in eine Gedächtnis-Geographie eingefügt werden, da sie uns natürlich vor Augen steht. Aber wer Ordnung mag, mag es trotzdem irgendwann tun. er mit den einzelnen Punkten mehr verbinden möchte, wird vielleicht jedem Thema einen Raum gönnen und die Räume mit einer Route verbinden. Aber hier ist es eine Übung zu Geschichten. Eine solche Geschichte wird nicht einfach unnütz. Als zusätzliche Absicherung mag uns ein Führer im Gedächtnispalast-Flügel für Weltenbau, etwa Tolkien oder welches Vorbild man sich besser vorstellen kann, am Eingang erzählen. Je mehr Verbindungen es gibt, je besser halten Erinnerungen im Gedächtnis fest. Die Anlage einer solchen Route und solcher Räume kann natürlich eine weitere Aufgabe sein.

      Zahl-Symbol-System:
      Aufgrund des Major-Systems wird es kaum als Verbilderung von Zahlen genutzt werden. Aber als Garderobe oder um Aspekte zu markieren kann es hilfreich sein. Zudem ist es eine gute Übung zur Verbilderung. Daher empfehle ich nochmal zumindest eines zu erstellen. Aber so ähnlich ist es auch mit anderen Symbolen. Männlich-Weiblich-Sächlich oder zur Übung doch das Alphabet. Monate, Dienstgrade, Qualitätsstufen, Anbaugebiete, Typen. Solange der Mnemotechniker die Reihenfolge gut genug kennt, kann man so etwas ähnlich nutzen. Jeder hat da unterschiedliche Kenntnisse. Ein paar dieser Abfolgen zu verbildern ist natürlich eine gute Übung, die auch Nutzen bringen kann. Aber wer einfach einsteigen will, der entwerfe drei Reihen für die Zahl-Symbol-Methode: eine mit kleinen Symbolen, eine mit mittleren Symbolen und eine mit großen Symbolen. Damit hat er/sie dann auch das Thema ausgereizt. Nur, welche Anwendung für ihn/sie damit gut funktionieren, muss noch ausprobiert werden. Zu anderen Themen kann danach geschritten werden.

      Routen für Übungen und andere Zwecke:
      Ich habe eine Route, die ich nur für Übungen nutze. Das hat den Vorteil, dass andere Routen davon nicht belastet werden. Statt zu sagen, baut Euch ein paar Routen auf, sage ich dazu: Es kann helfen eine Route für Einkaufslisten, ein oder ein paar für Übungen, andere für länger zu Merkendes zu haben. Das sollte meiner Ansicht nach schon am Anfang berücksichtigt werden. Das kann nämlich Umbaumaßnahmen, bzw. Umbelegungen ersparen. Weltenbastlern muss ich das nicht näher erläutern. Eine Zehnerroute, eine Zwanzigerroute und eine längere Route können es für Übungszwecke schon sein.

      So, da mir schon die Augen zu fallen, mache ich morgen damit weiter. Dann wird es interessanter.

      EDIT: Ausgeschlafen habe ich hier im Post Einiges geändert und hinzugefügt. In den Vorposts habe ich kleinere Fehler beseitigt und einige Stellen einfacher oder eindeutiger formuliert. Vielleicht werde ich später nochmal alles ein wenig überarbeiten.

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    • Übungen, der interessantere Teil - oder vielmehr der erste der interessanteren Teile:

      Römische Räume I
      Diese Übung hat vier Teile. Wie sie für eine erdachte Welt genutzt werden kann, dürfte recht offensichtlich sein, schließlich geht es um einen Roman.

      A Die drei Musketiere
      Die hatte ich ja schon erwähnt. Ein Aufenthaltsraum wäre nett. Und darin halten sich Aramis, Athos, Porthos, d'Artagnan, Constance, Tréville, König und Königen, der Kardinal Richelieu und für den, der die späteren Romane einbinde will auch Mazarin, Lady de Winter und Rochefort auf. Und weitere damit verbundene Personen wie weit das geht, ist wohl bei jedem anders. So sie wie die Kardinäle, König und Königin auch historisch von gewisser Bedeutung sind, kann man sie auch nur mit der Funktionsbezeichnung, z.B. der Kardinal, oder der jüngere Kardinal hier herumlaufen lassen, um sich das Merken der Historischen Person zu erleichtern. (In so einem Raum wäre dann natürlich auch einmal Platz, Richelieu so darzustellen, wie ihn uns Hollywood erstaunlicherweise noch nie gezeigt hat.) Zu den Dienern kommen wir im zweiten Teil der Übung.

      Der Raum kann ruhig ein wenig ausgestattet werden. Es sollte aber davon ausgegangen werden, dass es auch in königlichen Palästen im 17. Jahrhundert weniger Möbel gab als heute. Zur Absicherung können kleine Geschichten dienen, wie die Personen untereinander oder mit dem Raum agieren. Der Kardinal könnte z.B. mit Rochefort und Lady de Winter tuscheln und die drei immer wieder zu den Musketieren blicken.

      Wenn wieder erwarten jemand diese Geschichte nicht zumindest durch Filme kennt, empfehle ich folgende Informationsquellen:

      Die drei Musketiere bei Wikipedia

      Artagnan - Die Seite für Alxandre Dumas Liebhaber

      B Die Diener
      Im Roman hat jeder der 4 Helden einen Diener. Der Diener d'Artagnans heißt Planchet und wird später Zuckerbäcker. Die Diener der anderen, dass gebe ich hier zu, müsste ich erst recherchieren. Bei mir sind die Musketiere anders eingebaut und darauf, mich mit den Dienern näher zu beschäftigen, bin ich noch nicht gekommen. Wenn ihr keine Lust dazu habt, denkt Euch 3 Namen und Berufe aus, für die Übung ist es unerheblich. Die Berufe sollten in die Zeit passen. Die Diener können in einem Warteraum oder einer Küche platziert werden und pendeln zwischen hier und dem Saal um die Herrschaften zu bedienen. Oder so ähnlich. Es kommt mir hier darauf an, dass es zumindest zum Teil Personen sind, die man sich erst merken muss und die mit dem Beruf gleich ein Faktum mitbringen, dass mit ihnen an den Haken muss. Und ich will zeigen, dass man Details hinzufügen kann, ohne die Leser gleich mit einem Umbau zu überfordern.

      C Lerninhalte verankern
      Wenn der Hintergrund steht, sollte er natürlich mit Lerninhalten belegt werden. Es bieten sich hier verschiedene Themen an:

      Daten zu Dumas, hier sein Wikipedia-Artikel.

      Informationen zur Musketier-Garde, hier wieder Wikipedia. (Wichtig für das Verständnis der Romane: Zunächst gab es nur eine Kompanie und der Kapitän (in der Bundeswehr Hauptmann/Kompaniechef war der König selbst. Die eigentliche Arbeit erledigte der Kapitänleutnant (In der Bundesehr Oberleutnant), in den Romanen, sowie zeitweise historisch Tréville und auch der historische d'Artagnan. Das galt als höchste Offiziersstelle Frankreichs und war mindetens so angesehen wie der Generalsrang. Sein Stellvertreter war der Leutnant. Die Musketier-Garde nahm auch als einfache Soldaten nur Adelige auf. Wenn also d'Artagnan am Ende der ersten Romane Leutnant der Musketiere wird, ist er ein gemachter Mann. Als Dumas eine Fortsetzung schrieb, relativierte er das durch Geldnot und ignorierte es ansonsten. Später wurde die Garde des Kardinals zu einer zweiten Kompanie der Musketiere umgeformt. Damit es durch die Lektüre der Artikel nicht zu Unklarheiten und Verwirrungen kommt.)

      Vielleicht möchte sich auch jemand Informationen zu den historischen Vorbildern der 4 Musketiere merken:

      [/sup]Charles de Batz de Castelmore, genannt comte d’Artagnan (der einzige der Vier, dem historisch eine größere Bedeutung zukommt)
      Henry d’Aramitz (auch d’Aramits) genannt Aramis
      Isaac de Portau, genannt Porthos
      Armand de Sillègue d’Athos d’Autevielle, genannt Athos
      (Dass diese Figuren historisch sind, was manche überraschen mag, liegt ganz einfach daran, dass Dumas die Erinnerungen und Anekdoten über die Musketier-Garde umgeformt hat.)

      Ich würde nicht gleich versuchen, alle Themenkomplexe hier unterzubringen, aber wollte auch mehr Auswahl vorschlagen, denn nicht jeder will alles davon wissen.

      Es kann sich aber auch um anderes Wissen handeln, für die Übung kommt es darauf an, dass es sich um Biografien oder die Geschichte einer Institution handelt, damit verschiedene Typen von Informationen verbildert werden müssen. Wer sich davon noch überfordert fühlt, der kann einheitlichere Informationen nehme. Dazu kommen noch Vorschläge. Von der Geschichte der Zeit, so verlockend es ist, rate ich -jenseits von Datenlisten- erst einmal ab. Dazu schreibe ich später noch etwas.

      D Romane und Routen
      Eigentlich ist der Vierte Teil nur eine kurze Anmerkung. Ich hatte geschrieben, dass sich die Handlungsorte von Romanen gut zur Erstellung von Routen eignet. Dazu gehört auch Die drei Musketiere. Wer das zusätzlich so nutzen will, sollte ich sicher sein, dass die Lerninhalte sich nicht ungünstig vermischen. Aber es gibt ja genug Romane. Der Graf von Monte Christo hat ja auch so seine Stationen, kann aber auch wieder für eine Versammlung von Personen genutzt werden, wenn man diese gut genug kennt. Ich schlage vor, das Thema Romane und Routen für den Anfang mit dem Hobbit von Tolkien anzugehen. Schon im Roman gibt es da ja klar getrennte Plots. Wer üben will hat da gleich zwei weitere Aufgaben.

      Römische Räume II:

      In Römischen Räumen lassen sich gut Amtsträger wie Politiker, Monarchen, Militärs oder feste Gruppen wie Bandmitglieder versammeln und mit den entsprechenden Informationen zu den Personen versehen. Das gilt natürlich auch für erdachte Personen und Gruppen. Und es bietet nahezu unendliche Übungsmöglichkeiten. Wenn die Personen gut genug sitzen, können sie selbst die Haken sein. Wenn nicht, dann muss die Einrichtung die Haken zur Verfügung stellen.

      Römische Räume III:

      Ich habe von Aspekten geschrieben. Es bietet sich an, die Bundeskanzler, sowohl von Österreich als auch von Deutschland zu versammeln. Ob in einem Römischen Raum oder auf einer Route ist jedem selbst überlassen. Der Aspekt wäre hier die Parteimitgliedschaft. Dazu muss man eine Verbilderung der Pateien entwickeln, die man jedem der Politiker so anhaften kann, dass man es sich merkt. Das kann Schwierigkeiten ergeben. Daher habe ich ein Thema erwählt, bei dem es für die meisten Politiker schon klar ist und das jeweils andere Land hinzugefügt, damit es auch härtere Nüsse gibt.

      Topologie:
      Diese Übung sollte erst angegangen werden, wenn man zumindest das Major-System beherrscht. Besser wäre es schon ein oder zwei 100-Garderoben zur Verfügung zu haben. Ich bringe es an dieser Stelle, weil es zu Räumen passt und, damit es vor der Übung Garderobe (nein, die Nato hat sich nicht in den Thread geschlichen ;) ) schon gelesen ist, um mich dort darauf beziehen zu können.

      Bisher habe ich immer von konkreten Örtern geschrieben. Doch noch einmal müssen wir auf Simonides von Keos schauen: Er steht in einem antiken Saal und betrachtet die Liegen, die in der Antike nach einem bestimmten Schema angeordnet waren und deren Belegung mit Gästen sich nach bestimmten Gewohnheiten richtete.

      So kann man Räume für bestimmte Aufgaben auch ganz schematisch vorbereiten und so auch sehr große Aufgaben wie möglichst viele Stellen der Zahl Pi verwenden. Und die Räume können schematisch in Häuser eingeordnet werden... Also, z.B. Die Tür findet sich in der Mitte der einen Wand und in den anderen drei Wänden finden sich je ein, zwei oder auch drei Vitrinen wie in einem Museum. Steht noch ein in der Mitte eine Vitrine, kommt man bei 3 Vitrinen pro Wand auf 10. Eine tolle Zahl, um damit zu arbeiten. Wandfarbe, der jeweilige Hausmeister, Beschädigungen an den Vitrinen oder den Räumen können ein weiterer Code sein. Ulrich Voigt zeigt in Esels Welt, dass man mit so etwas durchaus umgehen kann, ohne dass es langweilig ist.

      Für uns ist es ein Thema, was man hier mal ausprobieren kann und die Frage beantwortet, was man am Ende der Posts an Mnemotechniken noch lernen kann. Und für so umfangreiche Sachen wie Chinesische Schriftzeichen kommt man daran nicht vorbei.

      Wer möchte kann sich ja schon mal an so etwas versuchen. Es gibt andere Anordnungen als die vorgeschlagene. Drei Örter in einem Raum reichen auch schon für großes, da das Schema ja kopiert wird. Vielleicht mal in den Pi-Sport schnuppern und die ersten 100 oder 200 Stellen der Zahl Pi merken? Sonst bin ich ja dagegen Telefonbücher auswendig zu lernen. Aber als Übung geht so etwas. Und für die, die Pi mögen: Die Freunde der Zahl Pi erwarten in der Aufnahmeprüfung, wenn ich recht informiert bin, 100 korrekt aufgesagte Nachkommastellen.

      Die Wikipedia-Seite zur Kreiszahl Pi bietet Links zu Seiten, auf denen sehr viele Nachkommastellen von Pi zu finden sind.

      Aber vielleicht fällt Euch ja etwas Brauchbareres zum Merken ein. Ich wüsste nicht, wo man im Alltag mehr als 3,141 592 653 589 793 238 462 643 383 279 502 884 197 169 399 375 105 820 974 944 592 307 816 406 286 208 998 628 034 825 342 117 067 9 benötigen würde. ;)

      Da das dann doch länger als geplant wurde, kommt ein dritter Übungspost.

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    • Übungen, die Dritte

      Routen:

      Einige sollten da jetzt schon erstellt sein. Aber noch ein paar Anregungen:

      1- Wer bisher nur reale oder nur fiktive Routen erstellt hat, sollte auch das andere probieren. Was einem besser liegt, offenbart erst die Übung.
      2- Wer noch keine Route aus seiner Welt gebastelt hat, sollte das natürlich ganz dringend tun. Wenn sich da später etwas ändert ist das eben die Vorstellung eines ungenügend informierten Geschichtsschreibers / Erdkundlers / Geschichtenerzählers oder so.
      3- Wer sich noch keine fiktive Route außerhalb seiner Welt gebaut hat, sollte auch das versuchen.
      4- Wer sich noch keinen Roman oder Film zum Vorbild genommen hat, hat jetzt eine Aufgabe.
      5- Wer geeignete Computerspiele kennt und sie noch nicht zu mindestens einer Route genutzt hat, sollte sie jetzt verwursten.

      Lerninhalte:

      Was will man nun damit lernen? Das scheint erst mal eine seltsame Frage zu sein, doch bitte ich zu bedenken, dass wir uns nicht oft ein Lernthema suchen möchten und vielleicht den Prüfungsstoff für das Staatsexamen erst dann Mnemotechnisch bearbeiten wollen, wenn wir dabei sicher sind. Als müssen Inhalte zum Üben her.

      Dank des Internets haben wir Zugang zu ungeheuren Wissensmengen. Telefonbücher, die Zahl Pi, Produktnummern, die in Zeiten vor dem Internet herhalten mussten, können wir vermeiden. Natürlich ist Pi eine freundliche und sympathische Zahl und wer will, der darf soviel von ihr lernen, wie er möchte. Aber es gibt Sinnvolleres, und das ist meist schon bei Wikipedia zu finden:

      - Kfz-Kennzeichnungen der Kreise
      - Wirtschaftsdaten
      - Periodensystem, am besten gleich so, dass auch noch einiges zu den Elementen und den wichtigsten Verbindungen in denen sie vorkommen oder genutzt werden, abgespeichert werden kann.
      - Länderdaten und Flaggen (weitere Informationsquelle: World Fact Book der CIA)
      - Deutsche Bundesländer, Französische Departements, Englische Grafschaften, ...
      - Sonnensystem
      - Ministerien und Minister der verschiedenen Regierungen

      Aber auch jenseits reinen Faktenwissen hilft uns Mnemotechnik, was Jundurg interessieren mag. Dem ist so, weil wir uns nicht immer alles herleiten wollen, da es ja auch Zeit kostet:

      - die Gesetze der Optik
      - die einfachen Maschinen und ihre Formeln
      - Getriebe
      - Regierungsformen nach der Ansicht verschiedener Philosophen
      - Behördenaufbau

      Wer sich diese Dinge länger merken will, sollte eine Route extra dafür entwickeln, wem das erst mal egal ist, der nehme eine Übungsroute.

      Die Übung besteht natürlich darin, Routen zu belegen, zu wiederholen und so die Lerninhalte parat zu haben.

      100-Garderobe

      Wie gesagt, ist das selbst entwerfen sinnvoller, aber wer mag kann sich bei Wikipedia an angegebener Stelle bedienen oder im Internet suchen, wo mehrere zu finden sind.

      Und natürlich lernen wir die nicht stupide auswendig. Ich würde sie in Routen zu 10 stecken. Oder Römische Räume, da sich die Ordnung von selbst ergibt, nur hat der Anfänger es dann schwerer, das richtige Wort schnell zu finden. Die Räume müssen natürlich verbunden sein. Da gibt es zwei Möglichkeiten.

      Klassisch: Eine recht normale Route, bei der aber die Nummerierung klar ist. Ein Vergnügungspark. 0-9 finden wir beim Riesenrad, 10-19 bei einem Turm. 20-29 bei einer Schiffsschaukel in Form eines Schwans, ... Ich denke, ihr wisst, was ich da nutze. Generell sollte man nicht vergessen Abzweigungen oder Türen zu Kennzeichnen, wo es nötig ist.

      Technisch: Hier kann ich jetzt auf die Topologie-Übung verweisen. Ein Hochhaus mit 10 Etagen. Unten wohnt der Hausmeister. Ob der Krause heisst oder Semiramis einen Nebenjob hat, dürfte im Parterre egal sein, danach bietet sich an, die Namen mit dem Code für die jeweiligen 10er beginnen zu lassen. Die Etagen sind gleich aufgebaut, vielleicht nicht so steril wie das Museum in der Topologieübung, sondern mit kleinen Unterschieden, damit nicht alles vom Bewohner der Etage abgeleitet werden muss. Es gab aber auch Mnemotechniker, die sich allein durch die Topologische Verortung erinnern wollten und alles Wissen im selben Schema speichern wollten. Das kann funktionieren, aber ich denke wir ziehen alles heran, was uns helfen kann.

      Persönlich: Wir denken uns ein Thema aus. Bundespräsidenten von Deutschland etwa. Da steht die Reihenfolge fest und mit Politikern verbinden wir in der Regel eigene Vorstellungen, so dass wir genug Anknüpfungspunkte für 10 Begriffe haben. Im Thema muss es eine feste Ordnung geben und es müssen für uns genügend Anknüpfungspunkte da sein.

      Am einfachsten ist es zu lernen, wenn die Wörter der Garderobe nicht einzeln an Haken gehängt werden, sondern zu zehnt in einer Geschichte auftauchen. Für den Anfang in der richtigen Reihenfolge. Ich wollte das mit den ganzen Haken aber nicht unterschlagen: Stellt Euch vor im Hochhaus hat jede Etage 10 Zimmer. Zusammen mit der Person sind das wieder 10 Ansatzpunkte für Geschichten. Das Hochhaus könnte also recht einfach 10 100-Garderoben aufnehmen. Mit genug Fantasie ist das eine Recht vergnügliche Sache. Ebenso mit den 10 Gondeln des Riesenrads.

      Aber vorerst fangt mit einer 100-Garderobe an. Die Steigerung auf 3 100-Garderoben ist, wie gesagt sehr nützlich. Die kann man auch zur Repräsentation von Zahlen reservieren und für Ordnungszecke andere entwerfen. Da aber mit der Zeit der Umweg über die Mnemotechnik nicht mehr nötig ist, ist das nicht wirklich von Nöten. Nur wenn die angesprochene Liste mit Verben erstellt wird, kann das Nachteile haben: Es ist hilfreich, wenn nur Substantive eine Bedeutung tragen und es bekannt ist, welche das sind. Sonst kann es zur Verwechslung kommen. Die erklärte Technik mit den Sätzen ist gut, um sich jederzeit schnell Zahlen bis 999.999 merken zu können. Für dauerhaftere Bauten kann es da zu Problemen kommen. Ich wollte es aber oben nicht unterschlagen.

      Zwischenbemerkung

      Generell lernen wir mit der Zeit durch das abgehen der Routen die Lerninhalte und brauchen dann das abgehen nicht mehr. Danach geraten die Routen in Vergessenheit. Für unsere Zwecke ist das nicht so gut. Bei einem Gedächtnispalast wollen wir das nicht. Also müssen wir ihn weiter regelmäßig begehen. Denn die mnemotechnischen Hilfsmittel werden schneller vergessen, sobald wir uns klar darüber sind, dass wir sie nicht mehr brauchen. Ist das ganze irgendwann komplex genug, sollte das aber anders sein.

      Für einen Gedächtnispalast sollte man einen Grund haben, weil es mehr Arbeit als bei der normalen Mnemotechnik ist, weil wir ihn nicht vergessen wollen. Das kann sein, dass ein systematischer Zugriff auf Wissen möglich sein soll. Oder das es, wie hier im Thread zur Inspiration dienen soll. Oder, dass im Bau selbst Informationen versteckt sind, wie es gerade für die Beschreibung erfundener Welten gemacht werden kann. Oder, wie beim Lernen vieler Stellen von Pi, dass man sicher sein will, dass auch einzelne Informationen korrekt vorhanden bleiben.

      Geschichte

      Hierzu muss ich noch ein Wort verlieren. Jeder hat dazu ein Gerüst im Kopf, sei es noch so klein. Wenn man daran ein wenig werkelt, kann man es zu einer zeitlichen statt örtlichen Route entwickeln, in die weitere historische Informationen passen. Daher trenne ich diese Informationen von den anderen Behandlungsmöglichkeiten. Das funktioniert um so besser, je feiner dieses Gerüst schon ist und nicht jeder mag mir darin folgen wollen.

      Als vorletzte Übung wäre die Verbilderung Historischer Daten. Wo Ihr sie einbaut sei unter Verweis auf die Vorrede Euch selbst überlassen. Für den Anfang empfehle ich ein Thema, was Euch nicht so interessiert oder generell ein Randthema ist. (Z.B. Bayrischer Erbfolgekrieg, auch Kartoffelkrieg genannt, die Geschichte Trinidad und Tobagos, die Feldzüge des Germanicus in Germanien, die Geschichte der Brukterer, ...) Dann fällt der Umbau leichter, falls ihr für die Geschichte ein eigenes System entwerfen wollt.

      Letzte Übung: Überlegt, bei welchen Themen ihr Euch so gut auskennt, dass die Themen mehr Stütze bieten, als die bloße mnemotechnische Bearbeitung wie bei mir die Geschichte. Wir wollen uns ja wahrscheinlich keine zusätzliche Arbeit machen.
    • Kommen wir zum Thema:

      Was ist ein Gedächtnispalast?

      Es wird oft geäußert, dass ein Gedächtnispalast einfach ein mit der Loci-Methode erstellter Palast sei. Das ist doch etwas naiv und ich gehe nicht näher darauf ein. Ebenso können wir die Meinung beiseite lassen, dass man fiktive Gedächtnisarchitektur als Gedächtnispalast bezeichnet.

      Und auch zum Aussehen gibt es Vorurteile: Da wird an einen Renaissance-Palast gedacht. Doch Matteo Ricci konstruierte eher nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt. Und heute sind Dörfer, Städte, ganze Landschaften verbreitet und ich habe auch schon von Gedächtnis-Dungeons gehört. Das passt alles unter den Oberbegriff Gedächtnispalast.

      Dann habe ich vorgestellt, wie komplex man seine Routen ausbauen (und -nebenbei bemerkt- natürlich auch verbinden) und mit verschiedenster Mnemotechnik versehen kann. Auch da sagte ich, dass ich das noch nicht als Gedächtnispalast sehe. Ich spreche dabei 'nur' von komplexen Routen. Hier ist es nicht mehr so einfach, aber ich habe eine Begründung: Das was hier komplex ist, ist die mnemotechnische Konstruktion. Es fehlt noch der Unterschied hin auf die Inhalte. Und die Beziehung vom Inhalt zu dieser Architektur kann auch eine andere werden.

      Es muss hier also noch etwas hinzukommen. Das kann sich auch entwickeln, bevor es sich um eine komplexe Route handelt. Ich bin da eigen und verlange beides.

      Wo viel wissen vorhanden ist, bilden sich Verknüpfungen. Das geschieht schon automatisch. So mag festgestellt werden, dass Archimedes statt im Saal mit den einfachen Maschinen zu bleiben, nackt durch die Flure rennt und 'Heureka!' ruft. Marilyn ist entsetzt, mag aber ein anderes Mal mit dem bekleideten Archimedes flirten. Jedenfalls ist da eine Verbindung entstanden. Durch Archimedes kommen wir zu den einfachen Maschinen, durch Marilyn Monroe vielleicht zu einer Garderobe. Entfleucht uns mal der Saal der einfachen Maschinen, finden wir Archimedes vielleicht bei Marilyn und können durch diese Verbindung zu den Maschinen gelangen. Dadurch wird alles realer und der Gedächtnispalast ist nicht mehr so flüchtig, wie andere mnemotechnische Konstruktionen. Inhalt und Konstruktion werden gleichsam von unserem Unterbewusstsein als gleichwertig betrachtet und sie stützen sich gegenseitig.

      Der Inhalt (und seine Präsentation) ist nun aber auch gefährlich geworden. Wir können uns damit indoktrinieren. Im Mittelalter wurde Mnemotechnik für christliche Meditation genutzt und festigte dabei die Glaubenssätze. Wenn alles realer wird, verstärkt sich dieser Effekt natürlich. Giordano Bruno erwartete sogar mystische Erkenntnisse durch die Anwendung von Mnemotechnik. Wer das aber berücksichtigt, hat aber wenig zu befürchten. (Wer die beiden Absätze bei Wikipedia zur Mnemotechnik in Mittelalter und Früher Neuzeit nicht gelesen hat, kann das jetzt tun. Es ist unschwer zu erkennen, dass sie noch nicht vollständig sind.)

      Dafür ist der Gedächtnispalast dann ein ungeheuer mächtiges Instrument. Erlässt sich leichter erweitern und bietet besseren Zugang. Jemand könnte gleichsam mit Archimedes Zwiesprache halten, der ihn auf die richtigen Informationen verweist, was schneller geht, als hinzulaufen. Jedenfalls, wenn das wissen nicht schon so abzurufen ist. Das ist natürlich nicht so wie in der Serie Sherlock, aber mit Archimedes sind wir schnell am richtigen Ort oder haben uns sogar sofort das Wissen, was wir nicht erhaschen konnten, in Erinnerung gerufen. Seltener genutztes Wissen mag noch aufgesucht werden müssen. Aber auch zwischen Örtern ohne Museumsführer können sich Beziehungen entwickeln, einfach weil das Wissen sich Verbunden hat.

      Damit sollte offensichtlich sein, wie Inspiration und Kreativität hier gefördert werden: Sonst Unbewusstes ist hier zum Teil offensichtlich. Und das nutzt dann natürlich auch dem Weltenbau. Und um so mehr, wenn nicht nur die Ergebnisse eingeordnet sind, sondern auch Konstruktionen der gebastelten Welt benutzt werden.

      Darüber hinaus wird einleuchten, dass nicht einfach ein Beispiel dargestellt werden kann.

      Wenn Interesse besteht können wir in diesem Thread aber mit so einer Konstruktion beginnen, in der reale Fakten Fakten einer dann eigens entworfenen, notwendigerweise sehr kleinen Welt, gespeichert werden und Konstruktionen aus jener Welt stammen. Sozusagen als Einübung in die Mnemotechnik. Ab einem gewissen Punkt müsste dann jeder allein weitermachen und wir müssen die Individualität berücksichtigen. Zu sagen, wir nehmen dies oder jenes Bild, ergäbe keinerlei Sinn. Ein Bild mag vorgeschlagen werden, aber jeder muss eines suchen, dass für ihn geeignet ist.

      Das setzte natürlich voraus, dass ein paar Weltenbastler da mitmachen wollen und wir das regelmäßig in einem Chat besprechen. Einige Ergebnisse kann, wer will in diesem Thread präsentieren, aber bei solchen Konstruktionsarbeiten ist weniger Öffentlichkeit von Vorteil.

      Generelle Fragen oder spezielle zu den Übungen können natürlich hier gestellt werden. Und dabei können natürlich auch Konstruktionen vorgestellt werden, um sie zu optimieren, aber ich würde dazu raten zu persönliche Konstruktionen dann wegzulassen.
    • Ich muss ergänzen, dass das Angebot von einem gemeinsamen Thema ausgehend einen gewissen Pool parallel und mit gegenseitiges Unterstützung zu bearbeiten natürlich ein großes Problem hat:

      Bei der Mnemotechnik ist vieler weitgehend individuell. Was bei mir funktioniert, muss nicht bei Anderen funktionieren.

      Das heißt zwar nicht, dass es keine Hilfestellungen geben kann, aber es macht den Erfolg eines solchen Unternehmens fraglich. Zumindest wäre es nicht so effektiv, wie es sonst sein kann.

      Antworten auf Einzelprobleme sind sicher zielführender. Ich habe mich zu dem Angebot entschlossen, weil bei dem Thema immer die Frage nach Lösungsansätzen gestellt wird, von denen jemand ausgehen kann. Und ich bin ja skeptisch, aber ein Schubs auf den Weg mag ja hilfreich sein.
    • Und damit bin ich mit dem, was ich darstellen wollte durch. Wahrscheinlich werde ich die Posts noch einmal etwas überarbeiten. Fehler ausmerzen, bessere Formulierungen, aber nichts, was die Darstellung verändert.

      Interessieren würde mich, wo es Verständnisprobleme gibt und wo Praktikabilitätsprobleme gesehen werden. Ich beschäftige mich mit Pausen seit der Schulzeit damit, dadurch wird man bekanntlich für so etwas blind.

      Dann sind da die Grundfragen des Threads:

      Gibt es Inspiration und kann es das Basteln fördern? Ich möchte ergänzen: Ohne dass es den Absichten des Bastlers zuwiderläuft. Auch, wenn es etwas dauert, wäre es schön, wenn irgendwann jemand mitteilt, ob es auch bei ihm oder ihr klappt.

      Bei mir beruht sowieso ein guter Teil des Weltenbaus auf Kombinationen und ihren Folgen, was ja auch das Thema des Großteils meiner Welten ist. Da mag ein Erfolg schon angelegt sein oder zumindest begünstigt sein. Daher würde mich interessieren, ob es auch bei anderen klappt. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass eine Antwort auf sich warten lasse wird.
    • Ich würde vorschlagen, der Übersicht halber alles Praktische in einen eigenen Thread auszulagern. (kA in welchem Forenbereich... vllt offtopic, aber Verlinkung hier?) Ich hab keine Ahnung, ob ich in nächster Zeit die Spoons haben werde, um tatsächlich mnemotechnische Übungen zu machen. Hab zuviele andere offene Baustellen. ;)
      So ein bisschen hab ich Lust, meine Idee mit den Schreibübungen auszuprobieren - aber mein primäres Interesse gilt dabei nicht der Mnemotechnik, sondern eher der Depri-Bekämpfung durch ritualisiertes Schreiben. Ich würde halt höchstens mal was davon einfließen lassen, z.B. ein Anti-Depri-Ritual mit mehreren Schritten entlang einer Route speichern, oder sowas.


      Vielen Dank jedenfalls für das super-ausführliche Tutorial. Das lese ich mir sicher irgendwann ein zweites Mal durch. :)

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • @Jundurg: Zur Bekämpfung von Depressionen scheint es mir gut geeignet, insbesondere, weil ich mich damit auch gut ablenken kann. Und durch die leicht eintretenden Erfolge gibt es auch entsprechende Erfolgserlebnisse. Weiter unten kommt mit Mata Hari noch eine Anregung dazu.

      Ich habe noch ein paar Internetseiten als Beispiel gesucht. Mitunter ist es leider schwierig, etwas im Netz wiederzufinden, daher ergänze ich es erst jetzt:

      Zur Verbindung mit dem Okkulten gibt es im Netz einen schönen Text, der mit dem Beispiel auch schön Weltenbau und Mnemotechnik verbindet. Wer Magie 'erklärbar' machen möchte, kommt da zudem leicht auf einige Möglichkeiten:

      John Michael Greer, Ars Memorativa - An Introduction To The Hermetic Art Of Memory

      Ein Anwendungsbeispiel ist immer schön, hier die Behandlung des Periodensystems der Elemente auf der Seite des schon genannten Ulrich Bien. Jenseits der unterschiedlichen Terminologie, was den Gedächtnispalast angeht, kann das Thema hier ganz praktisch betrachtet werden. Und gerade bei so einem Thema ist es ja gut, wenn es verschieden erklärt wird. Da es sich um die Phantasie eines Anderen handelt, wird wohl jeder Anwender und jede Anwenderin individuelle Veränderungen vornehmen müssen. Zudem lässt der Entwurf auch noch etwas zu tun übrig. Auf der Seite ist noch mehr zum Thema zu finden.

      (Eine weitere kurze Erklärung der wichtigsten Techniken, dafür jenseits des Weltenbaus nenne ich, da es frei herunterladbar ist und ich einige bessere Darstellungen nicht mehr im Netz finde: Boris Nikolai Konrad, Gedächtnistechniken.)

      Nett und wieder mehr kreativ, aber doch auch unpraktisch ist eine Geschichte Ulrich Voigts, in der die Zahl Pi codiert wird: Mata Hari. Hier dürfte der Weg das Ziel sein.

      Abgesehen von dem sachlichen aber kurzen und gut verständlichen Text von Konrad sollten die genannten Seiten auch unterhaltsam sein.
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