[WCAP] Ten an Jhor - die Kinder des Waldes

    • [WCAP] Ten an Jhor - die Kinder des Waldes

      TEN AN JHOR – Kinder des Waldes

      Was hat die Beschreibung eines Volkes mit dem WCAP zu tun?
      Lang lang ist’s her, daß das WCAP gestartet wurde, und ich Lillys Welt Shiuzun als Gastwelt zugeteilt bekam. Nach einigem Überlegen haben wir uns darauf darauf geeinigt, daß das Gastvolk meines Charakters ein geheimnisvolles Waldvolk sein sollte, das von den auf den Kontinent Raysher eingewanderten Firhay-Völkern Ten an Jhor, die ‚Kinder des Waldes’ genannt wird, und entfernt mit den Rayshishi, dem anderen Ureinwohnervolk Rayshers verwandt ist.
      Geheimnisvoll waren die Ten an Jhor für Lilly und mich vor allem deshalb, weil sie nicht viel darüber wußte, nur, daß das Volk lange unter der Erde gelebt hatte.
      Da Lillys Geschichte auf dem heutigen Shiuzun spielt, und ihr Hauptcharakter eine Ten an Jhor ist, haben wir beschlossen, daß mein Charakter in der Vergangenheit des Volkes leben sollte. Und deshalb habe ich das Volk und seine Geschichte erstmal gebastelt, immer in Rücksprache mit Lilly.

      EINLEITUNG
      Lange bevor die Firhay den Kontinent Raysher betraten, blühte hier die hochentwickelte Zivilisation der Eshi, von der heute nur noch einige verwitterte Inschriften auf moosbewachsenen Steinsäulen künden. Ihre Nachkommen, die Rayshishi, wurden von den Firhay im Laufe der Zeit immer weiter verdrängt, bis sie sich schließlich im Lande Altrea eine Zuflucht schufen.
      Doch weder die Rayshishi noch die Firhay wußten, daß ein weiterer Zweig des sagenhaften Urvolkes in der Verborgenheit überlebt hatte.
      Die lysischen Waldläufer die den riesigen Jhor Far Wald im Herzen des Kontinents durchstreiften, fürchteten die blaß leuchtenden Gestalten, die geistergleich durch die dunkelsten und ältesten Haine huschten. Als sie schließlich entdeckten daß hinter den gefürchteten Geistgestalten ein ganzes Volk steckte, gaben sie ihm den Namen Ten an Jhor, die ‚Kinder des Waldes‘.
      Daß sie mit den Rayshishi verwandt sind, ist offensichtlich. Man kann die zierlichen Ten an Jhor äußerlich nur durch ihre Blässe und ihr weißliches Haar, in dem ein Stich lila schimmert, von den Rayshishi unterscheiden. Diese Ten an Jhor, die sich selbst die Yeaushi nennen, blicken auf eine lange und ebenso wechselhafte wie tragische Geschichte zurück.

      KURZER ÜBERBLICK
      Die Hochkultur der Eshi mußte sich vor tausenden von Jahren wegen der Heimsuchung Rayshers durch die Vamah in die Höhlen des Suurgebirges flüchten. Sie lebten lange Jahre dort unten, dann gab es eine Reihe von Erdbeben, und viele der Höhlen stürzten ein, so daß ein Teil der Eshi von den anderen abgetrennt wurde. Viele flüchteten nach oben zurück, wo die Bedrohung inzwischen vorüber war. Ihre Nachkommen sind die Rayshishi.
      Die Vorfahren der Yeaushi fanden die Wege nach oben versperrt, und mußten statt dessen in die Tiefen flüchten. Ihre Nachkommen blieben dort unten.
      Nach beinahe zweitausend Jahren erschütterten wieder heftige Erdbeben das Land, diesmal so schwer, daß die Yeaushi stark dezimiert wurden. Diese erneuten Beben zwangen die Yeaushi wieder nach oben, in den Jhor Far, den größten Wald auf ganz Raysher, der sich über weite Teile des Berglandes von Togas erstreckt und dabei bis nach Lysan hineinreicht. Hier lebten sie weitere tausend Jahre lang relativ ungestört. Ihre Bevölkerungszahlen konnten sich jedoch nie wieder vollständig erholen, zumal ihre Fortpflanzungsrate im Vergleich zu anderen Völkern sehr niedrig ist. Heutzutage gibt es nur noch wenige tausend von ihnen, das Volk steht am Rande des Aussterbens. Die letzten der Yeaushi sind seit etwa fünfzig Jahren von Togas versklavt, und gezwungen in deren Minen zu arbeiten.
      Es stellt sich natürlich die Frage, warum sich die Yeaushi gegen die Versklavung der Toganer nicht wehren. Der Grund liegt weit zurück in der Vergangenheit, nur die ältesten Mythen und Legenden berichten noch davon.

      DIE GRÖSSTE PECHSTRÄHNE ALLER ZEITEN
      Warum der alles vernichtende Krieg unter den Eshi ausbrach weiß nach so langer Zeit keiner mehr. Es ist nur überliefert, daß Horaluva, die ‚Blutqual‘, sehr leidenschaftlich und mit großer Härte geführt wurde, sieben mal sieben Jahre lang, bis es endlich wieder Frieden gab. Die Eshi schworen sich danach, nie wieder so etwas zuzulassen.
      Nun hätte für alle eine Zeit der Blüte kommen sollen, in der sich die Hochkultur von den Schrecken des Krieges erholte, und das Zerstörte wieder aufbaute.
      Doch eine Naturkatastrophe machte dies unmöglich. Ganz Raysher wurde von Vamahschwärmen heimgesucht. Vamah, die Geißel des Kontinents, waren eine den Wanderheuschrecken ähnliche Insektenart, die sich auf fleischliche Kost spezialisiert hatte. Niemand wußte, woher die Vamah so plötzlich kamen, und nicht wenige sahen in ihnen eine Strafe der Götter für das vergossene Blut. Die freßgierigen Vamah waren zu zahlreich, um gegen sie ankommen zu können. Die Eshi litten. Und sie starben.
      Der jungeYekolo, einer der überlebenden Anführer, war einer der wenigen, in dem zwei Seelen wohnten, und der daher offen für die Magie war. Er hatte eine Vision vom Überleben der Eshi. Und so führte er sein Volk fort, hinunter in die Höhlen des Suurgebirges, wohin die Vamah ihnen nicht folgen konnten.
      Dort unten in der Dunkelheit hofften die überlebenden Eshi auf ein Wunder, auf ein Ende der Bedrohung. Doch es zogen immer noch Vamahschwärme über das Land, und viele der ausgeschickten Späher fielen ihnen zum Opfer.
      Also begannen sie sich unter der Erde einzurichten, Pilze zu züchten, und unter Lebensgefahr wagten sich immer wieder kleinere Gruppen nach oben, um für ihre Noenoherden Futter zu besorgen. Jahrzehnte gingen ins Land.
      Als die Beute für die Vamah knapp wurde, begannen sie über sich selbst herzufallen. Sie rotteten sich gegenseitig aus, doch dies dauerte lange Jahre. Die Eshi waren unsicher, wie sie nun weiter vorgehen sollten. Einige wollten sogleich zur Oberfläche zurückkehren, andere trauten dem Frieden nicht und waren dafür, noch eine Zeit lang abzuwarten. Schließlich einigte man sich darauf, Spähtrupps über ganz Raysher auszuschicken, um festzustellen ob die Vamah wirklich tot waren.
      Während man auf die Rückkehr der Kundschafter wartete, erschütterten heftige Erdstöße den Kontinent.
      Mehrere der großen Wohnhöhlen stürzten ein, und mit ihnen starb ein Drittel der Bevölkerung. Die Überlebenden flohen voller Panik – die meisten nach draußen, wo es keine Felsen gab, die auf sie stürzen konnten. Nachdem sich die Erde einigermaßen beruhigt hatte, versuchten sie die Wege zu den Höhlen wieder freizulegen, gaben die Hoffnung auf Erfolg jedoch nach wochenlangem Graben auf, zumal heftige Nachbeben diese Versuche zu gefährlich machten.
      Die zurückkehrenden Kundschafter berichteten ihnen vom Verschwinden der Vamah, und daß sich die Natur auf Raysher langsam wieder zu erholen begann. Sie trauerten lange um die vermeintlich Toten, doch das Leben ging weiter, und war nun endlich wieder sicher. Die überlebenden Eshi bauten sich an der Erdoberfläche eine neue Existenz auf. Ihre Nachkommen sind die Rayshishi.
      Viele Eshi hatten jedoch während der Erdstöße Zuflucht in den tiefsten damals bekannten Höhlen gesucht, wo die Gesteine stabiler waren, sich gegenseitig stützten, und damit die Hohlräume vor dem Einsturz bewahrten.
      Als die Beben abgeklungen waren, fanden die totgeglaubten Eingeschlossenen, unter ihnen auch der greise Führer Yekolo, sämtliche Wege nach oben verschüttet vor. Sie hatten keine Möglichkeit, sie wieder freizulegen.
      Verzweiflung und Todesangst packte sie, und sie waren nahe daran zu verzagen.
      Es war Yekolo, der ihnen neuen Mut machte, und die Gruppe verzweifelter Eshi noch tiefer hinunter in die dunklen Höhlen des Suurgebirges führte. Noch nie waren intelligente Lebewesen so tief in den Schoß der Erde vorgedrungen. Und doch stießen die Eshi in dieser sonnenlosen Dunkelheit immer wieder auf Leben. Die Wesen, die hier existierten, waren fremdartiger als alles, was sie bisher kannten, und doch begriffen sie, daß sie diesen feindseligen Lebensraum zu ihrem eigenen machen mußten, wenn sie überleben wollten.

      UNGEWOLLTE VERBÜNDETE
      Zu allem Überfluß suchte sie eine weitere Plage heim – zumindest dachten sie das damals: Eine Pilzart, die dort in den tiefsten Höhlen wuchs, schleuderte ihre Sporen auf die nichtsahnenden Flüchtlinge. Sie atmeten sie ein, bekamen Ausschlag, und wurden zum Nährboden für diese schrecklichen Pilze, die ihre Haut mit einem fast unsichtbaren, wuchernden, ständig juckenden Geflecht überzogen. Die Eshi kratzten sich die Haut wund und gaben dem Pilz den Namen Ora, was ‚Pein‘ bedeutet.
      Doch nach monatelanger Reise durch die Dunkelheit stellten die Eshi fest, daß die lästigen Pilze in Wahrheit ein Segen waren.
      Das erste, was ihnen auffiel, war der Rückgang der Depressionen, die durch das Fehlen von Sonnenlicht hervorgerufen wurden. Wer infiziert war verfluchte zwar die juckende Hautplage, doch die Selbstmordrate unter den Befallenen ging drastisch zurück. Der Pilz schien sie auch erfolgreich vor den vielen anderen Krankheitserregern zu schützen, die hier unten lauerten.
      Yekolo ordnete daraufhin an, daß jeder sich mit den Sporen zu infizieren habe. Es sollte seine letzte Amtshandlung gewesen sein, denn er selbst war alt und krank und überlebte die Infektion nicht. Doch er ging als großer und weiser Anführer in die Geschichte ein, denn sein Befehl war für alle die Rettung.
      Es war, als hätte diese Pilzart nur auf einen symbiosefähigen Wirt gewartet.
      Mit der Zeit stimmten sich die Pilze und die Eshi immer mehr aufeinander ein, die Haut juckte nicht mehr, sondern gewöhnte sich an den fast unsichtbaren Bewuchs. Nach einer Weile betrachteten sie die Pilze mehr als Symbionten denn als Parasiten. Sie nannten sie nun Soora – ‚Peinlinderer‘.
      Die Pilzsymbionten bildeten keine Fruchtkörper aus, sondern überwucherten flechtenähnlich die gesamte Haut eines Eshi. Einige Sporen fanden zwar den Weg in die Lungen und die Speiseröhre, oder drangen durch Verletzungen in die Blutbahn ein – doch diese wurden vom Körper absorbiert, den idealen Nährboden bot nach wie vor die Körperoberfläche. Die Soora versorgten sich durch die Haut mit Nährstoffen und Wärme, und verwerteten abgestorbene Hautplättchen. Sie waren durch die lebendigen Wirte mobiler und konnten sich weiter verbreiten.
      Außerdem regten die Pilze die Hautatmung an, atmeten Kohlenmonoxid ein und schieden Sauerstoff aus, dadurch verbesserten sie die Luftqualität. Kribbelte die Haut eines Eshi, so war das ein Zeichen dafür, daß die Pilze tief durchatmeten – die Luftqualität also für die Eshi schlechter wurde.
      Auf Grubengas und anderes Giftgas reagierten die Soora mit sofortigem Rückzug, sie gruben sich tief in die Hautporen ein, um den schädlichen Gasen so wenig Oberfläche wie möglich zu bieten, und stießen Stoffe aus, die sie weiterhin schützen sollten. Das verursachte ein derart unangenehmes Brennen, das der Schmerz selbst einen halb bewußtlosen Eshi wieder auf die Beine brachte. Viele Leben wurden so gerettet.

      EIN NEUER ANFANG
      In der Nähe von mehreren heißen Quellen schlugen die Eshi ihr erstes permanentes Lager auf, dem sie zu Ehren Yekolos den Namen Yekoola gaben. Sie legten Pilzfarmen an, die zugleich als Nahrung dienten und zur Sauerstoffversorgung beitrugen. Als nach jahrelanger Mühsal das Überleben der jungen unterirdischen Kolonie gesichert war, wurden abenteuerlustige junge Eshi ausgeschickt, die die weitläufigen Höhlen erforschen und einen Weg zurück nach oben finden sollten.
      Jahrzehntelang suchten sie vergebens und unter großen Mühen nach einem Weg aus der unterirdischen Höhlenwelt. Die Freude war groß, als endlich ein Ausgang zur Oberfläche entdeckt wurde.
      Als die Eshi jedoch ans Tageslicht zurückkehren wollten, stellten sie fest, daß ihre neuen Symbionten die Sonne nicht vertrugen. Sie zeigten es, indem sie tief in die Haut eindrangen um sich vor dem Licht zu schützen. Das Gefühl, von Millionen kleinster Nadeln gestochen zu werden, ließ die Eshi den Versuch schnell abbrechen.
      Sie fanden auch keine Möglichkeit, sich von den Symbionten zu befreien.
      Nach einer Weile wollten sie das auch nicht mehr, denn sie fanden sich unter der Erde zunehmend besser zurecht. Die einzigen, die das Tageslicht zurücksehnten, waren die Großmütter und Großväter der Eshikolonie. Ihre Kinder und deren Kinder waren aber in der Höhlenwelt geboren worden, und wollten ihre Heimat nicht verlassen. Außerdem waren sie nicht sicher, ob die Bedrohung durch die Vamah inzwischen vorbei war oder nicht. Deshalb blieben die Eshi in ihren Höhlen, die zu ihrem neuen Zuhause geworden waren.
      Von da ab nannten sie sich Yeaushi, das Volk der Tiefe.
    • LEBEN UNTER DER ERDE

      HAUS- UND NUTZTIERE

      - TENOLA
      Die Tenola sind eine seltene und äußerst ungewöhnliche Schneckenart, die sich von Mineralien ernähren, die sie mit Hilfe ihres ätzenden Schleims aus dem Gestein lösen. Wo man sie findet sammelt man sie sofort ein – denn durch sie sind auch schon Gänge eingestürzt, die es nicht sollten.
      Tenola werden mit Vorliebe zum Formen neuer Gänge eingesetzt, das geht bequemer als mit der Hand, und die Abfallprodukte kann man weiterverwenden. Die Wände der so entstandenen Gänge sind spiegelglatt, und man kann die ätzenden Tenola an ihren Schneckenhäusern packen und sie dort Rillen und Vertiefungen formen lassen, wo man sie haben will.
      Leider sind die Tenola äußerst wählerisch und wollen nur ganz bestimmte Steinarten fressen, daher müssen sie getäuscht werden, wenn sie Gänge oder Muster in unappetitlichem Gestein formen sollen. Das geschieht, indem man leckeres Gesteinmehl auf die Wände aufträgt. Metallhaltige Erze mögen die Tenola nicht, deshalb finden die Yeaushi immer genug für ihren Bedarf, obwohl große Erzadern im Suurgebirge nicht so häufig sind, und tief liegen.
      Das ausgeschiedene Sekret der Tenola sieht aus wie Röllchen aus zähflüssigem karamelisiertem Zucker, und wird schnell hart, wenn man nicht weiß, wie man mit damit umgehen muß. Das gehärtete Sekret wird durchsichtig. Es hat große Ähnlichkeit mit Glas, ist aber nicht so leicht zerbrechlich, und vielseitig verwendbar: zum Brückenbauen, oder zur Herstellung von Schmuck, Gefäßen, Butzenscheiben und Krabbelröhren für die Intsi.
      Künstler der Yeaushi verwahren die Ätzflüssigkeit verendeter Tenola in deren Schneckenhäusern, und benutzen sie, um ihren steinernen Figuren den letzten Schliff zu geben, eine außergewöhnliche Glätte und Beschaffenheit, die durch Polieren nur schwer nachgeahmt werden kann.

      - HAAYA
      Haaya sind Flederechsen. Sie kommen in den Höhlensystemen wildlebend vor.
      Auf dem Speiseplan der geflügelten Allesfresser stehen zwar in erster Linie Intsi, aber auch andere Insekten, sowie Moosbeeren und Pflanzen. Ältere und damit größere Tiere machen sogar Jagd auf kleinere Säugetiere, meist auf Fledermäuse, da bodengebundene Raubtiere wie die Voilooa ihnen diese luftige Beute schlecht streitig machen können. Die verkümmerten Vorderarme dienen zum Festhalten von Beutetieren.
      Je älter ein Haaya wird, desto größer wird er - wenn das Nahrungsangebot stimmt. Die kleinsten Exemplare sind doppelt so groß wie eine Fledermaus. Die älteren und damit viel größeren Tiere haben eine weite Flügelspannweite und beziehen daher im Normalfall die größten Höhlen, die oft auch eine Verbindung zur Oberwelt haben.
      Spätestens im Alter von fünfzehn Jahren sind die Tiere ausgewachsen, die größten Exemplare sind etwa so groß wie ein kleines Kind.
      Einzelne Tiere lassen sich anhand der individuellen Rückenzeichnung unterscheiden.
      Sie werden seit Generationen von den Yeaushi gezüchtet, und zum Sammeln von Moosbeeren und Vogeleiern, zum Jagen kleinere Beutetiere oder zum Überbringen von Botschaften abgerichtet. Die in Gefangenschaft geborenen Tiere begleiten einen Yeaushi ein halbes Leben lang als Haustiere. Wie alt wildlebende Exemplare werden können, wissen selbst die Yeaushi nicht so genau.
      Die Legenden der Yeaushi berichten vom Kampf eines ihrer Helden mit einem sagenhaften Riesenhaaya, der einfach nicht aufhören wollte zu wachsen und zum Schluß Pathayetan zum Frühstück verspeist haben soll. Allerdings betrachten die Yeaushi diese Erzählung als maßlos übertrieben, vor allem, daß kleinere Exemplare diesem sogenannten Ahnherrn Futter gebracht haben sollen, finden sie komisch - Haaya kümmern sich außer zur Paarungszeit nicht um ihre Artgenossen. Das wissen die Yeaushi, da sie immerhin schon seit Ewigkeiten die Tiere züchten und abrichten.
      Mütter erzählen das Märchen ihren Kindern, um sie von leichtsinnigen Erkundungstouren abzubringen. Doch obwohl man es für ein Ammenmärchen hält, weiß keiner ob nicht doch ein Funke Wahrheit darin steckt. Manchmal kommen abenteuerlustige Yeaushi völlig verwirrt aus den Tiefen der Berge zurück und berichten seltsame Dinge...

      - INTSI
      Die Intsi, eine der ungewöhnlicheren Insektenarten der unterirdischen Fauna, sind eine seltsame Mischung aus Bienen und Glühwürmchen. Sie sind in vielen Bereichen unter dem Suurgebirge heimisch, bestäuben die blühenden Moose, und neben Nektar und Pollen saugen sie auch den süßen Saft der reifen Moosbeeren aus.
      Es sind staatenbildenden Insekten, jedoch haben sie durch ihr Dasein im Dunkel und Halbdunkel eine andere Verständigungsform als oberirdisch lebende Insektenvölker entwickelt: sie kommunizieren durch Lichtsignale. Unter dem lamellenartigen Chitinpanzer befinden sich Zellgewebe, die ständig leuchten. Durch rhytmisches Öffnen und Schließen der Chitinlamellen verständigen sich die Arbeiterinnen untereinander. Auf dem Kopf sitzt das zentrale Glühorgan, ein durchscheinender Hautsack, der von den Tieren zum Leuchten gebracht wird, wenn eine Arbeiterin andere Arbeiterinnen zu einer besonders ergiebigen Futterstelle führen will, oder wenn eine junge Königin mit Gefolge zu Paarungsflug und Stocksuche ausschwärmt.
      Einen Stachel besitzen sie nicht, doch sie können einen Angreifer verwirren, indem sie durch Drüsen ihr auf dem Kopf sitzendes Glühorgan entleeren, und entkommen, während der Angreifer durch die leuchtende Wolke geblendet ist.
      Ihre natürlichen Feinde sind die Haaya, die mit Geschick die oft in Felsspalten verborgenen Stöcke der wildlebenden Intsi ausmachen und mit enormem Appetit plündern. Sie haben gelernt, während der Lichtattacken der Glühbienen einfach die Augen zu schließen. Im Laufe der Zeit hat sich die Fortpflanzungsrate der Bienen daran angepasst. Erfolgt eine Attacke, lassen sich die Arbeiterinnen fressen, damit die Larven, die Königin und die Honigdepots von den sattgefressenen Räubern verschont bleiben.
      Yeaushi-Imker halten sie schon seit der Gründung der ersten Kolonie, und seither hat sich ihre Haltung und Zucht immer weiter vervollkommnet. Jeder Intsi-Stock hat einen Eingang, der nur durch meterlange, an den Wänden verlaufende Röhren, zugänglich ist. Diese Röhren sind aus durchsichtigem Tenolasekret geformt. Der Instinkt läßt die Intsi untrüglich ihren Weg durch die Röhren zurück zum Stock finden, und so tragen die Glühbienen auch noch zur Beleuchtung bei. Ab und zu muß man die Röhrchen allerdings ersetzen, damit sie durch die Exkremente der Intsi nicht zu trübe werden.
      Der Honig, den die Intsi herstellen, schmeckt süß, aber anders als jede andere bekannte Honigsorte, und läßt sich zu einem hervorragenden Met brauen. Allerdings kommt ein noch viel stärkeres aromatischeres Getränk dabei heraus, wenn man den Honig zusammen mit vergorenen Moosbeeren und Zaokeblüten nach einem gut gehüteten Rezept ansetzt. Dieser Schnaps ist das Lieblingsalkohol der Yeaushi. Met, Moosbeerenwein und vergorene Noenomilch werden aber auch nicht verschmäht.
      In den Anfangszeiten, als die Yeaushi mit Toganern und Lysanern zu tun hatten, galt der Schnaps in beiden Ländern als seltenes Luxusgut. Seit der Versklavung durch die Toganer ist er hauptsächlich deren oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten.

      - PATHAYETAN
      Pathayetan sind riesige Höhlenmolche, etwa menschengroß, scheu und träge. Sie bewegen sich so wenig wie möglich. Ihr Stoffwechsel arbeitet in Zeitlupe, um Energie zu sparen, denn Nährstoffe sind in Höhlen knapp. Man findet sie hauptsächlich in den riesigen unterirdischen Seen, die Zufluß von außen haben. Sie ernähren sich von den Pflanzenresten, die mit hineingespült werden, und von den Lebewesen, die diese Nahrungsreste ebenfalls verwerten.
      Ihr Fleisch ist nicht besonders schmackhaft. Die Yeaushi erlegen sie hauptsächlich wegen des geschmeidigen wasserdichten Leders, das aus ihrer Haut gefertigt werden kann.


      ENTDECKE DIE MÖGLICHKEITEN
      Die Yeaushi gaben die Oberfläche niemals ganz auf. Unter der Erde war Nahrung knapp und nur mühsam zu erlangen, deshalb begrüßten sie die Möglichkeit eines erweiterten Speisezettels, die ihnen der Zugang zur Außenwelt bot. Sie hatten den Jhor Far Wald direkt vor der Haustür, und nutzten dies natürlich auch aus.
      Nachts kamen sie an die Oberfläche, um Zaokebäume und Blaugras abzuernten, und ließen ihre Zwergnoenos auf den Bergwiesen grasen.

      Die Soora verloren mit der Zeit unmerklich ihre Lichtempfindlichkeit. Das dauerte jedoch sehr lange. Erst siebenhundert Jahre nach der Symbiose konnten sich die Yeaushi auch wieder bei Tageslicht aus ihren Höhlen wagen.
      Wenn ein Yeaushi über längere Zeit hinweg im Freien ist, ziehen sich die Soora unter die obersten Hautschichten zurück und sind damit so gut wie unsichtbar. Im Gegensatz zu früher bereitet dieser Vorgang den Wirten keine Schmerzen mehr.
      Wird die Haut jedoch durch zuviel Sonne gereizt, ähnelt die Reaktion der Soora denen bei der Freisetzung von Grubengas. Das empfinden die Yeaushi als sehr unangenehm, und jede Gefahr eines Sonnenbrandes wird daher möglichst vermieden.
      Die Yeaushi konnten nun wieder an die Oberfläche, doch waren sie so an ihr unterirdisches Leben gewöhnt, daß sie kein Verlangen danach verspürten, permanent in einer unheimlichen Weite zu leben, die nicht durch sichere Wände gestützt wurde.
    • DIE SOORA IM LEBEN EINES YEAUSHI

      - KINDER
      Ein Neugeborenes kommt ohne das Soorageflecht zur Welt, wird jedoch befallen, sobald es in Hautkontakt zur Mutter kommt. Die Soora überwuchern langsam aber sicher die ganze Körperoberfläche des Babys. Sie helfen bereits bei der Abwehr von Krankheitserregern, obwohl sie noch nicht einmal den ganzen Körper bedecken. Als Folge davon ist die Säuglingssterblichkeit sehr niedrig.
      Dafür bewirken die Soora aus irgendeinem Grund, daß die Frauen nur alle 4-5 Jahre schwanger werden können. Das pendelt das Bevölkerungswachstum wieder ein. Bis sie merkten, daß ihre Frauen dadurch nicht unfruchtbar wurden, fanden die Yeaushi diesen Effekt der Pilze beängstigend. Inzwischen haben sie sich daran gewöhnt, daß sie sich in den teils kalten Höhlen aneinanderkuscheln und Spaß miteinander haben können, ohne sich ständig um unerwünschten Nachwuchs sorgen zu müssen. Will eine Yeaushi-Frau außerhalb des Fünfjahreszyklus ein Baby, so kann sie durch Einnahme von Blaugras nachhelfen, das den Eisprung anregt.
      Die Soora benötigen etwa zwei Jahre, um den Körper vollständig zu umschließen, und von da an dauert es etwa fünf Jahre bis zur ersten Sporenreife.

      - ERSTE SPORENREIFE
      Diese erste Sporenreife ist ein lebensgefährlicher Zeitraum, aber auch eine heilige Zeit voller Rituale für die Familie des betroffenen Yeaushi.
      Es gibt einige Vorzeichen, aber die eigentliche Blüte läuft innerhalb von einer Woche ab. Dabei setzen die Soora giftige Stoffe frei. Es bildet sich ein dünner, sichtbarer Flaum auf dem ganzen Körper, in dem die Sporen entstehen, die abgegeben werden. Die Energie und Nährstoffe dazu nimmt sich der Pilz aus dem Wirtskörper, was diesen zusätzlich schwächt.
      Kränkliche Yeaushi-Kinder sterben während der ersten Blüte, denn sie ist die heftigste. Wenn das Kind überlebt bekommt es seinen richtigen Namen, und wird Teil der Gemeinschaft der Yeaushi. Danach erfolgt die Sporenreife alle 4-5 Jahre.

      - ZWEITE SPORENREIFE
      Die zweite Sporenreife ist beinahe genauso gefährlich, da sie während der Pubertät erfolgt, wenn die Pubertätshormone die Körperchemie der Heranwachsenden zusätzlich durcheinanderbringen. Sie fallen dabei in einen körperlichen Schockzustand. Die Seele des Betroffenen fällt in eine Art Trance, und ist während dieser Zeit offen für Visionen. Diese Visionen sind bestimmende Omen für das weitere Leben des Yeaushi.
      Nach der zweiten Blüte gilt der junge Yeaushi als volljährig.
      Die folgenden Zyklen sind nicht ganz so gefährlich, da sich der Körper auf die Blüte eingestellt hat. Wer dennoch empfindlich ist, kann sich mit Kräutern helfen, die die Abwehrkräfte stärken und die Blüte abschwächen.
      Ungefähr in der Mitte eines jeden Zyklus kann eine Yeaushi-Frau ein Kind bekommen.
      Wenn die Sporenreife in einer Notsituation eintritt, kann man den Flaum der Blüte abschaben oder durch ein gründliches Bad mit gesegneten Badesalzen entfernen. Das wäre allerdings wirklich nur der letzte Ausweg, und es geschieht sehr selten.

      - SOORA-TRANCE
      In jeder Generation gibt es einige wenige Yeaushi, die zwei Seelen in sich tragen, was sie spätestens während der Trance der zweiten Blüte bemerken. Diese Yeaushi sind die spirituellen Ratgeber des Volkes. Sie sind so empfindlich, daß sie während jeder Sporenreife in Trance fallen. Außerdem können sie ihre Soora künstlich dazu bringen, die giftigen Stoffe auszuscheiden, die sie in Trance versetzen. In diesem Zustand sind ihre Seelen beinahe frei von den Schranken der körperlichen Existenz, und daher fähig, Magie einzusetzen. Meist rufen die Ratgeber nur Visionen herbei, die ihnen einen verschwommenen Einblick in die Zukunft ihres Volkes gewähren. Wie weit diese Fähigkeit geht, oder was sie noch zu tun vermögen, darüber schweigen sie sich aus. Allerdings ist der Preis dafür recht hoch: wenn sie öfter in der Soora-Trance Rat suchen, fügt das ihrer Gesundheit erhebliche Schäden zu.

      - SOORA UND RELIGION
      Die Yeaushi verehren die Erde als Lebensspender und Todbringer, sie glauben außerdem an verschiedene Geisterwesen, die durch Opfergaben besänftigt werden können. Die Soora sind ihnen heilig, weil sie das Volk damals vor dem sicheren Tod bewahrt haben, und das dauerhafte Leben unter Tage erst möglich machten.
      Die Yeaushi sind mittlerweile durch die lange Isolation und die Symbiose mit den Soora genetisch zu verschieden von den Rayshishi, als das sich die Rayshishi mit den Pilzen ‚infizieren‘ könnten. Auch kein Angehöriger eines der Einwanderervölker wurde je von den Soora ‚auserwählt‘ – für die Yeaushi umso mehr ein Zeichen dafür, daß ihnen die heiligen Pilze als Rettung geschickt wurden, und nur ihnen.
      Stirbt ein Yeaushi, so dient sein Körper den heiligen Pilzen als Nahrung, und sie bilden nun wieder Fruchtkörper aus, kehren also praktisch wieder zu dem Status zurück, in dem sie waren, ehe ihre Sporen zum ersten Mal einen Yeaushi befallen hatten.
      Am Ende bleibt nur das Skelett übrig. Diese Gebeine werden dann in heiligen, bunt bemalten und über und über von kleinen Grabnischen durchzogenen Felswänden beigesetzt. Die Nischen sind nur mit Hilfe von Seilen und Strickleitern zu erreichen.
    • STATUSSYMBOLE UND PRAKTISCHER KÖRPERSCHMUCK
      Das Haar der Yeaushi ist durch die Symbiose weißlich, mit einem leichten Stich ins Violette, da die Soora die Nährstoffzufuhr zum Haar verändern. Sie lieben es, sich kleine Perlen aus verschiedenen Edelsteinen hineinzuflechten. Einzelne Strähnen werden manchmal gefärbt und mit geschnitzten Schutzsymbolen gegen die Geister geschmückt. Aus Holz und Knochen werden auch Glücksbringer und Rangabzeichen geschnitzt und ins Haar geflochten oder an der Kleidung festgenäht.
      Die erwachsenen Yeaushi, die die zweite Blüte hinter sich haben, malen sich traditionsgemäß mit einem farblosen Wurzelsaft Muster auf den Körper. Der Saft regt das Soora an diesen Stellen zum Leuchten an, und das mehrere Tage lang, ehe die Bemalung erneuert werden muß.
      Die Muster sind individuell und ändern sich mit dem Lebenswandel des jeweiligen Yeaushi. Sie zeigen an, welcher Familie derjenige angehört, und welchen Beruf er ausübt, welche Gaben er hat oder welche Taten er vollbracht hat. Die Zeichen haben sich mit der Zeit zu einem regelrechten Zeichencode entwickelt, der parallel zur Schrift existiert. Manche Körpermuster werden aber auch einfach nur aufgetragen, weil sie schön aussehen. Leuchtmuster sind überdies ganz praktisch wenn Yeaushi im Dunkeln unterwegs sind, dann erkennen und finden sie sich.
      In den dunklen unterirdischen Höhlen gingen die Yeaushi immer leuchtend auf die Jagd, dort gibt es zwar Raubtiere und Beute, aber die sind größtenteils blind oder an das Pilzlicht gewöhnt. In dieser Umgebung ist das lumineszierende Leuchten der Pilze Fackeln sowieso vorzuziehen, da man so die Hände frei hat. Außerdem hätte die Wärme von zu vielen Fackeln die Jäger zusätzlich zu ihrer eigenen Körperwärme wie ein Leuchtfeuer für die infrarotsichtigen Tiere erscheinen lassen, das Leuchten der Pilze aber ist eine chemische Reaktion, bei der keine Wärme entsteht.
      In den Anfangszeiten als die ersten lysischen und togischen Waldläufer den Jhor Far erkundeten, sorgte das Leuchten der Yeaushi allerdings für wilde Geistergeschichten unter ihnen.

      KUNSTFERTIGE KULTUR
      Wie um der Düsterkeit ihrer Höhlenwohnungen zu spotten, ist die Kunst der Yeaushi sehr farbenfroh und lebendig. Es gibt eine Höhlenschneckenart ähnlich der Purpurschnecke, durch die sie einen wunderbaren Farbton gewinnen. Auch andere Farben bietet ihnen die Tier- und Pflanzenwelt des Jhor Far und der Höhlen.
      Die älteste unterirdische Siedlung - nach dem berühmten Anführer Yekoola benannt - wurde bei den Beben weitgehend zerstört, doch sie soll eine wahre Augenweide an phantasievoller Felsenkunst gewesen sein. Heute findet sich die abstrakte Farbenpracht in den Grabwänden, den bunt bemalten Steinfiguren der Kunsthandwerker und in den Webarbeiten der Frauen wieder.
      Die Knüpfarbeiten der Yeaushi sind meisterhaft, sie fertigen Seile, Taue und Strickleitern, mit denen sie Höhlen unterschiedlicher Höhe verbinden, Waren und Kranke in freischwebenden Lastenaufzügen über die verschiedenen Stockwerke befördern, oder Abgründe überbrücken. Für den Brückenbau nehmen sie aber auch Tenolasekret: Die Brückenbögen spannen sich auf filigrane Weise – jedoch stets mit Seilen und Netzen gesichert – über die schier bodenlosen Abgründe. Die meisten Yeaushi sind übrigens schwindelfrei.

      LUMINESZIEREND
      Für selbstleuchtende Tiere und Pflanzen haben die Yeaushi ein Händchen entwickelt. Sie verwenden sie zur Beleuchtung. Sie setzen durchaus Feuer und Fackeln ein, doch nur an Stellen mit ausreichender Frischluftzufuhr. Überall sonst werden die Höhlen und Gänge mit selbstleuchtenden Bändern aus Leuchtmoosen erhellt, oder dort verlaufen aus Tenolasekret gefertigte, durchsichtige Intsi-Röhren.
      In den extra angelegten Seitenrinnen der Brücken wuchern ebenfalls selbstleuchtende Pflanzen, die die Ränder markieren. Manchmal führen auch die Intsi-Röhren als leuchtende Geländer ihnen entlang.

      FERNWÄRME
      Unterirdisch geheizt wurde nicht nur durch Feuer, dessen Rauch hier und da mangels Abzug zum Problem werden konnte, sondern hauptsächlich durch Röhren im Gestein, durch die heißes Quellwasser geleitet wurde, das war gleichzeitig auch die Wasserleitung. Mit dem Versiegen der meisten Quellen durch die erneuten Erdbeben wurde es ungemütlich kalt unter der Erde – deshalb gingen die Yeaushi wieder an die Erdoberfläche zurück.

      SCHALL, MUSIK UND GESANG
      Die Yeaushi sind ein recht musikalisches Volk, das durch seine Musik und seinen Gesang der Dunkelheit Leben verliehen hat. So haben sie auch viele Musikinstrumente, meist flötenähnlich. Neue Musikinstrumente sind eines der wenigen Dinge, die sie ohne Zögern von den Lysanern und Toganern übernommen haben.
      Bei Festen begibt man sich in große Höhlen, die Höhlendecken wimmeln vor Glühbienen. Die Feuer brennen bunt durch Zaokekapseln, die man hineinwirft.
      Tausende Yeaushi sangen früher bei Versammlungen in der vom Mondlicht durchfluteten Großen Höhle im Kanon mit den unzähligen wiederhallenden Echos ihrer eigenen Stimmen. Keiner, der einmal dabei war, konnte solch ein Erlebnis je wieder vergessen.
      Wenn die Yeaushi auch viele Erkenntnisse vergessen haben, die sie einst als Hochkultur erlangt hatten, so haben sie sich doch einiges bewahrt und Neues dazugelernt.
      Sie haben viel Ahnung vom Schall, und wie er in den Höhlen verstärkt, verzerrt oder weitergeleitet wird. Teilweise können sie durch Röhrensysteme mit in der Nähe liegenden Höhlen kommunizieren. Und wenn jemand krank oder verletzt ist, werden auch heilende Gesänge angewandt, die die Genesung unterstützen sollen.
      Waldläufer-Yeaushi, die die Grenzen hüten, können mit ihren kleinen Pfeifen jede Vogelart des Jhor Far nachahmen, sie haben auch eine Signalsprache entwickelt, um damit über weite Strecken zu kommunizieren.
      Singvögel gingen ihnen früher unter der Erde leider immer ein, aber sie hielten sich Grillen und Zikaden und erfreuten sich an ihnen. Und nun im Wald ist es nicht mehr nötig, Singvögel einzusperren, denn sie sind überall im Jhor Far zuhause.

      NICHTS BLEIBT, WIE ES IST
      Die Überlieferungen der Yeaushi wurde in weit voneinander entfernten unterirdischen Siedlungen in Felswände eingeätzt - falls mal eine Stelle verschüttet werden sollte. Durch diese dauerhaften schriftlichen Aufzeichnungen zusätzlich zur mündlichen Überlieferung sind sich die Yeaushi ihrer jahrtausendealten Geschichte mehr bewußt als jedes andere Volk. So haben sie die Erinnerung daran behalten, daß sie einst an der Oberfläche lebten, und es bei Gefahr wieder könnten. Das Wissen darum war ihre große Hoffnung, als ein altbekanntes Unglück ihr Volk traf.
      Es gab erneut eine Reihe schwerer Erdbeben.
      Die Kontinentalplatten, die unter dem Suurgebirge liegen, das Raysher in der Mitte durchzieht, rieben gegeneinander. Nur dadurch hatte sich das Gebirge ja überhaupt erst aufgefaltet, und die Erschütterungen waren darum auch im und unter dem Gebirge am heftigsten. Viele Yeaushi wurden verschüttet und starben. Außerdem versiegten nach den Erdbeben zwei der drei größten heißen Quellen, die warmen Lebensadern, die die Yeaushi in der Tiefe am Leben gehalten hatten.
      Dies, zusammen mit Visionen und der Tatsache, daß die Symbionten nun in der Lage waren, das Tageslicht einigermaßen zu ertragen, war der Anstoß für die Yeaushi, den Schoß der Erde wieder zu verlassen.
    • NEUE HEIMAT, ALTE HEIMAT
      Sie siedelten um in den Wald, der das Suurgebirge wie eine schützende Decke umhüllt. Hier, im tiefsten Herzen des Jhor Far, unter den großen alten Bäumen, herrscht ähnliche Dunkelheit wie in den Bergtiefen.
      Seit sie an der Oberfläche sind, benutzen die Yeaushi ihre Strickleitern und Seile, um die Höhen der Bäume zu erklimmen. Es gibt Jäger und Sammler, die zwischen den mächtigen Wurzeln der uralten Baumriesen jagen, und welche, die oben die Straße der Äste benutzen, oder die Zaokebäume an den Gebirgshängen abernten. Die Yeaushi sind geschickte, schwindelfreie Kletterer. Das Erklimmen der Bäume fällt ihnen sogar sehr leicht, denn man kann viel besser Kletterhaken hineinschlagen. Sie kennen den Jhor Far gut und können schnell von einem Ende zum anderen gelangen. Je näher man den Rändern kommt, desto lichter wird der Wald, und hier sind die Yeaushi am liebsten im Halbdunkel oder nachts unterwegs.
      Sie wohnen nun zwar im Jhor Far, doch sie haben die Tiefen der Berge nicht aufgegeben. Zu ihren heiligen Ritualen und zur Beisetzung ihrer Toten kommen sie nach wie vor hier zusammen, auch nutzen sie die Höhlen weiterhin als Jagdgründe und als Anbaufläche für Moose und Pilze. Die Yeaushi essen diese selbst, und sie mästen ihre kleinen, von Wildschweinen abstammenden Herden von Hausschweinen damit.
      Aus dem vielseitig verwendbaren Tenolasekret stellen sie weiter ihre glasähnlichen Röhren und Gefäße her, die die Lysaner und Toganer als Handelswaren schätzen.
      Die Yeaushi färben und bemalen die großen Stoffbahnen und Vorhänge ihrer heimeligen Baum- und Wurzelhäuser genauso gerne, wie sie es früher mit den Wänden ihrer Felsbehausungen taten. Damit färben sie auch ihre Kleidung, die meist aus der Wolle ihrer Zwergnoenos gefertigt ist. Abgesehen von den Fellen und Häuten der Tiere im Jhor Far schmücken sie sich mit Vorliebe mit den Fellen von Voilooa (eine in den Höhlen heimische Albino-Frettchenart) oder deren Beute, Höhlenkaninchen, die auch ein weiches, meist schwarzes Fell haben. Aus der Haut der Pathayetan fertigen sie geschmeidiges wasserdichtes Leder.
      Bei den seltenen Gelegenheiten, da sie den Jhor Far verlassen, verhüllen die Yeaushi ihre Gesichter zum Schutz vor der Sonne mit dünnen Schleiern, die sie aus den Netzen von Höhlenspinnen herstellen, Verwandte der Yinuspinnen. Seit sie im Jhor Far wohnen, bevorzugen sie Yinuseide, da sie eine bessere Qualität hat. Sie behaupten, die Kunst der Seidenherstellung einst erfunden zu haben, jedoch können weder sie noch eines der anderen Völker beweisen, ob das stimmt.


      JÜNGERE GESCHICHTE
      Die Yeaushi hatten schon beinahe tausend Jahre ungestört wieder an der Oberfläche gelebt, ehe sie das erste Mal auf die Fremden stießen, die den Jhor Far erkundeten. Sie waren mehr als überrascht davon, daß es auf Shiuzun Völker gab, die eindeutig nicht vom Urvolk der Eshi abstammten. Und sie waren sehr neugierig.
      Von den wenigen einsamen Waldläufern und Holzfällern, die zu dieser Zeit in die Siedlungen der Yeaushi eingeladen wurden, stammen die ersten Berichte über die ‚Ten an Jhor‘. Zuerst tat man das angebliche Waldvolk als die abergläubischen Wahnvorstellungen einsamer Verrückter ab. Es dauerte Jahre, bis man die Gerüchte von seiner Existenz wirklich ernst nahm.
      Die Visionen der Ältesten sagten klar, was zu tun war:
      Die Yeaushi waren lange für sich gewesen, und sie wollten selbst bestimmen wann und wie sie den Kontakt zur Außenwelt aufnahmen. Sie schickten ihrerseits Kundschafter aus, die die Berichte überprüften und Informationen über das sammelten, was während ihrer unterirdischen Epoche auf Raysher geschehen war.
      Es wurden Patrouillen gegründet, die an den Grenzen des Waldes entlangstreiften, und dafür sorgten, daß keiner den Jhor Far betrat. Die Yeaushi ließen keine Fremden hinein, jedenfalls nicht, solange sie es mit friedlichen Mitteln verhindern konnten. Neugierige wurden mit Vorliebe betäubt und zum Waldrand zurückgebracht.
      Die einzigen, die durchgelassen wurden, waren die Nachkommen der Waldläufer, denen sie zuerst begegnet waren. Über sie lief der meiste Handel mit den Lysanern oder Toganern ab.
      Das ging so lange gut, bis den Toganern einfiel, daß sich die friedliebenden Yeaushi wunderbar als Sklaven für ihre Bergwerke eigneten. Da die meisten Minen sich im Suurgebirge befinden, durften die Yeaushi jedoch in ihrem Wald bleiben. Heute gibt es einen kleinen Militärstützpunkt der Toganer im Jhor Far.
      Die Zukunft der Yeaushi ist ungewiß.

      +++++

      Wer immer es geschafft hat, sich durch diese Menge Text zu quälen: Respekt! *gg*
      Das war also die Beschreibung des Volkes. Der Charakter, den ich näher beschreiben will ist Yekolo, der Anführer, der erst die Eshi und dann die Vorfahren der Yeaushi gerettet hat. Was es grob über ihn zu sagen gibt steht schon im Text, ich werde es noch ein bißchen näher ausführen – aber für’s Erste wars das mal. :)
    • :o O-mein-Gott... Das ist ja viiiiiel! :D Wie lange hast du dafür gebraucht? Hui. Ich find das total cool, auch wenn ich es noch nicht geschafft hab, mich bis zum Ende durchzulesen *sich die Seite auf Diskette pack* ;D
      Gefällt :thumbup: ;D
      Schön das die WCA-Projekte langsam wieder eintrudeln. :nick:
      vormals Gerblinger.
    • Och, weiß ich nicht mehr so genau. Den groben Text hab ich vor ca 1 Jahr geschrieben, die Bilder vor ca 1/2 Jahr gemalt und die Benamsung und Überarbeitung nach den Notizen von Lilly und mir vom WB-Treffen hab ich vor zwei Wochen fertig gemacht, und dann mußte Lilly noch ihr OK geben...
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