Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur haben?

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    • Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur haben?

      Welche Eigenschaften muss die Hauptfigur haben, damit man sich mit ihr identifizieren kann? Muss man sich überhaupt mit ihr identifizieren können?

      Funktionieren Geschichten auch mit unsympathischen, verweichlichten oder schwachen Charakteren?

      Braucht man einen Helden, mit dem die Leser mitfiebern können?
    • RE: Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur haben?

      Original von Kalinda
      Funktionieren Geschichten auch mit unsympathischen, verweichlichten oder schwachen Charakteren?


      Mit verweichlichten und schwachen bestimmt (solange es nicht zu extrem wird) - da fühlt man sich als Leser an sich selbst erinnert (wir sind doch alle schwach ;)) und kann entsprechend in schwierigen Situationen mitfiebern. Bei unsympathischen Charakteren... hm, das kommt darauf an, wie hoch der insgeheime Fiesheitsgrad des Lesers ist, vielleicht kann man sich dann mit solchen Helden identifizieren, wenn man insgeheim im echten Leben mal fies sein wollte, es aber (zum Glück) nicht schafft... *blafasel*

      Mehr später. :)
    • RE: Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur haben?

      Original von Kalinda
      Funktionieren Geschichten auch mit unsympathischen, verweichlichten oder schwachen Charakteren?


      Ich denke schon - unter der Vorraussetzung, dass der Leser immer nachvollziehen kann, warum die Hauptfigur sich so verhält, wie sie sich verhält. Wenn man die Beweggründe des Charakters nicht verstehen kann, kann man sich schlecht in ihn hineinversetzen.
      Mbwa ni hatari

      Zivilisation ist gefräßig
    • Also mir fällt da gleich mal wieder Gormenghast ein: Steerpike ist nun nicht unbedingt sympathisch (und auch die meisten anderen Charaktere nicht) und trotzdem sind die Bücher toll. :)
      Grundsätzlich lese ich aber Bücher mit mir sympathischen Hauptfiguren lieber.

      Mit verweichlichten und schwachen bestimmt (solange es nicht zu extrem wird) - da fühlt man sich als Leser an sich selbst erinnert (wir sind doch alle schwach ) und kann entsprechend in schwierigen Situationen mitfiebern.

      Einerseits stimme ich Ehana da zu, andererseits sind schwache Charaktere immer so eine Sache... In welcher Hinsicht denn schwach? Eine Hauptfigur, die kaum eigene Entscheidungen trifft und kein wirkliches Ziel vor Augen hat ist oft ziemlich nervig, finde ich. Also bei einer Geschichte, die sich in erster Linie um so eine Hauptfigur und ihre Entwicklung (vielleicht zu mehr Willensstärke) dreht, kann ich mir das vorstellen, bei einer Geschichte hingegen, deren Hauptinhalt nicht dieser Charakter selbst ist, kann das schon problematisch sein.

      Braucht man einen Helden, mit dem die Leser mitfiebern können?

      Öhm... jein. Ich tu mir grundsätzlich leichter mit Geschichten, bei denen ich mit jemandem mitfiebern kann. Ich hab auch schon Bücher gelesen, in denen es keine Hauptfigur gab, mit der man mitfiebert, aber dann gibt es in der Regel einen "Ersatz". Also dass quasi ein Land / ein Dorf / eine Kultur etc. der "Held" ist, mit dem man mitfiebert (also dass das Land nicht zerstört wird / die Kultur überdauert und nicht von einer anderen ausgelöscht wird etc.). Verständlich? *heute etwas dumm bin*
    • Wenn man sich mit dem Hauptfigur identifiziert, scheint mit das etwas persönliches, weil dieser Hauptchar eine bekannte und geliebten Typ (der Leser?!) ähnelt. Für eine gut geschriebene Geschichte muss man sich nicht unbedingt mit der Hauptchar identifizieren können, das heißt, wenn die Geschichte "plot driven" ist. Ist die Geschichte aber "character driven" dann ist der Hauptchar wichtiger aber dann kann der Schreiber auch nichts dafür wenn der Leser der Char und damit die Geschichte auf subjektive Grunde ablehnt.

      Es ist höchst selten das ich mir mit einen Hauptchar identifizieren kann, und deswegen mag ich "character driven" Geschichten nicht.
      Es ist doch Deine Schuld, dass Deine Welt ist, wie sie ist. :P
      Aquilifer: die Weltenbastler: Wir zerstören deutsches Kulturgut seit 1999
    • Ich denke auch unsympathische Eigenschaften eines Charakters können dafür sorgen, dass der Leser "mitfiebert" - realistisch und in sich durchdacht muss der Protagonist einfach sein, damit er diesen Effeckt erzielt, egal, ob der nun ein mächtiger Held oder ein verletzliches Sensibelchen ist und wie der Leser jeweils zu diesen Typen steht.

      Hauptsache seine Eigenschaften - welche auch immer das sind - kommen überzeugend und begründet rüber.
    • Ich finde, dass James N. Frey in einem seiner "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt"-Bücher das Problem mit den schwachen Charakteren gut illustriert. Er bringt das Beispiel von der "schwachen Hausfrau" und dem "schwachen Buchhalter". Besteht die Geschichte nur daraus, wie die schwache Hausfrau und der schwache Buchhalter die ganze Zeit leiden und nichts tun, um aus ihrer Situation herauszukommen, wird sich der Leser nicht in sie hineinversetzen können, weil er immer denkt "Jetzt tu doch was!". Stellt man hingegen erst das Leiden / Schwachsein als Ausgangssituation dar und anschließend das Bemühen des Protagonisten, aus der Situation herauszukommen, ist das gleich was anderes. So ungefähr müsste das da stehen, ich habe die Bücher momentan nicht hier und kann also auch nicht nachschauen. ;)
    • Ich denke, das hängt einfach von der Geschichte ab, die man schreiben will. Wer einen Helden-Epos schreibt, der braucht einen Helden, und wenn der laufend nur rumweint und nach Hause will, nervt das (wenn er aber immer nur gewinnt, ist die Geschichte langweilig).
      Wer einen Entwicklungsroman schreibt, muss eben entsprechend der geplanten Entwicklung seinen Charakter gestalten - z.B. einen Bastian B. Bux, der als verweichlichter Außenseiter anfängt und am Ende merkt, dass es einem auch nicht wirklich immer gut geht, wenn man ein strahlender, gefeierter Anführer ist. Oder aber man nimmt einen Helden und demontiert ihn, wie es in meinen Augen bei "Gormenghast" der Fall ist - Steerpike fängt recht harmlos an, er hat die Sympathie des Lesers - armer Küchenjunge, der's schafft zu entkommen und sich einen besseren Platz sichern will. Das macht jeder Leser noch total gerne mit. Nur, wie sich der Bursche dann entwickelt, ist weniger sympathisch ;)


      Die Hauptsache ist, dass Hauptfiguren glaubhaft und interessant sind. Sie brauchen Eigenarten, Macken, und am besten sind sie eben nicht nur schwach oder nur stark, sondern echte Menschen mit Schwächen und Stärken, wobei je nach Figur eine Seite überwiegen darf. Aber einen totalen Loser mag ich ebensowenig wie den Superhelden, und wenn ich solche Figuren habe, dann halt nur, um sie im Lauf der Geschichte zu verändern.
    • Ich für meinen Teil kann folgendes nach einigen Jahren Erfahrung und dem momentanen Studium von zwei Büchern über das Schreiben sagen: Sind die Charas einfach nur Toll und fast unbesiegbar ist das zwar toll, aber stinklangweilig.
      Charaktere die einfach nur "Gut" sind und vor Tapferkeit, Aufrichtigkeit und einfach nur Edelmut schier explodieren, sind unrealistisch und langweilig. (nicht dass ICH so was gemacht hätte, neeeeeeein *pfeif*)

      Ich denke, Charaktere müssen sowohl stärken als auch schwächen haben. Und ganz wichtig wäre noch ein Merkmal, an dass man den Charakter eindeutig identifizieren kann, irgendein Charaktermerkmal

      Ich habe ungefähr 6 Hauptcharaktere, eigentlich 7, die jeder für sich ein unverwechselbares Merkmal haben, an denen der Leser sie auseinanderhalten kann. Bei der einen ist es der hohe Ehrbegriff und die nach außen hin ruppigkeid mit dem tief verborgenen guten Herzen, bei der anderen die doppelte Persönlichkeit, die sich einerseits in einem kindischen Wesen, andererseist in einer eiskalten Killerin äußert, usw.

      Der andere Offizier, der böse und arrogant und hinterhältig wirkt, ist in Wirklichkeit gar nicht so schlecht, hat eben andere Ansichten und Prinzipien.

      Ich denke vielschichtige Charaktere sind wichtig, die sowohl gutes und böses in sich tragen.
      Und wie schon erwähnt, der Leser sollte sich mit einer Hauptfigur identifizieren können. Wer mit einer Person mitfiebert, der wird mehr begeistert sein ;)
      Unmöglich gibt es nicht für uns Jinari. Nur noch nicht versucht, oder noch nicht geschafft. Aber solange wir leben und atmen, werden wir nach den Sternen greifen...
    • Ein Charakter, bei dem man mitfiebern kann, ist immer toll, aber ich denke, es gibt keinen Königsweg zu Charakteren, die allen gefallen.
      Ich persnlich mag z.B. die Schwächlinge nicht. Werther hab ich gehasst, und wenn Aragorn und Sam nicht gewesen wären, hätte ich auch den Herrn der Ringe nicht zuendegebracht. Denn Frodo ist so überhaupt nicht mein Typ. Der furchtsame Bauernsohn, aus dem später mal ein Held werden soll? Damit kann man mich nicht begeistern.
      Man wird also wohl nie den Geschmack aller Leute treffen. Ich denke, wenn dich die Person begeistert, dann passt das schon. Für mich ist es immer wichtig, daß die Personen "lebendig" erscheinen und nicht wie Stereotypen. Aber das ist auch schon wieder meine persönliche Meinung.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Ich kann nicht mal sagen, dass fast unbesiegbare Charaktere uninteressant sind, wenn ich mir Karl Edward Wagners Kane anseh... die Geschichten um ihn sind einfach genial gestrickt, so dass diese auch immer spannend sind und immer neue Wendungen tragen. Und der Hauch des Uralten, dass diesen Char umgibt, einfach wunderbar mitschwingt in jedem seinem Handeln.

      Ansonsten glaube ich, dass es ganze egal ist, welche Eigenschaften ein Hauptchar hat, dass man aus jeder Kombination oder jedem Menschen oder was auch immer ;) eine geeignete Figur für eine Geschichte machen kann und dass es ausschließlich an dieser Geschichte liegt und an dem, worauf, auf welchen Aspekt sich diese Geschichte konzentrieren will... dabei muss es noch nicht mal sowas wie eine Handlung geben...
    • Original von Adalbert
      Ich personlich mag Figuren, die etwas schüchtern und ein bißchen ängstlich sind. Sind wir das denn nicht alle? Intelligenz wäre noch fein, sowie Humor.

      Wenn ich ein Buch lese, mag ich aber gerade nicht Dinge erleben, die mich auch im Alltag dutzendweise umgeben. Klar sollen es keine unfehlbaren Superhelden sein, aber irgendwas besonderes sollte die (Haupt)person schon sein, sonst hätte sie sich kein eigenes Buch verdient <- meine Meinung.
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Beides widerspricht sich ja nicht. Aber bedenke: in einer fremden Welt ist es schon gut, wenn man sich mit jemandem identifizieren kann.

      Bei den Superhelden ist mir nun mal Spider-Man mit seinen zahlreichen Problemen tausend Mal lieber als der langweilige Supermann.
    • Ein Buch gewinnt sicher ungemein, wenn dem Leser eine oder mehrere der Personen wichtig werden. Aber das muß nicht unbedingt jemand sein, mit dem man sich "identifiziert", der also so etwas wie ein Stellvertreter für den Leser selbst ist. Ich persönlich bin als Leser eben immer von den Charakteren fasziniert, die eben nicht wie ich sind, und die nicht mal so sind, wie ich gerne wäre.

      [wilde Hypothese]
      Es gibt zwei Arten von Lesern. Die einen identifizieren sich mit einem "Alter Ego", mit einem Stellvertreter für sie selbst. Diese Person muß ihnen also in gewisser Weise ähnlich sein, oder muß so sein, wie sie gerne wären.
      Die anderen "verlieben" sich in einen Charakter. Wie beim wirklichen Verliebtsein muß da keinerlei Ähnlichkeit zwischen dem Leser und der Person im Buch gegeben sein. Man mag die Person einfach "so wie sie ist" ohne sie mit sich selbst zu vergleichen.
      [/wilde Hypothese]
      Wenn Gott allwissend ist, weiß er dann auch wie Papiertaschentücher schmecken?
    • Ich lese plotorientiert (und demzufolge kommt mir character-driven-Zeugs kaum ins Haus). Also darf eine Hauptperson fast alles sein, nur auf Mary Sues reagier ich allergisch.
      Veria
      Don't diagnose and drive.

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    • Habe gerade ein Buch gelesen, dessen Hauptfigur die meiste Zeit ziemlich perfekt gehandelt hat, obwohl sie im Innern natürlich Zweifel und Ängste hatte. Alles, was die Frau gemacht hat, war richtig -> die Story wirkt klischeehaft.

      Shay, deine "wilde Hypothese" kann ich durchaus nachvollziehen. Habe beides schon erlebt. ;D

      Ein "Held" ist für mich jemand, der Stärken und Schwächen hat, aber sich selbst überwindet und deshalb am Ende siegt. Klingt klischeehaft, aber wenn der Held dauernd auf der Stelle tritt, geht nix weiter in der Story. So ein Held ist schon mal eine gute Hauptfigur (meine Meinung).

      *müde* War das verständlich?
    • Original von Vüdrrordürgoor
      Ich lese plotorientiert (und demzufolge kommt mir character-driven-Zeugs kaum ins Haus).


      Bei mir ist das umgekehrt, wenn ich einen Charakter wirklich mag, lese ich auch plots, die mich sonst nicht die Bohne interessieren würden. Und eine Story mag noch so toll sein, ohne einen Charakter, der mich interessiert, wird es verdammt hart, sie zu lesen.

      Ich habe da übrigens das Problem, daß meine Lieblingscharaktere meist nach zwei Dritteln der Geschichte sterben ;) Daran sieht man schon, daß es eher selten die "geplanten Hauptpersonen" sind.
      Ist doch nur meine Meinung. Ich find ja auch die Drachenlanze blöd, und Millionen Leute lieben die Bücher trotzdem.
    • Hmm... interessant, interessant, vor allem auch Shays Hypothese in der Hinsicht, die ich nämlich nur sehr bedingt nachvollziehen kann.

      Ich verliebe mich selten bis nie in einen Char, identifiziere mich auch nicht mit ihm. Ich betrachte den Charakter durch die Geschichte und die Sprache, die der Autor benutzt. Das kann jetzt spannender sein oder weniger spannend, gut geschrieben oder weniger gut geschrieben... das ändert allerdings nichts an der Grundhaltung.
      Was ist für mich wichtig beim Lesen? Sprache, allen voran. Wie etwas geschrieben wurde, die Art und Weise, wie Sprache benutzt wird, um Spannung zu erzeugen, um den Plot voranzutreiben, um Gefühle zu beschreiben und Situationen. Wenn mir ein Buch sprachlich nicht gefällt, leg ich es ziemlich schnell zur Seite... Dann, weiter hinten, kommt erst Charakterentwicklung und Plot.

      Aber zum Thema: Wenn man sich die Figur des Thomas Covenant ansieht, dann ist das eigentlich ein absoluter Ungustl, der hier als Held dargestellt wird, ein "tragischer Held", würden manche dazu sagen, der eine weitere Protagonistin auf den ersten 20 Seiten gleich mal vergewaltigt und dessen Gradwanderung zum Wahnsinn man dann in weiterer Folge liest. Dass er dabei die Welt rettet ist eigentlich komplett überflüssig. Das war mir dann auch zu viel "tragischer Held".
      Der schon erwähnte Kane von Karl Edward Wagner geht wiederum in die Richtung, dass er zwar ein absolut übermächtiger Gegner ist, unsterblich noch dazu, ihm allerdings immer das von ihm Erreichte und Geschaffene früher oder später durch die Finger gleitet, ein Getriebener, ein Verfluchter, dessen Wahrnehmung - was auch wunderbar beschrieben ist - sich um gänzlich andere Dinge dreht als die eines Normalsterblichen. Insofern ist er genauso ein "tragischer Held".

      Welche Eigenschaften hat K. in Kafkas das Schloss? Welche Eigenschaften hat die Hauptfigur in Camus' Der Fremde? Welche Eigenschaften hat Leutnant Gustl? Die Fragestellung lässt sich beliebig fortsetzen, würd ich mal sagen. Es gibt für mich einfach alle Varianten, und für mich als Leser ist es immer wieder spannend, neue Varianten zu entdecken, neue Ausdrucksformen, neue Autoren und ihren Umgang mit Sprache, neue Ideen, neue Szenen, neue Verrücktheiten, neue Gedanken, die verarbeitet werden und wurden.

      Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur in einer Fantasy-Geschichte haben? Ich glaub, selbst das ist offen... dazu muss ich aber auch fragen: Was ist eine Hauptfigur? Wie definiert sich eine Hauptfigur, ein Protagonist, eine Randfigur?