Welche Eigenschaften muss eine Hauptfigur haben?

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    • Ich denke, mit "identifizieren" ist einfach gemeint, dass man sich für die Hauptfigur interessiert und dass man gespannt ist, was mit ihr passiert. Nicht, dass man sich so fühlt, als wäre die Hauptfigur einem selbst charakterlich ähnlich. Bei all den Menschen auf der Welt wäre es sonst wohl nicht so einfach, eine für alle Leute passende Hauptfigur zu finden! ;)

      Wobei man sich jetzt halt wieder für unterschiedliche Leute interessiert.

      Was eine Hauptfigur daher wohl am besten braucht, ist einen Grund, warum sich der Leser für sie interessieren sollte. Meist wünscht ja der Leser der Figur, dass sie irgendwie ihr Ziel erreicht oder dass sie aus dem Schlamassel rauskommt, in dem sie gerade steckt. Daher braucht für mich eine Hauptfigur als erstes: Ein nachvollziehbares Problem! ;D Und dann noch den Willen, sich diesem Problem zu stellen und es zu lösen. Jemand mit Problem, der einfach nur rumhängt und nüscht tut, hat es eher schwer, den Leser zu fesseln.

      Ein Indianerhäuptling, der seinen Stamm vor einem Angriff der Weißen schützen will, hat für mich ein nachvollziehbares Problem. Ich würde wohl ziemlich schnell auf seiner Seite stehen. Oder eine schüchterne Frau, die sich vorgenommen hat, sich an diesem Tag einem Problem zu stellen. Beispielsweise behandelt ihr Chef sie schlecht, und bisher hat sie sich nie getraut, etwas dagegen zu unternehmen. Oder jemand, der sich für eine Stelle bewirbt, weil er etwas Bestimmtes bewirken will. Er ist Walschützer und muss daher unbedingt ein Amt in einer Umweltschutzorganisation bekommen, wo er sich für den Walschutz einsetzen kann. Oder oder oder ...
    • Es gibt zwei Arten von Hauptfiguren: die, die der Autor als Hauptfigur plant, und die, die der jeweilige Leser zu seiner persönlichen Hauptfigur macht. Ob die dann identisch sind, ist von Fall zu Fall verschieden.

      Mir fällt da spontan "Elfenwinter" von Bernhard Hennen ein. "Die Elfen" mochte ich und Ollowain ist der Typ Figur, auf den ich immer einsteige. Aber als ich hörte, daß Hennen ihn zur Hauptfigur zu machen versucht, wußte ich, das geht schief. Und so haben wir dann auch ein Buch bekommen, das durch die Blickwinkel verschiedener Hauptpersonen total zerfällt, wobei die von diesem Troll, dessen Name mir nicht mehr einfällt, beinahe noch die intessanteste war. Es gibt Charaktere, mit denen kann man keine Geschichte tragen, so sehr man sie auch liebt. Und jemand wie Ollowain ist der perfekte "Supporter". Wie läßt Hennen jemanden im Buch so treffend zu ihm sagen: "Du exisistierst nicht außerhalb deiner Pflicht." (oder sowas in der Art, ich kanns nicht mehr wörtlich zitieren).
      Ist doch nur meine Meinung. Ich find ja auch die Drachenlanze blöd, und Millionen Leute lieben die Bücher trotzdem.
    • Ich kann mask Beitrag eigentlich so unterschreiben.

      Persönlich bin ich der Meinung, dass man dies gar nicht so pauschalisierend sagen kann. Es gibt soviele verschiedene Aspekte, die ein gutes Buch, einen guten Charakter etc. ausmachen und im gewissen Sinne ist es auch ein Zusammenspiel aus allen Punkten. Ein extrem tragischer Held [besagter Weise Mary Sues oder Marty Stus] kann funktionieren, aber nur, wenn das Umfeld dazu passt und der Autor in der Lage ist, die Möglichkeiten dieser Form auszunutzen. Das das bedauerlicherweise meistens schief geht, hab ich schon oft genug gelesen. Die Variabilität ist das Entscheidende.

      Ich identifiziere mich eigentlich weniger mit den Charakteren der Bücher. Aber Charaktere müssen mich beeindrucken, mich faszinieren können. Irgendetwas, was bleibt. Schade ist es dann allerdings, wenn der Hauptcharakter hervorragend ausgearbeitet ist, an Tiefe gewinnt und auch überzeugend wirkt, die Nebencharaktere aber alle in einem diffusen Nebel der Bedeutungslosigkeit verschwimmen. Ich liebe gut ausgearbeitete Nebencharaktere :)

      Insgesamt komme ich also für mich zu dem Schluss, dass ein guter Hauptcharakter sich nicht über seine Eigenschaften definiert [oder dies nicht notwendigerweise tut], sondern dazu noch viel mehr gehört. Außerdem gibt es ja dann noch den Aspekt, dass sich jeder seinen eigenen persönlichen Favoriten sucht und dieser nicht unbedingt mit dem übereinstimmen muss, den der Autor dafür vorgesehen hat ;)
    • Außerdem gibt es ja dann noch den Aspekt, dass sich jeder seinen eigenen persönlichen Favoriten sucht und dieser nicht unbedingt mit dem übereinstimmen muss, den der Autor dafür vorgesehen hat


      Genu. Meine sterben meistens nach zwei Dritteln des Buches. ;)
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    • Ich hab den Verdacht, die Autoren machen das nur, damit die von ihnen erwählten Hauptcharaktere eine Szene bekommen, in der sie betroffen gucken und Dinge wie "Ich werde ihn vermissen" oder, noch tragischer, "Ohne ihn wird meine Welt nie wieder ganz sein" sagen dürfen, bevor sie weiterziehen.
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    • Hmm... nein, glaub ich garnicht. Es sollte dann doch ein wenig mehr dahinter stehen, wenn ein Charakter so das Zeitliche segnet. Aber gut, wenn man sich GRRM anschaut, da sterben auch einige einfach so, obwohl man was anderes glauben könnte. Wobei ich da auch bis jetzt noch keinen klassischen Spannungsbogen entdecken kann, oder zumindest etwas anderes als einen epischen, der episodenhaft aufgezogen ist...
    • Um ehrlich zu sein, ich glaube das auch nicht wirklich - zumindest nicht, wenn ich der Handlung und /oder der Hauptperson noch was abgewinnen kann. Wenn nicht, dann schon ;)
      Es ist halt auch hier immer die Frage der Qualität des ganzen.

      Und Hauptpersonen kann man halt erst ganz am Schluß umbringen, wenn man seine Handlung noch zuende bringen will.
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    • Hmm... kommt drauf an, was man als Hauptperson bezeichnet. Der Handlungsträger kann ja öfter mal wechseln, ohne dass dadurch die Hauptperson irgendwie beeinflusst wäre. Ein Prof von mir hat mal gemeint, Hauptperson wäre immer jene, an der sich ein entscheidender Wandel während eines Handlungsablaufes vollzieht, wobei das für Film definiert gewesen war. Bei Literatur und der damit zusammenhängenden Langsamkeit verglichen mit dem Film und der Handlungsfülle kann man das nicht mehr so definieren, sondern muss einen anderen Weg finden. Aber ich bin der Meinung, dass die Hauptperson nicht zwangsläufig auch der Erzähler sein muss und schon garnicht die meistbetrachtete Figur.

      Wäre aber mal spannend, die Hauptperson umzubringen und die Handlung weitertragen zu lassen... aber dann hätte man sofort eine neue Hauptperson... hmm... vielleicht kann man das auch vermeiden, wenn man geschickt schreibt...
    • Angeblich kann man tatsächlich ohne eine Hauptperson - im Sinne von "Person, aus deren Perspektive erzählt wird" - schreiben. Das würde bedeuten, man kann jederzeit eine Person in den Mittelpunkt rücken oder im Hintergrund verschwinden lassen, und bei niemandem vorher absehen, wie wichtig oder unwichtig er für die Haupthandlung ist. (Wobei ja dann auch wieder die Frage ist, was die Haupthandlung ist ;) )

      Ich weiß allerdings nicht, ob ich jemals so ein Buch gelesen habe - wenn, dann habe ich es wohl nicht gemerkt. Mehrere Hauptpersonen, klar, mit wechselnden Perspektiven, dann ist immer der die "Hauptperson", aus dessen Sicht grade erzählt wird, aber ein Text, der völlig ohne subjektive Erzählweise und Blickwinkel geschrieben ist ... irgendwie stelle ich mir das sehr langweilig vor.

      Die Hauptperson muß nicht zwangsläufig der Erzähler sein, das ist wahr, aber in den meisten Texten ist das so - oder man empfindet es zumindest so. Weil man den Erzähler als Leser zwangsläufig am besten kennenlernt und durch ihn Zugang hat. Außerdem braucht man ihn natürlich, um die Geschichte weiter zu erzählen, das heißt, er überlebt eine Weile *g*
      Ist doch nur meine Meinung. Ich find ja auch die Drachenlanze blöd, und Millionen Leute lieben die Bücher trotzdem.
    • In Tobias Meißners "Paradies der Schwerter" geht es soweit ich weiß um Gladiatoren deren Leben und Sterben während dem Schreiben zufällig mit dem Würfel bestimmt wurde. Da dürfte es zum Beispiel keine Hauptfigur geben.
      Ich hab das Buch leider noch nicht gelesen obwohl es auf meiner Wunschliste steht, es soll aber trotz der experimentellen Art zu schreiben sehr gut sein.
    • Es gibt Bücher ohne "Hauptperson".

      Joost van den Vondels "Gijsbrecht van Aemstel" hat als Haupt"person" die Stadt Amsterdam. Sie handelt nicht, spricht nicht, leidet nur (unter Angriffe der Feind, wie Vosmeer und die Grobber). Hier kann man sagen: es ist der Hauptperson, wo sich die ganze Geschichte um dreht, der Mittelpunkt der Geschichte...

      In The Saragossa Manuscript wechslen im Rahmenerzählung die Chars so häufig, das es eigentlich keinen Hauptfigur gibt. Ich ahne, es ist hier das Manuskript, das der Hauptperson ist (leider hab ich nur der Film gesehen).
      Es ist doch Deine Schuld, dass Deine Welt ist, wie sie ist. :P
      Aquilifer: die Weltenbastler: Wir zerstören deutsches Kulturgut seit 1999
    • Muss eine Hauptfigur bestimmte Eigenschaften haben? Ja, aber nur eine: sie muss echt sein, authentisch. Auch ein unsympathischer Charakter kann eine gute Hauptfigur abgeben, einer der eine gespaltene Persönlichkeit hat, einer der nicht viel redet und schüchtern ist..Ich habe in meinen Geschichten die verschiedensten Charaktere als Hauptfiguren. Wichtig ist für eine Geschichte meiner Meinung nach nur, das die Figuren keine blassen Papierhelden sind. Sie müssen einen Charakter haben, eine Geschichte, Schwächen, Stärken, Eigenarte, Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste, ein charakterisierendes Aussehen und verhalten...all das macht für mich einen guten Charakter aus.

      Man muss sich nicht mit ihm identifizieren, man kann es nie allen recht machen. Die Charaktere müssen nur ihre Rolle perfekt spielen und echt wirken, so als könntest du sie vlt. sogar auf der Straße treffen (bei Fantasyromanen schlecht, ich weiß ;)). Sie müssen einfach glaubwürdig rüberkommen, das ist das wichtigste. Und einen hohen wiedererkennungswert haben.

      lg DarkSide
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    • Ich mach mit großer Begeisterung an die Threads hier. :D

      Ein extrem tragischer Held [besagter Weise Mary Sues oder Marty Stus] kann funktionieren, aber nur, wenn das Umfeld dazu passt und der Autor in der Lage ist, die Möglichkeiten dieser Form auszunutzen. Das das bedauerlicherweise meistens schief geht, hab ich schon oft genug gelesen.

      Hm, ich verstehe unter einer Mary Sue / einem Gary Stue eher jemanden, der immer alles perfekt macht, was er noch nicht kann, lernt er bis nächste Woche (und wenn es darum geht der beste Schwertkämpfer der Welt zu werden), etc...

      Also ich finde, dass ein Protagonist vor allem liebenswert sein muss. Er muss einige Schwächen aufweisen, muss Fehler machen und auch einmal moralisch nicht richtig handeln, aber ich persönlich mag zum Beispiel psychopathische Charaktere gar nicht.
      Eine gewisse Schwelle darf der Hauptcharakter nicht überschreiten. Das ist etwa Spaß und Lust am Morden, sadistische Folter, Vergewaltigungen, wirklich exzessive Tierquälerei, absolute Gefühlskälte und Gleichgültigkeit, exzessiver Rassismus und Sexismus, etc. Ich hab da einen Artikel auf tv tropes gefunden (ich liebe tvtropes! :hail: ), der das wohl besser erklärt, als ich das kann. Moral Event Horizon
      Und Charaktere, die ich auch nicht mag, sind solche, die nicht mit anderen zusammenarbeiten können, sich in keine Gruppe einfügen können und so. Einzelgänger gut und schön, aber mir fehlt dann oft die Dynamik zwischen den Charakteren, wenn der Hauptcharakter nicht auf andere zugehen möchte.
      Genauso verhält es sich mit Menschen, die sich immerzu leidtun. Da hab ich jetzt unterbewusst Menschen geschrieben, sehe ich gerade, aber wahrscheinlich, weil es real auch so ist. Ich finde auch, dass so etwas (für mich) ein Buch zerstört.

      Death Note zB. (hoffentlich ein paar Leute kennen das, sonst kann sich niemand etwas unter dem Beispiel etwas vorstellen) war wegen der Story interessant und Light konnte ich in den ersten Folgen noch relativ gut ab, während ich es unnötig fand, dass er im weiteren Verlauf der Story so ... naja sich selbst verloren hat und verrückt wurde. Klar, Macht macht verrückt, aber das war ja der schlimmste Psychopath, zu dem er geworden ist. Aus war es mit dem Sympathieträger, der er sein hätte können, trotz der schwierigen Thematik.

      Aber um Missverständnisse zu vermeiden, muss ich dazusagen, dass ich strahlende Helden auf ihrem Schimmel auch nicht mag, genauso wenig wie Reingut gegen Reinböse. Ein Hauptcharakter darf für mich gerne... sagen wir hellgrau sein, aber nicht schwarz, weil ich dem Kampf schwarz gegen schwarz auch nichts Abgewinnen kann.

      Beim Schreiben... man schreibt ja selbst, was seinem eigenen Geschmack entspricht, deswegen passiert das bei mir automatisch, dass die Hauptcharaktere so geraten, dass ich etwas Liebes an ihnen finden kann. Hm, hört sich jetzt recht bescheuert an. ^^"

      Was das Aussehen betrifft: Sagen wir es so, sie müssen nicht Adonis und Venus sein, aber bei menschlichen Charakteren habe ich schon wenigstens eine gewisse durchschnittliche Schönheit gerne, so zugegeben eben. ;)
      Es muss auch nicht jeder ein Genie sein, aber durchschnittliche Intelligenz hilft auch den Charakter zu mögen und...

      Mir ist aufgefallen, dass vor allem bei Young Adult-Fantasy das Problem der "Zickenmädchen" aufkommt, die aber nicht als Zimtzicken, sondern als starke Frauen dargestellt werden. Für mich geht das überhaupt nicht und ich brauch immer etwas länger diese Mädchen zu mögen. Clary in den Chroniken der Unterwelt gerät in eine ihr vollkommen unbekannte Welt und zickt mal rum und teilt schon recht bald Ohrfeigen aus, weil sie überreagiert. Korra in Avatar legt sich in der ersten Folge mit den Autoritäten in der Stadt an und macht Ärger. Ich dachte: "Was macht das Mädchen da? Sie ist der AVATAR und benimmt sich so unreif. Aang war wesentlich jünger und trotzdem erwachsener als sie in der ersten Folge." Später lernte ich aber beide sehr gerne zu mögen, Korra mehr als Clary.
      Das ist wahrscheinlich unter anderem einer der Gründe, warum ich männliche Hauptcharakter schneller ins Herz schließe. Was irgendwie seltsam als Frau ist. XD Mit Katniss Everdeen (Die Tribute Von Panem) zB. hatte ich als Hauptperson gar keine Probleme.

      Und entschuldige für das Ausgraben uralter Themen, aber... die sind halt interessant. =)
    • Ich mach mit großer Begeisterung an die Threads hier.

      o_0
      ;D

      Soo. Was fällt mir zum Thema ein?

      Ich mag Protagonisten, die in irgendeiner Weise besonders sind (oder sich zumindest dafür halten).

      Ich mag Protagonisten, die entweder klug sind oder zumindest keine offensichtlichen Fehler machen. Genry-savvy ist ein Bonus.

      Ich mag Protagonisten, mit denen ich mich identifizieren kann - weil sie mir irgendwie ähneln, oder weil sie in einer Lage stecken, in der ich schon war, noch bin oder die ich metaphorisch so lesen kann, dass ich mich drin wiederfinde. Z.B. hatte ich früher eine Schwäche für Protas, die eingesperrt sind und irgendwie ausbrechen müssen, weil ich mich in meiner damaligen Situation so gefühlt hab.
      Nicht zuletzt deswegen fiebert man ja als Potterianer im ersten Band mit Harry mit, weil man in irgendeiner Weise auch mit dem "Muggelverhalten" der Dursleys schon mal zu tun hatte, oder es zumindest in seine Umgebung reinliest. So gings mir jedenfalls. ;)

      Ich mag auch Protagonisten, die etwas Sadistisches an sich haben - sofern sie sich dabei a) intelligent verhalten und b) nicht komplett böse sind (also z.B. gegenüber anderen Personen wieder sehr altruistisch und freundlich)

      Protagonisten, die masochistisch sind - hmm, da fallen mir nicht viele ein. Das hängt natürlich sehr vom Setting ab. Ich finde es anstrengend, wenn ein Perspektiventräger einfach mal alles akzeptiert, was um ihn rum passiert, und nix zu ändern versucht. Da hab ich eigentlich das Gefühl, um die Hauptperson betrogen worden zu sein, weil sich die Action sozusagen woanders abspielt.
      Kann natürlich zu einer Geschichte gehören, dass eine sehr passive Person lernt, aktiv zu werden. Und das dauert. Seh ich ein.

      Protagonisten, die ständig Glück haben und denen alles gelingt, langweilen mich auf die Dauer. (Maks Frei, I'm looking at you...) Das selbe gilt aber auch für Protagonisten, bei denen ständig alles schief geht. (GRR Martin?)

      Und Charaktere, die ich auch nicht mag, sind solche, die nicht mit anderen zusammenarbeiten können, sich in keine Gruppe einfügen können und so. Einzelgänger gut und schön, aber mir fehlt dann oft die Dynamik zwischen den Charakteren, wenn der Hauptcharakter nicht auf andere zugehen möchte.

      Hm, ich glaube, ich mag Einzelgänger. Hängt aber davon ab, ob der Plot verlangt, dass gute Zusammenarbeit passiert. Wenn es notwendig ist, und sich der Protagonist stur weigert, nehme ich mal an, dass ich das auch doof finden täte.

      Das ist etwa Spaß und Lust am Morden, sadistische Folter, Vergewaltigungen, wirklich exzessive Tierquälerei, absolute Gefühlskälte und Gleichgültigkeit, exzessiver Rassismus und Sexismus

      Ungefähr eine bis zwei aus der Liste gehen bei mir für einen Protagonisten, den ich mögen kann, noch durch. Danach hörts wahrscheinlich auch bei mir auf. ;)
      Ist aber stark kontextabhängig. In einem Buch, was z.B. in einer sehr rassistischen Kultur spielt, würde mich offener Rassismus des Protagonisten nicht so stören; es wäre eben realistisch, und muss nicht zwangsläufig heißen, dass er darüber besonders nachgedacht hat.
      Könnte aber unter Umständen mit meiner Regel §1 (Der Protagonist soll nicht dumm sein!) kollidieren.

      Ich mag Protagonisten, die sehr viel selbstreflektieren. Bonuspunkte, wenn sie dabei leicht wahnsinnig werden. :D Ebenfalls Bonuspunkte, wenn sie trotz seitenlangen Reflektierens Fehler machen, die mir als Leser nicht mal auffallen. ;D

      Ich mag Protagonisten, die sich Feinde machen. Nee, ich liebe Protagonisten, die sich viele Feinde machen. Eine schöne Streitszene mit einem Antagonisten, und ich bin als Leser gewonnen. Bonuspunkte, wenn die Feinde große Institutionen sind (Staat, Kirche, Geldadel ;) ).

      Schlussendlich - weil ich das Bedürfnis habe, einen letzten Punkt dranzusetzen - schlussendlich mag ich Protagonisten, die keine der genannten Eigenschaften haben, und trotzdem interessant sind und in einem fesselnden Plot stecken. So, schlussendlicher gehts kaum. :pfeif:

      Any sufficiently complex explanation is indistinguishable from ISSO. / / / Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable.
    • So ist es. :D

      Da muss ich dir auch zustimmen, Protas die reflektieren sind auch gleich viel sympathischer. Nur wird es dann oft langatmig, wenn sie seitenlang philosophische Essays über ihre Situation sozusagen schreiben, während der Plot drumherum stillsteht.
      Dafür mag ich einen Protagonisten viel mehr, wenn ich ihn in Alltagsszenen beobachten kann, die ihn eben etwas menschlicher machen.
    • Ach, hab ich hierzu noch gar nichts geschrieben? ;)
      Mir fällt so auf Anhieb nicht viel ein, was bei Figuren für mich überhaupt nicht geht, wenn es gut geschrieben ist. Ein Beispiel, das mir aber hauptsächlich in Fanfiction begegnet ist, sind Protagonisten, die im Vergleich zu den anderen viel zu viel Macht haben, was irgendwann nur noch lächerlich wirkt und der Geschichte jede Spannung nimmt. Außerdem stört es mich, wenn die Entwicklung einer Figur nur dazu dient, um irgendeine Botschaft loszuwrden. Das gilt auch dann, wenn ich der Botschaft durchaus zustimme, wie zum Beispiel, dass irgendeinem Sexisten eine Lektion erteilt wird. Wenn ich die Botschaft ablehne, wie bei den alten Teeniemädchenbüchern, in denen das "wilde" Mädchen durch gute Menschen irgendwann begreift, dass das Dasein als Hausfrau und Mutter seine wahre Bestimmung ist nervt's natürlich noch mehr. (Ja, sowas gab's in der Kindheit meiner Mutter noch recht häufig.)
      Grundsätzlich mag ich Geschichten, mit mehreren wichtigen und interessanten Figuren, die gut ausgearbeitet und unterschiedlich sind, auch wenn sie nicht unbedingt Erzähler sein müssen. Das bringt auch eine erfreuliche Abwechslung, wenn man mit den Verhaltensweisen eines davon nicht so viel anfangen kann, gibt es immer noch die anderen.
      Normalerweise neige ich dazu, mich immer erst einmal mit den Protagonisten mitzufiebern, wobei ich auch noch nicht viel mit wirklich hochgradig gewalttätigen Protagonisten gelesen habe.
      Für mich müssen Handlung und Charakterisierung beide überzeugen (und die Welt bei Fantasy bzw. die Recherche bei anderen Werken auch). Wenn mich die Handlung nicht interessiert, zum Beispiel irgendwas in Richtung "junge Frau verliebt sich in reichen Mann", reißt da auch keine noch so gute Charakterdarstellung was.
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