Trauer in Geschichten

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Trauer in Geschichten

      Moin.

      Ich habe zwei Fragen an zwei verschiedene Gruppen. Einmal an Autoren und einmal an Leser.

      Es dreht sich alles um Trauer in Geschichten. Wie drückt man Trauer am besten aus? Wann findet ihr eine Stelle Traurisch?

      Es würde mich freuen, wenn ihr mal eure Gedanken hier posten könntet.

      Da ich die gewonnen Einsichten direkt und unmittelbar verwenden möchte, würde ich es schön finden, wenn diejenigen, die Autor und Leser sind ihre Aussagen trennen könnten, wenn das möglich ist. Also z.B.

      Also Autor verwende ich folgende Bilder bla bla bla

      und

      Als Leser find ich besonders Szenen wie die in Bla Bla


      Also ganz einfach ;)

      Shark
      Ich brauche wirklich keine Einbauküche! Ich will mir auch kein kleines Häuschen bauen! Was ich gerne hätt, das wäre eine Schaukel, dann würd ich schaukeln, und in den Himmel schauen.. (Scheiße in der Birne - Yok Quetschenpaua)
      Drungs Mucke
    • Re: Trauer in Geschichten?

      Laß ma überlegen.

      Wenn ich Trauer ausdrücken will, sagen meine Leute gar nichts mehr. Hören mitten im Satz auf zu reden, weil irgendwas sie plötzlich an das erinnert, worum sie trauern. Oder sie werden sehr abweisend und ziehen sich zurück, oder reden konfuses Zeug und fangen mittendrin an zu heulen. Besondere Symbole hab ich nicht, es sei denn, sie ergeben sich aus der Geschichte, zB eine Flöte.

      Szenen finde ich dann traurig, wenn jemand nicht nur sagt: "Hey, meine Katze ist gestern überfahren worden, und ich bin jetzt echt total traurig", sondern wenn ich die Trauer sehen, hören und spüren kann. Der Satz geht auch, aber da müßte noch mehr sein.

      Bei plötzlichem Verlust ist es auch sehr gut, zuerst mal ein völlig zwanghaftes Verhalten zu beschreiben. ZB ist der Ehemann gestern tot umgefallen, und heute deckt die Frau trotzdem den Tisch und stellt dem Alten die Pantoffeln raus und redet mit ihm und benimmt sich völlig irre, weil er ja nicht mehr da ist. Ich bin zum Beispiel mit meinem Hund noch spazierengegangen, obwohl er tot war und es draußen total stürmte - und jawohl, ich WAR irre. Drei Tage lang, bis er plötzlich wirklich "weg" war.

      Rabenzeit 1 gibt's bei Amazon für den Kindle, überall sonst für Tolino und als gedrucktes Buch im Buchhandel. :)
    • Re: Trauer in Geschichten?

      In meinen Geschichten fangen die Trauernden meistens an zu grübeln und ich schreibe ihre Gedanken auf.
      Meistens beschreibe ich so eher das "Drumherum", als die eigentliche Trauer. Hilfreich dafür sind die Gefühle, die Trauer mit sich bringt (Verlust, Einsamkeit, Selbstmitleid, Hoffnungslosigkeit...).
      Eine meiner Elfen berichtet z.B.:
      "Kälte hatte mein Herz schon vor langer Zeit gefrieren lassen. Ich ließ es zu dass meine Freunde verschwanden und nun musste ich diese Last der Einsamkeit für den Rest meines Leben tragen."
      (Da Elfen unsterblich sind, ist das eine ziemlich lange Zeit.)
      Man kann auch die Umgebung trostloser wirken lassen. Es kann beginnen zu regnen oder die Temperatur kann plötzlich abfallen, weil der Himmel sich mit dunklen Wolken zuzieht.
      Außerdem hilft es mir, mich einfach zu erinnern, wie ich mich Gefühlt habe, als ich das letzte mal trauerte.

      Have a break – have a book.
    • Re: Trauer in Geschichten?


      Man kann auch die Umgebung trostloser wirken lassen. Es kann beginnen zu regnen oder die Temperatur kann plötzlich abfallen, weil der Himmel sich mit dunklen Wolken zuzieht.

      das ist mir persönlich zu episch - das sieht für mich immer aus, als würde die ganze welt mittrauern, wenn der held der geschichte trauert... und solange er nicht das wetter beherrschen kann, ist es auch eher unwahrscheinlich, dass es mehr oder weniger regnet, weil er froh oder traurig ist...
      insofern neige ich eher dazu, das wetter von den gefühlen der personen unabhängig zu machen (aber nicht andersrum!).
      trauer kann man dennoch beschreiben - sowas wie "... und die sonne schien hell und strahlend über den trauerzug hin. sie wusste nichts - oder sie wollte nichts wissen - vom tod maries. die welt lief weiter und der mond war nicht in seiner bahn stehengeblieben. kein tagelanger regen fiel, sondern weiße wölkchen standen am blauen himmel. aber jakob war das alles ganz egal."
      äh... naja, ihr versteht sicher was ich meine %-)
      Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
      The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
      A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
      She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."
    • Re: Trauer in Geschichten?

      Egal, ob als Leser oder Schreiber, ich finde Verlust ungemein traurig. Egal, ob ein geliebter Mensch, ein schöner Gegenstand oder ein wichtiges Werkzeug - Wenn sowas verloren geht, dann geht mir das schon an die Nieren.
      Beschreiben würde ich dann das Gefühl, den inneren Prozess, wie die Trauer überwunden wird. Vielleicht in der Art, dass der Verlust zu irgendwas gut sein muss, sonst hätte er nicht stattgefunden. Das kann einer Geschichte eine neue Wende geben oder ein kompletter Neuanfang sein...

      :) :) :) :) :) :) :)
      Unvermindertes Susi-Glück! ;D

      I'm in love, I'm in love
      I'm in love with a strict machine

      http://doroc.jimdo.com
    • Re: Trauer in Geschichten?

      Trauer... das ist Schock über Verlust und plötzliche Einsamkeit, so zumindest versuche ich das herüberzubringen. Personen reagieren unterschiedlich, z.B. sehr still oder auch sehr laut und wütend. Das hängt von dem Charakter ab, den man gerade schreibt.

      Charakter A redet nur noch leise und tonlos, zuckt die Schultern, schnieft etwas und guckt viel in der Gegend herum, damit niemand die Tränen sieht, die rauskullern wollen. Er/Sie versucht, alleine zu sein und möchte am liebsten im Elend versinken und auch, daß alle mittrauern. Im ganz extremen Fall verliert der Charakter jeden Lebensmut.

      Charakter B ist auf alles und jeden sauer, auf das Verlorene, auf alle, die das nicht verhindert haben, und vor allem auf sich selbst. Er/Sie fühlt sich nutzlos und als Versager und läßt diese Wut und Verzweiflung an allem und jedem aus. Er/Sie läßt sich also vielleicht vollaufen und fängt dann einen Kampf in einer Kneipe an oder tut etwas noch gefährlicheres.
      Solche Charaktere sind die typischen späteren Rächer: wenn jemand geliebtes getötet wurde, kanalisiert der Charakter die Wut nach innen und bewahrt sie sich auf als Motor zum Weiterleben ("Mein Name ist Inigo Montoya. Du hast meinen Vater getötet - jetzt bist du des Todes!").

      Edit
      Ach ja, und übrigens was Kiki meinte: dieses "Die Welt trauert mit" mag ich in normalen Erzählungen absolut nicht. In Mythen und Epen ist es natürlich passend, aber in normaler Prosa ist es einfach unrealistisch - als meine Oma starb, schien die Sonne, auch wenn mir eher nach Ragnarök zumute war. Die Welt kümmert sich halt nicht um Individuen.
      Als Leser will ich in erzählenden Texten echte Trauer, die zur Figur paßt. Jeder trauert anders. Es muß plausibel sein.
      Traurige Stellen sollten meiner Meinung nach langsam geschrieben werden, der Leser muß Zeit haben, die Details der Trauer zu sehen. Traurige Stellen sind meist kleine Bremsen in Texten, was nicht negativ gemeint ist. Die Stimmung fällt, Bedrückung macht sich breit und auch Mitleid mit den trauernden Charakteren. Ich will gerne genau wissen, wie es aussieht (im Gegensatz zu Action-Scenen, wo die Handlung wichtiger ist als das drumherum).
    • Re: Trauer in Geschichten?

      wie Doro schon sagte: Trauer wird sehr oft (oder immer?) durch Verlust hervorgerufen.
      Doch nicht jeder Verlust ruft im Umkehrschluß Trauer im Leser hervor. Was ich sagen will: damit du im Leser Trauer durch Verlust hervorrufen kannst, mußt du zuerst den Leser dazu bringen, daß er den Charakter liebgewinnt, an ihm hängt, sein Verschwinden tatsächlich als Verlust betrachtet.

      Das Gleiche funktioniert genauso mit einer wichtigen Tätigkeit oder Handlung, wenn der Leser dazu gebracht wird, daß er sich tatsächlich wünscht, daß diese Handlung stattfindet, und Trauer empfindet, wenn durch eine Wendung in der Erzählung diese Handlung plötzlich unmöglich gemacht wird... (so wie ich z.B. am Schluß des letzten Anhalter-Bandes irgendwie traurig war, weil nun tatsächlich Schluß zu sein schien)

      KEIN Happy End stimmt z.B. ebenfalls traurig, zumindest wenn die Geschichte oder die Charaktere o.ä. einem ans Herz gewachsen ist.
      Æýansmottír-Blog - Mysterion-Blog - Deviant - Mysterion - Æýansmottír (provisorisch) - Bloubbuji

      Jedes Tier sollte stolz sein, wie Grillgut auszusehen. Besser als wenn man hinschaut und sagt: "Nette Suppeneinlage." (Mara)
      The limit of the Willing Suspension Of Disbelief for a given element is directly proportional to its degree of coolness.
    • Re: Trauer in Geschichten?


      KEIN Happy End stimmt z.B. ebenfalls traurig, zumindest wenn die Geschichte oder die Charaktere o.ä. einem ans Herz gewachsen ist.


      Naja aber kann man in einer Kurzgeschichte einen Charakter hervorheben, den die Leser liebgewinnen? Wäre vielleicht ne Frage für ein anderen Thread...
      Ich brauche wirklich keine Einbauküche! Ich will mir auch kein kleines Häuschen bauen! Was ich gerne hätt, das wäre eine Schaukel, dann würd ich schaukeln, und in den Himmel schauen.. (Scheiße in der Birne - Yok Quetschenpaua)
      Drungs Mucke
    • Re: Trauer in Geschichten?

      Noch mal zum Wetter:
      Es ist völlig egal, wie das Wetter ist, wichtig ist, wie es empfunden wird. Ein trauernder kann sich über nervtötenden Sonnenschein ärgern, grausames Vogelgezwitscher hören oder einen pervers blutigfarbigen Sonnenuntergang erleben, während andere Leute ein Gewitter wahnsinnig romantisch finden oder ausgelassen im Regen tanzen.
    • Re: Trauer in Geschichten?

      Soweit es geht fasse ich die Trauer in meinen geschichten ins Gesamtkonzept. Da ich Größtenteils Kurzgeschichten verfasse, richten sich diese in der Grundstimmung jeweils in eine Richtung. Ansonsten versuche ich dem Leser mit Worten, Gefühlsbeschreibungen oder einfach nur Landschaftsbetrachtungen das Gefühl zu vermitteln was die Figur in dem Moment empfindet.

      Konvuses Zeug lasse ich sie dann auch gerne reden  %-)

      Das mit dem Wetter mag ich auch nciht wirklich. zwar es dann trotzdem bei mir schlechtes Wetter. Aber wenn beschreibe ich es aus der Sicht des Charakters. Für den einen erscheinen die Menschen auf der Straße wie flüchtende Insekten die sich möglichste schnell verkriechen wollen und die Betonwüste ist eine einzige Graue Masse.
      Jemand der glücklich ist, erkennt auf den gesichtern der Leute vielleicht ein Lächeln oder einen sanften Schimmer und die Stadt um ihn herum ist voller grüner pflanzen die das Grau vollkommen überdecken.
      Es kommt immer auf den Standtpunkt an.

      Deshalb ist das mit Symbol/Bild auch schwierig Bilder können unterscheidliche Sachen bedeuten.
      Weiß ist bei uns eine Farbe der Freude, andere Kulturkreise verbinden mit ihr etwas trauriges. Genauso auch die Weiße Lilie. Man kann fröhliche sachen einen traurigen Unterton geben (siehe die Tragik-Komödie) es kommt immer auf den Gesamteeindruck an. zu mindest meiner Ansicht nach.

      Genauso empfinde ich es auch als Leser. Je nach dem wie der Autor eine Szene, eine gegebenheit darstellt entsteht in mir das Gefühl von Trauer. Klar bestimmte Sachen sind halt traurig Tod eines geliebten Charas oder Sachen dergleichen. Aber das sind halt sachen die jeden traurig stimmen.
      Die schönsten Szenen sind die mit einer versteckten Traurigkeit. Leider fällt mir gerade keine passende Situation ein... Typisch  %-)


      Das wars erstmal... es leben die Rechtschreibfehler :-[
      "Viele jener Laienchristen blieben natürlich besonders schwerhörig, sobald man von ihnen verlangte, seit langem vertraute Kompromisse aufzugeben." (Peter Brown, Autorität und Heiligkeit - Aspekte der Christianisierung des Römischen Reiches, Stuttgart 1998, S. 34)
    • 5072 Tage seit der letzten Antwort..


      Sorcha schrieb:

      Man kann auch die Umgebung trostloser wirken lassen. Es kann beginnen zu regnen oder die Temperatur kann plötzlich abfallen, weil der Himmel sich mit dunklen Wolken zuzieht.
      Es muss auch nicht sein, dass das Wetter sich tatsächlich erinnert, sondern der Charakter es nur anders wahrnimmt.



      Außerdem hilft es mir, mich einfach zu erinnern, wie ich mich Gefühlt habe, als ich das letzte mal trauerte.
      Das ist besonders dann wichtig, wenn man die Geschichte aus der Sicht des trauernden Charakters schreibt. Wie nimmt er seine Umgebung wahr, was denkt er, was fühlt er (wie fühlt er es), etc?
      Inhaltsverzeichnis zu den Weltenthreads
      Fleischrechte für Fisch!
      "Sicmes okmikem okmegir Elk."