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Von Großen Hühnerfressern und Schaumverliebten Tanten

(von Jundurg)

Das zwölfte Türchen ist so verkrustet, dass sich seine Scharniere kaum bewegen lassen.
Es führt hinein in eine Wüste, wie es sie wohl kein zweites Mal gibt…

Der ganze Boden war mit Zucker bedeckt, eine große durch die Feuchtigkeit zusammengebackene gelblichgraue Kruste. Pitos Halbschuhe hinterließen nur rissige Abdrücke, kein deutliches Profil, wie er gerade einen der Hügel hinaufstieg. Am Horizont konnte man die Sonne untergehen sehen, nur dass sie selbst hinter einem riesigen Plakat verschwunden war, einem Plakat, auf dem eine große Sonnenbrille aufgemalt war, die mit ihrem unbewegten schwarzen Blick eine unheimliche Stimmung verströmte. Pito sah jedoch die meiste Zeit in die entgegengesetzte Richtung, wo seine Schulfreundin Fuhi neben ihm den Hügel hinaufstieg, und dabei leise summte. Pitos Blick hing dabei meist an ihren Lippen fest, auf denen etwas vertrocknetes Blut einen Fleck bildete, der aussah wie eine Klammer, die ihrem Mund das Öffnen verwehrte. Beim Schnaufen blähten sich ihre Wangen auf, aber sie behielt den Mund geschlossen, weiter ihre Melodie summend. Pito stellte sich hingegen Fragen.

"Wo ist der nächste Bauernhof?" fragte er, und "Wo sind all die Hühner hin?", und "Sieh dir das an, diese Klumpen, meinst du nicht auch, dass es schon längst einmal Zeit wäre, dass wieder einmal jemand hier drüberfegt?"
Fuhi schien gar nicht hinzuhören. Sie ging unbeirrt weiter, und wurde sogar noch schneller. Der unhöfliche Gesichtsausdruck auf dem Gesicht Pitos kümmerte sie nicht – sie kannte ihn, und wusste, dass es sich lediglich um seine Art handelte, sich unangenehme Gedanken aus dem Kopf zu halten. Es war etwas ungewöhnlich, so spät noch draußen zu sein, und noch ungewöhnlicher war, dass nirgends Hühner zu sehen waren. Aber gerade das war nicht wirklich beunruhigend, da sich an solchen Tagen die Hühner in der Abenddämmerung meist versteckten, um nicht länger dem gnadenlosen Blick der schwarzen Sonnenbrille ausgesetzt zu sein.

Aus Fuhis Hosentasche baumelten zwei weiße Kopfhörer an einem Kabel; sie hatte sie rasch eingesteckt, als Pito sie zu dieser abendlichen Wanderung eingeladen hatte, aber sie zu benutzen, brachte sie dann nicht übers Herz. Pitos Fragen mochten lästig sein, aber es war besser, wenn irgendjemand sie hörte. Die Melodie, die sie summte, veränderte sich ab und zu, wechselte sozusagen in eine andere Stimmung, wann immer sie eine der Hügelketten erklommen hatten und vor der nächsten, höheren, standen.

Obwohl der Boden aus Zucker bestand, war es nicht ratsam, ihn zu kosten, denn er war voller Schmutz; auf der klebrigen Oberfläche bildete der Staub Schlieren. In dieser Gegend waren oft Menschen unterwegs, abends jedoch war es immer sehr ruhig. Während des Sonnenuntergangs nach draußen zu gehen, galt als unvorsichtig. Man konnte nie wissen, wie lange es dauern würde, bis die Großen Hühnerfresser auftauchen würden. Aber Pito war zur Not mit einer selbstgemachten Brille bewaffnet. Keiner wusste, warum die Hühnerfresser sich so vor dunklen Brillen fürchteten; vielleicht hatte es einmal vor langer Zeit ein traumatisches Erlebnis gegeben, das sich in die Gene ihrer Rasse eingebrannt hatte. Aber derlei Spekulationen waren fruchtlos. Auch wenn Pito gerne unter seinen Freunden prahlte, er wisse genau, wer die Hühnerfresser seien, und woher sie kämen, in Wahrheit genoss er lediglich den skeptischen Blick seiner Schulkollegen, wenn er eine seiner Erläuterungen zum Besten gab. Er war auch nicht, wie er manchmal behauptete, in der Nacht auf die Jagd nach verlorenen Hühnern gegangen. Von klein auf hatte man sie getrimmt, während der Nacht nicht nach draußen zu gehen, da sich dann, von Richtung Sonnenaufgang her, die Hühnerfresser näherten.

Niemand wusste eigentlich genau, wie Hühnerfresser aussahen. Im Allgemeinen mieden sie Licht, wenn man sie aber mit einer Taschenlampe anleuchtete, veränderten sie blitzschnell ihre Gestalt; gerade sah man noch einen dunklen Schemen, mit wer weiß wie vielen scharfen Zähnen, dann schließlich nur noch eine klobige schwarze Kugel, die scheinbar am klebrigen Untergrund festsaß. Erst, wenn das Licht verschwand, verwandelten sie sich wieder zurück. Aber es kam nur sehr selten vor, dass man diese schwarzen Kugeln sah, denn meist gingen, wenn die Großen Hühnerfresser kamen, sogleich alle Lichter aus. Aus irgendeinem Grund schienen sie Lichtquellen zu zerstören, wenn sie sich in der Nähe aufhielten.

Pito hatte einen weiteren Hügel erklommen, und blieb kurz stehen, um auf seine Freundin zu warten. Fuhi bedeutete ihm mit einem strengen Blick, dass das nicht notwendig gewesen wäre, blieb aber schließlich auch stehen, weil sie ungern voran ging. Der Vorangehende hatte meist mit großen Brocken rutschenden Zuckers zu kämpfen; sie stapfte lieber in den Fußstapfen des Jungen.

Sie standen.
"Wir haben die Grenze des Landes 11 erreicht.", sagte Pito unnötigerweise. Die selbe Information konnte Fuhi auch von den zahlreichen kleinen Steinmarkierungen ablesen, an die sie sich angelehnt hatte.
"Gehen wir zurück?", fragte Fuhi. Als ihre Lippen sich öffneten, verzog sie das Gesicht, als ob es ihr Schmerzen bereitete. Die Wunde auf ihren Lippen fing wieder an zu bluten.

"Es ist in beiden Richtungen gleich weit.", meinte Pito und beantwortete die Frage, in dem er einen Schritt in das nächste Tal hinab machte. Leider rutschte der Klumpen, auf den er den Fuß gesetzt hatte, sofort weg, und er verlor das Gleichgewicht. Fuhi fasste ihn an der Hand, und zog ihn mit verdrehten Augen wieder hoch. Auf der Rückseite seines T-shirts klebte nun gelber Zucker, und vermengte sich mit dem Schweiß zu einer ekligen Masse. Pito machte nur einen kurzen Versuch, sich den Dreck abzuwischen, sah aber sogleich, dass es keinen Sinn hatte.
"Die Hühner sollen mich holen!", sagte er, "Wieso ist der Zucker gerade an dieser Stelle so weich, dass er kleben bleibt?"
"Ich kann es dir nicht sagen.", murmelte Fuhi. Die Töne ihrer Melodie waren ihr entfallen, und da sie zu müde war, um sie sich wieder in Erinnerung zu rufen, entschloss sie sich stattdessen, Pito ein wenig zu ärgern.
"Du hast dir ja ausgesucht, wohin du gehst, also gib nicht mir die Schuld.", stichelte sie.
"Ich hatte überhaupt nicht vor, dir die Schuld an irgendwas zu geben, Fuhi!"
Die heiße Abendluft und das unentwegte Starren der Sonnebrille auf dem Plakat, auf das sie allmählich zuwanderten, machte sie beide etwas gereizt. Nur wenige Momente lagen sie beide auf dem Abhang; Pito hatte ihr einen Stoß gegeben, und war dann selbst gestürzt, und sie wurde mitgerissen. Glücklicherweise war der Untergrund an dieser Stelle etwas fester, und nicht so klebrig; er hatte eher die Konsistenz von festgebackenem Sand.

"Lass mich los!", kreischte Fuhi, die von Pito wieder nach unten gezogen wurde, als sie versuchte, aufzustehen. Ihre kleine Auseinandersetzung war Teil des Rituals, ihres Abendspazierganges, allerdings waren sie später dran als sonst - beide warfen immer wieder Blicke in Richtung Sonnenuntergang. Von ihrer Position, fast auf dem Gipfel einer weitausgedehnten Hügelkette, konnte man die Sonne noch sehen, oder man hätte sie sehen können, stünde nicht das große Plakat mit der Sonnenbrille direkt davor. Aber sie wussten beide, dass sie nicht zu lange warten durften, denn in völliger Finsternis wäre auch die geschwärzte Brille, die Pito um den Hals hing, nicht mehr von Nutzen.

Bei einem kräftigen Tritt gegen einen Zuckerfelsen, der daraufhin krachend nach unten rollte, verlor Pito seinen Schuh. Der rötliche Stoff raste zusammen mit einer kleinen Lawine nach unten. Für die beiden Jugendlichen war dies das Signal, ihre Rangelei zu beenden. Als sie schließlich aufstanden, hielten sie sich gegenseitig, um nicht wieder abzurutschen, und Fuhi klopfte die größten Zuckerbrocken von seinem Rucksack, bevor sie sich wieder auf den Weg nach unten machten. Ohne Schuhe war das Gehen hier recht unangenehm, und Pito verpasste nicht die Gelegenheit, ordentlich zu jammern, wenn sein Fuß an einer klebrigen Stelle des Bodens hängen blieb. In der Mulde zwischen den Hügeln war es bereits halbdunkel, und das nur das leuchtende Rot von Pitos verlorenem Schuh hatte eine Chance, gesehen zu werden. Leider war er auch innen voller Zucker, und sie hielten sich nicht lange damit auf, ihn zu säubern. Den nächsten Hügel hinauf gingen sie schneller; allmählich verging Pito auch die Lust daran, Fragen in den Raum zu werfen. Oben angekommen, gab er noch "Und weißt du überhaupt, wie lange die drüben in Land 14 ihre Wege gesichert haben?" von sich, dann beließ er es mit Schweigen. Nach einer Weile stöpselte sich Fuhi ihre Kopfhörer in die Ohren, und lauschte den Klängen einer alten Wandersängerin, die einmal ihren Bauernhof besucht hatte. Sie konnte den Text fast auswendig, aber darum ging es ihr jetzt nicht. Sie versuchte, den Rhythmus ihrer Schritte mit dem des Liedes in Verbindung zu bringen. Das war umso schwieriger, als sie immer wieder davonrutschte und aus dem Takt kam. Neben ihr mühte sich Pito mit seinem zuckergefüllten Schuh ab. Er hatte das Gefühl, als würde sein Fuß früher oder später am Stoff festkleben, und er würde ihn nie mehr ausziehen können. Aus Erfahrung wusste er jedoch, dass es praktisch nichts gab, dass sich den Waschmitteln der Schaumverliebten Tanten widersetzen konnte. Sobald sie den nächsten Bauernhof erreicht hatten, würde er seinen Fuß einer der stets lächelnden "Tanten" übergeben, und in weniger als zwanzig Sekunden würde aller Zucker verschwinden.

Es gab in jedem der Bauernhöfe ein paar dieser riesigen Waschmaschinen. Niemand konnte sich mehr an eine Zeit erinnern, in der sie aufgestellt worden waren, noch dass eine der Maschinen je einmal nicht funktioniert hätte. Es hätte sich auch keiner gefunden, sie zu reparieren, wenn es doch einmal zu einer Störung gekommen wäre.

Ein Piepton aus Pitos Rucksack teilte ihm mit, dass wieder Essen verfügbar war. Obwohl sie spät dran waren, konnte er Fuhi überzeugen, ihm aus dem Rucksack den Versorgungsbeutel zu reichen. Als er ihn öffnete, fand er eine winzige rote Beere vor, sonst nichts. Ein wenig ärgerlich bot er sie Fuhi an, die sie ablehnte. Schließlich steckte er sie selbst in den Mund, und als sie wieder alles gut verpackt hatten, marschierten sie weiter. Sie hatte nicht schlecht geschmeckt, aber er hätte sich etwas mehr erwartet. Die Versorgungsbeutel erzeugten in vage unregelmäßigen Abständen Nahrung, und folgten dabei einem Muster, das nur schwer zu durchschauen war. Allgemein schienen sie sich an der Situation ihrer Besitzer zu orientieren, und dass der Beutel nun lediglich eine winzige Beere ausgespuckt hatte, konnte man als eine Beleidigung sehen, fand Pito.

"Ja, ich habe Sehnsucht nach den Schaumverliebten Tanten!", stellte Pito ärgerlich fest, als er den fragenden Blick Fuhis nach seinem schmerzenden Fuß sah.
"Ich glaube, es ist nicht mehr weit.", sagte Fuhi und sprach damit das Mantra aller müden Wanderer, das sich stets mehr aus Hoffnung als aus tatsächlichem Wissen speiste.
"Nur noch über den nächsten Hügel.", murmelte Pito die traditionelle Entgegnung. Dann grinsten sie beide. Es war eine Sache, diese Worte auszusprechen, aber etwas anderes, sie auch ernst zu meinen. Fuhi machte eine vielsagende Handbewegung, die im Grunde alles heißen konnte, in Richtung ihres Weges, und sie gingen weiter.
"Ich ärgere mich jedesmal über das Ende.", verkündete sie plötzlich.
"Welches Ende?"
"Das Lied von dieser Auschin Amugula. Du weißt schon, die vorigen Herbst bei uns im Haus geschlafen hat."
"Das hörst du die ganze Zeit?"
"So lange, bis ich mich mit dem Ende zufrieden geben kann.", erklärte sie. Eine bessere Erklärung würde er nicht bekommen, wusste Pito, also schwieg er. Sie erreichten die nächste Hügelkuppe - ein etwas unangenehmer Moment, weil man von oben stets besser aussieht, und daran erinnert wird, was man noch vor sich hat. Die Sonne war nun endgültig untergegangen; der letzte Rest des bläßlichen Rosa am Himmel wurde durch die Kristalle des Zuckerbodens reflektiert.
"Manchmal frage ich mich, was hier eigentlich darunter ist.", meinte Pito nachdenklich, als sie eine Weile schweigend bergab gegangen waren.
"Wie darunter?"
"Unter dem Zucker."

Fuhi dachte darüber nach. So weit sie wusste, gab es nirgendwo tiefere Bohrungen als die Brunnen in den Bauernhöfen, und die befanden sich unter den Schaumverliebten Tanten. Ein paar Schläuche führten dort hinab und pumpten offenbar Wasser herauf. Natürlich war es ihnen streng verboten, in den Brunnenschacht zu sehen, wegen der Gefahr eines Absturzes, trotzdem hatte jeder irgendwann einmal versucht, ein Stück weit unter die Tanten zu klettern. Als Fuhi zwölf Jahre gewesen war, wäre sie auch tatsächlich beinahe abgestürzt, was sie nicht daran hinderte, ein paar Wochen später ihre Schwester anzufeuern, die ebenfalls hinunter klettern wollte. Es war kein wirklich beeindruckendes Erlebnis gewesen, kaum der Erinnerung wert. Unter den Tanten war es ein bisschen kühler, und von unten wehte feuchte Luft herauf. Die Wände des Schachtes waren so klebrig, dass man eigentlich gar nicht weit fallen konnte, vermutete sie, zumal der Schacht sich nach unten verengte.

"Irgendwo muss halt das Wasser herkommen." sagte sie schließlich.
"Vielleicht schwimmen unsere Länder auf einem gewaltigen See.", vermutete Pito, "Oder es gibt da unten einfach Maschinen, die Zucker in Wasser umwandeln."
"Wohl eher die Feuchtigkeit aus dem Zuckerboden extrahieren.", warf Fuhi ein, die einen Vortrag eines durch die Länder wandernden Alchimisten besucht hatte.
"Oder das, ja."
Wieder verging ein halber Hügelanstieg, bevor Pito wieder etwas sagte.
"Ich setze jetzt besser meine Sonnenbrille auf."
"Tu das.", stimmte sie zu.

Sie hatten etwa die Hälfte der Strecke hinter sich, vermutete Fuhi. Sie war den Weg schon oft mit Pito gegangen, oder früher auch mit ihrer Schwester, aber die Landschaft veränderte sich schnell, und außerdem sahen fast alle Hügel gleich aus, besonders in der Dämmerung. Sie hatte keine Angst vor den Großen Hühnerfressern - irgendwann legte man seine Angst ab, wenn man hier älter wurde - aber sie wusste, dass sie sich besser beeilten, denn die meisten Bauernhöfe verschlossen irgendwann ihr Wegesystem, und sie wollte heute abend noch nach Hause kommen.

Es spielte keine Rolle, wem der Bauernhof gehörte. Alle Länder, mit Ausnahme des Landes 8, von dem man aber nur selten etwas hörte, und nie Gutes, hatten sich verpflichtet, ihre Wege zueinander stets im Betrieb zu halten, und das freie Reisen dazwischen zu ermöglichen. Nichtsdestotrotz schlossen die meisten Bauernhöfe am Abend ihren Zugang zu den Wegen ab, und damit konnte niemand mehr aus und eingehen.
"Ich hoffe, die schließen das System noch nicht.", meinte Fuhi.
Pito machte eine wegwerfende Handbewegung.
"Spielt doch keine Rolle."
"Ach?"
"Wenn es so ist, dann übernachten wir eben heute in einem anderen Haus. Sie sind ohnehin alle gleich eingerichtet."
"Tja.", machte Fuhi. Die meisten Bauernhöfe glichen sich in der Aufteilung der Zimmer völlig, so dass man sie von innen kaum unterscheiden konnte. Es war einfach, sich zuhause zu fühlen. Und sie brauchte nur an sich herabzublicken, und ihr Gewand erinnerte sie bereits daran, wer sie war.
"In Land 8 haben sie alle Zimmer umgebaut.", sagte sie.
"Die sind verrückt, die vom Land 8. Das weiß jeder."
"Glaubst du, dass sie dort wirklich neue Vorratskammern gebaut haben? Solche, die nicht automatisch arbeiten?"
"Ich sage ja, die sind verrückt. Müssen alles selber kochen, oder sie rauben sich Hilfskräfte aus der Salzwüste."
"Wie in dem Lied von der Großen Brücke.", sagte Fuhi sehnsüchtig.
"So ungefähr. Aber in Wirklichkeit wird es weniger romantisch zugehen."

Das Lied von der Großen Brücke hatte eine Alte ihr immer wieder vorgesungen, als sie noch kleiner war. Darin ging es um die tragische Geschichte von einer entführten Salzwüstenbewohnerin, die sich schließlich auf die Seite ihrer Entführer stellt, und schließlich im Kampf getötet wird. Im ganzen Lied kam keine Brücke vor, aber niemand hatte sich je darüber beschwert. Als sie einmal sich getraut hatte, danach zu fragen, warf man ihr nur einen mitleidigen Blick zu, als hätte sie etwas ungeheuer Schönes nicht begriffen.

"Hörst du das auch?", flüsterte Pito.
Aus ihren Gedanken gerissen, horchte Fuhi genauer, aber außer dem beständigen Geräusch rutschenden Zuckers konnte sie nichts hören. Sie wollte weitergehen, doch Pito hielt sie auf.
"Psst."

Sie blieben stehen. Ein Geräusch näherte sich ihnen, ein leises Flattern und schließlich schoß mit einem panischen Gackern ein Huhn den Hang herunter, verfolgt von... von irgendetwas. Das Geschöpf kümmerte sich nicht um die beiden Jugendlichen, sondern verfolgte ausschließlich das inzwischen völlig gehetzte Huhn, das schließlich in seiner Verzweiflung versuchte, sich in den Hang einzugraben. Momente später hatte der verfolgende Schatten es eingeholt, und das Huhn verschwand mit einem letzten Gackern. Das unangenehme Geräusch eines begonnenen, aber nicht zu Ende gebrachten Schreckenslautes hallte weiter in ihren Köpfen, und sie begannen zu rennen. Glücklicherweise hatten sie ein Stück Boden erreicht, das nicht so sehr rutschig, dafür etwas klebriger war. Sie drehten sich erst um, als sie den übernächsten Hügel passiert und wieder ein breites Tal erreicht hatten. Der Große Hühnerfresser hatte sie nicht verfolgt. Pito bückte sich, und drückte Fuhi etwas in die Hand. Es war eine Feder.
"Danke.", murmelte sie verwirrt.
Hier war es wieder etwas heller, was daran lag, dass vom nahen Bauernhof etwas Licht in das Tal hereinfiel. Zielstrebig gingen sie auf den hellen Fleck zu.

Als sie näherkamen, sahen sie, dass neben der Laterne ein alter Mann stand, nur mit einem Lendenschurz und einer dicken Sonnenbrille bekleidet. Er winkte ihnen zu, und deutete auf eine Tür hinter ihm.
"Das ist überhaupt nicht Land 14.", meinte Pito, als sie näherkamen.
"Macht, dass ihr da rein kommt!", brummte der Alte, und Fuhi zwang sich, nicht auf dessen fetten Bauch zu sehen. Sie hetzten durch die Tür, und ließen sich dort erschöpft auf den Boden fallen.
"Ihr habt recht.", sagte der Alte, als er hinter ihnen die Tür schloß.
"Dies ist Land 8."

weiter zum nächsten Türchen