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Der Fluch des Prinzen

(von Assantora)

Über und über von alten Schriftzeichen ist das dreizehnte Türchen überzogen. Was sie bedeuten bleibt den meisten Leuten verborgen. Nur der Kundige vermag in ihnen noch das Schicksal eines längst vergangenen Reiches zu lesen, eine Geschichte vom Leid und von der Liebe…

Es war einmal ein wunderschönes Königreich. In diesem herrschte eine weiser König, gut und gerecht. Alle Menschen ging es gut, niemanden mangelte es an Geld, Nahrung, oder guten Kleidern. Doch der König hatte einen Rivalen. Sein engster Hofmagier bestahl ihn des Nachts immer wieder um ein paar Lebensstunden. So alterte der König schnell und sein Tod war nahe, als man den Übeltäter fasste.

Die anderen Hofmagier bannten ihn und der König forderte seine Lebenszeit zurück, was dieser notgedrungen auch tat. Aus dem jungen Magier wurde ein alter Greis und der König verjüngte um Jahre. Doch bevor er des Palastes und des Landes verwiesen wurde, sprach er noch einen furchtbaren Fluch aus.

„Im Leib eurer Königin wächst ein Knabe heran. Euer einziges Kind wird sterben, sobald er die Liebe entdeckt und sie ihm erwidert wird. Erst dann, wenn euer Kind vor euch liegt, mit toten offenen Augen, soll auch aus euch das Leben weichen. Damit ihr den Schmerz des Verlustes erkennt und spürt.“

Die anderen Hofmagier waren nicht fähig den bösen Zauber aufzuhalten und der Magier verschwand wie durch einen Blitz hinweg gefegt.

Die Zeit verrann. Das Kind wurde geboren und das Alter des Königs war nicht mehr zu verstecken. Doch er grübelte nur, wie er seinen Sohn vor dem sicheren Tod retten konnte, gleichzeitig auch das eigene verlängern. Da entsann es ihm, dass der Sohn, der Prinz war, zunächst lieben musste, doch wenn dass nicht geschah, so würde er so lange leben können, wie sein eigener Sohn.

So holte der König seine Magier, die den Prinzen mit einem Fluch belegten. Keine Frau sollte ihn lieben und jede noch so schwaches Wesen würde ihn einfach nicht als Mann von reiner Güte erkennen. Und auch er sollte die Liebe niemals erkennen und so das Leben ewig halten können.

Die Jahre vergingen und der Prinz wurde zu einem jungen Mann. Sein Herz war kalt und die Liebe war ihm fremd. Selbst seine eigenen Eltern verachtete er. Der Fluch tat seine Arbeit und die Jahre verstrichen in dem Land. Niemand wusste, warum der alte König nicht starb, war er nun schon mehr als hundert Jahre an der Regentschaft und warum der Prinz jedes Gesuch einer Heirat aufs schärfste ablehnte. Die Königin war schon lange verstorben, doch noch machte sich der König um die Zukunft des Reiches keine sonderlich großen Sorgen. Er hoffte noch immer, dass der böse Magier starb, bevor es sein Sohn tat.

Doch der verstoßene Magier hielt sich mit dunklen Zaubern am Leben. Leid ging im Land umher und er erkannte die geschickte Handlung des Königs. Ewiges Leben war ihm nun gewährt, doch der Magier wollte den Fluch austricksen.
So verwandelte er sich in eine wunderschöne Frau. Jeder Mann, an den er vorbei ging erkannte in ihr die schönste Frau der Welt und verliebte sich in sie. Doch der Magier ging zu dem Prinzen und küsste ihn unaufgefordert auf dem Mund.

Doch der Prinz erkannte nicht die Schönheit des Mädchens, sondern das teuflische darunter. Mit rasender Wut wollte er den Magier in Gestalt der Frau töten, scheiterte aber daran, da dieser wieder durch einen Blitz aus dem Raum verschwand.

Der König, alarmiert durch diese Aktion des Magiers musste von den Hofmagiern beruhigt werden. Der Fluch war unbeschadet, der Prinz würde in seinem Leben nicht mehr die Liebe erfahren. Doch nun war es nötig, das Königreich selbst zu schützen.

Würde der Sohn sterben, würde auch der König zu Grunde gehen. Das wäre das Ende des gesamten Reiches und so beschloss der König, trotz der Proteste seines eigenen Sohnes noch ein Kind zu adoptieren. Seine Wahl fiel auf einen rechtschaffenen Soldaten, der nach dem Ritterschlag dem Adel zugänglich wurde und so der zweite Sohn des Königs wurde.

Der neue Prinz begann sogleich eine passende Gemahlin zu suchen. Durch seine Abkehr vom Militär musste er keinen Schrecken mehr fürchten und durch sein neues Geblüt waren zahlreiche Frauen bereit, eine Vermählung mit ihm zuzustimmen. Schnell fand er eine bezaubernde junge Dame, voller Anmut und Güte. Doch als der wahre Sohn des Königs diese Frau das erste Mal sah, spürte er einen Stich im Herzen. Der Fluch, der seit Jahren auf seiner Seele lastete, bröckelte und wurde schwach. Seine Blicke wanderten über ihren Körper, während sein Herz wild schlug.

In einer ruhigen Stunde, als beide im selben Raum waren, begann die Frau, das Interesse an ihren Gemahl zu verlieren und trotz des Fluchs richtete sich ihr Blick auf den Prinzen von königlichem Blute. Ihre Herzen schlugen im gleichen Takt und als die Frau es wagte, dem Mann auf den Mund zu küssen, brach der Fluch entzwei und die Liebe des Prinzen wurde greifbar, genau wie es für die Frau war.

Das war der Moment, an dem sich der Fluch des verbannten Magiers erfüllte. Schmerz von unsäglichen Qualen durchdrang den Körper des Mannes und brach zusammen. Jede Hilfe, die ihn hätte retten können, war nicht da und so war der Prinz des Todes. Als der König in den Raum kam, sah er nur die Frau an, nicht seinen eigenen Sohn.
„Du hast sein Schicksal besiegelt“, schrie er sie an und brach vor seinem Sohn zusammen.
Es gelang ihm noch, den Kopf seines lieben Jungen auf seine Hand zu betten.
„Wenn dies mein Schicksal ist“, sagte der Prinz schwach, als würde sich eine Krankheit durch seinen Körper fressen, „so bin ich bereit zu sterben, denn ich habe erfahren, was es heißt zu lieben.“
Mit diesen Worten und mit einem Lächeln schloss der Prinz die Augen und rührte sich nicht mehr.

Nun, den Sohn, gestorben in den Händen, ließ der König seinen Tränen freien Lauf und spürte den kalten Griff des Todes um sein Herz. Er kämpfte nicht dagegen an. Der Magier hatte geschafft, was er wollte. Sein Leben war nun nicht mehr von Bedeutung und so starb auch der König an gleicher Stelle. Das Schicksal des Königreichs blieb im Verborgenen und heute erzählt nur noch diese Geschichte davon.

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