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Die große Torfspinne

© Ronin

Vorkommen:

Die große Torfspinne bewohnt die Hochmoore der eher kalten Hochplateaus und Hänge des Kraterwalls. Je feuchter und regnerischer eine Region, desto mehr bevorzugt die Spinne sie. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet waren die Wallberge im jetzigen An-Nesha und Königreich Ra; im Lauf der Jahrtausende hat sich die Torfspinne jedoch über den gesamten, kontinentalen Wall ausgebreitet. Ihren Namen hat das Tier von den ersten Torfstechern im Königreich An-Nesha bekommen.

Körperaufbau/Habitus:

Wie so viele andere als Spinnen bezeichnete Tiere Steinfalls ist auch die große Torfspinne kein echter Arachnoide, so verfügt sie über zehn Beine, ein Skelett im Inneren des Körpers und keinerlei Spinndrüsen. Der Körper des Tieres ist zweigeteilt. Das annähernd eiförmige, vordere Segment umfasst die Sinnesorgane und das Gehirn, die Mandibeln und die Beine. Es hat einen Durchmesser von etwa einem Meter bei einem ausgewachsenen Tier. Das Hinterteil birgt den Verdauungstrakt und die Geschlechtsorgane. Es ist etwa ein Drittel so groß wie das Vorderteil. Beide Körpersegmente sind mit einer relativ dünnen und empfindlichen Haut bedeckt, die wie dunkelbraunes Pergament wirkt. Am Vordersegment hat die Spinne unzählige hauchdünner Haare, die Teil des Sinnesapparates sind. Die Beine erwachsener Torfspinnen werden bis zu drei Meter lang und verfügen über zwei Kniegelenke, was sie relativ empfindlich macht, dem Tier jedoch erstaunliche Lauf –und Standstellungen ermöglichen. Diese Glieder sind relativ dünn und nur mit einer sehr dünnen Haut bedeckt. Auch hier finden sich die Sinneshaare, konzentriert auf die Gelenke. Die Struktur der Beine ist eigenartig porös und löchrig. Die Erklärung liegt in den Symbionten der Spinne, die in den Beinen leben. Die poröse Beinstruktur wird aber im Lauf der Zeit auch von den verschiedensten Moorpflanzen- und Moosen parasitisiert, was ihnen mitunter das Aussehen von Ästen und Wurzeln verleiht.

Das kreisrunde Fressorgan des Tieres wird von einem Paar sehr beeindruckender, kräftiger und rasiermesserscharfer Mandibeln geziert. Das bewegliche Maul selbst verfügt über eine Reihe winziger, sehr scharfer und schnell nachwachsender Schneidezähne.

Die Torfspinne ist ein Lungenatmer. Die Lunge nimmt als Organ den größten Teil des vorderen Körperteils ein und ist ein hocheffizientes Speicherorgan. Eine Torfspinne kommt in sehr dünner Luft gut zurecht, ebenso wie sie lange Zeit (Bis zu 30 Minuten) die Luft anhalten kann. Diese Fähigkeiten prägen auch das Jagdverhalten der Torfspinne.

Sinnesorgane:

Die Torfspinne verfügt über ein Paar Augen, die im Verhältnis zum Körper relativ groß sind. Sie befinden sich jeweils auf den Seiten des eiförmigen Vordersegmentes. Auf irdische Menschen mögen sie wie die glotzenden Augen eines Riesenkraken wirken. Undurchsichtige Nickhäute schützen diese empfindlichen Organe, mit denen die Spinne im normalwelligen und infraroten Bereich sehr gut (schärfer und weiter als ein Mensch) sehen kann. Gleichzeitig sind die Augen jedoch auch der empfindlichste Teil der ansonsten recht zähen Spinne, was den Anblick von einäugigen oder sogar blinden Spinnen in den Mooren nicht selten macht. Torfspinnen sind taub. Neben den Augen verfügen sie noch über viele tausend winziger, pigmentloser Haare am Vordersegment und den Beinen, welche hochsensible Geruchs- und Geschmacksrezeptoren aufweisen.

Fortpflanzung:

Große Torfspinnen sind zweigeschlechtlich. Weibchen sind geringfügig größer als Männchen. In der jährlichen Paarungszeit legt das Weibchen bis zu 50 Eier in Brackwassertümpel, deren Geruch sofort Männchen anlocken. Das Weibchen hält die aufgeregt herumstaksenden Männchen so lange auf Distanz, bis sie ein besonders stattliches Exemplar ausgewählt hat, das sich den Eiern nähern darf. Daraufhin vertreibt das Weibchen die anderen männlichen Exemplare, während das erfolgreiche Männchen damit beginnt, die Eier zu befruchten. Es bleibt anschließend bei den Eiern, bis diese kurz vor dem Schlüpfen stehen. Während dieser Zeit versorgt das Weibchen ihren brütenden „Partner“ mit vorverdauter Beute, und zwar solange, bis die Jungen schlüpfen. Dann tötet das Weibchen den träge gewordenen Vater und zieht seiner Wege. Die Leiche dient den Jungen als erste Nahrungsgrundlage, bevor sie sich in verschiedene Richtungen zerstreuen. Geschlüpfte Torfspinnen wirken in ihren ersten Lebenswochen eher wie Kaulquappen mit rudimentären Beinen.

Symbionten:

Die Torfspinne lebt in sehr enger Symbiose mit einem wurmartigen Mooregel, dem hochgiftigen Spinnenwurm. Diese etwa 10cm lang werdenden, schwarzroten Tiere besiedeln die porösen Beine der Spinne zu hunderten und sondern dort fortwährend ein starkes, giftiges Sekret aus, das für den Wurm selbst, die Spinne (und ihren nahen Verwandten, die kleine Torfspinne) und Pflanzen ungiftig ist, auf die meisten anderen Organismen jedoch eine paralysierende und halluzinogene Wirkung hat. Nicht prinzipiell tödlich lässt das Gift die Muskeln eines Opfers sehr schnell verkrampfen. Die Spinnenwürmer ernähren sich von Nahrungsresten von Opfern, die an den porösen Beinen hängen bleiben, von an den Beinen siedelnden Pflanzen und auch von der sehr schnell nachwachsenden Haut des Spinnenbeines.

Ernährung:

Große Torfspinnen sind reine Fleischfresser. Ihre bevorzugte Beute sind ebenfalls im Moor lebende Echsen und Amphibien, erwähnenswerterweise auch andere Raubtiere. Die Spinne greift auch Beute bis zum etwa dreifachen ihrer Größe an, sofern diese in ihr Beutespektrum passt, das u.a. durch Geschwindigkeit und Beweglichkeit und Wärmeausstrahlung definiert wird. Theoretisch passen auch Menschen in dieses Spektrum, was regelmäßig unvorsichtige Nesh-Torfstecher und Moorbauern mit dem Leben bezahlen.

Torfspinnen sind Lauerjäger. Sie staksen geräuschlos durch das Moor und verharren für gewöhnlich in Tümpeln und an Wasserstellen, an denen andere Tiere Halt machen. Für den Unvorsichtigen sind sie dann kaum wahrnehmbar, weil sie den Körper ins Wasser versenken und mit den Beinen eine möglichst ungleichmäßige Stellung einnehmen. Die bewachsenen Gliedmaßen wirken dann wie Wurzeln oder Äste unter vielen. Die Wahrnehmung in diesem Lauermodus geschieht über die Sensorhaare an den Kniegelenken. Sobald Beute in der Reichweite der Spinne ist, greift sie an indem sie versucht, mit möglichst vielen Beinen das Opfer zu berühren um möglichst viel Gift an den Beutekörper zu bringen. Da das Gift für gewöhnlich sehr schnell wirkt, beginnt die Spinne auch schnell damit, das Beutetier mit den Mandibeln aufzureißen, um den letzten Widerstand auszuschalten und um mundgerechtere Stücke für das kleine Maul zu schneiden. Es gibt nur wenige Beutetiere, die vollkommen oder relativ unempfindlich für das Gift der Wurmsymbionten der Spinne sind. Ein solches Opfer anzugreifen kann für die Jägerin heikel werden, weil sie nur auf ihre Mandibeln als Waffe angewiesen ist.

Besondere Fähigkeiten und Vorteile:

In der Nahrungskette der Regenmoorregionen am Kraterwall befindet sich die große Torfspinne im Mittelfeld des mittleren Drittels. Vorteile sind unter anderem die Fähigkeit mit jedem Gelände und jeder Wassertiefe sehr gut und sehr schnell voran zu kommen, eine extreme Ausdauer aufgrund der Lungenkapazität zu haben und die erfolgreiche Symbiose mit den hochgiftigen Spinnenwürmern. Die großen und scharfen Augen, die sich in ständiger Bewegung befinden, machen auch auf große Entfernungen etwaige Fraßfeinde, von denen es jede Menge gibt, aus. Die giftigen Beine dienen nicht nur der erfolgreichen Jagd sondern auch als Waffe gegen feindliche Räuber, die sich freilich nicht immer davon abschrecken lassen. Kulturschaffende Bewohner des Kraterwalles sagen der Spinne auch eine gewisse Schläue nach, vor allem bei der vorsichtigen Auswahl der Beute. Die große Torfspinne verfügt über keinerlei magisches Potential.

Feinde:

Die große Torfspinne verfügt über eine ganze Reihe von Fraßfeinden in den Hochmooren. Herausstechend sind, weil sie die Spinne mit zu ihrer Hauptbeute zählen, vor allem die räuberische Zahnquappe, die der Spinne beim Durchqueren von Flüssen auflauert, der Buvan (Eine hochgiftige Art gigantischer Raubkröte) und vor allem auch der nächste Verwandte des Tieres, die Kleine Torfspinne. Diese sehr viel kleineren (Größe entspricht in etwa der einer großen, irdischen Tarantel) Tiere sind immun gegen das Gift der Spinnenwürmer, klettern an den Beinen empor und fressen sich in den empfindlichen Hinterleib ihres großen Verwandten um ihn in den folgenden Tagen von innen her aufzufressen, wenn es er großen Spinne nicht gelingt, die kleine abzustreifen.

Wirtschaftliche Bedeutung:

Große Torfspinnen stellen eine gewisse, wenn auch nicht zu bedeutungsvolle, Gefahr für die Landwirtschaft und den Torfabbau vor allem im dichter besiedelten An-Nesha dar. Für seltene Reisende durch die Hochmoore sowieso. Einige Völker, wie die Wazi und die Tona , jagen die Spinne wegen ihres Fleisches oder wegen des Giftes des Symbiontenwurmes, das sie dann als eigenes Jägergift oder als Halluzinogen verwenden.