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Der Jaur-Faltenmolch

© Taipan

Der Jaur-Faltenmolche ist der am nördlichsten lebende Vertreter der nur in Meseleth vorkommenden Faltenmolche und auch der mit Abstand am bekannteste. Seinen Namen hat er seinem eigentümlichen Aussehen und seiner Heimat zu verdanken, der Insel Sleth, die unter den Djajels noch als Jaur bekannt war.

Vorkommen: Der Jaur-Faltenmolch ist ausschließlich auf der Insel Sleth zu finden, und selbst dort kommt er nur in den Hochmooren im Herzen der Insel vor, abgesehen von einem verhältnismäßig kleinen Verbreitungsgebiet bei der Stadt Carras. Obwohl sie eigentlich sehr häufig sind, kann man sie außerhalb der Paarungszeit nur sehr schwer aufspüren, da sie die meiste Zeit eingegraben im Torf verbringen.

Aussehen: Diese Art, die sehr kräftig gebaut ist, kann sehr variabel gefärbt sein, doch die meisten Exemplare zeigen eine dunkelgraue Grundfärbung mit einem breiten Längsstreifen oder mehreren großen Flecken auf dem Rücken, die gelb, orangefarben oder tiefrot sein können; die Beine sind immer rot gefärbt. Das Auffallendste an dem Jaur-Faltenmolch ist allerdings die namensgebende, faltenreiche Haut, die es dem Molch aufgrund der starken Oberflächevergrößerung ermöglicht auch im sauerstoffarmen Milieu allein über die Hautatmung genug Sauerstoff aufzunehmen, obwohl er auch über eine funktionstüchtige Lunge verfügt. Die Falten werden durch eine Verhärtung des Bindegewebes unter der Haut (man spricht von Sklerodermie), von dem nur die Gelenke, die Beine und der Kopfbereich nicht betroffen sind, fixiert. Der ganze Molch erinnert daher – mit sehr viel Fantasie – ein wenig an ein Gehirn mit Füßen und Schwanz. Weil das feucht-warme Mikroklima in den einzelnen Falten aber trotzdem ein Paradies für Bakterien, Pilze und Mikroorganismen ist, sondert die drüsenreiche Haut ein starkes Gift ab, das hauptsächlich gegen diese Mikroorganismen wirkt, aber auch ein sehr wirksamer Schutz gegen Fressfeinde ist. Auf die wirkt das Gift als sehr starkes Nervengift, das Lähmungen der Muskulatur und der Sensorik verursacht und bei Menschen, Elfen (und anderen Kulturschaffenden) zu Tod durch Atemlähmung führt. Jaur-Faltenmoche können eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen.

Nahrung: Insekten, Spinnentiere, Würmer und zum Teil auch kleine Wirbeltiere wie Kaulquappen und junge Amphibien. Dazu gehören auch Larven und Jungtiere der eigenen Art, falls sie diese erbeuten können.

Verhalten: Jaur-Faltenmolche sind nachtaktive Einzelgänger, die die Tage tief im feuchten Torf vergraben verbringen. Dabei ist ihre faltenreiche Haut, die besonders effizient den wenigen Sauerstoff dort aufnehmen kann, überlebenswichtig. An der Oberfläche atmen die Tiere natürlich hauptsächlich mit ihren Lungen. Weil sie sich nicht grabend im Boden fortbewegen, sondern einmal eingegraben bis zum Anbruch der Nach an Ort und Stelle bleiben, ist ihnen ihr unförmiger Körper auch nicht besonders im Weg. An der Oberfläche wirken ihre Bewegungen wegen der Bindegewebeverhärtungen ein wenig hölzern, trotzdem sind sie sehr flink. Ihrer Giftigkeit führt dazu, dass sie von den meisten Raubtieren nichts zu befürchten haben, da ihnen diese meistens von selbst aus dem Weg gehen. Werden sie doch angegriffen, richten die Tiere ihnen Schwanz auf und schwenken ihn hin und her, was die meisten Angreifer dazu veranlasst die Flucht zu ergreifen. Trotzdem hat auch der Jaur-Faltenmolch natürliche Feinde. So scheint dem Nördlichen Zackenkauz das Molchgift nichts auszumachen. Dies hat aber weniger mit einer Immunität – wie oft fälschlich angenommen – sondern mit dem Verhalten der Käuze zu tun, die getöteten Molche niemals sofort zu fressen, sondern in kleinen Gewässern als Vorräte einzulagern. Nach einem Wasserbade von mindestens 24 Stunden hat sich nämlich der Großteil des Gifts verflüchtigt.

Fortpflanzung: Zur Paarungszeit Ende Fimad/Anfang Perlque (entspricht unserem März/April) kommen die Faltenmolche auch bei Tag aus dem Boden und wandern in Scharen zu ihren Leichgewässern, wo sie sich paaren und ablaichen. Die einzelnen Eier werden von den Weibchen sehr sorgfältig in den Blättern von Wasserpflanzen eingewickelt, wo die jungen Molche nach zwei Wochen schlüpfen. Die Larven sind beim Schlüpfen schon sehr weit entwickelt und besitzen bereit Vorder- und Hinterbeine. Ihre faltenreiche Haut und ihre auffallende Warnfarbe (zusammen mit ihrer Giftigkeit) müssen sie aber erst entwickeln; sie ernähren sich zu dieser Zeit von kleinen Wasserinsekten. Nach zwei Monaten verlassen die Jungmolche allmählich das Wasser, entwickeln langsam ihre Haut und nehmen Schritt für Schritt das Verhalten der Adulttiere an. Jaur-Faltenmolche werden mit drei Jahren geschlechtsreif und können wegen ihrer sehr passiven Lebensweise ein Alter von bis zu zwanzig Jahren erreichen.

Besonderes: Trotz ihrer starken Giftigkeit und ihrem zum Teil etwas knusprigen Fleisches (der Grund dafür ist das verhärtete Bindegewebe unter der Haut) gelten die Molche bei den Selethen als Delikatesse. Ein Grund für diese Vorliebe ist das Aussehen der Molche, das – mit etwas Fantasie – an ein Gehirn erinnert. Die Selethen glauben durch ihren Verzehr klüger zu werden, was natürlich nicht mehr als ein sehr hartnäckiger Aberglaube. Die Tiere werden vor allem im Frühling zur Paarungszeit gesammelt und in Essig eingelegt. Dadurch werden die Tiere nicht nur haltbar gemacht, auch das Gift verflüchtigt sich und das Fleisch wird genießbar. Darüber hinaus haben die Molche eine große historische Bedeutung. So wurde und wird manch unbeliebtem Selethen – auch einige Rahith der Vergangenheit zählen dazu – versehentlich frisch gefangene Molche serviert, mit sehr unangenehmen und meist tödlichen Folgen.