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Die Vesswürmer

© Sturmfaenger

Die Vesswürmer

Nur wenige der Wanderer, welche von Zeit zu Zeit Oruns kalte Hochmoore durchqueren, ahnen, daß hinter den Gruselgeschichten um bösartige Sumpfmonster kleine, kaum fingerlange Tierchen stecken, welche ihre Nester mehrere Meter unter der Oberfläche haben: Die VESSWÜRMER.

Man trifft selten einzelne Vess an. Sie leben in sogenannten Knäuelkolonien zusammen. Ein Vessknäuel kann mehrere hundert bis mehrere tausend Würmer umfassen, je nach Nahrungsangebot.

Der Standort ist nicht fest, vielmehr schiebt sich das Knäuel mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern im Jahr vorwärts, und hinterläßt wieder ausgeschiedenen, seiner Nährstoffe beraubten Torfboden.

Wer zum ersten Mal einen Vess sieht, fühlt sich an einen haarigen Regenwurm erinnert. Rund um die Haarwurzeln sind Drüsen, die ständig ein transparentes Sekret aussondern. Dieser Vessschleim enthält ein leichtes Kontaktgift, welches ausreicht, um die Insektenlarven und anderen winzigen Torfbodenbewohner zu töten, und so den Speiseplan zu bereichern.

Führen Bodenunebenheiten oder sonstige Hindernisse ein Knäuel auf seinem unterirdischen Weg zu dicht an die Oberfläche, kann es passieren, daß ein Wanderer einbricht und sich mitten im wimmelnden Knäuel wiederfindet.

Die Geschichten über verschwundene Wanderer haben zum Teil den Hintergrund, daß diese Wanderer beim Herausklettern aus der Grube durch die große Dosis Vessgift das Bewußtsein verloren und wieder ins hungrige Knäuel zurückstürzten.

Obwohl solch große Beute wie Menschen oder Säugetiere normalerweise nicht auf dem Speiseplan eines Knäuels stehen, werden die unglücklichen Opfer als Nahrung nicht verschmäht, und binnen Stunden gefressen. Da Vesswürmer sehr empfindlich auf UV-Strahlen reagieren, macht sich das Knäuel danach relativ schnell wieder auf den Weg in die Dunkelheit des Erdbodens.

Man kann nicht vom Vesswurm sprechen, ohne auch den WEISSBAUCH-USSKI zu erwähnen. Dieser mausgroße Kleinsäuger lebt in einer symbiotischen Beziehung mit dem sonst so gemiedenen Vesswurm.

Weißbauch-Usski haben eine natürliche Resistenz gegen Vessgift entwickelt. Usski-Baue befinden sich stets in der Nähe eines Knäuels, und haben einen Gang dorthin. Schon Neugeborene werden von ihren Eltern zum Knäuel getragen und dem Schleim ausgesetzt. So verstärkt sich die Immunität gegen das Gift, und es lagern sich auch die Bitterstoffe des Sekrets in der Usski-Haut ab, was sie zu einer unbeliebten Beute für Raubvögel und kleinere Raubtiere macht.

Usski sind auch im Erwachsenenleben stets von einer dünnen Schicht aus Vessschleim bedeckt, und wirken mit ihrem wuschelig-verklebten Fell, dem haarlosen Bauch und ihrem nackten langen Schwanz wie eine größere, gedrungenere Ausgabe eines Vesswurms. Zum Schutz gegen Fressfeinde rennen die Usski oft durch ihren Bau und reiben sich an den Tunnelwänden, die bald mit Vessschleim bedeckt sind. Das hält hungrige Kleinräuber davon ab, hier einzudringen – wer es doch versucht, ist von der Dosis Kontaktgift meist so betäubt, daß das Usski keine Schwierigkeiten hat, ihm zu entkommen.

Die Vess profitieren natürlich auch von dieser Beziehung: Usski hinterlassen stets ihren Kot in der Knäuelgrube - dieser enthält Nährstoffe und Mineralien, die es in der Tiefe sonst nicht gibt, und wird eifrig verwertet. Jeder Usski hat hat mindestens ein Vessnest in seinem Revier, und legt gezielt neue an, indem er Vesswurm-Eier in einen feuchten Erdklumpen packt und diesen in eine neugegrabene Ganghöhle trägt. Einzelne Vess kleben gelegentlich in seinem schleimigen Fell fest und reisen so per Huckepack in die anderen Nester des Usski-Reviers, wo sie sich mit den dortigen Vess verpaaren - das erhält die genetische Vielfalt.