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Der Rotrücken-Lurch

© Gomeck

Die Hochmoore von Kúatar

Südöstlich des Vulkans Fæ ur findet man die Berggruppe Kúatar. Auf der nördlichen Seite, in einer Höhe von etwa 700-800m über dem Meeresspiegel, findet man die Hochmoore von Kúatar. Unberührt von jeglichem Eingreifen in die Natur bildeten sie über Jahrtausende an den Hängen viele runde Kuppen, die zum Tal hin steil abfallen, auf ihrer Kuppe jedoch jeweils einen kleinen Tümpel beherbergen. Das Gebiet ist unzugänglich, kalt unwirtlich, denn mit jedem Schritt würde man tief in das feuchte Torf einsinken, im Kuppenbereich noch mehr als an den steilen Talhängen.

Doch manchmal, zwei- bis dreimal im Monat, wird die Ruhe in diesen Hochmooren mit ihren umherschwirrenden Libellen und dem gelegentlichen Quaken eines Frosches doch gestört. Dann sieht man dort einsame Wanderer auftauchen, mit Pelzumhängen um die schmalen Schultern und geflochtenen breiten Netzgestellen an den Füßen, die das Einsinken verhindern sollen. Es sind Alben von der Nordküste, die hier oben auf der Suche nach verschiedenen Rohstoffen sind, die es nur hier in diesem urtümlichen Biotop gibt.

Beobachtet man diese Alben, wird man vielleicht verwundert sein, wenn diese irgendwann beginnen, sich in gebückter Haltung und angestrengtem Blick durch den Morast vorzutasten, an den Ufern der glasklaren Tümpel entlang, um dann plötzlich, ohne Ankündigung, einen Stab vorzustoßen, an dem ein käfigartiges Korbgebilde befestigt ist. Mit schneller Drehbewegung wird dieser Käfig wieder emporgerissen, und in aller Regel befindet sich danach ein dunkelrotes Lurchtier darin, dessen länglicher Leib mit schwarzen Flecken übersät ist. Das zuckende Tier wird dann schwungvoll in einen Köcher befördert, in dem sich bereits weitere Beutetiere befinden.

Es handelt sich dabei um das Núkædal-Trým (Rotrücken-Lurch), ein ca. 15cm langes Ampbibium, das ausschließlich in den Hochmooren von Kúatar lebt. Es ist von intensiv roter Farbe, auf dem Rücken finden sich schwarze, runde Flecken, die zu den Flanken hin kleiner werden und am Bauch völlig verschwunden sind. Die Augen jedoch sind von einem hellen Blau, was den Tieren ein sehr eigentümliches Aussehen gibt.

Sie ernähren sich in diesen Tümpeln von den vielen Insekten, die dort leben. Die meisten Insekten leben jedoch außerhalb des sehr sauren Wassers, und daher hat der Núkædal-Trým eine besondere Taktik der Jagd entwickelt. Er kriecht auf die breiten Blätter der Uferpflanzen und beginnt, aus einer Drüse, die im Innern des Maules sitzt, ein Sekret auf seiner breiten Zunge zu befördern und damit das Sekret schließlich auf die Blattoberflächen zu verteilen. Das Sekret enthält ein recht starkes Nervengift, das jedes Insekt, dass darauf landet, ziemlich wirkungsvoll lähmt. Der Lurch selbst ist immun gegen dieses Gift.

Einmal am Tag, in den frühen Morgenstunden, macht er sich auf und sammelt die Insekten ein, die seinem Gift erlegen sind, und kleidet die Blätter sogleich wieder mit einem neuen Sekretfilm aus. Tagsüber bleibt er jedoch unter Wasser, da zum einen seine Haut sonst austrocknen würde, zum anderen stellen ihm sonst die zahlreichen Dráppar nach, Vertreter der Familie der Wasserschnäbler, die die Hochmoore besiedeln.

Die Insekten, die sich bereits betäubt auf den Blättern befinden, werden von anderen Tieren nicht angerührt - sie sind für diese entweder ebenfalls giftig oder zumindest ungenießbar.

Und genau dieses Gift wird von den Alben für medizinische Zwecke genutzt. Zu Tal gebracht, werden die Lurche vorsichtig mit gummiartigen Handüberzügen hervorgeholt und der Inhalt der Drüsen herausgepresst. Die Alchimisten der Alben nutzen das Gift für eine Vielzahl von Tränken und Mixturen, vor allem gegen Herzleiden und Mattigkeit.

Das Rotrücken-Lurchweibchen legt zweimal im Jahr lange Laich-Schnüre an Pflanzenstengel, die in Ufernähe wachsen. Die geschlüpften Kaulquappen heften sich zunächst an den Körper der beiden Eltern, die sich zumeist in der Nähe ihrer Brut aufhalten, und verlassen auf diese Weise auch zum ersten Mals das Wasser. Bis die Jungtiere eine Länge von 5cm erreicht haben, werden sie von den Elterntieren mit vorverdauten Insekten gefüttert, dann sind sie auf sich allein gestellt.