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Interview mit Sihijad

(aus Hans Welt)

Sihijad ist eine junge Fentin. Sie verließ ihr Stammesgebiet mit einer Gruppe weiterer Fentin, da der Stamm zu groß wurde. Diese gerieten in unwirtliche Gegenden und wurden, völlig ausgehungert, von einer der zahlreichen Gefahren auf Swyrtr ausgelöscht. Sihijad hat keine Erinnerungen an das Ereignis selbst. Sie erinnert sich erst wieder daran, wie sie im Wagen von Ejhastnub, einem Barun wieder erwachte.
Mit diesem reist sie seitdem durch die Lande. Gemeinsam haben sie so manches Abenteuer erlebt und es ist eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden gewachsen.
Jedoch zieht es Sihijad nun immer stärker zurück ins Fentingebiet. Zu Weiteren ihrer Art.

 

Jerron: Sihijad, wie ist es denn so, in einer ständig lebensfeindlichen Umwelt zu leben? Stumpft man gegenüber all diesen Gefahren ab?

Sihijad: Ich stumpfe nicht ab. Ich halte meine Krallen scharf. Das hilft mehr, als wenn sie stumpf wären.

Jerron: Wie viele Gelegenheiten hast du bisher schon erlebt, bei denen du dich friedlich und sicher gefühlt hast?

Sihijad: Ich weiß nicht. In meiner Sippe war ich immer sicher. Und dann bei Ejha. Sein Wagen ist wirklich toll. Da kommt nichts rein. Wenn er das nicht will. Mich lässt er rein. Meistens.[* kichert *]
Ich bin aber oft draußen. Im Wagen ist alles so eng. Wann dann was daherkommt, hab ich frisches Fleisch. Die meisten Tiere hier sind ja so dumm. Halten mich für Beute.

Silph: Hallo Sihijad.

Sihijad: Hallo Silph.

Silph: Mich würde interessieren, ob es schwer war, sich an das Leben mit Ejhastnub anzupassen.

Sihijad: Am Anfang war es schon komisch. Da war ja keiner mehr da. Nur ein Mensch. Zuerst habe ich gedacht, er hat mich eingetauscht. Gegen was zu essen. Da wo wir waren, hat es ja kaum Tiere gegeben. Und ich habe die Handelssprache fast nicht gesprochen.
Also hab ich gedacht, er will mich an eine andere Sippe Tauschen. Ich hab ja schon andere Barun gesehen. Und tauschen ist ja das, was die ständig machen.
Ejha hat dann gesagt, was passiert ist. Er hat gesagt, die Torgen wollten mich mitnehmen. Ich mag die Torgen.
Es war komisch zu tun, was er sagt. Obwohl ich viel stärker und schneller bin als er. Dabei bin ich doch viel jünger. Aber er ist viel schlauer als ich. Also lasse ich ihn denken und gehe dafür jagen und so. Das macht sowieso mehr Spass.
In euren Städten brauch ich dann nicht viel zu tun. Die Menschen kommen, bloß um mich zu sehen. Ich pass dann auf, dass niemand was wegnimmt. Und wenn einer streiten will, sag ich, er soll sich mit mir streiten. Meistens ist der dann ganz leise.

Taipan: Sihijad - ist das so korrekt -

Sihijad: Ejhastnub nennt mich Sihi. Und will, dass ich Ejha zu ihm sage. Ihr Menschen mögt immer alles kurz und schnell. [* kichert *]

Taipan: verzeih die persönliche Frage, aber wie schafft man es, so lange von Artgenossen getrennt zu sein?

Sihijad: Ganz einfach. Man geht nicht zurück.
Ich will aber zurück. Ejha ist ein guter Freund. Das ist aber was Anderes. Ejha ist lustig und schlau. Es ist nur, ich weiß nicht, [* pause *] er hat halt kein Fell. Und ist so stark wie ein kleines Kind.
In den Städten gibt es manchmal Menschen, die mit mir ringen wollen. Die geben dann sogar was dafür her. Ejha hat nur gesagt, ich soll sie nicht verletzen. Obwohl es keine Fentin sind. Manche von denen sind richtig gut. Das macht dann Spass.
Sonst spiele ich halt mit den Torgen. Das sind so prächtige und starke Tiere. Da kann ich zuschlagen so fest ich will. Die freuen sich dann noch.
Ich habe viel gesehen, seit ich bei Ejha bin. Und viel gelernt. Über euch Menschen. Ejha kann viel für mich bekommen. Wir ziehen hoffentlich bald ins Fentingebiet.

Silph: Du hast gesagt, dass Du gedacht hast, Ejhastnub wollte Dich eintauschen. Hast dir das keine Angst gemacht? Oder hast du es als normal empfunden, dass er so einfach über dich hätte bestimmen wollen?

Sihijad: Wieso soll mir das Angst machen? Ich will doch zurück zu den Fentin.
Oder meinst Du, mich zu den Menschen tauschen? Das lasse ich ihn nicht.

Silph: Ja, ich hatte es so verstanden, daß er Dich zu Menschen tauschen wollte. Könnte er Dich denn zu den Fentin tauschen?

Sihijad: Tauschen ist das was er macht. Weil er ein Barun ist. Die fahren herum und tauschen.

Silph: Würde es da nicht einfach reichen, Dich da "abzugeben"?

Sihijad: Dann meint die ganze Sippe, er will mich loswerden. Da bin ich was schlechtes. Ich bin aber nicht schlecht. Ich habe viel gelernt. Ich weiß viel. Ich kann viel. Da kann Ejha viel für mich bekommen.
Dann weiß meine neue Sippe, warum ich da bin. Weil sie viel für mich hergegeben haben. Sonst gehör ich doch nicht wirklich dazu.

Silph: Um als geachtetes Sippenmitglied aufgenommen zu werden, muß man also erstmal beweisen, daß man für die Sippe nützlich ist?

Sihijad: Ich muss nichts beweisen. Ich will zu der Sippe dazugehören. Wieso soll ich sonst da bleiben? Warum sollen sie mich sonst da behalten?
(Anm: Du hast es gerade geschafft, Sihijad vollständig zu verwirren. )

Silph: Was sind denn da so nützliche Dinge, die man anbieten kann?

Sihijad: Was die Sippe halt hat. Meistens Felle, oder Leder. Viele Fentin machen da ganz tolle Sachen draus. Die auch den Menschen gut gefallen.
Ejha sagt, er kann für diese kleinen Knochenflöten viel bekommen. Weil er den Menschen sagt, die sind magisch. Oder halt Sachen zu essen.

Jerron: Kommt so was häufiger vor, dass Barun mit Fentin durch die Gegend fahren und sie bei anderen Sippen eintauschen (oder auch Angehörige anderer Völker irgendwo eintauschen)?

Sihijad: Nein. Dafür brauchen wir keine Menschen. Aber ich war ja allein.
Am Anfang habe ich gedacht, ich bin eingetauscht worden. Wir hatten alle viel Hunger. Und ich war bei den jüngsten. Da hat meine Sippe vielleicht keine Wahl gehabt. Mich an einen Menschen zu Tauschen, um was zu Essen zu bekommen. Aber da waren ja alle tot. Jetzt bin ich schon älter. Ich lasse mich dann auch nicht mehr tauschen. Nur das eine mal. Dass ich wieder zu Fentin komme. Ich bin gern bei Ejhastnub. Er ist lustig. Ich will aber wieder zurück.

Latsi: Hallo Sihijad! Jetzt habe ich doch auch noch eine Frage. Oder mehrere.

Sihijad: [* Breites Grinsen, dass bei einem Menschen freundlich wäre. Hier blitzen spitze Reißzähne auf. *]

Latsi: Wenn ich das richtig verstanden habe, kämpfst du doch für Geld mit Menschen, oder? Seid ihr dabei in Städten oder in Dörfern?

Sihijad: Das ist meistens in Städten. Ejha sagt, wenn eine Mauer außen rum ist, ist es eine Stadt. Nur ganz selten gibt jemand was dafür her zu kämpfen, der nicht in so einer Mauer ist.
Geld ist das runde Metall, oder? Ejha wollte mir das mal erklären. Ich habs aber nicht ganz verstanden.

Latsi: Und wie findest du das da, wo Menschen immer an einem Fleck wohnen? Was denkst du darüber?

Sihijad: Da gibt es viele schöne Sachen. Ich hab mit meiner Sippe auch immer am gleichen Fleck gewohnt, bevor es uns da zu eng wurde. Dann wollten sich eben einige einen neuen Fleck suchen. Da war ich dabei. Wir haben aber nie so schöne Häuser gebaut. Nur Hütten aus Holz. Die halten aber nicht so lange. Drum müssen sie immer wieder neu gebaut werden.
Ich hab mal ein Haus aus Stein gesehen. Mit Stämmen aus Stein davor, dick wie Bäume, aber viel glatter und gerader. Wenn ich da rein bin war ich in einem Raum, so groß, da hätte ein ganzes Dorf von uns reingepasst. Und noch eines drüber. Wir haben keine Mauern außen rum, drum sind das Dörfer. Ich bin da lange da gestanden und habe mir das angesehen. Das war so groß. Bis Ejha gesagt hat, wir müssen gehen.
Und ihr habt da so große Figuren aus Stein. Die gefallen mir. Besonders, wenn da Wasser rauskommt. Das ist lustig. Das ist natürlich zu schwer, um es mitzunehmen. Sowas kann man nur machen, wenn man lange am gleichen Fleck lebt.

Latsi: Und was denkst du allgemein über Menschen?

Sihijad: Die meisten Menschen sind schlau und können viel, das ich nie verstehen werde. Manche können aber auch gewaltig dumm sein.
Wenn ihr Zeit habt, könnt ihr alles machen. Ihr macht euch aber gerne gegenseitig alles kaputt.
Aber wenn was schnell gehen soll seid ihr komisch. Ihr seid langsam, schwach, ihr seht nichts und hört nichts. Ejha geht manchmal in den Wagen, weil er sagt, die Torgen sind unruhig. Dabei ist doch schon lange klar, was da durch die Büsche anschleicht. Manchmal fange ich das. Dann haben wir was zu essen.

Latsi: Wie lange bist du eigentlich schon mit Ehjastnub unterwegs?

Sihijad: Schon lange. Wir haben viel gesehen, von der Welt. Als Ejha mich gefunden hat, war ich noch kaum eine richtige Frau. Bei den Fentin könnte ich jetzt schon ein paar kleine Fentin haben.

Silph: Entschuldige die Verwirrung. Vielleicht kann ich die Frage ein bisschen anders stellen... Gibt es verschiedene Aufgaben in den Sippen, die nur von jeweils einem oder wenigen Sippenmitgliedern versehen werden?

Sihijad: Das gibt es manchmal. Manche Fentin können ganz toll schnitzen. Die Knochenflöten, bei denen die Menschen immer so lostig schauen. Und sie dann für viele von den Metallscheiben eintauschen.
Manche Sippen züchten Pflanzen. Die dann gut schmecken. Aber man muss dafür in der Erde wühlen. Das machen dann junge Fentin. Die sich noch nicht wehren können.
Ihr Menschen macht das ja gerne. In der Erde wühlen. Und ihr esst dann viele Pflanzen. Das hab ich auch probiert. Davon bin ich aber krank geworden. Ich muss Fleisch essen. Jagen macht außerdem mehr Spaß, als in der Erde wühlen.

Mara: Abgesehen davon scheinst du ja die Menschen und ihre Art zu leben durchaus interessant zu finden - was hält dich denn davon ab, zum Beispiel in einer der Städte zu bleiben? Und warum willst du zu einer Sippe?

Sihijad: Ich will zurück. Ihr Menschen seid lustig und schlau, aber .. keine Fentin. Ich weiß es nicht genau. Es ist nicht das gleiche. Es ist nicht nur, dass ihr so schlau redet. Und eure Männer alle schwächer sind als ich. Ihr seid einfach keine Fentin. Und die Menschen wollen mich nicht. Das merke ich, wenn wir länger irgendwo sind. Zuerst kommen alle her und schauen ganz groß. Aber später sind sie ganz komisch. Da will ich dann auch wieder weg.