Jasker lief durch den Morgennebel, der wie ein dichter Vorhang am Flußufer lag. Die ersten Häuser, hinter dem Hafen, erreichte er mit pochendem Herzen. Er verlangsamte seinen Schritt und sah sich gehetzt um. Wieso mußte auch gerade diese Nacht der Mond so hell am Himmel stehen. Der Nebel hatte wie immer nicht die Kraft, mehr als nur den Hafen- und Flußbereich zu bedecken. Doch er mußte in die Stadt, da gab es kein Zögern. Er wartete noch einen kurzen Augenblick, bis er seinen Atem unter Kontrolle hatte und er sicher war, daß seine Verfolger nicht ganz dicht hinter ihm waren.

Das Hafenviertel der große Stadt, dreckig, düster, mit seinen kleinen, schmuddeligen Gassen, mochte einem Fremden Angst einflößen, doch für Jasker war es seine Heimat, seine Sicherheit. Nur wenige Häuser weiter und er tauchte ein in den Schlund, übelriechender Pfade, die sich überall zwischen den kleinen, ein- bis zweistöckigen Häuser entlang schlängelten.

Je länger Jasker in seiner Heimat war, um so sicherer fühlte er sich. Bald schon drehte er sich nicht mehr immer um. Mit der Zeit verlangsamte er seinen Schritt, bis er letztendlich in einen Schlendergang überging. Grinsend sah er sich um. Ja, er war wieder zu Hause. Hier kannte er sich aus. Selbst die Stadtwachen könnten ihn hier nicht finden, geschweige den seine Verfolger.

Er bog gerade in die Sebertstrasse ein, die Strasse, wo der einfache Mann alles käuflicher erwerben konnte, was er so zum Leben braucht, als er eine Gestalt am Gossenrand liegen sah. Jasker hatte mittlerweile seine Angst hinter sich gelassen und schlenderte auf den Penner zu, man konnte ja nie wissen, was so ein unvorsichtiger Kerl alles in den Taschen hat.

Leise ließ er sich neben dem Mann nieder und seine geübten Finger durchsuchten das Opfer schnell. Das der angebliche schlafende Mann, tot war, stellte Jasker nebenbei fest, beachtete er aber nicht näher. Wozu auch, was ging ihn dieser Penner an?
"Mist, hat der den gar nichts dabei, außer diesem Kasten hier?", grummelte Jasker vor sich hin. Da stand er auch schon auf und ging schnell weiter.

Um eine Hausecke gebogen, betrachtete er seine Beute, den Kasten, genauer. Im hellen Mondlicht präsentierte sich der Kasten als ein hübsch verzierter Holzwürfel. "Oh, ein Schmuckkästchen. Mal sehen, was drin ist.", sprach Jasker mit sich selber und suchte den Würfel nach einer Klappe ab.
"Nichts!", zischte er Sekunden später, so laut, daß er selber erstarrte, ob ihn jemand gehört hatte. Doch nicht rührte sich. So beruhigte sich der Dieb wieder etwas und warf, enttäuscht das wertlose Holzstück in den übelriechenden Rinnsaal, welcher gemächlich in der Mitte der Gosse entlang floß.

Er war schon fast an der nähsten Weggabelung, als er sich noch mal umdrehte. "Und wenn das Ding magisch ist?", sprach er zu sich selber. "Setzakre. Du solltest endlich mit deinen Selbstgesprächen aufhören. Das bringt dich irgendwann noch in den Kerker.", fluchte er und rannte schnell zurück, und barg den Würfel aus dem Matsch.

Mit der wieder gewonnenen Beute, lief Jasker noch ein paar Ecken weiter, eher er zu überlegen anfing. Natürlich leise vor sich hinsprechend, wie so oft. "Am Besten wäre ja die Magierakademie, aber wenn ich da auftauche, könnt ich auch gleich freiwillig in den Kerker gehen. Also wohl doch zu Straz." Jasker fiel nun in einen Laufschritt. Wenn er schon zu Straz mußte, so wollte er die Sache schnell hinter sich bringen.

Bald schon hatte er das Hafenviertel hinter sich gelassen. Straz Laden war am anderen Ende der Stadt. Sicher, er konnte außen rum laufen, doch der Gedanke, eventuell etwas magisches in der Jacke zu haben, verlieh ihn den Mut durch die Mitte, dem sogenannten Mutrelviertel, oder wie die Armen sagen Goldviertel, zu laufen.

Der Eingang zum Mutrelviertel, war aus Richtung Hafen, die Steinbrücke. Bewacht von einem steinernen Abbild eines Ritters. Wie Jasker die Brücke betrat, sprach der Steinritter auch so gleich. "Dem Adel der Weg, dem Volke die Busse, dem Arbeiter die Gnade."

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