Da musste Jasker kichern, ihm fiel ein, wie vor einigen Monden ein Ritter aus fernen Landen diese Brücke passieren wollte und den Steinritter ignorierte. Um sich zu wundern, wie schnell so ein Steinritter sein kann, lebte er nicht mehr lange genug.
"Die Arbeit ich hab, den Herren zu dienen.", sprach Jasper, die Gedanken wegwischend und der Steinritter trat zur Seite.
Schnell lief der Dieb über die Brücke. Er durchquerte das angrenzende Viertel mit glänzenden Augen. Ja, hier würde er gern mal auf eine kleine Einkaufstour gehen, doch war das Risiko, erwischt zu werden, hier in dem Viertel einfach zu groß und die Folgen zu endgültig.

Am Ende des Viertels war das 'Tor der kleinen Tali'. Jasker öffnete die kleine Tür in dem wagengroßen Tor und schlüpfte hindurch.
"Guten Morgen.", sprach ihn ein kleines, hübsches Mädchen, in einem feinen Kleidchen einer Adligen, von vielleicht 5 Götterläufen, an.
"Morgen, Tali. Heute schon jemanden getötet?", erwiderte der Dieb grinsend und ging, ohne Antwort erhalten zu haben, weiter. Nun, auf dem Rückweg, musste er einen Bogen um das Mutrelviertel machen. An Tali konnte er nur raus vorbei. Rein ins Viertel würde sie ihn nie lassen.

Jasker ging nun die breite Strasse lang. Sicher, dass kein Verfolger ihn durch das Mutrelviertel hätte folgen können. Vorbei an Ställen, Schmieden, Köchner und anderen Handwerkern gelangte er fast bis an die Stadtmauer ran. Zum Glück führte ihn sein Weg aber kurz vorher in eine Seitengasse, so dass er eine Begegnung mit der Stadtwache umgehen konnte.

Hier, abseits der Hauptstrasse, fiel der Dieb auch wieder in einen Laufschritt, bis er vor einem kleinen einstöckigen Haus zum stehen kam. Ein Schild an der Wand, erklärte dem Besucher, dass hier ein gewisser Straz wohnt.
Er klopfte an.
"So trete herein.", rief es von innen.
"Gut, er ist schon wach.", sprach Jasker zu sich selber, atmete einmal durch und öffnete die Tür,

Eine Woge von seltsamen Düften empfing Jasker, kaum dass er eintrat und die Tür hinter sich verschloss. Im Flackern des Feuers im Kamin und der wenigen Kerzen im Raum, sah Jasker, dass sich hier nicht viel verändert hatte.

Vollgestopft mit allem möglichen und unmöglichen Sachen, bot der kleine Raum nicht viel Platz für seine Besucher. Ein schmaler Pfad, durch das undefinierbare Gerümpel, führte ihn zur hinteren Wand des Raumes. Wo, vor einer verschlossenen Tür, ein Mann hinter einem Tisch stand. Der Mann trug das Gewand eines Magiers, doch ohne den üblichen eingenähten Zeichen und Symbolen. So als ob der Mann seine Herkunft verleugnen wolle. Auf dem Tisch, vor diesem Mann, standen mehrere Gefäße, gefüllt mit für Jasker unbekannten Flüssigkeiten, Pulvern und Kräutern.

"Was darf ich für dich tun, Jasker.", fragte der Mann, mittleren Alters. Jasker zuckte zusammen. "Ihr wisst noch meinen Namen?"
"Wie wäre es, wenn wir zur Sache kommen?", erwiderte der Magier und Jasker beeilte sich das Kästchen aus seiner Jacke hervor zu holen.
"Dies, verehrter Magier Straz, gab mir meine Großmutter. Sie meinte es wäre magisch. Was meint ihr?"
"Lege es in die Mitte des Heltaus."
Jasker starrte auf den Tisch. Dort, mitten zwischen den Gefäßen, war ein Heltaus geritzt worden. Er legte den Würfel in die Mitte der 4 Halbkreis, die so eingeritzt wurden, dass ihre mit verschiedenen Symbolen versehenden Bögen aufeinander wiesen. Sofort fingen die 4 Halbkreise an zu leuchten. Erschrocken nahm Jasker seine Hände schnell weg. Da erhob sich der Würfel auf einmal von der Tischplatte und schwebte etwa 5 Fingerbreit über dem Heltaus, der immer heller leuchtete. Rauch stieg von dem Tisch auf, der Heltaus fing an zu glühen und den Tisch zu verbrennen. Jasker starrte ungläubig hoch zu dem Magier, der selber mit weit aufgerissenen Augen das Schauspiel beobachtete.

Da kam endlich Bewegung in Straz. Er holte aus und hieb kräftig seitlich an den Holzwürfel, dass dieser wegflog. Beide anwesenden Männer starrten den Würfel nach, wie der, vom Hieb getroffen, durch das Bruchglasfenster aus dem Haus flog.

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