nd nur wenige Sekunden später war der Dieb in der Dunkelheit einer nächtlichen Seitenstrasse verschwunden. Er rannte noch ein wenig weiter, sprang über umgefallene Mülltonnen und Obdachlosenbehausungen. Oder über Mülltonnen, die als Obdachlosenbehausungen dienten. Als er sich sicher war seine Verfolger abgehängt zu haben, hielt er kurz inne und betrachtete seine Errungenschaft.

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Ein Licht, ein Geräusch, ein kurzer erschrockener Blick in die Richtung deren Herkunft. Darauf folgte ein etwas lauteres Geräusch, das verblüffende Ähnlichkeit mit dem Geräusch aufwies, das ein Schlagzeuger verursacht, der mitsamt seines Drumkits eine Treppe hinunterfällt. "Hmpf!" dachte Herr Rüselheimser. "Liegt da wieder irgendwelcher Krempel auf der Strasse!" machte sich keine Gedanken über das Geräusch, den kurzzeitigen Geschwindigkeitsverlust und das kurze Rütteln des Aeromobils und fuhr weiter ohne zu bemerken, dass er gerade einen mehr oder weniger harmlosen Passanten mit Karracho von der Strasse gefegt und in die Luft befördert hatte.

Der kleine hölzerne Würfel flog in hohem Bogen über die Strasse, über eines der Häuser hinweg, landete auf einem Hausdach, fiel von dort in eine Regenrinne, kullerte diese entlang, prallte an einen Laternenpfahl, bis er schließlich auf den Boden fiel und einem Mann auf dem Weg zur Arbeit vor den Füssen liegen blieb.

Der Mann war vielleicht Mitte 30 und hatte einen weißen Laborkittel an, den er gerade vor ein paar Minuten aus der Wäscherei abgeholt hatte, die ihn fast verschlampt hätte, nachdem kurz vor dem Vorwaschgang das Namensschild abgefallen war, weil es nur schlecht befestigt worden war und sich deshalb leicht lösen konnte. Zum Glück fand man das Schild und konnte es, weil es das einzig schlecht befestigte war und alle anderen noch vorhanden waren, schnell dem passenden Kleidungsstück zuordnen. Dieser Umstand gab einen Rabatt auf den Preis, was ja auch nur verständlich war, schließlich gibt es genug Wäschereien in dieser Stadt, die Konkurrenz ist groß und der Verlust eines maßgeschneiderten Laborkittels kann deshalb auch leicht zum Verlust eines Kunden führen. Bei sich trug er einen schwarzen Aktenkoffer aus Kunstplastik. Das heißt er sah aus wie Plastik, war aber in Wirklichkeit gar keines. In diesem Koffer befand sich alles, was dieser Herr für seine Arbeit benötigte: ein Kugelschreiber, ein Kreuzworträtselheft, eine seltsame grüne Frucht, die zum Essen bestimmt war, auch wenn sie sich versuchte dagegen zu wehren, eine 1000er Packung Heinedönsens Doppel-D (das erste zweidimensionale Getränk) und ein Schmuddelmagazin. Er hatte kurze, schwarze Haare, grade so auf die Länge zurechtgeschnitten, ab der man sie nicht mehr zu kämmen braucht und eine große, runde Brille vor seinen Augen, die er halb geschlossen hatte, ob aus Müdigkeit, geistiger Abwesenheit oder übermässigem Drogenkosum soll an dieser Stelle einmal offen bleiben.

"Natürlich, natürlich," dachte er so bei sich "Natürlich hätte ich auch den Gelgozentrofensterlogikatapultonerophonemergensotransfusor benutzen können! Aber is doch nicht meine Schuld, dass der da im Weg rumsteht und nicht aufpasst und jetzt Tintenflecken im Gesicht hat! ICH bin wenigstens IMMER bei der Sache...!" Sein Koffer sprang auf und der gesamte Inhalt entleerte sich in die nähere Umgebung, als er über den Würfel stolperte und sich mit Schwung auf die Strasse legte. Die Heinedönsenflaschen verteilten sich in alle Himmelsrichtungen, das Kreuzworträtselheft fiel in eine Pfütze Physikizid und wurde gelöst, der Kugelschreiber wurde beinahe einem kleinen streunenden Ungetüm in der Form eines Fußballs mit unglaublich viel Fell zum Verhängnis, als er nur wenige Zentimeter neben dessen Körper vorbeizischte (was das Ungetüm dazu veranlasste erschrocken zu quäken und empört zu verschwinden), die Frucht ließ einen Triumphschrei los und floh in eine Seitenstrasse und das Schmuddelheft fiel auf den kleinen Holzwürfel.

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