Die Luft heulte und pfiff in seinen großen Ohren und wirbelte Staubwolken vom Berghang auf, bis es ihm zu ungemütlich wurde. Es schmiegte sich in eine kleine Spalte, aus der ein kleiner Strauch sich dem stetigen Luftstrom trotzig entgegenstemmte, und steckte seine spitze Schnauze in sein Fell.

Die Zeit verging, und es wurde langsam dunkel. Die Ohren eng an den Körper angelegt, döste das kleine Wesen vor sich hin, bis es plötzlich ein tiefes, sonores Geräusch hörte. Es hob misstrauisch den Kopf und lugte unter den kargen Zweigen des Busches hervor, um den Verursacher dieses Geräusches zu entdecken, doch die öde Landschaft bot lediglich mit vereinzelten knorrigen Bäumen und reichlich Gesteinsblöcken etwas Abwechslung. Es wollte sich schon wieder in den Schutz der Zweige zurückziehen, als es erneut aufschrak. Der Boden unter ihm zitterte kurz, dann fühlte es, wie es in die Höhe gehoben wurde. Der Horizont veränderte sich, drehte sich, und mit einem Mal wurde dem Tier klar, dass der Felsbrocken, auf den es sich zurückgezogen hatte, nicht das war, was er zunächst vorgegeben hatte zu sein. Es saß auf einem großen, steingrauen Wesen, dessen Haut mit Moos und Gras bewachsen war! Mit zitternder Schnauze versuchte es, mehr im Halbdunkel zu erkennen, doch es bemerkte nur, dass sein Träger sich offensichtlich bewegte. Die Landschaft zog vorbei, und der Boden schien so weit entfernt zu sein, wie wenn es auf einen kleinen Baum geklettert wäre.

Eine Weile verharrte das Tier so, angstvoll unter dem kleinen Gestrüpp hervorlugend, das auf dem Rücken dieses Wesens wuchs. Doch je länger die Steinwüstenei um es herum vorbeizog und sich offensichtlich nichts weiter Gefährliches ereignete, wurde das Tier wieder etwas lebendiger. Es unternahm langsam tastende Erkundungsgänge über den breiten Rücken dieses Wesens, das einem Felsen so täuschend ähnlich sah. Es kletterte weiter nach oben, und erreichte schließlich den höchsten Punkt, wo der Wind nunmehr ungebremst in sein langes, seidiges Fell fuhr und es kräftig zerzauste. Inzwischen bewegte er sich schon recht schnell den Berghang hinunter und obwohl es nun fast dunkel war, erkannte es in der unmittelbaren Nähe weiterer solcher wandelnden Felssäulen, die mit ihm zu Tal zogen.

Es wurde langsam müde, und so zog es sich wieder zu seinem Busch zurück. Tsukmænan finden sich immer recht bald mit einer Situation ab, in die sie hineingeraten, und lassen sich nicht so leicht beunruhigen, wenn ihnen offensichtlich keine Gefahr droht. Und so fiel es bald schon in einen leichten Schlaf, sanft gewiegt von den weit ausladenden Schritten des Steinwesens.

Als die Sonne gerade den Horizont langsam violett färbte, wachte es wieder auf. Die Landschaft hatte sich verändert. Die Einöde der Berghänge hatten sie verlassen, nun schritten sie durch saftiges Grün, und zu beiden Seiten standen immer wieder hochgewachsene Bäume. Das Tsukmæ begann, seinen Träger nach etwas Essbarem abzusuchen, und fand tatsächlich in manchen Hautfalten kleine Parasiten, die sich dort eingenistet hatten. Solchermaßen gesättigt, beobachtete es erneut den vorbeiziehenden lichten Wald, streckte seine lange, spitze Schnauze in den Wind und begann, Gefallen an dieser Form der Fortbewegung zu finden.

Das tiefe Brummen, das es am Abend zuvor aufgeschreckt hatte, kam von den Steinwesen selbst - sie verständigten sich offensichtlich damit. Doch die meiste Zeit seiner Reise hörte das Tier nichts von ihnen, nur manchmal wurden kurze Kommandos ausgetauscht. Das Tsukmæ ging erneut auf die Jagd, pflegte sein Fell ausgiebig, schlief ein bisschen, hielt wieder Ausschau vom Kopf des Wesens aus, das dies nicht sonderlich zu stören schien, und als der Abend sich erneut über das Land senkte, wurde der Tsukmæ allmählich des doch sehr begrenzten Aufenthaltsortes überdrüssig. Es bot sich für ihn aber keine allzu günstige Gelegenheit zum Absprung, und unschlüssig verharrte es weiter auf dem sich beständig bewegenden Koloss.

***

Es war schon Abend, die Schatten wurden länger im Wald, und der Gnom Koia und seine Gruppe hatten sich gerade eine der süßen Tuuj-Früchte aus einem Baum geklaubt und begannen nun, die zähe, ledrige Schale über dem gelben Fruchtfleisch mit scharfkantigen Steinchen zu öffnen. Dies war die Aufgabe der beiden stärksten Gnome, Koia selbst und Miika, der mindestens ebenso stark war wie er. Doch sie ächzten und zeterten ob der widerspenstigen Schale.

"Probier von unten, Miika!"

"Dieser Stein ist zu stumpf! Ich brauche 'nen schärferen!" Koia wandte sich vorwurfsvoll Tanik zu, der dafür zuständig war, scharfe Steinsplitter zu beschaffen, indem er Kiesel auf einen geeigneten Baum schleppte und sie von dort auf harten Felsboden fallen liess. Tanik zuckte nur abwehrend die Schultern, was den Anführer der Gruppe zu weiteren lautstarken Zänkereien veranlasste.

Da flatterte über ihnen ein Grünstirn-Túk heran und krallte sich an der Rinde eines Baumes fest. Er hatte wohl die nicht zu überhörenden Gnome bemerkt und zudem die duftende Frucht, deren Schale schon an mehreren Stellen angekratzt war, gerochen. Freudig begannen die Gnome, den Túk herbeizulocken, und schließlich kam das Flattertier von seinem Platz am Baum herunter und begann, die Schale der Tuuj-Frucht mit seinen scharfen Vorderzähnen problemlos abzuschälen. Die Gnome warteten geduldig im Gras daneben, lachten und hatten bereits die Streitereien von gerade eben vergessen. Schließlich lag das fasrige, süße Innere frei, und gemeinsam mit dem Túk, der wie die meisten Tiere keine Scheu vor den kleinen, quirligen Kobolden hatte, labten sie sich an der Frucht.

Sie waren gerade mitten im größten Schmaus, und der Saft triefte von ihren Mündern, als ein weiterer Túk über ihnen vorbeiflog und laut pfiff. Die Gnome blickten empor und lauschten aufmerksam, sie verstanden die Sprache der meisten Tiere recht gut. Diesmal schien der Beutelgleiter ihnen die Ankunft einiger Trolle anzukündigen, was die Gnome natürlich in helle Aufregung versetzte, sowas kam nun wirklich nicht alle Tage vor. Sie überliessen dem Grünstirn-Túk die restliche Frucht und eilten davon, um die Riesen aus den Bergen zu sehen. Sie ahnten, was das Ziel der Trolle war. Irgendwo hier im Wald hatten Orks eines ihrer Lager aufgeschlagen - die Gnome hielten sich in der Regel einfach fern von ihnen, da ein Gnom für einen ausgewachsenen Ork gerade recht als kleine Zwischenmahlzeit diente.

"Dort, glaube ich!" Koia deutete recht wahllos auf eine Wand aus Gebüsch und Unterholz, hinter der man exakt nichts erkennen konnte. Zufälligerweise hatte Koia aber sogar recht, nur wenig später tauchten zwischen den Bäumen die grauen Riesen auf, lautlos bewegten sie sich vorwärts und schafften es tatsächlich trotz ihrer Größe, keine Zweige auf ihrem Weg abzubrechen oder andere verräterischen Geräusche zu machen.

Koia lief auf seinen kleinen Füßen, so schnell er konnte, vorwärts, um den Weg der Trolle zu kreuzen, und ließ seine Gruppe dabei hinter sich. Und mit einem Mal waren die dicken Säulenbeine schon vor ihm, bewegten sich mit langen Schritten auf ihn zu. Beherzt machte Koia einen Satz vorwärts und packte ein paar lange Borsten, die aus den Beinen wuchsen. Sofort wurde er mitgerissen und hörte hinter sich nur noch das Rufen der anderen, die zu langsam waren. Koia lachte in sich hinein, er liebte Abenteuer, und ein solches wagemutiges Erlebnis war genau recht, um seine Position als Führer in der Gruppe zu festigen.

Er hangelte sich an Borsten und kleinen Flechten, die an dem Troll wuchsen, in die Höhe, bis er endlich den dichter bewachsenen Rücken und wenig später die Schulter des Trolls erreichte, wo er sich erst einmal hinsetzte und die Aussicht genoss.

"Großartig! Was werden die andern sagen, wenn ich das erzähle!" sagte er begeistert mehr zu sich selbst, doch der Troll hatte das helle zwitschernde Stimmchen gehört und neigte seinen Kopf leicht zur Seite. Nur ein kurzes, tiefes Grummeln ertönte, und große, wässrige Augen blickten den kleinen Wicht wie unergründliche Brunnen an.

"Seid sicher unterwegs zu den Fressern? Richtiger Weg, genau richtig. Böse Orks, sind schon sehr lang im Wald. Vertreibt ihr sie?"

Doch der Troll reagierte nicht weiter auf das muntere Plappern, sondern richtete seinen Blick wieder nach vorne. Koia zuckte mit den Schultern und begann, wieder zum Rücken zurückzukrabbeln, da bemerkte er plötzlich zwei kleine, schwarze Knopfaugen, die ihn über eine ständig zitternde, schnuppernde Schnauze hinweg unter einem kleinen Busch heraus anblickten. Mit einem kleinen Entzückensruf verharrte Koia. Gnome lieben Tiere jeglicher Art, und verirrt sich einmal ein ihnen unbekanntes in den Wald, ist die Freude, aber auch die Neugierde groß.

Vorsichtig und mit beruhigenden Worten näherte sich Koia dem Gestrüpp, und die besondere Ausstrahlung der Gnome verfehlte auch hier ihre Wirkung nicht. Als das Tierchen sich vorsichtig unter den Ästen ins Freie traute, lachte Koia laut auf. Das Tier war nun wirklich lustig anzuschauen, die Schnauze war so lang und dünn, dass sie alleine deshalb ständig zu zittern schien, doch das Außergewöhnlichste an dem Tier mit hellbraunem, gepunktetem Fell waren seine Ohren. Sie waren ungewöhnlich lang, echte Schlappohren, und hingen zu beiden Seiten des Kopfes weit hinunter bis zu den Füßen und waren seitlich mit dem Körper leicht verwachsen. Die großen, schwarzen Augen des Tieres blickten den Gnom erwartungsvoll an. Da erinnerte sich Koia wieder daran, wo sie sich gerade befanden, und er wandte sich mit ernsten Worten an das Tier:

"Musst hier weg! Bald gefährlich, Orks in der Nähe!"

Die Ohren des Tieres zuckten, und es schien tatsächlich die eindringlichen Worte zu verstehen. Zumindest begann es, nach oben zu klettern, bis es wieder erneut auf der Schulter des Trolles saß. Der Oberkörper war nun hoch emporgereckt, und die Nase des Tieres wandte sich suchend von einer Seite zur anderen.

Koia kletterte ihm hinterher. "Nicht viel Zeit. Bald bei den Orks! Komm hinunter!" Doch mit einem Mal duckte sich das Tier, und mit einem federnden Satz schnellte es davon. Und nun konnte Koia im Dämmerlicht auch erkennen, was es mit den großen Ohren des Tieres auf sich hatte: diese spannten sich plötzlich auf, und das Tier segelte förmlich mit ihnen weg von dem Troll in den Wald hinein, um schließlich an der Rinde eines Baumes aufzutreffen, wo es sich sofort festkrallte und mit kräftigen Bewegungen nach oben wegkletterte.

Koia lachte wieder, doch nun wurde es auch für ihn höchste Zeit, wieder zu seiner Gruppe zurückzukehren.

Das Tsukmæ verschnaufte erst, als es den Baum weit emporgeklettert war. Dieses kleine zweibeinige Wesen, das plötzlich auf dem Steinwesen aufgetaucht war, hatte in ihm ein Gefühl der Angst hervorgerufen, obwohl es sofort Zutrauen zu ihm gefasst hatte. Doch es hatte mit einem Mal den Eindruck, es wäre definitiv besser, sich möglichst schnell einen anderen Platz zu suchen. Es war zwar schon reichlich dunkel in diesem Wald, der ihm völlig fremd war, doch für einen beherzten Sprung zu einem der Bäume reichte das Licht noch gerade so aus.

Der Baum, auf dem das Tsukmæ nun saß, hatte eine recht glatte Rinde, so etwas hatte es bisher noch nicht gesehen, wo es herkam. Äste gab es im unteren Bereich keine, doch weiter oben war eine ausladende Baumkrone zu sehen. Das Tsukmæ beschloss, dort hinaufzuklettern, denn nach unten wollte es nun nicht mehr, und an Ort und Stelle bleiben konnte es nicht.

Oben angekommen, ruhte sich das kleine Tier erst einmal aus, das Herz raste von dem langen Aufstieg und der Aufregung über die kleine Gestalt, die ihn von dem Steinwesen vertrieben hatte. Dann erkundete es sein neues Zuhause erst einmal. Die Äste verliefen seltsam geradlinig vom Stamm weg, und als das Tsukmæ auf einem dieser Äste entlanglief, entdeckte es an dessen Ende eine große Frucht, mindestens so groß wie es selbst. Es schnupperte daran; es roch verlockend. Dann versuchte das Tierchen, ein kleines Stück davon anzunagen. Es wagte sich noch ein kleines Stückchen weiter hinaus, kratzte mit seinen kleinen Zähnchen an der vorderen Kante der Frucht herum, bis es plötzlich innehielt. Tieren sagt man ja einen gewissen Sinn nach, mit dem sie Gefahr spüren ... und in genau diesem Moment beschlich dem Tsukmæ ein äußerst unwohles Gefühl. Es konnte jedoch nicht feststellen, woran dies lag. Argwöhnisch schnupperte es wieder in den Wind hinein, doch als es ein leises Knirschen und Knacken unter seinen Füßen verspürte, war es bereits zu spät. Im nächsten Augenblick wurde die Welt weggerissen, und mit einem lauten Knall explodierte die Frucht unter den Füßen des Tsukmæ und schleuderte es hinaus in die Nacht.

***

Tirrkass döste ein wenig an einen Baum gelehnt, der am Rande ihres Lagers stand. Seine großen Ohren lauschten auch ohne seine hundertprozentige Aufmerksamkeit auf jedes Geräusch, das vor ihm aus dem Wald ertönte. Über ihm knallten von Zeit zu Zeit die Früchte der Srektul-Bäume, wenn der Überdruck in ihnen zu groß wurde und sie ihre pfeilförmigen Samen weit hinaus in die Landschaft schleuderten. Tirrkass hatte sich aber schon daran gewöhnt, jedes Jahr in dieser Jahreszeit konnte man sie hören.

Seine Gedanken wanderten zurück zu dem gestrigen Tag, als er ein kleines Duell mit einem jungen Kerl, gerade erst zwei Jahre in ihrem Stamm, ausfocht. Tirrkass musste schmunzeln - der Arme hatte keine Chance gehabt und muss wohl noch ein Weile an sich arbeiten, bis er ihn darin schlagen konnte, die 3000 Schritt durch Wald, Feld und Wasser in Rekordzeit zurückzulegen. Tirrkass reckte sich ein wenig, eigentlich weniger aufgrund von Müdigkeit, sondern mehr, um das Arbeiten seiner nur leicht ziehenden Muskeln besser zu spüren. Da vermeinte er plötzlich, ein unerwartetes Geräusch zu hören, und hob den Kopf hoch hinauf, um seine Ohren in alle Richtungen zu drehen. Er lauschte angestrengt, doch das Geräusch wiederholte sich nicht, und auch seine feine Nase nahm keine unbekannte Witterung auf. Dennoch blieb er misstrauisch eine Weile aufrecht stehen, seine Aufmerksamkeit war geweckt. Nichts geschah, nur der Wind heulte leise durch die Baumwipfel über ihm.

Doch gerade, als er sich nach einiger Zeit wieder etwas bequemer an den Baumstamm lehnen wollte, ertönte von der anderen Seite des Lagers mit einem Mal ein lautes Jaulen, das jäh abbrach. Ohne auch nur einen Moment nachzudenken, schoss Tirrkass los, seine Instinkte bestimmten nun sein Handeln, und in halsbrecherischen Tempo rannte er, seine lange Waffe in der Hand, durch das Lager. Von rechts und von links stießen weitere Wachposten zu ihm, auch sie wussten sofort, was dies zu bedeuten hatte, und ohne dass weitere Verständigung nötig war, stürmten sie zur anderen Seite des Dorfes, heiser knurrend, hechelnd. Gegen Ende leitete sie der lauter werdende Tumult den Weg, mit einem gewaltigen Satz sprang Tirrkass über eine kleine Reihe von struppigen Büschen, die sich durch das Dorf zog, und landete direkt drei Schritt weit vor einem gewaltigen nachtgrauen Koloss, der breitbeinig und mit offenen Armen seinen Weg versperrte. Mit einem verblüfften Jaulen warf sich Tirrkass zur Seite und entging im allerletzten Moment der herabsausenden Faust, die mit der Wucht von Felsbrocken seinen Schädel zerschmettert hätte, verlor dabei jedoch seine Waffe, eine lange Schwertlanze mit großer, gezackter Klinge. Doch er hatte Glück, der Troll setzte ihm nicht nach, sondern wandte sich sofort zur anderen Seite, wo ein weiterer Ork mit einem markerschütternden Schrei heranstürmte, die scharfe Klinge hoch erhoben. Der Troll bewegte seine Hand so schnell, dass das Auge es kaum zu erkennen vermochte, und viel schneller, als man es den grauen, sonst so behäbigen Riesen zutraute. Die Waffe traf auf den Arm des Trolls, drang tief ein, aber wurde dann weit weggeschleudert, während der angreifende Ork, Tirrkass erkannte ihn als Kraitall, einen Schmied des Dorfes, zwischen die Arme des Trolls geriet. Ein letzter Schrei erstarb in berstenden und krachenden Knochen, als der Troll den Leib des Orks in seinen Armen schlicht zerquetschte. Tirrkass stöhnte auf, es drehte sich ihm fast der Magen um, doch wie von ferner Hand gesteuert griff er seine auf dem Boden liegende Waffe und sprang dem Troll entgegen, der ihm nun den Rücken zuwandte und Anstalten machte, den Kampfplatz mit Kraitall in seinen Armen wieder zu verlassen. Mit einem Keuchen warf er seine Lanze auf den Rücken des Trolls, die Klinge drang eine Handbreit in die ledrige, graue Haut ein, doch der Troll wankte nicht einmal, er wischte nur wie nach einer lästigen Fliege nach hinten, traf Tirrkass am Oberkörper, warf ihn mehrere Schritt weit weg und stampfte einfach weiter. Ein weiterer Wachposten sprang ihn von der Seite an, versetzte dem Riesen noch eine Wunde und musste mit seinem Leben dafür bezahlen. Tirrkass blickte sich wie betäubt um, sein Brustkorb schien von heißen Eisen durchbohrt zu werden, es machte Mühe, seine Lungen mit Atem zu füllen. Das Kampfgetümmel tobte um ihn herum weiter, heiseres Gebrüll und scharfe Kommandos schallten über den Platz, während die Trolle völlig schweigsam und unhörbar ihren tödlichen Weg durch die gegen sie anbrandenden Angreifer bahnten. Die ersten Orks kamen mit Fackeln herbeigeeilt, und brennende Pfeile schossen durch die Luft und bohrten sich in die Trolle, die bereits wieder auf dem Rückzug waren, jeder mit ein oder zwei der Dorfbewohner in ihren Armen. Feuer war das einzige, was diese Riesen noch am ehesten beeindruckte.

Der Blick Tirrkass' trübte sich, die Geräusche wurden leiser. Er versuchte mit letzter Willenskraft, aufzustehen, er konnte nicht einfach nur zusehen, musste doch seine Kampfeskraft beweisen, durfte nicht tatenlos bleiben, doch eine rote Welle von Schmerzen überrollte seinen Kopf, dann wurde es Nacht um ihn.

***

Tiefes Schwarz lag über den Farnen und Sträuchern zu Füßen der großen Srektul-Bäume. Alles Leben im Wald verharrte, während das Kampfgeschrei weit entfernt im Wald ertönte. Doch der Tumult verklang, und mit einem Mal wackelten die Zweige eines Farns, und eine spitze, lange Schnauze kam zum Vorschein. Das Tsukmæ schüttelte verwundert seinen pelzigen Kopf, wie um den Schmerz zu vertreiben, der sich zwischen seinen langen Ohren breit gemacht hatte, nachdem es auf so unsanfte Weise von seinem Aussichtsplatz hoch droben über den Wipfeln katapultiert wurde. Es war weit hinaus in die Nacht geflogen, hatte sich mehrfach um seine eigene Achse gedreht, bis es endlich die Orientierung wiederfand, als die Erde sein Gewicht wieder unbarmherzig nach unten zog. Seine Ohren spannten sich im Fallwind, und halb betäubt durch den lauten Knall segelte das Tier zu Boden, rasselte durch Äste und Zweige und war nicht in der Lage, sich irgendwo festzukrallen, bis sein gebremster Sturz schließlich in der weichen Farnschicht am Waldboden sein Ende fand. Hier blieb es liegen, mit rasendem Herz, nicht verstehend, was hier um ihn herum vorging, und wartete reglos ab.

Erst, als die seltsamen Geräusche in der Ferne verklangen, und ganz langsam und vorsichtig die anderen Tiere des Waldes sich regten, schüttelte das Tsukmæ seine Starre ab und krabbelte aus seinem Versteck, um sofort die knorrige Rinde eines jungen Baumes hochzuklettern. Es hielt nicht an, bis es in sicherer Höhe einen Ast erreichte, kauerte sich dort in die Astgabel und starrte hinaus in die Nacht. Allmählich fiel die Angst wieder von ihm ab. Es schüttelte sein seidiges Fell, in dem sich Schmutz, kleine Rindenstückchen und Ästchen von seinem Sturz vefangen hatten, und schon hatte es die schlimmen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit wieder fast vergessen. Es reckte seinen kleinen Kopf in die Höhe, und beschloss, der Welt um es herum seinen Unmut über solch ungehörigen Dinge kundzutun, öffnete seine lange Schnauze und stieß ein langes, leicht zorniges Zwitschern aus, das die Nacht durchschallte.

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