Rikon Severan überquerte gerade die Straße, als er hinter sich ein platschendes Geräusch hörte, das das stetige Rauschen des großen Flusses im Hintergrund überlagerte. Ein rätselhafter Laut, über den er lieber nicht nachdenken wollte. Doch sein von der langen Wanderung und dem Stress der letzten Tage überreiztes Gehirn hatte mal wieder nichts Besseres zu tun, als die Herkunft des Geräusches in allen Einzelheiten zu ergründen. Es hatte nach einer Flüssigkeit geklungen, die entweder auf die schlammige Straße oder in das Wasser des Flusses Chen geschüttet wurde. Ja, vermutlich hatte da jemand seinen Nachttopf ausgeleert. Oder Essensreste entsorgt, was sogar noch schlimmer wäre, zumindest, wenn man sich bewusst war, dass die Leute in dieser Gegend sehr wenig zu essen hatten und Reste erst dann wegwarfen, wenn diese völlig verschimmelt waren und von Ungeziefer wimmelten. Rikon würgte. Wie konnten die Bewohner dieser Stadt es hier nur aushalten? Gut, wenn man in Dreck, Gestank und Schmutzwasser aufgewachsen war, gewöhnte man sich wahrscheinlich daran. Oder wurde einfach ein Teil davon, wie die meisten hier. Der Name der Stadt - Sossáta ("Schlange") - war jedenfalls sehr bezeichnend. Rikon zog das Tuch, das er sich vor Nase und Mund gebunden hatte, fester zusammen und versuchte nicht an die Zusammensetzung der Schlammpfütze zu denken, durch die er gerade watete, wobei etwas von dem weichen Untergrund unangenehm in seinem linken Schuh kleben blieb. Diese verdammten Sandalen! Hätte er es sich doch nur geleistet, für dieses eine Mal ein Pferd zu mieten! Dann hätte er jetzt reiten können und sich nicht so die Füße schmutzig machen müssen. Andererseits hätte selbst das wahrscheinlich mehr Probleme verursacht als gelöst. Die hässlichen, scharfzähnigen Biester, die sein Volk als "Pferde" bezeichnete, waren sowieso gefährlich und kaum zu bändigen. Bestimmt hätte das Reittier ihn bei der ersten sich bietenden Gelegenheit abgeworfen und anschließend bei lebendigem Leibe verspeist…

Ah, da war es ja! Rikon machte vor einer leicht schief in ihrem Rahmen hängenden Haustür Halt, auf der eine reichlich verblasste 29 und zusätzlich, wie im Westen üblich, das Zeichen für die Silbe "Di" in Hochschrift geschrieben stand. Ein Namensschild war dort allerdings nicht angebracht. Rikon klopfte. Hoffentlich war er hier richtig - diese verwitterten Holzhäuser sahen alle gleich aus. Wenn er in das falsche ging, würde er vermutlich von irgendeinem wütenden Bauernsohn mit einem Schlachtermesser in der Hand wieder hinausgejagt werden. Vielleicht würde man ihm sogar faules Obst nachwerfen. Oder einen Nachttopf…

"Komm rein!", dröhnte eine verschlafene Stimme (es war später Nachmittag) aus den Tiefen des Hauses, woraufhin Rikon die Tür öffnete und eintreten wollte. In diesem Moment heulte plötzlich ein Windstoß durch die Straße, riss Rikon die Tür aus der Hand und schlug sie wieder zu. Ärgerlich griff er erneut nach dem dicken Metallknauf, drehte ihn und musste sich diesmal ordentlich gegen die Tür stemmen, um sie aufzubekommen. Schließlich schaffte er es und betrat eine Art Hausflur, eng und düster wie ein zu klein geratener Viehstall. Als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte er Regale mit unordentlich gestapelter Ober- und Unterbekleidung, Bettzeug, staubigen Keramikschalen und Gefäßen erkennen sowie die Hausherrin, Avra Báraley, die weiter hinten wartend an einen Türrahmen gelehnt dastand. Sie trug ein seltsames, einteiliges Kleidungsstück, offenbar eins dieser neumodischen Dinger, die eine Kombination aus Unterwäsche und Schlafanzug darstellten.

"Du musst diesser dürre, schwarzhaarige, ziemlisch eingebildete Händler ssein, den man mir beschrieben hat", begrüßte sie ihn, den Blick fest auf den dunkelroten Lederbeutel geheftet, den Rikon bei sich trug. Es war ein Geldbeutel, heute allerdings mit etwas ganz Anderem, Illegalem gefüllt: 537 Beeren des Brisk-Strauches, sorgfältig in Tiffa-Wolle gepackt, damit sie nicht zerquetscht wurden. Rikon hatte sie von jemandem erhalten, der sich selbst als "Zwischenlagerer" (verdächtiger ging es ja wohl kaum) bezeichnete, zum Weiterverkauf an Avra, die sie entweder behalten oder Gastwirten zum Kauf anbieten würde, die die Beeren dann wiederum roh oder in Form von Brisksaft teuer, inoffiziell und nicht ganz legal an ihre Gäste ausschenkten. Wie dem auch sei - nach Abschluss des Handels mit Avra würde sich in Rikons Beutel jedenfalls wieder das befinden, was eigentlich hineingehörte, nämlich Geld, und zwar nicht wenig davon. Darauf freute er sich bereits.

Rikon folgte Avra in einen Raum, der offensichtlich ihr Schlafzimmer war. Er hatte sich schon bei Betreten des Hauses gefragt, was sich in diesem Raum wohl befinden mochte, das Avra dazu veranlasste, Kleidungsstücke und Bettzeug auf dem Flur zu lagern statt in den Schlafzimmerschränken. Nun sah er es: Die Frau war eine Sammlerin, eine von diesen Verrückten, die all ihr Geld für völlig nutzlose Gegenstände ausgaben, nur um sie überall auf Regale und Schränke zu stellen, wo sie vor allem Staub fingen und Platz wegnahmen. Bei Avra waren es Skulpturen - ganze Horden mehr oder weniger unansehnlicher Darstellungen größtenteils unbekleideter Menschen aus Metall oder gebranntem Ton. Abgesehen von einem schwer wirkenden Barethholztisch und dem schmuddeligen Bett waren sämtliche Flächen und Ecken des Zimmers von ihnen bevölkert. Rikons Blick blieb an einer Figur hängen, die eine sich unmöglich verrenkende sehr schöne (und sehr nackte) junge Frau zeigte und gleichzeitig als Räucherkerzenhalter diente. Das in diese seltsame Halterung gesteckte Kerzchen bemühte sich sehr, gegen den durch das geöffnete Fenster hereinwehenden Gestank anzuräuchern. Der Geruch des Rauchs war süßlich und betäubend; bald hatte Rikon das Gefühl, kaum mehr atmen zu können.

Avra raffte währenddessen einen auf dem Boden liegenden Berg Kleidung zusammen und begann sich vor seinen Augen umzuziehen. Rikon beobachtete sie, leicht verwirrt angesichts der Tatsache, dass die Frau sich ihm bedenkenlos nackt zeigte. Nicht, dass ihn das sonderlich interessierte. Er hatte eine Geliebte in Abéssey. Und zwei in Tavera. Das war anstrengend genug. Erst recht, dafür zu sorgen, dass sie nichts voneinander erfuhren.

Außerdem waren sie wesentlich hübscher als Avra. Die aus Abéssey hatte sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit der Räucherkerzen-Figur auf dem Schrank…

"Hast du die Ware?", riss ihn die Frau, die nun vollständig bekleidet (Beinwärmer aus grauer Wolle, löchriges Halstuch, sackförmiges Kleid) vor ihm stand, aus seinen Gedanken. Sie lehnte sich an den Holztisch und trommelte ungeduldig mit den Krallen ihrer rechten Hand auf die Tischplatte, derart heftig, dass Rikons eigene Krallen allein von dem Anblick wehtaten.

Rikon nickte und sie setzten sich an den Tisch, um über den Preis zu verhandeln. Avra sprach die meiste Zeit: Sie wollte genau wissen, ob die Beeren in einwandfreiem Zustand waren, wer davon wusste, wo Rikon die Ware bekommen, wie er sie transportiert, wer ihn möglicherweise gesehen hatte. Ihr Hochsprache-Akzent - mit scharfem S und rollendem R - wurde im Laufe der Zeit immer stärker. Rikon fand, dass sie übertrieb; ja, der Handel mit Brisk konnte gefährlich sein, er wurde jedoch meist stillschweigend von der Armee geduldet. Die Soldaten mochten das Zeug schließlich auch.

Zwischendurch stand Avra einmal auf, entzündete eine Öllampe und schloss das Fenster, nachdem ein Windstoß ihr den Zettel, auf dem sie wichtige Einzelheiten des Handels zu notieren schien, beinahe aus der Hand gerissen hätte. Rikon hoffte, dass sie auch die Räucherkerze löschen würde, bevor die Luft im Zimmer endgültig nicht mehr atembar war, aber den Gefallen tat sie ihm nicht.

Unterdessen hörte Rikon ihr nur halb zu und war in Gedanken damit beschäftigt, sie zu betrachten und von Kopf bis Fuß zu beurteilen. Sie gefiel ihm nicht. Sie war größer als er selbst, grobknochig, nicht gerade gutaussehend. Ihre Zähne waren sogar für die einer Assé erstaunlich lang und an den Spitzen so abgenutzt, dass sie eher an die Zähne einer Ratte erinnerten. Ihr Fell, das idealerweise dicht und gleichmäßig sein sollte, wirkte fransig und wies einige kahle Stellen auf. Dass sie sich bestimmt schon längere Zeit nicht mehr gewaschen hatte, musste er ihr allerdings zugute halten angesichts der Qualität des Wassers in dieser Stadt. Wenn man sich hier wusch, wurde man wahrscheinlich nur schmutziger, da half auch keine Seife. Sich von Räucherkerzen einnebeln zu lassen, bis man sich selbst nicht mehr roch, war zweifellos eine bessere Idee.

Zum Schluss stellte Rikon Avra noch einige Fragen (die sie vage bis überhaupt nicht beantwortete), sie einigten sich nach einer kurzen, lustlosen Diskussion auf einen Preis, mit dem Rikon leben konnte, verabschiedeten sich ("Mach, dass du rauskommst, isch habe Wischtigeres zu tun." - "Gern - Sressa, bis hoffentlich nicht allzu bald.") und gingen auseinander.

Rikon verließ das Haus, froh darüber, endlich dem süßlich-rauchigen Geruch von Avras Schlafzimmer entkommen zu sein. Doch kaum dass er die Tür hinter sich geschlossen hatte, schlug ihm wieder der Gestank der Straße entgegen und er wünschte sich beinahe die Räucherkerze zurück. Er zog das Tuch wieder vor sein Gesicht. Zwar wusste er genau, dass er deshalb angestarrt wurde und freche Kinder sich über ihn lustig machten, aber das war ihm egal. Hauptsache, er fing sich in dieser abstoßenden Umgebung nicht irgendeine Krankheit ein. Es war doch kaum zu glauben - hier stapfte er durch die von Morast bedeckten Wege einer stinkenden Stadt, die den Namen eines schuppigen Kriechtiers hatte und verkaufte Drogen an eine abgehalfterte Frau, die wahrscheinlich früher einmal eine drittklassige Hure gewesen war. Ich hätte ruhig ein paar von den Brisk-Beeren für mich selbst abzweigen sollen, dachte er. Damit wäre Vieles leichter zu ertragen gewesen.

Zu allem Überfluss spielte nun auch noch das Wetter verrückt. Der Wind, den er vorhin schon einmal zu spüren bekommen hatte, machte Anstalten, sich zu einem echten Sturm auszuwachsen. Zudem setzte ein äußerst heftiger Regen ein. Kieselsteingroße Tropfen prasselten lautstark auf die Dächer und wuschen wochenalte Schichten von Staub und Sand und was-auch-immer herunter, so dass wahre Sturzbäche bräunlich verfärbten Wassers aus den Regenrinnen zu fließen begannen. Rikons alter Erzfeind, der Gemeine Straßenmatsch, verwandelte sich augenblicklich in eine dickflüssige, knöcheltiefe Brühe und dann in etwas, das nur noch mit den Worten "schleimig, klebrig und unglaublich ekelhaft" zu beschreiben war. Rikon blickte seufzend gen Himmel und sah zu seiner endgültigen Verzweiflung, wie sich eine turmrabenschwarze Wolke riesigen Ausmaßes von Westen her vor die Sonne schob. Lange, weiß lodernde Blitze zuckten daraus hervor.

Die Stadtbewohner wussten offenbar Bescheid und hatten sich vor dem drohenden Gewitter rechtzeitig in ihren Häusern verkrochen. Niemand war mehr draußen zu sehen. Rikon zögerte kurz und überlegte, ob er zurückgehen und Avra darum bitten sollte, ihm für die Dauer des Unwetters Unterschlupf zu gewähren, entschied sich dann aber dagegen. Wer konnte wissen, was Fräulein Rattenzahn von ihm als Gegenleistung verlangen würde? Ich will nach Hause, dachte Rikon mutlos und begann zu rennen, seinen Geldbeutel fest an sich gepresst. Als er die Abzweigung nach links in Richtung Fluss nahm, rutschte er das erste Mal aus, fiel hin und landete der Länge nach im Dreck. Fluchend rappelte er sich auf, versuchte den Schmutz mit der Hand abzuwischen und verteilte ihn damit nur. Ihm wurde schlecht. Er riss sich das alberne Tuch, das glücklicherweise wenigstens Teile seines Gesichts vor dem Schlamm geschützt hatte, vom Hals, benutzte es als Waschlappen und warf es anschließend weg. Was er wenig später bei seinem nächsten Sturz bitterlich bereute, denn diesmal bekam er den Dreck auch noch in den Mund. Rikon schüttelte sich und kämpfte würgend gegen aufkommenden Brechreiz an. Schwer atmend auf dem Boden liegend und abscheulich schmeckenden Schlamm ausspuckend wartete er darauf, dass der Regen ihn halbwegs sauber wusch. Er konnte den Fluss von hier aus schon sehen. Der Wind zerrte kräftig an seiner klitschnassen Kleidung, als er aufstand und weiter lief. Der Himmel war inzwischen so düster, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Rikon blieb kurz stehen und zog seine Sandalen aus. Ja, barfuß kam er viel besser vorwärts. Er musste sich schnellstmöglich in Sicherheit bringen, wenn er nicht vom Blitz getroffen oder vom Sturm davongeweht werden wollte. Die Schuhe ließ er einfach auf der Straße stehen.

Endlich erreichte Rikon den Fluss Chen und überquerte ihn mittels einer breiten, glitschigen Holzbrücke. Sein Ziel war die kleine Gaststätte an der Südseite des Flusses, in der es sicher trocken, warm und ungefährlich war. Notfalls würde er dort sogar etwas essen oder trinken, wenn man ihn nur hineinließ…

Ein unbeschreiblich starker Windstoß, wie Rikon noch nie einen erlebt hatte, erfasste ihn mitten auf der Brücke. Hilflos versuchte er dagegen anzukämpfen, fand jedoch keinen Halt auf den rutschigen Brettern und wurde wie von einer unsichtbaren Hand gegen das metallene Brückengeländer gedrückt, an dem er sich panisch festzukrallen versuchte. Es half nichts. Mit irgendwie lächerlicher Langsamkeit sackte er unter dem Geländer durch, dem schäumenden und brodelnden Gewässer entgegen. Rikon schrie, zappelte verzweifelt und konnte sich doch nicht retten. Ungläubig starrte er seine Füße an, die er plötzlich mit ungewöhnlicher Klarheit wenige Meter über der Wasseroberfläche hängen sah. Er konnte sogar erkennen, wie im Licht der zuckenden Blitze Regenwasser über sein verschmutztes Fell rann, Spuren der Sauberkeit darauf hinterließ, dann an seinen Krallen hinablief und in den Fluss tropfte.

Gleich sterbe ich, dachte er nur. Ausgerechnet im Chen, dem mit Abstand dreckigsten und verseuchtesten Fluss Meriankas, muss ich ertrinken. Womit habe ich das nur verdient?

Im buchstäblich allerletzten Moment, gerade als seine Hände mit einem quietschenden Geräusch endgültig vom Geländer abrutschten, packte jemand Rikon am Kragen (wobei dieser beinahe erdrosselt wurde und durch die langen Krallen seines Retters erhebliche Kratzspuren im Nacken davontrug) und zog ihn ausgesprochen unsanft auf die Brücke zurück. Es war Avra. Sie hatte sich selbst mit einem Seil am gegenüberliegenden Geländer gesichert und Rikon das Leben gerettet. Jetzt musste sie sich nur noch an dem Seil zurückhangeln, gegen den Sturm ankämpfend und zusätzlich behindert durch Rikons Gewicht, der sich ziemlich nutzlos keuchend an ihr festklammerte. Erstaunlich kräftig für eine Frau, dachte er. Zum Glück ließ der Wind in diesem Augenblick ein wenig nach.

Endlich hatten sie es geschafft. Ächzend zerrte Avra Rikon von der Brücke herunter.

"Los jetzt, steh schon auf, du bist doch nischt gelähmt", brüllte sie gegen den heulenden Wind an.

Rikon gehorchte. "Vielen Dank, vielen, vielen Dank", brachte er stotternd hervor und fiel Avra erleichtert um den Hals, bis diese ihn empört wegstieß. "Vielen Dank", sagte er noch einmal. "Aber… woher wusstest du…?"

"Isch hab's geahnt", gab Avra mürrisch zurück, spuckte ihm eine Ladung Dreck vor die Füße und ließ dabei ihre langen Zähne sehen. Dann grinste sie und klopfte Rikon freundschaftlich auf die Schulter (ein so harter Schlag, dass er davon einen Hustenanfall bekam). Sie streckte die Hand aus und deutete auf ein kleines Gebäude, vor dem ein Schild, das aus einer dicken Holzscheibe bestand und an einer hölzernen Vorrichtung befestigt war, im Wind schaukelte. "Éla Taryet" lautete die Aufschrift. Rikon kam sich außerordentlich dumm vor, als ihm aufging, dass "Goldener Vogel" nur der Name einer Kneipe sein konnte, die also ganz in der Nähe lag und ihm vorher nur nicht aufgefallen war. Den Versuch, bei dem Sturm die Brücke zu überqueren, um die Gaststätte auf der anderen Seite des Flusses zu erreichen, hätte er sich demzufolge von vornherein sparen können…

"Na, was meinst du? Lust auf einen Bescher Briskssaft?", fragte Avra lachend. "Du könntest mir ja einen ausgeben, wenn du sso dankbar bist. Das wäre mir wesentlisch lieber als deine Klammerei."

Rikon nickte nur, konnte sich aber noch immer nicht überwinden, Avras Handgelenk loszulassen, während sie sich auf den Weg zu der Gaststätte machten, wo sie endlich vor den Unbilden des Wetters geschützt sein würden. Vielleicht, dachte er, war Avra doch gar nicht so schlecht. Vom Wesen her, versteht sich. Und, ach, so hässlich war sie eigentlich auch nicht.

Schweigend gingen sie nebeneinander her, Retterin und Geretteter, beide lächelnd - die eine noch immer belustigt, der andere immer noch erleichtert -, kehrten Straßenschmutz und Gewitter den Rücken zu und freuten sich auf einen Becher Brisksaft (oder zwei oder drei), während der Fluss vor sich hin brodelte, selbst die Ratten sich in den hintersten Ecken verkrochen und das Kneipenschild polternd gegen seine hölzerne Halterung klapperte.

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