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Ein Tag im Leben von Rudson Divy Punksten, 3. Winder, Weiser, Zeremonieführer und Lehrmeister des Hauses Ky4.

(von Zoey)

Mehrere leise murmelnde Gestalten in Schülergewandung huschen im Essenszimmer hin und her, decken den Tisch, schenken Getränke ein, bereiten Speisen und Besteck vor. Es scheint früh am Morgen zu sein, denn sie gähnen hin und wieder und reiben sich die Augen. Ihre Blicke wandern dabei immer wieder zur dritten Adventskalendertür. Sie muss wohl in einige weitere Räume führen, und irgendjemand in diesen Räumen scheint heute morgen auf sich warten zu lassen…

Rudson blinzelte. Er hatte keine Lust, jedes Jahr der gleiche Terz. Er konnte ja das ganze Brimborium um den Tag der Schützer verstehen, schließlich war es ja nett, wenn man geschützt wurde und so eine Woche ein wenig Ehrerbietung zeigte, das tat sicherlich auch Not. Auch den einzelnen Feiertagen um die Elemente konnte er etwas abgewinnen, aber der Geburtstag des Ehrwürdigen war in seinen Augen totaler Blödsinn. Der Ehrwürdige war der älteste Bariter unter ihnen. Das Problem war nur, dass der Amtsinhaber ständig wechselte. Es konnte schon mal vorkommen, dass zwanzig Geburtstage in einer Periode gefeiert wurden, Rudson erinnerte sich mit Grauen daran.

Mühselig, als ob ihn alle Knochen weh tun würden, die natürlich nicht schmerzten, aber er mochte einen theatralischen Abgang aus seinem Bett, um seinen Schülern noch einmal sein Alter zu verdeutlichen, stand er auf. Nur ein Stock würde noch fehlen, aber das war auch zu viel des Guten, befand Rudson. Man sollte es ja nun nicht übertreiben. 
Rudson starrte in den Bottich, das Wasser in ihm glättete sich sofort als er darüber strich. "Du sahst auch schon mal besser aus, Junge." Heute musste Katzenwäsche reichen, er würde sich doch nicht für so ein sinnloses Fest zurechtmachen. 
Schlurfend gesellte er sich zu seinen Schülern in die Küche. Ihm war nicht nach dem Essenszimmer, zu viele Zeromonien. Es war eigentlich auch nicht ungewöhnlich, dass er sich beim Frühstück zu seinen Schülern setzte, wenn er schlechte Laune hatte und das hatte er oft. Es gab dort oft eine Gelegenheit jemanden anzuschnauzen, irgendwer machte doch immer irgendetwas falsch. Es tat so herrlich gut und danach fühlte er sich einfach besser. Zufrieden beobachtete er seine Lehrlinge, die sehr darauf bedacht waren ja kein Fehler zu machen.

Auf dem Bett lag fein säuberlich ein Umhang, ein Gewand und ein paar Federn. Na, wenigstens hatte die Haushilfe die Kleidung ordentlich glätten können. Ein Klopfen ertönte. "Ist es wichtig?" brüllte Rudson. Einer seiner vermaledeiten Gefährten streckte sein Kopf herein und ehe sich Rudson versah, war auch der Rest drin. 
"Guck mal, Rudson." Er holte einen sehr albernen Hut hervor, der vorne zwei Hände angebracht hatte. Fordry zog ein paar Mal an einer Schnur, woraufhin die Hände klatschten. 
"Ist doch klasse, oder?" Rudson hielt sich den Kopf, als würde er gerade große Schmerzen verspüren, war er nur noch von Idioten umgeben? Kurzerhand riss er den Hut von Fordrys Kopf. "Sei nicht albern, guck dich mal an. Glaubst du, ich lass mich so mit dir sehen? Du bist so alt wie ich!" 

Fordry trug dann keinen Hut und auch die anderen sahen davon ab jegliche Sachen zu tragen, die ihn oder sein Haus in irgendeiner Form entrücken könnten. Cuxan, in Rudsons Augen ein Taugenichts, trotz seines hohen Alters, empfing ihn außen vor seinem Haus und überreichte ihm den Zeremonieablauf. "Die Feier gehört dir." 
Rudson sah aus als ob er gerade zu seinem eigenen Wurf über die Todesklippe schreiten würde. 
Da stand er also, Westor, der Ehrwürdige. Um ihn herum die ganze Meute, und Rudson konnte es kaum glauben, es hatten tatsächlich einige diese albernen Hüte auf. Ehe er es sich versah hatte auch Westor solch einen Hut auf. "Ihr möget verzeihen, Zeremonieführer, aber es war mein Wunsch", lächelte Westor süffisant. Hätte er sich ja denken könnte, je älter desto kauziger. 
Rudson hielt seine Rede, der eigentliche Applaus hörte sich eher lasch an, wobei die Mützenhände frenetisch aufeinander eindroschen. Musik spielte, einige Leute zeigten ein paar Tricks mit dem Wind, eine Art Theaterstück, was Rudson aber schon etliche Male gesehen hatte und ihn nur noch zu einem müden höflichen Lächeln inspirierte. Die Feuerspiele waren da spannender, aber die hatte Rudson ja verboten. Im Allgemeinen war ihm Feuer viel zu gefährlich und suspekt. 

Westor trat am Ende der Feier noch auf ihn zu und überreichte ihm ein silbernes Monokel und eine Flasche gereinigtes Wasser. "Sie müssen wirklich entschuldigen für diese kleine Einlage, aber eine meiner Gefährtinnen bastelt schon seit Ewigkeiten an diesen Hüten und dieser Tag war geradezu prädestiniert für den Einsatz ebendieser. Ich danke Ihnen also hiermit, dass wir sie einsetzen konnten." Eigentlich lag Rudson noch ein lockerer Spruch auf der Zunge, doch das Monokel zog all seine Aufmerksamkeit auf sich und ließ ihn verstummen. 

Vor dem Zu-Bett-gehen stand Rudson wieder vor dem Wasserbottich - mit Monokel - und ein leicht zufriedener Ausdruck spielte sich in seinem Gesicht wieder. Er wirkte nun viel mehr wie ein Weiser und Gelehrter. Hui, was würden seine Schüler Augen machen und ihn noch mehr zu respektieren wissen. Hatte das Amt des Zeromonienmeisters doch etwas Gutes.

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