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Das Wort eines Kriegers

(von Sturmfaenger)

Das dreizehnte Türchen tarnt sich als ein großer Stapel Brennholz, der in der Nähe eines Lagerfeuers aufgeschichtet ist. Der Geruch von Bratenfleisch und Schnaps liegt in der Luft, und die wild aussehenden Krieger, die dort sitzen, sind nicht gerade leise. Doch dann hebt einer der älteren die Hand. Nach und nach tritt Stille ein, und in der zungenbrecherischen Sprache seines Volkes beginnt er zu erzählen…

Es war einmal ein Knabenkrieger namens Qybokkl, der im grünen Flusstal seines Clans aufwuchs, zu einer Zeit, da der Clan stark und zahlreich war und das Tal gegen fremde Clans und Geächtete oft und erfolgreich verteidigte. 
So hatte Qybokkl erfahrene Krieger als Lehrmeister, war schnell und stark, mutig und ehrlich, doch auch ein wenig einfältig, und in ihm schwelte die Glut des Jähzorns, ständig bereit in ein loderndes Feuer auszubrechen. 
Eines Tages war es soweit, dass Qybokkl erwachsen wurde und sein Sis’cchI erlebte. Doch weil sich sein Körpermuster dabei nicht ganz schloss, behielt er ein Kindsmal auf der rechten Wange zurück.
Die Knabenkrieger, die besorgt ringsum standen, rieten ihm: „Lass dir die helle Stelle schwärzen, Bruder, sonst wirst du dein Lebtag lang nicht froh, sondern von den anderen Kriegern verspottet und von den Frauen wie ein Kind herumgescheucht werden.“
Da wurde Qybokkl zornig und sprach: „Meine Augen brennen nun wie heiße Feuer, meinen Kopf zieren nun weißknochige Hörner, und das Rotschwarz meiner Hautmuster ist stark und ebenmäßig. Ich werde mich nie der bleichen Stelle schämen, da mir die Gottmutter einen Segenskuss mit auf den Weg gab!“
Insgeheim machte er sich aber doch Sorgen, und so ging er hin zum Beratungsfeuer, wo seine Lehrmeister Nekchr, Chagh und Tirshe saßen. 
Die sahen ihm ins Gesicht und wussten was ihn bedrückte. „Setz dich zu uns, Qybokkl, wir werden Nadel und Schwarzasche holen.“
„Akh!“ schimpfte Qybokkl und bleckte böse die Zähne. „Kein Wort mehr davon! Mein Kindsmal ist keine Schande, und das will ich sogleich beweisen! Nur bin ich noch jung und unerfahren, darum ratet mir wie ich das tun kann.“
Da steckten die drei die Köpfe zusammen und berieten sich lange. Qybokkl aber wartete geduldig, denn er vertraute ihrem Urteil.
Und Nekchr sprach: „Nun denn, Qybokkl, zahlreich sind die Gaben eines wahren Kriegers, und Mut wird oft dem Leichtsinn, und Kraft und Schnelligkeit der Jugend zugesprochen. Drum wähle mit Bedacht: Willst du beweisen, wie zäh, ausdauernd und genügsam du bist? So reise zur großen Wüste Naszh, die man die Mutter aller Wüsten nennt, und erbeute reichlich Zcí von den Riesenlauerkröten die dort hausen.“ 
Und Chagh sprach: „Willst du beweisen, wie fromm, ehrerbietig und treu du den Göttereltern und Ahnen gegenüber bist? So geh hin zu ihren Schreinen und ehre sie mit Trankopfern und Liedern.“ 
Und Tirshe sprach: „Willst du beweisen, wie nützlich, hilfreich und wertvoll du für den Clan bist? So zieh aus und beweise dich als Krieger, der Furcht in die Herzen seiner Feinde sät und reichlich Beute macht. Nun denn, Qybokkl, hast du deine Wahl getroffen?“
Da sprang Qybokkl freudig auf, und laut rief er: „Ja!“ 
Und fort rannte er, um seine Sachen zu packen. Es fiel ihm aber nicht ein, seinen Lehrern zu sagen, welche Entscheidung er getroffen hatte, sonst hätten sie ihm vielleicht abgeraten. Bei sich aber dachte er: „Ich will alles drei erfüllen, was mir geraten wurde. Dann wird kein Krieger es je wagen, mir ins Gesicht zu lachen.“

Am nächsten Morgen sprach Qybokkl sein Lebwohl und brach auf, mit geschärften Waffen, vollem Wasserschlauch und reichlich Proviant. Doch teilte er sich’s ein wie er’s gelernt hatte, und verschmähte nie was Gottvater Ch’t’uQ und Gottmutter Qt’ala ihm als Beute und Fund unterwegs zukommen ließen.
So erreichte er den Rand der großen Wüste, und Woche um Woche ging ins Land, während Qybokkl den feigen Lauerkröten nachstellte, die ihre Beute mit Zcí so süchtig machen, dass sie in ihrer Gier den perlbesetzten Köderfäden bis direkt hinein in ihren Rachen folgt. So blieb es nicht aus, dass auch Qybokkl ein ums andre Mal den Zcíbiss spürte, mit dem die Lauerkröten in Bedrängnis sich sehr wohl zu wehren wissen, und daher kommt es, dass er Geschmack an der Droge fand und sein Lebtag lang gern von ihr nahm. 
Doch können sich die Kinder Ch’t’Uqs besser beherrschen als die gemeinen Tiere, und deshalb hatte Qybokkl bald genug Zcí gesammelt, um den gesamten Vozzocschnaps der nächsten Ernte damit zu versetzen, wie es die Clans noch heute gerne tun. Ja, trotzdem war es noch genug, um noch dazu im Kreis der Krieger, die es wollten, ein paar Abende im reinen Zcírausch zu verbringen.
Und er sprach: „Meine erste Aufgabe ist nun erfüllt. Ich will rasch heimkehren und das Zcí abgeben, bevor es vollends in den Perlschnüren vertrocknet und an Güte verliert.“
Und er schulterte den Zcísack und machte sich auf den Weg. 

Doch bald lebte ein heftiger Sandwind auf und schließlich suchte Qybokkl Deckung in seinem Zelt, welches er im Windschatten eines kleinen Felszugs errichtete. Bis in die Nacht hinein wütete der Wind, peitschte den Sand gegen das Zelt, und obgleich er von den Zcíperlen naschte, konnte Qybokkl nicht einschlafen.
Erst als der Wind sich legte, wagte er sich wieder hinaus, um sich zu erleichtern. Gerade als er die Zeltklappe wieder schließen wollte, machte er weit draußen eine schlanke blasse Säule aus. 
„Sieh sich das einer an. Der Wind ruht wohl auch in der weiten Wüste, denn man sieht die Geisterfingerbäume wieder scheinen“, befand Qybokkl und legte sich zur Ruhe. Er wollte gerade die Augen schließen, als er ein fernes Heulen hörte.
„Hör sich das einer an. Eine Steinlungenpflanze muss in der Nähe sein und kann nun wohl wieder atmen“, befand Qybokkl, nahm seinen Zcísack als Kopfkissen und wollte gerade einschlafen als das Heulen plötzlich viel lauter erklang und das Licht viel heller in sein Zelt drang.
„Nun will ich doch einmal nachschauen, wie seltsam sich die Pflanzen heuer gebärden“, befand Qybokkl und kroch erneut ins Freie. 
Da sah er einen Ahnenkrieger vor sich, blass, durchscheinend und leuchtend wie die Sternenkinder am Himmel, und jener war es, der so hoffnungslos jammerte und heulte.
Da wurde es Qybokkl doch zu arg.
„Heda, werter Ahne! Was klagst und schreist du so, wenn ich, Qybokkl, des Nachts ruhen will? Dein Kummer muss wohl groß sein. Ich habe kein warmes Feuer, an das ich dich bitten kann, und mein Zelt ist schon für mich so klein, doch setz dich ein Weilchen her, lass mich dir ein Trankopfer darbringen, und erzähl mir was dich so bedrückt.“
„Ach“, seufzte da der Geist, „Qybokkl, junger Krieger, du bist der erste Lebende, den ich seit langem sehe. Und anders als die anderen lädst du mich gar zur Rast!“ Da setzte sich der Geist zu Qybokkl in den Sand, und der rieb rasch seine Essschale sauber und goss ein wenig Wasser ein.
„Hseqa rief man mich, und lang schon bin ich tot. Ich will dir erzählen“, sprach der Ahne, „wie ich hier in der Leere verschmachten musste, wo Kampfesruhm nicht zu erringen ist. Lang bereits ist mein Gebein durch Wind und Sand zermahlen, und doch muss ich so lange mit den Wüstenwinden reisen, bis Ruhm und Ehre mein geworden sind, erst dann kann ich ein Ewigkrieger an Gottvaters Seite werden.“
Qybokkl, ganz in Gedanken, trank ein Schlückchen aus des Ahnen Opferschale und sprach: „Höre, Hseqa, mein Weg führt heim ins grüne Tal zu meinem Clan, den Feind und Bestie gern bekriegen, der Wasserquellen und der Ehre wegen. Willst du nicht mit mir kommen? Hast du nicht dort mehr Möglichkeit, Ruhm zu erringen?“
„Mich Geisterkrieger willst du mit dir nehmen, zu Ruhm und Ehre? Du hast ein edles Herz! Streck nur rasch die Schale mit dem Trankopfer aus! Und rufe meinen Namen, wenn es an der Zeit zu kämpfen ist!“
Und wo Hseqa gewesen war, erhob sich ein kleiner sandiger Wirbelwind, der rasch in Qybokkls Schale sprang, wo Sand und Wasser sich zu einer Statuette formten, die Schale aber war ihr Sockel.
„Wahrlich“, staunte Qybokkl, „nun hab ich einen Ahnenrufer, wie es noch keinen gab. Den kann ich wohl in mein Zelt mitnehmen, und meine Wärme mit ihm teilen!“ 
Und er steckte die Figur ein, kroch in sein Zelt zurück und schlief sich aus bis zum Morgen. 

Dann brach er auf, und munter schritt er der Heimat entgegen, den Ahnenrufer aber band er sich mit Vorsicht auf den Rücken wie ein Kind, damit er nicht zerbräche, und sprach auch hier und da zu Hseqa, sang ihm heilige Lieder und freute sich, da er die Wüste nun in seinem Rücken wusste und die ersten Bäume winkten.
So abgelenkt war er, dass er nicht merkte, wie er mitten in eine Herde Ckkurh hineinlief - was eigentlich nichts Schlimmes ist, da diese feige Tiere sind, die lieber flüchten als kämpfen. Doch war es so, dass der Wind ihnen den Geruch der frisch gesammelten Zcístränge zugetragen hatte. Begehrlich stierte nun die ganze Herde auf Qybokkls Beutesack.
„Lasst mich gefälligst durch, ihr feige Brut“ befahl Qybokkl, doch als der Leitbock schnaubend mit den Hufen scharrte, wurde Qybokkl klar, dass er einen Ckkurhkrieger vor sich hatte, der ihm die Beute streitig machen wollte.
„Lass mich nur, eh wir in den Kampfkreis treten, noch Sack und Pack ablegen“, schlug Qybokkl vor, doch wollte der Bock nicht warten, und mit gesenkten Hörnern griff er an.
„Akh!“ schimpfte Qybokkl und trat ihm aus dem Weg, doch stieß der Bock ein Loch in seinen Überwurf. Erbost tat da der junge Krieger einen lauten Schrei, und mit einem großen Ruck riss er sich wieder frei.
Doch kam der Bock schon wieder angerannt und griff mit seiner ganzen Herde an. 
Qybokkl rief: „So ihr denn nicht warten wollt, werde ich den Ort des Kampfkreises wählen, doch hier soll es nicht sein!“ 
Und fort rannte er, so schnell er mit Hseqa, Zelt und Zcí konnte, und nutzte jede Deckung aus, die das Gelände bot. Denn es waren doch arg viele Tiere, und es ist keine Schande, seinen Kampfplatz neu zu wählen, wenn man in der Unterzahl ist.
Da duckte sich und sprang Qybokkl, da schlug er Haken und flitzte bald hierhin, bald dorthin, bald zwischen Dornbusch und Gestrüpp, bald über freies Feld, und hatte keine Zeit auszuspähen, wohin sein Weg ihn führte. So kam es dass er – zcílüstere Ckkurh dicht hinter sich - stolpernd und keuchend durchs Gebüsch an eine kleine Senke kam, die voller dunkler Felsen war. Doch hoben da die Felsen ihre Zottelköpfe, und so erkannte Qybokkl, dass dies eine Rotte ruhender Rhúh war, die viel und gerne kämpfen.
„Heda!“ rief er. „Wollen wir uns nicht verbünden? Seht her, ich habe meinen Teil bereits erfüllt und die Ckkurh herangelockt! Jetzt will ich höflich sein und trete euch die Ehre des Ersten Kampfes ab.“ Sprach’s und kletterte mit Sack und Pack geschwind auf einen großen Baum, der in der Nähe stand - und keinesfalls zu früh, da nun Ckkurh aus allen Büschen brachen und verwirrt auf ihre neuen Gegner starrten, welche den Invasoren grollten und sogleich zum Angriff übergingen. 
Und mit gefälligen Blicken und Beifallsrufen bedachte Qybokkl die Rhúh, und er ergötzte sich an dieser hehren Schlacht, die selbst die feigen Ckkurh mutig schlugen! Wahrlich, tapfer kämpften sie mit den Waffen, die ihnen der Vatergott geschenkt hatte! Und oben blieb Qybokkl, bis die Rhúh obsiegten, sich von den Kadavern der Ckkurh den Beuteanteil rissen und sich dann satt und müde zum Schlafen niederlegten.
Da flüsterte Qybokkl: „Redlich habt ihr euch eure Rast verdient, o edle Kampfgenossen. Darum will ich euch nicht stören, sondern sacht und leise mich entfernen.“
So schnitt er schnell noch seinen Anteil von dem Ckkurhfleisch und ging vergnügt davon.

Alsbald erreichte Qybokkl die Felsen, welche nah am heimischen Flusstal lagen. Da es bereits dämmerte, beschloss er, hier zu rasten, wo eine Feuerstelle war, die er vom Jagen kannte, und hatte bald ein muntres Feuerchen am Brennen.
„Morgen“, sprach er, „brech’ ich in aller Frühe auf, und komme heim bevor es Mittag ist! Und groß wird aller Leute Freude sein, wenn sie mich wiedersehen und ich sie, dann gibt es Zcí und Ckkurhfleisch, und ein kühles Bad im Fluss!“
Da schoss auf einmal aus dem Nichts ein weißer Blitz vom Himmel und knisterte so laut und heiß um Qybokkl herum, dass der geblendet hocken blieb und sich kein Stück zu rühren wagte. Und als der Blitz verblasste, sah er auf, und blickte in einen Kranz aus Lanzenspitzen, die ihn frech bedrohten.
„Akh!“ schimpfte da Qybokkl. „Ein Feigling ist, wer Zauberwerk benutzt, um mich zu fangen, ehe ich mich wehren kann!“
„Schweig still!“ gebot ihm da ein wahrer Hüne, der nun ans Feuer trat und den Qybokkl rasch erkannte. Der grimmige Ltvek war es, mit wohl zwei Dutzend Kriegern, ein Geächteter, der bereits mehr als einmal an der Eroberung des grünen Tals gescheitert war, zu Zeiten, als Qybokkl noch im Knabenzelt geschlafen hatte.
„Wir sind hier um euer Tal zu nehmen, mit allen Mitteln, die es braucht. Heut Nacht spähen wir euch aus, um morgen Nacht dann anzugreifen, und du, Kindsmalträger, wirst uns nicht verraten! Schwöre Folgsamkeit und kämpf getreu in unseren Reihen. Dann lassen wir dich leben.“
Da schnalzte Qybokkl verwundert mit der Zunge. „Woher kommt diese Zuversicht? Verrate mir, wieso du glaubst, zu siegen wo du schon so oft gescheitert bist.“
Da lachte Ltvek laut und sprach: „Und das von dir, der du es eben selbst erfuhrst, was unser Trumpf nun ist? Shiívín ist’s, der Herr der Blitze, der sich mit uns verbündet hat und der den raschen Sieg uns bringen wird.“
Und wirklich sah Qybokkl nun an Ltveks Seite einen blassen Krieger stehen, der kalt und gleißend strahlte, und dessen Speer sich wand und zuckte, denn es war ein Blitz.
„Schon viele Schlachten“, sprach Shiívín, „schlug ich siegreich gegen jene, die immer noch Gottvater und Gottmutter dienen, den beiden alten Tattergreisen.“
Heiße Wut stieg in Qybokkl auf, als er die Gotteltern so verspottet hörte. 
„Höre, Ltvek, wie ich euch verlache! Kindsmalträger schimpfst du mich, doch Qybokkl bin ich! Und Manns genug, um dich und deine Krieger zu besiegen, im wahren Kampf, Mann gegen Mann, das will dir auch gleich beweisen!“ Und laut rief er: „Hseqa! Hier stehen Ltvek und der Herr der Blitze, der gottlästerliche Worte spricht und unser Tal bedroht! Lass uns zusammen diesen Spuk beenden!“
Da wirbelte ein großer Sandwind aus Qybokkls Schale, der Shiívín sogleich verschluckte, und der den ganzen Lagerplatz in dunkle Schleier hüllte. Laut schrien Ltveks Krieger, denn die Sandkörner blendeten sie. Qybokkl aber blendeten sie nicht, denn Hseqa war es, der den Sand wie eine Waffe führte, und kein Verbündeter, der Ehre hat, greift einen Kampfgefährten an.
„Ltvek!“ rief da Qybokkl. „Nun sind es du und ich, in diesem Kampfkreis, wie es gut und richtig ist! Drum kämpf mit mir und sei nicht feige!“
So kämpften sie im Licht ersterbender Blitze, und Qybokkl, der jung und stark und zornig war, besiegte Ltvek im ersten rechten Zweikampf, den der Hüne seit vielen Regenzeiten fechten musste. Denn feige hatte Ltvek immer seine Männer vorgeschickt und sich allein auf seine Großgestalt und seinen Ruf verlassen.
Und siegreich war auch Hseqa, denn der Sandwind legte sich und offenbarte Ltveks Männer, die hustend sich dort auf den Boden kauerten. Shiívín aber war nicht mehr.
Da sprach Qybokkl: „Wer viel prahlt kämpft selten gut. Wer von euch will der nächste sein?“ 
Doch alle flohen sie voll Furcht, wie Beute vor dem Jäger. Und lachend sah Qybokkl sie rennend in der Nacht verschwinden. Und er lachte immer noch, als Hseqa neben ihm erstrahlte und stolz den Blitz in Händen hielt, der Shiívíns Speer gewesen war.
„Das war ein guter Kampf, so will ich meinen! Nun kann ich stolz an Ch’t’uQs Seite treten, und dir, Qybokkl, danke ich dafür.“
Qybokkl aber freute sich für Hseqa, und sah ihm nach auf seinem Weg nach oben in die Lüfte, wo er am Morgen ganz gewiss zu Ch’t’uQs lichter Heerschar stoßen würde.
Doch hob er großes Klagen an, als er die Reste seiner Feuerstelle sah, wo nur noch Gluten glommen. Und mittendrin, verkohlt, der Sack mit seinem Zcí. Und selbst das Ckkurhfleisch, das nicht im Feuer lag, war voller Sand und ganz zertrampelt von zu vielen Füßen. Und seine Essensschale war entzwei und schwarz, fast wie vom Blitz getroffen, und selbst sein Zelt war hin.
„Akh!“ schimpfte da Qybokkl. „Süßer Ruhm schmeckt zwar fast besser als die Droge, deren Rausch verblasst, doch steh ich nun mit nichts als meiner Waffe da, und als Trophäe bleibt mir nur der feige Ltvek. Und dessen schweren Leib mag ich nicht so weit tragen. Drum werde ich im ersten Dämmerlicht geschwind nach Hause eilen und meine Lehrer Nekchr, Chagh und Tirshe zu dieser Stätte holen.“
So dachte und so tat er es, und freudig wurde er empfangen, und staunend hörten alle, was sich dort am Felsenlager nächtens zugetragen hatte. 
Und gerne machten die drei Lehrer sich mit Qybokkl auf den Weg, derweil der Rest des Clans in Eile Spähtrupps bildete, um Ltveks Mannen aufzuspüren.
Doch ach, was mussten sie da sehen, als sie die Feuerstatt erreichten? Ein wildes Tier – es konnte nur ein Hchslok sein, kein anderes war stark genug – das hatte sich Ltveks bedient, und nichts war mehr von ihm zu sehen als eine Schleifspur. Der folgten sie und fanden an deren Ende nichts als ein paar frische Knochen.
Da hockte sich Qybokkl ganz betrübt auf seine Fersen und barg den Kopf in seinen Armen, denn ausgezogen war er voller Hoffnung und mit nichts zurückgekommen.
Da tröstete ihn Nekchr: „Ach, gräm dich nicht, Qybokkl. Du sagst, du hättest Zcí erbeutet in der Naszh, und hier an deinen Armen seh’ ich frisch verheilte Bisse.“ 
„Verzweifle nicht, Qybokkl, denn Sieg und Verlust im Kampf liegen oft dicht beisammen“, sprach ihm da Tirshe zu. „Du sagst, du hättest Ckkurhfleisch erbeutet, und hier seh’ ich ein Loch in deinem Überwurf, und ein paar Strähnen Fell.“
„Und weißt du was, Qybokkl“, lächelte da Chagh. „Meines Vaters Vater, der hatte einst einen Gefährten, mit dem er Ruhm und Felle teilte, als sie noch junge Krieger waren, und Hseqa war sein Name. Drum weiß ich dass der damals in der Wüste während eines Sturms verschwand, und niemand hat ihn mehr gesehen bis du ihn dort getroffen hast.“
Da hob Qybokkl seinen Kopf und wagte kaum zu fragen: „So wollt ihr mir, obwohl ich nichts dem Clan zu zeigen habe, dennoch Glauben schenken?“
Da nickten alle drei und sprachen: „Du hast dem Clan etwas gezeigt, nämlich dass du wahr und ehrlich sprichst. Und das ist es, auf was man sich in Jagd und Kampf, in Freud und Leid verlassen können muss - auf das Wort eines Kriegers.“
Da war Qybokkl wieder froh, und sie kehrten ins Tal zurück, wo bald die Spähtrupps wiederkehrten und frohe Kunde brachten von ihrem leichten Sieg über Ltveks verstreute Mannen. Und alle freuten sich und feierten ein Siegerfest zusammen, mit Vozzocschnaps und frischem Fleisch und wer es wollte, badete im Fluss.
Und mehr als eine junge Kriegerin kam zu Qybokkl, um den tapfren Krieger kurz oder lang zu küssen – grad da auf seine rechte Wange, wo das Kindsmal war. Denn hieß es nicht, es sei ein Segensmal und habe ihm Glück gebracht?
Die ganze Küsserei indes machte Qybokkl sehr verlegen, so dass das blasse Kindsmal an diesem Abend stets errötet war. 
Und Qybokkl war’s zufrieden und blieb noch eine zeitlang dort bei seinem Clan.

weiter zum nächsten Türchen