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Die Legende von Padoban und Zaitá

(von Yelaja)

Schwüle Hitze umfängt jene, die aus dem einundzwanzigsten Türchen treten, denn der kühlende Hauch des Meeres vermag die üppigen Wälder jenseits der Küste nicht mehr zu erreichen. Ein junger Mann hat dicht beim Türchen sein Lager aufgeschlagen, und nimmt gerade seine Jagdbeute aus. Es scheint als wolle er hier die Nacht verbringen. Doch raschelt dort nicht etwas, ja - genau dort, tief in den Büschen?

Als die Kriegersippe von Herone an der Küste landete, fand sie ein fruchtbares Land, das sie sich zu Eigen machte.
Doch es lebten dort schon die Hanijhadi und es gab Streit zwischen den Hanijhadi und den „neuen Menschen“. Also lebten die „neuen Menschen“ an der Küste, denn der Wald gehörte den Hanijhadi.
Chi’laklak war Vater der Hanijhadi. Und Chi’laklak hatte eine Tochter und sie war schöner als die Sterne. Und die Schönheit von Chi’laklaks Tochter war so groß, dass man auch jenseits der Grenzen von Chi’laklaks Wald davon sprach.
Padoban aber war Sohn von Herone und als er von der Schönheit der Hanijhadi-Tochter hörte, wollte er ausziehen, um um das Mädchen zu werben. Also zog Padoban in die Wälder um die Stadt der Hanijhadi zu finden und bei Chi’laklak um dessen schöne Tochter zu werben.
Padoban zog lange durch die Wälder doch er fand die Hanijhadi nicht, denn sie hatten sein Kommen bemerkt und hielten sich vor ihm verborgen. Sie wollten, dass er, nachdem seine Suche lange vergeblich bleiben sollte, aufgeben und zu seinem Vater und seinen Leuten zurückkehren würde.
Padoban aber, dessen Sippe vor der Fahrt über das große Wasser lange von der Jagd gelebt hatte, war ein vorzüglicher Jäger und es bereitete ihm keine Mühe in den Wäldern zu überleben und er litt nicht Not. 
Nachdem der Große Regen zweimal über Chi’laklaks Wald gekommen war und Padoban noch immer nach den Hanijhadi suchte, beschloss Chi’laklak zu ihm zu gehen. Er traf Padoban in seinem Lager, als dieser gerade einen kleinen Niffa, den er erjagt hatte, ausweidete. Als Chi’laklak mit seinen Söhnen aus den Schatten der Bäume heraus in den Schein des Lagerfeuers trat, erschrak Padoban und zugleich hüpfte sein Herz vor Freude, denn er wusste, dass seine Suche nach den Hanijhadi endlich vorüber war.
Chi’laklak sprach: „Verlasse mein Land, Kind derer, die das Meer ausgespieen hat, denn du bist hier nicht willkommen.“ Padoban war jedoch nicht gewillt ohne Chi’laklaks schöne Tochter nach Hause zurück zu kehren und so erwiderte er: „Die Erzählungen von der strahlenden Schönheit deiner Tochter sind bis an unsere Küsten gedrungen. Ich bin gekommen um sie als meine Frau mit mir zu nehmen.“ Chi’laklaks Augen verdunkelten sich vor Zorn, als er diese Worte hörte, und es gelüstete ihn, den frechen Knaben an Ort und Stelle zu erschlagen, doch er wusste, dass es großes Unglück über seine Familie bringen würde, wenn die Erde des Waldes mit Menschenblut, vergossen von eines Menschen Hand, getränkt würde. Also fasste Chi’laklak einen anderen Plan und beschloss den Jüngling, der seine Tochter freien wollte auf die Probe zu stellen. Er sagte: „Wenn du meine Tochter zur Frau nehmen willst, musst du mir erst beweisen, dass du ihrer würdig bist. Also will ich dir eine Aufgabe stellen: Steige auf den höchsten Gipfel des Rail Fakav und pflücke dort eine Blüte von der Blume der Götter, die nur dort wächst, und bringe diese meiner Tochter als ein Geschenk, das ihrer Schönheit ebenbürtig sei.“ „Ich werde ihr die Blume bringen.“ versprach Padoban und schon am nächsten Morgen brach er auf. 
Zunächst bereitete der Aufstieg Padoban keine Probleme, denn das Gelände stieg nur langsam an und allein das dichte Unterholz des Waldes behinderte sein Vorwärtskommen. Doch schon bald, als der Wald lichter wurde, wurde der Untergrund steiniger und das Gelände steiler. Tiefe Spalten taten sich in der Erde auf, als er seinen Fuß auf die Zweige und das dürre Laub setzte, die den Abgrund tückisch vor ihm verbargen. Mehr als einmal rette ihn nur die Gunst der Götter vor einem tödlichen Sturz in die Eingeweide der Berge. Als sich Padoban der Baumgrenze nährte, war er erschöpft. Die Risse im Untergrund hatten ihn zu langen Umwegen gezwungen. Er fror, denn seine Kleidung war nicht für die kalten Winde der Berggipfel sondern für die schwüle Hitze der Küsten und Wälder gemacht. Auch der Hunger nagte an Padobans Kräften, denn er hatte schon lange kein jagdbares Wild gesehen und so ernährte er sich von den spärlichen Beeren und Samen des kümmerlichen Waldes. Doch Padobans Herz war voll Entschlossenheit und so machte er sich auf, um über struppige Rasenflächen und Geröllhalden den windumstürmten Gipfel des Berges zu erklettern.
Als Padoban endlich den Gipfel erreicht hatte, fand er die Blume der Götter in einer windgeschützten Felsspalte dicht an die Flanke des Berges geschmiegt. Ihre silbrigen Blätter umhüllten eine zarte goldene Blüte, die trotzig der eisigen Kälte des Berggipfels entgegen wuchs. Padoban beugte sich zu der anmutigen Pflanze hinunter und pflückte die goldene Blüte. Sein Herz hüpfte vor Freude und Padoban rannte alle Gefahr verlachend den Berg hinunter, denn er wollte seiner Geliebten so schnell wie möglich sein Geschenk bringen und so ihre Gunst und die Achtung ihres Vaters erwerben.
Als Padoban den Wald erreichte, wurde er bereits von Chi’laklak erwartet. Also schritt Padoban auf ihn zu und sagte: „Führe mich zu deiner Tochter, denn ich habe die Blume der Götter von der Spitze des Rail Fakav gepflückt, um sie ihr zum Geschenk zu machen!“ Chi’laklak jedoch erwiderte: „Wohl hast du nun eine Gabe, die ihrer Schönheit ebenbürtig ist, aber noch nichts, was ihrer Anmut Ehre erweist. Ziehe nach Norden in den Nebelwald und stiel der Gojama ein Junges. Das Tier bringe meiner Tochter als Geschenk, das ihrer Anmut ebenbürtig sei.“
Padoban war enttäuscht, dass er Zaitá noch nicht mit sich nehmen durfte, aber er gehorchte Chi’laklak, denn das Wort der Alten musste geehrt werden.
So zog Padoban nach Norden und seine Reise dauerte viele Monde lang. Sie führte ihn durch fremde Länder, die er die wilden Wälder nannte, denn niemals sah er Anzeichen für die Anwesenheit eines anderen Menschen. Als er die Nebelwälder endlich erreichte, machte er sich sofort auf die Suche nach dem Gojama, dessen Aussehen ihm Chi’laklak beschrieben hatte.
Bald fand er Spuren im feuchten Waldboden und er folgte den zarten Tatzenabdrücken. Als er schließlich das Lager des Gojama fand, sah er die mächtige Raubkatze, wie sie ihm von Chi’laklak beschrieben worden war: Das seidig schimmernde graue Fell bedeckte den muskulösen Körper der Katze und ihre Krallen lugten gleich obsidianenen Klingen zwischen den Tatzen hervor. Die spitzen Ohren endeten in einem Büschel weißer Haare, ebenso der kräftige lange Schwanz des Tieres. Auf dem Rücken der Katze konnte Padoban eine Musterung in dem grauen Fell entdecken, die mit jeder Bewegung des Tieres vor seinen Augen zu verschwimmen schien. 
Und Padoban hatte Glück, denn die Katze säugte sieben Junge und unter ihnen war eines, dessen Fell nicht wie das schmutzige Grau des Nebels gefärbt war, sondern ein helles Grau gleich reinem Silber hatte. Dieses Tier sollte das Geschenk für Zaitá sein und niemand würde noch an Padobans Anspruch auf seine Braut zweifeln können.
Padoban zog sich zunächst vom Lager der Gojama zurück um einen Plan zu ersinnen, wie er der Katze das Jungtier stehlen könnte. Er dachte zunächst daran, die Katze zu erschlagen, doch der Gedanke ein so edles Tier zu ermorden behagte ihm nicht und er wusste auch, dass er damit die anderen Jungtiere dem sicheren Tod überantworten würde. Als er durch den Wald ging, blieb er mit seinem Gewand an einem Zweig hängen und als er sich umwandte um sich los zu machen, entdeckte er, dass dort ein Strauch der Schlafwurz wuchs. Padoban wusste, dass der Saft der knolligen Wurzel einschläfernd wirkte und so griff er sich einen flachen Stein, den er am Boden fand und begann damit einige der Wurzeln auszugraben. Anschließend machte sich Padoban auf die Jagd und erlegte ein kleines Umpacca. Dem Umpacca aber schlitzte er den Bauch auf und legte die zerstampften Knollen der Schlafwurz zwischen seine Eingeweide. Dann machte er sich mit dem Kadaver schnell auf den Rückweg zur Lagerstätte des Gojama. Dort warf er der Katze das Umpacca zum Fraß vor. Die Katze, die sehr großen Hunger hatte, weil sie durch das Säugen ihrer Jungen an ihr Lager gefesselt war und schon lange nicht mehr gejagt hatte, verschlang das angebotene Fleisch gierig und ohne Argwohn. Als sie das Fleisch gefressen hatte, legte sie sich wieder zu ihren Jungen und schon bald darauf umfing sie ein schwerer Schlaf. Als die Katze betäubt dalag, schlich sich Padoban hin und nahm das silberfarbene Jungtier von seinen Geschwistern weg und eilte mit dem Tier davon. Er trug es nach Süden zurück zu Chi’laklaks Lager.
Als Padoban Chi’laklaks Lager erreichte, staunte dieser sehr, denn Chi’laklak hatte geglaubt, dass Padoban nicht von seiner Reise zurückkehren würde. Padoban aber trat vor den König der Hanijhadi hin und hielt ihm die junge Raubkatze hin. Dann sprach er: „Großer König, wie du verlangt hast, bringe ich dieses Geschenk für die anmutige Zaitá. Führe mich zu ihr, damit ich es ihr überreichen und sie als meine Frau zu mir nehmen kann.“ Chi’laklak zögerte, als er dies hörte, doch dann erwiderte er: „Du hast wahrlich großes Geschick bewiesen und für wahr, dieses Geschenk ist Zaitás Anmut würdig. Doch welche Gabe willst du ihr bringen um ihre Reinheit zu preisen? Denn Zaitá ist so unschuldig wie der frische Morgen und ihr Herz ist rein wie ein Sonnenstrahl. Bringe ihr eine Gabe die ihrer würdig ist!“
Da wurde Padoban zornig, denn wieder wollte Chi’laklak seine schöne Tochter nicht hergeben und Padoban sagte: „Warum willst du mir Zaitá nicht geben? Welches üble Spiel treibst du mit mir, Hanijhadi?“ Doch Chi’laklak erwiderte sogleich: „Du bist ein Fremder in meinem Land und kommst hierher, um das Kostbarste von mir zu fordern, was ich besitze. Habe ich da nicht das recht dich zu prüfen, frecher Jüngling?!“ Da reuten Padoban seine Worte und er sprach: „Verzeih mir, großer König, aber mein Herz verlangt so sehr nach der schönen Zaitá, dass ich zornig wurde.“ Chi’laklak erwiderte: „Dies soll die letzte Prüfung sein. Finde jenseits der großen Steppe im Westen ein Geschenk, das Zaitás Reinheit würdig ist.“
Da ging Padoban fort, um ein Geschenk zu finden, das Zaitás Reinheit würdig wäre. Chi’laklak aber war sicher, dass Padoban nie zurückkehren würde, denn noch nie hatte sich einer auf den Weg durch die Steppe gemacht und war am Leben geblieben.
So zog Padoban also in den Westen, denn er wollte dem Lauf der Sonne folgen um dort das letzte Geschenk für Zaita zu finden, rein und edel, gleich einem Sonnenstrahl und die junge Raubkatze begleitete ihn. Und Padoban nannte die Katze Sanja und er sorgte für sie an Mutters statt und lehrte sie das Jagen und so wurde Sanja sein Gefährte.
Und so überquerte Padoban die Gipfel des Rail Fakav und stieg hinab in die Staubebenen. Er wanderte viele Tage lang und die unerbittliche Sonne brannte auf ihn herunter, versengte seine Haut und trocknete sein Fleisch aus. Doch Padoban gab nicht auf und Sanja ging mit ihm. Und als Padoban in der Mitte der gnadenlosen Wüste am Ende seiner Kräfte angelangt und dem Tode näher als dem Leben war, jagte Sanja in der Wüste und teilte ihre Beute mit Padoban und so überlebte er. 
So durchquerte Padoban die Steppe und erreichte schließlich die großen Gebirge am westlichen Rand der Welt. Und Padoban wusste, hier, wo die Sonne in der Nacht rastete, musste es eine Gabe geben, die Zaitás Reinheit angemessen wäre. Also begann Padoban auf der Suche nach der Sonne in die Berge hinauf zu steigen.
Eines Abends rastete Padoban an einem Fluss, denn er wollte in dem klaren Wasser mit einem einfachen Speer, den er sich aus dem Stamm eines jungen, gerade gewachsenen Baumes gemacht hatte, nach Fischen für sich und Sanja jagen. Und als er gebannt in die wirbelnden Wasser blickte, verfing sich ein Sonnenstrahl in den Tiefen des Gewässers und spielte mit einem funkelnden Ding am Grund des Flussbetts. Da sprang Padoban in das eiskalte Wasser und ging hin zu der Stelle. Und als er sich hinunterbeugte und die Kiesel und den Sand beiseite schob und das funkelnde Ding ergriff, wusste er, dass er das Geschenk für Zaita gefunden hatte.
Und er förderte aus dem Bett des Flusses einen faustgroßen, farblosen Edelstein zu Tage. Und der Stein, war klar und ohne jeden Makel und die Sonnenstrahlen verfingen sich in ihm und der Stein funkelte und strahlte als wäre er aus reinem Licht gemacht. 
Da schloss Padoban, geblendet vom hellen Licht des Edelsteins, für einen Moment die Augen und dankte still den Göttern, denn er wusste, dass er nun nach Hause gehen und Zaitá als seine Frau zu sich nehmen konnte. Dann verbarg er den Edelstein in seinen Gewändern und machte sich zusammen mit Sanja auf den Heimweg. Und als sie nach vielen Tagen die Staubebenen erneut durchquert hatten und die Wälder an den Hängen des Rail Fakav erblickte, weinte Padoban vor Glück.
Also stiegen Padoban und an den Hängen des Rail Fakav empor und wanderte durch den Wald zu Chi’laklaks Stadt. Und als er die Stadt erreicht hatte, ging er zu Chi’laklaks Feuer und fand dort, neben ihrem Vater sitzend, die wunderschöne Zaitá. Schön wie die Blüte der Götterblume, anmutig wie die Gojama und rein und edel wie ein Sonnenstrahl. Da sprach er: „Edle Zaitá! Wie dein Vater es verlangt hat, bringe ich dir die Blüte der Götter, ein Junges der Gojama und schließlich diesen Edelstein. Als Brautgeschenke will ich dir die Gaben darbringen, die deine Schönheit, deine Anmut und deine Reinheit preisen. So will ich dein Herz und deine Hand gewinnen.“ Und bei diesen Worten holte er den riesigen funkelnden Diamanten hervor und die Blume der Götter, die er gepflückt hatte und er schickte Sanja zu der schönen Zaitá hin.
Chi’laklaks Herz stockte als er Padoban sah, denn er hatte fest daran geglaubt, dass der junge Mann nicht lebendig von dieser Reise zurückkehren würde. Nun, da der Junge alle Aufgaben, die ihm gestellt wurden, erfüllt hatte, musste Chi’laklak sein Wort halten und ihm seine schöne Zaitá zur Frau geben. Doch Chi’laklaks Herz wurde kalt und hart bei dem Gedanken daran, seine Tochter zu den Strand-Menschen zu schicken. Dennoch sagte er: „Du hast alle Prüfungen bestanden und gezeigt, dass du würdig bist Zaitá zu deiner Frau zu nehmen. So wollen wir die Hochzeit vorbereiten.“
Zaitá aber sah Padoban an und sagte: „Die Blume und den edlen Stein nehme ich gerne an, doch die Gojama will ich nicht von dir nehmen, denn ich sehe, dass sie dein Freund ist und ich will euch nicht trennen.“ Und so geschah es und Zaitá nahm die Blume und den Diamanten entgegen. Sanja aber blieb bei Padoban. Und Zaitá lächelte, denn noch nie hatte einer um sie geworben, der so tapfer und klug und von den Göttern gesegnet war, und so freute sie sich, seine Frau zu werden.
Chi’laklak aber sagte: „Komm nun Zaitá, geh zu deinen Schwestern und Tanten, denn sie wollen dich für die Hochzeit vorbereiten, wie es Sitte ist bei unserem Volk. Der tapfere Padoban aber soll mit den Männern feiern.“
Also ging Zaitá zu den Frauen der Hanijhadi. Padoban aber setzte sich an das Feuer zu den Männern und es wurde gesungen und getanzt und die Männer reichten vergorenen Beerensaft herum und auch eine Pfeife mit Rauschkraut machte die Runde und so feierten sie die ganze Nacht und den darauf folgenden Tag hindurch. 
Und als die Sonne im Westen den Horizont erneut berührte kam Chi’laklak zu Padoban und er wurde begleitet vom Ältesten der Hanijhadi, der die Vermählung durchführen sollte. Und Padobans Herz hüpfte vor Freude und er lachte vor Glück. Dann sah er zwischen den Frauen der Hanijhadi in dichte weiße Schleier gehüllt, seine Braut, wie sie langsam und gemessenen Schrittes auf ihn zu kam.
Und als sie ihn erreicht hatte und vor ihm stand, trat der Älteste zu ihnen und er intonierte den Segensgesang und als er geendet hatte, bedeutete er Padoban die Hand seiner Braut zu ergreifen. Doch gerade als er sie bei der Hand nehmen wollte, knurrte Sanja und drängte sich zwischen die Brautleute. Padoban blickte seinen Gefährten verwundert an und sagte: „Was hast du, Sanja?“
Chi’laklak aber zischte: „Nimm ihre Hand, sonst kann die Vermählung nicht vollzogen werden und sie wird niemals deine Frau sein!“
Da griff Padoban wieder nach der Hand seiner Braut, doch Sanja knurrte noch lauter. Da wurde Padoban misstrauisch und fragte: „Geliebte Zaitá, wo hast du die Gaben, die ich dir als Brautgeschenke gebracht habe? Warum trägst du sie nicht als Schmuck?“
Da fauchte wieder Chi’laklak: „Willst du uns mit deinen Fragen beleidigen? Nimm ihre Hand und vollende die Zeremonie oder Zaitá wird niemals deine Frau sein!“
Padoban aber sagte: „Ich nehme sie zu meiner Frau, wenn ich ihr Gesicht gesehen habe.“ Und schon ergriff er ihren Schleier und löste ihn von ihrem Gesicht. Doch das Gesicht, das darunter zum Vorschein kam, gehörte nicht seiner schönen Zaitá. Da stieß er die Betrügerin zu Boden, fuhr zu Chi’laklak herum und rief entrüstet: „Du wolltest mich betrügen, feiger König!“ Doch Chi’laklak erwiderte: „Wie konntest du glauben, dass ich dir meine Tochter geben würde? Auch wenn du ihr noch tausend Gaben bringst, wirst du ihrer nicht wert sein!“ Da wurde Padoban zornig und stürzte sich auf Chi’laklak und er erschlug den hinterlistigen König. Und als der Körper des Königs sterbend zu Boden sank und sein Blut die Erde tränkte versank die Sonne hinter dem Horizont und nur noch die Feuer der Hanijhadi erhellten die Nacht. 
Und die Götter sahen auf die Menschen hinunter und sie weinten, als Chi’laklaks Blut, vergossen von eines Menschen Hand, die Erde tränkte.
Und sie wandten sich von den frevelhaften Menschen ab und überließen die Menschen ihrem Schicksal.
Padoban aber suchte Zaitá in der Stadt der Hanijhadi und fand sie schließlich in der Obhut ihrer Tanten. Sie wurde von den alten Weibern streng bewacht, denn sie hatte Padoban nicht täuschen wollen und die List ihres Vaters nicht gebilligt. Padoban sagte: „Gebt mir nun die schöne Zaitá, denn sie hat meine Gaben angenommen und soll nun meine Frau werden.“ Und Sanja stand neben Padoban und knurrte die alten Weiber an. Da bekamen sie Angst und gaben Zaitá heraus. 
Zaitá aber lief sogleich zu Padoban und umarmte und küsste ihn. Da wusste Padoban, dass Zaitá ihn nicht hatte täuschen wollen und dass in ihrem Herzen keine Falschheit war. So lächelte er seine schöne Zaitá voll Liebe und Zuneigung an und Zaitá ging mit Padoban und wurde gerne seine Frau.

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