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Die Dämonenbeschwörung

(von Assantora)

Die Farben in der Welt auf der einen Seite des neunten Türchens beginnen zu bluten, als es sich öffnet. In seiner Nähe verändern sie sich, nehmen Schattierungen an, die ein menschliches Auge wahrnehmen und ertragen könnte. Während sich der Spalt weiter und weiter auftut, verändern sich in seiner Umgebung mit alarmierender Schnelligkeit mehr und mehr Faktoren, bis ihn eine Aura an schmerzhafter Realität umgibt…

Er hatte geruht und sich satt getrunken an der Vielfalt seiner Welt. Er war ein starkes Wesen, welches niemals freiwillig durch den Spalt gegangen wäre.
Nein, er hatte geruht, einem Schlaf ähnlich, doch benötigte seine Art keinerlei Schlaf, nicht so wie die Menschen, die eine Welt kontrollierten, die sie nicht verstanden, die sie ausbeuteten und langsam zerstörten.
Der Spalt hatte sich gebildet, als er nicht darauf geachtet hatte. Seine Augen hatten sich geöffnet, er sah die klaffende Wunde seiner Welt und im gleichen Moment hatte es auch schon begonnen. Ein starker Sog riss an ihm. Sein Körper wurde angehoben, strebte zum Spalt zwischen den Welten zu.
Verzweifelt hielt er sich fest, doch er bekam nur Sand zu fassen, welcher ihm durch die Finger rann und er löste sich vom Boden.
Er konnte die Schreie um ihn herum hören, die protestierenden Rufe, was mit ihm geschah, doch keiner seiner Art wagte sich nahe genug heran, um ihm zu helfen. Sie hatten Angst und er hatte ebenfalls eine große Furcht in seinem Inneren, die er kaum kontrollieren konnte.
Der Spalt lag direkt vor ihm und sein Körper stieß gegen den Spalt. Es gab einen Widerstand und einen Moment lang hoffte er, dass sein Körper stark genug sein würde, um den Weltenwechsel zu überstehen, dass er an einem Stück in die fremde Welt gezogen wurde, dass es eine einfache Möglichkeit gab, umzukehren, wieder nach Hause zu gehen und den Spalt dann einfach wieder kollabieren zu lassen.
Doch der Widerstand in seinem Körper nahm zu. Schmerzen durchdrangen seinen Körper und er schrie. Es war nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er hatte so sehr gehofft, dass es nicht passieren würde, doch er konnte es nicht verhindern. Sein Körper konnte den Spalt nicht überwinden, er konnte nicht in die fremde Welt eindringen, zumindest nicht mit seinem Körper.
Der Sog in seinem Inneren breitete sich aus, genau wie die Schmerzen. Sein Blick verschwamm und er musste sich beherrschen, nicht wild um sich zu schlagen.
Wie Tentakel griff etwas nach ihm, nicht nach seinem Körper, sondern es ging tiefer, sehr viel tiefer. Sein Geist war das Ziel und er hatte keine Zeit, sich irgendeinen Plan zu überlegen, dieser Todesfalle zu entkommen. Er schrie nicht mehr vor Schmerz, sondern vor Panik. Er durfte seinen Körper nicht verlieren, er durfte nicht...
Etwas riss in seinem Inneren. Die Verbindung zwischen seinem Körper und Geist wurde durchtrennt. Er war blind, hörte seine eigene Stimme nicht mehr, konnte seinen Körper nicht mehr spüren. Besonders Letzteres machte ihn Angst. Sein Geist, die Menschen würden ihn vielleicht als Seele betrachten, war aus seinem Körper gerissen worden und wurde durch den Spalt in eine andere Welt gezogen.
Die einzige Empfindung, die er noch wahrnehmen konnte, waren die unheimlichen Schmerzen, die seinem Geist zugefügt wurden. Er war körperlos und reiste durch eine Verbindung zwischen zwei Welten. Wo einst Magie und ihre Energie alles und jeden durchtränkt hatten, so wurde er nun in eine Welt gestoßen, wo sein Lebenselixier schwach und kaum vorhanden war.
Sie alle fürchteten sich vor der Magie dieser Menschen. Sie gingen damit zu leichtsinnig um, zerstörten ihn und seine Art, indem sie sie zwangen, durch den Spalt zu reisen.
Der Schmerz nahm zu und er spürte, wie sich etwas um ihn herum veränderte. Er konnte nichts sehen, aber seine Empfindungen veränderten sich. Sein Geist strebte zu diesen neuen Empfindungen. Sie kündeten davon, dass die Schmerzen ein Ende haben würden, dass er wieder in seine Welt gehen würde.
Dort war immer noch sein Körper, dort würde er weiter existieren können. Dort würde er überleben.
Doch seine Hoffnungen wurden zerstört. Er schrie auf, als er die Verbindung verließ. Etwas packte ihn und zerrte an seiner Struktur. Es war, als wolle man seinen Geist zerreißen.
Stimmen drangen an sein Ohr. Stimmen, die er nicht verstehen konnte, Stimmen die nur von einem Menschen stammen konnten und er fürchtete sich, was nun geschehen würde.
Einen Moment lang wurde der Sog schwächer und er machte den Fehler zu hoffen, dass es vorbei war.
Dann riss er die Augen auf und schrie. Die Eindrücke schlugen auf ihn ein, wie Tausende von Felsbrocken. Er konnte wieder sehen und sein eigener Schrei hallte in seinen Ohren. Seine Haut war nass vom Schweiß und er roch die Gewürze die die Luft im Raum schwer machten.
Erschöpft brach er zusammen und atmete heftig. Er hielt die Augen geschlossen, um die Kontrolle zu wahren. Er musste diese Situation überstehen, irgendwie.
Als er die Augen wieder aufschlug nahm er die ganze Umgebung in sich auf.
Er steckte im Körper eines Menschen. Nachdenklich betrachtete er seine Hände. Fünf Finger, noch nicht alt, er schätzte, dass er weniger als dreißig der menschlichen Jahre hinter sich hatte.
Er saß aufrecht in einem Bett, das Kopfkissen hinter seinem Rücken stützte ihn und er nahm die Gelegenheit wahr und sah sich um.
Der Raum, in dem er sich befand war von einem großen Kamin stark beheizt worden. Der Schweiß rann ihm die Stirn hinab, er fühlte sich sonderbar schwach. Die Menschen waren schwache Geschöpfe, doch das täuschte nicht darüber hinweg, dass es ein Mensch war, der ihn hier hergeführt hatte und dieser Mann sah ihn nicht voller Angst und dem Respekt an, mit dem man einen Dämonen zu betrachten hatte, sondern er lächelte freundlich und nahm einen nassen Lappen und wischte ihm die Stirn ab.
„Ist schon gut mein Junge", sagte der alte Mann. Er hatte schneeweiße Haare und seine blauen Augen leuchteten scheinbar von innen heraus. Er musste der Magier sein, der ihn aus seiner Welt gerissen hatte, aber er benahm sich nicht so, wie man es zu erwarten hatte. „Du hast lange geschlafen, aber nun bist du wach, du hast es überstanden."
Er runzelte die Stirn, übernahm den Körper des Menschen immer mehr und öffnete den Mund zum Sprechen. „Was..." Es war ungewohnt, Zunge und Lippen zu bewegen. Er würde Zeit brauchen, um die Worte korrekt auszusprechen.
„Ganz ruhig", sagte der alte Mann und lächelte. „Du hattest einen Unfall. Die anderen haben gedacht, dass du sterben würdest. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet. Die anderen Magier haben mich für verrückt gehalten, aber nun bist du wieder hier. Es wird alles wieder gut."
„Unfall?", fragte der Dämon unsicher. Warum sollte der alte Magier etwas behaupten, was niemals passiert war? Er wurde mit Absicht aus seiner Welt gerissen.
„Daritas", sagte der Mann. „Du wirst wieder ganz gesund. Du brauchst nur ein wenig Zeit, um dich an alles zu erinnern."
Skeptisch betrachtete der Dämon den alten Mann. Der Name war ihm nicht vertraut. Es war gewiss nicht sein Name, den der alte Mann nennen wollte. Viel wahrscheinlicher war es, dass der alte Mann den Körper, in dem er nun steckte so nannte.
Langsam wurde ihm bewusst, dass hier vielleicht andere Dinge vor sich gingen, als er angenommen hatte. Aber noch immer blieb die Frage, warum der alte Mann ihn aus seiner Welt gezogen und ihn in einen menschlichen Körper gesteckt hatte.
Der alte Mann reichte ihm eine Tasse. Der Duft nach den Gewürzen vermischte sich nun mit einigen Kräutern. Er wusste nicht, wieso, aber er erinnerte sich an den Duft von Zimt und anderen Dingen.
Zimt. Wieso wusste er, wie Zimt roch? Er war vorher noch nie in der Welt der Menschen gewesen. All die Geschichten stammten von jenen Dämonen, die es irgendwie geschafft hatten, wieder nach Hause zurück zu kehren.
Er nippte dennoch an den Tee, obwohl Dämonen nur selten schlucken. Es wurde mit jeder Minute, die er in diesem Körper verbrachte einfacher. Er passte sich an. Er passte sich an diesen Körper und auch an die Umgebung an.
„Wo bin ich?", fragte er schließlich.
„Du erinnerst dich nicht?", fragte der alte Mann und der Dämon schüttelte den Kopf. „Das hier ist dein Zimmer. Nach deinem Unfall hatten alle geglaubt, du seist nicht mehr zu retten. Doch ich habe so fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Ich wollte dich nicht verlieren."
„Ihr sprecht von einem Unfall?", fragte der Dämon. „Könnt Ihr mir darüber etwas sagen?"
Der alte Mann musterte ihn einen Moment lang. „Du sprichst, als würdest du mich nicht kennen."
„Ich kenne Euch auch nicht", sagte der Dämon knapp.
Der alte Mann starrte ihn an und seine Augen wurden feucht. Er verstand die Reaktion nicht. Ihm hätte doch bewusst sein müssen, dass er unmöglich Erinnerungen an den Geist dieses Körpers haben konnte.
Und genau in diesem Moment wurde ihm etwas anderes bewusst. Er schloss für einen Moment die Augen und suchte nach dem Geist, der diesem Körper innewohnte. Er setzte das Puzzle zusammen. Der alte Mann zeigte Trauer. Der Mann und der Geist dieses Körpers kannten sich, waren möglicherweise sogar miteinander verwandt.
Daritas. So hatte er ihn genannt. Daritas hatte einen Unfall, andere Männer hatten sein Leben aufgegeben. Warum dieser Mann nicht? Was verband die beiden?
Er nutzte seinen Geist und streckte sich bis in die Region vor, in der ein anderer Geist war. Der Besitzer dieses Körpers, der echte Daritas. Jeder Dämon konnte die Anwesenheit eines Geistes spüren und danach suchen. Er grub tief, bis er endlich den Geist fand, doch er hätte nicht gedacht, dass so etwas überhaupt noch existieren konnte.
Der Geist, oder das, was davon übrig war, bildete einen kleinen Haufen Elend. Er hatte seine Gestalt verloren. War nur noch ein schwach weiß leuchtender Haufen, der unförmig in einer Ecke des großen leeren Bewusstseins lag und sich kaum rührte. Wenn das Daritas war, oder was noch von ihm übrig war, dann war es kein Wunder, dass die Männer ihn hatten sterben lassen wollen.
Der Geist war beschädigt. Das Bewusstsein des Mannes war schon gegangen, aber dieser letzte Rest vom ursprünglichen Geist hielt am Körper fest, konnte, oder wollte noch nicht gehen.
„Daritas", fragte der alte Mann und der Dämon kehrte wieder zurück zur Oberfläche und schlug die Augen auf. „Alles in Ordnung?"
Der flehende Blick ließ ihn einen Moment lang inne halten. Warum hatte der Mann einen Dämon in diese Welt geholt? Nur damit der Körper dieses Menschen bestehen bleiben konnte?
„Ich erinnere mich nicht mehr", sagte er knapp und musterte den alten Mann. „Sage mir, wer du bist. Und erkläre mir, was bei diesem Unfall geschehen ist."
Der alte Mann wirkte traurig, nickte aber. „Ich bin dein Vater, Daritas. Erinnerst du dich wirklich nicht?"
Der Dämon schüttelte den Kopf. „Ihr habt einen Zauber gewirkt."
„Ja", sagte der Mann.
„Warum?"
„Um dich zu retten", sagte der Mann nur. „Warum denn wohl sonst?"
„Denkt Ihr, dieser Zauber hat funktioniert?", entgegnete der Dämon nur und starrte den Magier an.
„Du bist wieder bei mir. Das ist alles, was zählt", sagte der Mann nur.
„Ich bin nicht Euer Sohn", sagte der Dämon knapp. „Ich kenne Euch nicht und Ihr habt Euren Sohn nicht gerettet. Warum habt Ihr mich in diese Welt gebracht?"
Der alte Mann sah ihn schockiert an und rang um Fassung. „Aber Daritas, ich weiß, dass du das bist. Ich habe einen Zauber gewirkt. Er sollte deinen Verstand wieder an die Oberfläche bringen, damit du wieder erwachst."
Der letzte Funken der alten Seele. Der Dämon begann zu begreifen.
„Euch ist ein Fehler unterlaufen", stellte der Dämon fest.
Der Mann sah ihn schockiert an und stand auf. „Das glaube ich nicht", sagte er wütend. „Ich habe drei Tage lang die alten Texte studiert. Es gab zwar keinen Spruch in dieser Art, aber ich wusste, wenn ich die Anker richtig setze..."
„Ich bin nicht der, für den Ihr mich haltet", sagte der Dämon. „Ihr habt mich aus meiner Welt gerissen und in diesen Körper gesteckt. Was auch immer Ihr versucht habt Magier: Es hat nicht funktioniert."
„Aber...", stammelte der alte Mann. „Ich habe den Spruch mehrmals überprüft. Er hätte funktionieren müssen." Der Mann wurde stutzig und kam wieder an das Bett. „Du sagst, du bist nicht mein Sohn, wie soll ich dir glauben? Du bist wach und du redest mit mir, so wie er es immer getan hat."
„Weil ich in seinem Körper bin", sagte der Dämon kalt und musterte den Mann sehr genau. „Ich kann dir sagen, dass Euer Sohn dem Tode nahe ist. Sein Geist, oder auch seine Seele, sind nicht mehr vollkommen an seinen Körper gebunden. Ihr solltet Ihn gehen lassen."
„Und wie?", fragte der Mann. „Das kann ich nicht."
„Ihr müsst", sagte der Dämon mit Nachdruck. „Ich kann euch nicht zwingen, aber glaubt mir, es ist das Beste für Euch und für uns beide."
„Wer bist du dann?", fragte der Magier und zischte dabei. „Warum sollte ich dir auch nur ein Wort von dem glauben, was du sagst. Vielleicht war der Unfall schlimmer, als angenommen. Vielleicht ist etwas mit dir passiert, womit niemand gerechnet hat."
„Und was?", fragte der Dämon. „Bei welcher Art Unfall ist euer Sohn denn zu Schaden gekommen?"
„Du weißt es wirklich nicht, oder?", erkannte der Magier langsam.
„Nein", antwortete der Dämon. „Von dem Mann, der in diesem Körper einmal war, ist nicht mehr genug übrig, als das ich seine Erinnerungen lesen könnte."
Der alte Mann seufzte und wand sich ab. „Sprich nicht schlecht über meinen Sohn. Sprich nicht durch seine Zunge." Die Stimme des Mannes wurde immer lauter und er drehte sich wieder um, sein Brust war angeschwollen und Wut keimte in seinen Augen „Wenn du ein Dämon bist, dann hast du die Kontrolle über den Körper. Wenn du ein Dämon bist, dann zeige dein wahres Gesicht."
Die Augen des Sohnes sahen den alten Mann nur an.. Natürlich hatte der Dämon schon versucht, sich dem Körper vollständig Untertan zu machen. Doch es gab ein Problem „Das kann ich nicht."
„Dann bist du mein Sohn", sagte der Mann entschieden. „Jeder Magier weiß, dass Dämonen sich auch im Körper eines Menschen in ihre dämonische Form verwandeln können."
„Wirklich?", fragte der Dämon erstaunt und wurde wütend. Die Menschen waren dümmer, als er angenommen hatte. „Wer sagt denn, dass dies auch in meinem Fall möglich ist? Und wer sind die Leute, die dieses behaupten? Denkt Ihr wirklich, dass Ihr vor euch euren alten Sohn habt? Ich bin ein Dämon und kann diesen Körper nicht verändern, weil der Geist, der ihm inne wohnte beschädigt ist."
„Beschädigt?", fragte der alte Mann nun wütend und schnaubte. „Der Unfall. Er ist an allem schuld. Du hättest im Hause bleiben sollen. Für sie war es so oder so schon zu spät."
„Was ist passiert?", fragte der Dämon. Wenn er den Magier davon überzeugen konnte, dass er wirklich ein Dämon war, konnte er ihm möglicherweise helfen, aus dieser Welt wieder zu verschwinden. Der Körper schützte ihn vor den äußeren Einflüssen, aber es ließ sich nicht verhehlen, dass er sich unwohl in seiner neuen Haut fühlte.
Der alte Magier starrte ihn an. „Erinnerst du dich denn nicht?"
„Nein!", sagte der Dämon wütend. „Erklärt mir, was passiert ist."
Der Mann senkte den Blick. Er konnte seinen Sohn, oder das, was er dafür hielt nicht ansehen, sondern blickte einfach aus dem Fenster, während er sprach.
„Ludesa ist tot", sagte der Mann. „Wir haben sie einige Stunden nach dir geborgen. Ich war dort und habe versucht, ihr wieder Leben einzuhauchen. Aber wir waren zu spät. Für Ludesa konnten wir nichts mehr tun, aber du, du hast noch geatmet und hast nur geschlafen. Niemand hat dich wach bekommen. Wenn ich dich nur aufgehalten hätte."
Die Trauer in der Stimme des Mannes ließ den Dämon zweifeln. Er hatte keine Ahnung, wer Ludesa war, aber offenbar war es der Grund, warum der Vater verzweifelt genug war, um einen Dämon zu beschwören, oder was auch immer er in Wahrheit vorgehabt hatte.
„Wie ist Ludesa gestorben?", fragte der Dämon und der Vater blickte ihn an und eine Träne rann ihm die Wange hinab.
„Ertrunken", sagte er. „Sie ist in den Fluss gestürzt, hin zu den Klippen. Du erinnerst dich wirklich nicht mehr daran?"
Der Dämon schüttelte den Kopf.
„Du hast nach ihr geschrien, doch sie antwortete dir nicht. Du hast deinen ganzen Mut zusammen genommen und hast dich ebenfalls in den Fluss gestürzt. Was für ein dummer Junge du doch schon immer warst. Deine beste Freundin stürzt die Klippen hinab und du folgst ihr, ebenso unfähig zu schwimmen wie sie. Wir haben Glück, dass wir dich lebend gefunden haben."
Der Dämon betrachtete den Vater und konnte nun zumindest einen Teil des Ganzes erkennen. Der Junge war sicherlich bewusstlos gewesen und lange unter Wasser. Vielleicht war dies der Grund, warum der Geist des Jungen kaum noch vorhanden war. Es war zu viel, als das er hätte sterben können, aber zu wenig, um noch ein normales Leben führen zu können.
„Euer Sohn ist tot", sagte der Dämon und beobachtete die Reaktion des Mannes, der nur mit dem Kopf schüttelte, den Blick aber wieder auf das Fenster richtete.
„Du lügst. Du warst schon immer ein miserabler Lügner", sagte der Mann. „Du hast immer gewusst, dass ich deine Tricks durchschaue, aber das hat dich nie davon abgehalten, es dennoch zu versuchen."
„Wie kann ich Euch beweisen, dass ich tatsächlich das bin, was Ihr nicht glauben wollt?", fragte der Dämon. Es konnte nicht schaden, es auf einen Versuch der Vernunft drauf ankommen zu lassen.
„Du bist kein Dämon", sagte der Mann und lächelte. „Du bist mein Sohn."
„Was müsste ich tun?", fragte der Dämon weiter und endlich schien der Vater zumindest für einen kurzen Moment zu begreifen, was man von ihm verlangte.
„Ein Dämon kann seine Gestalt verändern", sagte der Mann.
„Der Geist dieses Körpers ist beschädigt. Ich brauche Zugang zu dem menschlichen Geist, um seinen Körper vollkommen kontrollieren zu können."
„Wirklich?", fragte der Mann erstaunt.
„Ihr müsst noch sehr viel über meine Artgenossen lernen", seufzte der Dämon und schlug die Bettdecke beiseite.
„Was hast du vor?", sagte der Mann.
„Ich beweise euch, dass ich nicht euer Sohn bin", sagte er knapp und die nackten Füße patschten auf dem Holzboden.
Mühelos stand er auf und der alte Magier schien beinahe entzückt zu sein.
„Deine Kräfte kommen sehr schnell wieder zurück. Ich bin begeistert. Du warst schon immer ein starker Junge Daritas."
„Das ist nicht Euer Sohn", sagte der Dämon knapp und ging zur Tür. „Es wird Zeit, dass Ihr euch von eurem Sohn verabschiedet."
„Was? Nein!", sagte der Mann entsetzt und eilte seinem Sohn hinterher und hielt ihn noch vor der Tür zurück. „Was hast du jetzt schon wieder vor?"
„Es gibt nur einen Weg, um Euch zu beweisen, dass ich nicht euer Sohn bin. Wollt Ihr eine Lüge leben, oder wollt Ihr die Wahrheit erfahren?"
Der alte Mann sah ihm in die Augen. Verzweiflung, Angst und Furcht spiegelten sich darin, während Tränen der Trauer seine Wangen hinab liefen.
Der Dämon begriff, dass in dem Mann ein Kampf tobte. Ein Teil hoffte, dass es genügen würde, dass der Körper des Sohnes noch atmete und sich bewegte, ein anderer Teil würde akzeptieren können, dass der Sohn nicht mehr war und dass er ihn für immer verloren hatte. Der Dämon musste also die Hoffnungen des Mannes zerstören und dann wollte er den Magier immer noch dazu überreden, ihn zurück in seine Welt zu bringen. Er würde nicht viel Zeit haben, den Körper dieses Menschen zu verlassen und den Magier anweisen, einen neuen Spalt zu bilden, damit er wieder nach Hause konnte. Wenn sein Körper zu lange ohne Geist auskommen musste, würde dieser ebenso sterben.
Er wand sich von ihm ab und verließ den Raum. Aus dem Zimmer hinaus wand er sich beinahe instinktiv nach rechts, ging einen kurzen Flur entlang, der an eine Treppe endete und stieg hinab.
„Was hast du vor?", fragte der Mann und folgte ihm, wäre auf der Treppe beinahe gestürzt und schaffte es erst an der Haustür, sich vor ihn zu stellen und ihm den Weg zu blockieren.
„Geht mir aus den Augen Magier", zischte der Dämon und spürte, wie ein Teil seiner Selbst durch den Körper floss und versuchte, den Körper zu verbiegen und zu verändern. Doch es wollte ihm nicht gelingen.
Wäre der Geist des Menschen unbeschadet gewesen, so wäre der Dämon in seiner Gestalt im Bett aufgewacht. Es war Instinkt, dass Dämonen, eingepfercht in einem menschlichen Körper genau dies taten und deswegen war es für ihn auch so frustrierend, dass es ihm nicht gelang.
Der alte Mann schüttelte nur den Kopf. „Du bist verwirrt. Du brauchst Ruhe und eine warme Suppe. Ist dir denn überhaupt nicht kalt?"
Kälte war einem Dämon fast unbekannt. Er blickte an sich herab. Er trug nur ein dünnes Leinengewand, nichts was ihn sonderlich vor der Kälte schützen würde, die draußen zu herrschen schien. Doch er musste hart bleiben. Er zerstörte die Illusion eines wiedergeborenen Sohnes und konnte dann nach Hause zurück. Zumindest hoffte er, dass es ihm gelingen würde.
„Aus dem Weg alter Mann", zischte der Dämon nun noch wütender. „Zwingt mich nicht, Euch weh zu tun."
„Ich werde hier nicht weg gehen, nicht solange du dich nicht beruhigt hast", sagte der Mann trotzig.
Dem Dämon wurde es zu viel und er handelte.
Seine Hand schnellte vor und er griff nach dem Arm des Mannes, um ihn weg zu ziehen und warf ihn zu Boden. Er sah nicht nach dem Mann, sondern öffnete die Tür und blickte hinaus. Es war Herbst, ein kalter Morgen, der Tau hing in dicken Tropfen an den Blättern der Bäume. Das Haus stand offenbar ein wenig abseits. Er konnte keine weiteren Gebäude sehen, aber mit dem feinen Gehör eines jungen Menschen konnte er ein Rauschen vernehmen. Wasser, welches sich seinen Weg durch die Landschaft bahnte.
„Daritas", schrie der alte Mann, aber er ignorierte ihn.
Seine nackten Füße liefen über das Gras. Die Nässe entzog dem Körper die Wärme. Er registrierte diese Emotion, doch er handelte nicht. Es war nicht wichtig, nicht für ihn. Er musste bereit sein. Er musste diesem Mann einen klaren Beweis liefern, dass er nicht der Sohn war, für den der alte Mann ihn immer noch hielt.
„So bleib doch stehen", rief der Mann, doch der Dämon beschleunigte seine Schritte nur. Dem Fluss entgegen, jenem Fluss, in dem der Mensch eigentlich gestorben war, aber immer noch wandelte.
Seine Füße trugen ihn schneller, bis er schließlich rannte.
„Daritas", rief der Mann noch einmal, doch es klang leiser, erschöpft und müde.
Der Dämon war sicher, dass der Mann aufgegeben hatte, doch dann bemerkte er es. Einem Schwall heißer Luft ähnlich strömte sie über ihn hinweg. Er blieb stolpernd stehen und drehte sich um, als seine Augen sahen, was der alte Mann tat.
Er stand da, die Arme nach vorne ausgestreckt. Er hatte die Augen geschlossen und murmelte etwas vor sich her. Auf halben Wege hatte sich die Luft verändert. Er sah es nicht nur durch die menschlichen Augen, sondern auch durch seine dämonischen. Es war eine Struktur und Ordnung zu erkennen. Es war etwas, was ein jeder Dämon fürchtete. Und dass der Mann einen Zauber auf ihn wirkte, war der letzte Beweis, dass der Mann offenbar ebenso wie der Sohn seinen Verstand verloren hatte, oder sogar einen Teil seines Geistes. Die Struktur raste zu ihm und hüllte ihn einen Moment lang ein, bevor er von den Beinen gerissen wurde und mit dem Hinterkopf und Rücken auf dem Boden aufschlug.
Es presste ihm die Luft aus den Lungen und die Magie ließ ihn innerlich zittern. Kein Dämon mochte Magie. Der menschliche Körper schützte ihn, doch in dieser Welt war er ebenso verwundbar, wie sein Wirtskörper.
Der Schmerz des Körper schwappte über ihn. Ein protestierender Muskel hier, eine leichte Verletzung an der Stirn dort. Es war ein Zeichen, dass dieser Körper mehr Schwächen hatte, als ein Dämon. Aber sein Vorhaben war damit vereitelt worden, zumindest für diesen Moment.
Mühsam kam er wieder auf die Beine und betrachtete den alten Mann, der voller Verzweiflung schien. Dann drehte er sich um und ging weiter seinem Ziel entgegen.
„Nein!", schrie der Magier hinter ihm. „Daritas, Nein!"
Er ignorierte seine Rufe, sondern machte sich darauf bereit, dass er ihn noch einmal einen Spruch zukommen lassen würde. Doch was dann geschah, überraschte selbst ihn.
Er hatte sein Tempo gedrosselt, doch der alte Mann rannte ihm nach und riss ihn zu Boden. Beide schlugen auf dem Boden auf, der Vater umklammerte seinen Sohn und der Dämon versuchte sich aus dem Griff zu befreien.
„Nein Daritas", stammelte der alte Mann und Tränen flossen über sein Gesicht. „Tu das nicht, nicht noch einmal."
Der Dämon wurde angespannt. Das letzte Mal hatte der Vater ihn offenbar nicht davon abgehalten, obwohl er zu wissen schien, dass sein Sohn allen Anschein nach nicht in der Lage war, sich über Wasser zu halten. Warum tat er es dann jetzt?
Er versuchte die Frage zu ignorieren, doch der Blick des Vaters war weiterhin auf ihn gerichtet. Etwas ging in ihm vor. Eine Veränderung.
Der Dämon griff in sich hinein, dort, wo der Geist des Jungen noch war. Der Geist hatte sich verändert. Er hatte neue Masse bekommen. Es war unmöglich. Ein Teil der Seele hatte den Körper bereits verlassen. Wie sollte er nun wachsen? Er war beschädigt, verwundet. Etwas sonderbares ging hier vor sich. Als er sich mit aller Macht von dem Mann löste, geisterten Gedanken durch seinen Kopf. War es möglich, dass der Magier eine Mitschuld daran trug, dass der Geist wieder wuchs? Hatte am Ende der Dämon unrecht gehabt, mit seiner Behauptung, der Geist im Körper wäre beinahe verschwunden?
„Daritas. Du musst das nicht tun", sagte der alte Mann. „Ich kann dich verstehen. Du erinnerst dich wieder an das, was passiert ist. Du musst das Schicksal nicht wiederholen. Bleib bei mir. Bleib bei deinem Vater."
Der Dämon schwankte in seiner Entschlossenheit. Was wollte der Mann ihm damit sagen? War es eine gute oder schlechte Idee, ihn danach zu fragen?
Er beobachtete den Mann, als er wieder auf die Beine kam und entschied sich.
„Erzählt mir die Wahrheit. Was ist wirklich passiert?"
Der Alte sah ihn an und seine Lippen zitterten vor Anspannung. Er sah sich um und blickte seinem Sohn in die Augen, als er sprach.
„Es war ein Unfall", sagte er. „Ledosa ist gestürzt. Du konntest sie nicht retten."
„Was ist passiert?", fragte der Dämon mit Nachdruck.
„Ihr hattet einen Streit", sagte der Mann und hob beschwichtigend die Hände. „Sie wollte fort von hier und du nicht. Ihr wolltet euch einmal ein neues Leben aufbauen, doch sie wollte nicht mehr länger warten."
Der Dämon griff sich an die Brust, als ein Schmerz ihn durchzuckte. Was er in sich fand war unglaublich. Der Geist des Menschen wurde immer größer. Es war unmöglich, aber der Dämon begann sich zu fragen, ob er bei dieser Rate, wie der Geist wuchs, eine Chance hatte, den Körper unter Kontrolle zu halten.
„Was genau ist passiert?", fragte der Dämon und keuchte. Die Schmerzen breiteten sich langsam in seinem ganzen Körper aus.
„Du hast sie geschlagen", sagte der Vater. „Aber das wolltest du nicht tun. Es war ein Unfall."
„Ich habe sie geschlagen?", fragte der Dämon und Bilder zuckten vor seinem Inneren Auge. Es war ein wilde Abfolge, die er nicht verstand. „Was ist mit ihr passiert?"
„Du warst so wütend", sagte der Vater und trat an ihn heran. „Dein Schlag war zu kräftig. Sie taumelte zur Brüstung der Brücke und stürzte hinüber. Du wolltest ihr noch helfen, doch sie glitt ab, stürzte ins Wasser und versank."
Der Dämon spürte den Schmerz nun auch im Kopf. Die Bilderflut wollte nicht abreißen und die Erinnerungen des Mannes, der im Körper hauste waren immer deutlicher. Er sah eine Frau, die Ledosa sein musste. Eine hübsche Person mit haselnussbraunen Haaren und grünen Augen. Er spürte, wie der Geist des Menschen langsam aber sicher ihn verdrängte. War es möglich? War es möglich, dass der Geist des Menschen ihn aus diesem Gefängnis ausstoßen konnte und wenn ja, was würde dann mit ihm passieren?
Er wand sich in seinen eigenen Gedanken. Kaum waren die Bilder verschwunden, wurde der Schmerz in seinem Körper immer deutlicher und er stöhnte auf und ging auf die Knie.
„Was passiert hier?", fragte der Dämon und zum ersten Mal spürte er die Angst eines Menschen. Wenn er aus diesem Körper ausgestoßen werden würde, würde er innerhalb kurzer Zeit sterben und niemand konnte ihn dann noch helfen.
„Daritas", sagte der alte Mann und kniete sich vor ihm nieder.
„Was geht hier vor sich?" Der Dämon starrte den Vater an. „Ihr habt einen Fehler begangen."
Der Vater sah ihn einen Moment lang an, dann durchbrach der menschliche Geist etwas in seinem Inneren und er schrie auf.
Die Schmerzen brandeten durch seinen Körper, durch den Körper des Menschen. Er spürte, wie sich Muskeln verstärkten und wie Knochen zu schmelzen begannen. Seine Transformation begann, doch die Qualen waren unermesslich. Es musste am menschlichen Geist im Körper liegen.
Der Dämon schrie und die beiden Geister berührten sich. Es brannte wie die Hölle als zwei unterschiedliche Geister begannen miteinander zu verschmelzen.
„Nein", stammelte der Dämon und begriff nun was der Magier am Ende getan hatte. Er hatte vielleicht sogar Kenntnis davon gehabt, dass genau dies hier passieren würde.
Sein trüber Blick richtete sich auf den alten Mann. Er konnte trotz allem erkennen, dass der Mann lächelte, während er den strampelnden und windenden Körper mit beiden Armen festhielt.
„Alles wird gut, Daritas", sagte der Mann und lächelte weiter. „Es ist gleich geschafft."
Der Dämon begriff es ebenso, die beiden Geister, die sich einen Körper geteilt hatten, verschmolzen immer mehr. Der Schmerz wandelte sich zu einem betäubten Gefühl der Ohnmacht.
Dämon, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Wehre dich nicht. Wehre dich nicht vor dem Wunder, welches mein Vater vollbracht hat. Sei tapfer und stolz etwas Neues zu werden.
Der Dämon begriff nicht ganz, was hier geschah. Der Geist des Jungen war doch verschwunden. Wie konnte diese Stimme nun existieren?
Wir werden eins. Ein Teil von dir wird zu mir. Ich werde ein Teil von Euch. Wir werden eins werden, ein neuer Geist.
Werde ich aufhören zu existieren?, fragte der Dämon in sich hinein. Die Geister verschmolzen immer schneller. Die Zeit seiner Existenz war dem Ende nahe. Ich will nicht sterben.
Wir werden nicht sterben, sagte der Mensch. Wir werden gemeinsam leben.
Die Geister verschmolzen vollkommen und der Dämon schrie aus ganzer Kehle, als sich die beiden Hälften vereinten und etwas Neues schufen. Er schrie und der Schmerz war so stark, dass er die Kontrolle über seinen Körper verlor und in den Abgrund stürzte. Ein schwarzes Loch, von dem er einfach verschluckt wurde und immer tiefer stürzte. Er hatte aufgehört zu existieren.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ihm klar wurde, dass er mit seiner Einschätzung Unrecht hatte.
Daritas. Eine Stimme lockte ihn. Er wusste nicht, woher sie kam, doch er folgte ihr.
Daritas. Der Ruf war deutlich und wurde immer lauter. Er schwamm durch eine Schwärze und spürte eine Strömung. Nicht nur er bewegte sich, sondern er wurde auch irgendwo hin gezogen.
Daritas. Er konnte etwas spüren. Er fühlte Finger und Zehen, einen Körper, die Wärme der Haut. Er schwamm schneller durch die Dunkelheit. Er war noch existent. Er wusste nicht, was passiert war, aber er war noch am Leben. Er musste den Kampf gewonnen haben und strebte immer weiter, wusste, dass am Ende der Schwärze ein Licht auftauchen würde, was ihn wieder in die reale Welt bringen würde.
Daritas, verlangte immer noch eine Stimme in seinen Kopf und er kam der Quelle näher. Er wusste es und dann schien es, als würde sein Geist in einen Körper gepresst und schlug die Augen auf.
Warmes Licht erhellte den Raum. Der Geruch nach dem Tee, den er getrunken hatte, war wieder da, auch das alte Augenpaar, dass liebevoll seine Hand hielt und lächelte.
„Daritas", sagte der Magier. „Endlich bist du wieder zurück unter den Lebenden."
Der Dämon wollte verneinen, doch er zögerte. Was war passiert? Was war mit dem Geist des Menschen? Er suchte danach, doch er fand nichts. Er war fort, er war nicht mehr in diesem Körper, damit war er frei.
Ja, wir sind frei, meldete sich eine Stimme und der Dämon erstarrte innerlich. Mein Vater hatte mich nicht aufgeben können. Er hat dich in diese Welt geholt um meinen verletzten Geist zu heilen. Du hast Recht: Ich war nicht mehr da, doch deine Essenz hat mich zurückgeholt. Dein Geist hat sich mit meinem verflochten. Die Teile, die mir fehlten hast du gegeben und ich habe dir meinen Geist zur Verfügung gestellt. Wir werden weiter verschmelzen, bis wir nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.
„Was habt Ihr getan?", fragte der Dämon, doch er war sich nicht sicher, ob er die Antwort wirklich noch hören wollte. Er begriff schon zu viel und er hatte Angst, dass seine Befürchtungen wahr werden könnten.
„Ich habe dir dein Leben gerettet", sagte der Mann und lächelte. „Du erkennst doch deinen Vater, oder?"
Der Dämon zögerte und wollte den Kopf schütteln, doch der Geist von Daritas behielt Recht, sie verschmolzen noch immer und nun sprach auch der Sohn.
„Ich bin hier", sagte er und hielt die Hand seines Vaters. „Du hast mich gerettet. Ich danke dir, für alles."
Der Dämon konnte nichts dagegen tun. War er überhaupt noch ein Dämon? Das Sein als Dämon verschwamm, seine Erinnerungen blieben erhalten, aber die Gedanken des Mannes flossen in ihn ein. Aus zwei Stimmen wurde eine und als am nächsten Morgen der junge Mann erwachte, gab es keinen Dämon mehr, sondern nur noch Daritas.

weiter zum nächsten Türchen