Heimfahrt

(von Veria)

Das dreizehnte Türchen tarnt sich als tropfenbesprengte gläserne Automatiktür. Ihre Sensorfelder sind durch den Nieselregen scheinbar verwirrt, ein stetiges auf-zu-auf-zu ist die Folge. Die Reisenden, die sich gerade im wettergeschützten Restaurant- und Wartebereich aufwärmen, beobachten amüsiert, wie eine junge Frau nicht etwa eine der anderen Türen nimmt, sondern eine "auf"-Phase nutzt um sich hinaus ins nasskalte Wetter zu wagen…

Es nieselte, der Himmel war grau, es war kalt. Deianna wickelte sich den rotblau karierten Schal ein drittes Mal um den Hals und wischte mit den Fingerspitzen der zu dünnen Handschuhe über die Brillengläser. Blöde Idee, alles noch verschmierter als vorher. Das Mädchen rückte die Umhängetasche zurecht, nahm die Brille ab und zog den linken Fuß hoch, um die Gläser am Hosenbein abzuwischen. Half auch nicht, immer noch verschmiert.
"He, Blinki, ein Tuch?" Deianna musterte den Sprecher, einen verschwommenen, kaugummikauenden Kerl, und zupfte ihm das Taschentuch aus der Hand. Seinen Namen wusste sie nicht, aber sie hatte ihn in einigen Vorlesungen schon gesehen, und ihm schien es auch so zu gehen.
"Jau. Mein Retter, spinn ich, alles nass, Dreck ..."
"Was ist dein Zug?"
"Gilan."
"Bah ... drei Stunden, hm?"
Deianna nickte ausgiebig und putzte ebenso ausgiebig ihre Brille, bevor sie sie wieder aufsetzte und den jetzt gestochen scharfen Kerl nochmals musterte - spitze, rotgefrorene Nase, schmale Lippen und dunkle Augen, der Rest in dunkelgrüne Wolle und einen dicken braunen Mantel vermummt. "Geht so, hab Rechenkram mit. Dein Zug?"
"Nyc rüber nur."
"Klassischer Nycobianer? Kannst du so reden?"
"Näh. Interstellarer Import. Komm von Nestrev." Er spuckte seinen Kaugummi in den Müll und zog ein schiefes Grinsen. "Du? Lynidisches Original? Oder auch Import."
"Näh, importiert ist nur mein Name. Ich frier hier ja auch genug ... bah, Dreckswetter, nasses ..."
"Muss so sein. Ohne Dreckswetter ist der Sternkreistag nicht echt", erklärte er mit lehrerhaft erhobenem Zeigefinger, "Mit dem Dreckswetter verdient man sich die Geschenke."
"Näh", machte Deianna und zog eine Fratze.
Dreimal machte es Ding, dann erklang: "Kontinentaltransfer nach Süden fährt auf Trasse 28 ein."
"Ist mein Zug", sagte das Mädchen, "Krieg ich deinen Schlüssel?" Sie bohrte einen behandschuhten Finger zwischen Ärmel und Handschuh des anderen Armes und erwischte die Kom-Taste auf Anhieb.
"Oh, ja klar. Fahr gut." Der Kerl zog seinen Ärmel ebenfalls hoch, drückte seine Kom-Taste und schlug sein Handgelenk gegen Deiannas. Beide Kom piepsten zur Bestätigung.
"Jau, auch du." Sie zwinkerten einander kurz an, dann rannte Deianna die Trassenunterführung entlang, bis sie sich bei 28 einreihen konnte.
Leise summend öffneten sich die Türen der Transportröhre und des Zuges, und brav ein Passagier nach dem anderen betrat den Zug. Zwei Minuten nur, dann schlossen sich die Türen wieder und der Zug beschleunigte. Nicht dass man es spüren könnte, Gravitationssysteme gab es auch in Zügen, aber durch die Fenster sah man es natürlich.
Deianna schob sich an der alten Frau und ihrem überdimensionalen Koffer vorbei und fragte sich, wie die das Teil in nur zwei Minuten in den Zug gewuchtet hatte. Vielleicht war es ja eine alte Gewichtheberin?
Ein Kleinkind krabbelte zwischen zwei Rucksäcken hervor, Deianna stieg vorsichtig mit einem ganz weiten Schritt drüber. Wo waren da die Eltern? Krümelpflanzer waren die, so gar nicht aufzupassen ...
Das Durcheinander blieb hinter Deianna zurück, sie erspähte sogar einen Sitzplatz. Eilig spurtete sie hin und nahm ihn in Beschlag.
"Ah, und gefragt wird nicht mehr? Die Jugend von heute ..."
"Höh ...", machte Deianna perplex und starrte die Frau ihr gegenüber an.
"Bitte, ist hier noch frei?"
"Da war doch frei, saß ja keiner da", stellte Deianna fest, "außer, da wäre ein Unsichtbarer gesessen, aber dann hätte ich das ja auch gemerkt, weil dann tät ich jetzt ja auf dem draufsitzen und dafür sitz ich zu tief. Jau?"
"Also bitte ..." Die Frau gegenüber musterte sie pikiert und begann, in einer Schmalz-und-Sperma-Schmonzette mit erstaunlich eindeutigem Einband zu lesen.
Deianna packte lieber ihren Rechenkram aus, sonst blühte ihr am Ende noch ein Gespräch über Literatur.
"Ist da noch Platz wo?"
Einen Moment lang erwartete Deianna eine Beschwerde über die Jugend von heute, dann stellte sie fest, dass der Fragesteller sicher doppelt so alt war wie die pikierte Dame. "Klar", sagte das Mädchen also, "es sei denn, da wär wo ein Unsichtbarer, aber das merkt man dann ja, wenn man sich auf ihn draufsetzt ..."
Der alte Mann kicherte, wackelte dabei seltsam mit den Schultern, und setzte sich. "Huch!", machte er und stockte mitten in der Bewegung, als würde er auf jemandem draufsitzen. Die pikierte Dame musterte ihn entsetzt, worauf er sich dann doch anständig hinsetzte. "Was is'n das da?", fragte er und zeigte auf Deiannas Rechenkram.
"Dimensionalknotenberechnung."
"Ja? Nach Tylsam oder Kadreve-Bainik?"
Deianna hob eine Braue. "Tylsam. Sie kennen den Kram?"
"Pilot", grinste er.
"Ach ... Piloten!", machte die pikierte Dame und wirkte plötzlich unglaublich verständnisvoll.
Deianna grinste den Piloten breit an und fragte: "Was sind Sie denn so rumgeflogen?"
"Dabrai zuerst, mit 800 Raketen und zwei Stunden Partikelstrahl unterm Arsch. Später dann ein echtes Leitschiff."
"Boah."
"Beim Leitschiff war es dann aber nicht mehr so spannend", sagte er, "Ist zwar ein unglaubliches Gerät, aber fast alles läuft automatisch."
"Im Gefecht auch?"
"Nein, wobei, doch, aber manchmal kommt der Instinkt noch dran. Ohne Gefecht ist es wirklich fast bloß Ziel eingeben und Knopf drücken." Er sah Deianna durchdringend an. "Du willst Pilot werden?"
"Jau, aber kommerziell."
"Linienflüge? Naja ..."
"Dachte eher so an Mineypu ..."
"Gut so", sagte er und klopfte ihr kräftig auf die Schulter, "Denk dir, wieviel Trilit die Kraftwerke sich liefern lassen! Ohne Mineypu müssten wir das alles importieren!"
"Also, Unsinn", wandte die Dame jetzt wieder pikiert ein, "Trilit ist ja wohl wirklich genug da. Mein Mann ist Raffineriearbeiter im Asteroidengürtel und was die da alles rausholen ..."
"46 Prozent", sagte der Pilot, "Die Zukunft braucht die Wiederaufladestationen."
"Hm." Überzeugt war die Dame sichtlich nicht, vielmehr nahm sie den Piloten sichtlich nicht für voll. Sie steckte die Nase wieder in ihr Buch.
"Manchmal denke ich, wir hätten gar nicht mit den Trilitkraftwerken anfangen sollen ...", überlegte er, "aber dann müssten wir alles mit Kraftwerken pflastern ..."
Deianna ließ das Gespräch jetzt auch fallen und widmete sich voll und ganz ihrem Rechenkram. Mit weniger als der gesamten Aufmerksamkeit gaben sich diese Formeln ja auch nicht zufrieden, wenig anschaulich war die Materie noch dazu, irgendwo schrie ein Kleinkind. Deianna raufte sich die Haare, als sie feststellte, dass sie schon zum zweiten Mal im Kreis dachte - und das bei ein und derselben Teilrechnung.
"Du kannst Pause machen, du rechnest schon fast eine Stunde", grinste der Pilot.
"Näh, oder?"
"Doch doch."
Deianna stellte verdutzt fest, dass die pikierte Dame weg war. "Wann ist die denn ausgestiegen?"
"In Aomis, vor zwanzig Minuten."
"Oh." Deianna rutschte auf ihrem Platz hin und her. "Wohin fahren Sie so? Heim zum Sternkreistag?"
Der Pilot nickte, wackelte aber gleichzeitig komisch mit den Schultern. "Diabi Malkelo, meine Töchter haben mich eingeladen. Daheim bin ich ja im hohen Norden."
"Daheim im Sauwetter ... freuen Sie sich, mal nicht zu frieren."
"Oh, ich fürchte, ich werde vielmehr gewaltig schwitzen ..."
Deianna rollte mit den Augen. "Näh, im Sommer ist es doch in Tecandria auch warm."
Jetzt zog er sein Grinsen bis über beide Ohren. "Nur dass Tecandria für mich auch ziemlich warm ist. Ich komme aus Liazk." Deianna fröstelte unwillkürlich, dort taute es ja nur in ein paar Wochen im Jahr und selbst dann war es noch arschkalt. "Der Zug ist eigentlich eine Qual, was die Temperaturgewöhnung angeht", seufzte er, "In vier Stunden vom ewigen Eis in die Sandwüste, das haut einen um, wenn man aussteigt."
"Eher in die andere Richtung ..."
"Oder das, ja."
"Ist es schwer, fliegen zu lernen?", bog Deianna das Thema auf ein weniger frostiges um.
Der Pilot wackelte komisch mit den Schultern. "Weiß nicht - hab ich seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gemacht." Er grinste breit, lachte dann leise und erklärte versonnen: "Damals war auch Sternenkreistag. Ich hab gebüffelt wie ein blöder, aber die Dimensionalknotenberechnung nach Kadreve-Bainik einfach nicht kapiert, nach Tylsam ist ja leichter, aber das gab's damals noch nicht. Ich hab sogar beim Kreisschmaus die Definitionen auf den Knien liegen gehabt und meine Tante war sooo nah dran", er deutete mit zwei Fingern einen winzigen Abstand an, "mir die Pilotenausbildung zu verbieten, weil ich das Fest ruiniere."
"Näh, echt?"
"Sie nahm den Schmaus und die Feuerzettel sehr ernst."
"Feuerzettel haben wir keine mehr", sagte Deianna, "weil da mein Opa mal das Tischtuch angekokelt hat. Danach hat meine Oma vorgeschlagen, die Bitten auf dem Sensorgerät zu schreiben und die Datei dann feierlich zu löschen."
"Und das macht ihr?"
"Näh. Wenn bitten, dann bloß noch in Gedanken. Müsst ja ein Luschengott sein, wenn der nicht Gedanken lesen kann."
"Uh, von meiner Tante hättest du dir jetzt eine saftige Ohrfeige eingefangen ..."
"Is ja nicht meine Tante", grinste sie, "Meine Familie ist da sehr pragmatisch. Außerdem wird in meiner Familie nicht geohrfeigt."
"Naja, du musst bedenken, das war damals noch Sternenreich, da war alles ein bisschen anders."
"Hm, jau, welche Schicht war das denn?"
Er rollte mit den Augen. "Hoch genug für die Pilotenausbildung. Aber nur gerade so."
"Welche denn?", beharrte Deianna.
Er rollte wieder mit den Augen, ausgiebiger als zuvor. "Dreiundzwanzig, und das nur, weil mein Vater mit mir getauscht hat." Er wackelte mit den Schultern, rutschte auf dem Sitz hin und her und lehnte sich dann bequem in den Sitzbezug. "Da wurde ständig rumgetauscht, dass kaum mehr jemand den Überblick hatte. Wenn jemand schichtabwärts heiraten wollte, dann wurde die Schicht in Sicherheit getauscht, geheiratet und zurückgetauscht. Kam dann schichttechnisch auch den Kindern zugute, und am Ende bekam eines davon die hohe Schicht zugetauscht. Du musst denken, die Schichten waren wirklich viel Wert, auch im Alltag! Da tauschte man sich im hohen Alter noch schnell abwärts, damit die hohe Schicht nicht wegstirbt!"
"Äh ... gruselig ..." Deianna wünschte sich tatsächlich das frostige Thema von vorhin zurück. Warum hatte sie bloß gefragt?
"Tja, und dann kam die Revolution. Der Kommandant hat sogar versucht, die Kadetten zu verheizen, aber die meisten haben gemeutert. Also, eigentlich nicht gemeutert, er hätte uns ja gar nicht fliegen schicken dürfen, Kadetten gegen altes Eisen. Trotzdem, ein paar Kadetten sind standrechtlich erschossen worden ... nicht dass er das gedurft hätte, aber naja."
"Uh ..."
Er schwieg einen Moment und musterte Deianna. "Manchmal mach ich mir Sorgen, dass uns das nochmal blüht", sagte er dann, "Wenn es im AIT kracht, geht das an uns sicher nicht spurlos vorbei."
"Hm ..."
"He, Sie da!", erklang von der nächsten Sitzgruppe, "Wir versuchen hier ein bisschen in beschauliche Stimmung zu kommen, packen Sie Ihren Pessimismus nach dem Sternkreistag wieder aus!"
"Genau", stimmte noch jemand zu, "und so schlecht sieht es im AIT doch gar nicht aus! Der Kiodan kriegt die Sache nämlich noch gebacken, sag ich! Und das schreib ich auch auf meinen Feuerzettel!"
Deianna klinkte sich wieder aus, als nun von allen Seiten eingebracht wurde, was jeweils auf die Feuerzettel geschrieben würde. Sie hatte immerhin Dimensionalknotenberechnung zu üben. Diesmal fiel ihr auch endlich auf, was sie bisher so konsequent falsch gemacht hatte. Einfach so einen Term fallenlassen, sie sollte sich was schämen ...
"He, baldige Pilotin", holte der Pilot sie wieder zurück, "Gehst du eigentlich zur Klippe?"
"Näh. Ist ja viel zu voll da, beschaulich ist was anderes. Außerdem sieht man die Sterne eh nicht bei so viel Leuchtreklame rundherum."
"Die werden abgeschaltet", nickte er heftig, "Ich werde diesmal hingehen, mir die Sterne mal mit einer anderen Sichtweise anschauen."
"Glauben Sie dran?", fragte sie, "Also, wenn ich das fragen darf ..."
"Hm. Naja. Irgendwie." Er starrte kurz aus dem Fenster, wo allerdings gerade nur das Innere eines Tunnels zu sehen war. "Das Licht mitten im Sternkreis war jedenfalls eine Supernova, die Mákia haben das schon ein paar Jahrhunderte lang erwartet, und die Sterne rundherum sind ja auch nicht wirklich im Kreis, es sieht von hier aus nur so aus ..." Deianna musterte ihn aufmerksam. "Aber irgendwas ist da ... schaden kann es nicht, oder?" Er sah sie an und schmunzelte. "Du?"
"Weiß nicht ..." Der Tunnel war zu Ende, das gab Deianna die Möglichkeit, auf die Myalmi-Bucht hinauszustarren ohne sich dabei zu merkwürdig vorzukommen. "Eigentlich fand ich es schon immer eine komische Idee, dass Gott uns übersehen könnte, nur weil wir plötzlich auf einem anderen Planeten sind ...", sagte sie dann, "Aber wenn man davon ausgeht, dass sich die Leute damals da echt Sorgen gemacht haben, dann ist irgendwie doch verständlich, dass es da zur Beruhigung ein Zeichen gibt. Oder? Dann halt eine Supernova zünden, die grad im Blickfeld ist ... oder?"
"Vielleicht." Er griff in seine Schenkeltasche und holte Stift und Papier heraus, er vertiefte sich in seine Notizen und ergänze es nach einigen Momenten auch. Deianna beobachtete ihn eine Weile lang dabei, dann widmete sie sich auch selbst wieder ihrem Rechenkram. "Wenn man es nur genau wissen könnte ...", ergriff der Pilot schließlich nachdenklich wieder das Wort, "Wenn man zurückreisen könnte und zusehen, wie der Prophet auf der Klippe kniet und betet und dann das Licht im Sternkreis sieht ..."
"Ich glaub nicht, dass das helfen würd", murmelte Deianna, "Dass es passiert ist, ist ja klar. Die Bedeutung muss man aber selber rausfinden."
"Ja, klar." Er sah hinaus aus dem Fenster, der Überblick über den großen Raumhafen Kallile Beramma war beeindruckend und es hob auch gerade ein Cori-Linienflug ab. "Naja, als Symbol der Hoffnung kann man es auf jeden Fall mal verstehen", sagte er, "und das tu ich auch."
Deianna runzelte die Stirn. Eigentlich fielen ihr da noch ganz andere Symbole der Hoffnung ein, zuvorderst natürlich der keine-Toten-Vertrag. Aber Hoffnung konnte es tatsächlich nie genug geben, von daher konnte sie gut auch das Licht im Sternkreis genauso betrachten, wenn auch nicht ganz so fassbar.
Aber das hatte Religion wohl an sich, dass sie nur schwer fassbar war.
Einige Sitzgruppen weiter vorne am Anfang des Waggons begann es, eine Kom nach der anderen spielte ihren Meldeton. Ganz verschiedene, manche nur kleine Piepsequenzen, andere halbe Orchesterwerke, wieder andere einen Tierschrei oder einen kurzen Satz. Die Meldewelle kam näher, jeweils zwei Sekunden zwischen einem Meldeton und dem nächsten, schließlich war auch Deiannas dran und spielte die ersten beiden Takte von Adilan Kendratas Sommerschlaflied. Beim Piloten erklang gleich darauf eine Fanfarensequenz.
"Tja", sagte Deianna, "war eine nette Fahrt mit Ihnen."
"War nett, finde ich auch", sagte er. Gemächlich steckte er Stift und Papier wieder in die Schenkeltasche, dann zog er einen Beutel heraus und stopfte seine warme Winterjacke hinein. Deianna folgte seinem Beispiel, sie wollte natürlich auch nicht komplett eingepackt am Äquator aus dem klimatisierten Zug aussteigen. "Und einen netten Kom-Ton hast du", sagte er noch.
"Und noch dazu hat den nicht auch noch jeder sonst", grinste Deianna, "Es gibt welche, ein paar, so zwanzig vielleicht, damit hat man drei Viertel der Studenten in Kadezi Yamaara abgedeckt."
Der Pilot kicherte und wackelte mit den Schultern. "Kann ich mir vorstellen. Ist zufällig eines davon Lichtschlaf? Grausiger Krach ..."
"Näh ... aber so grausig ist es gar nicht, so im Vergleich. Am häufigsten ist nämlich das Yalliyalliyalli-Lied ..."
"Auuuu ..." Er machte ein Gesicht wie 32 schmerzende Zähne.
Ein Kleinkind irgendwo begann prompt zu krähen: "Yada yada yalli yalli ..."
Deianna und der Pilot, und noch einige Leute, flüchteten eiligst in die andere Richtung zu den Türen, auch wenn der Zug noch fuhr. Aber der neongrüne dreieckige und oben schief abgeschnittene Turm der Filmsynchrogesellschaft war schon zu sehen, ebenso der Lwian-Turm, in dem das riesige Pendel hing, und das schimmernde Glasfrontgebäude des Flottenhauptkommandos. Und dann tauchte der Zug ab und fuhr in die Waggonsternleite Lyn Keetra ein, wurde dreimal auf ein Nachbargleis geschubst und einmal nach oben gehoben, fuhr wieder aus der Sternleite hinaus und in den Hauptbahnhof ein.
Schon beeindruckend, so eine beleuchtete Sternleite. Viele Bahnhöfe hatten das nicht, die meisten Sternleiten waren zappenduster.
Langsam glitten die Türen von Zug und Transportröhre auf und Deianna sprang hinaus. Die Hitze schlug ihr entgegen, endlich wieder zuhause.
"He, baldige Pilotin", sagte der Pilot, "Wann fährst du wieder zurück?"
"In zehn Tagen, Dienstag, halb zwei, dritter Waggon."
Er grinste. "Gut, dann buche ich auch den - man sieht sich, und schönen Feiertag!"
"Ebenfalls!", rief sie ihm nach, als er schon fürchterlich schwitzend davonmarschierte.
"Willkommen in Lyn!", erklang aus den Lautsprechern, "Bitte beachten Sie den Temperaturunterschied und überanstrengen Sie sich nicht. Wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt!"
Deianna rückte ihre durch die Winterjacke ziemlich ausgebeulte Umhängetasche zurecht und entfernte sich von der Trasse, sie nahm die Überführung und schlenderte ins Bahnhofsgebäude. Der deftige Geruch von Seni-Kamtche drang in ihre Nase, sie folgte ihm plötzlich hungrig und stellte sich beim Imbiss an. Es dauerte ohnehin noch vermutlich eine Stunde, bis sie sich zu ihren Eltern wagen konnte, ohne irgendein Putzwerkzeug samt entsprechendem Auftrag zu bekommen. Also musste sie auch nicht gleich den nächsten Lokaltransfer nach Gilan nehmen.
Die ersten beiden Takte des Sommerschlafliedes erklangen, Deianna drückte ihren Zeigefinger auf die Kom-Taste und hielt ihn dort, bis die Kom sagte: "Zaram Igenola."
Zaram Igenola? Wer war denn das und warum hatte Deianna ihn im Kom-Speicher?
Sie drückte die Taste nochmals. "Ja?"
"He, Blinki", grüßte Zaram, "Gut in der Wüste angekommen?"
Deianna grinste bis zu den Ohren, verschob den Erwerb der Schale Kamtche und suchte sich eine ruhige Ecke. "Jau, bin gut angekommen", sagte sie, "und du?"
"Keine Verspätung, kein Ärger. Alles bestens - nur leider keiner im Haus unter vierzig, ich brauch mal jemanden zum quatschen."
"Oh, nur zu ..." Sie strahlte den in ihrer ruhigen Ecke befestigten Feuerlöscher an. "Ich quatsch gern mit ..."

weiter zum nächsten Türchen