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Der Tanz des Ahr'man

(von Taipan)

Leise Flötenmusik dringt nach draußen, als sich das erste Türchen im Weltenbastler-Adventskalender öffnet. Es ist ein Lebkuchentürchen, und man muss leider sagen, es sieht ziemlich angeknabbert aus... Wer das wohl war?

Vor langer Zeit, als gefräßige Dämonen noch im Land umhergingen und jeden verschlangen, den sie fanden, zog auch der schreckliche Dämonenfürst Ahr’man durchs Land. Und grässlich war er, denn wenn er am Abend in ein Dorf kam, so waren bis zum Morgen alle Bewohner, egal ob Mensch oder Tier, in seinem hungrigen Maul verschwunden, denn er war der gefräßigste Dämon von allen.

Die anderen Dämonen bekamen es nach einiger Zeit mit der Angst zu tun, denn bald gab es fast nichts mehr, das Ahr’man noch nicht gefressen hatte, und sie mussten schrecklichen Hunger leiden. Da liefen sie zu ihrem König und riefen: „Oh weiser Jh’taraith, befreie uns von unserer Not und bringe den gefräßige Ahr’man wieder zur Vernunft!“

Jh‘taraith hörte ihnen aufmerksam zu, nahm eines seiner schwarzen Bücher und ging damit zu Ahr’man. Der gefräßige Dämonenfürst hatte soeben einen ganzen Wald verschlungen und war satt. Deshalb freute er sich über den Besuch und sprach:

„Weiser König Jh’taraith,
du isst nichts,
du trinkst nichts,
und doch willst du unser König sein?“

„An Gefräßigkeit mag es mir vielleicht mangeln“, antwortete der listige Jh’taraith, „doch an Klugheit kann ich dich allemal schlagen. So hat mir neulich ein alter Berg ins Ohr geflüstert, dass der große Ahr’man nicht einmal ein Buch lesen kann.“
Da wurde Ahr’man sehr wütend und rief: „Alle Berge gehorchen mir und keiner von ihnen würde es wagen so etwas zu behaupten.“
„Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Berg lügt“, gab Jh’taraith zurück. „Aber offensichtlich hatte er Recht, sonst würdest du das Gegenteil beweisen wollen.“
„Dann gib mir ein Buch und ich werde es lesen!“

Jh’taraith reichte ihm sein schwarzes Buch und Ahr’man wollte es aufschlagen und lesen. Doch es war kein gewöhnliches Buch, sondern ein Buch aus Wasser und Feuer. Zuerst brannte es unter seinen Fingern und als er die Flammen löschen wollte, zerflossen die Seiten wie Wasser vor seinen Augen. Jahrelang rang er mit dem Buch und die Welt konnte sich von seinem Toben erholen, doch schließlich erkannte auch er, dass er zum Narren gehalten worden war. Da nahm er einen Berg und warf ihn auf das Buch, sodass es für immer darunter vergraben war.

Und dann erwachte auch wieder Ahr’mans Hunger und da er all die Jahre nichts gefressen hatte wurde sein Wüten schlimmer als zuvor. Wieder liefen die Dämonen zu ihrem König und riefen: „Oh weiser Jh’taraith, befreie und von unserer Not und bringe den gefräßige Ahr’man wieder zur Vernunft!“

Der Dämonenkönig hörte ihnen aufmerksam zu, nahm einen seiner Spiegel und ging damit zu Ahr’man. Der gefräßige Dämonenfürst hatte soeben eine ganze Stadt verschlungen und war satt. Deshalb war er nicht allzu sehr erbost, als er den Dämonenkönig wieder sah, und sprach:

Listiger König Jh’taraith,
du isst nichts,
du trinkst nichts,
und doch willst du unser König sein?

„An Gefräßigkeit mag es mir vielleicht mangeln“, antwortete wieder der listige Jh’taraith, „doch an Mut kann ich dich allemal schlagen. So hat mir neulich ein geschwätziger Wind ins Ohr geflüstert, dass der große Ahr’man sogar Angst davor habe sein eigenes Spiegelbild zu betrachten.“
Da wurde Ahr’man sehr wütend und rief: „Alle Winde gehorchen mir und keiner von ihnen würde es wagen so etwas zu behaupten.“
„Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Wind lügt“, gab Jh’taraith zurück. „Aber offensichtlich hatte er Recht, sonst würdest du das Gegenteil beweisen wollen.“
„Dann gib mir einen Spiegel und ich werde furchtlos mein Spiegelbild ertragen!“

Jh’taraith reichte ihm den Spiegel und Ahr’man wollte sein Gesicht betrachten. Doch es war kein gewöhnlicher Spiegel, sondern ein Seelenspiegel, der die Seele des Betrachters zeigte. Wäre Ahr’man ein Mensch gewesen, hätte er nichts Besonderes bemerkt, denn Menschen haben nur eine Seele. Doch Ahr’man war ein Dämon, der in seinem Leben viele Seelen verschlungen hatte, mehr als alle anderen Dämonen. Und nun konnte Ahr’man all diese Seelen auf einmal sehen und er wurde von einer großen Angst erfüllt, sodass er seinen Blick sofort wieder abwandte. Jahrelang versuchte er sein Spiegelbild zu ertragen und die Welt konnte sich von seinem Toben erholen, doch schließlich erkannte auch er, dass er zum Narren gehalten worden war. Da rief er die Winde, die den Spiegel erfassten, durch die Luft wirbelten und wieder zu Boden warfen, sodass der Spiegel in tausend Teile zerbrach.

Und dann erwachte auch wieder Ahr’mans Hunger und da er all die Jahre nichts gefressen hatte wurde sein Wüten schlimmer als zuvor. Wieder liefen die Dämonen zu ihrem König und riefen: „Oh weiser Jh’taraith, befreie und von unserer Not und bringe den gefräßigen Ahr’man wieder zur Vernunft!“

Jh‘taraith hörte ihnen aufmerksam zu, nahm eine seiner Flöten und ging damit zu Ahr’man. Der gefräßige Dämonenfürst hatte soeben ein ganzes Land verschlungen und war satt. Deshalb wollte er den Dämonenkönig nicht sofort töten und sprach:

„Hinterhältiger König Jh’taraith,
du isst nichts,
du trinkst nichts,
und doch willst du unser König sein?“

„An Gefräßigkeit mag es mir vielleicht mangeln“, antwortete der listige Jh’taraith, „doch an Geschicklichkeit kann ich dich allemal schlagen. So hat mir neulich eine freche Fliege erzählt, dass der große Ahr’man nicht einmal zu der Musik einer einfachen Flöte tanzen kann.“
Da wurde Ahr’man sehr wütend und rief: „Alle Fliegen gehorchen mir und keine von ihnen würde es wagen so etwas zu behaupten.“
„Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Fliege lügt“, gab Jh’taraith zurück. „Aber offensichtlich hatte sie Recht, sonst würdest du das Gegenteil beweisen wollen.“
„Dann spiel auf einer Flöte und ich werde dazu tanzen!“, tobte der Dämonenfürst.

Da nahm Jh’taraith seine Flöte und begann zu spielen. Sofort hörte der gefräßige Ahr’man auf zu wüten und seine Beine bewegten sich zum Rhythmus der Musik, denn es war eine Flöte aus dem Horn eines Einhorns und Einhörner können jeden Dämon in den Bann schlagen. Doch Ahr’man war ein sehr mächtiger Dämon und so wusste er, dass er nicht freiwillig tanzte. Er wurde sehr böse auf Jh’taraith und schwor sich, den Dämonenkönig zu töten, sobald dieser seine Musik beenden würde. Der allwissende Jh’taraith kannte natürlich all seine Gedanken und bekam selbst schreckliche Angst vor dem gefräßigen Ahr’man. Daher beschloss er, niemals sein Flötenspiel zu beenden. Und so ist es bis heute geblieben. Noch immer spielt Jh’taraith auf seiner Einhornflöte und noch immer umtanzt ihn der gefräßige Ahr’man, beide nicht fähig, das was sie tun, jemals zu beenden.

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