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Der Meisterdieb und der Magier

(von Diamant)

Nur ein Hauch von Mondlicht scheint durch die schmale Ritze, als das fünfte Türchen sich öffnet. Lautlos wird es weiter aufgedrückt, und eine dunkle Gestalt huscht hindurch und verschmilzt mit den Schatten...

Es war einmal vor langer Zeit ein altes Männlein mit seiner Frau. Die lebten im Norden eher schlecht als recht vom Ackerbau.

Eines Tages, als das alte Männlein gerade das Tor reparierte, blieb vor dem Häuschen des alten Ehepaares eine prunkvolle Kutsche stehen. Da waren prachtvolle Zugtiere und edle Sklaven deren Schuppen im Licht der Sonne bunt funkelten.

Hinaus stieg ein Edelmann, recht prächtig anzusehen, dem nach einfacher Bauernkost gelüstete. Also wurde der Fremde vom Männlein in das ärmliche Haus geführt und das Weiblein kochte so gut es konnte. Schließlich war der reiche Mann statt und zufrieden und er fragte ob das alte Ehepaar keine Kinder hätten die ihnen halfen.

Also musste das Männlein ihm erzählen das sein ältester Sohn zu nichts recht nutze gewesen und schließlich davongelaufen war Der andere Sohn jedoch war bald darauf vom Gouverneur angeklagt und dem Kaiser, als Opfer, geschickt worden.

Da fragte der Edelmann ob sie wohl ihren verlorenen ältesten Sohn erkennen würden wenn er nun auftauchen würde. Das verneinten die Eheleute, denn es war schon viele Jahre her das er davongelaufen war.

Da erzählte ihnen der Edelmann das er ihr Sohn war. Die Eheleuten wollten es nicht so recht glauben, erst als er ihnen berichtete was nur ihr missratener Sohn wissen konnte, erkannten sie ihn und waren recht froh. Doch sie wunderten sich wie er an so viel Reichtum gekommen sei?

Also senkte er seine Stimme und erzählte seinen Eltern das er ein Meisterdieb geworden sei. Die Armen hätten nichts von ihm zu befürchten, denen wollte er eher etwas geben, doch die Reichen, auf die hatte er es abgesehen.

Das alte Ehepaar erschrak, hatte der Gouverneur doch überall seine Spione und sie wollten auch nicht noch ihren Ältesten verlieren.

Doch der Meisterdieb lächelte und beruhigte seine Eltern, er gab ihnen ein Kästchen mit einem Schatz. Dann fuhr er zum Herrscher des Bezirkes. Denn damals war es üblich das der Herrscher je dem ältesten Kinde seiner Untertanen als Geschenk zur Geburt einen Segen gab, diesen wollte er nun einlösen.

Er stellte sich dem Magier vor und erzählte ihm das er ein meisterlicher Dieb war. Natürlich hatte das der Herrscher schon vorher erfahren, doch bei dem Segen den er den Jungen gegeben hatte musste er ihm eine Chance geben sich und seine armen Eltern freizukaufen.

Da lachte der Herrscher und sagte: „An meinen Segen bin ich wohl gebunden, doch wollen wir sehen ob du wirklich ein Meisterdieb bist. Ich will dir drei Aufgaben stellen. Bewältigst du sie so mögest du deines Weges ziehen und deine Eltern in frieden leben, wenn nicht bist du und deine Familie des Todes. Als erstes sollst du die goldene Frucht aus meinem Garten stehlen.“ Da nickte der Meisterdieb und sagte: „So wie ihr es befehlt so soll es sein, morgen soll die Frucht nicht mehr da sein.“

Der Magier jedoch ließ in seinem Garten seine drei riesigen exotischen Flugschlangen frei, die jeden fressen sollten der es wagte dort hin zu gehen.

Der Meisterdieb beobachtete dies und ging zu einem Bauern. Dort kaufte er drei große alte Bovis, die kaum Milch mehr gaben und deren Fleisch zu zäh zum Schlachten war. Und als der Abend hereingebrochen war schlich der Meisterdieb mit den Tieren zum Garten des Magiers und ließ zunächst diese hinein. Da stürzten sich die Bestien darauf. Und als der Meisterdieb den Garten betrat waren die Schlangen so voll gefressen das sie sie sich nicht mehr rühren konnten. So konnte er ohne viel Mühe die goldene Frucht stehlen.

Als der Magier am nächsten Morgen aufwachte und merkte was geschehen war ärgerte er sich. Doch seine Diener beruhigten ihn, schließlich waren die Wächter nur dumme Tiere gewesen, die nächste Prüfung würde er wohl nicht schaffen. Also trat der Magier dem Meisterdieb gegenüber und sprach. „Deine erste Aufgabe hast du wohl geschafft. Doch nun sollst du meinen liebsten Echsensklaven aus dem Stall zu stehlen. Wenn dich die Wachen nicht töten wird dich das Reptil zerfleischen.“

Da willigte der Meisterdieb ein und ging seines Weges.

Am Abend holte er sich einen großen Korb voller Früchte. Er machte einen rechten Buckel und hüllte sich so sehr in schäbige Fetzen das jeder glauben musste ein altes Weiblein stände vor ihm. So ging er zu den Ställen des Magiers und tat recht als ob ihn frieren würde. Das sahen die Wachen und boten dem armen Weiblein an sich an ihrem Feuer zu wärmen.

Der Meisterdieb tat recht dankbar und bot den Männern seine Früchte an. Alle freuten sich über die saftigen süße Mahlzeit und sie langten recht zu. Doch die Früchte waren mit einem Schlafmittel versetzt und so waren die Wachen bald eingeschlafen.

Da schlich der Meisterdieb in die Ställe und fand auch den Lieblingssklaven des Magiers. Er saß in der Mitte des Raumes. Links und rechts von ihm eine Wache die eingeschlafen war je ein Seil hielt das an die Echse gebunden war.

Da schnitt der Meisterdieb dem Sklaven die Fesseln durch und flüsterte ihr Zauberworte zu. Da folgte die Echse ihm brav aus dem Schloss des Magiers.

Als dieser am nächsten Tage erfuhr was geschehen war tobte er. Da trat er dem Meisterdieb gegenüber und sprach. „Die Wachen haben sich übertölpeln lassen, doch das wird dir nun nicht mehr gelingen. Als letztes sollst du mir des Nächtens die Matratze aus dem Bette stehlen.“

Der Meisterdieb ging wieder seines Weges und als die Nacht herein brach holte er sich eine Leiter und einen frischen Toten und ging damit zum Schloss. Der Magier jedoch war gänzlich schlaflos. Da lehnte der Meisterdieb die Leiter an das Fenster zum Schlafgemach. Er zog dem Toten seine Kleider über und setzte ihn so auf seine Schultern das zunächst sein Kopf am Fenster auftauchen sollte.

So geschah es auch. Als der Magier dachte das da der Meisterdieb sei wirkte er einen Zauber auf den Toten. Da lies der Meisterdieb die Leiche auf den Boden fallen und versteckte sich unter dem Sims des Fensters. Als sich der Magier aus dem Fenster lehnte um zu sehen was mit dem Diebe sei stöhnte dieser leise als ob er im sterben liegen würde. Da sagte der Magier zu sich: „Nun muss ich nicht mehr auf die Matratze aufpassen und der Dieb liegt auch im sterben, da will ich sehen ob ich nicht noch Kraft für meine Magie aus ihm gewinnen kann.“, und stieg die Leiter hinunter.

Kaum war er mit der Leiche davon gegangen stieg der Meisterdieb auch schon fluchs in das Schlafgemach und raubte ihm die Matratze.

Als der Magier wieder in sein Gemach ging stellte er voll Schrecken fest das nun doch die Matratze fehlte.

Am nächsten Tage stand er dem Meisterdieb gegenüber. „Also hast du nun alle Aufgaben gemeistert. Du bist wirklich ein Meister deines Faches. Nun gehe deines Weges und sei sicher das deinen Eltern kein Leid geschieht. Aber komm nie wieder in mein Land.“

Da ging der Meisterdieb seines Weges und seine Eltern lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Und ob er noch andere Edelleute bestohlen hat, das ist eine andere Geschichte.

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