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Wie Shalitara den einäugigen Drachen tötete

(von Taipan)

Fernes Hufgetrappel erklingt, als sich das siebte Türchen öffnet. Doch halt, ist da nicht auch noch ein anderes Geräusch? Es klingt wie das leise Schaben von Schuppen auf Stein...

Damals, als Shalitara noch jung an Jahren war, machte sich der mutige Sawat alleine auf den Weg nach Uttarghar, um der Raani seine Aufwartung zu machen. Der Weg war voll von Räubern, hungrigen Wölfen, Löwen und Ostebors, ja sogar von schrecklichen Drachen erzählte man sich unter vorgehaltener Hand, doch Shalitara war jung und unerfahren und wollte keine Waffen mitnehmen, da sie ihn nur behindert hätten. Da rief seine besorgte Mutter: „Wenn du doch nur ein Messer mitnehmen würdest, dann könntest du dich wenigstens verteidigen!“ Doch Shalitara wollte nicht hören und ritt ohne Messer fort.

Es dauerte nicht lange, da hörte er ein böses Schnauben und neugierig wie er war, stieg er von seinem Pferd und schlich näher. Da saß vor seiner Höhle ein großer, schrecklicher Drache mit nur einem Auge und verspeiste gerade einen Holzfäller. Shalitara wollte fliehen, doch der Drache hatte ihn mit seinem einen Auge bereits entdeckt und freute sich nun auf einen weiteren schmackhaften Menschen. Mit nur wenigen Sätzen hatte er den Sawat eingeholt und wollte ihn schon verschlingen, da rief Shalitara: „Wenn ich nur auf meine Mutter gehört und ein Messer mitgenommen hätte. Dann könnte ich jetzt diesen schrecklichen Drachen töten!“
Da horchte der Drache überrascht auf. „Du glaubst“, sprach er lachend, „mich mit einem einzigen Messer töten zu können?“
„Aber natürlich!“ behauptete Shalitara furchtlos. „Doch weil ich keines habe, wirst du mich wohl jetzt gleich verschlingen.“

Die Worte des jungen Sawat erheiterten das schreckliche Ungeheuer so sehr, dass es sagte. „Halte deine Hand auf und ich werde dir eines geben. Dann werden wir ja sehen, ob du mich mit einem einzigen Messer töten kannst.“

Shalitara tat wie ihm geheißen und tatsächlich erschien in seiner Hand ein goldenes Messer. Er sah sich das Messer genauer an und rief plötzlich empört: „Aber das Messer ist ja abgebrochen!“

Das konnte der Drache nicht glauben und er wollte einen Blick auf das zerbrochene Messer werfen. Doch Shalitara nahm das Messer, das gar nicht zerbrochen war, und stieß es dem Ungeheuer in sein riesiges Auge.

Da begann der Drache furchtbar zu toben, wollte den Sawat packen und verschlingen, doch da er ihn nicht sehen konnte, war es ihm auch nicht möglich ihn zu ergreifen. Shalitara lief aber schnell zu dem toten Holzfäller, nahm seine Axt und schlug damit dem Ungeheuer den Kopf vom Hals.

Von nun an ritt Shalitara niemals unbewaffnet fort, und er hatte auch immer das goldene Messer bei sich, mit der er den einäugigen Drachen getötet hatte.

Der Sawat Shalitara ist eine berühmte Sagengestalt in Nordmeseleth, der einige ganz verwegene Abenteuer erlebt haben soll, aus denen er meist eher mit Schläue und einer großen Portion Glück (und zum Teil auch Naivität) als durch Kampfgeschick gekommen ist. Ob so eine Person jemals existiert hat, ist daher zweifelhaft (und wenn doch, dann hat diese Person wohl niemals das Leben geführt wie sein sagenhaftes Alter Ego).

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