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Vom mutigen Soldaten

(von Diamant)

Auf dem elften Türchen, das dicht von Efeu umrankt ist, sitzt ein kleiner Vogel und putzt sein Gefieder. Der Wanderer, der durch das Türchen tiefer in den nahen Wald hineingeht, sieht ihn nicht. Ja, er bemerkt nicht einmal, dass er gerade hindurchgegangen ist...

Es war einmal vor langer Zeit auf den Ostinseln ein Soldat. Dem war es recht schlecht ergangen, denn es kam die Zeit, da konnte er seinem Handwerk nicht mehr nachgehen. Nachdem er sonst nichts rechtes gelernt hatte musste er nun betteln um nicht zu verhungern. Alles was ihm geblieben war, waren ein paar feste Stiefel, die die Füße zwar warm hielten, die aber so hässlich waren, dass sie keiner haben wollte.

So kam es, dass der Soldat sich eines Tages im Wald verlief. Er irrte einen Tag herum als er einen Jägermann auch im Walde sitzen sah. Da freute sich der Soldat und eilte zu dem Mann in edlen Gewändern und glänzenden Stiefeln. Da lief er zu ihm und sagte zu sich:

„Ei, wie schön ein Jägermann, der mir den Weg hier sagen kann.“ Doch es stellte sich heraus dass der Jäger sich auch im Wald verirrt hatte und ebenso hungerte wie der Soldat. Da saßen also die beiden nebeneinander. Und der Soldat blickte auf die edlen Stiefel des Jägers und dann auf die seinen und er sagte: „Meine Stiefel mögen nicht so schön glänzen wie die Euren, aber sie haben den halben Kontinent gesehen und sie sind immer noch gut und treu. Selbst die schönen Gesänge der Shijit haben sie vernommen. Ein solch treuer Gefährte bin ich auch.“

Da lachte der Soldat und meinte weiter. „Aber nun haben wir uns beide verirrt. Gleich und gleich gesellt sich gern, lass uns zusammen den Weg hier hinaus finden.“

Da willigte der Jäger ein und sie machten sich auf.

Sie irrten wieder Tage in dem Wald herum bis sie schließlich Licht im Dunklen der Nacht sahen.

Also eilten sie dorthin wo das Licht herkam und fanden ein schönes Steinhaus mitten im Walde. Davor saß ein altes Weiblein. Da freute sich der Soldat und weil er sehr hungrig und guter Laune war sagte zu sich.

„Ein wie schön ein freundliches Weiblein das lädt uns sicher zum Essen ein.“

Doch die Alte erschrak furchtbar als sie den Soldat und den Jäger gewahr wurde und wollte sie verscheuchen. Es stellte sich heraus das sie beim Haus einer Räuberbande gelandet waren für die sie sorgen musste. Doch dann hatte die Frau mit der abgemagerten Gestalt des Soldaten Mitleid und sagte ihnen dass sie sich hinter den Ofen verstecken mussten. Sie würden dann die Reste vom Essen der Räuber bekommen.

Kaum hatten sie sich hinter den Ofen geduckt stürmten auch schon die Räuber in das Zimmer und machten sich über das köstliche Essen her.

Da wurde der Soldat so hungrig dass er zum Jäger meinte.

„Wenn uns das Magenbrummen verrät ist es viel zu spät.“ Da sprang er auf und die Räuber griffen gleich zu ihren Waffen. Doch der Soldat meinte unbeeindruckt:

„Bestimmt ist bald um mich geschehen, doch möcht vorher noch mein Magen etwas zu Essen und Trinken sehen.“ Die Räuber waren überrascht und beeindruckt von den Mut des Soldaten. Sehr wohl erkannten sie, dass es sich einst um einen Kämpfer gehandelt haben musste. Also gewährten sie ihm seinen Wunsch. Und der Soldat tat sich auch sogleich gütlich an den Speisen. Schließlich war er fast satt. Da sagte er. „Bevor mir ein Lächeln in die Kehle geschnitten wird möchte ich doch noch gern mit euch allen ein Glas Wasser auf den Fürsten leeren. Ohne seine Schätze hättet ihr wohl nicht so viel zu Essen.“ Das gefiel den Räubern, denn nur wertloses Wasser auf jemanden zu trinken galt damals als großer Hohn und sollte den Betroffenen Unglück bringen. Also holten sie behände alle Wasser und stießen mit dem Soldaten auf den Fürsten an.

Doch als sie alle tranken sang er fluchs. „Also steht ihr starr und fromm bis ich später wieder komm.“ Das war einer der Zaubergesänge die er bei den Shijit gehört und gelernt hatte.

Da konnten die Räuber nicht anders als unbeweglich stehen zu bleiben. Und der Jäger traute sich endlich mit großen Augen aus seinem Versteck hinaus.

Da gingen sie aus dem Räuberhaus hinaus, schwangen sich auf ihre Rennenten und fanden auch bald den Weg zu der Stadt. Denn die Rennenten waren den Weg gewohnt und wie von selbst gelaufen.

In der Stadt wurden sie voller Freude empfangen und der Soldat wunderte sich. „Was machen sie so einen Aufstand um einen Soldaten und einen Jägermann?“ Da erwiderte sein Weggefährte: „Weil ich der Fürst hier bin." Da erschrak der Soldat weil er doch die Räuber ein Glas Wasser auf ihn trinken liess. Doch der Fürst lachte. "Wie sollte ich dir böse sein? Du hast mein Leben gerettet, auch wenn du dachtest ich sei ein einfacher Jäger. Darum sollst du belohnt werden. Du darfst lebenslang an meinem Hofe leben, nur einen Trinkspruch möchte ich nicht von dir hören.“ Da lachte auch der Soldat und freute sich. Der Fürst machte sein Versprechen wahr und liess seinen alten Weggefährten gut bei ihm leben.

Was mit den Räubern geschah? Diese wurden von den Soldaten des Fürsten geholt und ihrer gerechten Strafe zugeführt.

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