Die Eiskönigin

(von Jerron)

Das vierzehnte Türchen besteht aus klarem Eis. Es öffnet sich hinaus auf eine frostig karge Berglandschaft. Weit und breit ist kein lebendes Wesen zu sehen. Doch was ist das? Der Wind trägt von ferne eine leise Stimme heran...

Wer kennt die Burg in Wolkenhöh'n,
wo sie regiert mit eis'ger Macht?
Ihr Antlitz grausam kalt und schön
wacht in frostig klarer Nacht.

Von Herrin Fordha klingen Lieder
von Augen deren Blick so hart,
von kalten Fingern, schlanken Gliedern –
wen sie anblickt, dessen Geist erstarrt.

Ihre Kälte betäubt Schmerzen,
formt das Antlitz ihrer Welt,
kriecht durch die Wände unsrer Herzen,
ist, was uns benommen hält.

Sich der Königin, der kalten,
zu erwehren, niemand wagt.
Wo ihrer Herrschaft Mächte walten,
jeder Mut im Geist verzagt.

Mein Herz ist ihrem ach so gleich,
seit ich verlor, die ich besessen.
Ich versteh ihr kaltes Reich,
wo Schmerz und Trauer sind vergessen.

So verfall ich ihrer Kälte,
versink im einsamen Wintertraum,
erlieg der Lockung ihrer Welten,
schwelg im Vergessen, leerer Raum.

Und so werde ich ihr Scherge
folg verzaubert ihrem Ruf.
Gleich ist mir, ob ich nun sterbe
für jene, die die Kälte schuf.

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