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Wie die Tochter des Zauberers Jh'taraith eine Seele stahl

(von Taipan)

Nun also stehen wir, die wir den ganzen Advent über täglich mitgelesen haben, zusammen vor dem letzten Türchen des Weltenbastler-Adventkalenders 2009. Mit diesem Märchen, das ein wenig länger ist, schlagen wir zugleich einen Bogen zum Anfang und treffen einen alten Bekannten aus dem ersten Türchen wieder.

Das vierundzwanzigste Türchen hat die Form eines prächtigen Tores. Der Rahmen und die beiden Flügeltüren sind aus edlen Hölzern, die Beschläge aus poliertem Eisen, und auf beiden Torflügeln sind kunstvolle Einlegearbeiten aus Kristall zu bestaunen, welche fantastische Fabelwesen und Begebenheiten aus Sagen und Legenden darstellen.
Doch wärt ihr am besten beraten, wenn ihr weder durch den rechten, noch durch den linken Türflügel geht, sondern den unscheinbaren Bediensteteneingang in der Nähe des Torrahmens nehmt...

Es war einmal ein armer Zauberer, der hatte nur ein kleines Häuschen, denn er war kein besonders guter Zauberer und nur ganz wenige Menschen suchten bei ihm Rat. Doch hatte er eine kluge Tochter, die zwar nicht zaubern konnte, von der Zauberkunst aber viel mehr verstand als er.

Eines Tages kam ein Händler, der hatte ein großes, schwarzes Buch bei sich. Und weil der Händler versprach, dass in dem Buch alle Geheimnisse über die Zauberei standen, kaufte es der Zauberer. In seiner Kammer legte er das Buch auf seinen Tisch und schlug es auf.

Da wurde es dunkel im Zimmer und das ganze Haus zitterte; Donner grollte, Blitze zuckten am Himmel und plötzlich stand vor ihm eine dunkel Gestalt mit glühenden Augen wie brennende Lampen. Das war der Dämonkönig Jh’taraith, doch der Zauberer wusste das nicht, denn Jh’taraith hatte sich verkleidet und seine vielen Flügel und sein schreckliches Gesicht versteckt.

„Großer Zauberer, der du mich rufst, hierher in deinen Palast“, begann der verkleidete Dämonenkönig, „nenne deine Wünsche, damit ich sie dir erfüllen kann! Denn du bist der würdigste Meister, dem ich je begegnet bin.“

Das schmeichelte dem armen Zauberer sehr, doch er wusste nur zu gut, dass er nicht der größte Zauberer war, wie der Dämon meinte, und so antwortete er. „Groß mag ich sein, doch der Größte bin ich nicht, obwohl dies mein Herzenswunsch ist.“

„Das kann ich ändern, denn in meinem Palast findet sich jedes magische Wissen“, sagte da der Dämon. „Du musst nur mit mir kommen und versprechen, auch dein Wissen mit mir zu teilen.“ Doch der Dämon wollte nur die Seele des Zauberers rauben, aber das wusste dieser nicht und so willigte er ein.

Da ließ der Dämonenkönig seine Verkleidung fallen, packte den Zauberer und brachte ihn in seinen Kristallpalast, wohin er all seine Opfer bringt, um ihn in eine Kristallflasche zu sperren.

Als am nächsten Tag die Tochter des Zauberers die Kammer betrat, konnte sie ihren Vater nirgends finden, doch sie entdeckte das schwarze Buch aufgeschlagen auf dem Tisch und vermutete, dass es etwas mit seinem Verschwinden zu tun hatte. Sie wickelte es in ein blaues Tuch und steckte beides in ihre Tasche. Dann machte sie sich damit auf den Weg zu einer weisen alten Frau, die ganz alleine am Waldrand lebte und von der die Leute sagten, sie rede mit den Tieren und dem Abendwind. Lange ging sie und es war bereits tiefe Nacht, als sie ihr einsames Haus erreichte. Als sie an der Tür klopfte, öffnete sie sich und das Mädchen trat ein.

Drinnen saß eine alte Frau, die ein Kleid aus Spinnenseide trug, und sang: „Früher war hier von Menschen nichts zu sehen und nichts zu spüren, jetzt aber gehen sie hier spazieren. Wohin des Weges, schönes Mägdelein?“ – „Mein Vater ist verschwunden und ich weiß keinen Rat.“ Und das Mädchen erzählte von dem Buch, das sie stattdessen gefunden hatte und zeigte es der Frau.

Die alte Frau hörte die Worte des Mädchens, ohne es zu unterbrechen, und betrachtete das schwarze Buch, ohne es zu berühren, und dann sprach sie: „Das ist eines der schwarzen Bücher, mit denen der schreckliche Dämonenkönig Jh’taraith seine Opfer in seinen Palast lockt. Wenn du deinen Vater nicht finden kannst, dann hat ihn der Dämon schon dorthin gebracht und in eine seiner Kristallflaschen gesperrt.“ – „Und wie kann ich den Palast finden und meinen Vater befreien?“ wollte die Tochter des Zauberers wissen. „Du musst in Jh’taraiths Reich gehen, was sehr schwer ist, denn es ist nicht von dieser Welt. Dann musst du seinen Palast betreten, was sehr schwer ist, denn der Dämonenkönig verschlingt jeden, der ihn betritt. Und dann muss du das Fläschchen mit deinem Vater stehlen, was sehr schwer ist, denn in Jh’taraiths Reich darf es nicht von eines Menschen Hand berührt werden, sonst zerbricht es und dein Vater ist verloren. Wo Jh’tariaths Palast liegt, weiß ich nicht, doch der Dämon jenseits des Hölzernen Waldes wird es wohl wissen. Er ist klüger als ich und lebt in einem Haus aus Holz. Doch ohne Holzschuhe, einem hölzernen Wanderstab und einer Mütze aus Holz werden dich Jh’taraiths Diener finden und fressen.“

Die alte Frau gab dem Mädchen Essen und Trinken und brachte es zu Bett. Am nächsten Morgen aber, kaum dass es hell ward, weckte sie es und sprach: „Wenn du mir dein blaues Tuch gibst, werde ich dich in Jh’taraiths Reich führen.“

Die Tochter des Zauberers gab ihr das blaue Tuch und steckte das schwarze Buch in ihre Tasche. Die alte Frau zündete daraufhin eine Kerze an, nahm sie bei der Hand und führte sie zu einem Fluss. Dort warf sie die Kerze in das Wasser, doch es war keine normale Kerze, sondern eine Zauberkerze, und so erlosch sie nicht einfach sondern brachte den Fluss zum Brennen, bis aus dem normalen Fluss ein Feuerfluss wurde, den niemand überqueren konnte, ohne sofort zu Asche zu zerfallen. Da warf die alte Frau das blaue Tuch über den Fluss und sofort wurde daraus eine Brücke, die sicher auf die andere Seite führte. Dann überreichte sie dem Mädchen drei Geschenke – ein Paar Holzschuhe, einen hölzernen Wanderstab und eine hölzerne Mütze – und gab folgenden Rat: „Wenn du in den Hölzernen Wald kommst, werden Jh’taraiths Diener versuchen dich zu fassen, aber dir kann nichts passieren, solange du diese Schuhe, den Stab und die Mütze trägst. Dann werden sie ein Lied singen. Höre ihnen gut zu, denn manchmal verraten sie wichtige Dinge über ihren König! Kommst du zum Haus des Dämons, musst du mit dem Holzstab gegen seine Tür klopfen, sonst wird er dich auffressen. Und jetzt geh und suche den Kristallpalast!“ Da betrat die Tochter des Zauberers die Brücke und ging hinüber in das Reich des Dämonenkönigs.

Auf der anderen Seite zog sie sich die Holzschuhe an, nahm den hölzernen Wanderstab in die Hand, setzte sich die hölzerne Mütze auf den Kopf und betrat Jh’taraiths Hölzernen Wald. Lange ging sie unter den riesigen Bäumen, stieg über herabgefallene Äste und mächtige Wurzeln, bis die Schuhe ganz durchlöchert waren, der Holzstab ganz brüchig und die Mütze ganz zerbeult. Die alten Bäume, die alle Jh’taraiths Diener waren, streckten ihre knorrigen Äste nach ihr aus und versuchten sie zu packen. Doch die Tochter des Zauberers trug die Holzschuhe, hielt den hölzernen Wanderstab fest in ihrer Hand und hatte die Mütze aus Holz auf dem Kopf, und so konnten sie die bösen Bäume nicht sehen und auch nicht fassen. Da begannen sie vor Ärger zu singen und die Tochter des Zauberers hörte aufmerksam zu:

„Ein Menschlein sich vor uns versteckt,
doch bald wird es vom Herrn entdeckt.
Und wenn der Meister es nicht findt,
der Mensch nicht seiner List entrinnt.
Denn in des Herren Ställelein
da stehn drei geflügelte Pferdelein.
Das eine ist ein schneller Schimmel,
den dummen Menschen wirft’s vom Himmel.
Das andre ist ein stolzer Rapp‘,
den Reiter mit den Hufen es erschlagt.
Nur auf dem alten, braunen Ross
ein Mensch entkommen kann dem Schloss.
Denn unser König Jh’taraith
sperrt Zauberer in Flaschen ein.“

Die Tochter des Zauberers war schon ganz hungrig, als sie einen Falken sah, der von den Bäumen gefangen worden war und nun verzweifelt versuchte, sich aus dem Geäst zu befreien. Das Mädchen rief: „Falke, jetzt schlag ich dich tot mit meinem Stab aus Holz und esse dich sofort auf!“
„Iss mich nicht, Tochter des Zauberers! Wenn du mich befreist, so will ich dir helfen!“
Da befreite die Tochter des Zauberers den Falken.

Der Falke sagte: „Suchst du deinen Vater im Kristallschloss des Jh’taraiths, brauchst du gute Augen. Ich will dir meine Augen geben, damit du deinen Vater auch erkennen kannst. Und brauchst du Hilfe, werden meine Untertanen zu dir eilen, denn ich bin der König der Falken.“ Daraufhin gab er ihr seine Augen und flog davon.

Am Ende des Tages erreichte die Tochter des Zauberers eine Holzhütte. Sie nahm ihren hölzernen Wanderstab und schlug damit gegen die Tür. Da zerbrach der Stab und die Schuhe und die Mütze zerfielen zu Staub. Doch die Tür öffnete sich, und das Mädchen trat ein.

Drinnen saß ein Dämon, der bestand ganz aus Eisen und war so groß, dass er die ganze Hütte ausfüllte. „Pfui, pfui, pfui! Früher war hier von Menschen nichts zu sehen und nichts zu spüren, jetzt aber gehen sie hier spazieren. Wohin des Weges, schönes Mägdelein?“ – „Einst nahm der Dämon Jh’taraith meinen Vater mit sich. Jetzt gehe ich umher und suche seinen Kristallpalast, um ihn zu befreien.“ – „Ich weiß nicht, wo Jh’taraiths Kristallpalast liegt, doch mein älterer Bruder wird es wohl wissen. Er ist klüger als ich und lebt jenseits der Eisensteppe in einem Haus aus Eisen. Doch ohne Eisenschuhe, einem eisernen Wanderstab und einer Mütze aus Eisen werden dich Jh’taraiths Diener finden und fressen.“

Der Dämon gab dem Mädchen Essen und Trinken und brachte es zu Bett. Am nächsten Morgen aber, kaum dass es hell ward, weckte er es und überreichte ihm drei Geschenke – ein Paar Eisenschuhe, einen eisernen Wanderstab und eine Mütze aus Eisen– und gab folgenden Rat: „Wenn du in die Eisensteppe kommst, werden Jh’taraiths Diener versuchen dich zu fassen, aber dir kann nichts passieren, solange du diese Schuhe, den Stab und die Mütze trägst. Dann werden sie ein Lied singen. Höre ihnen gut zu, denn manchmal verraten sie wichtige Dinge über ihren König! Kommst du zum Haus meines Bruders, musst du mit dem Eisenstab gegen seine Tür klopfen, sonst wird er dich auffressen. Und jetzt geh und suche den Kristallpalast!“

Die Tochter des Zauberers zog sich die Eisenschuhe an, nahm den eisernen Wanderstab in die Hand, setzte sich die eiserne Mütze auf den Kopf und betrat Jh’taraiths Eisensteppe. Lange ging sie über die Steppe, lief durch Gras aus Eisen, bis die Eisenschuhe ganz durchlöchert waren, der Eisenstabstab ganz brüchig und die Eisenmütze ganz zerbeult. Die bösen Eisengräser, die alle Jh’taraiths Diener waren, reckten ihre Eisenhalme und versuchten sie zu ergreifen. Doch die Tochter des Zauberers trug die Eisenschuhe, hielt den eisernen Wanderstab fest in ihrer Hand und hatte die Mütze aus Eisen auf dem Kopf, und so konnten die Eisengräser sie nicht sehen und auch nicht festhalten. Da begannen sie vor Ärger zu singen und die Tochter des Zauberers hörte aufmerksam zu:

„Ein Menschlein sich vor uns versteckt,
doch bald wird es vom Herrn entdeckt.
Und wenn der Meister es nicht find,
der Mensch nicht seiner List entrinnt.
Denn in des Meisters Kämmerlein
da stehn des Nachts drei Bettelein.
Das eine Pelz mit Gold bestickt,
ein Mensch darin sofort erstickt.
Das andre ganz aus Seide ist,
es in der Nacht den Schläfer frisst.
Doch das aus Holz mit Stroh darin,
nur dort ein Mensch auch Ruhe findt.
Denn unser König Jh’taraith
sperrt Zauberer in Flaschen ein.“

Die Tochter des Zauberers war schon ganz hungrig, als sie eine Patinkatze sah, die sich in den Eisengräsern verfangen hatte und nun verzweifelt versuchte, sich zu befreien. Das Mädchen rief: „Katze, jetzt schlag ich dich tot mit meinem Stab aus Eisen und esse dich sofort auf!“
„Iss mich nicht, Tochter des Zauberers! Wenn du mich befreist, so will ich dir helfen!“
Da befreite die Tochter des Zauberers die Patinkatze.

Die Patinkatze sagte: „Suchst du deinen Vater im Kristallschloss des Jh’taraiths, brauchst du gute Ohren. Ich will dir meine Ohren geben, damit du deinen Vater auch hören kannst, wenn er nach dir ruft. Und brauchst du Hilfe, werden meine Untertanen und ich zu dir eilen, denn ich bin der König der Patinkatzen.“ Daraufhin gab er ihr seine Ohren und lief davon.

Am Ende des Tages erreichte die Tochter des Zauberers ein Eisenhaus. Sie nahm ihren eisernen Wanderstab und schlug damit gegen die Tür. Da zerbrach der Stab und die Schuhe und die Mütze zerfielen zu Staub. Doch die Tür öffnete sich, und das Mädchen trat ein.

Drinnen saß ein Dämon, der bestand ganz aus Kristall und war so groß, dass er das ganze Haus ausfüllte. „Pfui, pfui, pfui! Früher war hier von Menschen nichts zu sehen und nichts zu spüren, jetzt aber gehen sie hier spazieren. Wohin des Weges, schönes Mägdelein?“ – „Einst nahm der Dämon Jh’taraith meinen Vater mit sich. Jetzt gehe ich umher und suche seinen Kristallpalast, um ihn zu befreien.“ – „Ich weiß, wo Jh’taraiths Kristallpalast liegt, nämlich auf der anderen Seite des Kristallgebirges. Doch ohne Kristallschuhe, einem kristallenen Wanderstab und einer Mütze aus Kristall werden dich Jh’taraiths Diener finden und fressen.“

Der Dämon gab dem Mädchen Essen und Trinken und brachte es zu Bett. Am nächsten Morgen aber, kaum dass es hell ward, weckte er es und überreichte ihm drei Geschenke – ein Paar Kristallschuhe, einen kristallenen Wanderstab und eine Mütze aus Kristall – und gab folgenden Rat: „Wenn du in das Kristallgebirge kommst, werden Jh’taraiths Diener versuchen dich zu erschlagen, aber dir kann nichts passieren, solange du diese Schuhe, den Stab und die Mütze trägst. Dann werden sie ein Lied singen. Höre ihnen gut zu, denn manchmal verraten sie wichtige Dinge über ihren König! Wenn du den Kristallpalast erreichst, musst du mit dem Kristallstab gegen die Tür klopfen, sonst wird dich Jh’taraith sofort auffressen. Und jetzt geh und suche den Kristallpalast!“

Die Tochter des Zauberers zog sich die Kristallschuhe an, nahm den kristallenen Wanderstab in die Hand, setzte sich die Mütze aus Kristall auf den Kopf und bestieg Jh’taraiths Kristallgebirge. Lange kletterte sie über Felsen aus Kristall, sprang über Schluchten aus Kristall, bis die Kristallschuhe ganz durchlöchert waren, der Kristallstabstab ganz brüchig und die Mütze aus Kristall ganz verbeult. Die Kristallfelsen, die alle Jh’taraiths Diener waren, stürzten sich von den Bergen und versuchten sie zu erschlagen. Doch die Tochter des Zauberers trug die Kristallschuhe, hielt den kristallenen Wanderstab in ihrer Hand und hatte die Mütze aus Kristall auf dem Kopf, und so konnten sie die bösen Kristallfelsen nicht sehen und auch nicht treffen. Da begannen sie vor Ärger zu singen und die Tochter des Zauberers hörte aufmerksam zu:

„Ein Menschlein sich vor uns versteckt,
doch bald wird es vom Herrn entdeckt.
Und wenn der Meister es nicht find,
der Mensch nicht seiner List entrinnt.
Denn in des Königs Zimmerlein
da stehn am Tisch drei Tellerlein.
Wer Speisen aus dem goldenen isst,
sein Magen bald voll Gifte ist.
Und wenn man sich zum silbern setzt,
Jh’taraith das Besteck auf einen hetzt.
Nur Speise auf dem hölzernen Tellerlein
schmecken auch für Menschen richtig fein.
Denn unser König Jh’taraith
sperrt Zauberer in Flaschen ein.“

Die Tochter des Zauberers war schon ganz hungrig, als sie einen Affen sah, der unter Kristallsteinen begraben war und nun verzweifelt versuchte, sich zu befreien. Das Mädchen rief: „Affe, jetzt schlag ich dich tot mit meinem Stab aus Kristall und esse dich sofort auf!“
„Iss mich nicht, Tochter des Zauberers! Wenn du mich befreist, so will ich dir helfen!“
Da befreite die Tochter des Zauberers den Affen.

Der Affe sagte: „Suchst du deinen Vater im Kristallschloss des Jh’taraiths, brauchst du geschickte Hände. Ich will dir meine Hände geben, damit du deinen Vater auch befreien kannst, wenn du ihn findest. Und brauchst du Hilfe, werden meine Untertanen und ich zu dir eilen, denn ich bin der König der Affen.“ Daraufhin gab er ihr seine Hände und sprang davon.

Am Ende des Tages erreichte die Tochter des Zauberers Jh’taraiths Kristallpalast. Sie nahm ihren kristallenen Wanderstab und schlug damit gegen die Kristalltür. Da zerbrach der Stab und die Schuhe und die Mütze zerfielen zu Staub. Doch die Tür öffnete sich und das Mädchen trat ein.

Drinnen saß der Dämonenkönig Jh’taraith auf seinem Thron ganz aus Kristall. Er hatte seine Verkleidung nicht an, und so sah er ganz schrecklich aus mit seinen vielen Flügeln und dem grässlichen Gesicht.

Der Dämonenkönig war zornig, denn er hatte großen Hunger, doch das Mädchen hatte mit dem Kristallstab geklopft und so konnte er es nicht einfach fressen. Da sagte er: „Früher war hier von Menschen nichts zu sehen, nichts zu spüren, jetzt aber gehen sie hier spazieren. Wohin des Weges, schönes Mägdelein?“ – „Einst nahm der große Dämonkönig Jh’taraith meinen Vater mit sich. Jetzt gehe ich umher in seinem schönen Land und suche seinen prächtigen Kristallpalast.“ Das Mädchen sagte aber nicht, dass es ihren Vater befreien wollte.

Jh’taraith fühlte sich geschmeichelt von den Worten und sagte: „Dann musst du nicht mehr suchen, denn ich bin der große Jh’taraith und das ist mein Kristallpalast. Aber sage mir, schöne Mägdelein, warum ließen dich meine Diener durch meinen Wald?“ – „Ich zeigte ihnen meine hübsche Mütze.“

„Und warum hielten sie dich nicht in meiner Eisensteppe auf?“ – „Ich zeigte ihnen meine schönen Schuhe.“

„Aber wie bist du an meinen Wächtern im Kristallgebirge vorbeigekommen?“ – „Ich zeigte ihnen meinen neuen Stab.“

Das verwunderte den Dämonenkönig, denn das Mädchen vor ihm trug keine Schuhe, hielt keinen Stab in der Hand und hatte keine Mütze auf dem Kopf. Doch weil er hungrig war, führte er es in den Speisesaal. Dort standen auf einer prächtigen Tafel drei Teller. Das erste war ganz aus Gold und in ihm lagen Speisen, die nur einem König würdig waren. Im zweiten, dem silbernen, sah waren hingen Speisen, die auch der verwöhnteste Kaufmann nicht ausgeschlagen hätte. Doch im dritten, dem Teller aus Holz, lag nur eine Scheibe altes, trockenes Brot, die nur ein hungriger Bettler für ein köstliches Mahl gehalten hätte. Doch das Mädchen erinnerte sich an den Gesang der Kristallfelsen, setze sich zum hölzernen Teller und begann das Brot zu essen.

Jh’taraith wurde zornig, denn auch er konnte aus dem goldenen und silbernen Teller nicht ohne Gefahr speisen und musste daher an diesem Abend hungern.

Als die Sonnen unterging, führe der Dämonenkönig das Mädchen in eine Kammer. Dort standen drei Betten. Das erste war ganz aus Gold mit den wertvollsten Pelzen, in dem selbst der verwöhnteste König Ruhe gefunden hätte. Das zweite war von feinster Seide und hätte auch den reichsten Kaufmann in den Schlaf getragen. Doch im dritten, einem Bett aus billigem Holz, befand sich nur etwas Stroh, gerade gut genug für einen armen Bettler. Doch das Mädchen erinnerte sich an den Gesang der Eisengräser und legte sich in das Strohbett, als Jh’taraith gegangen war. Viele Stunden lag sie wach, denn Schlaf konnte es keinen finden.

Als es völlig dunkel war, schlich sich das Mädchen aus der Kammer und machte sich auf die Suche nach ihrem Vater. Doch so viel es auch suchte, es konnte ihn weder sehen noch hören und Mitternacht war schon lange vorbei. Da erinnerte sich die Tochter des Zauberers an das Geschenk der Patinkatze und sie nahm deren Ohren und lauschte. Da konnte sie ihren Vater rufen hören und bald hatte sie einen großen Saal gefunden. Darin waren tausend Reihen, jede Reihe mit tausend Regalen, und auf jedem Regal standen tausend zerbrechliche Fläschchen, und in jedem einzelnen war ein Zauberer eingesperrt.

Da begann sie zu suchen, doch es waren zu viele Fläschchen und sie konnte ihren Vater unter ihnen nicht entdecken und der Mond ging gerade unter. Da erinnerte sie sich an das Geschenk des Falken, nahm die Falkenaugen und sah sich um. Und tatsächlich entdeckte sie ihren Vater in einer Flasche, ganz versteckt in einer Ecke. Schon wollte sie die Flasche ergreifen, da erinnerte sie sich an die Worte der weisen Frau und so nahm sie die Hand des Affen und steckte damit das Fläschchen mit ihrem Vater in ihre Tasche, denn die Hand eines Affen ist nicht menschlich.

Daraufhin schlich sie hinunter in Jh’taraiths Stall, wo sie drei geflügelte Pferde fand. Das erste war ein Schimmel mit langen Beinen und kräftigen Schwingen, das schneller als alle Pferde war. Das zweite war ein Rappe von so edler Gestalt, dass nicht einmal der König würdig gewesen wäre auf ihm zu reiten. Doch das dritte, ein braunes, war so alt und klapprig, dass sich nicht einmal der ärmste Bettler darauf hätte setzen wollen. Doch das Mädchen erinnerte sich an das Lied der Wächter im Hölzernen Wald und setzte sich auf den Braunen. Und gerade als die Sonne aufging, verließ das Mädchen auf seinem Rücken Jh’taraiths Kristallpalast.

Als die Sonne aufging, erwachte auch Jh’taraith aus seinem Schlaf und ging zum Zimmer des Mädchens, weil er glaubte eines der Betten hätte es getötet. Doch er fand sie weder tot noch lebendig, und daher ging er in den Kristallsaal, wo er sofort den Diebstahl bemerkte.

Da wurde er rasend vor Zorn und eilte in seinen Stall, um die Diebin auf dem Rücken des Pferdes einzuholen, doch das Mädchen hatte den Braunen gestohlen und die anderen waren auch für ihn zu gefährlich, um sie zu reiten. Da breitete er seine vielen Flügel aus und folgte so dem Mädchen.

Die Tochter des Zauberers ritt auf dem geflügelten Pferd und hatte gerade das Kristallgebirge erreicht, als sie Jh’taraith kommen hörte. Da rief sie: „König der Affen, hör meine Not! Hilfst du mir nicht, bin ich bald tot.“ Da erschien der König der Affen und mit ihm kamen alle Affen seines Königreichs, und sie stürzten sich auf Jh’taraith, um ihn zu beißen, zu kratzen und festzuhalten. Da tobte der grässliche Dämonenkönig und schlug mit seinen vielen Flügen um sich, bis er alle Affen abgeschüttelt hatte, doch das Mädchen konnte entkommen und gab dem König der Affen zum Dank die Hände zurück.

Die Tochter des Zauberers ritte weiter auf dem geflügelten Pferd und hatte gerade die Eisensteppe erreicht, als sie Jh’taraith wieder kommen hörte. Da rief sie: „König der Katzen, hör meine Not! Hilfst du mir nicht, bin ich bald tot.“ Da erschien der König der Patinkatzen und mit ihm kamen alle Patinkatzen seines Königreichs, und sie stürzten sich auf Jh’taraith, um ihn zu beißen, zu kratzen und festzuhalten. Da tobte der grässliche Dämonenkönig und schlug mit seinen vielen Flügeln um sich, bis er alle Patinkatzen abgeschüttelt hatte, doch das Mädchen konnte entkommen und gab dem König der Patinkatzen zum Dank die Ohren zurück.

Die Tochter des Zauberers ritt weiter auf dem geflügelten Pferd und hatte gerade den Hölzernen Wald erreicht, als sie Jh’taraith wieder kommen hörte. Da rief sie: „König der Falken, hör meine Not! Hilfst du mir nicht, bin ich bald tot.“ Da erschien der König der Falken und mit ihm kamen alle Falken seines Königreichs, und sie stürzten sich auf Jh’taraith, um ihn zu beißen, zu kratzen und festzuhalten. Da tobte der grässliche Dämonenkönig und schlug mit seinen vielen Flügeln um sich, bis er alle Falken abgeschüttelt hatte, doch das Mädchen konnte entkommen und gab dem König der Falken zum Dank die Augen zurück.

Die Tochter des Zauberers ritt weiter auf dem geflügelten Pferd und hatte gerade den Feuerfluss erreicht, als sie Jh’taraith wieder kommen hörte. Doch nun gab es niemanden, der ihr helfen hätte können und der Dämonenkönig hatte sie schon fast eingeholte. Da griff sie in ihre Tasche, zog das schwarze Buch heraus und warf es in den Feuerfluss. Als das Buch in die brennenden Fluten des Feuerflusses fiel, fing es Feuer und zerfiel zu Asche. Und da fing auch der grässliche Dämonenkönig zu Feuer und zerfiel zu Asche. Das Mädchen konnte nun auf dem geflügelten Pferd sicher den Feuerfluss überqueren und schließlich hatte sie Jh’taraiths Reich verlassen.

Zu Hause, wo Jh’taraiths Zauber keine Macht mehr über die Kristallfläschchen hatte, öffnete die Tochter des Zauberers das Fläschchen und da stand wieder ihr Vater vor ihr, als ob er nie fort gewesen wäre.

Das alte, braune geflügelte Pferd blieb bei dem Zauberer und seiner Tochter für ein Jahr und einen Tag und war trotz seines Alters seinen neuen Besitzern ein eifriger und wertvoller Diener. Doch eines Nachts öffnete jemand die Stalltür, führte es hinaus und ritt auf seinem Rücken davon. Die Leute von der Straße erzählten sich, dass der Dieb viele Flügel hatte und einem Zimmermann ein verkohltes Buch in die Hand drückte. Alle, der Dieb, der Zimmermann und das geflügelte Pferd, wurden nie wieder gesehen.

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