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© Andreas Prudzilko (Mendrik)

Eine Rollenspielwelt ohne Karte ist undenkbar. Wer schon einmal sein eigenes Rollenspiel entwickelt hat weiß, dass man zumindest eine grobe Skizze der Länder braucht, um darauf eine Welt aufzubauen.

Es existieren eine Menge unterschiedlicher Typen, Stilrichtungen von Karten und in der Herstellung sind sie sehr unterschiedlich. So gibt es mit Tusche gezeichnete Karten, wie man sie auf den ersten Seiten etlicher Fantasyromane findet, oder farbige Meisterwerke, bekannt aus so manchem kommerziellen Produkt. Von den alten Karten der echten Kartenmeister und Navigatoren, die jedes ihrer Werke mit Figuren und Verzierungen versehen haben, wollen wir hier mal ganz absehen. Hier geht es um die Erstellung von Karten, auf dem Computer.

An dieser Stelle will ich Euch zeigen wie man mit Corels Photopaint™ ansehnliche Karten in kurzer Zeit erstellen kann. Das Programm ist in Verhältnis zu anderen Grafikprogrammen in den älteren Versionen (7er und bald auch 8er) recht günstig zu bekommen. Bereits ab der Version 7.0 verfügte es über die hier benötigten Features.

Ich möchte auf ein paar Dinge schon im Vorfeld hinweisen. Zum einen wird jede derart erstellte Karte umso besser, je mehr Zeit man investiert. So kann man viele Dinge mit Fraktalfiltern bewerkstelligen - dies hat aber den Nachteil, dass man z.B. Wälder nicht gezielt auf die Karte setzen kann oder dass Landhöhenunterschiede dem Zufall überlassen werden.

Ich setzte an mancher Stelle voraus, dass man Photopaint halbwegs benutzen kann, und weiß was z.B. eine Maske ist oder wie man sie bearbeiten kann. Aber nun lasst uns beginnen. Wer Fragen hat, der kann sie an mich oder die X-Zine Redaktion stellen.

Der Untergrund

Zuallererst braucht man einen passenden Untergrund für das Land. Hierbei ist es wichtig, dass die Farbgebung und Detaildichte stimmt. Macht man jetzt grobe Fehler, lassen sich diese nur schwer wieder beheben und die Karte sieht dann entweder trostlos oder aber zu steril aus, wie es Computergrafik so an sich hat.

Ein sehr wichtiges Hilfsmittel sind die Fraktalfilter von Corel, welche recht einzigartig unter den Grafikprogrammen sind. Selbst Adobes Photoshop™ verfügt nicht über diese Vielfalt. Hierbei sucht man sich am besten Füllmuster aus, die an natürliche Materialien erinnern. Meiner Erfahrung nach ist es besser, mehrere unterschiedliche Füllmuster, in erdigen bis grünen Tönen mit verschiedenen Transparenzen übereinander zu legen. Probiert erst mal ein wenig herum. Nach einigen Versuchen werdet ihr vielleicht etwa das folgende Bild erhalten.


Die Auflösung sollte von Anfang an möglichst groß gewählt werden (1000x1000 Pixel und mehr), denn es ist immer Vorteilhaft genügend Originalresourcen zu haben. Karten kann man im Nachhinein immer verkleinern, vergrößern leider nicht (ohne die Qualität zu verschlechtern). Ich wähle die Kartengrößen meistens so zwischen 5 bis 15 MB. Alles darüber hinaus macht das Arbeiten zur Geduldsprobe. Die Bilder hier sind auf 40% verkleinert. Dies wird aber auch keine richtige Karte werden, es soll eben nur die einzelnen Arbeitsschritte erklären.

Wie wir an dem oberen Bild sehen, wirkt das Land noch recht dunkel. Auch hat man das Gefühl, das es zu sehr ins Gräuliche abdriftet. Dies kann man mit Farbgebung ausgleichen. Fügt man einige Gelbanteile und wenige Rotanteile hinzu, wirkt das Bild gleich um einiges lebendiger, wie man im Folgenden sieht:


Der Landumriss (Meer und Land)

Normalerweise beginne ich immer damit die Landumrisse zu gestalten und es anschließend mit Texturen zu füllen. Dazu muss man erst einmal eine passende Maske erstellen. Wichtig ist auch, dass man die Masken immer mit eindeutigem Namen speichert, um sich später besser zurecht zufinden. Den Landumriss kann man auf verschiedene Arten erstellen. Zum einen ist natürlich die Möglichkeit da diesen zu zeichnen. Dies ist mit der Computermaus aber ein Graus, wer aber ein Grafiktablett sein eigen nennt, für den wird es ein leichtes sein. Bei der Erstellung von Masken gehen wir immer wie folgt vor:

Man wählt den Punkt "Maske bearbeiten" und befindet sich anschließend auf einem weißen Blatt Papier. Masken werden als Graustufenbilder gespeichert, wobei Schwarz 100%ige Transparenz bedeutet und Weiß komplett deckt. Hier kann man wieder die besagten Füllmuster verwenden, wobei für Landumrisse nur wenige in Frage kommen. Da diese noch oft Graustufen oder Flecken enthalten, müssen diese erst einmal entfernt werden. Dies geschieht dadurch, dass man das Maskenbild auf zwei Farben reduziert (Schwarz und Weiß). Als nächstes lässt man noch einen Directionalsmooth (wegen Antialiasing) darüber laufen, evtl. mehrmals und kehrt wieder zur Bildbearbeitung zurück. Diese Maske speichern wir, invertieren sie und speichern sie abermals, nun aber als Meer. Jetzt füllt man die Meermaske und erhält etwa das folgende Bild:


Berge und Gebirge

Als nächstes werden Berge erstellt. Im Folgenden sieht man auch sehr schön wie ein Maskenbild aussieht. Dieses habe ich einfach mit Airbrush hingesprüht, an diese Stelle wo später die Berge sein sollen. Damit das spätere Bild nicht zu collagiert aussieht, bearbeiten wir die Maske noch mit einem großzügig gewähltem Gaußunscharffilter. Damit werden die Ränder wirklich weich. Da man aber oft nicht sieht wo die Maske nun im Bild liegt - ohne dauernd hin- und her zu schalten, kann man alternativ die Maske auch direkt auf das Bild malen. Entsprechendes Werkzeug ist in der Toolleitste zu finden.


Füllt man jetzt den Maskenbereich mit einem Muster, das "irgendwie" felsig aussieht erhalten wir folgendes Bild.


Leider kann man jetzt noch nicht erkennen, dass dies mal die Berge werden und da Corel nun mal keine echten 3D Füllmuster beherrscht müssen wir dies von Hand erledigen oder entsprechende Bergfragmente aus Programmen wie Bryce importieren, wobei ich hiermit nur schlechte Erfahrungen gemacht habe, da das Ergebnisse nicht sehr homogen wirkt. Die im Folgenden vorgestellte Methode hat aber auch einen Nachteil: die Berge wirken sehr rund.

Man nimmt das Airbrushtool mit weißer Farbe und sprüht je nach Lichteinfall die entsprechenden Regionen heller und mit schwarzer Farbe macht man entgegengesetzt die Schatten. Vergeßt aber nicht vorher die Maske auszuschalten und zeichnet nicht in das Meer hinein. Da der Airbrush sehr viel Struktur aus dem Bild nimmt müssen wir einen kleinen Trick anwenden: seit Version 9 gibt es bei Photopaint einen Filter Elephantskin. Dieser zieht feine farbige (am besten Schwarz) Risse in das Bild. Damit erhalten die Berge ihren Detailreichtum zurück.

Speichert immer wieder zwischendurch ab, nur für den Fall, daß es mal nichts wird. Ist man fertig, so liegt folgendes Ergebnis vor:


Die Küste

Als nächstes gestalten wir die Küste und das Meer etwas ansehlicher. Dazu nimmt man die Meermaske dehnt sie um einige Pixel aus und läßt einen großzügigen Gaußfilter darüber. Anschliessend kehrt man zur Bildbearbeitung zurück und zieht die Landmaske ab (das kleine Minuszeichen drücken und Landmaske laden). Wenn man die Maske nun betrachtet sieht sie ca. so aus:


Jetzt erhellt man das ganze Bild, wobei natürlich nur die weißen Stellen der Maske betroffen sind. Analog dazu verfährt man mit dem Land und bekommt folgendes Bild:


Von Hand zeichnen wir noch einige Flüsse in der Farbe des Meeres ein. Man kann die Flüsse aber auch zuerst als Maske zeichnen und mit dem Boss-Filter tieferlegen. (Was ich damit meine sehen wir noch an dem See der später dazukommt.)


Wälder

Die Wälder gut zu platzieren ist sehr schwierig und aufwendig. Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen diese Regionen von Hand einzuzeichnen und alles was nicht von Wald bedeckt wird von der Maske abzuziehen, sprich die Bergmaske, die Meermaske und die Küstenmaske. Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass Wälder besser aussehen wenn sie einen scharfen Rand haben, muss man das Maskenbild wieder auf 2 Farben reduzieren.

Vorher wendet aber man noch einen schönen Trick an: man lässt über die Waldregionen einen kleineren Gaußfilter und reduziert erst danach das Maskenbild auf zwei Farben. Dies hat den Vorteil, dass die Waldregionen sehr runde Formen annehmen:


Die nächste Hürde ist die Wahl der Waldtextur. Glaubt mir - diese ist echt schwer zu finden. Probiert einfach mal ein wenig herum. Hierbei zeigt sich auch, wie wichtig es ist, dass die erste Farbwahl beim Grundboden richtig gewählt wird. Wer zuviel Grün investiert hat, bekommt nun schlechte Kontraste zum Wald der ja zwangsläufig grün sein sollte. Über den Wald kann man noch wahlweise einen Bossfilter anwenden, dann stehen die Waldregionen etwas hervor. Achtet darauf, dass das Licht bei allen Filtern immer nur von einer Seite fällt. Macht ihr irgendwas falsch, erweckt ihr den Eindruck, die Wälder würden im Land einsinken anstatt hervorzustehen. Schattiert die Wälder noch nach, damit sie nicht so in der Luft schweben. Ich habe hier auf diesen Schritt kurzerhand verzichtet.


An vorletzter Stelle muß man nur noch den Kleinkram einfügen, sprich Städte, Straßen, Seen usw.. Ich habe für diese Karte gerade mal eine Stunde gebraucht, aber bedenkt, daß die Zeit exponential zunimmt, je größer die Karte ist und je mehr Details rein kommen. Aber die Mühe lohnt sich!


Ein See

Um einen See zu erstellten, wählt man wieder eine passende Maske und füllt sie blau. Diese dehnt man etwas aus und lässt einen invertierten Boss-Filter darüber laufen. Der Bossfilter ist etwas nervig in der Handhabung. Also wenn ihr das Gefühl habt, es ändert sich nichts am Bild, so stellt den Höhen- und Breitenbereich etwas runter, reguliert die Glätte, die Schärfe sowie die Lichtintensität. Wenn ihr eine zufriedenstellende Kombination habt, speichert sie ab. Man wird sie immer wieder brauchen.


Leider sieht die Karte noch etwas eintönig aus. Um dem anzuhelfen habe ich in etwas übertriebener Form ein paar Lichtquellen über dem Bild platziert. Dies verleiht dem Land unterschiedliche Nuancen und füllt es mit Atmosphäre.


So das wars. Ich kann an dieser Stelle wirklich nur einen kleinen Abriß zeigen; den Umgang mit dem Programm muß sich jeder selbst mühsam erarbeiten. Und laßt Euch nicht demotivieren, wenn die ersten 20 Karten nichts werden sollten. Ich mache diese schon seit vier Jahren und entdecke immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund bin ich überzeugt, daß jeder von Euch seinen eigenen Weg finden wird eine schöne Karte zu erstellen. Ich hoffe denoch Euch in die richtige Richtung gewiesen zu haben und vielleicht könnt ihr den einen oder anderen Tipp gut verwerten.