Community > Adventskalender > Adventskalender 2010 > Captain Weißsteins Gewürze

Captain Weißsteins Gewürze

(von dat Ly)

Mit dem leicht wiegenden Gang von jemandem, der einen Großteil seines Lebens an Bord eines Schiffes verbracht hat, schlängelt sich ein Mann durch das emsige Gewusel am Hafen, der kundige Blick auf seine Kleidung verrät seinen Kapitänsrang. Er wirft einen letzten Blick auf sein geliebtes Schiff, und schreitet dann entschlossen durch das Türchen mit der Nummer Dreiundzwanzig…

Captain Nathaniel Weißstein war auf dem Weg zu Meister Dorian – einer seiner größten Abnehmer.
Normalerweise kam Meister Dorian oder einer seiner engsten Vertrauten immer zu ihm in den Hafen, um die Ware zu begutachten und anschließend sorgfältig auszuwählen, denn Nathaniel betrat nur ungern festen Boden.
Doch im Laufe der letzten Jahre hatte ihn der Konditormeister seiner Majestät nun schon so oft eingeladen, ihn zu besuchen und von seinen Köstlichkeiten zu probieren, dass er ein weiteres Mal nicht mehr absagen konnte, ohne ihn zu verlieren – das hatte er deutlich in Meister Dorians Augen gesehen, als er vor ein paar Tagen auf seinem Schiff gewesen war, um Gewürze und Nüsse von ihm zu kaufen.
Seine Augen leuchteten jedes Mal wie die eines Kindes, wenn er die vollbeladenen Laderäume der kleinen Windpfeil betrat, in denen es verführerisch nach allen möglichen Gewürzen, exotischen Früchten und erlesenen Alkoholika roch.
Immer wieder fragte sich Nathaniel, wie dieser kindliche Mann es geschafft hatte, der Konditormeister König Tirams zu werden.
Sicher – Meister Dorian war ein harter Verhandlungspartner, wenn es um die Preise seiner Waren ging, aber ansonsten fiel es Nathaniel schwer, dem kleinen, rundlichen Mann echten Respekt entgegen zu bringen.

Die Sonnenuhren der Stadt zeigten die gelbe Spanne an, als er den Regenbogenpalast endlich erreicht hatte – zur roten Spanne war er aufgebrochen.
Es war eine mühsame Plackerei, sich vom Hafen die Klippen hinauf zu kämpfen und anschließend drei der insgesamt fünf schwebenden Inseln zu überqueren, bevor man den Palast erreichte.
Nicht zum ersten Mal fragte sich Nathaniel, wie es Edador geschafft hatte, zum Mittelpunkt der Welt zu werden, wenn man bedachte, wie lang und schwierig die Wege waren. Eine Antwort darauf hatte er noch nicht gefunden.

Er hatte schon viel vom legendären Regenbogenpalast gehört, aber als er ihn zum ersten Mal mit eigenen Augen sah, traute er ihnen kaum. Der Palast bestand aus sechs gewaltigen Türmen, die mindestens zweimal so hoch wie der Hauptmast seiner Windpfeil waren.
Sie markierten die Eckpunkte eines riesigen Hexagons, in dessen Mitte, scheinbar frei in der Luft schwebend, sich ein weiterer – weitaus kleinerer – Turm befand.
Erst wenn man genau hinsah, erkannte man die nahezu durchsichtigen Querstreben, mit denen der innere Turm mit den äußeren Türmen verbunden war.

Da Nathaniel nicht genau wusste, wo sich Meister Dorian im Palast aufhielt, fragte er die Wachen am ersten Palastturm, den er erreichte. Diese schickten ihn zwei Türme weiter, und so lief er ihm Schatten des inneren Turms zum Turm des Zuckermeisters.
Zunächst wollten ihn die dortigen Wachen nicht passieren lassen, weil sie ihn nicht kannten und sein Kommen auch nicht angekündigt gewesen war, doch wie es der Zufall wollte, kam Meister Dorians rechte Hand Pakleil gerade aus der Stadt zurück und nahm ihn mit ins Innere des gewaltigen Turmes.
Nathaniel war zunächst verwirrt, dass Pakleil nicht die Treppe ansteuerte, die offensichtlich in die oberen Stockwerke führte, sondern stattdessen auf eine der Wände zuging.

„Meister Dorian hat zwar viel zu tun, aber ich denke, er wird sich sehr über euren Besuch freuen. Kommt ihr?“ fragte ihn der junge Mann, nachdem er keine Anstalten machte, ihm zu folgen. Mit einem Schulterzucken beeilte sich Nathaniel, den jungen Mann einzuholen, und erst da entdeckte er hinter einem Vorsprung den Absatz einer weiteren Treppe.
„Die Gute-Geister-Treppe!“ zwinkerte Pakleil ihm amüsiert zu und verschwand in den Windungen der Treppe, die sich spiralförmig an der Außenwand nach oben schraubte.
Missmutig folgte Nathaniel ihm – hörte die Plackerei an Land denn überhaupt nicht mehr auf?
Er wünschte sich, er hätte sein Schiff nie verlassen.
In dumpfe Gedanken vertieft, rannte er schließlich in Pakleil hinein, der stehen geblieben war, um auf Meister Dorians Gast zu warten.
„Hier entlang!“ meinte er höflich, nachdem er Captain Weißstein aufgefangen und ihn davor bewahrt hatte die Treppe hinunter zu stürzen.
Pakleil deutete auf einen breiten Durchgang, der einen Schritt in die Wand führte und dann vor einer milchigen, durchscheinenden Wand endete, hinter der vage Schatten tanzten.
„Ihr scherzt! Ich kann doch durch keine Wände gehen.“
Pakleil lächelte ohne jeglichen Spott, als er an Nathaniel vorbei ging und ruhig sagte: „Verzeiht! Ihr wart ja noch nie hier. Das ist keine Wand, sondern eine Schwingtür. Kommt mit.“
Damit berührte er die milchige Wand auf einer Seite und drückte sie nach innen. Sofort schwang die Tür an einem unsichtbaren Angelpunkt nach innen und gab den Blick auf ein wahres Küchenchaos frei.
Die vorherige Stille machte einem summenden Stimmenwirrwarr Platz, und wo zuvor nur die klare Luft des Treppenhauses gewesen war, tanzten nun die betörensten Düfte.
Nathaniel fühlte sich an seine Windpfeil erinnert und fühlte sich gleich etwas wohler.
Überwältigt von den vielen Eindrücken, stolperte er schließlich hinter Pakleil in die Zuckerstube.
Sein Ärger über den langen Weg verflog schlagartig, als er versuchte, das vorherrschende vermeintliche Chaos mit den Augen zu entwirren. Junge Frauen und Männer eilten zwischen ihren Tischen in der Mitte zu den großen Feuern an der Außenwand und geheimnisvollen Schränken, die scheinbar planlos im Raum standen, hin und her.
Überall sah man Cremes und Saucen in allen möglichen Farben und Konsistenzen von Löffeln tropfen, und der verführerische Duft heißer Gewürzkuchen drang Nathaniel in die Nase.
Sein Magen knurrte, und Nathaniel kam wieder zu sich.
In diesem Moment stand mit einem Mal Meister Dorian vor ihm, ergriff mit beiden Händen freudestrahlend die seinen und begrüßte ihn herzlich.
„Captain Weißstein! Es freut mich außerordentlich, dass ihr endlich einmal den Weg hier herauf zu uns geschafft habt. Ich weiß ja, wie ungern ihr euer Schiff verlasst, aber ihr müsst zugeben: dafür hat es sich gelohnt, oder?“
Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen machte er eine große Geste und schloß sein ganzes Reich damit ein.
„Kommt mit! Ich möchte euch meine neuste Kreation zeigen, die ich dank eurer letzten Lieferung noch rechtzeitig zum diesjährigen Geburtstag unseres Prinzen herstellen konnte.“
Mit einem Wink bedeutete er Nathaniel, ihm zu folgen. Dieser folgte ihm ohne ein Wort, denn noch immer konnte er seine Augen nicht von dem geschäftigen Treiben lassen, das ihn auf seltsame Weise an das scheinbar ebenso unkoordinierte Durcheinander auf seinem Schiff erinnerte.
Erst als Meister Dorian ihm einen kleinen Teller mit verführerisch duftenden Plätzchen unter die Nase hielt, versuchte er das geschäftige Treiben um sich herum zu ignorieren und sich auf den Meister zu konzentrieren.
„Probiert!“ forderte dieser ihn auf, und Nathaniel nahm sich einen von den dargebotenen Plätzchen.
Als er daraufbiss, knackten die verarbeiteten Nüsse zwischen seinen Zähnen, und deren mehlig-süßer Geschmack vereinte sich mit dem weißer Schokolade und der Würze pikanten Currys.
Nathaniel war begeistert und lächelte Meister Dorian anerkennend zu.
„Genial! Ich sehe schon: ihr wisst meine Ware noch weiter zu veredeln.“
„Oh ja. Dank eurer Macadamias und eurer Erdnüsse, sowie eurem Curry konnte ich diese kleinen Naschereien erst herstellen. Kombiniert mit Honig und weißer Schokolade werden sie morgen die kleine Besonderheit sein, die auf der Geburtstagsfeier des Prinzen in aller Munde sein wird.“
Meister Dorians Augen funkelten, als er das Rezept für diese kleine Leckerei freizügig offenbarte, und während Nathaniel ihm zuhörte, beschloss er Meister Dorian nun jedes Mal zu besuchen, wenn er in Edador vor Anker ging.


Und so lautet das Rezept für die „Florentiner“:
- 125g geröstete Macadmia
- 125g geröstete Erdnüsse (ungesalzen)
- 2 EL Honig
- 50g Butter
- 50g Schlagsahne
- 50g Puderzucker
- ca. 2 TL Currypulver
- 2 EL Mehl
- 100g weiße Kuvertüre
- 10g Kokosfett (z.B. Palmin)

- Nüsse klein hacken und mischen.
- Honig, Butter, Sahne und Puderzucker in einen Topf geben und unter ständigem rühren auf mittlerer Hitze einkochen, bis die Mischung hellbraun und dickflüssig geworden ist (ca.8-10 Minuten).
- Nüsse, 1 TL Curry und Mehl unter die Mischung rühren.
- Die noch heiße Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech dünn verteilen.
- Das Ganze im vorgeheizten Backofen bei 180° ca. 15 Minuten goldbraun backen.
- Inzwischen Kuvertüre klein hacken und mit Kokosfett über einen Wasserbad schmelzen.
(mit dem Kokosfett vorsichtig umgehen! Lieber nach und nach dazugeben, damit die Kuvertüre nicht zu flüssig wird.)

- Blech aus dem Ofen nehmen – Nussmasse mitsamt dem Backpapier vom Blech ziehen und abkühlen lassen.
- Auf die Nussmasse ein zweites Backpapier legen und mit dem Nudelholz gleichmäßig ausrollen.
- Oberes Backpapier entfernen und die noch handwarme Nussmasse in Quadrate (3x3cm) schneiden.
- Quadrate zur Hälfte schräg in die flüssige Kuvertüre tauchen, abtropfen lassen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen. Kuvertürenseite mit einer kleinen Prise Curry bestreuen.

weiter zum nächsten Türchen