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Das alte "Tugis-Gesetz"

© Moordrache

Es folgt ein – verkürzter – Auszug aus den umfangreichen Reiseberichten eines Kaufmanns und Abenteurers, dessen Name nicht genau überliefert ist, der aber weit in der Welt herumgekommen war. Darin befasste er sich oft sprunghaft und ausschweifend mit Themen, welche die Herrscher seiner Heimat als eher belanglos einstufen würden; allerdings hat er seine Berichte auch nie offiziell in deren Auftrag verfasst. Heute – fast einhundert Jahre nach dem tragischen Tod des Autors während seiner Rückkehr in die Heimat – sind die Berichte in der Bibliothek seiner Heimatstadt Ims öffentlich einsehbar. Cyum befindet sich übrigens weit südlich des Äquators, Ims dagegen etwa genauso weit nördlich von ihm auf einem anderen Kontinent.

Weit, weit im Süden, nicht fern des südlichsten Endes aller bekannten Kontinente, am Fluss Rûve liegt die Stadt Cyum: Nie war es mir vergönnt, eine größere, prächtigere und umtriebigere Stadt zu erblicken! [...] Cyum ist die Hauptstadt des stolzen Cyumischen Reiches, das seit schon weit über zweitausend Jahren beinahe unverändert existiert – von einigen Grenzveränderungen meist positiver wie – seltener – auch negativer Art und anderen variablen Kleinigkeiten während dieser langen Zeit einmal abgesehen. Annähernd genauso alt wie das Cyumische Reich ist das ausgeklügelte Staats- und Rechtswesen Cyums, was sich darin zeigt, dass manche Gesetze aus jener Anfangszeit vor fast zweitausend Jahren noch heute Gültigkeit haben oder nur wenig geändert wurden. Einige Gesetze sollen sogar noch älteren Ursprungs sein und stammen aus einer einige hundert Jahre währenden Zeit, als die Herrschenden von Cyum sich noch Könige nannten und nicht fürchten mussten, vom Ältestenrat oder gar vom Volke selbst abgewählt zu werden, wie es heute möglich ist. Ja, geschätzter Leser, Eure Sinne täuschen Euch nicht, es ist wahr, in Cyum gibt es seit bald zweitausend Jahren keine Könige mehr! Auch wenn dies manchen Leser verwundern mag, aber diese Methode scheint zu funktionieren, wie die lange Geschichte des Cyumischen Reiches beweist. Allerdings liegt das sicher auch in nicht unerheblichem Maße an den Cyumern selbst, und diese Art der Volksbeteiligung an der Regierung lässt sich daher wahrscheinlich niemals auf andere Völker anwenden. Auch mussten alle meine Gesprächspartner zugeben, dass ein Herrscherwechsel dennoch seltener stattfindet als wir es uns vielleicht zunächst vorstellen können; außerdem sind – wohl in weiser Voraussicht – die meisten Cyumer der niederen Schichten gar nicht berechtigt, an den Wahlen teilzunehmen.

Doch die Herrscher und Ältesten sowie deren (Ab)Wahl werde ich in einem der nächsten Kapitel näher betrachten, möchte ich doch als erstes auch einige kuriose Auswüchse des Rechtswesens ansprechen.

Zunächst aber, bevor ich dies Kapitel jenen Gesetzen widmen kann, muss ich noch ein wenig weiter ausholen. Der Zusammenhang wird sich dem geneigten Leser alsbald erschließen, er möge sich daher bitte noch ein wenig gedulden; ich verspreche, meine Ausführungen so kurz als möglich zu halten. Ein besseres Verständnis für die Situation in Cyum wird die erfreuliche Folge dieses thematischen Nebenschauplatzes sein, dessen Fortführung hier nun erfolgt:

Schon seit der Zeit der Könige sind zwei weitere wichtige Merkmale des heutigen Cyumischen Reiches bekannt und wichtig und waren seither eher geringen Wandlungen unterworfen: Die Sklavenhaltung – wobei die Sklaven heutzutage deutlich mehr Rechte und Schutz genießen als noch vor zweitausend oder auch nur tausend Jahren, wie mir mehrfach versichert wurde – sowie der Cyumische Glaube, der sich im wesentlichen auf sechs Haupt- und unzählige Nebengötter stützt [...].

Zu jedem Frühjahrsbeginn findet ein großes Fest zu Ehren jeweils einer dieser sechs Haupt-Gottheiten statt, so dass also jeder der Sechs einmal alle sechs Jahre in den Genuss dieser besonderen Ehrung kommt. Die Tradition der Cyumer kennt dabei ganz unterschiedliche Vorschriften und Riten, die sich nach den Vorlieben des betreffenden Gottes richten, so dass keines dieser Feste innerhalb von sechs Jahren einem anderen gleicht.

Obgleich es kaum Verbindungen zwischen Sklaverei einerseits und dem Glauben andererseits gibt, berühren sich beide doch hin und wieder auf eigenartige Weise. Einer dieser Berührungspunkte ist eines der vorgenannten sechsjährlichen Feste, nämlich das zu Ehren des Gottes Tugis. Er wird vor allem seiner Weisheit, seiner Güte und Gerechtigkeit, aber auch seiner Kampfkraft und Zorneswut wegen verehrt und stellt den wichtigsten Gott Cyums dar (auf die Götter der Cyumer und einige ihrer offensichtlichen Widersprüche werde ich in einem späteren Kapitel ebenfalls noch näher eingehen). Es erscheint daher verständlich, dass die Cyumer es sich mit ihm nur äußerst ungern verscherzen wollen. So verwundert es vielleicht auch wenig, dass es – entgegen der sonstigen Angewohnheit der Cyumer, die Riten und Götter betreffenden Gebote den Tempeln und Priestern zu überlassen – sogar eigens einige Gesetze gab und noch immer gibt, die ausschließlich zu vermeiden suchen, den Zorn des Tugis zu erregen.

Schon zur Zeit der Könige war es Tradition jedes Adligen und Reichen, zum Tugis-Fest – also alle sechs Jahre – einigen Sklaven die Freiheit zu schenken, was ihn nach Glauben der Cyumer besonders erfreuen soll. Damals hatten Sklaven noch den Status billigster Massenarbeitskräfte inne und genossen nur wenige Rechte und kaum Schutz. Der Verlust eines oder einiger weniger Sklaven fiel im Geldbeutel der Adligen und Reichen also kaum ins Gewicht.

Heute sieht dies allerdings anders aus. Sklaven sind seltener geworden, müssen von ihren Herren pfleglicher behandelt werden – ja, sie dürfen üblicherweise nichtmal geschlagen werden – und sind vor allem deutlich teurer geworden, jedoch immernoch billiger als gut ausgebildete Diener und Arbeiter aus der Bürgerschicht, einmal ganz davon abgesehen, dass ohne die Sklaven gar nicht genug Arbeitskräfte zur Verfügung stünden, um alle anfälligen und teils auch unangenehmen Arbeiten in Cyum zu erledigen.

Da sich die Adligen und Reichen – zwischen deren Stände es in Cyum kaum rechtliche Unterschiede gibt – in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger dagegen gesträubt haben, ihren Beitrag zum Freilassen der Sklaven zu leisten, wurde vom Ältestenrat der Stadt eigens ein Gesetz erlassen, das alle Großgrundbesitzer dazu verpflichtet, mindestens einem Sklaven zum Tugis-Fest die Freiheit zu schenken. Der Begriff "Großgrundbesitzer" wiederum ist in einem anderen Gesetz genauestens festgelegt und erfasst viel eher den Wert des Landbesitzes als dessen tatsächliche Größe; und Reichtum wird in Cyum fast ausschließlich am Land- und Gebäudebesitz festgemacht.

Dieses Gesetz erfuhr bereits wenige Jahre später einige Erweiterungen, da findige Adlige und Reiche oftmals nur alte, gebrechliche, kranke oder ohnehin kurz vor ihrer Freilassung stehende Sklaven für diesen Zweck verwendet haben, oder besonders billige – weil ungelernte und dumme – Sklaven nur hierfür gekauft haben. Insbesondere die Herrscher fürchteten wohl den unberechenbaren Zorn des Tugis, wenn ihm zu Ehren nur unnütze Sklaven freigelassen würden.

So muss seit diesen Gesetzesänderungen ein Sklave, der zum Tugis-Fest freigelassen wird, mindestens seit acht Jahren im Dienste seines Herren gestanden haben, aber darf höchstens drei Tugis-Feste während seines Dienstes unter diesem Herren miterlebt haben, was also achtzehn bis dreiundzwanzig Jahren entspricht. Da Sklaven – sofern sie nicht straffällig geworden sind – meist erst nach dreißig Dienstjahren freigelassen werden, sind die Tugis-Sklaven gewöhnlich noch weit von ihrer Nutzlosigkeit wegen zu hohen Alters entfernt. Zudem sind sie nach acht Dienstjahren so gut angelernt, dass ihre Herren kaum noch auf sie verzichten können und sie einen gewissen Wert darstellen. Auch der Austausch von Sklaven unter den verschiedenen Reichen oder Adligen, um überhaupt keine Sklaven zu haben, die in diesen zeitlichen Rahmen fallen (denn es zählen immer nur die Dienstjahre unter ein und demselben Herren), schadet mehr als er hilft, denn auch beim Tauschen oder bei Schenkungen fällt in Cyum die Sklavensteuer an, und die ist nicht niedrig. Wechselt kein Geld oder offensichtlich zu wenig Geld den Besitzer, schätzen die Beamten den Wert des betreffenden Sklaven – und gehen dabei stets sehr großzügig mit den Zahlen um. Außerdem fürchten manche wohl auch, dass die Sklaven das eine oder andere Geheimnis seines alten Herrn an den neuen Herrn weitergeben könnten.

Angesichts dessen, dass sich, außer den reichsten unter den Reichen, die meisten (nach dem Gesetz) Großgrundbesitzer nur drei bis sechs Sklaven leisten können – jene mit nur einem oder zwei Sklaven sind per Gesetz von der Pflicht zur Freilassung befreit, gelten aber ohnehin meist nicht als Großgrundbesitzer – stellt der erzwungene Verlust eines Sklaven alle sechs Jahre auch einen herben finanziellen Verlust dar, da der fehlende Sklave ja durch einen annähernd gleichwertigen ersetzt werden muss. Doch die Obrigkeit – die kurioserweise von den Adligen und Reichen ja selbst gewählt wird – ist da unerbittlich.

Die meisten Betroffenen haben sich inzwischen in ihr Schicksal gefügt und folgen zähneknirschend dem besagten Gesetz.

Aber einige findige Rechtsbeistände – oh ja, diesen Beruf gibt es in Cyum tatsächlich, was mir angesichts der vielen cyumischen Gesetze auch sinnvoll erscheint; und die Fähigsten unter ihnen gelten selbst als reich – haben ein uraltes Gesetz entdeckt, das noch aus dem Ende der Königs-Zeit stammt, also beinahe zweitausend Jahre alt ist. Dies Gesetz wurde niemals abgeschafft oder im für diesen Fall wesentlichen Punkt geändert. Und hier beginnt das eigentliche Kuriose der cyumischen Gesetze. Denn auch dieses Gesetz – das ich mangels besserer Kenntnis hier einmal als "altes Tugis-Gesetz" bezeichne – behandelt die Opfergabe und Freilassung der Sklaven zu Ehren des Tugis. Doch damals war es offensichtlich eher noch notwendig, die Zahl der freigelassenen Sklaven einzuschränken. Offenbar fürchteten die Könige damals eine unkontrollierbare Schwemme von Freigelassenen alle sechs Jahre. Außerdem führte die Freilassung von Sklaven einiger bestimmter Adliger zu einem großen Unglück, dem letztendlich auch das Ende der Königs-Zeit einige Jahrzehnte später zugeschrieben wird. Angeblich soll Tugis über jene Freigelassenen besonders erzürnt gewesen sein, denn sie trugen ein – freilich damals noch unerkanntes – Makel an sich. Leider wurden mir dazu mehrere verschiedene Berichte gegeben, die dem Wesen und der Bedeutung eines Berichts kaum gerecht werden, doch ich versuche, aus alle dem die mir am wahrscheinlichsten erscheinende und glaubhafteste Version zusammenzufassen:

Schon seit der Gründung der Stadt Cyum glauben ihre Bewohner, dass eine bestimmte Pflanze schweres Unglück über die Stadt, das Reich und – vor allem – den Besitzer des Grundes, auf dem sie wächst, bringt. Diese Pflanze zeigt nach meist zweijährigem Wachstum schwarze, kelchförmige Blüten und bildet später ebenso schwarze Früchte, die den Beschreibungen nach, die mir gegeben wurden, wohl in etwa kleinen Kirschen ähneln. Sie wird in Cyum frei übersetzt "Pestbote" oder auch "Todesbote" genannt. Dummerweise gibt es eine zweite Pflanze, die von jener schwarzblühenden vor der Blüte nicht zu unterscheiden ist. Deren Blüten sind jedoch meist blau oder violett, und sie gilt als heilige Blume einer der anderen Gottheiten, weshalb sie nicht gerodet werden darf, und damit, der Ähnlichkeit und Verwechselbarkeit wegen, auch nicht der "Todesbote". Diese Unglücksblume kann erst entfernt werden, wenn die schwarze Blüte zu sehen und so eine Unterscheidung möglich ist.

Nun trug es sich zum vorhin erwähnten Tugis-Fest noch zur Zeit der Könige zu, dass in einigen Gärten und auf einem Acker mancher Adliger dieser "Pestbote" unentdeckt blieb oder vielleicht auch nur ignoriert wurde, obwohl sich die Blüten üblicherweise wenige Tage vor dem Tugis-Fest öffnen. Bezeichnenderweise wurden, so wurde mir versichert, ausnahmslos alle freigelassenen Sklaven genau dieser Adligen wenige Tage nach dem Tugis-Fest schwer krank und starben schließlich einen qualvollen Tod. Und so wurde das Tugis-Fest und das Opfer – die Freigelassenen – natürlich entweiht. Schon mit dem Tod der ersten Kranken soll die Erde nahe Cyums schwer gebebt haben, was als sicheres Zeichen des göttlichen Zorns gedeutet wurde.

Auch die betroffenen Adligen wurden von schweren Unglücken heimgesucht, doch verliefen diese noch vergleichsweise glimpflich ab; es gab keine Todesopfer oder schlimmeres zu beklagen. Man mutmaßte den Grund dafür damals darin, dass die "Todesboten" inzwischen entfernt worden waren. Mir selbst erscheint das unsinnig. Warum sollten die Sklaven, die jene Todesboten seit Tagen nicht mehr gesehen haben, sterben, und jene Sklaven, die sie zweifellos beseitigt haben, zwar erkranken, aber wieder gesunden? Aber erklärt dies einmal einem Cyumer – oder besser: versucht es nicht, wenn Ihr keine Tracht Prügel und übelste Beschimpfungen ernten wollt!

Wie dem auch sei: In Cyum hatte man die Schuldigen gefunden. Da schon damals rasch der Verdacht aufgekommen war, dass einige der Adligen die "Todesboten" wider besseren Wissens zunächst nur ignoriert statt ausgerottet haben, wurde ein Gesetz erlassen, das einerseits die Entfernung der "Todesboten" vorschreibt und andererseits den Adligen, bei denen diese kurz vor dem Tugis-Fest ihre Blüten geöffnet haben, die Freilassung von Sklaven zu jenem Fest streng verbietet. Damit sollte wohl verhindert werden, dass wegen dieser Unglücksblume todgeweihte Sklaven den Gott erneut erzürnen können.

Wie schon erwähnt, endete bald darauf auch die Zeit der Könige, nachdem deren Heere empfindliche Niederlagen hinnehmen mussten und das Reich erheblichen Landbesitz verloren hatte. Dies alles wurde auf den Zorn Tugis ob der verseuchten Sklaven zurückgeführt. Natürlich mochte man ein ähnlich schreckliches Schicksal dem neuen – und noch heute gültigen – Staatswesen, das nach einigen Jahren des führungslosen Daseins folgte, vermeiden, weshalb das vorgenannte "alte Tugis-Gesetz" nie abgeschafft wurde.

Heute inzwischen sind die Cyumer weit weniger abergläubisch – behaupten sie jedenfalls – als damals, und das alte Gesetz kennt heute kaum noch jemand, selbst im Ältestenrat soll es viele geben, denen es unbekannt ist (was wohl auch eine Erklärung dafür sein könnte, dass es nicht abgeschafft wird; und natürlich die Tatsache, dass im Ältestenrat auch jene vertreten sind, die sich nun auf dieses alte Gesetz berufen, um keine Sklaven freilassen zu müssen). Auch wird um jene Adlige und Reiche, die sich auf das alte Gesetz berufen, seitens der zuständigen Beamten kein großes Aufhebens gemacht; vermutlich, damit sich die Existenz dieses Gesetzes nicht zu weit herumspricht und womöglich bald überhaupt keine Sklaven mehr freigelassen werden. Ein wenig Aberglaube scheint also – insbesondere im Kreise der Herrschenden und der Beamten – immer noch vorhanden zu sein, trotz aller gegenteiligen Behauptungen.

Eigenartig ist nur, dass immer nur vor dem Tugis-Fest in manchen Gärten, Höfen und auf anderen Ländereien von Großgrundbesitzern solche "Todesboten" entdeckt werden – so gut wie nie aber in den anderen Jahren oder auf den Äckern von Cyumern, die nicht als Großgrundbesitzer gelten; zumindest soweit ich das aus den Erzählungen herausgehört habe. Es war ohnehin schon schwer genug, von den Cyumern überhaupt etwas über diese eigenartigen Gesetze zu erfahren.

Und obgleich ich den Verdacht hege – den ich aber gegenüber meinen cyumischen Gastgebern nie offen auszusprechen wagte –, dass die "Todesboten" speziell zu diesem Zwecke irgendwo im Verborgenen ausgesät und dann rechtzeitig in die gewünschten Gärten gepflanzt werden – sicherlich für den einen oder anderen ein guter Nebenverdienst, und für die Adligen dennoch günstiger, als den Sklaven zu verlieren –, scheint ihr regelmäßiges, "geheimnisvolles" Auftauchen kein nennenswertes Unglück mehr zu bringen.

Mir selbst war leider nicht vergönnt, solch eine Pflanze mit eigenen Augen zu sehen – es mag daran liegen, dass ich nicht während eines Tugis-Festes in Cyum weilte. So kann ich nicht sagen, ob die Blüten tatsächlich völlig schwarz sind, was ich mir kaum vorstellen kann. Einer meiner späteren Gastgeber in Cyum behauptete, die "Todesboten" seien bereits innerhalb der ersten paar Jahrhunderte nach dem Ende der Königs-Zeit vollständig ausgerottet worden. Offensichtlich wusste er nichts von jenem alten Gesetz und dessen Nutzen für einige der heutigen – und ganz sicher auch der zukünftigen – Adligen und Reichen. Oder wollte er das nur nicht zugeben?

Ebenso war es mir leider nicht vergönnt, jene Gesetze mit eigenen Augen zu lesen – ganz davon abgesehen, dass ich die Cyumische Schrift nur unzureichend kenne –, aber die Cyumer halten alle Gesetze, die nur sie selbst betreffen, gegenüber Fremden unter strengem Verschluss. Der Grund dafür ist mir schleierhaft.

[... an dieser Stelle folgt im Original-Bericht ein weiteres, hierfür unwichtiges Beispiel eigenwilliger Gesetzgebung in Cyum ...]

Der werte Leser mag nun besser verstehen, wie ein derart altes, vom gemeinen Volk mitgestaltetes Rechtswesen – so bewährt es auch in vielen Bereichen sein mag – auch seine Schattenseiten haben kann. Wir sollten daher nicht in Versuchung geraten, das Cyumische Staats- und Gesetzwesen zu kopieren. Es kann nur schiefgehen. [...]