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Nadaroster Bindin-Schutzgesetz

© Taipan

Das im Jahre 1157 n. MF in Kraft getretene Nadaroster Bindin-Schutzgesetz war anders, als der Name vermuten lässt, kein Gesetzt zum Schutz der Bindinminderheit in den Städten Haagests, sondern eines zum Schutz vor einer vermeintlichen Invasion von Bindin. In den ungefähr sechzig Jahren, in denen es in Kraft war, wurde in seinem Namen diese Minderheit so stark ausgebeutet, dass es an Sklaverei grenzte. 1219 wurde es von Taranis Batraal nach einer Volksbefragung außer Kraft gesetzt.


Historischer Hintergrund

Die Wurzeln für das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz liegen sehr tief in der Geschichte zurück. So war die Insel lange Zeit ausschließlich von den Bindin bewohnt, die nur auf Haagest und auch dort ausschließlich in den Wäldern der Buckel vorkamen. Das Fehlen von leicht kultivierbaren Pflanzen führte dazu, dass sie aus eigenen Kräften keine Landwirtschaft entwickelten und fast ausschließlich als Sammler lebten.

Selbst 720 v. MF änderte sich dies trotz des Eintreffens der ersten Siedler aus Kolonor nicht, hauptsächlich Sinierer und – wahrscheinlich als Kundschafter – Garudas. Denn da die Insel auf dem ersten Blick den Sinierern nicht viel bieten konnte, zogen sie auch schnell wieder ab, ließen aber einige Garudas zurück, die in den Küstengebieten ihre Siedlungen errichteten. Da die Garudas sich ausschließlich von Knochen ernährten, waren sie vom Mangel an Kulturpflanzen nicht betroffen. Von den Bindin in den Wäldern wussten sie, ignorierten diese aber, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Nur gelegentlich tauchten nach Vulkanausbrüchen vereinzelt Bindingruppen im Tiefland und an den Küsten auf, verschwanden aber in der Regel nach einiger Zeit wieder.

Konflikte mit den Bindin gab es erst, als um 400 n. MF die ersten Xolarer – das Volk der kleinwüchsigen Auir – nach Haagest kamen, die auf dem fruchtbaren vulkanischen Boden an den Hängen der Buckel begannen Ackerbau, doch blieben diese eher kleinräumig. Das Misstrauen der Binden den Auir gegenüber und umgekehrt führte zu keinem Informationsaustausch, weshalb sich die Bindin technisch nicht weiterentwickelten, außer dass sie lernten den Bauern Vorräte zu stehlen. Die wenigen Bindin, die versuchten ihr Glück bei den Menschen zu machen und diese von ihrer Friedfertigkeit überzeugen konnten, mussten immer niedere Arbeiten annehmen, weil ihnen das technische Wissen zu mehr fehlte, weshalb sich bald die Meinung durchsetzte, dass Bindin nicht mehr als sprechende Tiere wären, und dazu führte, dass man begann sie auszunutzen.

Der Erste Tanibedischer-Haagester-Kanalkrieg 997 – 1002 n. MF und die anschließende Annektierung von Haagest durch Tanibed 1002 ging an den wenigen Bindin in den Städten und Dörfern Haagests fast spurlos vorbei. Die ersten größeren Probleme mit den tanibedischen Besatzern kamen erst 1134 n. MF, als der Cosabhulg ausbrach und die Heimat zahlreicher Bindin verwüstete, woraufhin die meisten der vertriebenen Überlebenden hinunter in die Küstenstädte zogen. Die plötzlich so zahlreichen Bindin beunruhigten viele Städter, auch wenn es genug gab, die Situation ausnutzten. Auf das Drängen der Bevölkerung etwas gegen diese vermeintliche Invasion zu unternehmen, war König Cunet VII schließlich dazu gezwungen, rechtlich dagegen vorzugehen. Weil er die Bindin nicht aus den Städten verjagen wollte, nahm er nur die Volksmeinung, dass die Bindin sprechende Tiere seien, und abaute darauf das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz auf.


Das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz

Das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz verbietet es den Bindin nicht in Städte (und auch Dörfer) zu ziehen, doch sie dürfen nur dann dort für längere Zeit leben, wenn sie innerhalb einer Woche eine Arbeit egal welcher Art annehmen. Der Arbeitgeber ist dabei nicht verpflichtet den Bindin Lohn zu zahlen – ihre Bezahlung ist schließlich der Aufenthalt in der Stadt – allerdings muss er wöchentlich die minimalen Abgaben von einem Jej (schon die Bezahlung für einen Knecht/eine Magd beträgt das Zehnfache) pro Bindin in seinem Dienst leisten. Den Bindin wird nach dem Gesetz jeder Rechtsschutz ausdrücklich verwehrt, da sie nicht intelligent genug sein, vernünftig damit umzugehen.

Die gesellschaftlichen Folgen für das Gesetz waren anfangs nicht besonders groß, stellte es doch nur eine Legalisierung der bis jetzt herrschenden Zustände dar – abgesehen von den Abgaben. Das plötzliche Vorhandensein einer großen Menge von fast kostenlosen Arbeitskräften mit Händen, die wegen ihrer Feingliedrigkeit um etliches geschickter waren als die von (erwachsenen) Menschen, führte allerdings nach einigen Jahren zum Entstehen von zahlreichen Manufakturen, die zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung und zu einem Aufblühen der Haagester Städten führten, während die Bindin in ein sklavenähnliches Dasein gezwungen wurden. Die einzigen, die sich für ihr Los eingesetzt hätten – die Garudas – hatten ebenfalls mit Diskriminierung zu kämpfen (wenn diese auch nicht durch Gesetze legalisiert war). So kam es dazu, dass die Bindin bald ihr neues Los kommentarlos annahmen, was mit der Zeit die meisten Kritiker verstummen ließ. Die Bindin schienen schließlich zufrieden zu sein. Ein Hauptziel, nämlich das Zuwandern von Bindin, wurde mit dem Gesetz allerdings nicht erreicht.


Weg zur Absetzung des Gesetzes und die Bindin heute

Um 1200 kam Taranis Batraal nach Haagest, wo er mit Hilfe verbündeter Garudas und Auir Aufstände gegen die tanibedanisch Besatzung organisierte, was 1212 dazu führte, dass König Mechnar IV seine Truppen abziehen musste und Taranis Batraal die Herrschaft über Haagest übernahm. Als 1218 deshalb erneut Unruhen auszubrechen drohten, gab Batraal lieber (zumindest nach außen hin) den Großteil seiner politischen Macht ab und machte Haagest zu einer demokratischen Republik, in der sowohl Auir, als auch Garudas und die anderen mittlerweile sehr zahlreichen Minderheiten die gleichen Rechte hatten. Die einzige Ausnahme waren nur die Bindin, und zwar wegen des noch immer gültigen Nadaroster Bindin-Schutzgesetzes, was weniger den Bindin – die sich an den Zuständen mittlerweile gewöhnt hatten – sondern den Garudas ein Dorn im Auge war, die befürchteten schrittweise ihre eben erst gewonnen Rechte wieder zu verlieren, wenn nicht alle Minderheiten gleichberechtigt waren. Seine Freundschaft mit Taranis Batraal ausnützend begeisterte der Garuda Kuckiio Batraal für die Idee einer Volksbefragung über den rechtlichen Status der Bindin, die 1219 durchgeführt wurde. Obwohl die Bindin an dieser Befragung nicht teilnehmen durften – sie hatten noch keine politischen Rechte – und viele Auir und die meisten zurück gebliebene Tanibeder für den Status Quo stimmten, war doch die Mehrheit überraschenderweise für die Abschaffung des Nadaroster Bindin-Schutzgesetzes. Der vielfach genannte Grund dafür – nämlich, dass die Mehrheit der Haagester Bevölkerung die zahlreichen Minderheiten sind – stimmte (zumindest damals noch) nicht. Vielmehr schafften es die Garudas ausreichend viele von ihrer Meinung zu überzeugen. Noch im selben Jahr wird das Gesetz trotz einiger Proteste von Manufakturbesitzern, die dank verstärkter Präsenz der Wachen in den Städten allesamt friedlich blieben, abgesetzt und die Bindin – auch jene, die noch in den Buckeln lebten – wurden zu vollwertigen Haagester Staatsbürgern.

Seit 1219 hat sich nicht nur für die in den Städten lebenden Bindin einiges geändert. Zwar führen sie noch immer hauptsächlich niedrige Arbeiten aus und bekommen nicht so viel Lohn wie andere Haagester – was mit der geringen Größe und der daraus resultierenden geringeren Körperkraft begründet wird – aber sie sind freie Bürger, genießen wie andere Haagester Rechtsschutz, können durch Wahlen ihr politische Zukunft mitbestimmen und haben zumindest auf dem Papier dieselben Chancen wie andere Haagester. Derzeit sitzt sogar ein Bindin in der Regierung. Um zu verhindern, dass die Bindin der Buckel in Massen in die für sie nun freundlichen Städte ziehen, wird diesen Entwicklungshilfe gewährt, was mittlerweile so gut funktioniert, dass heute mehr Bindind von den Städten als in die Städte ziehen. Politisches Mitspracherecht hätten auch die Bindin in den Buckel, doch machen diese schon allein aus organisatorischen Gründen nur selten davon Gebrauch.


Lexikon

Alaton: Kontinent (zu dem die Insel Haagest gehört)

Auir: Volk von kleinwüchsigen Xolarern

Batraal, Taranis: tanibedischer Magier, der Haagest befreite und zum Herrscher dort ernannt wurde

Bindin: nur um die 80 Zentimeter groß werdende Kulturschaffende, die an Hörnchen erinnern

Buckel (die): Gebirge auf Haagest vulkanischen Ursprungs

Cunet VII: tanibedischer König, der das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz verabschiedet

Cosabhulg: größter Vulkan in den Buckeln

Erster Tanibedischer-Haagester-Kanalkrieg: Krieg zwischen Tanibed und Haagest

Garudas: geierartige Kulturschaffende

Haagest: Insel im Thmerischen Ozean im Osten von Alaton

Jej: Währung auf Haagest

Kolonor: Kontinent; liegt südlich von Alaton

Mechnar IV: tanibedischer König, der Haagest aufgeben musste

Nadarost: inoffizielle Hautpstadt von Haagest

Sinierer: sehr hellhäutige Menschenrasse

Tanibed: Staat in Alaton (am Festland)

Xolarer: Menschenrasse mit einer bräunlichen Hautfarbe


Geschichtstafel

720 v. MF: Eintreffen der Sinierer und Garudas; nur die Garudas bleiben

400 n. MF: erste xolarische Siedler (Auir) lassen sich auf Haagest nieder

997 – 1002 n. MF: Erster Tanibedischer-Haagester-Kanalkrieg

1002 n. MF: Annektierung von Haagest durch Tanibed

1154 n. MF: Ausbruch des Cosabhulg

1157 n. MF: Nadaroster Bindin-Schutzgesetz tritt in Kraft

1212 n. MF: Unabhängigkeit von Haagest und Machtübernahme von Taranis Batraal

1218 n. MF: Umstellung der Regierung Haagests auf eine demokratische Republik

1219 n. MF: nach einer durch Garudas injizierte Volksbefragung wird das Nadaroster Bindin-Schutzgesetz abgeschafft

1436 n. MF: heute