Community > WBO > WBO 2008 > Chcica

Chcíca

© Sturmfaenger

Die Clans vom Stamm der N'hakchr halten seit Jahrhunderten das Gebiet des Roten Waldes im Tal von Larrchril, das direkt an das Narbengebirge grenzt und auf dessen Regenschattenseite die Wüste Naszh und die Gebiete der Chon’naclans beginnen.

Das bekannteste Gericht der Region wird Chcíca genannt.

Ursprünglich wurde es nur bei besonderen Anlässen wie Bruderfesten, Zweitgeburtsfeiern und Ahnentagen gegessen.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Delikatesse ist der Rogen einer der seltenen Fischarten die sich in solcher Nähe zur Wüste behaupten konnten.

Es handelt sich dabei um Dácck, die sogenannten Schlangenfische. Sie leben in von Quellen gespeisten Tümpeln, unterirdischen Wasserlöchern und brackigen Seen, die während der niederschlagsarmen Monate beinahe austrocknen. Die Knappheit des Wassers begrenzte früher die Anzahl an Schlangenfischen, die in der freien Natur gefangen oder in Becken herangezogen werden konnten.

Seit die von menschlichen Sklaven gebauten unterirdischen Kanäle die Region besser mit Wasser versorgen, ist die Züchtung von Dácck-Schlangenfischen in größeren Becken möglich, und damit hat Chcíca als Gericht Einzug in den alltäglichen Speiseplan gehalten.

Bei der Zubereitung wird der Dácckrogen zunächst zu einer Paste zerstampft, in diese Paste knetet man frisch gehackte Kräuter hinein. Der starke Eigengeschmack des Rogens macht die Zugabe weiterer Gewürze unnötig.

Entwässerter Quark aus Rhúhmilch, der je nach verbliebenem Wassergehalt bröckelig oder cremig ist, wird mit mit dem salzhaltigen Ausscheidungssekret der pflanzenaussaugenden Salzlaus gewürzt, und bildet die zweite wichtige Komponente des Gerichts.

Rogenpaste und Quarkmasse werden nun ausgerollt und in mehreren dünnen Schichten übereinandergelegt. Wenn man diesen „Kuchen“ durchschneidet ist der Schichtenwechsel als optisch ansprechendes Streifenmuster zu sehen. Tatsächlich schneidet man nicht nur einmal, sondern so oft, bis man viele würfelförmige Stückchen in der gewünschten Dicke hat.

Wie groß die Stücke sind hängt vom persönlichen Geschmack desjenigen ab, der das Chcíca zubereitet. Kleine Würfelchen garen schneller durch und schmecken ein wenig anders als solche, die nur oberflächlich angebraten, innen aber noch roh sind. Der einzige Unterschied ist die schnellere Verderblichkeit von größeren Chcícawürfelchen.

Jedes einzelne wird nun mit einer klebrigen Paste aus verquirrlten Chvrí-Eiern bepinselt und mit grobem Mehl aus getrockneten und anschließend zermahlenen Hollqmaden paniert. Erst dann kommt es in eine weite Pfanne, wo es mit jeder Menge Fett, kleingehäckseltem Ckkurhfleisch und getrockneten H’tnablüten zu einem schmackhaften Pfannengericht angebraten wird.

Die Tatsache, daß es sich bei den hackfleischähnlichen Ckkurhbestandteilen des Chcíca um Plazentastückchen handelt ist nicht allgemein bekannt, da die verschiedenen Stämme hierzu voneinander abweichende religiöse Ansichten haben.

Die N'hakchr haben beobachtet, daß die Tiere, selbst wenn es normalerweise Vegetarier sind, die Nachgeburt stets fressen. Sie sind der Ansicht, es handle sich bei dieser Fleischgabe um ein segensreiches Geschenk der Göttinmutter, eine Belohnung für die vollbrachte Leistung der Geburt. Darum halten sie es mit den Nachgeburten mancher ihrer Nutztiere genauso. Sie essen sie, um etwas von dem Segen abzubekommen.

Die Nachgeburten ihrer eigenen Frauen werden der Göttin zum Dank für die erfolgreiche Geburt als Opfergabe dargebracht.

Die anderen Clans, allen voran die mächtigen Chon’na, vertreten eine andere Einstellung:

Während einer Schwangerschaft ist ein Säugling ständig in Gefahr, von bösen Geistern besessen zu werden. Die Mütter verhindern dies indem sie diesen Geistern eine Falle stellen: sie erzeugen mit der Plazenta ein ‚falsches Kind’, die bösen Geister fallen darauf herein, setzen sich darin fest und können dem echten Baby nichts mehr antun.

Nach der Geburt der Säuglings wird die Plazenta von den Müttern abgestoßen und von den Geburtshelfern rituell zerstört. Den Nutztieren wird erlaubt, die Nachgeburt aufzufressen, da dies ihre Art der rituellen Zerstörung ist.

Da es zwischen den Chon’na und den N'hakchr in der Vergangenheit schon mehrfach zu Fehden und Kriegen gekommen ist welche die N'hakchr am Ende immer verloren haben, wird die Anstoß erregende Zutat geheimgehalten. Man weiß offiziell nur, daß es sich bei dem fleischigen Bestandteil von Chcíca um Ckkurhfleisch handelt, und soweit es die N'hakchr betrifft, wird dies auch immer so bleiben.