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Cjhccim (Becherkraut)

© Sturmfaenger

Cjhccim (Becherkraut)

Das Cjhccim ist eine Pflanze, die man auf Szad’Azdhar, der Heimatwelt der Hornanden findet, und zwar in denwenigen üppigen grünen Flusstälern dieser ansonsten eher wüstenähnlichen Welt. Cjhccim ist sehr selten, da es eine Schmarotzerpflanze ist, die nur auf Schmarotzerpflanzen wächst. Und zwar den Ylnßo-Becherpilzen, die an den Baumstämmen des ShtnachI-Baums wachsen. Darum nennt man Chjccim auch ‚Becherkraut’.

Über die Ausscheidungen von Vögeln, die in den Becherpilzen ihr Nest bauen, gelangen Cjhccimsamen zu ihren Wirtspflanzen, und warten geduldig auf einen der seltenen starken Regenfälle, nach denen das Wasser in den Pilzen mehrere Zentimeter hoch steht. Würzelchen bilden sich aus und durchziehen innerhalb weniger Tage den gesamten Ylnßopilz. Blätter hat das Cjhccim nicht - es bildet haarfeine, filigrane Ranken aus, die als wuscheliges Gewirr aus dem Becherpilz herausquillen.

Das Cjhccim nutzt Wasser und Nährstoffe des Ylnßopilzes, der wiederum den ShtnachI-Baum schröpft, um das Ganze zu überleben. Jede Feinranke bildet alle paar Millimeter Knospenknötchen aus - wenn diese aufbrechen ist die Pflanze von winzigen hellgelben Blüten bedeckt. Die Blütenpracht hängt weit über den Rand des Ylnßobechers hinaus, und da nicht alle Knospen gleichzeitig aufbrechen, entlässt das Becherkraut über Tage hinweg seine Pollen in den Wind, und wird auch selbst über den Wind bestäubt.

Falls die Blüten mangels Wind oder nahen Cjhccim unbefruchtet bleiben stirbt das Rankengewirr ab, das Wurzelgewebe im Pilz bleibt jedoch bestehen. In den meisten Fällen überlebt der Pilz diese Tortur, so daß das Cjhccim die Chance hat, beim nächsten Regenfall noch einmal aufzublühen.

Sind die Blüten allerdings erfolgreich bestäubt worden, so wird alle verbliebene Energie in die Samenproduktion gesteckt, der Wirtspilz wird dabei meist derart ausgelaugt daß er abstirbt. Wenn dies geschieht stirbt auch das Cjhccim ab, und die gelblichen kleinen Beerchen hängen in einem Gewebe verdorrter Ranken. Das alles geschieht innerhalb von wenigen Wochen.

Verschiedene Vogelarten, durch die Regenfälle in Paarungsstimmung gekommen, interessieren sich für das verdorrte Gewirr als Polstermaterial für ihre Nester, und fressen auch von den Beeren. In jedem Fall landen dadurch Cjhccimsamen in gesunden, großen Ylnßo-Becherpilzen, welche den Vögeln als Nistplatz dienen. Hier müssen sie nur auf den nächsten Regen warten, und der Kreislauf beginnt von Neuem.


Riskantes Heilmittel

Cjhccim ist den Hornanden als Heilpflanze seit langem bekannt. Der wirksame Inhaltsstoff findet sich in jedem Teil der Pflanze, und so wird auch die ganze Pflanze verwendet - außer den Wurzeln. Diese kann man nicht eindeutig vom Wirtspilz trennen, daher wird die Pflanze etwa einen Zentimeter über dem Pilz abgeerntet. Das Wurzelgewebe bleibt dadurch intakt und kann wieder austreiben.

Das Cjhccim wird getrocknet, zermahlen und so lange gekocht und eingedickt, bis ein zäher Brei entstanden ist. Dieser wird als eines der wenigen bekannten Mittel während der ersten Stadien der Krankheit N’sthrak verwendet.

Man nennt N’shtrak auch das ‚Leid der Mutigen’, da man sich nur anstecken kann, wenn man auf der Rhúh-Jagd verwundet wird und die eigenen offenen Wunden in Kontakt mit dem Blut der Tiere kommen. Die schwer gepanzerten Rhúh sind nur die Überträger des Erregers, der durch die Nahrung über den Darmtrakt in ihr Blut gelangt. Der Kranke leidet an schmerzhaften Krämpfen, die mit fortschreitendem Krankheitsverlauf immer heftiger werden und länger andauern. Im Endstadium sind die Herzkrämpfe so stark und langanhaltend daß der Betroffene stirbt. Man erkennt die beginnende Infektion am typischen Geruch der Wunde, und sollte schon in diesem Moment beginnen zu handeln. Die Wunde muß mehrmals täglich mit Cjhccimbrei bestrichen werden, während der Kranke zusätzlich stärkende Nahrung und Tränke erhält.

Das Schwierige bei der ganzen Sache ist die Dosierung. Die hornandischen Heiler wissen nicht genau, welche Inhaltsstoffe der Pflanze für die Heilung verantwortlich sind, aber genau deren Konzentration schwankt stark während der verschiedenen Lebensabschnitte des Cjhccim.

Der Inhaltsstoff kommt nur während der Phase zwischen Blüte und Samenbildung in nutzbarer Form in der Pflanze vor. Zunächst ist der Gehalt recht niedrig, was eine längere Einwirkphase durch Auftragen des Breis auf die Wunde notwendig macht. Nachdem die Blüten befruchtet wurden und die Pflanze sich auf Samenproduktion umstellt, steigt der Gehalt aber sprunghaft an, und dies muß man bei der Dosierung berücksichtigen.

Daher muß man bei der Chjccim-Ernte immer das Wetter im Auge behalten. Wenn in den Tagen zuvor der Wind wehte, sind die Blüten schon bestäubt, und statt einem Brei genügt ein Sud, den man auf die Wunde träufelt. Achtet man nicht darauf und trägt einen Brei mit der hohen Konzentration auf die Wunde auf, ist die Konzentration des Stoffes zu hoch. Tückisch ist, daß die Symptome einer Cjhccim-Vergiftung ähnlich sind wie die der N’sthrak-Krankheit: heftige Krämpfe, Schüttelfrost, Schwindelgefühle und Schweißausbrüche. Ein gesunder Hornande könnte die Vergiftung durchaus überleben, wenn sein Immunsystem aber zugleich noch gegen N’shtrak kämpft, wird es kritisch. Da N’shtrak aber sonst auch tödlich verläuft, und die hornandischen Heiler in den meisten Fällen umsichtig und erfahren sind, wird das Becherkraut trotzdem geschätzt.