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Cobolsuppe

© Taipan

Fragt man als Fremder in Haagest einen Auir, Tanibeder oder Garuda nach einer traditionellen Speise der Grobor, so wird man mit Sicherheit Cobolsuppe als Antwort bekommen. Und jeder, der diese Suppe kostet, wird verwundert feststellen, dass dabei vielerlei Fleisch bzw. Fisch verwendet wird, nur nicht wie man vom Namen erwaten würde das Fleisch der Cobol oder anderer Pferderassen. Trotzdem waren und sind die kleinen Pferde der Grobor seit jeher eng mit der Suppe verbunden.

Cobolsuppe ist nicht gleich Cobolsuppe, sondern unterscheidet sich je nach Region, in der sie zubereitet wird. So wird für die Gayaner Cobolsuppe Fisch verwendet, für die Jhegarer Ziegenfleisch und für die Betu Cobolsuppe Muscheln mit Seetang, nur um einige der vielen lokalen Variationen zu nennen, wobei die Gayaner Cobolsuppe die bekannteste ist. Pferdefleisch wird auf alle Fälle nicht verwendet, gilt doch bei den Grobor der Verzehr von Pferdefleisch bei religiösen Feierlichkeiten – und für solche wurde sie ursprünglich gekocht – als Tabu. Einige Zutaten sind aber bei jeder dieser Suppe gleich, nämlich Parret, ein sehr würziger Ziegenkäse aus den Buckeln und die Cobolpaste, deren Zusammensetzung nur den Markors, den Priestern des Korogaismus bekannt ist und auch nur von jenen zubereitet wird. Weitere wichtige Zutaten sind Curnammehl, Sahne, Robaten – eine schmackhafte Knolle – und anderes Gemüse.

Coboltanz und Cobolsuppe – Historischer Hintergrund

Ursprünglich war die Cobolsuppe ausschließlich für feierliche Anlässe bestimmt, bei denen fast immer mindestens ein Coboltanz aufgeführt wurde und wird. Was zuerst da war – Tanz oder Suppe – können heute nicht einmal die Markors sagen, die seit jeher über das Zeremoniell gewacht haben. Beide gehören auf alle Fälle zu einer religiösen Zeremonie, deren tiefere Bedeutung allerdings im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist, wie vieles im Korogaismus. Ein Coboltanz findet stets in der Nacht statt, nicht selten sogar in geschlossenen, für den Zweitpunkt des Tanzes unbeleuchteten Räumen. Hier wird ein speziell abgerichteter Cobol zu wilder Musik von einem Grobor geritten oder besser gesagt zum Tanzen gebracht. Der Reiter hält bei dem Spektakel Fackeln in den Händen, kann diese natürlich auch werden, solange das Feuer nicht erlischt. Normalerweise werden auch am Cobol selbst kleine Spiegelchen oder gar Sonnensteine befestig, vor allem an den Hufen, den Beinen, dem Kopf und in Mähne und Schweif, die das unruhige Fackellicht widerspiegeln und/oder selbst leuchten. Die wilde Musik, das Fackellicht, die unberechenbaren Spiegelungen und die exstatischen Bewegungen von Reiter und Cobol lassen dabei eine angenehm gespenstische Stimmung entstehen. Während des Tanzes – oft sind es mehrere Tänze von mehreren Pferd-Reiter-Paaren hintereinander – gehen einige große Töpfe mit Cobolsuppe durch die Runde, von denen jeder Grobor mit einem eigenen großen Schöpflöffel so viel nimmt, wie er will oder wie viel in den Schöpflöffel passt, bevor er den Topf an den nächsten weiterreicht. Die Zuseher haben keine eigenen Schüsseln und müssen, wenn sie mehr wollen, auf die nächste Runde warten. Dass in der Dunkelheit dabei der ein oder andere Unfall passiert, ist normal und einen Coboltanz mit Flecken zu verlassen, ist keine Schande. Gefürchtet werden nur schwerere Verbrühung, die auch vorkommen, wenn auch zum Glück selten.

Als der tiefgläubige Eparch Vartion von Porell 1148 n. MF den Coboltanz verbieten ließ – er war der Ansicht, bei den schaurigen Ereignis würden Dämonen oder heidnische Götzen angerufen werden – waren die Grobor dazu gezwungen, entweder auf ihre geliebte Suppe zu verzichten oder diese auch ohne des Tanzes zuzubereiten. Entgegen ihrer vorsichtigen Art entschiedenen sie sich für letzteres und um ein Zeichen des Protestes zu setzen, wenn auch ein sehr vorsichtiges, kam die einst seltene Suppe immer häufiger auf die Tische der Grobor, anfangs zwar hauptsächlich auf denen der Wohlhabenden von ihnen, aber mit der Zeit auch bei immer mehr Grobor der Mittelschicht. Natürlich verzichtete man in den eigenen vier Wänden auf das halbblinde herumreichen des Suppentopfes. Als Vartions Pferde liebender Nachfolger Arnan von Enkil-Moril als eine seiner wenigen Amthandlungen das Tanzverbot wieder aufhob – es wurde danach noch dreimal verhängt und wieder aufgehoben – war die Cobolsuppe aus der Alltagsküche der Grobor nicht mehr wegzudenken, wurde und wird aber auch weiterhin traditionell während des Coboltanzes gegessen, auf die traditionelle Art.

Heute ist die Cobolsuppe das Groborgericht schlechthin, obwohl nur wenige Nichtgrobor in den Genuss kommen, eine richtige Cobolsuppe zu essen. Denn nach wie vor hüten die Markors das Geheimnis der Cobolpaste und verdienen ein kleines Vermögen bei der Herstellung und dem Verkauf der roten Paste, sie müssen dafür nicht einmal hohe Preise verlangen. Versuche an das Rezept zu kommen hat es genug gegeben, bisher ohne Erfolg. Sicher ist man sich bis jetzt nur, dass mindestens neun Kräuter verwendet werden – die neun, die bekannt sind – und dass für die rote Farbe eindeutig kein Cobolblut verantwortlich ist, wie man früher angenommen hat. Tatsächlich kommt die rote Farbe nämlich von der Rinde der Putrat, einem häufigen Strauch im Osten von Haagest.

Gayaner Cobolsuppe (Rezept)

Zutaten

500 g Fisch (Zarrezzi, Horkar und Fächerbarsch)

1 l Wasser

¼ Glannwein (aus Algen zubereitetes alkoholisches Getränke)

1 Zwiebel

5 getrocknete Nesselkapseln

10 schwarze Pfefferkörner

400 g Curnammehl

400 g Butter

500 g Robaten

250 g Karotten

100 g Parret

¼ l Sahne

1 Würfel Cobolpaste

Salz, Neggrelkraut

Fisch ausnehmen, entgräten und in 3 cm große Stückchen schneiden. Zwiebel würfelig schneiden. Wasser, Glannwein, Zwiebel Nesselkapseln und Pfeffer in einen Topf geben und fünf Minuten kochen. Fischstücke hinzufügen etwa 10 Minuten kochen lassen, bis sie gar sind, dann herausnehmen. Robaten und Karotten würfelig schneiden. Aus Butter und Mehl eine Einbrenne anrühren, nach und nach mit der Suppe aufgießen, Robaten und Karotten hinzufügen und die Suppe solange kochen, bis Robaten und Karotten bissfest sind. Käse und Cobolpastenwürfel fein reiben und mit der Sahne vermengen; die Mischung vorsichtig in die Suppe einrühren. Die Cobolsuppe so lange weitergaren, bis der Käse und die Cobolpaste geschmolzen sind. Mit Salz abschmecken. Die Fischstücke in die Suppe geben und sie noch einmal kurz erhitzen, aber nicht zum Kochen bringen. Neggrelkrautblättchen darüber streuen und servieren.