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Das Erntebittfest der Norr

© Taipan

Anhänger des Menaismus, die es vielleicht irgendwann einmal für längere Zeit nach Norr oder Vinorr verschlägt, werden früher oder später bemerken, dass die Norr, obwohl sie sehr gläubige Menaisten sind, doch sehr sonderbare religiöse Feste und Zeremonien feiern, die einzigartig in Alaton sind und eigentlich keinen richtigen Sinn zu ergeben scheinen, bei genauerer Nachfrage nicht einmal für die Norr selbst. Sie feiern diese Feste, weil sie immer so gefeiert worden sind, und nur wenige haben jemals versucht dies zu hinterfragen. Zu diesen vielen Festen gehört auch das Erntebittfest, das jedes Jahr ungefähr einen Mond nach dem Erntedankfest gefeiert wird, und zwar am ersten Neumondtag des Hamorot. Neben dem etwas seltsamen Tag der Feier unmittelbar nach der Ernte, zeichnet sich das Fest auch den Ort der Zeremonie und durch den Gott aus, der dabei verehrt wird.

Das Erntebittfest: 
Das Erntebittfest ist anders, als man es vermuten könnte, kein Fest zu Ehren der Göttin Logathla, die sonst angerufen wird, wenn man um reiche Ernte bitte oder sich dafür bedankt, sondern ein Bittfest an den Regen- und Flussgott Weldrogo. Schon lange davor sammeln die Norr in großen Krügen Regenwasser und tragen diese in eine Senke oder, falls es keine Senken in der Umgebung gibt, zwischen mehrere Hügel, die im Notfall sogar künstlich aufgeschüttet werden. Aber auch andere Flüssigkeiten wie Milch, Bier, Schnaps, Met oder bei reichen Familien auch importierter Wein zur Senke gebracht, vor allem wenn sie eine Familie besonderen Beistand wünscht oder zeigen will, was sie sich leisten kann. Die Feierlichkeiten beginnen mit der eigentlichen Zeremonie zu Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht. Dabei geht der Priester - es können auch mehr Priester sein - unter den Augen der warteten Menge, die in monotonen Gebeten Weldrogo um seine Gnade für die nächste Ernte bittet, von einem Gefäß zum nächsten, um diese mit würdigem Ernst zu leeren. Bei größeren Siedlungen und sammel- und spendenfreudigen Gläubigen kann das durchaus bis zum Sonnenuntergang dauern, doch ist der letzt Tropfen in der Senke vergossen, kommt Leben in die bis jetzt nur ehrfürchtig um Gnade bittende Menge. Nun werden neue Fässer herbeigeschafft oder sind schon herbeigeschafft worden, diesmal nur mit Alkoholischem gefüllt und die Norr beginnen ausgelassen bis zum nächsten Morgen zu feiern, um Weldrogo noch zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen. Für die Priester ist es aber dann meist an der Zeit, sich nun zurückzuziehen. Weil Weldrogo ein Regengott und sein Symbol der Regenbogen ist, wird es immer als gutes Zeichen gesehen, wenn es während der Zeremonie regnet oder, was noch ein viel besseres Zeichen und für die Anwesenden deutlich angenehmer ist, wenn ein Regenbogen zu sehen ist. Die Norr sind sich dann sicher, dass das kommende Jahr gut wird.

Gründe und Ursachen: 
All die Besonderheiten des Erntebittfestes kann man viel leichter verstehen, wenn man sich die Mühe macht zu untersuchen, woher die Norr ursprünglich kamen, denn das Fest an sich ist deutlich älter als 2.000 Jahre und entstand daher nicht in Alaton, sondern in Meseleth, bevor die Norr (wie fast alle anderen Xolarer auch) von dort vertrieben wurden. Denn bevor die Norr nach Alaton fliehen mussten, lebten sie in dem Gebiet zwischen der Meledis im Norden, dem Spinellgebirge im Osten und dem Turebensee im Osten. Obwohl des Gebiet wegen des Gebirges im Vergleich zum Rest der Gespenstersteppe nicht so stark unter der jährlichen Trockenzeit zu leiden hatte, war doch der Regen überlebenswichtig, um eine Ernte zu garantieren und Ernteausfälle aufgrund von zu spätem oder zu wenigem Regen, kamen regelmäßig vor. Für die Norr war es leicht zu erkennen, wann es kritisch wurde, denn dann trockneten abgesehen vom riesigen Turebensee all die vielen kleinen Seen aus, die hier so zahlreich zu finden sind. Und schließlich war man wohl dazu übergegangen, die Zeremonien in solchen ausgetrockneten Seen stattfinden zu lassen, um Weldrogo noch deutlicher zu zeigen, dass Regen dringend notwenig war.
Als die ersten Norr den Norden von Alaton erreichten, klammerten sie sich an ihre alten Feste, um nicht ganz den Bezug zu ihrer alten Heimat zu verlieren. Im Fall des Erntebittfestes stellten sich aber gleich mehrere Schwierigkeiten. So lag die Erntezeit in Meseleth im Spätwinter und Frühling, während sie in Norr im Sommer und Herbst liegt, also unmittelbar vor dem Erntebittfest. Außerdem waren ausgetrocknet Seen so gut wie nicht zu finden, schon gar nicht im regenreichen Hamorot. Hier hat man sich schließlich mit Senken und Hügeln geholfen, die gar nicht so selten extra aufgeschüttet wurden. Abgesehen von Weldrogos Priestern - und da nicht einmal von allen - und ganz wenigen Historikern, weiß heute kein Norr mehr davon, was aber niemanden davon abhält, an der Hauptzeremonie teilzunehmen und das Fest ausgelassen zu feiern.